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"Sangokujin". Koreaner und Chinesen in Japan

Zur Konstruktion ethnischer Minderheiten im "homogenen" Japan und deren Ursachen

Hausarbeit 2011 23 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Japanologie

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Die ausländische Population in Japan: Von den Anfängen bis heute

3. Nihonjinron und das einzigartige und homogene japanische Volk
3.1. Die Grundlagen des Nihonjinron
3.2. Der Staat und Nihonjinron in der Öffentlichkeit
3.3. Japanertheorien in der Geschichte

4. Der Begriff „Sangokujin“ und Ishihara Shintaro

5. Zainichi - Koreaner in Japan
5.1. Die Kolonialzeit und die Anfänge der koreanischen Gemeinschaft in Japan
5.1.1. Rasse und Identität
5.1.2. Die Japanisierung Koreas zur Kolonialzeit
5.1.3. Koreanische Kolonialarbeiter in Japan und ihr Platz in der Gesellschaft
5.1.4. Die Lage der Koreaner nach dem zweiten Weltkrieg
5.2. Zainichi heute
5.2.1. Vorurteile und Diskriminierung
5.2.2. Die koreanische Identität
5.2.3. Koreanische hibakusha

6. Chinesen in Japan
6.1. Die chinesische Gemeinschaft in Japan vor dem chinesisch-japanischen Krieg
6.2. Anfänge der Chinesenfeindlichkeit
6.3. Kolonialzeit
6.4. Nach dem Zweiten Weltkrieg

7. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit befasse ich mich mit dem geistigen und physischen Umgang der japanischen Gesellschaft mit den in Japan lebenden Koreanern und Chinesen und damit, wie dies die Identitäten dieser Gruppen als Minderheiten konstruiert und festigt.

Die Chinesen und Koreaner teilen eine dunkle Geschichte als Opfer der japanischen Kolonialmacht um 1900 und zählen zu den am längsten in Japan ansässigen Ausländergruppen bis heute. Obwohl sie sich zum Teil sehr gut in die Gesellschaft integriert haben, so sind und bleiben sie ungern gesehene Fremde in einem Land, das sich selbst als homogen und einzigartig beschreibt und immer noch offiziell verneint, überhaupt Minderheiten irgendeiner Art zu beheimaten. In den ersten drei Kapiteln behandle ich zunächst die Einwanderungspolitik Japans und die Geschichte ausländischer Ansiedlung von damals bis heute, gefolgt von einem Einblick in die Japanertheorien (Nihonjinron) als Grundlage des japanischen Nationalismus und schließlich einige tief in der allgemeinen Öffentlichkeit verankerte Bilder von (asiatischen) Ausländern in Japan. Diese Punkte können als einige Grundlagen oder Ursachen für die derzeitige Lage der Koreaner und Chinesen in Japan gesehen werden.

Im 5. und 6. Abschnitt dieser Arbeit gehe ich explizit auf beide Gruppen ein und erläutere geschichtliche und aktuelle Grundlagen und Beispiele der Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung und Identitätsbildung. Hierbei wird der größte Teil auf die in Japan lebenden Koreaner ausfallen, da es wesentlich mehr Literatur über sie als über die Chinesen gibt und sich somit viel mehr Gebiete ergeben, die es zu beleuchten gilt.

Ich versuche, einen breiten Kontext zu erfassen, um die Zusammenhänge zwischen bestimmten Ansichten, Vorurteilen und Ereignissen und deren Einfluss aufeinander deutlich zu machen. Beispielsweise ist die Klärung einiger Grundlagen des (damaligen und heutigen) japanischen Denkens in Bezug auf das eigene Land und auf Menschen aus anderen Ländern, besonders aus Asien, notwendig, um verstehen zu können, wie sich bestimmte stereotype Bilder entwickeln konnten, die dann zu ausgrenzendem Verhalten führten. Diese Ausgrenzungen wiederum drängten die Menschen in bestimmte Verhältnisse, die dem ursprünglichen Stereotypen entsprachen oder aber neue negative Bilder erschufen. Die Wechselwirkung verschiedener Elemente führte also zu weiterer gesellschaftlicher und politischer und Ausgrenzung, die heute immer noch anherrscht und das Leben der koreanischen und chinesischen Minderheiten prägt.

