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Die Albanische Landwirtschaft - gegenwärtige Situation und Untersuchungen zu Entwicklungschancen des ökologischen Landbaus

Diplomarbeit 2004 163 Seiten

Agrarwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Problemstellung und Zielsetzung

3 Ausgangssituation
3.1 Lage, Bevölkerung und Geographie
3.2 Klima und Vegetation
3.3 Geologie und Böden
3.4 Politische und Ökonomische Entwicklung bis 2003
3.5 Landwirtschaft Albaniens
3.5.1 Historische Entwicklung der landwirtschaftlichen Nutzung bis 1990
3.5.2 Entwicklung der Landwirtschaft nach 1990
3.5.3 Ernährungssituation
3.5.4 Landwirtschaftliche Produktion und Erträge
3.5.5 Durchschnittliche Produktpreise
3.5.6 Fachkräfte, Vermarktung, Betriebsausstattung, Bewässerung, Mineraldünger und chemischer Pflanzenschutz
3.5.7 Schlaggrößen, Pacht und Kauf von Ackerland
3.5.8 Exporte / Importe
3.6 Situation in den ländlichen Gebieten
3.7 Lebensmittelverarbeitende Industrie
3.8 Artenvielfalt und Umweltprobleme
3.9 Landwirtschafts- und Umweltpolitik
3.10 Internationale Zusammenarbeit

4 Methodik

5 Ergebnisse
5.1 Ergebnisse der Betriebserhebungen
5.1.1 Region I – Tropoja / Bergland (Nordalbanien)
5.1.2 Modellrechnungen Region I
5.1.3 Region II – Tirana / Hügelland (Mittelalbanien)
5.1.4 Modellrechnungen Region II
5.1.5 Region III – Korça / Hochebene (Südostalbanien)
5.1.6 Modellrechnungen Region III
5.1.7 Region IV – Fier / Küstenebene (Südwestalbanien)
5.1.8 Modellrechnungen Region IV
5.1.9 Bodenuntersuchungen
5.1.10 Vergleich weiterer Betriebsmerkmale
5.1.11 Stand der Bauern in der Gesellschaft
5.1.12 Vergleich der Wirtschaftsweise der befragten Höfe, mit ausgewählten Anforderungen der EU Richtlinie 2092/91 an einen ökologisch wirtschaftenden Betrieb
5.2 Gegenwärtige Situation der Landwirtschaft
5.2.1 Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Saatgutimport, Gentechnik
5.2.2 Bewässerung
5.2.3 Lebensmittelverarbeitende Industrie
5.2.4 Auswirkungen der gesellschaftlichen Veränderungen auf die Agrarumwelt
5.3 Ökologischer Landbau – Situation und Entwicklungsperspektive
5.3.1 Recherche beim Verband für Ökologische Landwirtschaft Albaniens (OAA) und beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL /Schweiz)
5.3.2 Recherche beim albanischen Ökohof „Aris Frucht“

6 Diskussion
6.1 Betriebsbefragungen
6.1.1 Sozioökonomische Untersuchungen
6.1.2 Landwirtschaftliche Nutzflächen, Produktionsspektrum und Marktbeziehungen
6.1.3 Einsatz von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln
6.1.4 Einsatz von organischen Düngemitteln
6.1.5 Bodenuntersuchungen
6.1.6 Vergleich weiterer Betriebsmerkmale
6.1.7 Stand der Bauern in der Gesellschaft
6.1.8 Modellrechnungen
6.1.9 Vergleich der Wirtschaftsweise der befragten Höfe, mit ausgewählten Anforderungen der EWG Richtlinie 2092/91 an einen ökologisch wirtschaftenden Betrieb
6.2 Gegenwärtige Situation der Landwirtschaft
6.2.1 Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Saatgutimport
6.2.2 Bewässerung
6.2.3 Lebensmittelverarbeitende Industrie
6.2.4 Auswirkungen der gesellschaftlichen Veränderungen auf die Agrarumwelt
6.2.5 Gesamtsituation der Albanischen Landwirtschaft
6.3 Entwicklungsperspektiven durch den Ökologischen Landbau
6.4 Fazit und Ausblick

7 Zusammenfassung/ Summary

8 Literaturverzeichnis

9 Glossar

10 Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Bodentypen und ihr Anteil an der Landesfläche Albaniens

Tab. 2: Gehalt von Humus und Makronährstoffe in den untersuchten Ackerböden Albaniens

Tab. 3: Haupteinkommensquelle (HEQ) und Armut in Albanien

Tab. 4: Wirtschaftliche Kenndaten Albaniens

Tab. 5: Landbesitzverteilung im Jahr 1945

Tab. 6: Strukturveränderungen auf dem Land von 1950 bis 1990

Tab. 7: Veränderung der Landnutzung von 1950 zu 1989

Tab. 8: Landnutzungsänderungen in Albanien, 2001 zu 1989

Tab. 9: Kultur, Anzahl der Bäume, Erträge 2001, Erträge 1989, Anzahl der anbauenden Betriebe, Export & Import

Tab. 10: Kultur, deren Fläche, Erträge 2001 und 1989, Anzahl der anbauenden Betriebe, Export und Import

Tab. 11: Tierart, Anzahl der Tiere 2001 und 1989, Erzeugnisse (Erzg.) 2001, Anzahl der haltenden Betriebe (HB), Export und Import

Tab. 12: Marktpreise albanischer und importierter landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Jahr 2003, im Vergleich mit den deutschen Ø Marktpreisen 2002

Tab. 13: Ex- und Import Albaniens im Jahr 2001

Tab. 14: Export Albaniens im Jahr 1989 im Vergleich zu 2000

Tab. 15: Ernährungswirtschaftliche Exporte von Albanien nach Deutschland; Januar - Oktober 2003

Tab. 16: Ernährungswirtschaftliche Importe Albaniens aus Deutschland; Januar - Oktober 2003

Tab. 17: Erzeugnisse und Mengen der lebensmittelverarbeitenden Industrie

Tab. 18: Anteile der verschiedenen Landnutzungen am Verlust von Biodiversität in Albanien

Tab. 19: Gefährdungseinteilung der Vogelarten nach der Roten Liste Albaniens 1998 und im Jahr 2000

Tab. 20: Themenpunkte und Vorhaben der albanischen Umweltpolitik in Zusammenhang mit der Landwirtschaft

Tab. 21: Stickstoffentzug der Kulturarten

Tab. 22: Sozioökonomische Verhältnisse der Betriebe in der Region I

Tab. 23: Fruchtfolgen der Betriebe, Region I

Tab. 24: Mineralische Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Region I

Tab. 25: Einsatz organischer Düngemittel, Region I

Tab. 26: Modellrechnung, Region I/ Betrieb 1

Tab. 27: Modellrechnung, Region I/ Betrieb 2

Tab. 28: Modellrechnung, Region I/ Betrieb 3

Tab. 29: Sozioökonomische Verhältnisse der Betriebe in der Region II

Tab. 30: Fruchtfolgen der Betriebe, Region II

Tab. 31: Mineralische Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Region II

Tab. 32: Einsatz organischer Düngemittel, Region II

Tab. 33: Modellrechnung, Region II/ Betrieb 1

Tab. 34: Modellrechnung, Region II/ Betrieb 2

Tab. 35: Modellrechnung, Region II/ Betrieb 3

Tab. 36: Sozioökonomische Verhältnisse der Betriebe in der Region III

Tab. 37: Fruchtfolgen der Betriebe, Region III

Tab. 38: Mineralische Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Region III

Tab. 39: Einsatz organischer Düngemittel, Region III

Tab. 40: Modellrechnung, Region III/ Betrieb 1

Tab. 41: Modellrechnung, Region III/ Betrieb 2

Tab. 42: Modellrechnung, Region III/ Betrieb 3

Tab. 43: Sozioökonomische Verhältnisse der Betriebe in der Region IV

Tab. 44: Fruchtfolgen der Betriebe, Region IV

Tab. 45: Mineralische Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Region IV

Tab. 46: Einsatz organischer Düngemittel, Region IV

Tab. 47: Modellrechnung, Region IV/ Betrieb 1

Tab. 48: Modellrechnung, Region IV/ Betrieb 2

Tab. 49: Modellrechnung, Region IV/ Betrieb 3

Tab. 50: Vergleich der Regionen nach Kornerträgen von Mais (dt/ha),

Tab. 51: Vergleich der Regionen nach Kleegras Erträgen (dt/ha) (Trockenmasse)

Tab. 52: Vergleich der Regionen nach Ausgaben für den Zukauf mineralischen Dünger und von PSM

Tab. 53: Vergleich der Regionen nach Großvieheinheit (GVE)/ha Betriebsfläche

Tab. 54: Reifezeitpunkt albanischer Kulturarten, unterteilt nach den Regionen

Tab. 55: Vergleich der Wirtschaftsweise der befragten Betriebe, mit ausgewählten Anforderungen an ökologisch wirtschaftende Betriebe nach EWG Richtlinie 2092/91

Tab. 56: Import von Saatgut, chemischen Dünge- und PSM, sowie deren Verkauf im Jahr 2000

Tab. 57: Endverbraucherpreise (LEK) für Düngemittel und Saatgut im Jahr 2000

Tab. 58: Liste angewendeter PSM in Albanien mit Einzelhandelspreisen (EHP) im Jahr 2002; Teil 1

Tab. 59: Liste angewendeter Pflanzenschutzmittel (PSM) in Albanien mit Einzelhandelspreisen (EHP) im Jahr 2002; Teil 2

Tab. 60: In Albanien verkaufte, in der EU nicht mehr zugelassene bzw. ablaufende Zulassung besitzende Pflanzenschutzmittel

Tab. 61: Vergleich der Ergebnisse einiger Flusswasseranalysen, mit Grenzwerten der Trinkwasserverordnung (TVO) Deutschlands

Tab. 62: Wurstherstellung aus importierter Ware im Jahr 2002

Tab. 63: Anbauspektrum der OAA Mitgliedsfarmen 2002/03

Tab. 64: Albanische ökologische Erzeugnisse mit Preisen, im Vergleich mit den ortsüblichen Ø Verkaufspreisen

Tab. 65: Export von Ökoprodukten im Jahr 2002

Tab. 66: Produktionsdaten des Ökobetriebes / Jahr

Tab. 67: Bodenparameter Ökobetrieb

Tab. 68: Ökobetrieb, jährlicher organischer Düngemitteleinsatz

Tab. 69: Stickstoffsaldo der untersuchten Betriebe & Berücksichtigung eines 20 %-igen N-Verlustes an die Umwelt

Tab. 70: Die Topografie der albanischen Ackerflächen, geordnet nach Distrikten

Tab. 71: Eigenschaften der US- Boden Klassifikation

Tab. 72: Schwermetallkonzentrationen in belasteten Böden Albaniens und Vergleichswerte für Kulturböden

Tab. 73: Gehalt an Schwermetallen (SM) in Pflanzen, in SM belasteten Gebieten Albaniens

Tab. 74: Zolltarife Albaniens (%) für Agrarerzeugnisse

Tab. 75: Korngrößenanalyse und Bodenartbestimmung der befragten Betriebe

Tab. 76: Bodenparameter, Region I

Tab. 77: Bodenparameter, Region II

Tab. 78: Bodenparameter, Region III

Tab. 79: Bodenparameter, Region IV

Tab. 80: Durchschnittlichen Erträge der albanischen Tierhaltung

Tab. 81: Höchstzulässige Anzahl von Tieren pro ha Betriebsfläche, nach EU Richtlinie 2092/91

Tab. 82: Angewendete Pflanzenschutzmittel in Albanien (überprüfte vollständige Liste)

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Landwirtschaftliche Zonierung Albaniens

Abb. 2: Temperatur/ Niederschlagsdiagramme der 4 untersuchten Regionen

Abb. 3: Übersichtskarte zu den Untersuchungen

Abb. 4: Logo des OAA

Abb. 5: Maßnahmen für die weitere Einführung der ökologischen Landwirtschaft in Albanien

Bildverzeichnis

Titelbild 1: Von Übernutzung betroffenes Gebiet in der Hügelzone Albaniens

Titelbld 2: Beratung von umstellungswilligen Bauern durch den ökologischen Anbauverband Albaniens (OAA)

Bild 3: Albanische Agrarlandschaft um 1984

Bild 4: Terrassierung von Hügellandflächen um 1984

Bild 5: Maschineneinsatz um 1984

Bild 6: Intensive Rinderhaltung um 1984

Bild 7: Parzellierte Landschaft als Ergebnis der Landreform von 1991

Bild 8: Moderner Traktor

Bild 9: Alter Traktor

Bild 10: Feldbestellung mit Pferdepflug

Bild 11: Staubecken

Bild 12: Hauptkanal für die Bewässerung

Bild 13: Nicht mehr funktionstüchtiger Bewässerungskanal

Bild 14: Albanien auf der Grüne Woche 2003

Bild 15 Nordalbanisches Rind der Rasse Buscha im Größenvergleich

Bild 16: Waldweide von Ziegen

Bild 17: Weidegang auf abgeernteten Feldern

Bild 18: Albanische s/w Landrasse

Bild 19: Düngemittelgroßhändler in Fush Kruja

Bild 20: Albanisch beschriftetes PSM

Bild 21: Steppenbildung durch unangepasste Bewässerung

Bild 22: Kleine Schlachterei

Bild 23: Moderner Verarbeitungsbetrieb Albaniens (OLIM)

Bild 24: Kleinteilige Landschaft mit Buschreihen und ungenutzten Begrenzungsstreifen

Bild 25: Luftbild Zersiedlung

Bild 26: Zersiedlung der Landschaft

Bild 27: Extensive Feldbewirtschaftung

Bild 28: Extensive Wiesennutzung

Bild 29: Erosion von Weidefläche im Hügelland

Bild 30: Maisfeld mit Ackerwildkräutern

Bild 31: Sommerweiden in Nordalbanien

Bild 32: Bioladen in Tirana

Bild 33: Marktstand von OAA Mitgliedern

Bild 34: Ölpumpe auf genutztem Ackerland

1 Einleitung

Nachdem die albanische Landwirtschaft rund 46 Jahre als Kollektivlandwirtschaft, fast ohne internationalen Markt und dessen Arbeitsteilung gewirtschaftet hat, ist die heutige Situation völlig umgekehrt. Die landwirtschaftliche Ackerfläche (ca. 452.000 ha) wurde privatisiert, die Kollektive aufgelöst und im Zuge dessen entstanden ca. 467.000 Familienfarmen mit durchschnittlich 1,3 ha Nutzfläche, die meist Subsistenzwirtschaft betreiben. Die Produktivität dieser Landwirtschaft reicht nicht aus, um die Bedürfnisse des einheimischen Marktes zu decken. Die Versorgungslücke schließen Lebensmittel aus dem Ausland, hergestellt in hocheffizienten, teilweise subventionierten, industrialisierten und deshalb billiger produzierenden Landwirtschaften (INSTAT, 2002). Die einheimischen Bauern stehen heute der internationalen Konkurrenz (Albanien ist WTO Mitglied) direkt gegenüber.

