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Ernährungstherapie bei Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz)

Wichtige Informationen für Menschen, die keinen Milchzucker vertragen

Essay 2016 20 Seiten

Biologie - Krankheiten, Gesundheit, Ernährung

Leseprobe

Einführung

Viele Menschen klagen nach dem Verzehr von Milchprodukten über Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit oder Durchfall. Die Ursache: Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit). Die Betroffenen vertragen den in Milch oder Milchprodukten enthaltenen Milchzucker (Laktose), die sogenannte Laktose, nicht oder nicht gut. Milch und Milchprodukte lösen bei ihnen starke Beschwerden aus.

Eine Laktoseintoleranz ist genau genommen keine eigenständige Krankheit. Es handelt sich um eine Verdauungsstörung, die aufgrund eines Enzymmangels, des Laktasemangels, auftritt. Laktase ist das milchzuckerspaltende Enzym. Weltweit kommt eine Laktoseintoleranz vielfach vor, allerdings tritt sie regional unterschiedlich häufig auf. In Deutschland leiden etwa 15 von 100 Menschen unter einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Laktoseunverträglichkeit. Besonders weit verbreitet ist sie in Afrika und Asien. Hier vertragen 80 bis über 90 Prozent der Menschen keinen Milchzucker. Eine Laktoseintoleranz ist hier also keine Krankheit, sondern vielmehr der Normalzustand.

Im Laufe der Geschichte hat die Milchviehhaltung und -produktion weltweit eine immer größere Rolle gespielt. Immer mehr Milch wurde getrunken und Milchprodukte verzehrt. So könnte sich im Laufe der Zeit das erbliche Merkmal im menschlichen Organismus der Produktion des Enzyms Laktase, das für den Milchzucker-Abbau verantwortlich ist, durchgesetzt haben.

Die Zahl der von einer Laktoseintoleranz Betroffenen steigt auch hier zulande immer weiter an.

Die Ursache kann jedoch in einer besseren Aufklärung und Gesundheitsinformation liegen. Sowohl Ärzte also auch die Betroffenen selber achten stärker auf das Thema Intoleranz. Die sehr allgemeinen Symptome können immer besser mit einer Intoleranz in Verbindung gebracht werden. So kann vielen Menschen, die vielleicht seit Jahren unter unklaren Magen-Darm-Beschwerden gelitten haben, endlich geholfen werden.

Eine Laktoseintoleranz ist nicht heilbar. Der Körper produziert das Enzym Laktase zu wenig oder gar nicht. Das ist unveränderbar. Die von einer Milchzuckerunverträglichkeit Betroffenen müssen, um beschwerdefrei zu werden und zu bleiben, den Verzehr von Milch und Milchprodukten erheblich einschränken oder gänzlich darauf verzichten. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig.

Alles über Laktose

Laktose ist auch unter dem Namen Milchzucker bekannt. Es handelt sich um einen Zweifachzucker (Disaccharid), der in gespaltener Form ein wichtiger Energielieferant für Stoffwechselprozesse ist. Milchzucker besteht aus den beiden Einfachzuckern Traubenzucker (Glukose) und Schleimzucker (Galaktose). Das im menschlichen Organismus produzierte Enzym Laktase spaltet den Milchzucker in diese beiden Bestandteile, die anschließend gut vom Körper aufgenommen werden können. Wird das Enzym Laktase zu wenig oder gar nicht produziert, was bei einer Laktoseintoleranz der Fall ist, kann die Laktose nicht gespalten werden und wandert unverarbeitet in den Darm. Hier kann sie nicht aufgenommen werden und sorgt für die typischen Beschwerden einer Unverträglichkeit wie Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit oder Durchfall.

