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Online-Lebensmittelhandel. Geschäftsmodelle und Marktsituation in Deutschland und Europa

Hausarbeit 2017 23 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinition und Abgrenzung
2.1 Definition des Begriffes Lebensmittel
2.2 Erläuterung des Begriffes Lebensmittel-Onlinehandel

3 Geschäftsmodelle des Lebensmittel-Onlinehandels
3.1 Filialbasierter Click-and-Collect Service
3.2 Versand durch Paketzusteller
3.3 Filialbasierte Auslieferung
3.4 Zentrallager mit Selbstabholung

4 Marktsituation in Deutschland
4.1 Marktgröße und Anteile
4.2 Zielgruppen
4.3 Wettbewerber in Deutschland

5 Marktsituation in anderen europäischen Ländern
5.1 Großbritannien
5.2 Frankreich

6 Erfolgsfaktoren und Probleme

7 Fazit und Ausblick

III Literaturverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Geschäftsmodelle von Online-Lebensmittelhändlern

Abb. 2: Umsatz im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (inkl. Drogeriemärkten)

Abb. 3: Online-Anteile der Umsätze in % je Warengruppe 2014

Abb. 4: Warum kaufen Sie Lebensmittel in der Filiale beziehungsweise im Internet?

Abb. 5: Nettoumsatz der größten Online-Shops für Lebensmittel in Deutschland im Jahr 2015

Abb. 6: Anzahl der Drive-in-Märkte der größten Unternehmen im Lebensmittelhandel in Frankreich in den Jahren 2015 und 2016

1 Einleitung

Die heutige Gesellschaft und Wirtschaft wird zunehmend durch das Internet geprägt. Durch diesen Einfluss kommt es zu einer ständigen Veränderung der bisher bekannten Strukturen. Im Jahr 2016 wurde das Internet von 58 Millionen Deutschen ab 14 Jahren zumindest gelegentlich genutzt. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von 83,3 Prozent und einen Zuwachs gegenüber 2015 von 1,9 Millionen Menschen. Experten prognostizieren weiterhin steigende Nutzerzahlen, allerdings soll der Anstieg geringer als in der Vergangenheit ausfallen.[1]

Abgesehen davon steigt nicht nur die Anzahl der Internetnutzer, sondern auch immer mehr Geschäfte werden virtuell abgewickelt. Im Jahr 2015 betrug der Umsatz mit Wa­ren im Online- und klassischen Versandhandel 52,37 Milliarden Euro. Alleine 46,9 Mil­liarden Euro entfielen dabei auf den E-Commerce, der somit einen Anteil von fast 90 Prozent am Gesamtumsatz der interaktiven Handelsbranche ausmacht. Der Zuwachs des Onlinehandels mit Waren steigerte sich 2015 zum Vorjahr um 12 Prozent. Damit liegt der Zuwachs deutlich über dem des gesamten Einzelhandels, welcher lediglich 3,1 Pro­zent betrug. Experten prognostizieren, dass in den nächsten Jahren, die Bedeutung des Onlinehandels und damit auch der Umsatz in diesem Sektor weiterhin steigen wird.[2] Der Lebensmittel-Onlinehandel hingegen ist aktuell noch sehr überschaubar in Deutsch­land. Einige Unternehmen versuchten sich jedoch bereits schon um die Jahrtausend­wende an entsprechenden Projekten, mussten diese allerdings wieder einstellen.[3] Das Ziel dieser Arbeit ist es, festzustellen ob der Lebensmittel-Onlinehandel Chancen als Zukunftsmodell in Deutschland hat. Um dieses Ziel zu erreichen, wird zunächst in Kapitel 2 die Begriffe Lebensmittel und Lebensmittel-Onlinehandel kurz erläutert. Ka­pitel 3 zeigt die verschiedenen Geschäftsmodelle des Lebensmittel-Onlinehandels. Ka­pitel 4 befasst sich mit der aktuellen Marktsituation in Deutschland. Dabei wird auch auf die möglichen Zielgruppen und Wettbewerber des Onlinehandels mit Lebensmitteln eingegangen. Kapitel 5 stellt die Entwicklung des Lebensmittel-Onlinehandels in ande­ren europäischen Ländern wie Frankreich und Großbritannien dar. Die Erfolgsfaktoren sowie die möglichen Probleme werden im Kapitel 6 erläutert. Kapitel 7 beendet diese Arbeit mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick.