Die Art der Produkterzeugung durch die meisten albanischen Bauern (extensive Produktion, kaum Einsatz von synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, wenig Beigabe von Zusatzstoffen bei der Verar­beitung, Tier- und Pflanzenproduktion zumeist in einem Betrieb, geringer Maschineneinsatz / energie­sparende Produktion, meist geschlossene Stoffkreisläufe, überwiegend artgerechte Tierhaltung), die sich im derzeitigen Licht von Konkurrenzfähigkeit auf internationalen und nationalen Märkten als nachteilig erweist, könnte sich möglicherweise eignen als hervorragende Vorraussetzung für die Entwicklung des ökologischen Landbaus im Sinne der EWG Richtlinie 2092/91.

Doch warum gerade der ökologische Landbau als Perspektive, wo doch die albanischen Bauern gegen­wärtig nur sehr wenig produzieren und ökologischer Landbau nach Erfahrungswerten oft mit Ertragseinbußen einhergeht? Dazu Priebe (1991): „Während Biobauern im industrialisierten Norden bewusst niedrigere Erträge in Kauf nehmen, versuchen ihre Kollegen in den Entwicklungsländern mit ökologisch vertretbaren Methoden sogar höhere Ernten zu erzielen.“ Neben diesen möglichen ökonomischen Verbesserungen für die Bauern stellt der Ökolandbau, nach Meinung des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNLV/NRW, www. 2004): „...die umweltfreundlichste und nachhaltigste Form der Landwirtschaft dar. Der Ökolandbau trägt aktiv dazu bei, Ökosysteme und die Artenvielfalt zu erhalten, den Boden zu schützen, das Wasser rein zu halten und die Klimabelastungen durch die Landwirtschaft zu senken“. Gerade an der nachhaltigen Weitergabe der genutzten agraren Ressourcen besteht größtes Interesse in Albanien, da Ackerboden dort stark an Familien gekoppelt ist und die Alten ihren Nachfahren die Felder zur weiteren Nutzung überlassen. Durch die ökologische Landbewirtschaftung kann, nach dieser Aussage des MUNLV/NRW, sichergestellt werden, dass in Albanien Boden, Wasser und Artenvielfalt nachhaltig weitergereicht werden und die Chancen der kommenden Generationen gewahrt bleiben.

Die Frage nach der Befriedigung der jetzigen und ggf. der zukünftigen Bedürfnisse der Bauern durch Einkommen aus der ökologischen Landwirtschaft kann durch diese Arbeit nur am Rand geklärt werden. In diesem Zusammenhang müssen betriebswirtschaftliche Rechnungen vorgenommen werden, für welche die Arbeit erste Grunddaten liefert. Hauptanliegen der vorliegenden Diplomarbeit ist demgegenüber vielmehr die Klärung der Frage, ob die albanischen Familienfarmen überhaupt in der Lage sind, unter den bei ihnen gegebenen Bedingungen ökologisch zu wirtschaften und dadurch die Bodenfruchtbarkeit ihrer Felder zu erhalten. Die Arbeit folgt der Definierung des Begriffs „Ökologische Landwirtschaft“ durch die EWG Richtlinie 2092/91 (vgl. Glossar). Neben der Beantwortung dieser Frage soll die Arbeit auch einen vollständigen Überblick zur Situation der albanischen Landwirtschaft liefern.

2 Problemstellung und Zielsetzung

Aufgrund der geringeren Erträge, der nicht zur Verfügung stehenden Investitionsmittel, der fehlenden Informations- bzw. Beratungsmöglichkeit vieler Neubauern und des niedrigen Inputs an Produktionsfakto­ren ist die albanische Landwirtschaft lange nicht so konkurrenzfähig, wie bspw. die der EU Nachbarländer Italien oder Griechenland (UN/ECE, 2002). Als weiteres Problem kommt hinzu, dass die meisten albani­schen Bauern es bisher gewohnt waren und teilweise auch gezwungen sind, fast alle Produkte für die eigene Ernährung auf ihren Flächen anzubauen, ohne Bezug zum Marktgeschehen (Beka, 2003). Der Weg zu einer ertragreicheren und Einkommen sichernden Landwirtschaft wird in der Spezialisierung, der Mechanisierung und Intensivierung der Produktion gesehen (Annual Report, 2002). Dies würde u.a. einen verstärkten mineralischen Düngemittel- und chemischen Pflanzenschutzmit­teleinsatz, eine intensi­vere Bewässerung, eine gesteigerte Verarbeitung der einheimischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse und mit Sicherheit eine sich verändernde Agrarumwelt bedeuten. Über all dem spiegelt sich in den Zielen des albanischen Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (MoAF, 1998) der Wunsch nach einer nachhaltigen Landwirtschaft wieder.

Die vorliegende Arbeit untersucht in diesem Zusammenhang, inwieweit die ökologische Landwirtschaft, welche als nachhaltigste Landbewirtschaftungsform bekannt ist (Künast, 2002), in Albanien eingeführt ist. Des weiteren wird durch einen Vergleich bestimmt, wie übereinstimmend das Verhältnis des Wirtschaf­tens normaler albanischer Familienfarmen, zu Arbeitsvorschriften aus der EWG Richtlinie 2092/91 ist. Als letztes wird nachgewiesen, ob die albanischen Kleinbetriebe überhaupt in der Lage sind, unter den bei ihnen herrschenden Verhältnissen, vollständig ökologisch zu wirtschaften. Wichtigstes Kriterium hierfür ist der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Aus dem Arbeitsansatz ergeben sich folgende zwei Themenschwer­punkte. Der erste Teil steht unter der Fragestellung, wie intensiv derzeit die albanische Landwirtschaft betrieben wird. Dazu werden folgende Fragen untersucht:

- Geht die albanische lebensmittelverarbeitende Industrie Kooperationen mit der einheimischen Land­wirtschaft ein?
- Wie hoch ist der mineralische Dünge- und chemische Pflanzenschutzmitteleinsatz derzeit und wie ist die weitere Entwicklung zu beurteilen?
- Welche Pflanzenschutzmittel werden eingesetzt ? Sind diese im Hinblick auf den Export EU-weit zu­gelassen?
- Ist das Oberflächenwasser für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen geeignet?
- Wie sind die Auswirkungen des bisherigen gesellschaftlichen Wandels auf die Agrarumwelt einzu­schätzen?

Der zweite Teil widmet sich der ökologischen Landwirtschaft und untersucht folgende Fragen:

- Wie ähnlich ist das Wirtschaften normaler albanischer Familienfarmen den Vorschriften der EWG Richtlinie 2092/91?
- Sind die untersuchten landwirtschaftlichen Familienfarmen in der Lage ihre Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, wenn sie auf Basis der EU Richtlinie zum ökologischen Landbau wirtschaften würden?
- Wie gestaltet sich die Situation der verbandsorientierten ökologischen Landwirtschaft in Albanien und wieweit hat sich die Verbandsarbeit des ökologischen Anbauverbandes (OAA) an die örtli­chen Gegebenheiten angepasst?

Zielsetzung

Das Ziel dieser Arbeit ist es, Perspektiven für die albanische Landwirtschaft durch den ökologischen Landbau aufzuzeigen. Es gilt nachzuweisen, ob eine kleinteilige, niedrigproduktive Landwirt­schaft wie die albanische, in der Lage wäre, auf Basis der EWG Richtlinie 2092/91 zu wirtschaften. Darüber hinaus soll aufgezeigt werden, welche Ausgangssituation in Albanien vorliegt und wie intensiv die Bewirtschaftung derzeit erfolgt. Aus den Erkenntnssen der Arbeit sollen sich Schlussfolgerungen für die weitere Einführung der ökologischen Landwirtschaft in Albanien ableiten lassen.

Die Arbeit soll so aufgebaut sein, dass Interessenten aus dem Agrarbereich über die Landwirtschaft Alba­niens informiert werden und diese Erkenntnisse für ihre Arbeit anwenden können. Hierzu zählen bei­spielsweise ökologische Anbauverbände, die nach internationalen Partnern suchen, Entwicklungshilfe-organisationen, die ein nachhaltiges Wirtschaftssystem in Albanien fördern wollen, Handelsfirmen - die sich über den albanischen Markt informieren wollen, Hersteller von landwirtschaftlichen Kleinmaschinen, Saatguthersteller und Lebensmittelverarbeiter auf der Suche nach neuen Kooperationen, oder Vertreter der Tourismusbranche - die Aussagen über die Art der Landnutzung benötigen.

3 Ausgangssituation

3.1 Lage, Bevölkerung und Geographie

Die Republik Albanien liegt im südöstlichen Teil Europas zwischen 39°38‘ und 42°39‘ Nördlicher Breite, sowie zwischen 19°16‘ und 21°40‘ Östlicher Länge. Sie bedeckt eine Fläche von 28.748 km² (Agolli, 2000) und ist damit etwas kleiner als das Bundesland Brandenburg[1]. Davon sind 1.350 km² Wasserfläche und dementsprechend 27.398 km² Festlandsfläche. Im Norden grenzt die Teilrepublik Montenegro der Republik Serbien und Montenegro an Albanien, im Nordosten die unter Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen stehende serbische Provinz Kosovo, im Osten die Republik Mazedonien und im Südosten und Süden die Republik Griechenland. Die westliche Grenze bilden das Ionische Meer und die Adria. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Landes beträgt ca. 340 km. Die durchschnittliche Ost-West-Ausdehnung erreicht 148 km (Nezha et al., 2003).

In Albanien leben derzeit 3.07 Mio. Einwohner (INSTAT, 2002; Auswärtiges Amt, www. 2003), von denen über 95% Albaner sind. Die anderen Bewohner gehören zu drei anerkannten nationalen Minderheiten (3% Griechen, dazu slawische Mazedonier und Montenegriner), sowie zu den zwei kulturellen Minderheiten (Walachen und Roma), (Kommission der EG, 2003). Weiterhin leben auf dem gesamten Balkan noch einmal mehr als 2,1 Mio. ethnische Albaner (Troebst, 1998).

Die Bevölkerungsdichte sank nach der neusten Zählung im Jahr 2001 von 113 Ew./km² 1993 (Schmidt-Neke et al., 1993) auf 107 Ew./km²[2] ab (INSTAT, 2003). Seit 1990 emigrierten 15 % der Bevölkerung (UNDP, 2002 B) oder geschätzte 650.000 Personen, davon 67% gut ausgebildete Fachkräfte (UN Resident Coordinator, 2001) in andere Länder. Nach UNDP Angaben (2002 b) liegt das Bevölkerungs­wachstum bei 0,88 % im Jahr[3] und ist damit das höchste auf dem Balkan. Im Jahr 2050 rechnet die Dt. Stiftung Weltbevölkerung (www. 2002) für Albanien, entgegen des europäischen Trends, mit einer größeren Zunahme der Einwohnerzahl, auf dann 3,6 Millionen. Die Lebenserwartung von Frauen beträgt 76,4 und die von Männern 71,7 Jahre (UNDP, 2002 B). Rund 53 % der Einwohner leben auf dem Land (INSTAT, 2002) und ungefähr 58 % der Bevölkerung siedeln heute im Küstenflachland, welches gleich­zeitig die besten landwirtschaftlichen Nutzflächen bietet (Worlbank, www. 2003).

Fast ¾ der Fläche Albaniens liegt zwischen 200 und 2.700 m über dem Meeresspiegel, mit einer durch­schnittlichen Höhe von 708 m ü. NN. (INSTAT, 2002; vgl. Abb. 1). Das Land besteht zu 25% aus schmalen Ebenen, zu 47% aus mittlerem Bergland und zu 28% aus Gebirgen (UNDP, 2002 B ). Die Bergketten ziehen sich im Osten von Nord nach Süd und erreichen Höhen von 2.000 m bis 2.700 m ü. NN. Sie sind Teil des dinarisch – hellenischen Faltengebirges. Aufgrund ihrer Tektonik (vgl. Kap. 3.3) gilt als eine der hauptsächlichen Naturgefahren (UNDP, 2002 A) die Möglichkeit eines Erdbebens. Als eine weitere Gefahr werden Überschwemmungen angesehen, welche vor allem im Flachland Westalbaniens große Schäden anrichten können[4].

Zu Albanien gehören Teile der wichtigsten Seen Südosteuropas. So der größte See des Balkans, der Shkodra-See, mit einer Ausdehnung von 391 km². Der tiefste See der Balkanhalbinsel, der Ohrid-See (348 km², bis 295 m tief) an der Grenze zu Mazedonien gelegen und der mit 853 m über dem Meeresspiegel sehr hoch gelegene Prespasee (274 km²). Das Flussnetz setzt sich zusammen aus ca. 152 kleineren Flüsse, die in 8 große münden. Diese Hauptflüsse, Buna, Drini, Mati, Ishmi, Erzeni, Shkumbini, Semanit und Vjosës, verlaufen von Südosten nach Nordwesten (Çullaj et al., 2003). Die wichtigste Stadt ist die Hauptstadt Tirana, mit ca. 700.000 Einwohnern, gefolgt von den Städten Durrës mit 400.000 Ew., Shkodër mit 81.000 Ew. und Vlora mit 72.000 UNDP (2002 b).

Albanien ist von Gjongecaj et al. (1997) mit Hinblick auf die Landwirtschaft in zehn Zonen unterteilt worden. Diese Gliederung berücksichtigt die Boden- und Klimabedingungen, die Vegetation (vgl. Kap. 3.2), sowie zusätzlich den landwirtschaftlichen Anbau. Erweitert wurden diese Aussagen um die Erkenntnisse von Zavalani (1938), Lienau (1993) und des Ost-West Institutes (www. 2003). In der Abb. 1 sind diese Zonen dargestellt.

A) Die Küstenniederung und die sie einschließenden Hügel (472.982 ha)

Diese Zone an der adriatischen Küste besteht aus einer 5 bis 60 km breiten, von flachen Hügelketten unterbrochenen Schwemmlandebene mit geschützten Buchten, die durch Aufschüttungsaktivität der von Ost nach West abfließenden Flüsse entstanden sind. Der Übergang zum Bergland im Osten ist meist schroff, nur im Süden steigt die Niederung allmählich zum Küstengebirge hin an. Die Höhe ü. NN staffelt sich von 0 m – 600 m. Die Neigungen betragen in den Ebenen 0 - 7 % und in den Hügelflächen 10 – 30 %. Teilweise liegen in den Ebenen Flächen unterhalb des Meeresspiegels. In dieser Zone befinden sich viele ehemalige Sümpfe und Moore, die in den 1970-er und 1980-er Jahren trockengelegt wurden (Albanian Observer, 2001) und die dann intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden. Angebaut werden hier hauptsächlich Getreide, Gemüse, Futterpflanzen, Bohnen, Baumwolle, Tabak, Soja und Sonnenblumen. In den Hügelflächen bilden Olivenbäume, Weinstöcke und Obstbäume (Feigen, Kirschen, Pflaumen) die Hauptkulturen. Die Vegetation wird durch typische Mittelmeergehölze gebildet. Es ist die wichtigste landwirtschaftliche Zone des Landes und mit der Zone B das Hauptsiedlungsgebiet Albaniens. Dieses Einheit deckt sich mit der Untersuchungsregion IV (Region IV).

