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Unterrichtsstunde zum Jugendschutzgesetz (Gesellschaftslehre, 8. Jgst.)

Unterrichtsentwurf 2017 22 Seiten

Pädagogik - Unterrichtsvorbereitung allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit*

2. Kompetenzen

3. Lernziele der Unterrichtsstunde

4. Beschreibung der Lerngruppe

5. Sachanalyse

6. Didaktische Analyse

7. Methodische Analyse

8. Tabellarischer Stundenverlauf

9. Anhang

10. Literatur

1. Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit*

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Kompetenzen

Im Rahmen der geplanten Unterrichtsstunde werden in Anlehnung an das Niedersächsische Kerncurriculum für das Fach Gesellschaftslehre schwerpunktmäßig folgende Kompetenzen angebahnt:

Orientierungskompetenz1

- Die Schülerinnen und Schüler…

… zeigen an Beispielen aus ihrem Erfahrungsbereich auf, dass das Alltagsleben verbindlicher Regelungen bedarf.

Urteilskompetenz2

- Die Schülerinnen und Schüler…

… beurteilen das Verhalten von Individuen und Gruppen.

… diskutieren wichtige Aspekte ausgewählter Gesetze zu Rechten und Pflichten sowie zum Schutz von Jugendlichen.

Handlungskompetenz3

- Die Schülerinnen und Schüler…

… werten Textquellen [...] aus, auch durch Vergleiche. (Erkenntnisse gewinnen)

… übernehmen in angeleiteten Rollenspielen [...] fremde Positionen. (Probleme lösen und eigene Positionen vertreten)

… organisieren Gruppenarbeiten nach verabredeten Regeln und führen sie durch. (Probleme lösen und eigene Positionen vertreten)

… stellen Arbeitsergebnisse in Form eines Kurzvortrags [...] vor. (Erkenntnisse dokumentieren und präsentieren)

3. Lernziele der Unterrichtsstunde

- Die Schülerinnen und Schüler verstehen den Hintergrund gesetzlicher Vorgaben, indem sie auf Grundlage des Jugendschutzgesetzes urteilen, was Jugendlichen verschiedenen Alters gestattet ist und was nicht.

Feinlernziele (FLZ)

Die Schülerinnen und Schüler…

FLZ I … wägen die Aussagen der Jugendlichen vor dem Hintergrund eigener Interessen und Einstellungen ab und bilden sich ihre Meinung zu diesen Aussagen.

FLZ II … nehmen die gegensätzlichen Auffassungen wahr, die in ihren Texten zu Tage treten und sind in der Lage, diese mit Blick auf das anstehende Rollenspiel gesetzlich und moralisch zu bewerten.

FLZ III … fügen die Informationen aus den Präsentationen zu einem Gesamtergebnis zusammen und verstehen den Sinn des Jugendschutzgesetzes.

FLZ IV … zeigen Haltung, indem sie auf Basis des Gelernten ihre Meinung zum Thema Jugendschutzgesetz kundtun.

4. Beschreibung der Lerngruppe

Das Verhältnis der Schülerinnen und Schüler untereinander ist als durchweg positiv zu bewerten. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in Gruppen- und Partnerarbeit zuverlässig zusammen, auch wenn sie von Zeit zu Zeit zu einer ruhigeren Arbeitsweise ermahnt werden müssen. Grundsätzlich haben die Schülerinnen und Schüler Spaß am Fach Gesellschaftslehre, wobei Themen aus dem Bereich Geschichte für mehr Begeisterung sorgen als Erdkunde oder Politik.

Die Schülerinnen und Schüler sitzen in der vorliegenden Stunde an heterogen zusammengestellten Gruppentischen (siehe Sitzplan). Diese wurde nach dem Helferprinzip zusammengestellt, sodass stärkere und schwächere Lernende zusammensitzen. Gegenseitige Unterstützungsprozesse haben sich in den vergangenen Schuljahren etabliert, was einer fruchtbaren Arbeitsatmosphäre zuträglich ist.

Die Erarbeitung von Rollenspielen ist den Schülerinnen und Schülern auch aus anderen Fächern bereits geläufig. Die Motivation ist dabei stets hoch. Insgesamt ist auf diese Weise eine aktive Mitarbeit aller Schülerinnen und Schüler gewährleistet, da sich jeder nach seinen Fähigkeiten einbringen kann. Auch bezogen auf die fachlichen Lernvoraussetzungen ist eine lebendige Mitarbeit zu erwarten. Die bisher behandelten Themen wurden gut angenommen, da die Schülerinnen und Schüler in ihrem Alter unmittelbar mit diesen konfrontiert sind und sich scheinbar auch außerhalb der Schule damit beschäftigen. Auch eher ruhigere Lernende bringen sich ein, da sie ihr Vorwissen einbringen können.

