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Erich Kästners "Sachliche Romanze". Analyse und Interpretation unter Einbezug der Epochenmerkmale

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Begründung der Themenwahl und des Vorgehens

2 Leben, Werke und Erfolge des Autor Erich Kästner

3 Die neue Sachlichkeit - zu den historisch gesellschaftlichen Umständen und der Literatur

4 Das Gedicht Sachliche Romanze - Originaltext und Zusammenfassung des Inhalts

5 Analyse und Interpretation des Gedichtes Sachliche Romanze
5.1 Aufbau
5.2 Metrik
5.3 Syntaktische Gestaltung
5.4 Rhetorisch stilistische Gestaltung
5.2.1 Strophe 1 Vers 1-4
5.2.2 Strophe 2 Vers 5-8
5.2.3 Strophe 3 Vers 9-12
5.2.4 Strophe 4 Vers 13-17

6 Fazit und Bezug zum Autor

Literatur

1. Begründung der Themenwahl und des Vorgehens

In dem Gedicht Erich Kästners mit dem Titel „Sachliche Romanze“ aus dem Jahre 1929, setzt sich der Autor mit den Emotionen Liebe und Schmerz in einer Partnerschaft, sowie dem Verlauf einer Trennung auseinander.

Ich werde mich in meiner Hausarbeit mit diesem Gedicht auseinandersetzen. Dabei möchte ich mich auf die Klärung der Frage nach einer detaillierte Analyse und Interpretation des Gedichtes, auch unter Einbezug der Lebensumstände des Autors konzentrieren. Um dieses Vorhaben erfolgreich umzusetzen, erscheint die folgende Gliederung sinnvoll:

Primär ist es von besonderer Priorität die Biographie des Autors in Ansätzen zu rekonstruieren, um diese gegebenenfalls in Beziehung zu seinem Werk zu setzten. Dies erfolgt in Kapitel 2 - Leben, Werke und Erfolge des Autor Erich Kästner.

Darauf aufbauend wird in Kapitel 3 - Die neue Sachlichkeit - zu den historisch gesellschaftlichen Umständen und der Literatur auf den Kontext der literarischen Strömung Bezug genommen.

In Kapitel 4 - Originaltext „Sachliche Romanze “ und inhaltliche Zusammenfassung des Gedichts wird auf die inhaltliche Ebene Bezug genommen, indem anhand des Originaltextes das darin thematisierte Geschehen ermittelt wird. Das Gedicht wird dabei strophenweise aufgeführt und mit Versangaben ergänzt, um in der folgenden Analyse darauf Bezug zu nehmen.

Die sprachlichen Besonderheiten werden in dem fünften Kapitel unter dem Titel Analyse und Interpretation des Gedichtes „ Sachliche Romanze“ analysiert und interpretiert.

In einem letzten 6. Kapitel „Fazit und Bezug zum Leben des Autors“ wird schließlich ein letztes Fazit gewonnen und der Bezug zu den Lebensumständen des Autors hergestellt.