B) Nördliches Küstenflachland mit umgebenden Hügelflächen (214.702 ha)

Die Eigenschaften dieser Zone sind ähnlich denen der Zone A. Die Hügel haben eine Höhe von 200 - 650 m ü. NN, mit Neigungen von 3 - 40 %. Die Hauptkulturen sind: Getreide, Sonnenblumen, Gemüse, Futter­pflanzen, Wein, Oliven- und Obstbäume. Auch in dieser Zone wird hauptsächlich Landwirtschaft betrieben.

C) Berge und Täler des Südwestens (109.285 ha)

Diese Zone umfasst den südwestlichen Teil Albaniens, welcher von Vlora bis Saranda reicht. Sie setzt sich aus schroffen Hügeln und aus Bergen in deren Nordteil zusammen. In ihrem Südteil wird sie aus Tälern und Ebenen mit tiefgründigen und fruchtbaren Böden gebildet. Die Höhe der Hügel und der Berge liegt zwischen 600 m und 2.045 m ü. NN. Die Bergspitzen werden von Kiefernwäldern bedeckt, während die tiefer gelegenen Flächen fast kahl sind. Es gibt eine intensive Landwirtschaft in den Tälern mit Anbau von Getreide, Gemüse und Futterpflanzen. Ein Teil der Hügel wird, neben Olivenbäumen, durch Pflanz-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Landwirtschaftliche Zonierung Albaniens nach Gjongecaj et al. (1997), bearbeitet nach Kartenquelle: UN, Abt. öffentliche Information (UNDPI), Kartographische Sektion, New York; UNEP – Grid Arendal

ungen von Zitrusbäumen genutzt. Die Flächen sind günstig für den Anbau von Zitrusfrüchten, da die Frostgefährdung hier sehr niedrig ist.

D) Ebenen und Täler des Südostens (66.248 ha)

Sie umfasst die große Ebene von Korça und das Tal von Devoll. Die Höhe der Ebenen liegen zwischen 800 m und 1.000 m ü. NN, während die Berge sich von 1.200 m bis 1.800 m stufenförmig anlegen. Diese Zone ist eine wichtige landwirtschaftliche Region für Albanien. Dort werden Getreide, Futterrüben, Kartoffeln, Zwiebeln und Bohnen produziert. Die Hügel werden durch Apfel-, Pflaumen- und Kirschbaum­plantagen, sowie mit Weinstöcken genutzt. Der zentrale Teil der Korça Ebene war früher Sumpf­gebiet und ist ebenfalls während der 1970-er und 1980-er Zeit trockengelegt worden (Albanian Observer, 2001). Diese Einheit deckt sich mit der Untersuchungs­region III (Region III).

E) Zone der Hügel und Gebirge des Südens (676.208 ha)

Diese Zone dehnt sich von Tirana und Elbasan im Zentrum Albaniens bis nach Tepelena und Gjirokastra im Süden aus, mit Höhen die zwischen 600 m und 1.000 m ü. NN variieren. In der Hauptsache handelt es sich hier um ein collinares und gebirgiges System, mit nur wenigen Talland­schaften. Die Täler sind mit Getreide, Mais, Gemüse und Futter­pflanzen kultiviert. Die Hangflächen werden bevorzugt für den Obst-, Oliven- und Weinanbau genutzt. In den höher gelegenen Regionen dehnen sich Wälder aus, welche von Eichen dominiert werden. Diese Einheit deckt sich mit der Untersuchungsregion II (Region II).

F) Täler des Südens und die sie begrenzenden Berge (36.473 ha)

Sie umfasst die Täler der Flüsse Vjosës und Drino, welche auf Höhen von 300 - 400 m ü. NN liegen. Diese werden von den Gebirgen Nemeçke, Lunxheri und Mali i Gjere mit Höhen zwischen 1.800 m und 2.485 m eingeschlossen. Die wichtigsten Kulturen sind dort Getreide, Mais, Gemüse und Futterpflanzen. Die Mehrzahl der Berge ist kahl.

G) Berge des Südens (355.469 ha)

Diese gebirgige Zone beinhaltet die Regionen von Librazhd, Gramsh, Pogradec, Kolonjë bis zu den Bergen westlich und südlich der Korçë Ebene. Die Höhen verlaufen stufenförmig zwischen 1.600 und 2.300 m ü NN. Wälder aus Buchen, Kiefern und Tannen herrschen hier vor. In den Tälern ist die Land­wirtschaft begrenzt auf den Anbau von Weizen, Roggen und Hafer. Weiterhin gibt es Obstbaum­pflanzungen. Wichtigster landwirtschaftlicher Bereich ist hier die Schaf- und Ziegenhaltung.

H) Hügel und Gebirgen des Nordens (593.108 ha)

Sie umfasst die Distrikte von Mat, Mirditë, Pukë, Malësi e Madhe und ein Teil von Shkodër. Es sind ähnliche Bedingungen wie in Zone I, nur sind die Flächen insgesamt mehr geneigt und in hohem Maße natürlich bewaldet mit Kiefern und Tannen. Die Landwirtschaft ist dort weniger entwickelt. Man kultiviert dort besonders Getreide, Mais, Bohnen, Gemüse und Obstbäume.

I) Berge und Täler des Nordens (191.606 ha)

Diese Zone befindet sich im nordöstlichen Teil des Landes, an der Grenze zu Mazedonien. Sie wird gebildet durch die Bergketten von Korab und Gjallica und begrenzt durch das Tal des schwarzen Drini Flusses im Westen. Die Höhen der Tallandschaften bewegen sich zwischen 400 m und 600 m ü. NN. Die Berge erreichen bis zu 2.751 m Höhe (höchster Berg Albaniens: Korabi). Die hohen Berge sind im Allgemeinen kahl. Die Flächen unterhalb der Spitzen werden oft als Sommerweiden genutzt, während in den Tälern Getreide, Mais, Bohnen und Futterpflanzen kultiviert werden. Die Hügel sind mit Apfel- und Pflaumenbäumen mit hoher Produktivität bepflanzt.

J) Alpen im Norden Albaniens (11.874 ha)

Sie setzen sich aus Hochgebirgen zusammen und erstrecken sich an der Grenze zum Kosovo und zu Montenegro. Sie sind geprägt durch schroffe Kalkwände und verschiedene Karstformen, haben Hochebenen und tief eingeschnittene Täler. Die Berge erreichen Höhen zwischen 1.600 m und fast 2.700 m ü. NN (Der höchste Berg ist mit 2.693 m der Jezerca). Das Gebiet wird im Süden von dem Fluss Drini begrenzt, in dessen Bogen sich die Stadt Shkodër befindet. Meist bedecken Kiefern- und Tannenwälder die Flächen. Die Alpenweiden, die im Sommer genutzt werden, sind bedeutsam für die Viehwirtschaft. Die landwirtschaftliche Nutzfläche ist begrenzt. Hauptsächlich findet man hier Obstbäume (Apfel-, Pflaumen­bäume) sowie andere Nutzgehölze wie Hasel- und Walnusssträucher und Esskastanien. Dieses Einheit deckt sich mit der Untersuchungsregion I (Region I).

3.2 Klima und Vegetation

Klima

Nach Häckel (1990) fällt das Land in die gemäßigte Klimazone, die durch warme, trockene Sommer und milde, niederschlagsreiche Winter geprägt ist. Nezha et al. (2003) spricht von feuchtem, subtropischem Klima. Durch die abwechslungsreiche Gliederung des Landes ergeben sich vielfältige Klima­differenzierungen von West nach Ost und von Süd nach Nord. Im Süden und Westen herrscht das mediterrane Klima vor, währenddessen es in Richtung Norden und Osten in submediterrane und kontinentale Ausprägung übergeht. Das bewirkt nicht nur niedrigere Temperaturmittelwerte (über 14°C in den östlichen Tiefländern bis unterhalb von 6°C in den Nordhochländern), länger Frostperioden und größere Temperaturamplituden, sondern auch die Zunahme der Schneetage von West (5) nach Ost (21) und Schneehöhen bis zu 150 cm in den Bergen des Ostens (Lienau, 1993). Die Klimaausprägung in den, in großer Anzahl vorhandenen Tälern ist abhängig von der geografischen Ausrichtung ihrer Zugänge (Zavalani, 1938).

In den Küstengebieten sind die Sommer mit Durchschnittstemperaturen von 26°C heiß und trocken, mit gelegentlichen starken Gewittern. Die Winter sind feucht und mild mit Durchschnittstemperaturen von 11,8° C im Dezember. Die südlichen Küstengebiete weisen kaum Winterfröste auf. Ähnliche Bedingungen herrschen in den Hügel- und Bergflächen bis 800m ü. NN, nur sind die durchschnittlichen Temperaturen hier um 3 - 4 ° C niedriger und es treten von Süd nach Nord gehend mehr Niederschläge auf. Die Berg­gebiete über 800m ü. NN sind charakterisiert von stärkeren Sommerniederschlägen und kälteren Wintern, mit viel Schnee (Institute of Hydrometeorology, 1988 in Zdruli, 1997).

Die durchschnittlichen Jahresniederschläge betragen 1.485 mm, an der Küste 1.000 mm und in den Bergen ggf. bis 3.000 mm (Worldbank, 2003). Die Niederschläge sind nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt. Ungefähr 40 % treten im Winter, 32 % im Frühjahr, 17 % im Herbst und nur 11 % im Sommer auf. Die Regenschauer sind oft kurz, schwer und innerhalb weniger Minuten sind an der Oberfläche Ströme von Wasser entstanden, die stark erodierende Wirkungen haben (Çullaj, 2003). Die trockensten Monate (Juli und August) haben durchschnittlich 32 Millimeter Niederschlag. Der niederschlagsreichste Monat ist November mit 211 Millimeter (AgroWeb, www. 2003). Die Sonnenscheindauer beträgt 2.772 Sunden (h) in Vlora, 2.731h in Saranda , 2.560h in Tirana, 2.433 in Korça, in Peshkopia 2.246h und in Kukës 2.046h pro Jahr (Nezha et al., 2003).

Durch die hohen Niederschlagswerte und die mediterranen Bedingungen, mit hoher Sonnenscheindauer und hohen Temperaturdurchschnittswerten, ist das Klima als sehr günstig für die Landwirtschaft zu beurteilen (Zdruli, 1997). Dies trifft vor allem auf das Küstenflachland zu. In Abb. 2 sind die Thermo-Pluviometrischen Diagramme für die 4 Untersuchungsregionen aufgeführt.

Aufgrund von hohen Temperaturen und niedrigen Niederschlägen herrschen in den Untersuchungs-regionen, ausgenommen der Region I, von Juli bis August aride Verhältnisse vor. In der Küstenebene um Fier dauert diese Periode sogar von Ende Mai bis Ende August. Unter den herrschenden klimatischen Bedingungen im Küstenflachland, ist mit Bewässerung eine zwei- oder dreimalige Ernte von Gemüse pro Jahr möglich (UN/ECE, 2002).

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Abb. 2: Temperatur/Niederschlagsdiagramme der 4 untersuchten Regionen (Quelle: verändert nach Institute of Hydrometeorology, 2002)

Vegetation

Würde Acker-, Waldweide- und alle anderen Nutzungsformen in den Gebieten Albaniens wegfallen und nähme man an, dass die Vegetation dieser Standorte sich zu ihrem Klimaxstadium entwickeln könnte, so wären folgende potentiell natürliche Vegetationen (Tüxen, 1956) in Albanien anzutreffen. In Auswertung der Vegetations-Zonen Karte Südosteuropas von Horvat et al. (1974 A) gehört der gesamte Küstensaum (ca. 5 km) zur adriatischen Steineichenwald-Unterzone (Orno-Quercetum-illics adriatisch). Kennzeichnend für diese Unterzone ist das Vorhandensein immergrüner mediterraner Hartlaubarten, welche an Sommerdürren angepasst sind, aber frostempfindlich reagieren und deshalb zum Landesinneren hin abnehmen (Horvat et al. 1974 B). Der größte Teil Albaniens, vor allem der der Küste nachgelagerte nördliche und mittlere Teil des Flach- und Hügellandes, wird pflanzensoziologisch gesehen, der adriatischen Hopfenbuchen-Orienthainbuchenwald-Unterzone (Ostryo-Carpinion adriaticum) zugeordnet. Da das Klima in diesem Bereich recht stark gemäßigt ist, insoweit relativ ozeanisch, prägt diese Zone ein wärmeliebender winterkahler submediterraner Laubmischwald (Horvat et al., 1974 B).

Der südliche Teil vor den Bergketten zeitigt einen kontinentaleren Charakter, der nach Osten hin stärker ausgeprägt wird. Er gliedert sich in größere Gebiete mit ägäisch geprägtem Hopfenbuchen-Orient­hainbuchenwald (Ostryo-Carpinion aegeicum / bis ca. 700 m ü. NN) und in mehrere kleinere Gebiete mit potentiell natürlichen Wäldern der Quercion-frainetto -Zone, mit kontinentalem Laubmisch- und Steppen­wald (Quercetum-frainetto-cerris -Unterzonen in planaren und collinen Stufen und Quercetum-patraeae -Unterzone im submontanen Bereich). In den montanen und hochmontanen Stufen im Osten des Landes herrscht die Fagion moesiacum -Zone mit Buchen- und Tannenwäldern vor, wobei die Buche in den niedrigeren Lagen Rein- bzw. Mischbestände mit Laubhölzern bildet (Traubeneiche, Esche, Bergahorn u.a.) In den höheren Lagen steht sie mit Tannen und in geringeren Anteilen mit Fichten zusammen (Horvat et al. 1974 B). Die wenigen subalpinen Gebiete Albaniens werden der Aceri-Fagetum-illyricum -Unterzone zugerechnet, welche durch Krummholzbuchenwald, der reich an Hochstauden ist, charakterisiert wird. Die Nadelhölzer treten hier fast vollständig zurück. Einige Lagen reichen über die klimatischen Höhengrenzen des Waldes hinaus (Horvat et al. 1974 B).

3.3 Geologie und Böden

Geologie

Das albanische Territorium ist hauptsächlich im Tertiär geprägt worden. Die Auffaltung der Flächen erfolgte während der alpidischen Gebirgsbildung und dauert bis in unsere Tage an (Riedel, 1997). Das Land liegt in einer tektonisch aktiven Zone.