Abschließend möchte ich anmerken, dass ich durch meine Schwerpunktfixierung auf diese zwei Bevölkerungsgruppen - zugegebenermaßen auch aufgrund von Platzmangel - in einigen allgemeinen Betrachtungen andere, besonders europäische, Einwanderer vernachlässige.

2. Die ausländische Population in Japan: Von den Anfängen bis heute

Um die Situation und den Status der in Japan lebenden Koreaner und Chinesen besser verstehen zu können ist es zunächst notwendig, einen Blick auf die Geschichte der Ausländer in Japan sowie auf die japanische Einwanderungspolitik zu werfen. Schon hier wird deutlich, in welchem Maße (besonders asiatische) Ausländer in Japan nicht akzeptiert werden und wie die Regierung versucht, die Ausländerrate so gering wie möglich zu halten.

Einleitend ist zu sagen, dass Japan auch heute noch ein Land mit einem sehr niedrigen Ausländeranteil ist: Bis zur Mitte der 80er lag er fast unverändert bei rund 0.7% (vgl. Iriyama 2003: 2. Absatz), wovon der Großteil aus Migranten, die zwischen 1910 und 1945 als Zwangsarbeiter nach Japan kamen, und deren Nachkommen bestand. Heute stammt 1,71% der japanischen Bevölkerung aus dem Ausland. (vgl. N. A.a 2010: 3. Absatz) Japan ist durch eine lange Geschichte der Selbstisolation geprägt. In der Edo-Zeit durften sich nur ein paar Niederländer und ca. 2000 Chinesen in der Hafenstadt Nagasaki ansiedeln. 1876, mehr als 20 Jahre nach der Öffnung des Landes, waren nur 4.972 Ausländer registriert - die Hälfte davon waren Chinesen. Durch die Annexion Taiwans 1895 und Koreas 1910 stieg jedoch die Zahl der in Japan lebenden Ausländer rapide an: Gab es 1920 nur ca. 78.000, waren es 1940 1,3 mio. Ein Großteil von ihnen waren Koreaner. Zwischen 1939 und 1945 wurden insgesamt 1,2 mio Koreaner gewaltsam nach Japan gebracht um dort zu arbeiten. Die ausländische Bevölkerung stellte damals 1,8% der Gesamtbevölkerung Japans dar - eine Zahl, die bis heute nicht mehr erreicht wurde. (vgl. Brandes 2004: 232; 238; 233)

Nach der Niederlage Japans im zweiten Weltkrieg kehrten viele Koreaner wieder in ihre Heimat zurück, aber 600.000 blieben aus unterschiedlichen Gründen im Land. (vgl. Brandes 2004: 238) In den 80er Jahren lebten nur noch 600.000 Ausländer (80-90% davon Koreaner und 5-7% Chinesen) in Japan, was 0.7% der Gesamtbevölkerung entsprach. (vgl. Brandes 2004: 233) Seit dieser Zeit gab es aufgrund des demografischen Wandels besonders im Pflegebereich einen zunehmenden Arbeitskräftemangel.(vgl. Iriyama 2003: 11. Absatz) Aus Angst davor, dass einreisende Ausländer ewig in Japan bleiben, werden bevorzugt Nikkeijin, „Personen mit japanischer Abstammung“ (Iriyama 2003: 6. Absatz), als billige Arbeitskräfte in das Land geholt. Sie sind Nachkommen japanischer Auswanderer, die im 19. Jh. nach Südamerika gingen, und werden als kleinstes Übel akzeptiert, da sie von allen Ausländern noch am meisten Verbindung zu den Japanern haben.

Die japanische Regierung verfolgt außerdem eine strenge Zuwanderungspolitik, die die Einreisemöglichkeiten für Ausländer stark einschränkt. 1989 wurde die Einreise für qualifizierte Arbeitskräfte (und Nikkeijin) vereinfacht während ungelernte ausländische Arbeiter nicht mehr akzeptiert wurden. (vgl. Kashiwazaki 2006: 14. Absatz)