2 Begriffsdefinition und Abgrenzung

In diesem Kapitel wird der Begriff Lebensmittel definiert. Darüber hinaus folgt eine Erläuterung, was unter Lebensmittel-Onlinehandel zu verstehen ist.

2.1 Definition des Begriffes Lebensmittel

In Deutschland wird der Begriff Lebensmittel vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wie folgt definiert:

„Stoffe oder Erzeugnisse, die dazu bestimmt sind oder von denen nach vernünftigem Ermessen erwartet werden kann, dass sie in verarbeitetem, teilweise verarbeitetem oder unverarbeitetem Zustand von Menschen aufgenommen werden. Zu Lebensmitteln zäh­len auch Getränke, Kaugummi sowie alle Stoffe einschließlich Wasser, die dem Le­bensmittel bei seiner Herstellung oder Ver- oder Bearbeitung absichtlich zugesetzt wer- den“.[4] Der Gesetzgeber grenzt allerdings auch deutlich ab, welche Produkte nicht zu den Lebensmitteln gezählt werden. Dazu gehören Futtermittel, lebende Tiere (soweit sie nicht für das Inverkehrbringen zum menschlichen Verzehr hergerichtet worden sind), Pflanzen vor dem Ernten, Arzneimittel, Kosmetik, Tabak und Tabakerzeugnisse, Betäu­bungsmittel und psychotrope Stoffe sowie Rückstände und Kontaminanten.[5] Die Ge­sellschaft für Konsumforschung unterscheidet Lebensmittel in dem monatlich erschei­nenden Consumer Index in Food und Getränke. Zum Bereich Food gehören Frischepro­dukte wie Fleisch und Wurstwaren, Obst und Gemüse, sowie Brot und Backwaren. Molkereiprodukte, Süßwaren, Tiefkühlkost und Eis werden ebenfalls zum Food gezählt. Zum Bereich der Getränke zählen Heißgetränke(inkl. Milchkonzentrate) sowie alkohol­frei und alkoholhaltige Getränke.[6]

2.2 Erläuterung des Begriffes Lebensmittel-Onlinehandel

Die moderne Volkswirtschaft ist von einem Güterumlauf geprägt. Dabei werden Waren bzw. Güter produziert, welche von den Konsumenten verbraucht werden. Der Handel ist dabei das Bindeglied zwischen der Produktion und den Konsumenten. Somit ist Handeln eine wirtschaftliche Tätigkeit, bei dem ein Austausch von Gütern zwischen Wirtschaftsgliedern, Produzenten und Konsumenten, stattfindet. Dadurch ist jede Güter­tauschhandlung gleichzeitig auch ein Handelsvorgang.[7]

Der Begriff Online entstammt der englischen Sprache und bedeutet „angeschlossen“ oder „in der Leitung zu sein“. Online zu sein bedeutet, dass der Anwender im Datennetz des Internet eingewählt ist und so Zugriff auf viele Internetdienste und deren Service hat.[8]

In Deutschland werden Lebensmittel entweder klassisch über den stationären Einzel­handel vertrieben oder über den Onlinehandel, welcher als Vertriebsweg das Internet nutzt. Um neue Möglichkeiten und Entwicklungen im Onlinehandel mit Gütern des täglichen Bedarfs in Deutschland voranzutreiben, haben sich die neun größten Lebens- mittel-Onlinehändler zum Bundesverband Lebensmittel-Onlinehandel(BVLO e.V.) zu­sammengeschlossen.[9]

Der Onlinehandel mit Lebensmitteln wird mit LOEH (Lebensmittelonlineeinzelhandel) abgekürzt, der klassische Lebensmitteleinzelhandel hingegen wird als LEH bezeich- net.[10]

3 Geschäftsmodelle des Lebensmittel-Onlinehandels

Im folgenden Kapitel werden die verschiedenen Vertriebsmodelle vorgestellt, die Onli- ne-Lebensmittelhändler nutzen, um ihre Waren an die Konsumenten abzusetzen.