Die Berge sind jungen Ursprungs mit tiefen Schluchten und fast senkrechten Hängen. Der zentrale und mittlere Teil Albaniens (insgesamt 15 % der Landesfläche) ist geprägt durch ultrabasische Ausgangs­gesteine, wie Dunite, Peridotite und Pyroxentite, welche u.a. Nickel und Chrom enthalten (Zdruli, 1997). Die Gebirge basieren auf Karbonatgesteinen, Flynsch- und Molasseformationen. Der größte Teil Albaniens (85 %) hat Sedimentgestein als Ausgangsformation. Der Kalkstein kommt hauptsächlich vor und tritt meist in Form von Gips oder Dolomiten auf. Neben dem Kalkstein gibt es auch Sandstein­formationen (Zdruli, 1997).

Tab. 1: Bodentypen und ihr Anteil an der Landesfläche Albaniens (Quelle: Zdruli, 1997)

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Böden

Die albanischen Bodentypen sind unter der Verwendung der US-amerikanischen Soil- Taxonomy in den 90-er Jahren von Zdruli (1997) neu eingeteilt worden. Nach dieser Einteilung sind sechs Bodentypen in Albanien identifiziert worden. Diese und ihr Anteil an der Landesfläche, sowie das prozentuale Vorkommen ist in Tab. 1 dar­gestellt. Die Eigenschaften der Böden werden durch die Tab. 71 (Anhang 4) wieder­gegeben.

Die Ackerböden Albaniens haben Gjongecaj et al. (1997) nach verschiedenen Kriterien unterteilt. In Be­zug auf die ackerbauliche Bearbeitungseignung unterscheiden sie schwere Böden (Lehmanteil > 50%), die ca. 36 % an der gesamten Ackerfläche einnehmen, mittlere Böden mit 43% der Ackerfläche und leichte Böden mit einem Anteil von ca. 21 %. Für die geneigten Flächen (ca. 57 % des Ackerlandes, vgl. Anhang 3) ermittelten sie, aufgrund der stark wirkenden Erosionskräfte, flache Oberbodenhorizonte, mit

Tab. 2: Gehalt von Humus und Makronährstoffe in den untersuchten Acker­böden Albaniens (Quelle: Institut de l`Etude des terres Tirana; in: Gjongecaj et al., 1997)

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geringem Gehalt an organischer Sub­stanz. Generell sind die Böden charakte­risiert durch schwachen bzw. durch­schnittlichen Gehalt an Humus. Sie rea­gieren überwiegend sauer, sind phos­phatarm und weisen einen hohe Gehalt von Pottasche auf. In Tab. 2 sind die prozentualen Angaben der von Gjongecaj et al. (1997) wiedergegebe­nen Bodenuntersuchung abgebildet.

Vor dem Hintergrund, dass: „wir bis heute noch nicht genaue Werte für die Verwitterungsintensität in den Böden verschiedener Standorte und Bewirtschaftungsarten haben, weil die Frage erst in jüngster Zeit überhaupt zu interessieren beginnt“ (Schaumann, 2002), gibt Sallaku (2003) für die albanischen Böden allgemein langsame Bodenneubildungsraten an, ohne diese quantifizieren zu können.

Nach Untersuchungen der Danish Environmental Protection Agency (2000) ist der natürliche Gehalt von Mangan, Chrom, Kobalt, Nickel, Kupfer und Zink im albanischen Boden verhältnismäßig hoch (vgl. Tab. 72). Auch Bachofen (2003) nimmt an, das die Ausgangsgesteine in Albanien reich an Schwer­me­tallen wie Chrom und Nickel, sowie anderen ist. Çullaj et al. (2003) führt ebenfalls an, dass die Böden natürlich reich an Schwermetallen sind, und bei Bodenabtrag die Flüsse mit diesen Stoffen belastet wer­den (vgl. Kap. 3.8 & 5.2.2). Zdruli (2003) spricht dagegen nur von einzelnen Teilbereichen innerhalb Albaniens, welche schwermetallbelastet sind. Er lokalisiert sie hauptsächlich im östlichen Teil des Landes, vom Norden bis zum Süden hin verteilt, in den Gebieten, die durch stark basisches Grundgestein cha­rakterisiert werden (Serpentine, Dunite, Olivinite, usw.). Die Nahrung, welche auf so einem Boden produ­ziert wird, ist seiner Erkenntnis nach eine Gefahr für den Konsumenten (Zdruli, 2003).

Bis zum Jahr 1990 sind in Albanien bodenverbessernde Maßnahmen für Böden mit hohem Gehalt an Magnesium, für Salineböden und für saure Böden durchgeführt worden. Die Magnesiumböden umfassen ungefähr 12.000 ha und liegen hauptsächlich im nordöstlichen Teil des Landes. Im Allgemeinen enthalten sie auch andere Metalle (Ni, Cr, Fe, etc.). Als verbessernde Maßnahmen wurde Entwässerung und Kalkung durchgeführt. Saure Böden finden sich mosaikartig verteilt auf der gesamten Landesfläche (insgesamt ca. 85.000 ha) Auch auf diesen wurde durch Entwässerung und Kalkung die landwirtschaft­liche Produktion ermöglicht, bzw. dadurch gesteigert (Danish Environmental Protection Agency, 2000). Die Salzböden mit einem Umfang von ungefähr 12.000 ha sind auf den westliche Teil des Landes begrenzt. Auch hier wurde durch Entwässern und geregelter Bewässerung verbessernd eingewirkt (Danish Environmental Protection Agency, 2000).

3.4 Politische und Ökonomische Entwicklung bis 2003

Politische Entwicklung

Die Republik Albanien (albanisch: Republika e Shqipërisë), 1991 hervorgegangen aus der sozialistischen Volksrepublik[5], ist eine parlamentarische Demokratie, die von der Kommission der EG (2003) als noch nicht gefestigt bezeichnet wird. Die Verfassung von 1998 gewährleistet zwar die demokratischen Frei­heiten, insbesondere politischen Pluralismus, freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit, sowie den Schutz nationaler Minderheiten, Schwierigkeiten bestehen aber in der Durchsetzung vieler der beschlossenen Gesetze. Die Behörden sind oft noch zu schwach entwickelt, zu mangelhaft ausgerüstet, teilweise auch zu wenig motiviert und in großem Maße korruptionsanfällig (Bank of Albania, 2003), um die staatlichen Interessen zu wahren. Die letzten Parlamentswahlen fanden im Juni 2001 statt (vgl. Anhang II). Seitdem regiert ein Koalitionsbündnis aus Sozialistischer Partei (SP) (41,5 % der Stimmen), Sozialdemokratischer Partei (SDP), Demokratischer Allianz (DA), Agrarpartei und der Partei zum Schutz der Menschenrechte (PBDNJ) (alle je ca. 3 % der Stimmen) mit 88 von 140 Sitzen. Das Oppositions­bündnis unter der Führung der Demokratischen Partei (DP), die von 1992 bis 1997 die Regierung stellte, erhielt 46 Sitze (Auswärtiges Amt, 2003). Die jetzige Regierung bezeichnet die Integration in das euro- atlantische Bündnis als vorrangiges Ziel. Daher werden viele gesetzgeberische Entscheidungen unter Beachtung der Kopenhagener Kriterien zum Beitritt zur Europäischen Union getroffen (UN Resident Coordinator, 2001). Am 31. Januar 2003 sind die Verhandlungen über ein Stabilisierungs- und Assoziierungs­abkommen (SAA) mit der EG offiziell eröffnet worden (Kommission der EG, 2003).

Ökonomische Entwicklung

Laut Feststellung des UN Resident Coordinator (2001) existieren große Einkommensunterschiede im Land, die weiter zunehmen. 2002 wurde das Land an 92. Stelle von 173 Staaten des Human Develop­ment Index Ranking (HDI) geführt. Es ist das ärmste Land Europas[6]. 46,6 % der Bevölkerung lebt unter der von der Weltbank festgelegten offiziellen Einkommensarmutsgrenze[7] von 2 USD pro Tag (UNDP, 2002 B ).

Tab. 3: Haupteinkommensquelle (HEQ) und Armut in Albanien (Quelle: verändert nach HDPC, 2002)

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In Tab. 3 ist die als arm und nicht arm geltende Bevölkerung Albaniens, eingeteilt nach Standards der Weltbank und unterteilt nach Haupteinkommensquelle (HEQ), aufgeführt. Bei den Einkommensbeziehern gelten 49 % der in der Landwirtschaft Tätigen als arm, während dieser Wert für die Beschäftigten im privaten oder staatlichen Sektor, bzw. bei den Selbstständigen bei 10 % liegt (vgl.Tab.3). Diese Gruppe der Beschäftigten ist auch die Gruppe, die mit 40% den größten Anteil an den nicht Armen aufweist. Rentner machen 25 % der Einkommensbezieher aus.

Im Privatsektor sind 80% der Erwerbstätigen beschäftigt. Von ihnen arbeiten 70 % in der Landwirtschaft, das aber mit abnehmender Tendenz (Auswärtiges Amt, 2003). Es gibt derzeit 1.244 Tsd. Arbeitskräfte, davon gelten 1.063 Tsd. als beschäftigt und 181 Tsd. sind registriert als Arbeitslose, was einer offiziellen Arbeitslosenquote von 14,5 % entspricht (INSTAT, 2003). Diese Zahl ist aber laut Kommission der EG (2003) mit Vorsicht zu betrachten, da ein großer Teil der Arbeitslosen schwarz arbeitet und nicht mehr bei den Sozialkassen registriert ist. Nach Schätzungen des Auswärtigen Amtes (2003) dürfte die Quote tatsächlich bei über dreißig Prozent liegen. Nur 2 % der Einkommensbezieher erhalten die Arbeitslosen­unterstützung (vgl. Tab. 3).

Die EG ist für Albanien Haupteinfuhr- wie auch Hauptausfuhrmarkt. Auf sie entfällt mehr als 90 % der albanischen Ausfuhren und über 75 % der albanischen Einfuhren. Die wichtigsten Handelspartner inner­halb der EG waren 2002 die Nachbarländer Italien mit mehr als 30 % der Gesamteinfuhren und mehr als 70 % der Gesamtausfuhren, gefolgt von Griechenland mit rund 20 % der Gesamteinfuhren und rund 15 % der Gesamtausfuhren (Kommission der EG, 2003). Für Deutschland lag Albanien mit einem bilateralen Außenhandelsvolumen i.H.v. 92,4 Mio. EUR 2002 (vgl. Tab. 4) lediglich auf Rang 129 der Außenhandels­partner.

Tab. 4: Wirtschaftliche Kenndaten Albaniens (Quelle: Auswärtiges Amt, www. 2003)

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Das Wirtschaftswachstum Albaniens lag 2002 bei 4,7 % und damit unter dem des letzten Jahres von 6,5 %. In Tab. 4 sind die wichtigsten Kenndaten für die Wirtschaft Albaniens aufgeführt. Das Pro-Kopf-BIP von 1.500 USD, gehört immer noch zu den niedrigsten Europas (Kommission der EG, 2003).

Das 4,7 Mrd. USD umfassenden BSP kam allein zu 15-20 % durch die Überweisung von Auslands­albanern in die Heimat zustande (UNDP, 2002 B )[10]. Die Steuereinnahmen machten 20,4 % des BIP des Jahres 2002 aus, „... womit Albanien immer noch zu den Schlusslichtern unter den osteuropäischen Ländern mit ähnlichen Steuersätzen gehört. Dies zeigt, dass Steuerhinterziehung nach wie vor ver­breitet ist... “:(Kommission der EG, 2003). Nach wie vor sind ausländische Geber, Weltbank, EG, Italien und Deutschland (KfW), die größten Investoren im Lande (Auswärtiges Amt, 2003). In der Zeit von 1991 bis 2001 erhielt Albanien von der internatio­nalen Gebergemeinschaft 3,2 Mrd. USD (UN Resident Coordinator, 2001). Darin enthalten sind öffentliche Hilfen von deutscher Seite von insgesamt mehr als 618 Mio. EUR, die seit 1990 geleistet wurden (inkl. dem deutschen Anteil an den Hilfen der EU für Albanien). Das Land liegt damit, gerechnet pro Kopf der Bevölkerung, in der Spitzengruppe der Empfängerländer deutscher Entwicklungshilfe (Auswärtiges Amt, 2003).

Trotz der geringen Mindestlöhne von 53 USD im Monat wurde durch ausländische Privatunternehmen nur wenig investiert. Das liegt vor allem an der zu anderen Ländern dieser Region vergleichsweise geringen Produktivität, die einhergeht mit anhaltenden Problemen im Elektrizitätssektor. Für ausländische Investoren ist es zudem schwierig, die für ihr Vorhaben Verantwortlichen in der Verwaltung ausfindig zu machen, die erforderlichen Lizenzen bzw. Genehmigungen zu bekommen, kompetente Mitarbeiter zu finden, Einfuhren realistisch zu verzollen, ihre Investitionen gegen Diebstahl und Raub zu schützen, und ihr Recht vor Gericht zu erstreiten (Auswärtiges Amt, 2003). „Angesichts der derzeitigen Lage in Albanien, einem Land, in dem die Schattenwirtschaft weiterhin eine wichtige Rolle spielt, ist ein fairer Wettbewerb zwischen Unternehmen im formellen und informellen Sektor immer noch nicht möglich (Kommission der EG, 2003).

„Wer sich über die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, den Schutz von Böden und Gewässern und den Erhalt der biologischen Vielfalt Gedanken macht, wird sich automatisch mit dem Thema Landwirt­schaft beschäftigen müssen.“: BMU (2002)

3.5 Landwirtschaft Albaniens

3.5.1 Historische Entwicklung der landwirtschaftlichen Nutzung bis 1990

Die folgende Beschreibung folgt im wesentlichen den Ausführungen von Agolli (2000). Während der Türkischen Herrschaft über Albanien (15. – 20. Jh., vgl. Anhang 2) wurde der Boden dem türkischen Staat zugeordnet, unabhängig davon, wem er ursprünglich gehörte. Zur Nutzung wurde es vom Sultan an loyale Personen aus Armee, Religion, Zivilverwaltung und Gerichtswesen vergeben. Diese Vergabe be­inhaltete meist kein Eigentumsrecht und das Land (sogenanntes Mirie) wurde nach dem Tode des Belehnten dem Landfond des türkischen Staates wieder zugeführt und anschließend neu verliehen. Einigen sehr treuen Gefolgsleuten gab der Sultan eigenes Land (sogenanntes Mylk), welches frei von Besteuerung war und welches an die Nachkommen vererbt werden konnte. Den Bauern wurde das Recht zugesprochen, das Mirieland zu nutzen. Dafür mussten sie Abgaben, meist ein Drittel bis ein halb der Ernte entrichten und wurden zum Militärdienst eingezogen. Neben diesen zwei Grundbesitzformen gab es noch eine Dritte, das Vakefland. Dies war Eigentum religiöser Institutionen und wurde, ebenfalls gegen Abgaben, den Bauern zur Bearbeitung überlassen.