Laktose ist der Hauptzucker der Milch und kommt in Milch und Milchprodukten - wie Käse, Joghurt, Quark, aber auch verarbeiteter Nahrung wie Fertiggerichten, Kuchen usw. vor. Sie befindet sich ebenfalls in der Muttermilch und ist für die Ernährung eines Säuglings besonders wichtig. Laktose hat einige Aufgaben im menschlichen Organismus: sie liefert Energie, unterstützt die Calcium-Resorption, hemmt Fäulnisbakterien im menschlichen Darm. In größeren Mengen wirkt Laktose abführend.

Durchschnittlich beträgt der Laktose-Anteil in der Milch 2 bis 7 Prozent. In natürlicher Form kommt Laktose ausschließlich in der Milch von Säugetieren vor. Alle aus der Milch hergestellten Produkte haben ebenfalls einen mehr oder weniger hohen Laktose-Anteil. Laktose wird allerdings auch als sogenannte Trägersubstanz beispielsweise für Aromen genutzt. Aufgrund ihrer Eigenschaften spielt sie eine wichtige Rolle im Herstellungsprozess anderer Nahrungsmittel, in denen man zunächst keine Laktose vermutet. Auch in Medikamenten wird Laktose als Trägersubstanz für den Wirkstoff genutzt.

Für Menschen, die aufgrund eines Laktasemangels keinen Milchzucker verarbeiten können und daher an einer Laktoseintoleranz leiden, gibt es mittlerweile mehr und mehr alternative laktosefreie Lebensmittel auf dem Markt. Ein Beispiel hierfür ist die laktosefreie Milch, die als gut verträglich gilt und daher eine gute Alternative für Milch darstellt.

Wie wird Milchzucker normalerweise verdaut?

Der Verdauungsvorgang ist ein empfindlicher Prozess, der bereits im Mund beginnt und im

Enddarm endet. Im Mund startet die Verdauung der Kohlenhydrate. Anschließend wandert der Speisebrei weiter über die Speiseröhre bis in den Magen. Hier vernichtet die Magensäure bestimmte Krankheitserreger und hilft, das Eiweiß zu verdauen. Nach und nach gibt der Magen kleinere Portionen des Speisebreis an den Dünndarm weiter. Erst hier findet die eigentliche Verdauung statt. Aus der Schleimhaut des Dünndarms stammende Enzyme sind für die Verdauung verantwortlich. Das milchzuckerspaltende Enzym Laktase wird in der Dünndarmschleimhaut hergestellt. Mit Hilfe dieses Enzyms wird Laktose abgebaut.

Nach der Verdauung werden die kleinsten Bausteine der Nährstoffe über die Schleimhaut des

Dünndarms in das Blut aufgenommen. Auf diese Weise werden ebenfalls Vitamine, Mineralstoffe, Wasser und weitere essentielle Inhaltsstoffe der Nahrung über die Dünndarmschleimhaut aufgenommen. Im Dickdarm landen ausschließlich unverdauliche Bestandteile der Nahrung. Hierzu gehören Ballaststoffe sowie Bakterien. Diese Bestandteile werden durch den Flüssigkeitsentzug eingedickt und schließlich ausgeschieden.

Wird in der Schleimhaut des Dünndarms das Enzym Laktase zu wenig oder gar nicht produziert, kann die Laktose aus der Nahrung nicht verdaut werden. Dann spricht man von einer Laktoseintoleranz.

Was ist eine Laktoseintoleranz?

Bei einer Laktoseintoleranz handelt es sich um die Unfähigkeit des Organismus, in Speisen enthaltenen Milchzucker zu verdauen. Neben dem Begriff der Laktoseintoleranz kursieren weitere Begriffe, die jedoch dasselbe Krankheitsbild meinen: Milchzuckerunverträglichkeit, Laktasemangelsyndrom sowie Laktasemalabsorption. Das Kohlenhydrat der Milch, die Laktose, wird nicht vertragen bzw. kann nicht verarbeitet und verdaut werden.

