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Die Pneumatologie Karl Barths

Untersuchung zur Rolle des Heiligen Geistes innerhalb der argumentativen Struktur der Versöhnungslehre (KD IV) unter Berücksichtigung der genetischen Entwicklungslinien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 42 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

2. GEISTVERGESSENHEIT ODER INTIME FREUNDSCHAFT - EINLEITUNG UND METHODIK
2.1. Zur quantitativen Erhebung pneumatologischer Aussagen bei KARL BARTH
2.2. Zum methodischen Aufbau der vorliegenden Arbeit

3. GENESIS DER BARTHSCHEN PNEUMATOLOGIE - KONTEXTUELLE VORBEMERKUNGEN

4. PNEUMATOLOGIE IN DER KD IV/
4.1. Zu den pneumatologischen Grundentscheidungen in der KD
4.2. Zur argumentativen Einbettung des „Geist Gottes“ in der Struktur der KD IV
4.2.1. Zur KD IV/1
4.2.2. Zur KD IV/2
4.2.3. Zur KD IV/3

5. SCHLUSSBETRACHTUNG - ZUR QUALITATIVEN BEWERTUNG DER EINBETTUNG DES „GEIST GOTTES“ IN DER KD IV/

6. LITERATURVERZEICHNIS
6.1. Textausgaben und Primärquellen
6.2. Sekundärliteratur und Aufsätze

1. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Sofern nicht anders angegeben, entsprechen die in der vorliegenden Arbeit verwendeten Abkürzungen:

- SCHWERTNER, Siegfried M.: IATG3 - Internationales Abkürzungsverzeichnis für

Theologie und Grenzgebiete, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Berlin/Boston2014

- Abkürzungen Theologie und Religionswissenschaften nach RGG4. Hrsg. von der Re- daktion der RGG4, Tübingen 2007.

Weitere selbst gewählte Abkürzungen werden nachfolgend alphabetisch aufgelistet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. GEISTVERGESSENHEIT ODER INTIME FREUNDSCHAFT - EINLEITUNG UND METHODIK

„Der theologische Weg Barts ist gesäumt von dem gegen ihn erhobenen Einwand der Verkürzung der Rede vom Heiligen Geist und seinem Wirken am und im Menschen.“1

Dieser Einwand, resp. Vorwurf gegen KARL BARTH (1886-1968), so EDUARD BUSCH, sei ver-schiedenartig begründet worden. Während Vertreter charismatischer Kreise BARTH vorwarfen,dass seine Pneumatologie von einer zu stark ausgeprägten Christologie überschattet werde,musste er sich von Vertreter altlutherischer Prägung unterstellen lassen, dass er die Machtwir-kung des Heiligen Geistes maßlos unterschätzt habe.2 BARTH selbst konstatierte am Ende seinestheologischen Schaffens für die Zukunft der Theologie - wohl für seine eigene, die er aufgrundseines Todes nicht mehr entfalten konnte - eine dezidierte pneumatozentrische Ausrichtung.3 Hat er, so fragt BUSCH, mit diesem Vorhaben eingesehen, dass er in seinen theologisch-dogma-tischen Erwägungen den Heiligen Geist im besten Fall vergessen, im schlimmsten Fall ignorierthabe? Nein!

BARTH hatte Gründe dafür, die christologische Seite seiner Theologie des Wortes Gottes zubetonen; einer Theologie, die trotz dominanter Christozentrik, die Theologie des Geistes in sicheinschließt.4

Der Eindruck, dass BARTHS Aussagen zum Heiligen Geist verkürzt und lückenhaft sind, drängtsich dem heutigen Leser, der i.d.R. in Unkenntnis der Gesamtheit der Barthschen Schriften ist,nach wie vor auf. Als ich mich mit BARTHS Ausführungen zur Versöhnungslehre beschäftigte,v.a. mit den Paragraphen, die ihrer Titulatur gemäß eine Pneumatozentrik suggerieren, war ichsehr erstaunt, dass BARTH auf knapp 300 Textseiten nur wenige Male vom „Geist Gottes“, vonder dritten Person der Trinität und fast ausschließlich von Jesus Christus spricht.5 Noch erstaun-ter war ich, als ich in den fragmentarischen Stücken zur Kirchlichen Dogmatik las, dass es nachMeinung BARTHS „[…] keinen intimeren Freund des gesunden Menschenverstandes als den Hei-ligen Geist [gibt].“6

Die nachfolgende Arbeit versteht sich als Versuch aufzuzeigen, wie diese ‚ scheinbar ‘ konträ-ren Befunde - argumentative Unterminierung und dezidierte Hervorhebung - im Denken KARL

BARTHS zusammenpassen bzw. ob sie überhaupt zusammenpassen. Die Gesamtheit der Barth- schen Pneumatologie kann und will die nachfolgende Arbeit nicht betrachten. Eine quantitative Einschränkung des Untersuchungsgegenstandes und eine Klärung der angewandten Methodik erscheinen daher notwendig zu sein.