Im Jahr 1864 wurde den Bauern, die auf Mirieland wirtschafteten, bestimmte Eigentumsrechte an diesem Land übertragen, so dass ein große Gruppe von Kleinbauern entstand. Zu dieser Zeit wurde es auch er­möglicht, Land zu kaufen und zu verkaufen, statt verliehen zu bekommen. Damit bildete sich ein kapita­listischer Grundbesitzmarkt heraus, bei dem nicht mehr die Stellung beim Sultan entscheidend war, sondern abhängig vom Vermögen der Einzelnen agiert wurde.

Diese während der türkischen Herrschaft geltenden Besitzregelungen hatten ihre Gültigkeit nur im Bereich der Küsten, einiger Flusstäler und der Städte mit ihrer Umgebung. In den Bergen dagegen gab es nach Stammesgesetz (sogenannter Kanun) geregelten Privatbesitz, der heilig, unantastbar und vererbbar war. Im Zuge der Unabhängigkeit im Jahre 1912 wurden einige Ländereien des türkischen Staates, vor allem kleinere, konfisziert. Es gab damals ca. 382.000 ha Nutzungsfläche, von der ungefähr 172.000 ha oder 45% 60.000 Kleinbauernfamilien gehörte. Groß- und Mittelbauern besaßen ca.140.000 ha oder 37 %. Der Staat war Eigentümer von 56.000 ha oder 15 % der gesamten Landnutzungsfläche. Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges 1945/46 hatte sich, nach mehreren Agrarreformen, die in Tab. 5 dargestellte Landbesitzverteilung herausgebildet. Die Bevölkerungsverteilung sah noch 78,7 % der 1,1 Mio. Einwohner Albaniens auf dem Land.

Den Angaben zufolge sind bis 1945, im Vergleich zum Jahr 1912, nur ca.11.000 ha mehr in Nutzung ge­nommen worden. Sallaku (2003) nimmt an, dass die Erschließung von weiteren Nutzflächen sehr schwierig, bzw. mit damaligen Mitteln unmöglich gewesen sein wird. Die Tab. 5 zeigt auch, dass von 1912 bis 1945 die Gruppe der Klein- und Mittelbauern größer wurde, die über eigenes Land verfügten. Unge­fähr 70 % der gesamte Ackerfläche von rund 400.000 ha teilte sich in Flächen von durchschnittlich 1,1 ha bis 5 ha Größe. Die Landschaft dürfte demnach vor ca. 57 Jahren hauptsächlich klein parzelliert gewesen sein (Sallaku, 2003).

Tab. 5: Landbesitzverteilung im Jahr 1945 (Quelle: verändert nach Agolli, 2000; Annual Report, 2002)

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Nach 1945/46 wurden große Enteignungen von Grundbesitzern vorgenommen. Die Form der Enteig­nungen und die Verteilung des Landes wurden von der kommunistisch dominierten Regierung dahin­gehend formuliert, das Land von reichen Bauern entschädigungslos enteignet werden sollte, welches nicht von Ihnen selbst bearbeitet wurde. Dieses sollte an arme Bauernfamilien gegeben werden. Land­eigentum bis zu 5 ha wurde nach dem Gesetz erlaubt. Mit der Reform wurden ca. 174.000 ha Land von Großgrundbesitzern, reichen Bauern und teilweise von Mittelbauern konfisziert und 155.000 ha davon an 294.000 arme und 20.000 sehr arme Familien verteilt. Die Ausführung des Gesetzes ergab ca. 143.000 Farmen, was fast 100 % der Landbesitzer ausmachte, mit einer Größe von bis zu 10 ha.

Die weitere Entwicklung führte zuerst zu freiwilliger, später zu erzwungener Kollektivierung der Bauern in Kooperativen oder in Staatsfarmen, die 1967 als abgeschlossen galt. Nur ein Gartenstück von je 10 x 11 m wurde den Bauernfamilien zur eigenen Bewirtschaftung bis 1976 überlassen (Agolli, 2000). Nach 1976 war jeder Privatbesitz an Garten, Nutztieren und Obstbäumen verboten und damit auch die Möglichkeit des Erfahrungserwerbs durch eigenes wirtschaften nicht mehr gegeben (Agolli, 2002). Ende der 80-er Jahre hatte sich im Vergleich zu 1950 folgende, in Tab. 6 dargestellte Struktur herausgebildet.

Tab. 6: Strukturveränderungen auf dem Land von 1950 bis 1990 (Quelle: eigene Zusammenstellung nach Agolli, 2000; Statistical Yearbook, 1990; INSTAT, 2002 & Annual Report, 2002)

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Durch die Propagierung und großzügige staatliche Förderung von Vielkinderehen[18] erhöhte sich die Bevöl­kerung Albaniens von 1.2 Mio. (1950) auf 3.3 Mio. im Jahr 1990. Die ländliche Bevölkerung ver­doppelte sich in 40 Jahren von knapp 1 Mio., was 79,5 % der Gesamtbevölkerung des Jahres 1950 ent­sprach, auf 2 Mio. im Jahr 1990 (63,3 % der Gesamtbevölkerung). Durch restriktive Siedlungspolitik (Kelm, 2002), aber auch durch traditionelle Lebensformen kam es dazu, dass die meisten Bewohner, gerade die aus den ländlichen Gebieten, an ihrem Geburtsort verblieben (Ausnahmen bildeten Vermäh­lungen in andere Orte, Studium, Armee, Berufsausübung und Sondererlaubnisse). Somit lebten 1990 noch 63,3 % der Bevölkerung auf dem Land. Von der Landbevölkerung waren durchschnittlich 56 %, also ca. eine Mio. im arbeitsfähigen Alter, von denen etwa die Hälfte (524 Tsd.) in der Kollektivlandwirtschaft tätig waren (Statistical Yearbook, 1990).

Durch die Kollektivierung wurden große Strukturen geschaffen mit Betrieben von bis zu 2.343 ha Bearbeitungseinheiten, deren Fläche aber bis 1990 wieder reduziert wurde, auf dann noch bis zu 1.070 ha. Auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche, die von 391.000 ha (1950) auf 706.000 ha (1989) erweitert worden war, (vgl. Tab. 7), arbeiteten 652 Betriebe. Die Erweiterung der Landwirtschaftsfläche um fast das Doppelte, erfolgte durch die Trockenlegung der Sümpfe im Küstengebiet und im Gebiet um Korça (ca. 70.000 ha; UN/ECE, 2002), sowie durch die Rodung und Kultivierung von Berg- und Hügelland (Gjongecaj et al., 1997) (vgl. Bild 4). In Tab. 7 ist die Veränderung der Landnutzung von 1950 zu 1989 dargestellt.

Tab. 7: Veränderung der Landnutzung von 1950 zu 1989 (Quelle: verändert nach Statistical Yearbook ,1990 & Kelm, 2002)

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706.200[19]

Zusammenfassend lässt sich über die Agrarreform, die zur Kollektivierung führte sagen, dass sie durch Schaffung gleicher Einkommensverhältnisse soziale Unterschiede auf dem Land aufhob. Sie stellte weiterhin einen Versuch dar, über die Intensivierung der Produktion, die Erweiterung der Produktionsflächen, durch Ausbildung von landwirtschaftlichen Spezialisten und Arbeitskräften die Eigenversorgung des Lan­des, vor allem nach der 1978 einsetzenden Selbstisolation (vgl. Anhang II) und dem damit einherge­hen­den fast völligem Verzicht auf die internationalen Marktbeziehungen, bis zu 100 % zu sichern (Agolli, 2002). Zu diesem Zwecke hatte sie aus Bauern Landarbeiter gemacht, aus der kleinparzellierten Land­schaft großflächige, ausgeräumte Bearbeitungsein­heiten (Tab. 6 & Bild 3) ge­schaffen und bis dahin als extensives Weideland genutzte Ökosysteme, wie Sumpf-, Moor- und Bergwaldgebiete (vgl. Tab. 7) durch Kultivierungs-maßnahmen so verändert, das diese heute große Umweltprobleme verursachen (Proko, 2003). Die positive Wirkung der Kollektiv­landwirtschaft sieht Agolli (2000) vor allem in der sozialen und kulturellen Entwicklung der Landbevölke­rung, die er als Emanzipierung bezeichnet.

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Bild 3: Albanische Agrarlandschaft um 1984 (Quelle: Skarço, 1984)

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Bild 4: Terrassierung von Hügellandflächen um 1984 (Quelle: Skarço, 1984)

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Bild 5: Maschineneinsatz um 1984 (Quelle: Skarço, 1984)

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Bild 6: Intensive Rinderhaltung um 1984 (Quelle: Skarço, 1984)

3.5.2 Entwicklung der Landwirtschaft nach 1990

Die Entwicklung nach 1990 in der Landwirtschaft war geprägt von der Auflösung der Kollektiv- und Staatsfarmen, von der Wiederzulassung des Privatbesitzes an Boden, Gebäuden, Maschinen und Vieh, sowie der Durchführung der Landreform. Bei der Privatisierung wurden die ehemals einheitlichen Flächen parzelliert (vgl. Bild 7). Dabei hat Albanien, nach Informationen der Friedrich Ebert Stiftung (www. 2003), das staatliche bzw. genossenschaftliche Eigentum vorrangig über Anteilsscheine an Grund und Boden, Gebäuden sowie Maschinen an Mitglieder und Arbeitnehmer der Agrarbetriebe, entsprechend ihrer Arbeitsleistung bzw. Gesamteinnahmen, umsonst übertragen. Die Alteigentümer wurden von staatli­cher Seite entschädigt. Nach dem Annual Report (2002) wurde das Inventar, die Maschinen, die Ge­bäude und die Nutztiere unter den Mitgliedern der Kooperativen eigenverantwortlich aufgeteilt. Der Boden aber konnte erst mit dem Gesetz No. 7501 vom 31.07.91 in Eigentum überführt werden. Das Gesetz sah vor, den Boden nicht an die Alteigentümer zu übertragen, sondern unter allen Bauernfamilien die vor dem 31.07.91 auf dem Land lebten, zu verteilen und zwar pro Kopf:“... was heißt, das alle Bauern­familien in­nerhalb des vormaligen Kooperativenterritoriums gleiche Flächen in Hinblick auf Quantität und Qualität erhielten“ (Annual Report, 2002). Qualitätsmerkmale dabei waren Bodenfruchtbarkeit, Typ des Bodens (Weide, Acker, usw.) und Bewässerungsfähigkeit (Lusho et al., 1998). Mit der Bodenverteilung wurden auch Weingärten, Obst- und Olivenbäume zu gleichen Teilen privatisiert.

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Bild 7: Parzellierte Landschaft als Ergebnis der Land­reform 1991 (Foto: Christian, 2004)

Durch die verschieden großen Landressourcen in den Regionen Albaniens bekamen Bauernfamilien in den Dör­fern des Nordostens weniger Land (0,1 ha pro Kopf) als Familien in den Ebenen (bis zu 0,35 ha pro Kopf) (Annual Report, 2002). Die landwirtschaftliche Nutzfläche (LF) wurde so entsprechend bis zum Jahr 2000 zu 98,2 % priva­tisiert. Diese Prozentangabe beinhaltet eine Fläche von 568.000 ha, da 130.000 ha der Gesamtfläche von ehemals 706.000 ha (vgl. Tab. 7) von den Bauernfamilien als nicht nutzbar dem Staat bzw. dessen Forstverwaltung zurückge­geben wurden (Annual Report, 2002).

Die Privatisierung der LF ist demnach fast vollständig abge­schlossen, aber die mit ihr in Zusammenhang stehende Entschädigung der Alteigentümer ist bisher noch nicht er­folgt. Eine Regelung hierfür ist bis heute nicht erarbeitet wurden, obwohl diese verfassungsmäßig bis spätestens November 2001 hätte vorliegen müssen. Das politische Klima ist nach Ansicht der Kommission der EG (2003) wei­ter­hin nicht so, dass diese Gesetze in absehbarer Zeit be­schlossen werden könnten. Das führt dazu das die Eigen­tumsverhältnisse noch vielfach ungeklärt sind, was die Ent­stehung eines funktionierenden Grundstücksmarktes erheb­lich behindert, Investoren abschreckt, die Entwicklung der Landwirtschaft bremst und soziale Spannungen nährt (Kommission der EG, 2003). Durch die Privatisierung des Bodens entstanden etwa 467.000 soge­nannte Familienfarmen[20], die rund 2 Mio. Flächenparzellen bearbeiten und deren durchschnitt­liche Größe 1,3 ha beträgt (Annual Report, 2002). Jede Familie hat 1 – 9, durchschnittlich 3,6 Parzellen, die weit von einander entfernt liegen können und die in der Größe von 0.02 – 4 ha variieren (Annual Report, 2002). Nur wenige Betriebe wirtschaften nicht auf Familienbasis und nur ca. 8 % der Betriebe bearbeiten Acker­flächen die größer als 3 ha sind (INSTAT, 2002).

Die heutige Landwirtschaft Albaniens erlebt nach den Jahren des Produktionsrückganges wieder einen langsamen Aufschwung. Diese positive Entwicklung wurde allerdings durch das Hochwasser im September 2002 (vgl. Fußnote No. 5) gebremst, so dass die Agrarproduktion nach Einschätzung der Bank of Albania (2003) 2002 lediglich um 2,1 %, statt der prognostizierten 3 % gestiegen ist. Sie erwirt­schaftet mit 34 % nach wie vor den Hauptanteil am BIP[21] (Auswärtiges Amt, 2003) und ihr wurde die Schlüsselrolle bei der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zugesprochen (MoAF, 1998). Die Bank of Albania (2003) schätzt heutzutage aber neu ein, dass stärkere jährliche Wachstumsraten dieses Sektors nicht mehr zu erwarten sind. Erst nach einer erforderlichen Umstrukturierung kann eine deutliche Produktivitätszunahme wieder erreicht werden.

Anhand der hohen Zahl der Importe landwirtschaftlicher Erzeugnisse (vgl. Kap. 3.5.4 und 3.5.8), die zu dem erheblichen Außenhandelsdefizit Albaniens beitragen, lässt sich ablesen, dass die Landwirtschaft immer noch unrentabel arbeitet und nach wie vor nicht in der Lage ist, den Eigenbedarf des Landes adäquat zu decken (Kommission der EG, 2003). Insgesamt nahmen die Nahrungsmittelimporte für 2002 um 23.4 Prozent gegenüber dem vorhergehenden Jahr zu (Bank of Albania, 2003).

