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Sportliche Leistungen feststellen, bewerten und benoten. Ein Diskussionsbeitrag zur Benotung im Sport

Hausarbeit 2017 20 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellungen

2 Sport und Leistung
2.1 Leistungen feststellen
2.2 Leistungen bewerten/benoten
2.3 Funktion der Sportnote
2.4 Probleme bei der Bewertung

3 Was spricht für/gegen Sportnoten

4 Fazit / Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schule ist ein Ort, in dem es um die Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen geht.

Hier verbringen sie einen sehr großen Teil ihres noch jungen Lebens, lernen vieles über sich und die Welt um sie herum, sehen sich mit Problemen konfrontiert, die es mit Hilfe von erlernten Fähigkeiten zu lösen geht und bilden nebenbei ihren Charakter. Außerdem ist die Schule eine Art Sozialisationsinstanz, die mit Hilfe von Regeln und Normen die Kinder auf das spätere Leben in der Gesellschaft und der Arbeitswelt vorbereitet. Von Respekt über Wertvorstellungen und den Umgang mit Autoritäten wird den Kindern alles vermittelt, was sie später zu mündigen Bürgern machen soll.

Doch ist die Schule auf der anderen Seite auch eine Art Selektionsmechanismus, der zwangsläufig mit Hilfe von Noten, die Leistung der SuS testet, bewertet und somit hierarchisiert. Die Schule betreibt also die Vorauslese und bestimmt zum großen Teil über die weitere akademische oder berufliche Zukunft der Kinder. Der Stellenwert der Leistung und die damit einhergehenden Effekte werden den SuS zwar teilweise vermittelt, dennoch haben die meisten Kinder auch gegen Ende der Schulzeit noch Probleme damit, die Wichtigkeit ihrer Leistung im Bezug auf ihr zukünftiges Leben zu realisieren und in ihrer Größenordnung einzuschätzen.

Im Sportunterricht geht es — wie in den anderen Fächern auch — darum, unter Anleitung der Lehrperson fachspezifische, inhaltliche und prozessbezogene Kompetenzen zu entwickeln. Es wird aber neben anderen Hauptfächern wie Mathe und Deutsch von der ersten Klasse an unterrichtet und kann in der Regel bis zum Schulabschluss nicht abgewählt werden. Der Stellenwert des Faches Sport ist mit der Zeit gestiegen, denn mittlerweile ist es in den meisten Städten ein gleichberechtigtes Abiturfach und versetzungsrelevant. Doch dies bringt nicht nur Vorteile mit sich, denn dadurch rücken die Sportnoten immer weiter in den Fokus der SuS und der Eltern und es entstehen häufig Probleme, bei denen die Sportlehrer in Erklärungsnot kommen.

Der Schulsport ist nämlich im wesentlichen den Vorgaben der Schulbehörden und des Kultusministeriums unterstellt, aber ist durch seine speziellen Inhalte und Methoden nicht mit anderen Fächern gleichzusetzen. Stehen in anderen Fächern meist kognitive Fähigkeiten im Mittelpunkt, die zu gewissen Zeitpunkten schriftlich überprüft werden um den Wissensstand der SuS ermitteln zu können, ist es beim Sport der Körper und die motorischen Fähigkeiten, die hauptsächlich im Fokus liegen.

Die Besonderheit liegt deswegen in den vielen verschiedenen Sportarten, die alle unterschiedliche Methoden zur Überprüfung und Bewertung mit sich bringen und häufig nicht präzise und objektiv — wie beispielsweise durch eine Mathearbeit — benotet werden können. Außerdem ist Sport auch das einzige Fach, in dem die genetisch bedingten körperlichen Merkmale eine signifikante Rolle in der Leistungsfähigkeit der SuS spielen und somit die Frage von Gerechtigkeit und Fairness häufig thematisiert wird (Tillmann, 2001, S.45).