2.1. Zur quantitativen Erhebung pneumatologischer Aussagen bei KARL BARTH

Betrachtet man einzig die Quantität, in der in den Schriften KARL BARTHS vom „Geist“ die Rede ist, stellt sich der Vorwurf, BARTH hätte der Pneumatologie eine untergeordnete Rolle in seinen dogmatisch-theologischen Ausführungen beigemessen, als haltlos heraus.

Ein Blick in die Gesamtausgabe der Barthschen Werke7, die die Schriften BARTHS aus demZeitraum von 1909-1968 umfasst, beweist, dass die Termini „Geist“, „Pneuma“ und/oder „Spi-ritus“ in allen Lebens- und Schaffensperioden BARTHS von entscheidender Bedeutung sind. Ininsgesamt 3.640 Dokumenten finden sich 4.354 Belege zum Terminus „Geist“. Natürlich hatBARTH, was m.E. der deutschen Sprache und ihrer oft ambivalenten Bedeutungsebene geschul-det ist, jenen Terminus nicht nur in theologischer Hinsicht verwendet. Wenn man die Suchejedoch auf dezidiert theologisch-konnotierte Wortverbindungen einengt, stellt sich heraus, dassBARTH trotz aller anderen denkbaren Möglichkeiten zur Verwendung der Termini, den trinitari-schen Verwendungen einen hohen Stellenwert einräumt. So finden sich in besagter GA insge-samt 152 Belege zur Verwendung der Wortverbindung „Geist Gottes/Gottes Geist“; 1.074 Be-lege zur Verwendung der Wortverbindung „Heiliger/Heiligen/Heilige Geist“; 15 Belege zum„Pneuma“ und 154 Belege zum „Spiritus“. Somit haben 31,42% der aufzufindenden Belege zumTerminus „Geist“ theologische Relevanz.8

Eine dazu analoge Untersuchung innerhalb der Kirchlichen Dogmatik9 ergibt eine ähnliche Quantität bezüglich der theologisch relevanten Verwendungen des Terminus „Geist“. In der KD, die insgesamt 85 Dokumente umfasst, lassen sich 3.421 Belege zum „Geist“ finden, darunter 109 Belege zum „Geist Gottes/Gottes Geist“; 1.460 Belege zu „Heiliger/Heiligen/Heilige Geist“; 4 Belege zum „Pneuma“ und 173 Belege zum „Spiritus“. Diese insgesamt 1.746 theologisch relevanten Belege ergeben eine prozentuale Verteilung von 51,04% - eine erhebliche Steigerung zur Verwendung derselben Wortverbindungen in der GA.10

Eine solche quantitative Erhebung ist kein absoluter Beweis gegen die These der „Geistverges- senheit“, aber m.E. ein zumindest hinreichender Beleg zur Infragestellung jener Behauptung. Um nun ein geschlossenes Bild der Barthschen Pneumatologie zu erhalten, müssten sämtliche Bezüge zum „Geist“ kontextualisiert und analysiert werden. Dies würde eine Analyse von 7.775 Belegstellen bedeutet. Dies kann die nachfolgende Arbeit nicht leisten - sie kann und will nur eine erste ‚ Tiefenbohrung in der Barthschen Pneumatologie ‘ sein. Darum wird nachfolgend der Fokus auf die Versöhnungslehre der KD IV/3 gelegt.

Doch auch die quantitative Erhebung bezüglich der darin enthaltenen Paragraphen gestaltetsich für den Rahmen der vorliegenden Untersuchung problematisch. In den §§69-73 finden sich214 Belege zum „Geist“, davon 72 in §69; 10 in §70; 68 in §71; 49 in §72 und nochmals 15Belege in §73. Insgesamt 110 Belege lassen sich zu „Heiliger/Heiligen/Heilige Geist“ finden; 3Mal ist vom „Geist Gottes/Gottes Geist“ die Rede und 7 Mal vom „Spiritus“.11 Zur vollständigenAnalyse der pneumatologischen Aussagen der KD IV/3 müssten mindestens die 120 Belege un-tersucht werden, die i.w.S. den trinitarischen Sprachduktus berühren. Da jedoch, dies sei in Vo-rausschau auf Kap. 4.2. vorweggenommen, Jesus Christus und „sein Geist“, der identisch istzum Vater und zum Heiligen Geist, Hauptgegenstand der Argumentation BARTHS sind, käme eseiner qualitativen Engführung gleich, würde man 94 Belege zum „Geist“ ausklammern. Es müss-ten demnach möglichst alle 214 diesbezüglichen Belege qualitativ betrachtet werden, was nach-folgend leider ebenfalls nicht bewerkstelligt werden kann.

2.2. Zum methodischen Aufbau der vorliegenden Arbeit

Um den Rahmen der vorliegenden Untersuchung nicht zu sprengen, muss die intendierte qualitative Betrachtung der pneumatologischen Aussagen innerhalb der KD IV/3 methodisch angebahnt, kontextuell eingebunden und argumentativ verortet werden. Deshalb sind die nachfolgenden Ausführungen deduktiv aufgebaut.