Zur Beschreibung der Problemsituation der albanischen Landwirtschaft führt die Kommission der EG (2003) folgendes aus: „Die materielle Infrastruktur ist nach wie vor unzureichend, und die landwirtschaft­lichen Dienstleister haben sich an die neue Realität der Vielzahl von Kleinbetrieben noch nicht angepasst. Albanien muss modernere Produktionstechnologien einsetzen und die Produktivität und Erzeugnisqualität erheblich verbessern. Die Klärung der problematischen Grundbesitzverhältnisse, die Vollendung der Grundbucheintragungen und die deutliche Verbesserung des Zugangs der Landwirte zu Krediten sind wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung der albanischen Landwirtschaft“.

Mehr als die Hälfte der albanischen Bevölkerung ist noch auf die Landwirtschaft als Lebensgrundlage angewiesen. Der überwiegende Teil der Familienfarmen betreibt Subsistenzwirtschaft. Sie verkaufen nur geringe Mengen an die regionale Märkte und umgekehrt kaufen ca. 50% der Betriebe keine landwirt­schaftlichen Erzeugnisse zu (Albanian Observer, 2001; AgroWeb, www. 2003). Aufgrund dieser Situation gehen die in der Landwirtschaft erwirtschafteten Leistungen nur in geringem Umfang in das Steueraufkommen des Staates ein. Zum jetzigen Zeitpunkt wohnen noch immer 58 % der Bevölkerung in ländlichen Siedlungen (UNDP, 2002 B ). Von Ihnen verfügen 4 von 5 Personen über weniger als 2 USD pro Tag (UNDP, 2002 B ). Die Einkommensquelle Landwirtschaft verbessert diese Lage nicht wesentlich, da fast die Hälfte der Einkommensbezieher in der Landwirtschaft ebenfalls als arm gelten (vgl. Tab. 3). Im Jahr 2001 waren geschätzte 761.000 Personen in diesem Sektor beschäftigt, was 72 % der Beschäftigten ausmacht (INSTAT, 2002). Die Migration der Landbevölkerung in die städtischen Zentren hat stark zuge­nommen (Bank of Albania, 2003).

Tab. 8: Landnutzungsänderungen in Albanien, 2001 zu 1989 (Quelle: verändert nach Kelm, 2002 & INSTAT, 2002)

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[22]

Die bearbeitete Ackerfläche hat seit 1990 kontinuierlich abgenommen und hat jetzt noch einen Umfang von 398.000 ha (INSTAT, 2002). Die derzeit verfügbare Ackerfläche pro Kopf liegt bei 0,15 ha[23]. Die Veränderung der Land­nutzung ist in Tab. 8 dargestellt. Zu den Gründen dieser Abnahme zählen fehlende Bewässerungs­möglichkeiten, Migration und Emigration ohne die Flächen Anderen zur Nutzung überlassen zu haben, unbearbeitete Feldbegrenzungen zwischen den ca. 2 Mio. Parzellen (Kapitel 6.2.4), zu große Entfernungen zu einzelnen Flächenstücken, der Verlust von Flächen durch Besiedlung (vgl. Kap. 6.2.4 & Bild 26) und die nicht Nutz­barkeit von 130.000 ha ehemaligem Ackerlandes (Kelm, 2002; Proko, 2003). Dieses Ackerland, größten­teils aus den Landgewinnungsprojekten der sozialistischen Zeit stammend (vgl. Kap. 5.1.4), hat eine geringe Produktivität und wurde im Lauf der Zeit stark durch Erosion geschädigt (vgl. Titelbild 1) (Kelm, 2002) und in einigen Küstenbereichen durch Salinisation (UN/ECE, 2002). Trotz der ggf. möglichen Re­kultivierung von verlorener Ackerfläche spricht Sallaku et al. (2001) von begrenzten Landressourcen und meint, das mehr Ackerland praktisch nicht mehr verfügbar ist. Die Steigerung der Produktion muss seiner Meinung nach deshalb auf dem vorhandenen Land erbracht werden.

3.5.3 Ernährungssituation

Nach UNDP Aussage (2000) spricht die im Vergleich zu anderen Transition Ländern hohe Lebens­erwartung der Albaner (vgl. Kap. 3.1) unter anderem für eine gesunde Ernährung[24]. Außer der im Jahr 2000 festgestellten Unterversorgung der erwachsenen Bevölkerung hinsichtlich der Mikronährstoffe Jod[25] und Eisen und der von UNICEF festgestellten mäßigen Untergewichtigkeit jedes 7. Kindes unter 5 Jahren (HDPC, 2002), sind keine weiteren Mangel- bzw. Unterversorgungen angezeigt (Sallaku, 2003; Sulçe, 2003). Die durchschnittliche Tagesration eines Einwohners beträgt 2.961 kcal. Als hauptsächliches Nahrungs­mittel wird Weizenbrot mit ca. 200 kg pro Person und Jahr verzehrt (UN/ECE, 2002). In den ärmsten Haushalten wird 75 Prozent oder mehr des Einkommens für Nahrung und die Hälfte davon für Brot oder Mehl aufgewendet (UN/ECE, 2002).

Vor 1990 sind Mangelerscheinungen in der Bevölkerung Albaniens beobachtet wurden. Sallaku (2003) benennt als Ursache dafür die einseitige Ernährung mit übermäßigem Verbrauch an Getreideprodukten, aufgrund des geringem Angebotes an Fleisch, sowie frischem Obst und Gemüse. Weniger als 25 kg Obst pro Person und Jahr konnten vor 1990 verzehrt werden (Annual Report, 2002).

Um zur Bestimmung der Gehalte an Mikro- und Makronährstoffen und damit zu Aussagen über die Qualität der erzeugten albanischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu kommen, müsste man Produkt­untersuchungen vornehmen, die aber nach Sallaku (2003) und Sulçe (2003) entweder bisher noch nicht vorgenommen wurden, oder nicht bekannt gemacht worden sind. Untersuchungen am albanischen Verbraucher lassen heutzutage Rückschlüsse auf die Qualität der her­gestellten einheimischen Nahrungsmittel nur bei den ca. 50 % der Familienbetriebe zu, die kaum landwirt­schaftliche Erzeugnisse zukaufen (vgl. Kap. 3.5.2). Der andere Teil der Bevölkerung konsumiert importierte und einheimische Ware gleichermaßen (vgl. Kap.3.5.8). Untersuchungen hierzu fehlen derzeit ebenfalls noch (Sallaku, 2003; Sulçe, 2003).

Der Gehalt an Mikronährstoffe in den Erzeugnissen, wird beeinflusst von verschiedenen Faktoren, wie Klima, Bodenbeschaffenheit, Sorte, Düngung, Reifegrad, Erntemethoden, Transport und Lagerung (Hessischer Rundfunk, www. 2003). In Bezug auf Transport, Lagerung, Reifegrad und Erntemethoden der albanische Marktfrüchte lässt sich feststellen, das geringe Distanzen, die Beka (2001) mit durch­schnittlich 35 - 40 km Entfernung vom Erzeugungsplatz bis zum Markt angibt, zurückgelegt werden. Die Marktfrüchte werden reif und meist in schonender Handarbeit geerntet und es findet kaum Lagerhaltung statt, sondern die Produkte werden größtenteils am Erntetag auch auf dem Markt verkauft (Beka, 2003).

3.5.4 Landwirtschaftliche Produktion und Erträge

Albanien produziert ca. 60 % seiner Nahrungsmittel selbst (FAO, 2003). Vor 1991 versorgte sich das Land mit Nahrungsmitteln selbst (Oxfam, www. 2003). Derzeit werden von den erzeugten Nahrungsmitteln im Flachland 60 % und im Hügel- und Bergland 90 % durch die Produzenten selbst verbraucht (UN/ECE, 2002). Bei 20 % aller Familienfarmen reicht das produzierte nicht aus, um den Eigenbedarf überhaupt zu decken. Rund 65 % produzieren für sich genug und darüber hinaus noch etwas für den Markt. Nur ca. 15 % der Farmen produzieren für den Markt. Man rechnet damit, dass 30 % der Erzeugnisse der Agrar- und der Tierproduktion auf dem Markt angeboten werden (Annual Report, 2002; Oxfam, www. 2003).

Für das bisher wichtigste Nahrungsmittel Albaniens, den Weizen, lag die durchschnittliche Ernte der letzten 5 Jahren bei 350.000 Tonnen (FAO, www. 2003). Die Ernte betrug 1989 ca. 613.000t und im Jahr 2002, aufgrund der Wetterbedingungen und dem Rückgang der anbauenden Betriebe nur noch 285.000 t (Oxfam, www. 2003). Albanien importiert durchschnittlich 200.000 - 250.000 t Weizen pro Jahr (UN/ECE, 2002; FAO Stat, www. 2004). Bis zum Jahr 2000 war ein großer Anteil des Weizens als Hilfslieferung angelandet wurden (Beka, 2003). Daher lohnt es sich u.a. für 48 % der Betriebe nicht mehr Weizen anzu­bauen. Von denen die Weizen anbauen, wird ca. 71 % der Ernte für die Eigenversorgung genutzt und nicht an den Markt abgegeben (UN/ECE, 2002). Weniger als 5 % der albanischen Weizenproduktion kommt auf dem Markt zum freien Verkauf (Oxfam, www. 2003).

Weitaus wichtiger als Weizen ist für die albanischen Bauern in den letzten Jahren der Anbau von Futter­pflanzen (vor allem Kleegras) und von Futtermais geworden. Daneben werden Gemüse und weiße Bohnen von der Mehrzahl der Betriebe angepflanzt (INSTAT, 2002). Stark zurückgegangen in ihrer Bedeutung ist der Anbau von Industrierohstoffen wie: Zuckerrüben, Tabak und Soja, bzw. gar nicht mehr angebaut wird Baumwolle. Neben den Ackerflächen verfügen die Betriebe meist über kleinere Flächen bestanden mit Obstbäumen (62% der Betriebe) und Wein (13 %). Einige von diesen Flächen sind größer und weisen einen plantagenartigen Charakter auf (Beka, 2003).

Die Tierproduktion nimmt einen bedeutenden Platz in der albanischen Landwirtschaft ein. Ungefähr 70 % des Einkommens der Familienfarmen werden aus der Tierhaltung erwirtschaftet gegenüber rund 20 % aus dem Gemüseverkauf (Oxfam, www. 2003). Sie hat das Niveau von 1989 wieder erreicht und bei den Milchkühen übertroffen. Die Schweinehaltung dagegen hat abgenommen. Im Bereich der Zugtiere ist seit 1989 eine leichte Steigerung zu bemerken, die mit den veränderten Bewirtschaftungsstrukturen der Flächen einhergeht. 38% der landwirtschaftlichen Betriebe halten diese Tiere. Die durchschnittlichen Erträge der albanischen Tierhaltung, gerechnet pro Tier, sind in Anhang 10, Tab. 80 aufgeführt.

Die folgenden Tabellen 9, 10 und 11 geben eine Übersicht über die wichtigsten Produktionskennziffern in der albanischen Landwirtschaft, einschließlich der Export- und Importmengen. In den Tabellen nicht auf­geführt sind Daten zur illegalen Drogenproduktion. Albanien gilt neben Marokko als Hauptversorger des europäischen Marktes mit Cannabis sativa. Die Kommission der EG (2003) meint für 2003, dass Albanien in den letzten zwölf Monaten Fortschritte bei der Bekämpfung der Herstellung dieses Rauschgifts, vor allem durch die Zerstörung von Hanfplantagen, gemacht hat.

Obstbau

Tab. 9: Kultur, Anzahl der Bäume, Erträge 2001, Erträge 1989, Anzahl der anbauenden Betriebe, Export und Import, (Quelle: eigene Zusammenstellung nach INSTAT, 2002; Statistical Yearbook, 1990; Annual Report, 2002 und ITC, 2001)

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Pflanzenbau

Tab. 10: Kultur, deren Fläche, Erträge 2001 und 1989, Anzahl der anbauenden Betriebe, Export und Import; geordnet nach der Größe der angebauten Fläche 2001 Quelle: eigene Zusammenstellung nach INSTAT, 2002; Statistical Yearbook, 1990; Gjongecaj et al., 1997; Annual Report, 2002 und ITC, 2001)

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Tierhaltung

Tab. 11: Tierart, Anzahl der Tiere 2001 und 1989, Erzeugnisse (Erzg.) 2001, Anzahl der haltenden Betriebe (HB), Export und Import; geordnet nach der Anzahl der Tiere von 2001 (Quelle: eigene Zusammenstellung nach INSTAT, 2002; Statistical Yearbook, 1990; Annual Report, 2002 und ITC, www. 2001)

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3.5.5 Durchschnittliche Produktpreise

Tab. 12: Marktpreise albanischer und importierter landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Jahr 2003, im Vergleich mit den deutschen Ø Marktpreisen 2002 (Quelle: eigene Zusammenstellung nach GTZ, 2003; ZMP: in Spilles, 2003), (1€ = ca. 130 LEK, 2003)

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Die Tab. 12 zeigt, dass die durchschnittlichen Preise der importierten Waren fast durchweg höher liegen, als die durchschnittlichen Preise der albanischen Produkte. Ausschlaggebend hierfür ist vor allem der Fakt, dass die importierten Produkte meist zu Zeiten angeboten werden, in denen keine albanische Produktion auf den Märkten vorliegt. Albanische Bauern produzieren vor allem saisonal, ohne Lager­haltung und frisch für den Markt (vgl. Kap. 3.5.3).

Für Erzeugnisse, wie Porree, Kohl, Blumenkohl, Zwiebellauch, Birnen, Esskastanien, grüne Bohnen, Spinat und grüner Salat liegen für 2003 keine Preisangaben für importierte Waren vor, was heißt, dass diese Waren nicht oder in nicht großem Umfang importiert werden. Für Südfrüchte, wie Pfirsich, Zitrone, Mandarine und Orange sind keine Angaben für Produkte aus albanischer Erzeugung gemacht wurden. Demnach wird der größte Teil der inländischen Erzeugung privat verbraucht, ohne auf dem Markt ange­boten zu werden. Im Vergleich mit einigen durchschnittlichen Marktpreisen in der BRD ergibt sich, dass Zwiebeln, Kohl, Möhren, Äpfel, Birnen und Gurken teilweise viel preiswerter in Deutschland angeboten werden, als in Albanien. Dem gegenüber werden Tomaten, grüne Paprika, Porree, Kirschen, Kürbis und Spinat in der BRD mit höheren Preisen gehandelt. Insgesamt zeigt die Tabelle, dass marktwirtschaftliche Bedingungen für landwirtschaftliche Güter in Albanien existieren, die geregelt sind durch Angebot und Nachfrage, sowie Qualität. Weiterhin zeigt die Tabelle, dass der mögliche erwerbbare Warenkorb von landwirtschaftlichen Erzeugnissen für einen Landwirt, legt man dessen monatliches Einkommen von 5.000 LEK[47] zugrunde, klein ausfällt.

