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Geragogik. Grundlagen und Lernfelder im Alter

Seminararbeit 2016 16 Seiten

Gesundheit - Gerontologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeines
1.1 Begriffsdefinition und Abgrenzungen
1.2 Geschichte der Geragogik

2. Grundlagen der Geragogik
2.1 Zielgruppen und Relevanz der Geragogik
2.2 Ziele der geragogischen Bildungsarbeit
2.3 Methodische Ansätze

3. Lernfelder im Alter
3.1 Biografie und Identität
3.2 Lebenssinn und Spiritualität
3.3 Kreative Lebensgestaltung
3.4 Gesundheitlicher Bereich
3.5 Generationendialog

4. Resümee

5. Persönliche Stellungnahme

6. Quellenverzeichnis
6.1 Literaturquellen
6.2 Internetquellen

1. Allgemeines

1.1 Begriffsdefinition und Abgrenzungen

Der Begriff ‚Geragogik‘ entstammt einerseits den griechischen Worten ‚Geraios/Geraros‘, welche mit ‚alt‘ oder ‚der Alte‘ übersetzt werden können, und andererseits dem Wort ‚ago‘, was ‚ich führe/leite‘ bedeutet (vgl. Bubolz-Lutz, Gösken, Kricheldorff und Schramek 2010, S. 11). Demzufolge kann man bei der Geragogik von der Führung und Leitung älterer Personen sprechen. Sie bildet im menschlichen Lebensverlauf die Fortsetzung der Pädagogik und der Andragogik (vgl. Sachs 2009, Stand: 13.02.2016).

„Geragogik ist jenes Teilgebiet der Gerontologie und Erziehungswissenschaften, das sich in Forschung, Lehre, Theorie und Praxis mit allen Problemen, Lerninhalten und Lernprozessen befasst, die mit dem Altern und dem Alter zusammenhängen.“ (Wingchen 2004, S. 52) Bacher (o.J., Stand: 12.02.2016) fasst diese Definition wie folgt zusammen: „Die Geragogik befasst sich in der Praxis und in der Theorie mit Fragen, die mit der Bildung von alternden Menschen zu tun haben.“ Demzufolge vereint auch die Geragogik als pädagogische Disziplin Wissenschaft und Praxis. Die Geragogik wird dabei in drei zentrale Bereiche unterteilt. Der erste Bereich widmet sich ausschließlich dem wissenschaftlichen Aspekt der Altenbildung, also der Erforschung von Bildungsprozessen und Entwicklung von Bildungskonzepten im Alter. Der zweite Bereich beschäftigt sich mit der aktiven Bildungsarbeit von Älteren und mit der Aufklärung über den Prozess des Alterns für Personen jeden Alters und richtet sich an die Klientinnen und Klienten. Im dritten Bereich geht es um die Aus- Fort- und Weiterbildung jener Personen, die mit alten Menschen arbeiten und sie im Bildungsprozess begleiten und unterstützen (vgl. Bubolz-Lutz et al. 2010, S.14; Mitterlechner 2011, Stand: 13.02.2016).

Die Notwendigkeit der Bildung im Alter begründet sich in erster Linie in der Tatsache, dass Bildung ein lebenslanger Prozess ist, der zu keinem Zeitpunkt des Lebens abgeschlossen werden kann. Aufgrund des ständigen gesellschaftlichen Wandels, sowie der kontinuierlichen kognitiven Forderung als lebensverlängernde Maßnahme durch das Hinauszögern von kognitiven und motorischen Verkümmerungserscheinungen sind wir Menschen bis ins hohe Alter aufgefordert und eingeladen uns ständig weiterzubilden (vgl. Bubolz-Lutz et al. 2010, S. 11). Unter Bildung versteht man jedoch nicht nur das gezielte Aneignen und Erweitern von Fertigkeiten, Fähigkeiten und Wissen, sondern einen aktiven handlungsbezogenen Prozess, welcher aus der Reflexion eigener Erfahrungen resultiert. Das Entwickeln von Individualität im Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse, Ziele, Wertvorstellungen, Talente und persönlichen Sichtweisen in Bezug auf sich selbst, das soziale Umfeld und die Gemeinschaft hat in der Bildung einen hohen Stellenwert (vgl. Bubolz-Lutz et al. 2010, S. 27).