2. Leben. Werke und Erfolge des Autor Erich Kästner

Emil Erich Kästner, geboren am 23. Februar 1899 in Dresden, wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen als Sohn des Sattlermeisters, später Facharbeiter einer Kofferfabrik, Emil Kästner und seiner Frau dem Dienstmädchen, später Friseurin, Ida Amalia auf.[1] Er erweckte den Wunsch Lehrer zu werden und besucht im Zuge dessen das Freiherrliche von Fletchersche Lehrerseminar. Bevor Kästner die Lehrerausbildung erfolgreich abschließen konnte, war er gezwungen diese aufgrund des Krieges abzubrechen und trat 1917 im Alter von 19 Jahren den Dienst beim deutschen Militär an. Seine Ausbildung setze er nach dieser Zeit fort und erreichte schließlich die allgemeine Hochschulreife am Kaiser-Georg-Gymnasium in Dresden. Daraufhin nahm er im Jahre 1919 das Studium mit den Fächern Germanistik, Philosophie, Geschichte und Theaterwissenschaft in Leipzig auf. Im selben Jahr gelang es Kästner bereits erste Gedichte in Zeitschriften zu veröffentlichen.[2] Im Jahre 1923 begann die starke Dominanz der Nationalsozialisten und deren Diktatur, dies hatte eine radikal strenge Kontrolle und Unterdrückung von Literatur, Kunst, Technik und speziell Medien zufolge.[3] Unter diesen Aspekten mussten auch Kästners literarische Schöpfungen leiden. 1925 promovierte Kästner an der Universität Dresden und schrieb die Dissertation „die Erwiderung auf Friedrichs des Großen Schrift ,De la littérature allemande’“.[4] Kästner zog nach Berlin und wurde zum Theaterkritiker sowie freier Mitarbeiter für diverse Zeitungen.[5] 1928 veröffentlichte Erich Kästner mit „Herz auf Taille“ seinen ersten Gedichtband und löste in selbigem Jahr die Verlobung zu seiner Freundin Ilse Julius/Beeks, mit welcher er seit 1921 eine Partnerschaft führte. Diese Beziehung sollte nach dem Abschluss der Promotion eine Heirat nach sich ziehen.[6]

1929 erschien sein preisgekröntes erstes Kinderbuch mit dem Titel „Emil und die Detektive“. Nach etlichen weiteren Buchpublikationen erfolgreicher Werke wie die Kinderromane „Pünktchen und Anton“ im Jahre 1931 sowie „Das fliegende Klassenzimmer“ 1933, wurde dem Autor 1933 ein Publikationsverbot erteilt und jener aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Im Gegensatz zu diversen anderen Schriftstellern seiner Zeit emigrierte Kästner nicht, sondern blieb standhaft in Deutschland. Seine Bücher wurden 1933 durch die Nationalsozialisten in Berlin verbrannt. Wiederholt wurde Kästner durch die Gestapo festgenommen und vernommen, jedoch immer wieder freigelassen. Trotz des Verbotes publizierte Kästner weiterhin unter diversen Pseudonymen bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Kästners Wohnung wurde durch Bomben zerstört, somit zog er gemeinsam mit seiner derzeitigen Partnerin Liselotte Enderle im Jahre 1944 nach München.[7] 1949 wurden die bekannten Kinderroman „Das doppelte Lottchen“ und „Konferenz der Tiere“ veröffentlicht. 1951 gründete Kästner ein weiteres Kabarett mit dem Namen „Die kleine Freiheit“. Als Kästner 1961 an der Krankheit Tuberkulose erkrankt, muss dieser sich über einen längeren Zeitraum in der medizinischen Universitätsklinik München, sowie dem Lungensanatorium in Agra im Tessin in der Schweiz aufhalten. Trotz dieser Umstände und gesundheitlichen Problemen blieb er als Autor aktiv und entwickelte weitere Werke. Nach der letzten Veröffentlichung des Kinderbuchs „Der kleine Mann und die kleine Miss“ 1967 zog sich Erich Kästner im Jahre 1969 aus dem Literaturbereich zurück.[8] Kurz vor seinem Tod kommt sein Sohn Thomasse Welt. Erich Kästner starb an Speiseröhrenkrebs am 29. Juli 1974 in München.[9]

In seiner schriftstellerischen Laufbahn erhielt Kästner zahlreiche Preise und Auszeichungen. Hierzu zählen der Georg-Büchner-Preis (1957), der Lessing-Ring (1968), der kulturelle Ehrenpreis der Landeshauptstadtmünchen (1970) und viele mehr.[10]

3. Die neue Sachlichkeit - zu den historisch gesellschaftlichen Umständen und der Literatur

Die Bezeichnung ,Neue Sachlichkeit’ bezieht sich auf eine literarische Gegenströmung zum Expressionismus in den 1920er Jahren. Die deutsche Bevölkerung litt unter den Umständen und Folgen des ersten Weltkrieges und entwickelte ein zunehmendes Unbehagen im Hinblick auf die instabilen Regierungsverhältnisse.[11] Der Inflation im Jahr 1923 enteignete den Mittelstand und die Weltwirtschaftskrise 1929 schaffte eine andauernde Arbeitslosigkeit.[12] [13] Durch die Industrialisierung entwickelte sich der moderne Konsumgedanke. Individualität war nicht länger ein eigenständiger Wert, sondern verallgemeinerbares Gut, insbesondere als Ware. Dies übertrug sich auf das künstlerische und literarische Produzieren. Die moderne Massenkultur war einheitlich und typisierbar, dem Standard erlagen die Menschen der Zeit.75 Doch nicht nur Materielles, sondern auch Emotionen wie Liebe veränderten ihren Stellenwert. Liebe entledigte sich der Funktion, Individualität und Emotionalität zu repräsentieren und wurde in ein neues Konzept gepresst.[14] Die negative Assoziation als Bedrohung für die eigene Zukunftsplanung gewann an Bedeutsamkeit, denn eine Partnerschaft sei nunmehr erst sinnvoll und klug, wenn der eigene Entwicklungsprozess abgeschlossen sei.[15] Liebe verlor ihren Existenzialismus und wurde lediglich als geringer unterhaltender Zusatz im Lebensverlauf wahrgenommen.[16] Der physische Aspekt von Liebe gewann im Gegensatz dazu an Bedeutung, zugleich jedoch erfolgte die Deerotisierung, indem die Sexualität nüchtern ausgelebt wurde.[17]

Diese Versachlichung und Distanzierung von Emotionen und Mensch stellen einen bedeutsamen Grundzug der neuen Sachlichkeit dar.

Die Literatur der neuen Sachlichkeit orientierte sich an diesem Weltbild. Ein klarer, nüchterner Schreibstil, welcher sich durch seine Verständlichkeit auszeichnet, und die funktionelle Form der Texte sowie reale, alltägliche Themen als Gegenstand neusachlicher Literatur, zeichnen diese Epoche aus. Zentrale Charakteristika sind die „Verwendbarkeit, Funktionalität und gesellschaftliche Relevanz“[18] innerhalb neusachlicher Texte. Die deutschen Künstler, welche sich der neuen Sachlichkeit zuordnen lassen, wollten die „Verdorbenheit und Widersprüchlichkeit der Lebensverhältnisse abbilden“[19], in welchen die Gesellschaft sich befand. In Opposition zu anderen Kunstströmungen der Zeit wurde nicht eine bessere Welt zum Gegenstand der neusachlichen Literatur. Die Darstellung der realen Umstände sollte verdeutlichen, wie defizitär die Lebensqualität der Menschen schien. Trotzdessen war die Literatur der Strömung gleichsam emotional wie sonstige, jedoch sachlich und objektiv widergespiegelt.

Erich Kästner steht namentlich für die Literatur der neuen Sachlichkeit, sein Gedicht „Sachliche Romanze“ ist exemplarisch für jene literarischen Strömung. Inwiefern die Merkmale und Umstände in jenem Werk vertreten sind, wird in der Analyse und Interpretation sowie im abschließenden Fazit beleuchtet.

4. Das Gedicht Sachliche Romanze - Originaltext und Zusammenfassung des Inhalts

Das Gedicht „Sachliche Romanze“, welches von Erich Kästner 1929 verfasst wurde, erschien unter „Dr. Erich Kästners lyrische Hausapotheke“.[20]

Inhaltlich thematisiert der Autor die Beziehung eines Paares. Dieses empfindet nicht mehr die einst bestehende Intensität von Liebe zueinander.

