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Ökonomische Instrumente und Anreize zur Minimierung von Makro- und Mikroplastik im Meer

Projektarbeit 2015 25 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Makro- und Mikroplastik im Meer
2.1 Herkunft & Ursachen
2.2 Dimensionen von Meeresmüll

3. Ökonomische Instrumente
3.1 Arten von ökonomischen Instrumenten
3.2 Einbettung ökonomischer Instrumente in die marine Umwelt
3.3 Aktuelle Umsetzungsbeispiele

4. Schlussfolgerungen – Handlungs- und Forschungsbedarf

Literaturverzeichnis

„Die Probleme, die es in der Welt gibt, sind nicht mit der gleichen Denkweise zu lösen, die sie erzeugt hat.“ (Albert Einstein 1929)

1. Einleitung

Durch den weltweiten Einsatz von Plastik, gelangen neben anderem Müll zunehmend Makro- und Mikroplastik in die Weltmeere. Neben kontinuierlichen Plastikeinträgen durch uns als Konsumenten sowie durch Industrieunternehmen, hat auch die Fischerei einen großen Einfluss auf diese Emissionen. (vgl. Umweltbundesamt 2010) Kaputte Netze und Ausrüstung geraten nachweislich ins Wasser. Hierdurch verenden nicht nur Tiere auf unterschiedliche Art und Weise. Es besteht sowohl die Gefahr, dass das Plastik selber, als auch an es gebundene Stoffe, wie beispielsweise Schwermetalle, zurück in die marine Nahrungskette als auch in die Nahrungskette des Menschen gelangen (vgl. Pham et al. 2014, S. 3). Des Weiteren sind verschiedene Dimensionen von Ökosystemleistungen, wie zum Beispiel der kulturelle Wert unserer Gewässer, die Stabilität von Gewässersystemen oder die Nachhaltigkeit geschützter Küsten negativ betroffen (vgl. Umweltbundesamt 2010).

Hier setzt die 2008 verabschiedete EG Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) an. Durch sie soll bis 2020 ein „guter“ Zustand europäischer Meeresgewässer erreicht werden (vgl. Umweltbundesamt 2010; Krause et al. 2011, S. 15 ff.; Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie 2006, S. 23 ff.). Dies kann allerdings nur geschehen, wenn die in der MSRL verankerten Ziele durch geeignete Methoden aus Wissenschaft und Forschung gesichert werden. Politische sowie wirtschaftliche Prozesse und Machtgefüge verhindern an vielen Orten allerdings ein direktes Eingreifen und einen schnellen Wandel (vgl. "Acknowledgements" UNEP und NOAA 2011).

Mit vorliegender Arbeit sollen mögliche Lösungswege zur Minimierung von Plastikeinträgen ins Meer durch wirtschaftliche Instrumente aufgezeigt werden. Hierzu wird zunächst das Problem von marinen Abfällen beschrieben und in den Kontext von ökonomischen Instrumenten und Methoden für Anreizsysteme gesetzt. Anschließend werden verschiedene ökonomische Instrumente, oder „Market Based Instruments“ (MBIs) (UNEP 2009, S. 7f.), vorgestellt und erläutert.

Auch wenn diese Arbeit einen Fokus auf ökonomische Instrumente legt, ist es dennoch wichtig eine entsprechende Einordnung in das Themenfeld von Plastik im Meer vorzunehmen. Dies geschieht in Kapitel 2.

Wegen der hohen Komplexität des Themas ist nicht immer klar, welche Instrumente, welches Problem und welche Akteure im Themenfeld „Meeresmüll“ effektiv behandeln können (ebd., S. 8f.). Inwieweit die vorgestellten Instrumente und Methoden Einfluss auf das Verhalten der Akteure bezüglich eines konkreten Problems im Bereich von Meeresmüll ausüben können, wird in Kapitel 3.2 und 4 beschrieben und diskutiert.