Aktuell gibt es vier verschiedene Möglichkeiten der Zustellung, die sich teilweise auch schon international bewährt haben.

3.1 Filialbasierter Click-and-Collect Service

Hier besteht für den Kunden die Möglichkeit, die Ware online über eine App oder die Homepage des Lebensmittelhändlers zu bestellen. Die Artikel werden online vorab be­zahlt. Anschließend wird die Bestellung an die ausgewählte Filiale des Lebensmittel­händlers übermittelt. Dort werden die ausgewählten Produkte kommissioniert und kön­nen vom Kunden in der Filiale abgeholt werden. Durch diesen Service hat der Kunde eine Zeitersparnis vor Ort. Wichtig ist, dass dieses Modell nur von traditionellen Le­bensmitteleinzelhändlern mit stationären Geschäften angeboten werden kann.

3.2 Versand durch Paketzusteller

Dieses Modell eignet sich vor allem für Onlinehändler, die keine eigenen Filialen besit­zen. Auch in diesem Fall erfolgt die Bestellung und Bezahlung der Produkte online über die Homepage oder über die App des Lebensmittelhändlers. Die Waren werden in einem Zentrallager gelagert. Nach der Bestellung werden die Waren dort für die Kun­den entsprechend kommissioniert.[11] Anschließend erfolgt der Versand durch einen Pa­ketzusteller. Dabei können die Kunden eine Vielzahl von Lieferadressen angeben. Die Lieferung kann zum Beispiel an die Privatadresse, an die Arbeitsstelle oder auch an einen Paketshop sowie eine Packstation erfolgen. In Deutschland findet der Versand von Lebensmitteln fast ausschließlich über das Unternehmen DHL statt.[12] Gerade die Auslieferung durch KEP-Dienstleister (Kurier-,Express-und Paketdienste) zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Onlinehändler so auf ihre Kernkompetenz kon­zentrieren können und sich nicht noch um eine eigene Logistikflotte kümmern müssen.[13]

3.3 Filialbasierte Auslieferung

Dieses Konzept nutzen viele traditionelle Einzelhändler zum Eintritt in den Onlinehan­del. Die Abwicklung erfolgt online. Die Bestellungen werden in den ausgewählten Fi­lialen kommissioniert und an die angegebene Lieferadresse ausgeliefert. Der Unter­schied zum Versand durch die Paketzusteller ist, dass die Warenkörbe der Kunden vor Ort in den entsprechenden Filialen und nicht in einem Zentrallager zusammengestellt werden.

3.4 Zentrallager zur Selbstabholung

Dieses Vertriebskonzept basiert auf der Idee des Drive-in. Bei diesem Modell, bestellt der Kunde die Waren online über die Homepage oder die App des Lebensmittelhänd­lers. Die Bezahlung erfolgt ebenfalls vorab online. Anders als beim filialbasierten Click-and-Collect Service holt der Kunde die Produkte nicht im Supermarkt, sondern in einem Zentrallager ab. Die Verbraucher müssen meistens bei der Abholung vor Ort nicht mal aus dem Auto steigen, dadurch dauert der Abholvorgang meistens weniger als fünf Minuten. Dieses Modell ist von einer hohen Effizienz geprägt, gleichzeitig wird es so allerdings auch für den Händler erschwert, einen persönlichen Kontakt zum Kunden aufzubauen.[14]

Die folgende Abbildung zeigt nochmal die verschiedenen Geschäftsmodelle, die von Lebensmittel-Onlinehändler genutzt werden können. Geschäftsmodelle von Onllne-Lebensmittelhändlern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Geschäftsmodelle von Online-Lebensmittelhändlern[15]

4 Marktsituation in Deutschland

In diesem Kapitel wird die Marktsituation in Deutschland genauer analysiert. Zunächst wird die Marktgröße und die entsprechenden Anteile der Händler untersucht. Dann folgt eine Analyse der potenziellen Zielgruppen. Abschließend werden noch einmal die Wettbewerber in Deutschland betrachtet.