Eine nun stetig wachsende Migrationsgruppe stellen Studenten und Praktikanten dar. Das Praktikantensystem ist hierbei eine Möglichkeit zur Umgehung der Einreisebeschränkungen um billige Arbeitskräfte zu bekommen. Da anstrengende und schlecht bezahlte Tätigkeiten von vielen Japanern mittlerweile gemieden werden, machen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen davon Gebrauch. Um diesem System entgegenzuwirken hat die Regierung Schritte wie schärfere Kontrollen eingeleitet. (vgl. Kashiwazaki 2006: 33. Absatz) Im Jahr 2001 machten Ausländer 1,4% der japanischen Gesamtbevölkerung aus, 2004 waren es 1,6% und 2010 1,71%. (vgl. Iriyama 2003: 3. Absatz; Kashiwazaki 2006: 22. Absatz; N.A. a 2010: 3. Absatz) Ca. 90% der in Japan lebenden Ausländer sind von asiatischer (74%) oder südamerikanischer Herkunft (18%). (vgl. Kashiwazaki 2006: 23. Absatz) Auffällig in der Aufschlüsselung der Zusammensetzung dieser Zahlen ist, dass die Präsenz der Koreaner stetig zurückgeht (was auch mit der steigenden Zahl der Einbürgerungen zusammen hängt) während die Chinesen mehr als ein Drittel des Gesamtanstiegs seit 1980 repräsentieren. (vgl. Lützeler 2008: 84) Die Zahl der Brasilianer stieg von 56.000 (1990) auf 286.000 (2004). (vgl. Kashiwazaki 2006: 17. Absatz) Trotz alldem ist die Ausländerrate in Japan um einiges niedriger als in anderen Industrienationen. Entgegen der allgemeinen Ansicht, dass einheimische Ausländer zu einer steigenden Kriminalität und zur Bedrohung der öffentlichen Sicherheit beitragen (vgl. Kashiwazaki 2006: 28. Absatz) will Japan mehr koreanische und chinesische Touristen anlocken. Durch die Auflockerung des Systems für Touristenvisas für Chinesen und Koreaner stieg 2005 die Zahl der Touristen um 14 Prozent. (vgl. Kashiwazaki 2006: 41. Absatz) Als kurzweilige Besucher, die Geld in Japan ausgeben, sind Chinesen und Koreaner durchaus gerne gesehen - aber als dauerhafte Anwohner werden sie ausgegrenzt, diskriminiert und nicht akzeptiert.

3. Nihonjinron und das einzigartige und homogene japanische Volk

Im folgenden Kapitel möchte ich die Thematik des Nihonjinron etwas näher beleuchten. Dieser
Punkt darf in der Aufschlüsselung der Situation der Koreaner und Chinesen (und generell aller
dauerhaft in Japan lebenden Ausländer) nicht fehlen, denn er beeinflusst wesentlich das Selbst- und Fremdverständnis des japanischen Volkes und somit auch die Einstellung gegenüber Nicht- Japanern.

3.1. Die Grundlagen des Nihonjinron

Als Antwort auf den starken Nationalismus der westlichen Mächte suchten japanische Eliten am Ende des 19. Jh. Kriterien, die die japanische Identität ausmachen. Die Literatur des Nihonjinron (Japanertheorien) stellt einen Versuch dar, die Ausprägung dieser Identität und somit ihren Kern, die Japanizität, zu definieren.

Dem nationalistisch geprägten Nihonjinron liegen folgende Kerngedanken zugrunde: (a) Japaner sind eine kulturell und sozial homogene rassische Einheit, deren Essenz sich seit prähistorischen Zeiten bis heute nahezu nicht verändert hat, (b) Japaner unterscheiden sich völlig von allen anderen bekannten Völkern und sind somit einzigartig, (c) Jede Art von Analyse, die nicht von Japanern kommt, wird abgelehnt. (vgl. Dale 1986: o. S. [Einleitung])

Dem Nihonjinron sind also Arbeiten zugehörig, die sich mit der angeblichen Einzigartigkeit Japans in jeder Hinsicht befassen. Um eben diese Einzigartigkeit auszudrücken gibt es ein buntes Vokabular, unterstützt von Ausdrücken wie „takoku ni nai“ (nicht in anderen Ländern) oder „gaijin ni totte wakarinikui“ (für Ausländer schwer zu verstehen) (Dale 1986: 25). Der Tonus, dass die Einzigartigkeit von Ausländern nicht verstanden werden kann, setzt sich in der Annahme fort, dass diese auch die japanische Sprache nicht verstehen und niemals ein Gefühl für sie entwickeln können werden. (vgl. Dale 1986: 57)