In der Praxis wurden bereits verschiedene Ansätze getestet, diesem Problem zu begegnen. Diese beschränken sich im Wesentlichen auf durch die Politik durchgesetzte Command and Control Mechanismen (d.h. Verbote, Strafen etc.) und regional durchgeführte Bildungsinitiative wie bspw. durch NGO‘s. (vgl. Gold et al. 2013) In den letzten Jahren erlangten auch alternative Ansätze wie Habitat Banking oder die Idee der Payments for Ecosystem Services (PES) zunehmendes Interesse (vgl. Bovarnick et al. 2010; Engel et al. 2008). Letzterer Ansatz wird in dieser Arbeit genauer betrachtet und auf seine Umsetzbarkeit zur Reduzierung von Meeresmüll untersucht.

Ziel der Arbeit ist es somit, einen Überblick über das Problem mariner Abfälle, insbesondere Plastik, zu geben, bestehende wissenschaftliche Ansätze, welche das Problem aus wirtschaftlicher Sicht angehen, aufzuzeigen und somit einen Beitrag zu leisten, die Reduzierung von Plastikeinträgen ins Meer gezielt, schnell und effektiv umsetzen zu können.

Das Schützen unseres Planeten und der Ressourcen, die uns die Natur zur Verfügung stellt, ist ein bedeutendes Ziel. Durch das Verhalten unserer Gesellschaft nahmen in den letzten 50 Jahren ca. 60% aller Ökosystemleistungen ab (vgl. Kinzig et al. 2011). Es liegt in unserer Verantwortung, diesen Missstand aufzuhalten und im Idealfall umzukehren. Dazu sind innovative Sichtweisen und Methoden erforderlich. Die Erforschung ökonomischer Anreize ist insofern ein interessantes Thema, da viele kapitalistisch ausgerichtete Gesellschaften bereits Erfahrungen mit solchen Anreizen haben oder die Denkweise, die dahinter steckt, ihnen zumindest nicht fremd ist. Werden diese Methoden geschickt zusammen mit politischen Maßnahmen oder Umweltbildungsinitiativen verknüpft, können möglicherweise neue Ansätze signifikant zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Natur beitragen.

2. Makro- und Mikroplastik im Meer

2.1 Herkunft & Ursachen

Marine Abfälle werden in der Literatur generell in zwei Gruppen bezüglich ihrer Herkunft eingeteilt (Umweltbundesamt 2013; Sheavly und Register 2007). Während die Schifferei (Container-Schiffe, Forschungsschiffe sowie private- und öffentliche Schifffahrt, wie bspw. Fähren), die Fischerei, mit weggeworfenen Ausrüstungsgegenständen, wie Netzen, Seilen oder Installationen bspw. zum Muschelfang, Öl- oder Gasfördereinrichtungen sowie Naturereignisse, wie Tsunamis[1] oder starker Wellengang meeresbasierte Quellen darstellen, stellen landbasierte Quellen mit 80% den signifikant größeren Anteil dar (vgl. Sheavly und Register 2007, S. 302). Zu letzteren gehören die generelle Entsorgung von Müll durch Konsumenten, durch Tourismus sowie durch Veranstaltungen (bspw. Luftballons bei Charity-Veranstaltungen etc.), industrielle Abfälle durch Unfälle sowie Müllaufkommen an Häfen und durch landwirtschaftliche Aktivitäten. Außerdem haben Mülldeponien in Küstennähe und Verluste beim Transport von Müll einen nicht zu vernachlässigenden Anteil. (vgl. Umweltbundesamt 2013, 2010, S. 1f.) Auf Deutschland bezogen geht die größte Emission von Müll in die Nordsee von der Schifffahrt und Fischerei aus (vgl. Umweltbundesamt 2010, S. 2).

Tabelle 1 zeigt die Herkunft von marinen Abfällen sowie deren Ursachen. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Dennoch ist die Gegenüberstellung hilfreich, um die Brisanz des Themas zu zeigen und da so deutlich wird, an welchen Punkten die im Folgenden beschriebenen ökonomischen Instrumente angesetzt werden können.