Bei einer Laktoseintoleranz gelangt die Laktose unverarbeitet in den Dickdarm. Sie wird über Speisen aufgenommen. Das körpereigene Enzym Laktase spaltet normalerweise den Milchzucker in seine Bestandteile Traubenzucker (Glukose) und Schleimzucker (Galaktose). Diese beiden Bestandteile können über die Dünndarmschleimhaut in das Blut aufgenommen und vom Körper verwertet werden. Liegt jedoch eine Laktoseintoleranz vor, wird das spaltende Enzym nicht oder nur sehr wenig produziert. Hier spricht man von einem Laktasemangel. Auf diese Weise wandert die Laktose unverarbeitet bis in den Dickdarm. Hier wird sie von Bakterien zersetzt. Die während dieses Gärungsprozesses entstehenden Spaltprodukte sorgen für Verdauungsbeschwerden. Es zeigen die sich die typischen Symptome einer Laktoseintoleranz wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle sowie Blähungen.

Drei Formen der Laktoseintoleranz werden unterschieden: x primärer (angeborener) Laktasemangel,

- sekundärer (erworbener) Laktasemangel sowie
- die sogenannte Alaktasie, der kongenitale Laktasemangel.

Die häufigste Form der Milchzuckerunverträglichkeit bei Erwachsenen ist der angeborene, der primäre Laktasemangel. Diese Form der Laktoseintoleranz ist erblich bedingt. Im Kindesalter wird meist noch eine ausreichende Menge des Enzyms Laktase produziert, doch im Laufe der Zeit nimmt diese Produktion mehr und mehr ab. Es steht dadurch immer weniger Laktase zur Spaltung des Milchzuckers zur Verfügung. So kann Laktose immer weniger verdaut werden und wird immer schlechter vertragen. Es entwickelt sich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Milchzucker.

Besonders verbreitet ist diese Form des Laktasemangels in Schwarzafrika und China, wo ein Laktasemangel bei über 90 Prozent der Bevölkerung festgestellt werden kann. In Deutschland sind 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung von dem primären Laktasemangel betroffen.

Der sekundäre, erworbene Laktasemangel, ist nicht erblich bedingt. Im Laufe des Lebens können Betroffene Milchzucker immer weniger vertragen. Ein Auslöser - meist eine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes - sorgt dafür, dass das Enzym Laktase immer weniger produziert wird. Diese Form der Laktoseintoleranz kann sich wieder normalisieren. Wenn die auslösende Grunderkrankung erfolgreich behandelt wird, kann auch der Laktasemangel wieder zurückgehen.

Hierfür ursächliche Grunderkrankungen können sein:

- Glutenunverträglichkeit
- Morbus Crohn
- Colitis ulcerosa
- Bakterielle Infektionen und Pilzinfektionen
- Darmgrippe
- Magen-Darm-Operationen

Neben organischen Ursachen kann aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente einen sekundären Laktasemangel auslösen. Zu diesen Medikamentengruppen zählen Antibiotika oder Zytostatika.

Die dritte Form der Laktoseintoleranz, der kongenitale Laktasemangel (Alaktasie) tritt nur sehr selten auf. Diese Form des Laktasemangels ist angeboren. Es handelt sich um einen genetisch bedingten Enzymdefekt, der bereits im Säuglingsalter auftritt und einen absoluten Laktasemangel bewirkt. Von Geburt an wird bei den Betroffenen keinerlei Laktase gebildet. Bereits auf kleinste Mengen Laktose reagieren Säuglinge sehr stark und sie zeigen schon ab den ersten Lebenswochen Symptome einer Laktoseintoleranz wie schwere Durchfälle, was zu Austrocknung und Unterernährung führen kann.

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Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668498938
ISBN (Buch)
9783668498945
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372161
Schlagworte
Milch Milchzucker Laktose Laktoseintoleranz Milchzuckerunverträglichkeit Sven-David Müller

Autor

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Titel: Ernährungstherapie bei Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz)