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Das Runde im Eckigen. Fußball in der deutschsprachigen Literatur

Magisterarbeit 1999 154 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Fragestellung

2. Eine kurze Geschichte des Fußballs in Deutschland
2.1. "Das englische Spiel" - Vom Volksfußball zum Schulsport
2.2. Die Weimarer Republik und der Breitensport

3. Die zwanziger Jahre - Fußball als Modernisierungsphänomen
3.1. "Der Fußballwahn ist eine Krank-" - Joachim Ringelnatz
3.2. Der Ball auf der Bühne - Fußballspieler und Indianer
3.3. Ein Tag im Stadion - Die Fußballplatzangst des Karl Valentin

4. "Feldherren der Fußballschlachten" - Fußball im "Dritten Reich"
4.1. Sport als Propagandainstrument
4.2. Mitläufer und Täter - Fußballspieler im "Dritten Reich"
4.3. Kaffeehauskultur und Fußball - Literatur in den dreißiger Jahren
4.3.1. Die Wiener Schule - Jüdische Literatur und Sport
4.3.2. "Er spielte stets, er kämpfte nie" - Mathias Sindelar und der österreichische Fußball der dreißiger Jahre
4.3.3. Der Tod eines Fußballspielers - Friedrich Torberg

5. "Das Wunder von Bern" 1954 - Fußball, Mythen und Politik
5.1. Der deutsche Fußball nach dem Zweiten Weltkrieg
5.2. Wir sind wieder wer!
5.3. "Vor dem Spiel ist nach dem Spiel" - Die Herberger-Legende
5.4. Das Unverständnis der Dichter- Literatur der fünfziger Jahre
5.5. "Toni, du bist ein Fußballgott!" - Der Sonntag, an dem Friedrich C. Delius Weltmeister wurde
5.6. Verschwörungen im "Hexenkessel von Göteborg" - WM

6. Fußballgedicht und Wembleytor – Die sechziger Jahre
6.1. Die Modernisierung des Spiels
6.2. Das Tor von Wembley - WM 1966 in England
6.3. Ablehnung und Annäherung - Die Literatur der sechziger Jahre
6.3.1. Die Belagerung von Müngersdorf - Heinrich Böll
6.3.2. Uweh uweh uweh! - Die jungen Wortspieler
6.3.3. Die Angst des Dichters beim Elfmeter - Peter Handke
6.3.4. Die Weltmeisterschaftskrimis von Erich Loest - Fußball in der DDR

7. Utopie und lange Mähnen - Der Fußball in den Siebzigern
7.1. Die Befremdung der Linken - Faszination und Skepsis
7.2. "Sozialaufsteiger am Ball" - Fußball und zaghafter Kapitalismus
7.3. Der Mythos vom linken Fußballer
7.3.1. Bayern oder Gladbach, rechts oder links?
7.3.2. "Netzer kam aus der Tiefe des Raums"
7.4. Die Frankfurter Eintracht und die Neue Frankfurter Schule

8. Fußball als literarischer Auftrag - Eckhard Henscheid und Ror Wolf
8.1. "Fußball ist wichtiger als Camus" - Die Verbindung von Hochkultur und Fußball bei Eckhard Henscheid
8.2. Texte aus der Tiefe des Raums - Intellektuelle Offenbarungen
8.3. "Inmitten gewalt'gen Gestöhnes" - Das Ende der deutschen Fußballherrlichkeit
8.4. "Im Fußball findet sich eine ganze Menge Welt" - Das fußballerische Werk von Ror Wolf
8.4.1. "Punkt ist Punkt" - Ror Wolfs literarische Fußballtexte
8.4.2. "Ball, Ball, Ball, Ball, Ball, Ball ... - Die Hörspiel-Collagen
8.4.3. "Rotweißrot ins Himmelreich" - Die Stunde des Edi Finger

9. Die achtziger Jahre
9.1. Die Befreiungstheorie des Fußballs - Das Menotti-Manifest
9.2. Die Schande von Gijon - WM
9.3. Die Suche nach einer Ästhetik des Fußballs - Die Literatur der achtziger Jahre
9.3.1. Die neue deutsche Innerlichkeit
9.4 Hymnen und Hohn - Eckhard Henscheid zum zweiten
9.4.1. "Hymne auf Bum Kun Cha" - Erhabenheit und Parodie
9.4.2. Standardsituationen - Die Isolation der Intellektuellen
9.5. "Herr Maradona in der Heldenrolle" - Ein modernes Epos

10. Von der Ästhetik des Fußballs
10.1. Die Besonderheiten des Fußballs
10.2. Die Liebe zum Fußball
10.3. Die unerfüllte Liebe der Intellektuellen
10.4. Die wahre Liebe findet im Stadion statt
10.5. It's a Man's World - Ein Exkurs
10.6. "Sie konnten zueinander nicht kommen..." - Die Intellektuellen und der Sport