1.1 Fragestellungen

Die besondere Position des Unterrichtsfaches Sport und alle dazu gehörigen Besonderheiten und Probleme werfen also einige Fragen auf, die es in dieser Arbeit zu untersuchen und zu diskutieren gilt:

- Was macht Sport zu einem besonderen Unterrichtsfach ?
- Welche Probleme können bei der Benotung entstehen ?
- Welche Funktion erfüllt die Sportnote ?
- Sollte man die Sportnote abschaffen oder nicht ?

Zur Beantwortung dieser Fragen wird zunächst der besondere Zusammenhang von Sport und Leistung untersucht, um dann die Besonderheiten in der Leistungsfeststellung und Leistungsbewertung im Schulsport darzustellen. Danach wird die Funktion der Sportbenotung durchleuchtet, damit in Folge dessen die Vor- und Nachteile dieser zu diskutieren werden können, um schließlich einen Ausblick auf die Zukunft wagen zu können.

2 Sport und Leistung

Der Aspekt der Leistung spielt im Sportunterricht eine genau so wichtige Rolle, wie in den anderen Fächern auch. Im Laufe des Schuljahres ist es das Ziel, die SuS dazu zu motivieren sich am Unterricht zu beteiligen, Inhalte und Fähigkeiten zu erlernen und zu verbessern, um im Zeitpunkt der Überprüfung Leistungen zu erbringen, die dann von der Lehrperson beurteilt und bewertet werden. Die Leistung ist im Endeffekt also die Anforderungserfüllung (vgl. Scherler 2000, S. 170). In vielen Fächern gibt es die Unterscheidung zwischen falsch und richtig, als Ergebnis einer Leistungsüberprüfung, im Sportunterricht ist dies nicht immer so einfach. Die Schwierigkeit beginnt bereits bei der Offenheit in den vorgegebenen zu vermittelnden Lernzielen und Kompetenzen, die von den SuS in den unterschiedlichen Erfahrungs- und Lernfeldern erlernt werden sollen. Dabei ist es den Sportlehrern/innen im größten Teil freigestellt, in welcher Art und Weise diese vermittelt werden, sodass es im Vergleich zu den Fachkollegen meist zu Unterschieden kommt. Darüber hinaus sind nicht nur die Methoden und Inhalte flexibel, sondern auch die Leistungsfeststellung und die Zusammenstellung der Endnote. Hier ist es besonders wichtig genau zu wissen was man genau vermitteln und später testen möchte und wie man das am besten macht. Es stellt sich also die Frage, wie werden Leistungen festgestellt und bewertet und was für Probleme können dabei entstehen?

2.1 Leistungen feststellen

Bevor eine Leistung beurteilt und benotet wird, erfolgt immer eine Leistungsfeststellung. Diese kann je nach Sportart und Fähigkeit, die die Sportlehrkraft abprüfen möchte, sehr unterschiedlich aussehen. Für einige Sportarten wie Leichtathletik oder Schwimmen gibt es einerseits strikte — und meist vorgegebene — Bewertungstabellen, welche eine rein objektive Leistungsfeststellung erlauben. Andererseits gibt es aber auch in allen Sportarten Dinge wie Technik (die meist auch sehr an Normen angepasst ist), Spielintelligenz und Teamfähigkeit, die zur Überprüfung meist subjektiv betrachtet und bewertet werden müssen. Im Unterschied zum Wettkampfsport außerhalb der Schule, wo es nur um das Gewinnen geht und jede Leistung, die nicht zu Erfolg führt ungenügend war, ist es in der Schule viel komplexer. Es gibt sehr viel mehr Fähigkeiten, die beobachtet und bewertet werden müssen und dies gibt dem/der Lehrer/in viel mehr Freiraum in der Erstellung der Bewertungskriterien, den Methoden und der Beurteilung. Neben motorischen Fähigkeiten müssen auch soziale Aspekte und Leistungsvorraussetzungen beachtet und bewertet werden.