Hinsichtlich der mündlichen Beteiligung wird der Unterricht von einer Gruppe starker Mädchen getragen (E., L., M., S.), bei den Jungs stechen B., H. und N. mit guten Ideen heraus. S., C., M. und T. fällt es zeitweise schwer, sich über einen längeren Zeitraum mit einer Aufgabe zu beschäftigen. In Gruppenarbeitsphasen führt dies zu Unruhe, die durch regelmäßige Denkanstöße und Ermahnungen durch die Lehrkraft beigelegt werden kann. X. ist erst seit einem halben Jahr fest in der Klasse. Sie ist zurückhaltend und hat teilweise Probleme bei der Texterschließung, sodass sie die Hilfe der Lehrkräfte oder ihrer Mitschülerinnen in Anspruch nimmt.

5. Sachanalyse

Das Jugendschutzgesetz dient dem Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Öffentlichkeit. Dieser Schutz ist im Grundgesetz verankert, woraus folgt, dass der Staat nicht nur das Recht hat, Kinder und Jugendliche vor Gefährdungen zu schützen. Er hat auch die Pflicht, hierzu die notwendigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen.[4] Hierzu gehören Regelungen zum Verkauf, die Abgabe und der Konsum von Tabak, E-Zigaretten, E-Shishas und Alkohol und die Abgabe von Filmen und Computerspielen durch Verkauf und Verleih. Auch der Aufenthalt in Gaststätten, Spielhallen und bei Tanzveranstaltungen wie beispielsweise in Diskotheken ist geregelt.[5]

Die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes ist - wie die Einhaltung aller anderen Gesetzes - die Pflicht jeder Staatsbürgerin und jedes Staatsbürgers. Insbesondere Jugendlichen, die durch die Pubertät eine Vielzahl von Entwicklungsprozessen durchlaufen, mögen die Regelungen des Jugendschutzes nicht zwangsläufig einleuchtend sein. Daher ist neben der Einhaltung des Gesetzes auch von großer Bedeutung, dass Heranwachsende verstehen, warum sie beispielsweise mit 15 Jahren noch nicht bis um 3:00 Uhr nachts in die Diskothek gehen dürfen oder weshalb das Rauchen von Tabakwaren oder der Alkoholkonsum mit 14 Jahren besonders schädlich ist.

Zentrales Ansinnen des Gesellschaftslehre-Unterrichts ist, die Schülerinnen und Schüler zur Mündigkeit in der Gesellschaft zu führen und letztlich Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen. Die Einhaltung von Gesetzen und die Kenntnis über deren zugrundeliegenden Begründungen spielen dabei eine wichtige Rolle.

In der vorliegenden Stunde werden exemplarisch die folgenden Themen angesprochen, die jeweils aus der Sicht von zwei Jugendlichen mit gegensätzlichen Meinungen dargestellt werden - hier mit den entsprechenden Regelungen:

- Das Für und Wider eines Besuches in der Spielhalle (§6, verboten für Jugendliche unter 18 Jahren)
- Der Kauf und Konsum von Zigaretten an einem Kiosk (§10, verboten für Jugendliche unter 18 Jahren)
- Der Kauf und Konsum von Bier und Wein (§9, verboten für Jugendliche unter 16 Jahren, jedoch erlaubt in Begleitung einer sorgeberechtigten Person)
- Der Kauf und Konsum einer E-Zigarette auf einem Jahrmarkt (§10. verboten für Jugendliche unter 18 Jahren)
- Der Besuch einer Diskothek (§5, verboten für Jugendliche unter 16 Jahren, jedoch erlaubt in Begleitung einer sorgeberechtigten Person; erlaubt für Jugendliche zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr bis 24 Uhr)

6. Didaktische Analyse

Das Thema der Stunde „Das Jugendschutzgesetz“ lässt sich formal durch das Kerncurriculum für die Integrierte Gesamtschule - Gesellschaftslehre[6] legitimieren (Lernfeld Individuum und soziale Welt). Es bietet sich aus mehreren Gründen zur Bearbeitung an: Die Schülerinnen und Schüler sind in einem Alter angelangt, indem Sie Entscheidungen selber treffen wollen. Ablösungsprozesse von den Eltern und die Suche nach neuen Abenteuern und Versuchungen des Alltags stellen sich ein. Die Freizeitgestaltung verändert sich wesentlich. Das Thema hat somit eine immense Gegenwartsbedeutung[7]: Die Schülerinnen und Schüler wissen, dass für sie Beschränkungen und Regeln gelten und können Rückschlüsse auf ihre Lebenswelt ziehen. Sie werden dafür sensibilisiert, sich bei Entscheidungen nicht nur auf eigene Bedürfnisse und Wünsche, sondern auch auf Gesetz und moralische Aspekte zu verlassen.