Zunächst soll die Genesis der Barthschen Pneumatologie in groben Zügen nachgezeichnet werden (Kap. 3). Das Denken KARL BARTHS hat sich stetig weiterentwickelt. Nur sein Ableben im Jahr 1968 hat eine weitergehende Beschäftigung verhindert, die nach einhelliger Meinung die Pneumatologie zum Gegenstand gehabt hätte.12 Daher erscheint ein Blick auf die Ausführungen des „jungen Barths“ zum „Geist“ sinnvoll zu sein, da nur so die Ansichten des „späten Barths“, des BARTHS der KD, verstanden werden können.

Im Anschluss daran sollen diese biographisch gewachsenen Grundentscheidungen BARTHS sys-tematisiert werden (Kap. 4.1.). Dies erlaubt m.E. das Gros der 214 Belege in der KD IV/3 zum Geist einordnen und zueinander in Beziehung setzen zu können. Dies, d.h. die Rolle des Geistes, soll in der Gesamtargumentation der KD IV (Kap. 4.2.) dargestellt werden. Dies ist unabdingbarum die ‚ Lücken ‘ einer rein quantitativen Erhebung, die m.E. nicht anderes leisten kann, als dasssie die pneumatologischen Aussagen BARTHS kontextlos nebeneinander stellen kann, zu schlie-ßen. Die Rolle des Geistes in der Gesamtargumentation der KD IV gewährleistet somit die pneu-matologisch-konnotierten Belege in der Argumentationsstruktur kontextuell sachgemäß verste-hen zu können. Dabei wiederum steht der Gedankengang KARL BARTHS in der KD IV/3 im Fo-kus der Untersuchung (Kap. 4.3.).

Den Abschluss bildet dann der ‚ Versuch ‘ einer qualitativen Bewertung der Bartschen Pneumatologie (Kap. 5.).

3. GENESIS DER BARTHSCHEN PNEUMATOLOGIE - KONTEXTUELLE VORBEMERKUNGEN

EDUARD BUSCH verortet die Gründe für BARTHS Entscheidung, der Pneumatologie ein bewusstchristologisches Profil zu verleihen, in BARTHS Kritik an der Theologie des 19. Jahrhunderts -besonders an der Rezeption der Ansichten FRIEDRICH DANIEL ERNST SCHLEIERMACHERS (1768-1834) und JOHANN GOTTFRIED HERDERS (1744-1803), die im Neuprotestantismus zu Missver-ständnissen in Bezug auf den Heiligen Geist geführt hätten.13 Sowohl SCHLEIERMACHER als auchHERDER haben in ihren Darlegungen zum Heiligen Geist das Subjekt des menschlichen Geistesderart betont, dass dieser Geist scheinbar gleichgesetzt erscheint zum Geist Gottes, wodurchm.a.W. die Erkenntnis, die Offenbarung und das Offenbarwerden Gottes als bewusste Eigenleis-tungen des menschlichen Verstandes erscheinen müssen.14 Dies wiederum käme einer Negationder Gottheit des göttlichen Geistes und einer Vergötzung des menschlichen Geistes gleich.

„In dem Maß, als sie (die Theologie) sich in eine bloße Lehre vom Tun Gottes dem Men-schen gegenüber, in eine reine Lehre vom Wort auflösen wollte, würde sie zur Metaphysik werden. Und in dem Maß, als sie sich in eine reine Lehre vom Geist auflösen wollte, würde sie zur Mystik werden. Reine Lehre vom Wort Gottes wäre aber eine so wenig wie das andere reine Lehre vom Geist Gottes wäre.“15

Diese Tendenzen konnte und wollte BARTH nicht hinnehmen, weshalb es ihm um einen „kritischen Neugewinn der Erkenntnis der Gottheit des Geistes“16 ging, die - so die Schlussfolgerung BARTHS - bei Jesus Christus ansetzen müsse.

„Wo man den Heiligen Geist von Christus getrennt hat, da ist er aber früher oder später noch immer in einen ganz anderen Geist, nämlich in den Geist des religiösen Menschen und von da aus dann in den menschlichen Geist überhaupt uminterpretiert worden.“17

Wenn BARTH vom Geist Gottes spricht und diesen an Jesus Christus zurückbindet, wenn er also m.a.W. eine Pneumatologie entwirft, die ohne die Trinität Gottes nicht verstanden werden kann, bindet er die Offenbarung jenes göttlichen Geistes an die Offenbarung Jesu Christi zurück wie sie in der Heiligen Schrift - als einziger Erkenntnisquelle - dargelegt ist.

„Das ist [BARTHS] Absage an die Vorstellung, als ob es eine von der Christusoffenbarung verschiedene Geistoffenbarung gebe, die inhaltlich ein Anderes und Neues gegenüber der Christusoffenbarung offenbart.“18

Dieser Haltung BARTHS, so DIETRICH BRAUN, geht ein mehrstufiger Entwicklungsprozess voraus, der sich bereits in den frühen Schriften des „jungen Barths“ abzuzeichnen beginnt, hier v.a. in Beschäftigung mit dem Römerbrief und den scholastischen Gottesbeweisen, und der sich bis zur Abfassung der KD erstreckt.19

In seiner Auslegung des Römerbriefes von 1919 vertritt BARTH, seinen liberal-theologischenLehrern geschuldet, noch die Ansicht, dass sich Gott und Mensch ein ähnliches Sein teilen. InAnknüpfung an die Aussagen des 1. Glaubensartikels erklärt er den 3. Glaubensartikel damit,dass Gott der Schöpfer durch seinen Geist seine Schöpfung erneuert, sie wiederherstellt und siedadurch ihrer eigentlichen Bestimmung entgegenführt.20 In der 2. Auflage des Römerbriefkom- mentars vollzieht BARTH jedoch einen qualitativen Wechsel. Sein Fokus rückt von der Schöp- fungskraft Gottes zur ewigen Erwählung des Menschen durch Jesus Christus, d.h., dass BARTHm.a.W. dem 2. Glaubensartikel mehr Gewicht einräumt und darüber hinaus vom ‚ Sein des Men- schen ‘ zum ‚ Sinn des menschlichen Seins ‘ übergeht.21 Dieser ‚ Sinn ‘ - worin m.E. die BarthscheDialektik des zeitlichen „Schon“ und „Noch nicht“ nachklingt22 - zielt auf die Entscheidung desMenschen ab; auf die Entscheidung dem Leben im Geiste Jesu Christi, wie er sich im Kreuzes-geschehen Jesu offenbart hat und offenbart, zu folgen oder eben nicht.23 Dieser ‚ sinnstiftende Geist ‘ ist es, der den

„[…] unendlich qualitativen Unterschied überbrückt, der auch die beiden Pole Geschichte und Glaube miteinander verbindet und dem Sein des Menschen seine wahre Mitte zeigt, [die] für Barth von nun ab ausschließlich und endgültig die Christus-Mitte [ist].“24

Diese Akzentuierung innerhalb der beiden Auflagen des Römerbriefkommentars (1919-1922) versteht BRAUN als Übergang einer kosmologisch-eschatologischen hin zu einer christozentrischen Pneumatologie, die sich - man könnte m.a.W. von der zweiten Phase Barthscher Pneumatologie sprechen - zwischen 1924-1930 in Abkehr zu den philosophischen Ansichten zum Geist Gottes weiterentwickelt.25

Nachdem KARL BARTH die Christus-Mitte als ‚ Dreh- und Angelpunkt ‘ der menschlichen Anth-ropologie freigelegt hat, ist er bemüht, das Verständnis des Geistes aus den philosophischen Kategorien von Identität und Kontinuität zu lösen.26 Beide Kategorien sind es, die den mensch- lichen und den göttlichen Willen, das menschliche und göttliche Subjekt zu eng miteinanderverbinden, die m.a.W. Gemeinsamkeiten konstatieren und folglich Gottes Geist und MenschenGeist auf eine Ebene stellen. Diesem fehlerhaften Grundaxiom sei es dann - wobei sich DIET-RICH BRAUN auf BARTHS Schriften, „Unterricht in der christlichen Religion“ (1924) und der„Christlichen Dogmatik im Entwurf“ (1927) bezieht - u.a. geschuldet, dass über die Aussagender Schrift ein ‚ ekklesiologisch-dogmatischer Mantel ‘ gelegt wurde, durch welchen Gott, JesusChristus und letztendlich der Geist ihrer Freiheit beraubt werden.27 Gott ist es selber, nicht durchLeistung des menschlichen Subjekts, sondern in seiner unendlichen Gnade, der in seinem Geist„[…] zum Menschen kommt und für ihn da ist.“28 Hatte man im Gefolge der liberalen Theologieeine enge Relation zwischen Gott und Menschen vertreten, stand BARTH nun vor dem Problem,dass durch seine Betonung des göttlichen Subjekts - innertrinitarisch meint dieses Subjekt na-türlich Vater, Sohn und Heiligen Geist - das Subjekt des Menschen zu eliminieren drohe. Soleugnet BARTH die Beziehung zwischen Gott und seinen Geschöpfen nicht, sondern lediglich dieFähigkeit jener Geschöpfe, die Beziehung zu ihrem Schöpfer als irgendwie in sich begründetanzunehmen.29 Es ist einzig Gott, der als Subjekt diese Beziehung herstellt, nicht in Form einerDegradierung des Menschen zum Objekt göttlichen Handelns und auch nicht in DegradierungGottes, sondern unter Wahrung seiner Eigenständigkeit und Unabhängigkeit und in gnädigerErhöhung des Menschen zu einem eigenen Subjekt. Und dieses ‚ Subjekt-Sein ‘ und in der Kraftdes Geistes stehende ‚ Subjekt-Werden ‘ betrifft alle Menschen.