Die Leistungsfeststellung sollte zunächst eine wertfreie Wahrnehmung dessen sein, was beobachtbar ist. Im Fokus sollten Leistungen, Fertigkeiten, Fähigkeiten/Kompetenzen sein, die vorher zusammen im Laufe der Unterrichtseinheit(en) vermittelt, erprobt und erlernt worden sind. Dabei muss man aber beachten, dass nicht alles sichtbar sein kann, denn hinter der Realisierung/der Performance am Tag der Leistungsfeststellung liegt die Kompetenz, die mit das Wichtigste Kriterium in den curricularen Richtlinien ist. Wenn also eine Performance, sei es eine Spielsituation, ein Lauf, eine komplexe Technikdarbietung o.Ä., die an einem speziellen Tag von sehr vielen Faktoren beeinflusst werden kann, der hauptsächliche Aspekt für die Beurteilung ist, dann ist das Resultat kein Ergebnis aus all denjenigen Faktoren, die man eigentlich überprüfen wollte, sondern lediglich eines, dass die Performance-Fähigkeit — mit Druck umgehen beispielsweise — , feststellt (vgl. Benischek, 2006, S. 92f.).

Aus diesem Grund ist es nicht immer möglich rein objektive Messungen vorzunehmen und alle Inhalte und Prozesse des Unterrichts darauf abzustimmen, dass eine möglichst optimale/maximale Endleistung (Höhe, Weite, Zeit, Körbe, Tore etc.) am Tag X abgeliefert wird. Objektive Methoden zur Leistungsfeststellung können aber trotzdem ein ziemlich genaues Mittel dafür sein, den Leistungsstand der SuS abzubilden, wenn man sie beispielsweise häufiger macht und auch auf andere leistungsbeeinflussende Faktoren achtet. Im Großen und Ganzen sollten aber optimalerweise alle Methoden zur Feststellung der Leistung im Sportunterricht den folgenden Aspekten entsprechen:

➡ Objektivität ➡ Reliabilität ➡ Validität

Die Objektivität setzt voraus, dass die Leistungsmessung nicht vom Messenden abhängig ist, es sollten also verschiedene Personen zum gleichen Ergebnis kommen. Wenn die Objektivität nicht ausreichend gegeben ist, dann ist das Messergebnis/die Leistung mehr von der Messperson abhängig, als vom Leistenden (SuS). Hierbei sollte man unterscheiden zwischen ergebnisorientierten Sportarten (Leichtathletik, Schwimmen etc.) und verlaufsorientierten Sportarten (Basketball, Turnen etc.), bei letzteren müssen andere (qualitative) Maßstäbe zum Einsatz kommen, die in der Hand der Lehrperson liegen (vgl. Scherler, 2000, S. 172).

Durch die Reliabilität sollen Messungen zuverlässig sein und bei wiederholter Anwendung auch durch andere Personen, aber unter den gleichen Bedingungen zum gleichen Ergebnis führen. Hierbei sollten Messmethoden, Messinstrumente oder Lehrpersonen möglichst genaue und richtige Beobachtungen ermöglichen und Wahrnehmungs- bzw. Urteilsschwankungen minimieren und gleichzeitig die Abhängigkeit der Leistung von äußeren Einflussfaktoren vermeiden. (vgl. Volkamer, 1978, S. 35).

Im Hinblick auf die Validität müssen Methoden ausgewählt werden, die genau das messen, was gemessen werden soll, sprich die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die man überprüfen will. Im Schulalltag ist es relativ schwierig all diese Kriterien zu 100 Prozent zu erfüllen. Zumal es sehr schwer ist, an einem Stichtag und mit einer Methode alle für die Bewertung relevanten Faktoren gleichzeitig zu beobachten. Deswegen werden im laufenden Unterricht bereits viele Informationen gesammelt, die später nicht nur in die Bewertung, sondern bereits in den Prozess der Leistungsfeststellung mit einfließen (Scherler, 2000, S.174).

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Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668505940
ISBN (Buch)
9783668505957
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372855
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
Schlagworte
Pädagogik Sportpädagogik Sport Didaktik Bewertung Benotung Leistung Leistungsbewertung Leistungsfeststellung Diskussion Sportnote Sportwissenschaft Schule Schulsport Sportnote abschaffen

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