Die Einhaltung von Gesetzen gilt selbstverständlich über die Zeit des Heranwachsens hinaus und hat daher ebenfalls eine Bedeutung für die Zukunft der Schülerinnen und Schüler. Auch als Volljährige werden Inhalt und Nutzen des Jugendschutzgesetzes präsent sein, nicht nur bei möglichen eigenen Kindern, sondern auch bei jüngeren Geschwistern, schutzbefohlenen Kindern im Ferienlager oder im Sportverein.

Der didaktische Schwerpunkt der Stunde liegt schließlich darauf, den Sinn und Zweck des Jugendschutzgesetzes herauszuarbeiten[8]. Dies geschieht auf Grundlage einer Auseinandersetzung mit verschiedenen Einstellungen Jugendlicher zu Themen des Jugendschutzgesetzes. Im Sinne einer didaktischen Reduktion werden in der vorliegenden Stunde die fünf Themen des Jugendschutzgesetzes abgehandelt, mit denen die Schülerinnen und Schüler vornehmlich in den kommenden Jahren konfrontiert werden (siehe Sachanalyse). Es wird somit der exemplarische Ansatz verfolgt, anhand konkreter, für die Schülerinnen und Schüler greifbarer Rollenbeschreibungen/-spiele wesentliche Regelungen des Jugendschutzgesetzes in einen Bedeutungszusammenhang (Was bedeutet dieses Gesetz für mich? Welche Auswirkungen hat es auf mein Leben?) zu stellen, der für die Schülerinnen und Schüler verständlich und nachvollziehbar ist.

Es ist davon auszugehen, dass die Lerngruppe den gestellten Ansprüchen in der Stunde gerecht wird. Innerhalb der Kompetenzbereiche[9] werden die Schülerinnen und Schüler auf dem Kenntnis- und Anwendungsniveau arbeiten - stärkere Lernende werden möglicherweise das Reflexionsniveau anbahnen, wenn sie die Bonusaufgabe bearbeiten (siehe unten).

Die heterogene Zusammensetzung der Arbeitsgruppen gewährleistet, dass sich jeder Lernende entsprechend seiner Möglichkeiten einbringt[10]. Da schwächere Lernende eventuell Schwierigkeiten mit der Begründung des Jugendschutzgesetzes haben, erhalten sie individuelle Hilfestellungen durch die Lehrkraft und können Tippkarten auf dem Lehrertisch nutzen, die authentisch gestaltet sind (Schlagzeilen aus Tageszeitungen).

Stärkere Lernende werden hier vermehrt Verantwortung übernehmen und den Lernprozess der Gruppe vorantreiben. Ebenso können sie sich als Differenzierung optional der Frage stellen, wie damit umzugehen ist, wenn Kioskbetreiber o.ä. Alkohol und Zigaretten an Minderjährige verkaufen oder ihnen der Zutritt zu Nachtbars, Diskotheken etc. gestattet wird. Hierzu gab es in der Vergangenheit eine Diskussion in den Medien.[11]

[...]


[1] Niedersächsisches Kultusministerium, 2014, S. 17.

[2] A.a.O., S. 18.

[3] A.a.O., S. 27 ff.

[4] Vgl. http://www.jugendschutz-aktiv.de/de/das-jugendschutzgesetz/was-bedeutet-jugendschutz.html

[5] Vgl. https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/jugendschutzgesetz/86286?view=DEFAULT

[6] Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium, 2014, S. 18.

[7] Vgl. zur Begründung von Unterrichtsinhalten: Wolfgang Klafki, 1991, S. 270ff.

[8] Vgl. zur Qualifikation der politischen Bildung: "1. Fähigkeit und Bereitschaft, sich in den gesellschaftlichen, politischen [...] Ordnungen zu orientieren [...] und sie auf ihren Sinn, ihren Zwecke und Notwendigkeit hin zu befragen [...]." Sibylle Reinhardt, 2016, S. 18.

[9] Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium, 2014, S. 12.

[10] Vgl. hierzu Differenzierungsformen - Personale Differenzierung in Hilbert Meyer, 2010, S. 102 f.

[11] Vgl. http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Minderjaehrige-bekommen-in-Hannover-zu-leicht-Alkohol2

Details

Seiten
22
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668497207
ISBN (Buch)
9783668497214
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371582
Institution / Hochschule
Studienseminar Hannover I für die Lehrämter an Grund-, Haupt- und Realschulen
Note
2,0
Schlagworte
unterrichtsstunde jugendschutzgesetz gesellschaftslehre jgst

Autor

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Titel: Unterrichtsstunde zum Jugendschutzgesetz (Gesellschaftslehre, 8. Jgst.)