Die Homogenität des japanischen Volkes wird durch rassischen Exklusivismus konstruiert: Das japanische Volk gehört der Yamato-Rasse an und entstammt aus ihr. Dies schließt z.B. Ainu oder Bewohner Okinawas aus und betitelt sie als nicht echt. (vgl. Sugimoto 1999: 82) Eigentlich unterscheiden Wissenschaftler semantisch zwischen dem biologisch bestimmten jinshu (Rasse) und einem kulturell definierten minzoku (ethnische Gruppe). Wie aber aus dem vorangegangenem hervor geht gibt es im japanischen Diskurs keinen Unterschied zwischen diesen beiden Konzepten und Ethnizität ist fast identisch mit Rasse. Ethnizität wird also durch Abstammung, Blut und Herkunft definiert. (vgl. Suzuki 2003: 3) Im Folgenden werde ich den Begriff der Ethnizität in diesem Sinn benutzen.

Nach dem Theorem „race=ethnicity=culture“ (Suzuki 2003: 4) oder der „N=E=C [Gleichung]“ (Sugimoto 1999: 81) (Nationalität=Ethnizität=Kultur) werden also die Begriffe der Nationalität/Rasse, Ethnizität und Kultur als Synonyme genutzt. Daraus ergibt sich, dass niemand ein Japaner sein oder sich perfekt die japanische Kultur aneignen kann, wenn er nicht mit japanischem Blut geboren wurde. (vgl. Suzuki 2003: 4)

3.2. Der Staat und Nihonjinron in der Öffentlichkeit

Der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte, der Minderheiten unter anderem Religions- und Kulturfreiheit zusicherte, wurde von Japan erst sehr spät, nämlich 1979, unterschrieben. Allerdings wurde dabei die Existenz von jeglichen Minderheiten öffentlich dementiert: Auf offizieller Ebene ist Japan ein ein-Völker-Staat. (vgl. Brandes 2004: 219) Des weiteren hat das japanische Außenministerium Nihonjinron als legitime Beschreibung für die japanische Gesellschaft und Kultur akzeptiert. (vgl. Sugimoto 1999: 89)

Die Grundlagen des Nihonjinron werden also auch von staatlicher Seite anerkannt und vertreten. Doch nicht nur Japaner sind Verfechter der Einzigartigkeit und Homogenität ihres Volkes - auch viele Nicht-Japaner vertreten diese Auffassung. Doch warum? Der extrem niedrige Ausländeranteil mag die Vorstellung eines homogenen Japan unterstützt haben. Ebenso wurde Japan in der Vergangenheit in Hinsicht auf die ausländische Bevölkerung ausschließlich mit der USA verglichen. „Angesichts der extremen sozialen Differenziertheit der US-amerikanischen Gesellschaft wäre es verwunderlich, wenn man dabei nicht zu dem Ergebnis eines hohen Homogenitätsgrades der japanischen Gesellschaft gelangte.“ (Lützeler 2008: 23)

Wie schon aus Kapitel 2 dieser Arbeit hervor geht ist Japan keineswegs so homogen, wie es gerne propagiert wird. Obwohl es Minderheiten wie die Ainu, die Bewohner von Okinawa, Burakumin, Zainichi und die Chinesen gibt halten auch heute noch viele Menschen an dieser Ansicht fest.

3.3. Japanertheorien in der Geschichte

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass die Vorstellung eines homogenen Volkes in der heutigen Ausprägung eigentlich erst aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg entstammt. In den 1880er Jahren entstand zunächst als Reaktion auf die zu starke Verwestlichung des Landes ein Konzept der Homogenität und Einzigartigkeit: kokutai. Demnach wurzelt die Verbundenheit der Japaner in den nationalen Blutsbanden. (vgl. Suzuki 2003: 6) Dies wurde aber in der Kolonialzeit durch dousoron, die Theorie der gleichen Abstammung, (vgl. Suzuki 2003: 7) abgelöst um die Einbürgerungen der Kolonialisierten zu rechtfertigen. Demnach gehörten Japaner, Chinesen und Koreaner zur selben Rasse. Nach der Niederlage im 2. Weltkrieg kam das Dogma der Homogenität zurück und man berief sich wieder auf die Homogenität und das reine Blut des japanischen Volkes.

Je nach der Lage des Landes hat die Regierung die Identitäten der Nicht-Japaner so angepasst, um den Zusammenhalt des Volkes zu stärken: Sei es durch die Erklärung, dass Koreaner, Chinesen und Japaner von der selben Rasse abstammen oder durch den Widerruf dieser These um in der Nachkriegszeit die alte Sonderposition Japans in den Köpfen der Bürger wieder herzustellen.

4. Der Begriff „Sangokujin“ und Ishihara Shintaro

In Japan gibt es unterschiedliche Begriffe, um Ausländer zu bezeichnen. Obwohl das Wort gaikokujin (Mensch aus dem Ausland) die treffende Bezeichnung ist, werden gerne andere Begriffe genutzt. Zum Beispiel ist gaijin (Mensch von draußen), ein auch außerhalb Japans bekanntes Wort: „die zwar nicht politisch korrekte, aber doch weithin gebräuchliche Bezeichnung für Nichtjapaner in Japan [...]“ (Kempka 2002: 3. Absatz). Entgegen der Annahme, dass gaijin einfach ein Kürzel für gaikokujin sei, reicht es weit in eine andere Dimension hinein: Die in Kapitel 3 erläuterte Annahme, dass die Japaner ein homogenes Volk seien und das Konzept von uchi (drinnen) und soto (draußen) vereinigen sich in diesem Begriff. Er grenzt also alle als gaijin betitelten Menschen (ob sie seit Generationen in Japan leben oder nicht) aus der japanischen Gesellschaft, in der nichts wichtiger ist als die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, aus.

Für Koreaner und Chinesen gibt es jedoch noch ein anderes (klar abwertendes) Wort: Sie werden des öfteren sangokujin (laut wadoku.de: „Menschen aus einem Drittstaat“) genannt. Der Begriff sangokujin stammt ursprünglich von der bezeichneten Gruppe selbst aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als der Rechtsstatus der ehemaligen kolonialisierten Koreaner und Taiwaner unklar wurde. Sie zählten sich fortan zu dem befreiten Drittland (da sie weder zur Besatzungsmacht der USA, noch zum besetzten Japan gehörten) um nicht mehr unter die japanische Gerichtsbarkeit zu fallen. Allerdings begannen viele arme Chinesen und Koreaner Gangs zu bilden, die oft mit dem Gesetz und der Polizei in Konflikt gerieten. Da in den Zeitungen viel über die kriminellen sangokujin berichtet wurde, begannen die Japaner, diesen Begriff mit Kriminalität und Verbrechen von ehemaligen Kolonialbürgern zu verbinden. (vgl. N.A. b) Später geriet der Begriff in Vergessenheit - bis er am 9. April 2000 von Ishihara Shintaro in einer Rede an die Selbstverteidigungsstreitkräfte wieder aufgegriffen wurde: Im Falle eines Erdbebens muss jemand die sangokujin, plündernde Ausländerhorden, davon abhalten, das Land ins Chaos zu stürzen. (vgl. N.A. b) Dies mag eine Anspielung auf das große Kanto-Erdbeben von 1923 gewesen sein, bei dem viele Koreaner aufgrund des Gerüchtes, sie hätten Feuer gelegt und Brunnen vergiftet, getötet wurden. Heutzutage wird die Bezeichnung des sangokujin ausschließlich von rechten Aktivisten genutzt.

An dieser Stelle scheint es mir plausibel, kurz auf einen gewissen Mann einzugehen, der wohl (unter anderem) ein Inbegriff des japanischen Rassismus ist. Wenn man sich über Ausländerfeindlichkeit in Japan informiert, stößt man unweigerlich sehr oft auf einen Mann: Ishihara Shintaro.

Seit 1999 ist er der Bürgermeister von Tokyo und wurde danach zwei mal wieder gewählt. (vgl. Eisenberg 2009: 92) Er vertritt die Meinung, dass Japan eine homogene Kultur hat, die man (vor Fremdeinfluss) bewahren muss, dass alle Immigranten Kriminelle sind (und dies in ihrer DNA liegt)

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668492578
ISBN (Buch)
9783668492585
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371426
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Schlagworte
sangokujin koreaner chinesen japan konstruktion minderheiten ursachen

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