11. Fußballboom und Bücherschwemme - Die neunziger Jahre
11.1. Deutschland gegen den Rest der Welt - WM
11.2. Fußball und Privatfernsehen
11.3. "Vanitas! vanitatum vanitas!" - Der Untergang der DDR-Oberliga - Ein Exkurs
11.4. Fußballboom und Bücherschwemme - Literatur in den neunziger Jahren

12. Fazit

Verwendete Literatur

"Doch was vermag die jambische Strecke eines Schillerschen Monologs gegen einen Flankenlauf Garrinchas oder Libudas? Was besagt ein Shakespearescher Theatertod gegen das entscheidende Kopfballtor in der 92. Minute? Die zeitgenössischen Dramen voll Schicksal und Tragik finden nicht mehr auf den überholten Bühnen der Stadttheater statt, sondern in den Fußballstadien."

(Helmut Böttiger)

1. Einleitung und Fragestellung

Fußball ist ein wenig beachtetes Thema in der Germanistik, das sich jedoch, ähnlich wie andere Modernisierungsphänomene des zwanzigsten Jahrhunderts, in allen Bereichen der Literatur wiederfindet. Neben dem Film und der Popmusik hat sich der Sport zu einer typischen Massenerscheinung entwickelt. Dies gilt bis heute: Jede Saison ziehen bis zu 10 Millionen Zuschauer in die Fußballstadien, über acht Millionen Fernsehzuschauer hat die Bundesliga jeden Samstag in der Spielzeit. Während der Weltmeisterschaften werden sogar ansonsten uninteressierte Men­schen zu Fußballfans.

Mit dieser Arbeit wird versucht, zwei scheinbar unvereinbare Dinge zusammenzu­bringen: Fußball und Literatur. Die Idee dazu kam mir durch die Lektüre des Ro­mans "Ballfieber (Fever Pitch)"1 des englischen Autors Nick Hornby, der im Frühjahr 1996 in kürzester Zeit zu einem Kultbuch unter Fußball- und Literaturbe­geisterten wurde. Hier war die Verbindung von Fußball und Literatur bestens ge­glückt. "The best football book ever was written"2 begeisterte auch die Kritiker des Feuilletons, und die tageszeitung (taz) schwärmte: "»Fever Pitch« gehört minde­stens zu den besten Büchern der neunziger Jahre."3

Wie kommt es, daß in der deutschen Literatur ein derartiges Massenphänomen wie Fußball nur als Marginalie vorkommt? Um diese Frage zu beantworten, war es auch nötig, die Ursprünge des Fußballs in Deutschland anhand von literarischen Texten zu betrachten. Das machte eine umfangreiche Recherche nötig. Außer in satirischen oder ironischen Texten, in Kolportagegeschichten, in der Kategorie "Heiteres" und im Jugendbuch waren mir Fußballtexte bis dahin kaum bekannt. Bei der weiteren Suche stellte sich heraus, daß aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg keine Texte zu finden waren. Dies hing offensichtlich mit der mangelnden gesell­schaftlichen Präsenz des Fußballs im Kaiserreich zusammen. Im zweiten und dritten Kapitel soll deshalb gezeigt werden, wie mit der zunehmenden Popularisierung des Sports in Deutschland auch der Fußball ein literarisches Thema wurde. Mit der Zeit des Na­tionalsozialismus beschäftigt sich das vierte Kapitel. Hier sollen die Zusammen­hänge von Fußball und Gesellschaft des "Dritten Reichs" behandelt werden. Da es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine literarischen Fußballtexte aus dem Deutschland dieser Zeit gibt, habe ich mich hier vor allem mit der österreichischen Fußball-Literatur auseinandergesetzt.

Die Zeit des Wirtschaftswunders nach dem Krieg wird im fünften Kapitel behan­delt. Anhand der Kindheitserinnerungen von Friedrich C. Delius ist es möglich, die befreiende Wirkung des "Wunders von Bern" und die politischen Auswirkungen der Fußballweltmeisterschaft von 1954 aufzuzeigen. Die Schwierigkeiten der deut­schen Schriftsteller in den fünfziger Jahren beim Thema Fußball sollen ebenfalls thematisiert werden. Die Mythenbildung um Sepp Herberger und die dem Fußball innewohnende Nähe zu Religion und Mysterium sind ebenfalls in dieses Kapitel miteinbezogen.