Es gibt einige Bereiche, die mit der Geragogik verwandt sind. Darunter versteht man zum Beispiel die Gerontagogik, welche meist mit der Geragogik gleichgesetzt wird, da eine Abgrenzung dieser beiden Bereiche schwierig ist. Die Gerontologie wiederum beschäftigt sich ausschließlich mit dem wissenschaftlichen Aspekt der Altenbildung und klammert dabei den praktischen Anteil aus (vgl. Deutscher Bildungsserver o.J., Stand: 13.02.2016). Die Geriatrie beschäftigt sich mit der Gesundheit im Alter im medizinischen, psychologischen und sozialen Sinn, sowie mit auftretenden Krankheiten in der zweiten Lebenshälfte (vgl. Universitätsklinikum Jena o.J., Stand: 13.02.2016).

1.2 Geschichte der Geragogik

Bildung im Alter ist durchaus kein neues Phänomen, sondern wurde bereits in der Antike als überaus sinnvoll erachtet. Generell lässt sich jedoch sagen, dass es in Bezug auf die Bedeutung der Bildung im Alter im Laufe der Geschichte sehr unterschiedliche Auffassungen gab, sowohl im gesellschaftlichen Sinn, als auch individuell. So wurde zum Beispiel Bildung bis Mitte des 18. Jahrhunderts nicht nur auf Kinder und Jugendliche beschränkt, sondern galt als Ideal für sämtliche Menschen in allen Lebensphasen (vgl. Bubolz-Lutz 2010, S. 37). Das gesamte irdische Leben sollte nach den damaligen Wertvorstellungen erfüllt gelebt und richtig vollendet werden, um ein glückliches Leben nach dem Tod beginnen zu können, was lebenslange Bildung voraussetzte (vgl. Paloús 1979; zit. nach Bubolz-Lutz 2010, S. 37). Aristoteles wiederum hatte ein durchaus negatives Bild von alten Menschen. Er war der Meinung, dass das Wesen Älterer von Streitsucht geprägt ist und erachtete den Prozess des Alterns lediglich als Abbau. Er ging auch so weit, das Altern als natürliche Krankheit zu werten. Diese Ansicht wird nach heutigen Ansichten in der Wissenschaft keinesfalls mehr geteilt (vgl. Wingchen 2004, S.12).

Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen in Bezug auf das Alter wurden im 17. Jh. durchgeführt. Dabei beschäftigten sich Wissenschaftler in unterschiedliche Fachrichtungen mit den Veränderungen, die sich im Prozess des Alterns ergeben. Neben der Biologie, der Medizin, der Psychiatrie, der Psychologie und der Soziologie wurde auch der pädagogische Aspekt des Alterns beleuchtet und erforscht, welcher heute unter den Begriffen ‚Gerontagogik‘ und ‚Geragogik‘ bekannt ist (vgl. Wingchen 2004, S. 12). Letzterer wurde 1965 von Hilarion Petzold erstmals gebraucht und wird bis heute bevorzugt in Verbindung mit der Altenbildung verwendet (vgl. Wingchen 2004, S. 51).

2. Grundlagen der Geragogik

2.1 Zielgruppen und Relevanz der Geragogik

Geragogische Arbeit richtet sich nicht nur an die älteste Generation unserer Gesellschaft, da Alten- und Altersbildung für Personen in jeder Phase des Lebens von Bedeutung ist. Schließlich will auch der Prozess des Alterns gelernt sein. Je früher und intensiver eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik erfolgt, desto besser gelingt in der Regel die Bewältigung des Alltags im Alter. Aus diesem Grund umfasst das Feld der Klientinnen/Klienten, sowohl Kinder, als auch Personen vor der Pensionierung, alte Menschen und die in der Altenarbeit tätigen Personen (Wingchen 1995, S. 25ff).