„Darum daß es uns angeht, daß es in unserer Existenz selbst aufgerichtet, daß Gott unser eigener Herr wird, daß wir selbst, so wie wir sind, seiner Überlegenheit und seines Sieges teilhaftig, seiner Gewalt als Schöpfer und Versöhner endgültig unterstellt werden, darum handelt es sich, wenn wir vom heiligen Geist reden.“30

In dieser frühen Phase seiner pneumatologischen Ansichten geht BARTH dann sogar so weit, dieWirkung des Heiligen Geistes mit der Existenz des Menschen zu verknüpfen, dass letzterer nicht ohne den Geist Gottes existieren könne. ROSATO bezeichnet daher diese Phase als anthropologi- sche Pneumatologie - m.E. wäre es wohl zutreffender von einer christozentrisch-anthropologi-sche Pneumatologie zu sprechen.31

Die nächste Phase in der Entwicklung der Barthschen Pneumatologie bezeichnet BRAUN, unterRückgriff auf die Arbeit ROSATOS, als analogische Pneumatologie.32 An diesem Punkt seinestheologischen Denkens, so wie es in seiner Schrift „Dogmatik im Grundriß“ (1947) nachgewie-sen werden kann, ist BARTH scheinbar der Ansicht, dass es eine Analogie zwischen Christus undden Christen gebe, welche ihre Kraft und Wirklichkeit durch das Wirken des Heiligen Geisteserhalte. BARTH nimmt die Aspekte der Anthropologie sowie der Freiheit Gottes wieder auf, diesich bereits 1927 bei ihm abzuzeichnen beginnen, und verbindet sie mit dem christlichen Frei-heitsbegriff.

„Es gibt einen Glauben an den Menschen, sofern dieser Mensch frei und aktiv am WerkGottes beteiligt ist. Daß dies Ereignis wird, das ist das Werk des Heiligen Geistes, das WerkGottes auf Erden, das seine Entsprechung hat im Ausgang des Geistes aus dem Vater unddem Sohne.“33

Der Terminus ‚ Entsprechung ‘ ist es, auf den es hier ankommt. BARTH hatte Identität und Kon-tinuität zwischen menschlicher und göttlicher Natur bereits im frühen Stadium seiner Pneuma-tologie abgelehnt, woran er nach wie vor festhält. Die aktive und freie Teilhabe des Menschen,in der Kraft des auf Erden wirkenden Geistes, ist dabei nicht als prädikative Zuschreibung oderZugewinn zur menschlichen Natur zu verstehen. Die aktive und freie Teilhabe, die libertas chris-tiana so könnte man formulieren, ist genau wie die Beziehung zwischen Gott und Mensch eineGabe, die verliehen, aber nicht erworben werden kann; die wir „als Freiheit verliehen bekom-men, wenn Christus uns anschaut, uns seinen Heiligen Geist schickt.“34 In dieser Freiheit desGeistes stehend, worin man zurecht eine Akzentverschiebung zu BARTHS früheren Äußerungensehen kann, gewinnt das christliche Handeln und Sein in der Welt eine größere Bedeutung. DasSein des homo christianus ist jedoch, worin BARTH seinen bisherigen Ansichten treu bleibt, keine statische, sondern viel eher eine prozesshafte, im Stadium der stetigen Entwicklung ste- hende Existenz35, die „[…] durch die Macht des Geistes auf Grund des Wortes Gottes lebt.“36 Die Erkenntnis einer analogischen Existenz des Menschen, der aus dem Geist Jesu Christi her-aus lebt, so wie der Geist aus dem Vater und dem Sohne hervorgeht, findet sich bereits inBARTHS 1931 verfassten Anselm-Schrift, „Fides quaerens intellectum“37. In diesem Werk, indem sich BARTH mit dem ontologischen Gottesbeweis des Anselm auseinandersetzt, den er vieleher als einen theologischen Gottesbeweis verstanden wissen will, kommt BARTH zu der Er-kenntnis, dass das Werk des Geistes darin besteht, im Glaubenden eine Ähnlichkeit zu schaffenzwischen dem Glaubenden selbst und der Wahrheit, die dem Wort zukommt, auf das hin derGlaubende glaubt.38

„Nun beruht aber auch die Wahrheit der Existenz und des Wesens des Gegenstandes“, womit BARTH den Menschen anspricht, „nicht in sich selber, sondern in dem göttlichen Wort […], durch das er geschaffen ist und das ihm mit seiner Erschaffung Ähnlichkeit mit der ihm selbst […] eigenen Wahrheit verleiht.“39

Diese Einsicht bezieht BARTH auf das methodische Vorgehen Anselms und erkennt dabei, dass es der Heilige Geist ist, „[…] der dem Menschen eine objektive Teilhabe an der Wahrheit selbst durch den Glaubengewährt, und es ist derselbe Heilige Geist, der zur Erkenntnis des analogischen Charaktersdes Glaubens denjenigen erleuchtet, der nach der inneren Verständlichkeit des Glaubensfragt.“40

BARTHS daran anknüpfende theologische Methode, die ohne die zwischen Objekt und Subjekt des Glaubens vermittelnde Macht des Heiligen Geistes nicht auskommt, lässt sich in wenigenPunkten zusammenfassen. Der Heilige Geist verhilft dem glaubenden Christen (= Subjekt desGlaubens) und Jesus Christus (= Objekt des Glaubens) zueinander in Beziehung zu treten. Be-rücksichtigt man dazu noch BARTHS Haltung zur Faktizität des Credos, woran der im Geist Got-tes stehende aktive und freie Mensch glaubt, dann ist die zwischen Subjekt und Objekt des Glau-bens vermittelnde Größe, eben just der Heilige Geist, auch jene Kraft, die zwischen Gottes Exis-tenz als der Wahrheit des Glaubens - wie es der 1. Artikels des Apostolikums besagt - und desMenschen Existenz im Glauben als der eines Teilhabers an eben dieser Wahrheit vermittelt.41 Diese Wahrheit, als Kern des Glaubens und der Theologie, darf nicht mit einer philosophischenErkenntnis verwechselt werden; sie ist vielmehr „Herr aller ratio […] selbst darüber entschei-dend, was hier und dort je und je vera ratio ist.“42