Tabelle 1Ursachen mariner Abfälle Quelle: Eigene nach (Sheavly und Register 2007; Umweltbundesamt 2013)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch Tabelle 1 wird deutlich, wie komplex das Problem mariner Abfälle ist. Je nach Quelle der Abfälle, gibt es unterschiedliche Akteure, welche die beschriebenen Einträge verursachen. Um dieses Problem zu lösen, benötigen wir ein umfangreiches Verständnis von Herkunft, Auswirkungen und Problemlösungsansätzen zu marinen Abfällen als auch zu menschlichem Verhalten, welches die grundlegende Ursache für jede Quelle von Meeresmüll ist (vgl. Sheavly und Register 2007, S. 301). Dabei haben auch die Verursacher selber, wie bspw. die Plastikindustrie, eine Rolle inne, in der sie sich mit dem Thema aktiv auseinandersetzen müssen (ebd.).

In der Literatur wurde bereits untersucht, welche Quellen hauptverantwortlich für den Eintrag von Kunststoff in die Meere sind. Das Umweltbundesamt (2010) beschreibt folgende Verursacher:

„Niederschlagswasser, Überläufe der Kanalisation vor allem nach Starkregen, Tourismus, illegale Ablagerung von Müll in der Landschaft, industrielle Tätigkeiten, unsachgemäßer Transport z.B. von Basispellets, kosmetische Mittel, synthetische Strahlmittel zu Reinigung bspw. von Schiffsrümpfen auf Werften und aus Kleidung ausgewaschene Polyester- und Acrylfasern.“ (Umweltbundesamt 2013)

Des Weiteren variieren die Quellen je nach untersuchter Region teilweise stark. So sind im Nordostatlantik zu ca. 40% Aktivitäten der Schifffahrt, Fischerei und Offshore-Anlagen sowie auch zu ca. 40% Aktivitäten aus Freizeit und Tourismus an Plastikeinträgen beteiligt. In der Ostsee ist ein großer Anteil von Haushaltsmüll zu verzeichnen, während laut dem Umweltbundesamt (2013) im Schwarzen Meer kaum Daten vorliegen, welche die Quellen differenzieren können. (ebd., S. 2) Lechner et al. (2014) geben hierauf insofern eine Antwort, als das ein signifikanter Anteil aus dem Zulauf durch die Donau besteht (ebd., S. 180).

Auf globaler Ebene wird der weltweite Anteil von Plastikteilchen in den beiden Meeresregionen auf der nördlichen Hemisphäre mit 55,6% geschätzt. Dies ergibt sich aus einer neuen im Dezember 2014 veröffentlichen Modellrechnung, welche in Kapitel 2.3 genauer erläutert wird. (vgl. Eriksen et al. 2014, S. 7) Dabei wird von einem Plastikvorkommen in den weltweiten Meeren von aktuell mindestens 5,25 Billionen Partikeln mit einem Gewicht von 268.940t ausgegangen (ebd., S. 1).

Weitere Ursachen für den großen Plastikeintrag in die Meere können eine fehlende Umweltbildung (vgl. Bangemann 2015) oder eine lückenhafte Gestaltung politischer Maßnahmen zur Müllvermeidung (vgl. Süß 2015) sein.

Damit Methoden und Maßnahmen zur Minimierung von Meeresmüll effektiv sind, müssen die richtigen Personengruppen angesprochen werden. Generell können diese möglichen Adressaten von ökonomischen Anreizen zur Reduzierung von Plastik im Meer nach dem UNEP (2009) in zwei Gruppen aufgeteilt werden:

- Politische Entscheidungsträger und wirtschaftliche Interessenten. Sie können Informationen über das Problem zum besseren Verständnis nutzen. Dies erleichtert die Zusammenarbeit mit Organisationen, welche das Problem aktiv angehen, erheblich.

- Zivile Organisationen, Regierungen und Kommunen. Diese Akteure arbeiten oft schon an einer Lösung zu dem Problem, können aber von einem tieferen Wissen über ökonomische Methoden und Instrumente profitieren.