3.5.6 Fachkräfte, Vermarktung, Betriebsausstattung, Bewässerung, Mineraldünger und chemischer Pflanzenschutz

Fachkräfte

Es mangelt an angemessenen Ausbildungsmöglichkeiten für Landwirte (Kommission der EG, 2003). Spezialisten werden zwar an der Agraruniversität Tirana für die Landwirtschaft ausgebildet, diese finden aber kaum eine Anstellung in den Kleinbetrieben (Xhaxhiu et al., 2002).

Vermarktung

Die Direkt- oder Selbstvermarktung von meist geringen Mengen ist bei den Familienfarmen vorherrschend (Sallaku, 2003). Die Bauern müssen oft zeitaufwendige Wege nehmen, um ihre Produkte verkaufen zu können[48]. Viele Experten (Beka, 2003; Oxfam, www. 2003; Dumke, 2004) sehen im Transport der land­wirtschaftlichen Güter eines der großen Hindernisse für die Steigerung der Produktivität der Landwirt­schaft. Die Straßen sind im Allgemeinen in schlechtem Zustand. Die Wegezeiten vom Ort der Erzeugung bis zum Markt sind daher örtlich sehr lang, Dieselkraftstoff für die Transportmittel teuer (Sallaku, 2003). Die Bauern besitzen nur sehr wenige Marktinformationen, die dazu meist regional beschränkt sind. Neben der Selbstvermarktung der Bauern haben sich in manchen Gebieten Händlerabholungen von den Dörfern entwickelt (bspw. in Nordalbanien: Esskastanien und Lebendschlachtvieh), in anderen Orten, speziell in der südlichen Küstenebene, sind Erzeugergemeinschaften mit gemeinsamer Vermarktung der Produkte durch Bauernzusammenschlüsse entstanden (GFA Terra systems, 2002). Verstärkt wird auch auf Marken­bildung, Imageerzeugung und Werbung für landwirtschaftliche Produkte Wert gelegt, dies insbe­sondere durch die verarbeitende Industrie (Dhamo, 2003).

Betriebsausstattung

Eine Umfrage die 1999 durchgeführt wurde zeigte, dass 42% der Landwirte ihr Land mit Hilfe von Zugtieren und / oder menschlicher Arbeitskraft bestellten (UN/ECE, www. 2002; vgl. Bild 10). Rund 244.000 Betriebe oder 52 % benutzen dafür Maschinen. Diese Maschinen müssen sich die meisten von Ihnen leihen, da im Jahr 2000 nur ca. 7.000 Traktoren in Albanien gezählt wurden. Diese Traktoren wurden unabhängig ihres Zustandes gelistet (vgl. Bild 8 & Bild 9). Für die Erntearbeit existieren 891 Voll­erntemaschinen und 504 weniger mechanisierte Maschinen (Annual Report, 2002). Der Kraftstoff der für diese Landmaschinen benötigt wird, meist Diesel, wird nicht subventioniert (Beka, 2003).

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Bild 8: Moderner Traktor (Foto: Christian, 2003)

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Bild 9: Alter Traktor (Foto: Christian, 2003)

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Bild 10: Feldbestellung mit Pferdepflug (Foto: Christian, 2003)

Bewässerung

Der Verbrauch an vorhandenen Wasserressourcen des mediterranen Raumes durch den landwirtschaft­lichen Sektor wird mit 70% - 80 % angegeben (Scoullos et al., 2002). Im Gegensatz zu anderen Staaten dieses Raumes verfügt Albanien über ausreichende Niederschlagsmengen und damit über ausreichend Wasser. Dennoch können auftretende Dürrejahre die Wasserreserven stark dezimieren[49]. Auf die Fläche Albaniens von 2.875.000 ha fallen im Durchschnitt 1.485 mm Niederschlag pro Jahr, was bedeutet das gesamt 42.69 Mrd. m³ pro Jahr zugeführt werden (AQUASTAT, www. 2003). Entsprechend Stanners et al. (1995), beträgt die Wassermenge Albaniens mehr als 13.000 m³ pro Kopf und Jahr. Nach der Wasser­strategie von 1995 lag der jährliche Verbrauch von Wasser in Albanien bei 0,93 Mrd. m³ (Worlbank, www. 2003).

Hauptsächlich ist das Wasser in Oberflächengewässern, wie Flüssen, Seen und Lagunen vorzufinden. 23 % der erneuerbaren Wasserressourcen sind Grundwasserreserven, die gut über das Land verteilt liegen und durch Brunnen und Quellen erschlossen sind. Die Flüsse haben eine stark unterschiedliche Wasser­führung, im Sommer oft nur ein Zehntel von der Frühjahrs- und Wintermenge, einige von ihnen fallen im Sommer trocken (Worldbank, www. 2003). Es gibt ca. 1.000 natürliche und künstliche Wasser­staubecken (vgl. Bild 11), mit ca. 5,6 Mrd. m³ gespeicherter Wassermenge, die zum Zwecke der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen genutzt werden bzw. wurden. Die meisten von ihnen sind klein (1-10 ha). Ein dichtes Netz von Wasserführungen (ca. 32.000 Kilometer) leitet, bzw. leitete das Wasser zu den Flächen (Çullaj et al., 2003; vgl. Bild 12 & 13).

In der ackerbaulich interessanten Phase zwischen April und September fallen weniger als 21 % des jähr­lichen Niederschlags an(Worldbank, www. 2003, vgl. Kap.3.2). In der südlichen Küstenebene (Region IV) herrschen deshalb von Ende Mai bis Ende August aride Verhältnisse vor. Daher ist im Sommer in den ebenen Gebieten Bewässerung notwendig. Vor 1990 wurden rund 50 % des Ackerlandes bewässert. Mehr als die Hälfte davon lag im Küstenbereich (Çullaj et al., 2003). Heute bewässert von den 466.716 landwirtschaftlichen Betrieben mehr als die Hälfte (273.000) Teile ihrer Flächen. Der Flächenanteil liegt aber bei nur noch rund 67.000 ha oder 17% der genutzten Ackerfläche (INSTAT, 2002).

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Bild 11: Staubecken (Foto: Christian 2003)

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Bild 12: Hauptkanal für die Bewässerung (Foto: Christian, 2003)

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Bild 13: Nicht mehr funktionstüchtiger Bewässerungs­kanal (Foto: Christian, 2002)

Ein großer Teil dieses Bewässerungssystem ist gegenwärtig außer Funktion. Von 315.000 ha die bewässerungsfähig sind, weisen derzeit nur 80.000 ha kaum Schäden im Kanal­system auf und könnten noch normal bewässert werden. Bei 100.000 ha ehemals bewässertem Land lohnt sich aufgrund deren geringer Produktivität die Rehabilitierung des Systems nicht (Worldbank, www. 2003). Die Gründe liegen vor allem begründet in der Erosion, die in den Bergen stark zugenom­men hat und in den Küstenländern die Bewässerungskanäle und Rückhaltebecken mit Ablagerungen zusetzt, sie teil­weise auch zerstört. In diesem Zusammenhang fehlen koor­dinierte Unterhaltungsmaßnahmen des Systems, die nicht erfolgen, da viele Bauern Eigentümer der ehemals einheit­lichen Bewässerungsflächen sind (Worldbank, www. 2003).

Zur Wasserqualität schätzt der UNEP Report (2000) ein, dass „Wasser in Albanien reichlich vorhanden, aber ernsthaft bedroht ist". Der Mineralgehalt des Oberflächenwassers ist im Allgemeinen niedrig. Doch durch Abbau und Verarbei­tung, der in großen Teilen Zentral- und Ostalbaniens mit Chrom, Kupfer, Nickel und Zinn angereicherten Ausgangs­gesteine, kommt es in diesen Regionen zu Belastungen der Flüsse mit diesen Stoffen (Shallari et al., 1998). Doch nicht nur durch Abbau werden die Schwermetalle in die Flüsse eingeschwemmt, sondern auch durch Erosion, die in den letzten Jahren gravierend zugenommen hat (Sallaku, 2003).

Weniger als vor 1991 sind dagegen die Flüsse mit Stoffen aus der Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln belastet. Diese werden derzeit in geringerem Umfang genutzt (Çullaj et al., 2003).

Die Worldbank (www. 2003) gibt zur Wassernutzung an: „Das durch Industrie und Bergbauabwässer be­lastete Oberflächenwasser ist unbrauchbar für die Bewässerung. Aus allen anderen Quellen scheint das Wasser geeignet zu sein“. Grundwasser bspw. wird in den Regionen Shkodër und Vlorë für die Bewässerung genutzt. Derzeit gibt es seitens der Bauern Bestrebungen, das Grund­wasser durch Brunnen verstärkt für die Bewässerung in Nutzung zu nehmen[50] (Worldbank, www. 2003). Gründe hierfür sind die Verschmutzung des Oberflächenwassers, die einfache Nutzung des Grund­wassers, fehlende Mittel für die Instandsetzung der vorhandenen Bewässerungsanlagen, sowie gute Ver­kaufspreise für Gemüse. In Zukunft kann es regional, besonders an der Küste, zu Problemen bei der Nutzung vorhandener Wasserressourcen zwischen Interessenten aus Gemeinden, Landwirtschaft und Tourismus[51] kommen (UN/ECE, www. 2003).

Rechtmäßige Bestimmungen über die Verwendung von Wasser im landwirtschaftlichen Sektor gibt es nur durch das Gesetz über Wasserressourcen und das Gesetz zur Be- und Entwässerung. Das vorge­schlagene Gesetz für den Wasserschutz ist noch in der Entwurfsform (UN/ECE, 2002).

Mineraldünger und chemischer Pflanzenschutz

Da Albanien über Böden mit nur mäßigen Gehalten an organischer Substanz und geringen Gehalten an nutzbaren Phosphaten verfügt (vgl. Kap. 3.3), wird von Gjongecaj et al. (1997) die Anwendung von organischen Düngemitteln und von Mineraldünger für die Verbesserung der Produktivität der Böden als unentbehrlich eingeschätzt. Nach Aussage von Agolli (2002) hat Albanien eine der niedrigsten Raten an Düngemittelnutzung in Europa. Çullaj et al. (2003) schätzt ein, das vor 1991 Düngemittel, wie auch Pflanzenschutzmittel, in der Landwirtschaft in hohem Maße angewendet wurden. Während in der BRD der Einsatz von Handels­dünger[52] 1988/89 259 kg pro ha LF und im regional näheren Griechenland 168 kg pro ha LF betrug (Hydro Agri Dülmen GmbH, 1993) , wurden in Albanien 158 kg pro ha LF (Agolli, 2000) bzw. 200 kg/ha verwandt (Sallaku et al., 1997). Dieser Wert sank im Laufe der sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen auf 38 kg pro ha LF im Jahr 1991 ab (Agolli, 2000).

Verwendete mineralische Düngemittel sind Phosphate, Stickstoff sowie in geringem Maße Kalium. Das Verhältnis von Stickstoff- zu Phosphatdünger liegt in Albanien bei 3:1. Magnesium-, Kalk- und Schwefeldünger wurden entsprechend den vorliegenden Angaben nicht genutzt. Der Einsatz der Düngemittel wurden subventioniert und staatlicherseits politisch gefordert (Agolli, 2002). Der gesamte Bedarf wurde vor 1990 durch einheimische Produktion gedeckt. Ab den 70-er Jahren wurde in Fier Stickstoffdünger und in Laç Phosphatdünger hergestellt. Beide Fabriken erzeugten pro Jahr zusammen ca. 340.000 t Düngemittel. Dabei war aber, nach Einschätzung von Fachleuten (Agolli; Ismaili, 2002) die Qualität, vor allem des aus albanischem Abbau stammenden Ausgangsmaterials für die Phosphat­düngemittelherstellung minderwertig und nicht vergleichbar mit anderen europäischen Düngern dieser Zeit. Beide Fabriken wurden in den 90-er Jahren stillgelegt, Fier 1993 und Laç 1997 (Agolli, 2002). Ein Gesetz zur Kontrolle von Düngemitteln ist laut Sallaku (2003) vorhanden.

Vor 1991 traten Bodenkontamination in ländlichen Gebiete wegen unsachgemäßer Anwendung von chemischen Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel auf (NEA, 1993). Obgleich nachteilige Einträge der Landwirtschaft in die Gewässer z.Z. niedrig sind, kann die vorgesehne stärkere Nutzung (vgl. Kap. 3.9) von Agrochemikalien zu stärkeren Belastungen führen und vor allem die Küsten und Sumpfgebiete durch Eutrophierung beeinflussen (UNECE, 2002).

Die Anwendung von Pflanzenschutzmittel war nach Sallaku et al. (1997) vor 1991 mit durchschnittlich 9 - 12 kg/ha LF pro Jahr hoch. Die Danish Environmental Protection Agency (2000) nennt Zahlen von 3 - 30 kg/ha. Es sind nicht weniger als 70 Sorten verschiedener Schädlingsbekämpfungsmittel und Herbizide im Land (Chemischen Fabrik in Durrës, geschlossen 1991) produziert und angewendet worden, von denen einige als sehr giftig gelten und in den meisten Ländern verboten worden sind (Danish Environmental Protection Agency, 2000). Unter anderem wurde in der Chemischen Fabrik Durrës die Mittel Lindan und Thiram hergestellt (UNEP, 2000).

Die Strategie des Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung (MoAF) sieht für die Erhöhung der land­wirtschaftlichen Erträge den Einsatz von Dünge- und von Pflanzenschutzmitteln vor. Daher ist u.a. der Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln seit 1993 jährlich gestiegen. Die steigende Nachfrage von Agro­chemie im Land führt gleichzeitig zu einem erhöhten Interesse an der Rehabilitierung der ehemaligen Herstellerfabriken (Fier, Laç und Durrës). Die Wiedereröffnung dieser Industrien ohne hohe Umwelt­schutzauflagen, könnte ernste Probleme verursachen (UNECE, 2002).

Nach Meinung von Wennemann et al. (2002) sind im Pflanzenschutz gute gesetzliche Grundlagen geschaffen wurden. Ein nach westlichem Vorbild organisierter pflanzenschutzlicher Beratungsdienst ist aufgebaut, wird aber aufgrund der schwierigen infrastrukturellen Lage nur schwer umgesetzt. Es gibt Gesetze über den Pflanzenschutzservice, welche mit der EU-Regelung 91/414/EEC[53] übereinstimmen. Sie haben die Qualitätskontrolle der importierten Pflanzenschutzmittel durch eine Kommission zum Inhalt. Der korrekte Gebrauch der Mittel soll durch Anwendungserklärungen der Verkaufstellen gesichert sein (UNECE, 2002).