Noch wesentlich mehr ließe sich zur Genesis der Barthschen Pneumatologie sagen, v.a. auch hinsichtlich der Einflüsse, die das Denken GEORG FRIEDRICH WILHELM HEGELS (1770-1831) auf BARTH genommen hat,43 doch diese wenigen Entwicklungslinien - die sich bis in die KD gehalten haben - sollen einen ersten Eindruck darüber vermitteln, welchen Stellenwert der Heilige Geist im Denken Karl BARTHS hatte. Von „Geistvergessenheit“ kann also auch in genetischer Hinsicht nicht gesprochen werden.

4. PNEUMATOLOGIE IN DER KD IV/3

4.1. Zu den pneumatologischen Grundentscheidungen in der KD

Die unterschiedlichen, doch inhaltlich stark aufeinander bezogenen Phasen der BarthschenPneumatologie - von der dialektischen über eine christozentrisch-anthropologische hin zu eineranalogischen Prägung - lassen sich bis in die Abfassung der KD hinein nachweisen. Dort jedoch,so arbeitet es GREGOR ETZELMÜLLER prägnant heraus, in einem sehr viel impliziteren Vorgehen,das m.E. als ein Grund des Vorwurfs der vermeintlichen „Geistvergessenheit“ anzusehen ist.

Es sind drei Grundentscheidungen, durch die BARTHS Pneumatologie innerhalb der KD ge-kennzeichnet ist. (1.) Zunächst setzt BARTH, analog zu seiner Kritik an der Theologie SCHLEIER-MACHERS, bei der Differenz von Gottes Geist und menschlichem Geist an und postuliert, resp.wiederentdeckt die Gottheit des Heiligen Geistes. (2.) Um der Gefahr zu entgehen, dass diesesPostulat auf den menschlichen Geist zurückprojiziert wird und es zu einer Vergötzung des menschlichen Geistes kommt, wahrt BARTH die Differenz zum Menschen dahingehend, dass er den Geist Gottes als Geist Jesu Christi versteht.

[...]


1 BUSCH: Leidenschaft, S. 228.

2 Zu diesen und anderen Begründungen besagten Vorwurfs, siehe a.a.O; BRAUN: Heiliger Geist, S. 33; ETZELMÜLLER: Pneumatologische Grundentscheidungen, S. 18.

3 So spricht BARTH im Nachwort seiner Schleiermacher-Ausgabe von der „Möglichkeit einer Theologie des 3.Artikels, beherrschend und entscheidend also des Heiligen Geistes“ (Zit. nach BRAUN: Heiliger Geist, S. 66).

4 BUSCH: Leidenschaft, S. 229.

5 Damit ist gemeint: BARTH, Karl: Die Kirchliche Dogmatik. Studienausgabe Bd. 29: 4, Die Lehre von der Versöhnung, 3. Jesus Christus, der wahrhaftige Zeuge (IV/3, §§72/73), Zürich 1959 (1989), S. 780-1066.

6 BARTH, Karl: Die Kirchliche Dogmatik. Die Begründung des christlichen Lebens (IV/4, Fragment), Zürich 1967 (1980), S. 31.

7 Die Durchsuchung der Gesamtausgabe, die nachfolgend mit GA abgekürzt wird, erfolgte über die Suchmaskeder Digital Barth Library. Abzurufen unter: http://solomon.dkbl.alexanderstreet.com.002d33tx17dc.han.ulb.uni-jena.de.

8 Bei insgesamt 1.368 Belegen (s.o.) und einem Quotienten von 43,54, der sich aus den 4.354 Belegen zum Terminus „Geist“ ergibt, ergibt sich eine genaue prozentuale Verteilung von 31,419%.

9 Nachfolgend abgekürzt mit KD.

10 Bei insgesamt 1.746 Belegen (s.o.) und einem Quotienten von 34,21, der sich aus den 3.421 Belegen zum Terminus Geist ergibt, ergibt sich eine genaue prozentuale Verteilung von 51,037%.

11 In der KD IV/3 lassen sich keinerlei Belege zum „Pneuma“ finden.

12 Vgl. u.a. DANTINE: Theologie des Heiligen Geistes, Sp. 402.

13 Vgl. BUSCH: Leidenschaft, S. 229. Zum Verhältnis von SCHLEIERMACHER und BARTH, siehe VAN DER KOOI: Schleiermacher und Barth, S. 213-238. Zu BARTHS Motivation gegen die „[…] idealistischen, scholastischen und existenzphilosophischen Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts zu reagieren“ (Zit. nach BRAUN: Strukturen, S. 176), vgl. BRAUN: Strukturen, S. 176-181; BECKER: Erkenntnis, S. 84f.