Die Bedeutung des früh erlernten Alters begründet sich dahingehend, dass die Vorstellungen über das Wesen und den Charakter, die körperliche und geistige Verfassung, sowie die gesellschaftliche Rolle des alten Menschen bereits in frühester Kindheit geprägt werden und sich in den folgenden Lebensabschnitten festigen. Fakt ist, dass Kinder betagte Menschen eher mit negativen und introvertierten Eigenschaften und Charakterzügen in Verbindung bringen. Krankheit, Zurückgezogenheit und Untauglichkeit sind nur einige Schlagwörter, die Kindern zuerst einfallen, wenn sie an Seniorinnen/Senioren denken. Teilweise wird dieses negative Fremdbild durch Darstellungen alter Menschen in Werbungen und Märchen, wie zum Beispiel die böse Hexe, gefördert. Obwohl Kinder in Bezug auf ihr eigenes Alter durchaus optimistische Vorstellungen haben und diesen letzten Lebensabschnitt als angenehm und positiv in gesellschaftlicher, finanzieller und persönlicher Hinsicht beschreiben, verändert sich dieser kindliche Optimismus im Laufe des Lebens analog zum Fremdbild alter Personen, die Kindern durch diverse äußerliche Einflüsse mitgegeben werden. Die Altenbildung sieht aus diesem Grund ihre Aufgabe darin, Kindern ein realistisches Bild vom Alter und Altern zu ermöglichen, um diesen Extremen bezüglich der Einstellungen dem Alter gegenüber entgegenzuwirken und die Kinder darauf vorzubereiten, was sie im letzten Lebensabschnitt möglicherweise wirklich erwarten wird (vgl. Wingchen 1995, S. 28ff). Die konkrete Umsetzung kann unter anderem vor allem im direkten Kontakt zwischen Kindern und älteren Personen umgesetzt werden, beispielsweise durch Spielenachmittage in Altenheimen. Wichtig ist, diese ‚Begegnungen‘ unter ein bestimmtes Motto oder Thema zu stellen, um beispielsweise durch eine gemeinsame Aktivität anfänglichen Hemmungen im gegenseitigen Kontakt entgegenzuwirken und das Kennenlernen und Begegnen auf möglichst ungezwungener Basis zu ermöglichen.

Die persönliche Auseinandersetzung mit der künftigen Lebensgestaltung nach der Pensionierung ist ebenso bedeutsam, da festgestellt wurde, dass Menschen, die noch im Berufsleben stehen und bereits Pläne und Vorstellungen bezüglich des nächsten Lebensabschnittes haben, viel besser mit der Umstellung vom Arbeitsalltag auf die Pensionierung zurechtkommen. Die persönliche Wahrnehmung in Bezug auf die Umstellung von der Berufstätigkeit auf die Pension hängt aber auch von der individuell empfundenen Attraktivität der beruflichen Tätigkeit, als auch von der eigenen Sichtweise im Hinblick auf die Pensionierung und die damit verbundenen Lebens- und Alltagsveränderungen ab. Bereits im Alter von fünfzig bis fünfundfünfzig Jahren ist eine gezielte Auseinandersetzung mit dieser Thematik bereits zu empfehlen. Die Betreffenden sollen in diesem Zeitraum beginnen, sich über den bevorstehenden Ruhestand und dessen Gestaltung klar zu werden. Neben den genauen Vorstellungen und konkreten Plänen, ist dabei vor allem eine positive Einstellung in Bezug auf die kommende Lebensphase essentiell. Es gibt dahingehend auch Angebote in Form von Altersvorbereitungskursen, die von einigen Arbeitgebern organisiert und angeboten werden, jedoch in den meisten Fällen von den Arbeitnehmern nicht genutzt werden. Allerdings haben ein Drittel aller Befragten einer Untersuchung angegeben, sich gedanklich mit dem Lebensabschnitt nach der Pensionierung auseinandergesetzt zu haben. Der wichtigste Aspekt der Altenbildung mit Berufstätigen vor der Pensionierung ist bei den Betreffenden das Bewusstsein zu wecken, sich für neue ‚Lebensinhalte‘ zu öffnen und diese bereits in der letzten Phase des Berufslebens in den Alltag zu integrieren. Interessen, Hobbys und soziale Kontakte sollen der sogenannten Altersehe entgegenwirken, da ansonsten die Gefahr besteht, dass der Lebenssinn schlagartig erlischt, wenn die Partnerin/der Partner plötzlich stirbt (vgl. Wingchen 1995, S. 32ff).

Die Grundlage der Arbeit mit alten Menschen im geragogischen Kontext bildet die Lebensbewältigung. Es soll das höchste Maß an Autonomie und Selbstständigkeit im Alltag erhalten bleiben, welche für die individuelle Seniorin/den individuellen Senior möglich ist und somit zur Verzögerung auftretender Verkümmerungserscheinungen beitragen. Die Bildungsarbeit mit Älteren soll ihnen dabei die Möglichkeit geben, Wissen und Kenntnisse zu vertiefen, um die sich fortlaufend verändernde Welt verstehen und nachvollziehen zu können. Da klassische Bildungseinrichtungen, wie die Volkshochschule, nur von vier Prozent der Seniorinnen/Senioren zur Weiterbildung genutzt werden, ist es von zentraler Bedeutung, dass diesbezüglich Angebote der Geragogik möglichst vielen älteren Personen zugänglich und vertraut werden. Darum findet geragogisches Arbeiten meist an Orten und in Einrichtungen statt, welche hauptsächlich von Seniorinnen/Senioren genutzt werden, wie es beispielsweise in Alten- und Pflegeheimen der Fall ist. Aber auch Wissensbörsen, wo die Kenntnisse und Lebenserfahrungen der Seniorinnen/Senioren an Zweite vermittelt werden, sowie Erzähl-Cafés, die regelmäßig unter Vorgabe bestimmter Themen stattfinden, Theatergruppen, Selbsthilfegruppen und Wohngemeinschaften sind praxisnahe Beispiele für die möglichen Einsatzbereiche der Geragogik in Bezug auf die Zielgruppe der alten Personen (vgl. Wingchen 1995, S. 37ff).

Um geragogische Angebote überhaupt ermöglichen zu können, bedarf es der Aus- Fort- und Weiterbildung jener Personen, die in der Altenarbeit tätig sind. Ihnen soll durch die Altenbildung umfassendes und wissenschaftlich fundiertes Wissen bezüglich der Möglichkeiten im Bildungsbereich mit alten Personen zuteilwerden, damit diese Kenntnisse im Praxisfeld ein- und umgesetzt werden können (vgl. Wingchen 1995, S. 49f). Diese Zielgruppe der geragogischen Arbeit wird meist im Zuge der Ausbildung zur Altenfachbetreuerin/zum Altenfachbetreuer mit den Inhalten der Geragogik vertraut gemacht. Es gibt zwar Studienrichtungen, welche sich ausschließlich dem geragogischen Aspekt der Altenarbeit widmen, jedoch ist dieses Berufsbild in unserer heutigen Arbeitswelt noch nicht verbreitet, weshalb es nur sehr wenige ganzheitlich ausgebildete Geragoginnen/Geragogen gibt, die in der Praxis ausschließlich im Altenbildungsbereich tätig sind (vgl. Bubolz-Lutz et al. 2010, S. 227f).

2.2 Ziele der geragogischen Bildungsarbeit

Die beiden Hauptziele der geragogischen Arbeit sind die Lebensbewältigung und die Lebensgestaltung älterer Personen, welche die Basis für konkretere Zielformulierungen bilden (vgl. Bubolz 1979; zit. nach Wingchen 2004, S. 155). Darunter versteht man die Stärkung des Selbstwertgefühls alter Menschen, die Förderung ihrer Kommunikationsfähigkeit, das Ermöglichen eines relativ unabhängigen und integrierten Daseins und die Förderung von vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten (vgl. Diakonisches Werk 1979; zit. nach Wingchen 2004, S. 155).

Zur besseren Übersichtlichkeit lassen sich die geragogischen Ziele auch in vier Kategorien teilen die jedoch in der praktischen Arbeit ineinander fließen und stets miteinander in Verbindung stehen. Darunter versteht man das Zusammenspiel des kognitiven Bereichs, der Psychomotorik, der affektiven Ebene und des sozialen Bereichs.

Im kognitiven Bereich steht der Erwerb von Kompetenzen und Strukturen im Vordergrund. Die Klientinnen/Klienten werden geistig gefordert und gefördert, indem sie zu eigenständigem Denken ermutigt werden. Das Verstehen von Zusammenhängen, das Anwenden bereits erworbener Kenntnisse und das Bewerten von vorhandenem Wissen sollen dabei helfen, die im Alter abbauende kognitive Leistungsfähigkeit möglichst aufrechtzuerhalten.

Die psychomotorischen Ziele widmen sich bei alten Menschen der Verzögerung von Verkümmerungserscheinungen in den miteinander verknüpften Bereichen Wahrnehmung und Bewegung. In der praktischen Umsetzung werden dabei die körperliche Ausdauer, die Entspannungsfähigkeit und die sensomotorische Koordinationsfähigkeit gefördert, sowie die Grob- und Feinmotorik anhand der selbstständigen Durchführung von Alltagstätigkeiten längstmöglich aufrechterhalten.

Der affektive Bereich widmet sich der Sensibilisierung für emotionale Vorgänge. Die Seniorin/der Senior soll sich der eigenen Haltungen und Einstellungen bewusst werden bzw. bleiben und eigene und fremde Gefühle erkennen und akzeptieren können, sowie unpassende und plötzlich in extremer Ausprägung auftretende Gefühlsaubrüche, wie zum Beispiel aggressive Verhaltensweisen, kontrollieren und vermeiden lernen.

Die sozialen Ziele sollen die Seniorin/den Senior befähigen ein integriertes Leben in einem funktionierenden sozialen Umfeld zu führen. Da ältere Leute dazu neigen, sich zurückzuziehen und neuen Bekanntschaften tendenziell eher kritisch gegenüberstehen, wird in der Geragogik Wert darauf gelegt, die Kommunikationsbereitschaft und die Motivation zur sozialen Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu fördern. Der Aufbau eines gesunden Selbstbewusstseins und der Erwerb sozialer Kompetenzen, wie zum Beispiel Kooperationsbereitschaft, tragen dabei erheblich zu einer erfolgreichen sozialen Eingliederung in eine bestehende soziale Organisationsform, wie zum Beispiel in eine Wohngruppe in einem Altenheim, bei (vgl. Wingchen 2004, S. 157).

2.3 Methodische Ansätze

Die Geragogin/der Geragoge bzw. die anleitende Instanz geragogischer Bildungsarbeit nimmt nicht die Position der Lehrerin/des Lehrers ein, die/der ihren/seinen betagten ‚Schülerinnen/Schülern‘ Wissen vermittelt. In der Geragogik besteht ein wechselseitiges Verhältnis zwischen allen Teilnehmenden in Bezug auf das Lernen und Lehren. Die Seniorinnen/Senioren und Leiterinnen/Leiter (gruppen)geragogischer Aktivitäten bringen alle gleichermaßen Kompetenzen und Kenntnisse mit, von denen alle teilnehmenden Mitglieder jener Aktivitäten profitieren sollen. Durch den gegenseitigen Austausch und das gemeinsame Erarbeiten von Inhalten, (kreativen) Projekten etc., wo jede/jeder ihre/seine Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen einbringen darf und soll, fühlen sich die Seniorinnen/Senioren ernst genommen, was erheblich zum Gelingen geragogischer Bildungsarbeit beiträgt (vgl. Wingchen 1995, S. 86).

Obwohl sich die Leiterin/der Leiter auch als Lernende/Lernender sieht, muss sie/er ausreichend Wissen und umfangreiche Kenntnisse bezüglich der Inhalte und Aktivitäten mitbringen, um eine effektives Arbeiten mit den Klientinnen/Klienten zu ermöglichen. Sie/er soll aber offen sein für die Beiträge der Seniorinnen/Senioren, und deren Wissen und Erfahrungen als Möglichkeit zur Weiterbildung sehen. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass alte Menschen sehr reich an Lebenserfahrung sind und selbst gewissermaßen die Rolle der Expertin/des Experten in diversen Bereichen des Lebens einnehmen (vgl. Wingchen 1995, S. 86). Wenn man beispielsweise als Leiterin/Leiter einer Backgruppe eine geragogische Aktivität durchführt, muss man zwar Wissen um Rezept und Vorgehensweise beim Backen haben, jedoch stets offen für Verbesserungsvorschläge seitens der Klientinnen/Klienten sein, die aufgrund ihrer langjährigen Backerfahrungen möglicherweise viel mehr Wissen in diesem Bereich haben und wertvolle Tipps zum Gelingen des Endprodukts geben können. Die Klientinnen/Klienten wiederum werden bei der Zubereitung kognitiv, feinmotorisch und in sozialer Hinsicht gefördert und gefordert. So lernt jede/jeder dazu, gibt gleichzeitig aber auch ihr/sein Wissen weiter, um gemeinsam zu einem gesteckten Ziel zu gelangen.

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Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668491137
ISBN (Buch)
9783668491144
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371271
Institution / Hochschule
Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz – Kolleg für Sozialpädagogik der Diözese Linz
Note
Sehr gut
Schlagworte
Geragogik Altenbildung Demenz Pädagogik Senioren Andragogik Alter Generationendialog

Autor

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Titel: Geragogik. Grundlagen und Lernfelder im Alter