Die politischen Veränderungen der sechziger Jahre wirkten sich auch auf die Lite­ratur aus. Während die arrivierten Schriftsteller dem Massensport kritisch gegen­über standen, näherte sich eine neue Generation von Dichtern gesellschaftsrelevan­ten Themen an. Zwar wurde das Thema Fußball wie bei Peter Handke vor allem als Provokation benutzt, dennoch wirkte sich die Faszination des Spiels auch in den Texten aus. Das literarische Spielen mit dem Ball fand damals in der DDR statt, aufgrund von politischer Opportunität führte diese Art von Literatur aber, genau wie das Spiel, eher ein Mauerblümchendasein. Nur im Bereich Kriminalliteratur gab es eine Oase, die es dem Schriftsteller Erich Loest ermöglichte, trotz Publikationsver­bot zu arbeiten.

Dieses ambivalente Verhältnis von Sub- und Hochkultur wird im siebten Kapitel ausführlicher behandelt. Anfang der siebziger Jahre wurde das Thema Fußball von den Intellektuellen in die politische Diskussion einbezogen. Mit der Ideologisierung des Spiels gelang es ihnen, den Mythos eines "Linken Fußballs" aufzubauen. Die Propagandisten dieser Theorie sorgten für eine Belebung der Fußball-Literatur, auch das Feuilleton widmete sich nun dem Massenthema.

Die beiden Autoren, für die der Fußball zu einem zentralen Thema wurde, Ror Wolf und Eckhard Henscheid, kommen in einem eigenen Kapitel, dem achten, zu Wort. Anhand von Henscheids Romantrilogie soll untersucht werden, wie es ihm gelingt, seine persönliche Vorliebe für den Sport mit der literarischen Verarbeitung hoch­kultureller Stoffe auf satirische Art und Weise zu verbinden. Wolfs langjährige Be­schäftigung mit dem Fußball hat noch mehr Früchte getragen. Seine Fußballbücher, die er aus Textcollagen und Zitaten zusammenstellte, und seine Radiohörspiele, die er ebenfalls aus vorhandenem Tonmaterial zusammenschnitt, gehören zum Wichtig­sten, was zum Thema Fußball erschienen ist.

Wie weit die Theorie vom "politischen Fußball" haltbar ist, wird zu Beginn des neunten Kapitels untersucht. Der Rückzug der Schriftsteller in eine "neue Innerlich­keit" wirkt sich auch auf die literarische Beschäftigung mit dem Fußball aus. Nur einige Unentwegte bleiben beim Thema. Das zehnte Kapitel wird sich mit der Be­sonderheit des Spiels auseinandersetzen. Die Ästhetik des Spiels und ihr Nieder­schlag in der Literatur sollen helfen, die Faszination zu begreifen, die erwachsene Menschen zu Anhängern und Besessenen macht. Von dem persönlichen Verhältnis der Intellektuellen zum Sport und ihrer Verehrung und von der obsessiven Liebe der Fußballfans wird hier ebenfalls die Rede sein.

Im letzten Kapitel geht es um das heutige Verhältnis von Literatur und Fußball. Das gesteigerte Interesse am Sport und seine technischen und gesellschaftlichen Ursa­chen werden überprüft. Auch wird noch einmal auf das Ende der DDR-Oberliga und dessen literarische Auswirkungen eingegangen. Die wahre Flut von Büchern, die passend zur Fußballweltmeisterschaft im letzten Jahr auf den Markt gebracht wurde, hat das Genre Fußball-Literatur gewaltig erweitert. Die endgültige Kom­merzialisierung des Fußballs machte das Thema auch für den Buchmarkt interes­sant, einige der neueren Fußballbücher sollen hier im Rahmen eines Ausblicks kurz präsentiert werden.

Zu Beginn der Recherchearbeiten schien es schwierig zu sein, genügend literari­sches Material zum Thema "Fußball in der deutschsprachigen Literatur" zu finden. Die Suche nach einem deutschen Pendant zu "Ballfieber" war erfolglos, doch fan­den sich unerwartet viele Texte, die sich mit dem Fußball beschäftigten. Bei vielen ihrer Autoren hätte ich eine Affinität zum Fußball nicht vermutet.

Da die Grenzen zwischen Hoch- und Unterhaltungsliteratur gerade beim Thema Fußball fließend sind, habe ich mich bei der Auswahl der behandelten Werke nicht von den üblichen literarischen Kategorisierungen beeinflussen lassen. Sowohl "U-" als auch "E-Kultur" werden behandelt, in den Bereichen Belletristik und Sachbuch habe ich gestöbert, gedruckten Texten, Tonträgern und Videofilmen gleichermaßen Auf­merksamkeit geschenkt. Es war bei den Texten auch nicht wichtig, welcher Art von "Fußballbüchern" sie entnommen waren, ob großen prächtigen Weltmeisterschafts-Bildbänden mit kurzen Beiträgen oder wissenschaftlichen Abhandlungen, die sich intensiv mit spezifischen Problemen auseinandersetzten. Gemeinsam war ihnen nur das Thema: der Fußball.