14 GA III/24, S. 461f.:„Der heilige Geist ist Gott der Herr in der ganzen Gottheit, in der ganzen Majestät undHerablassung, in dem ganzen Verborgensein und Offenbarwerden Gottes. Unsere Untersuchung über den heiligenGeist und das christliche Leben soll bestehen in einer Entwicklung dieses Satzes in seinen verschiedenen Relationenund in der jeweiligen Anwendung der gewonnenen Ergebnisse auf den Begriff des christlichen Lebens […]. Au- gustin hat gewußt, was spätere idealistische Theologen nicht mehr recht wußten, daß Gottes Leben darum, weil erin der Bibel auch Geist, heiliger Geist, genannt wird, nicht identisch ist mit dem, was wir als unser eigenesgeschaffenes Geistes- oder Seelenleben kennen.“ Vgl. auch GA I/12, S. 265: „Wo der Geist |5| des Herrn ist, da(und nur da!) ist Freiheit. Es gibt auch andere Geister, menschliche und außermenschliche, auch übermenschliche,persönliche und unpersönlich kollektive: Hausgeister, Volksgeister, Rassen- und Klassengeister, Vereinsgeister,Parteigeister, auch religiöse, auch Kirchengeister übrigens.“ Vgl. dazu auch BRAUN: Strukturen, S. 173: „Barthsieht in den exemplarischen Entwürfen der neuprotestantischen Theologie die Tendenz am Werk, das fromme undreligiöse Selbstbewußtsein des Christen kurzerhand mit dem in eins zu setzen, was das Neue Testament als Werkdes Heiligen Geistes bezeugt.“

15 BARTH: Protestantische Theologie, S. 410.

16 BUSCH: Leidenschaft, S. 230.

17 KD I/2, S. 273.

18 BUSCH: Leidenschaft, S. 232.

19 DIETRICH BRAUN bezieht sich hier v.a. auf die Arbeit des katholischen Theologen Rosato (= ROSATO, PhilippJoseph: Karl Barth´s Theology of he Holy Spirit. God´s noetic realization of the ontological relationshio betweenJesus Christ and all men. Diss. Tübingen, 1976.) und auf dessen Kernthese, dass sich BARTHS Pneumatologie vonder Dialektik über den Christozentrismus zur Analogie entwickelt habe. Vgl. BRAUN: Heiliger Geist, S. 33, DERS.:Strukturen, S. 174f.

20 Vgl. BRAUN: Heiliger Geist, S. 38.

21 Dieser Umstand wird die Pneumatologie in der KD maßgeblich bestimmten. Sie ist „[…] und bleibt bei Barthsowohl in den ersten Bänden der KD als auch in der Versöhnungslehre ein Artikel, der im Rahmen des zweitenArtikels entwickelt wird, also streng im Rahmen der Soteriologie (VAN DER KOOI: Schleiermacher und Barth, S.225f.).

22 DIETRICH BRAUN ist der Ansicht, dass dieser Aspekt gegenüber der allmählichen Christozentrik in den Ansichten BARTHS zurücktritt (Vgl. a.a.O.).

23 BARTH, Karl: Der Römerbrief, München 21922, S. 268: „[Im] Geist ist die ewige Entscheidung in Gott gefallenfür den Menschen, im Menschen gefallen für Gott! Denn Geist heißt Christus gehören in seiner Frage und darumin seiner Antwort, in seinem Nein und darum in seinem Ja, in seiner Sünder und darum in seiner Gerechtigkeit, inseinem Tod und darum in seinem Leben stehen. Geist ist darum existentielle Sinn-Gebung, Sinn-Setzung, Sinn-Schöpfung. Sinn tritt ins Sein und Sein wird Sinn. Geist hat also nichts neben sich, nichts gegen sich. Geist istKampf, Übermacht, Sieg und Diktatur in Einem, nie, gar nie etwa zugleich Ruhe, Gleichgewicht, Ausgleich, Tole-ranz, Geist heißt Entweder - Oder, aber ein schon vorweggenommenes Oder. Geist heißt Erwählt- und eben darumin keinem Sinn Verworfensein.“

24 BRAUN: Heiliger Geist, S. 39. Unter den beiden Polen versteht BRAUN die Geschichte Jesu von Nazareth, in dessen Leidensgeschick sich vor zweitausend Jahren Gott offenbart hat (Vergangenheit) und den Glauben an den auferstanden Christus, der seitdem Zeuge der göttlichen Offenbarung ist, die - nunmehr im Barthschen Sprachduktus - in der Vergangenheit vollgültig geschehen und eschatologisch verheißen ist (Zukunft). „Gott in seiner Offenbarung gibt dem Menschen real Anteil an dem, was er ihm für die Zukunft versprochen hat und was er für ihn schon vollbracht hat damals und dort am Kreuz von Golgatha“ (a.a.O.).

25 Die Abwehr BARTHS gegen die Philosophie ist sogar noch in seinem Schleiermacher-Nachwort zu finden. Dort wirft er SCHLEIERMACHER vor, dass dieser eigentlich Philosophie und keine Theologie betreibe, da er den Menschen aus einem souveränen Bewusstsein heraus denken und fühlen lasse (Vgl. DANTINE: Theologie des Heiligen Geistes, Sp. 403). Außerdem konstatiert BARTH, dass SCHLEIERMACHER mit seiner - durchaus legitimen, aber unter Subsumtion der objektiven Realität Christi unter die subjektive Realität des frommen Bewusstseins - Lehre vom Geist dem „[…] christlichen Glauben durch die Art seines Eingehens auf die Denkweise seiner Zeitgenossen schwer geschadet habe“ (BARTH: Protestantische Theologie, S. 413, Anm. 15).