4.1 Marktgröße und -anteile

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie ermittelte für das Jahr 2015 einen Gesamtumsatz von 191 Milliarden Euro des deutschen Lebensmitteleinzelhan­dels.[16] Circa 1 Prozent wurde dabei über den Online-Vertriebsweg erwirtschaftet. Laut einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney hat Deutschland ein Umsatzpo­tenzial von 12 Milliarden Euro im Sektor des Lebensmittel-Onlinehandels.[17]

Der Umsatz des Lebensmitteleinzelhandels ist in den letzten Jahren kontinuierlich ge­stiegen. Die folgende Grafik stellt diese Entwicklung nochmals dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Umsatz im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (inkl. Drogeriemärkten) 2005 bis 20151

Die Umsatzentwicklung im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist in den letzten Jah­ren sehr positiv zu bewerten und bietet, wie bereits erwähnt, ein riesiges Umsatzpoten­zial für den Onlinehandel. Dennoch ist das Lebensmittel und Drogeriesegment fast aus­schließlich durch den stationären Handel geprägt. Die folgende Grafik der GFK ver­deutlicht dies nochmals.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die größten stationären Lebensmitteleinzelhändler sind Edeka, Rewe, Schwarz und Al­di.[18] Diese vier Unternehmen haben dabei einen Marktanteil von 85 Prozent.Auf die Marktanteile im Lebensmittel-Onlinehandel wird in Kapitel 4.3 im Zuge der Wettbewerber in Deutschland näher eingegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Online-Anteile der Umsätze in % je Warengruppe 2014[19]

4.2 Zielgruppen

Die Unternehmensberatung Ernest & Young führte 2015 eine Studie zum Lebensmittel­handel in Deutschland durch.[20] Dabei wurden die Konsumenten zunächst in drei unter­schiedliche Gruppen eingeteilt. Einmal die Traditions-Shopper, die nur im stationären Handel einkaufen. Bei dieser Gruppe steht der Preis im Vordergrund und der wöchentli­che Warenkorb an Lebensmitteln beträgt 60 Euro. Dann die Gourmet-Shopper, welche überwiegend stationär und nur gelegentlich online einkaufen.[21] Über das Internet werden vor allem Spezialitäten gekauft. In der Woche geben sie durchschnittlich 66 Euro für Lebensmittel aus. Die letzte Gruppe bilden die Family-Shopper, welche regelmäßig im Internet einkaufen. Der wöchentliche Warenkorb beträgt durchschnittlich 78 Euro.

Die beiden letztgenannten Kategorien stellen die Zielgruppen für den Lebensmittel- Onlinehandel dar. Der Fokus wird dabei besonders auf Familien mit zwei erwerbstäti­gen Elternteilen gelegt, da diese in der Regel wenig Zeit haben, aber gleichzeitig die größten Warenkörbe kaufen. Eine besondere Auswahl an Produkten soll die Gourmet­Shopper zum online Einkaufen bewegen. Andererseits stellt auch die ältere Bevölke­rung aufgrund der eingeschränkten Mobilität eine Zielgruppe dar. Für diese Zielgruppe muss der Online-Bestellvorgang möglichst einfach und verständlich gestaltet werden. Die Umfrage ermittelte zudem, dass 69 Prozent der Konsumenten häufiger online ein­kaufen würden, wenn sich die Preisdifferenz zum stationären Handel verringern wür- de.[22] Generell gibt es eine Vielzahl von Gründen, weshalb Konsumenten auf den statio­nären oder auf den Onlinehandel zurückgreifen. Die folgende Grafik verdeutlicht dies nochmals.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Warum kaufen Sie Lebensmittel in der Filiale beziehungsweise im Internet[23]