3.5.7 Schlaggrößen, Pacht und Kauf von Ackerland

Durchschnittlich beträgt die Ackerfläche eines albanischen Familienbetriebes 1,3 ha. Die meisten Familien verfügen im Allgemeinen über mehrere kleine Landparzellen, verstreut über eine größere Fläche (Annual Report, 2002). Oft werden die weiter entfernten Parzellen nicht oder kaum bis zu ihrem höchst möglichen Potenzial genutzt, da die Infrastruktur schlecht und Transportmöglichkeiten begrenzt sind. Diese Strukturen verringern die landwirtschaftliche Produktivität. Zur Verbesserung dieser Situation ist deshalb Flächentausch notwendig. Dem im Weg stehen die ungeklärten Eigentumsverhältnisse, die schwierigen Verfahrensregeln, sowie das Gefühl der Landwirte für ihr Land, welches sich in den letzten 10-12 Jahren herausgebildet hat. Auch besteht zwischen dem Kaufpreis für landwirtschaftliche Flächen und dem für Bauland kein Unterschied (UN/ECE, 2002). Bei Pacht und Kauf von Ackerland ist zudem mit hohen Verfahrenskosten zu rechnen (vgl. Anhang 7). Deshalb werden in dieser Richtung derzeit keine große Veränderungen erwartet (Kelm, 2002). Das Parlament debattiert demgegenüber ein Gesetz, das Flächenzusammenlegungen obligatorisch bestimmen soll. Dabei soll die noch zu treffende Festlegung zur gesetzlichen Mindestgröße von Bauernhöfen regulativ wirken. Bei freiwilliger Zusammenlegung würden die betroffenen Höfe von der Grundsteuer befreit werden. Das Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung (MoAF) erwartet sich dadurch, dass 10% der Bauernhöfe bis zum Jahr 2010 mehr als 8 Hektar und 30% der Höfe 3 bis 5 Hektar haben werden (UN/ECE, 2002).

Eine Pacht von Ackerland, bei der ab einer 9-jährigen Frist laut Zivilgesetzbuch eine Registrierung erfolgen muss, ist möglich. Nach einer anderen Gesetzesbestimmung, die über das unbewegliche Eigen­tum, muss eine Registrierung schon ab einer einjähriger Pacht erfolgen (Kelm, 2002).

Zum Verkauf von Landwirtschaftsflächen benötigt der Verkäufer das offizielle Zertifikat, das ihm das Land rechtmäßig gehört. Er muss zum Zeitpunkt des Verkaufs ein Dokument vorlegen, aus dem die Zu­sammensetzung der Familie im Moment des Eigentumswechsel hervorgeht. Letzteres ist nach Kelm (2002) keine klare juristische Aussage und ist daher eine der Schwierigkeiten für die Entstehung eines funktionierenden Grundstücksmarktes.

Da der Boden der Familie gehört (vgl. Kap. 5.2) ist jedes Mitglied von ihr berechtigt, Ansprüche am Eigentum geltend zu machen. Wenn ein Mitglied einer Bauernfamilie, um seinen Anteil an der landwirt­schaftlichen Fläche bittet, wird dieser entsprechend der Ackerfläche, der Anzahl der Familienmitglieder und entsprechend den Beiträgen, die der Einzelne für die Landwirtschaft erbracht hat, berechnet. Die Anteils­herausgabe kann in Bargeld erfolgen, oder in der Abgrenzung des berechneten Flächenstückes. Letzteres tritt nur ein, wenn alle Familienmitglieder zustimmen. Zwischen männlichen und weiblichen Familienmitgliedern wird in der Literatur nicht unterschieden (Kelm, 2002).

3.5.8 Exporte / Importe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 13: Ex- und Import Albaniens im Jahr 2001 (Quelle: INSTAT, 2002)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 14: Albanien auf der Grüne Woche 2003 (Foto: Christian, 2003)

Albanien importiert mehr Nah­rungsmittel, als es exportiert. Es zeigt sich deutlich, das die Pro­duktivität der albanischen Landwirtschaft im europäischen Kontext kaum wettbewerbsfähig ist (Auswärtiges Amt, 2003). Neben den Problemen für den Export große Liefer­mengen bereitzustellen und den Schwierigkeiten die Erzeug­nisse auf EU Standard zu bringen (Kommission der EG, 2003), kommt es auch in eini­gen Fällen bei der Einfuhr in die EU zur Unter­bindung des Handels bei bestimmten Gütern. So 1994/95, als aufgrund von Cholerafällen Obst- und Ge­müseimporte aus Albanien verboten wurden (Kommission der EG, 1994), sowie 2001, als durch den Aus­bruch der Blauzungenkrankheit in dieser Region, die Einfuhr bestimmter Tiere und ihrer Erzeugnisse untersagt, bzw. nur mit ausdrücklicher Genehmigungen erlaubt wurde (Kommission der EG, 2001).

Dennoch scheint der Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen an Bedeutung zu gewinnen. In der „Grünen Strategie“ des Landwirtschaftsministeriums (vgl. Kap. 3.9) ist als Ziel formuliert, die Ausgleichung der Agrarmärkte zu erreichen. In dieser Hinsicht wur­den Konzepte mit internationaler Beteiligung erar­bei­tet[54] und hierfür ausländische Partner, z. B. durch Mes­sebeteiligungen (vgl. Bild 14 ) gesucht. In Tab. 13 ist der Export und Import des Landes im Jahr 2001 in al­banischer Währung aufgezeigt. (vgl. Tab. 9, 10, 11).

Nach Meinung von Oxfam (www. 2003) machen die billigen Importe die albanische Landwirtschaft kaputt. Gerade die EU unterstützt ihre eigene Landwirtschaft mit direkten Ausgleichszahlungen an die Produ­zenten, mit Preisstützungen und Exportbeihilfen. Albanische Bauern müssen daher mit ungewöhn­lich billigen Importen aus der EU konkurrieren. Die Preise der exportierten EU Produkte liegen meist un­gefähr 1/3 unter den Erzeugungskosten. Weizen und Weizenmehl bspw. wird um 34 % billiger nach Albanien exportiert, als sein wahrer Erzeugerpreis liegt (Oxfam, www. 2003). Ohne Inputs, wie Bewässerung, Dün­gemittel, verbesserte Straßen und modernere Maschinen sehen sich viele albanische Farmer der Konkur­renz auf dem einheimischen Markt aus Südosteuropa und der EU hoffnungslos ausge­liefert (Oxfam, www. 2003).

[...]


[1] Die Fläche des Bundeslandes Brandenburg beträgt 29.476 km² (Land Brandenburg, www. 2003)

[2] Die Bevölkerungsdichte der BRD beträgt 231 Ew./ km², die des Bundeslandes Brandenburgs 88 Ew./km²

[3] Das Bevölkerungswachstum der BRD beträgt derzeit - 0,1 % im Jahr – Beide Angaben in: Dt. Stiftung Weltbevölkerung, www. 2003

[4] Ende September 2002 wurden im Norden des Landes ca. 26.000 Hektar Ackerland und 7.500 Häuser überflutet, 2.000 Familien mussten evakuiert werden. (Der Standard, 2002)

[5] Aufgrund dieser Bezeichnung wird im Verlauf der Arbeit von sozialistischen Verhältnissen in Albanien als ehemalige Gesellschaftsform ausgegangen und nicht, wie von einigen anderen Autoren von kommunistischen.

[6] Nicht zu Europa wurde hier von der UNDP die Republik Moldawien gezählt.

[7] Die UNDP hat weiterführende Kriterien zur Messung von Armut entwickelt, die über das Modell der Weltbank der verfügbaren Geldmengenmessung hinaus geht (HDI und HPI). Die Ergebnisse aus der Anwendung dieser Kriterien auf Albanien konnten hier leider noch nicht berücksichtigt werden, da die vollständige Auswertung noch nicht vorlag.

[8] Das Wirtschaftswachstum der BRD lag 2002 bei 0,2 % (Statistisches Bundesamt, www. 2003)

[9] 2001 lag die Inflationsrate Albaniens bei 3,5 % (Auswärtiges Amt, www. 2003)

[10] 2002 erreichten die Überweisungen von Auslandsalbanern 606.8 Mio. USD (Bank of Albania, 2003)

[11] Agolli (2000) hat eine ähnliche Tabelle zusammengestellt, unterscheidet aber ca. 128.000 reiche Bauernfamilien mit ca. 1,8 ha Land und 21.000 Mittel- und Kleinpächterfamilien ohne Land, die in der Summe der „Besitzeranzahl“ ebenfalls ca. 155.000 ergibt.

[12] Die Vermutung liegt nahe, dass man unter dem in dieser Darstellung verwendeten Begriff der Großgrundbesitzer, religiöse Gemeinschaften wie die katholischen, orthodoxen und muslimischen Institutionen mit gefasst hat.

[13] In anderen Quelle wird die Zahl mit 391.000 ha angegeben (vergl. Kelm, 2002; Annual Report, 2002)

[14] Wert gibt Anzahl der Familienfarmen für 1946 wieder (Agolli, 2000)

[15] Im Jahr 1989 lebten auf der Fläche des heutigen Bundeslandes Brandenburg ca. 398.000 Personen, oder 15 % der Ew. auf dem Land (Frick, www. 2003)

[16] Zahl für 1991 (INSTAT, 2002)

[17] Im Bundesland Brdbg. waren 1991 ca. 84.000 in der LW beschäftigt (Frick, www. 2003)

[18] Die durchschnittliche Anzahl der Mitglieder einer albanischen Familien lag 1989 bei 4,7 Personen, im ländlichen Raum bei 5,3 (Statistical Yearbook, 1990)

[19] Auf der Fläche des heutigen Bundeslandes Brdbg. existierte 1989 eine LF von ca. 1.4 Mio. ha (Frick, www. 2003)

[20] Der Boden wurde keiner Person allein sondern Familien übertragen, die aus ihrer Mitte den Geschäftsführer bestimmen. Juristisch gesehen ist der Eigentumsbegriff „Familienfarm“ schwer zu definieren (Kelm, 2002).

[21] Vor 1990 erreichte der Anteil der LW am BIP, aufgrund der stärkeren Industrieproduktion, nur ca. 25 %, nach 1990 teilweise mehr als 53 % (Annual Report, 2002).

[22] Die Zahlen von 2001 basieren auf der neusten Statistikerhebung von INSTAT und sind deshalb als Korrektiv zu den vorhergehenden Angaben des Institutes zu sehen, die größtenteils Schätzungen beinhalteten.

[23] Berechnungsgrundlage hierfür sind 3.07 Mio. Einwohner und 452.000 ha Ackerfläche (INSTAT, 2002).

[24] Die beiden andere hier genannten Faktoren für die vergleichsweise hohe Lebenserwartung sind Lebensstil und Klimabedingungen (UNDP, 2000)

[25] Das Ministerium für Gesundheit, das Ministerium für Industrie und Energie (MoIE), sowie UNICEF entwickelten daraufhin ein jodiertes Speisesalz für den albanischen Markt. (HDPC, 2002)

[26] Zahlen für 1998, neuere Zahlen liegen derzeit nicht vor (INSTAT, 2002).

[27] Zahl für 1998, neuere Zahlen liegen derzeit nicht vor (INSTAT, 2002).

[28] Grundlage dieser Berechnung ist die Gesamtzahl der Betriebe von 466.716 (INSTAT, 2002)

[29] Der Annual Report (2002) gibt für das Jahr 2000 den Gesamtimport von Obst und Gemüse mit 119.128 t an.

[30] Darin enthalten ist Wein, sowie Schnaps, Bier und Likör (ITC, www. 2001)

[31] Andere fruchttragende Bäume sind bspw. Kirsche, Esskastanie, Birne, Maulbeere, Quitte, Kaki (Proko, 2003)

[32] Rest bedeutet hier den Fehlbetrag vom Jahr 2001 im Vergleich zu 1998 - 3.135 Tsd. Bäume (1998) zu 4.294 Tsd. Bäumen (2001) (INSTAT, 2002)

[33] Die Zahl der Olivenbäume lag 1989 um ca. 2,6 Mio. höher als 2001 (INSTAT, 2002)

[34] Die Fläche der Weingärten lag 1989 um ca. 14.500 ha höher als 2001 (INSTAT, 2002)

[35] Zahl für 1998, neuere Zahlen liegen derzeit nicht vor (INSTAT, 2002).

[36] Grundlage dieser Berechnung ist die Gesamtzahl der Betriebe von 466.716 (INSTAT, 2002).

[37] Der Annual Report (2002) gibt den Import des gesamten Getreides in Tonnen an: 214.888 t - Der Weizen hat daran den Hauptanteil.

[38] Der Annual Report (2002) gibt den Wert in Tonnen für das Jahr 2000 an: 1.075 t.

[39] Der Annual Report (2002) gibt den Import von Gemüse und Obst in Tonnen an: 119.128 t.

[40] Der Annual Report (2002) gibt den Wert in Tonnen für das Jahr 2000 an: 2.792 t.

[41] Der Wert spiegelt den Export von Zucker, Molasse und Honig wieder (ITC, www. 2001).

[42] Der Wert spiegelt den Import von Zucker, Molasse und Honig wieder (ITC, www. 2001); INSTAT (2002) gibt die Menge mit 49.882 t an.

[43] Zahl für 1998, neuere Zahlen liegen derzeit nicht vor (INSTAT, 2002)

[44] Grundlage dieser Berechnung ist die Gesamtzahl der Betriebe von 466.716 (INSTAT, 2002)

[45] Unter dem Wert für Honig sind dieser, sowie Molasse und Zucker zusammengefasst (ITC, www. 2001)

[46] Der Annual Report (2002) gibt für 2000 den Import von Fleisch mit 30.127 t an.

[47] Wert für das Jahr 2000, neuerer Wert nicht erhältlich (INSTAT, 2002).

[48] Die Ø Reisegeschwindigkeit in Albanien liegt bei 30 km/h (Zdruli, 2003).

[49] Dank der Regenfälle 2002/Anfang 2003 sind die Wasserreserven, die im Zeitraum 1999-2002 durch eine anhaltende Dürre drastisch reduziert wurden sind, wieder aufgefüllt worden (Kommission der EG, 2003).

[50] Bisher werden ca. 1.000 ha derartig bewässert (UN/ECE, www. 2003)

[51] „Der Ressourcenverbrauch durch den Tourismus ist zum Teil extrem hoch. So beträgt z. B. der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf und Tag in Deutschland heute rund 130 Liter; in einem Vier-Sterne-Urlaubshotel am Mittelmeer verbraucht der deutsche Tourist jedoch bis zu 600 Liter Wasser pro Tag.“: Angela Merkel (Merkel, Stand1998).

[52] Gesamtwert - setzt sich aus Stickstoff-, Phosphat- und Kalidünger zusammen.

[53] Richtlinie 91/414/EWG vom 15. Juli 1991 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln.

[54] u.a. von der GTZ: „Promoting Export from Albania“, 2002

Details

Seiten
163
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638365864
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37163
Institution / Hochschule
Fachhochschule Eberswalde
Note
1,3
Schlagworte
Albanische Landwirtschaft Situation Untersuchungen Entwicklungschancen Landbaus

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Titel: Die Albanische Landwirtschaft - gegenwärtige Situation und Untersuchungen zu Entwicklungschancen des ökologischen Landbaus