Als sie einander acht Jahre kannten 1

(und man darf sagen: sie kannten sich gut), 2

kam ihre Liebe plötzlich abhanden. 3

Wie andern Leuten ein Stock oder Hut. 4

Innerhalb der ersten Strophe thematisiert der Autor den Verlust der Emotion Liebe nach einer achtjährig bestehenden Liebesbeziehung.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter, 5

versuchten Küsse, als ob nichts sei, 6

und sahen sich an und wußten nicht weiter. 7

Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei. 8

In der zweiten Strophe beschreibt der Autor den Umgang der Partner mit der Situation, sowie die negativen Gefühle jener.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken. 9 Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier 10

und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken. 11

Nebenan übte ein Mensch Klavier. 12

Der Autor stellt in der dritten Strophe des Gedichtes die Umgebung und Atmosphäre dar, in welcher sich die Partner befinden, sowie den routinierten Alltag mit zeitlichem Bezug.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort 13

und rührten in ihren Tassen. 14

Am Abend saßen sie immer noch dort. 15

Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort 16

und konnten es einfach nicht fassen. 17

Verdeutlicht wird in der letzten Strophe die Unfähigkeit der Partner über ihre Probleme zu kommunizieren. Sie sind fassungslos über den Verlauf ihrer Beziehung, jedoch weiterhin nicht in der Lage dies in einem Gespräch auszudrücken und Probleme zu lösen.

5. Analyse und Interpretation des Gedichtes Sachliche Romanze

Im Folgenden wird das Gedicht „Sachliche Romanze“ im Hinblick auf die metrische, syntaktische und rhetorisch stilistische Gestaltung analysiert und in direktem Bezug interpretiert.

[...]


[1] Rema Hug: Gedichte zum Gebrauch. Die Lyrik des Erich Kästners: Besichtigung, Beschreibung, Bewertung. Würzburg 2006, S.18.

[2] ebd. S. 19.

[3] Hoffmann, Friedrich/ Rösch, Herbert : Grundlagen, Stile, Gestalten der deutschen Literatur. Eine geschichtliche Darstellung. Berlin 1996, S.100f.

[4] Hug 2006, S. 19.

[5] ebd.

[6] Werner Schneyder: Erich Kästner. Ein brauchbarer Autor. München 1982, S.70.

[7] Klaus, Kordon: Die Zeit ist kaputt. Die Lebensgeschichte des Erich Kästner. Weinheim und Basel 1994, S. 54.

[8] Hug 2006, S.20.

[9] Biographie. Online unter: http://www.erich-kaestner-museum.de/erich-kaestner/biographie/ (10.09.2016)

[10] Preise. Online unter: http://www.erich-kaestner-museum.de/erich-kaestner/biographie/

(10.09.2016)

[11] Fähnders, Walter: Avantgarde und Moderne 1890-1033. Lehrbuch Germanistik. Osnabrück 2010, S. 208.

[12] ebd. S.209.

[13] Reinhardt-Becker, Elke: Seelenbund oder Partnerschaft? Liebessemantiken in der Literatur der Romantik und der Neuen Sachlichkeit. Frankfurt/Main 2005, S.207.

[14] ebd. S.206.

[15] ebd. S.217.

[16] ebd. S.206.

[17] Pasuch, Nicole: Neusachliche Romanzen? Die Darstellung von Liebesbeziehungen in der Lyrik Erich Kästners. In: Der Deutschunterricht 5. 2013, S.38.

[18] Reinhard-Becker, Elke 2005, S. 41.

[19] Hodge, Susi: 50 Schlüsselideen der Kunst. Heidelberg 2014, S.148.

[20] Kästner, Erich: Sachliche Romanze. In: Harald Hartung (Hg.): Jahrhundertgedächtnis. Deutsche Lyrik im 20. Jahrhundert. Stuttgart 1998, S. 139.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668490949
ISBN (Buch)
9783668490956
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371239
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Schlagworte
Lyrik Analyse Erich Kästner Beziehung

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