4.3 Wettbewerber in Deutschland

Der stationäre Lebensmittelhandel wird von ein paar wenigen Supermarktketten domi­niert. Der Onlinehandel zeichnet sich dagegen durch einen starken Konkurrenzkampf zwischen traditionellen Einzelhändlern und neuen Anbietern aus.[24] Dabei sind 86 Prozent Fachhändler, die sich auf ein spezielles Produktsegment fokus­sieren und oftmals regional agieren. Zudem existiert bis jetzt nur eine geringe Anzahl an Onlinehändlern, die den Kunden ein Vollsortiment und ein bundesweites Vertriebsnetz anbieten können. Dazu kommen die geringen Gewinnmargen im Lebensmittelhandel und gleichzeitig die Investitionskosten eines profitablen Onlinegeschäfts. Somit gibt es sicherlich einige Hindernisse für den gewinnbringenden Onlinehandel mit Lebensmit­teln. Dennoch existieren Studien von Ernest & Young, die von einer positiven und wei­terfortschreitenden Entwicklung des Lebensmittelonlinehandels ausgehen. Ein Grund dafür wird der erwartete Eintritt von Amazon Fresh in den deutschen Markt sein. Be­reits in Nordamerika konnte Amazon mit ihrem Online-Vertrieb von Lebensmitteln reichlich Erfahrung sammeln. Die aktuellen Marktteilnehmer sind somit gezwungen, ihre Konzepte weiterzuentwickeln und voranzutreiben. Zum Beispiel investiert die REWE-Gruppe momentan viel Geld in den Geschäftsbereich des Onlinehandels, um sich auf einen veränderten und schärferen Wettbewerb vorzubereiten. Im Laufe dessen sollen vor allem die Logistik und der IT-Bereich verbessert werden.[25]

Eine Umfrage von Bitkom hat ergeben, dass 43 Prozent der Konsumenten, die online Lebensmittel eingekauft haben, die Shops von Supermärkten genutzt haben, die auch stationär tätig sind. Dazu gehören zum Beispiel Rewe oder Edeka. Bei reinen Online­händlern wie mytime.de oder emmas-enkel.de, die ein Vollsortiment anbieten, haben 38 Prozent eingekauft. Fachhändler, die sich zum Beispiel wie Hawesko auf Wein speziali­siert haben, wurden von 18 Prozent der Verbraucher genutzt. Rund 15 Prozent bezogen ihre Lebensmittel über den klassischen Online-Versandhandel oder Auktionsplattform wie beispielweise Amazon oder Ebay.[26]

Aktuell ist Rewe der einzige Anbieter aus dem stationären Handel, der frische Waren in Ballungszentren online verkauft. Bereits im Jahr 2011 fokussierte Rewe die Onlinespar­te. Mittlerweile sind 200 Mitarbeiter ausschließlich mit dem Onlinevertrieb beschäftigt. Das Liefergebiet von Rewe-online umfasst 75 deutsche Städte.

Auch Discounter wie zum Beispiel Lidl drängen in den Onlinemarkt. Momentan wer­den jedoch neben technischen Geräten und Kleidung nur haltbare Lebensmittel angebo­ten. Ab einem Mindestbestellwert von 30 Euro können die Kunden sich die Produkte nach Hause liefern lassen. Andere Discounter wie Aldi bieten online nur non-Food Pro­dukte wie Reisen, Blumen oder Fotos an.[27]

Noch befindet sich der Onlinehandel mit Lebensmitteln in Deutschland in der Entwick­lung, jedoch werden schon Millionenumsätze erzielt. Die folgende Grafik listet die um­satzstärksten Lebensmittel-Onlinehändler in Deutschland aus dem Jahr 2015 auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Nettoumsatz der größten Online-Shops für Lebensmittel in Deutschland im Jahr 2015[28]

5 Marktsituation in anderen europäischen Ländern

Im europäischen Ausland ist der Lebensmittel-Onlinehandel schon wesentlich präsenter als in Deutschland. In diesem Kapitel wird aufgezeigt, wie sich der Onlinehandel mit Lebensmitteln erfolgreich in Frankreich und Großbritannien entwickelt hat.