2.2 Dimensionen von Meeresmüll

Wirtschaftliche Dimension

Weltweit wurden 2012 ca. 288 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. (vgl. Eriksen et al. 2014, S. 11) Die Organisation Plastics Europe, welche Plastikproduzenten und Vertreiber repräsentiert, zeigt dabei interessante Fakten auf (vgl. Plastics Europe 2013). Laut Plastics Europe (2013) ist die Produktion von Plastik in den letzten Jahren stark angestiegen. Allein China produziert 23,9% des weltweiten Plastiks, gefolgt vom restlichen Asien (inkl. Japan) mit 20,7% und Europa mit 20,4%. Deutschland fragt auf europäischer Ebene mit knapp 12.000t am meisten Plastik nach. Dies entspricht 25% der europäischen Plastiknachfrage. Danach folgt Italien mit ca. 7.000t. Dabei ist zu beachten, dass Deutschland zu ca. 98% Plastik wieder nutzbar macht. Dies geschieht zu ca. 33% durch Recycling und zu den restlichen ca. 65% durch Energiegewinnung durch bspw. Verbrennung. (ebd., S. 10ff.) Durch die vermehrte Produktion ist eine logische Schlussfolgerung, dass das hergestellte Plastik auch vermehrt genutzt, verbraucht und teilweise unsachgemäß entsorgt wird. Letzteres liegt teilweise in fehlenden oder unzureichenden Regelungen zu Verantwortlichkeiten der Hersteller begründet (vgl. Gold et al. 2013, S. 18). Neben der offensichtlichen natürlichen Dimension von Meeresmüll, hat dieses Problem demnach auch eine wirtschaftliche Seite, denn es bringt hohe wirtschaftliche Kosten mit sich. Davon sind Fischereibetriebe, der Strandtourismus sowie Kommunen, welche den Müll an den Stränden auf eigene Kosten beseitigen müssen, betroffen. (vgl. Sheavly und Register 2007, S. 301; UNEP 2009, S. 20) Es kann beobachtet werden, dass, nicht zuletzt wegen steigenden gesellschaftlichen Drucks, Unternehmen sich zunehmend diesem Problem annehmen. (vgl. Roper und Parker 2013).

Politische Dimension

Durch das steigende Bewusstsein für das Plastikproblem in der Gesellschaft, steht die Politik zunehmend unter Druck, wirksame Methoden und Instrumente einzusetzen, um das Problem einzudämmen. Dazu wurden bereits mehrere Abkommen und Verordnungen auf nationaler Ebene als auch auf europäischer Ebene erlassen (bspw. OSPAR (vgl. OSPAR Commission 2014), MARPOL (vgl. International Maritime Organization 1978; BGH 12.03.1996) oder die MSRL (vgl. Krause et al. 2011)). Da in dieser Arbeit der Fokus auf ökonomische Instrumente gelegt wird, sei an dieser Stelle auf die Arbeit von Süß (2015) verwiesen.

Strafrechtliche Dimension

Besonders das Vorkommen von Mikro- und auch Nanopartikeln in Meeren aber auch in Flusssystemen stellt uns in Zukunft möglicherweise vor ein gesundheitliches Problem. Denn an diese Partikel können sich andere gesundheitsgefährdende und persistente organische Stoffe (Persistant Organic Pollutions (POP’s)), wie DDT oder polychlorierte Biphenyle (PCB’s) anlagern und im Nanobereich chemische Prozesse der Lebewesen verändern. (vgl. Heger und Hower 2014; BUND 2014; Wright et al. 2013) Des Weiteren können sich Mikropartikel in Lebewesen anreichern und somit durch die Nahrungskette weitergegeben werden (ebd., S. 471; Pham et al. 2014).Dies erfordert neben den in dieser Arbeit beschriebenen Ansätzen auch gesetzliche Maßnahmen. Eine Analyse ob, und wenn ja, inwieweit dies in Deutschland strafrechtlich relevant ist, beschreiben Heger und Hower (2014).

[...]


[1] Zu Plastikeinträgen ins Meer durch Tsunamis s.a. Ghaderi und Henderson 2013; NOAA 2013 welche beschreiben, dass alleine durch den Tsunami im März 2011 in Japan geschätzte 5 Millionen Tonnen Müll ins Meer gelangten.

Details

Seiten
25
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668495081
ISBN (Buch)
9783668495098
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371518
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Institut für Umweltsystemforschung
Note
1,0
Schlagworte
Mikroplastik Makroplastik Plastik Ökonomische Instrumente Anreize Meer Wasser Umweltschutz Meeresschutz Meeresmüll marine Umwelt MSRL Market Based Instruments Payments for Ecosystem Services PES ES ESS Biodiversity Offset Habitat Banking Nachhaltigkeit Meeresverschmutzung

Autor

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