26 Vgl. BRAUN: Heiliger Geist, S. 40.

27 Am Aspekt der Freiheit hält BARTH bis zur Abfassung der KD fest. „Die Sätze über die Wirkungen des HeiligenGeistes sind Sätze, deren Subjekt Gott ist und nicht der Mensch, und in keinem Sinn dürfen sie in Sätze über denMenschen umgedeutet werden“ (KD I/1, S. 485) bzw. „[indem] es im Heiligen Geist wirklich ist, daß wir für Gottfrei sind, ist schon darüber entscheiden, daß wir anders denn im Heiligen Geist nicht für Gott frei sind“ (KD I/2, S.265f.).

28 BARTH: Entwurf, S. 268. Vgl. auch: GA II/14, S. 166; KD I/1, S. 473.

29 Vgl. BRAUN: Heiliger Geist, S. 42.

30 BARTH: Entwurf, S. 272.

31 Vgl. BRAUN: Heiliger Geist, S. 46.

32 Vgl. a.a.O.

33 BARTH: Dogmatik, S. 160. Zum Aspekt der Freiheit im Geist Gottes, vgl. auch: ETZELMÜLLER: Pneumatologische Grundentscheidungen, S. 19-27.

34 Ebd., S 162, vgl. auch zit, nach BUSCH: Einblicke, S. 86f.: „Christlich gut, erlaubt und geboten - … als Werkder Freiheit, zu der Jesus Christus die Seinen befreit hat, zu der sie in der Kraft des Heiligen Geistes frei sind - istdas Tun, das in der Verantwortung der Kinder Gottes ihrem Vater gegenüber und also im Zuge dessen Anrufunggeschieht.“

35 Noch in der KD findet sich dieser Gedankengang in Bezug zur Offenbarung Gottes. So negiert BARTH, dass„[…] die Offenbarung etwas in sich Abgeschlossenes ist. Denn indem es sich in ihr inhaltlich um die Gemeinschafthandelt, in die sich Gott mit dem Menschen versetzt, um ihn in die Gemeinschaft mit sich zu versetzen, indem das„für uns“ geschehen ist, indem der Gekreuzigte als der Lebendige die im Kreuz vollzogene Versöhnungstag offen-bart, drängt sie von sich aus über sich hinaus in die Menschheit zu allen Zeiten […]“ (KD I/1, S. 334).

36 BRAUN: Heiliger Geist, S. 47. Dass bei BARTH die Lehre vom Wort Gottes als Synonym zur Lehre vom Heiligen Geist verwendet werden kann, vertritt auch EDUARD BUSCH, wenn er urteilt, dass „die von Barth betriebene christologische Theologie des Wortes Gottes, […] von dem Aufweis abhängt, daß sie eine Theologie des Geistes in sich schließt“ (BUSCH: Leidenschaft, S. 228; vgl. KD I/2, S. 228).

37 Ebenfalls zu finden ist sie in der KD, wie EDUARD BUSCH aufzeigt. Vgl. dazu: BUSCH: Leidenschaft, S. 236.

38 Vgl. BRAUN: Heiliger Geist, S. 52.

39 BARTH: Fides, S. 46.

40 A.a.O., S. 52. Aus besagter Einsicht, so DIETRICH BRAUN, zieht BARTH drei Konsequenzen. “1. Der Glaube, der dem Christen gegeben wird, und der Glaube, durch den der Christ erleuchtet wird, sind der Wahrheit analog, an der der Glaubende partizipiert, der Wahrheit Gottes selbst! 2. Der Glaubende, der nach der Verständlichkeit seines Glaubens sucht, entdeckt, daß dessen Wahrheit auf derselben offenbarenden Mach Gottes beruht, die ihm als Autorität begegnet und die ihn erleuchtet. […] 3. Der Schlüssel von Anselms gesamter Agumentation [ist] darin zu entdecken, daß die noetische ratio und necessitas des Glaubens […] der vorgängigen ontischen ratio und necessitas des Glaubens entspricht, d.h. ihr analog ist, indem sie es durch dieselbe offenbarende Gottesmacht wird […]” (BRAUN: Heiliger Geist, S. 52f.). Vgl. auch BECKER: Erkenntnis, S. 51.

41 BARTH: Fides, S. 27: „Die Begründung liegt in dem Faktum des Credo und das credo im Faktum der göttlichen Offenbarung.“

42 Ebd., S. 47.

43 Vgl. dazu: BRAUN: Heiliger Geist, S. 56-65.

Details

Seiten
42
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668504172
ISBN (Buch)
9783668504189
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372252
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Theologische Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Karl Barth Pneumatologie Geist Gottes Kirchliche Dogmatik Systematik Versöhnungslehre

Autor

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Titel: Die Pneumatologie Karl Barths