5.1 Großbritannien

In Großbritannien konnte 2015 ein Lebensmittelumsatz von 198,9 Milliarden Euro ver­zeichnet werden,[29] davon wurden 5,5 Prozent online umgesetzt.[30] Es fällt auf, dass im Vergleich zu Deutschland trotz einer geringen Bevölkerungsanzahl ein höherer Umsatz im Lebensmittelsektor erfasst wurde. Dies resultiert aus den wesentlich höheren Le­bensmittelpreisen in Großbritannien.[31] Darüber hinaus haben die Händler auch deutlich höhere Gewinnmargen als in Deutschland.[32]

Erste Planungen zum Online-Lebensmittelhandel erfolgten Ende der 90er Jahre. Die heutigen Anbieter fokussierten sich vor allem auf das Geschäftsmodell, wo die Kunden die Produkte nach Hause geliefert bekommen. Bereits 1999 investierte ASDA 4,7 Mil­lionen in ein Komissionierungszentrum, welches ausschließlich auf den Onlinehandel ausgelegt war. Der Anbieter Sainsbury’s folgte im Jahr 2000. Beide Unternehmen mussten ihre Kommissioninerungszentren allerdings nach wenigen Jahren schließen und verlagerten die Zusammenstellung der Bestellungen in ihre stationären Filialen. Um die Investitionskosten möglichst gering zu halten, startete der heutige Marktführer Tesco ebenfalls 1999 mit der Kommissionierung der Artikel in ihren Filialen. Im Jahr 2005 folgte dann die Investition in ein Komissionierungszentrum, das strukturell stark den Filialen ähnelte, allerdings ohne Zugang für die Konsumenten. Das Unternehmen Ocado stieg 2001 als erster reiner Onlinehändler in den britischen Lebensmittelhandel ein.[33] Auch die Anzahl der Abholstationen steigt kontinuierlich in Großbritannien. Diese sollen vor allem an Bahnhöfen, an Universitäten und in der Nähe von Sportzentren ein­gerichtet werden. Dadurch soll das Click-and-Collect Modell den Konsumenten näher gebracht werden.[34]

[...]


[1] Vgl. ARD/ZDF Onlinestudie [o.J.], o. S.

[2] Vgl. Handelsdaten [o.J.], o. S.

[3] Vgl. Spiegel Online [o.J.], o. S.

[4] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit [o.J.], o. S.

[5] Vgl. EUR-Lex [o.J.], o. S.

[6] Vgl. GfK [o.J.], S. 4.

[7] Vgl. Seyffert [1972], S. 1.

[8] Vgl. Internet-abc [o.J.], o. S.

[9] Vgl. Logistik Heute [o.J.], o. S.

[10] Vgl. Lebensmittelpraxis [o.J.], o. S.

[11] Vgl. A.T. Kearney [o.J.], S. 2 f.

[12] Vgl. eBusinessLotse [o.J.], o. S.

[13] Vgl. Siebel [2000], S. 40 f.

[14] Vgl. A.T. Kearney [o.J.], S. 2 ff.

[15] A.T. Kearney [o.J.], S. 3.

[16] Vgl. BVE [o.J.], o. S.

[17] Vgl. A.T. Kearney [o.J.], o. S.

[18] Handelsdaten [o.J.], o. S.

[19] GFK [o.J.], S. 6.

[20] Vgl. Absatzwirtschaft [o.J.], o. S.

[21] Vgl. Bundeskartellamt [o.J.], o. S.

[22] Vgl. Ernest & Young [o.J.], S. 21.

[23] Handelsjournal [o.J.], o. S.

[24] Vgl. FAZ [o.J.], o. S.

[25] Vgl. Handelsjournal [o.J.], o. S.

[26] Vgl. Bitkom [o.J.], o. S.

[27]

[28] Vgl. Wirtschaftswoche [o.J.], o. S.

[29] Handelsdaten [o.J.], o. S.

[30] Vgl. Bundesministerium für Ernährung und Wirtschaft [o.J.], S. 22.

[31] Vgl. Wirtschaftswoche [o.J.], o. S.

[32] Vgl. Welt [o.J.], o. S.

[33] Vgl. Süddeutsche Zeitung [o.J.], o. S.

[34] Vgl. McKinsey [o.J.], S. 30.

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668496385
ISBN (Buch)
9783668496392
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371748
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Online Handel Lebensmittel Lebensmittelhandel Handel

Autor

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Titel: Online-Lebensmittelhandel. Geschäftsmodelle und Marktsituation in Deutschland und Europa