Die diversen Fachgebiete verlangten für diese Arbeit eine während des Studiums selten erlebte Interdisziplinarität, die sprachlichen Anforderungen des Themas einen offenen Umgang mit der Sportsprache. Gewisse sprachliche Irritationen waren die Folge des Zusammentreffens von Sport- und Wissenschaftssprache und ließen sich nicht vermeiden.

Eins hatte die germanistische Beschäftigung mit dem Fußball mit dem eigentlichen Spiel gemeinsam: Auch mit fortgeschrittener Spielzeit blieb es spannend.

2. Eine kurze Geschichte des Fußballs in Deutschland

Der erste Nachweis des Wortes Fußball in der deutschsprachigen Literatur ist in der Shakespeare-Übersetzung von Wolf Graf Baudissin aus dem Jahr 1844 zu finden. In der "Komödie der Irrungen" klagt der Diener Dromio:

"Bin ich so rund mit Euch wie Ihr mit mir,

Daß ihr mich wie 'nen Fußball schlagt und stoßt?

Hin und zurück nach Lust schlägt mich ein jeder,

Soll das noch lange währn, so näht mich erst in Leder."4

Das Interessante an dieser Stelle ist, daß das Wort "football" aus dem Originaltext5 in einer früheren Übersetzung aus der Zeit um 1762 von Christoph Martin Wieland mit "Kugel"6 übersetzt wird, und das runde "leather" bei ihm ein "ledernes Futte­ral" wird. Das weist darauf hin, daß Wieland mit dem Wort football nichts Rechtes anfangen konnte, während es bei Baudissin sogar eine metaphorische Funktion erfüllt. Die Vermutung, daß Baudissin bei einem Englandaufenthalt etwas vom da­mals gerade wieder populär werdenden Fußballspiel erfahren hat, liegt nahe. Die nächsten Zeugnisse literarischer Beschäftigung mit dem Fußball in Deutschland liegen bereits im nächsten Jahrhundert.

Im zwanzigsten Jahrhundert wurde Fußball zu einer wichtigen Modernisierungs­erscheinung in Europa. Mit der zunehmenden Popularisierung des Fußballs ist auch die literarische und publizistische Beschäftigung mit diesem Massenphänomen ge­wachsen. Um die Entwicklung des Fußballs in Deutschland nachvollziehen zu kön­nen, bedarf es einiger kurzer historischer Erläuterungen.

2.1. "Das englische Spiel" - Vom Volksfußball zum Schulsport

Es sind mehrere Vorfahren des heutigen Fußballs auszumachen, die ersten fuß­ballähnlichen Spiele gab es bereits im alten China und in Japan, bei den Indianern Südamerikas gab es rituelle (Fuß-)Ballspiele, und der historische "calcio" der Re­naissance wird auch noch heute jedes Jahr in Florenz aufgeführt..7

Die Vorurteile gegenüber dem Fußball haben eine ebensolange Tradition, und das nicht zu Unrecht. Das ursprüngliche britische Volksfußballspiel, dessen Ursprünge bis ins frühe Mittelalter verfolgt werden können, war ein rauhes und derbes Kampfspiel. Man spielte zwischen zwei Dörfern, ohne Regeln, ohne Spielfeld, mit unbegrenzt vielen Spielern.8

"Das Spiel wurde vornehmlich von »Bauernlümmeln« und Gesellen betrie­ben, während sich die Aristokratie und die Bürger von ihm fernhielten. Der Niedergang dieser Form des frühen Fußballs korrespondierte mit dem Vor­marsch der industriellen Revolution, die die Unterklassen in ein drakonisches Fabriksystem preßte und für das wilde und unregulierte Volksspiel - anders als die naturorientierte Zeiteinteilung der Agrargesellschaft - keine Zeit mehr ließ"9, beschreibt Dietrich Schulze-Marmeling den Untergang des Volksfußballs.

Auch staatliche Repressionen sorgten für eine Einschränkung und verhinderten eine weitere Ausbreitung des Spiels. Die Ausschreitungen während und nach solchen Spielen sorgten schon früh für die Diskreditierung des Fußballs. Ob in England oder Italien, bereits im Mittelalter beklagte die Öffentlichkeit Lärm, Prügeleien und Alkoholexzesse - heute würde man dergleichen als Hooliganismus bezeichnen - immer wieder wurden Fußballspiele verboten.10

Das Spiel als solches überlebte, trotz aller Repressionen durch die Behörden, an den Public Schools, wo es der körperlichen Ertüchtigung dienen sollte. Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Schulen immer mehr Schüler aus Aristokratie und Bür­gertum hatten, wurde aus dem Proletensport mehr und mehr ein Wettkampfsport, der auch modifizierter Regeln bedurfte. Parallel zur Reformierung des Schulsy­stems entwickelte man 1845 in der sehr bürgerlich geprägten Public School in Rugby das erste schriftlich festgehaltene Regelwerk: "Das Spiel wurde seiner allzu brutalen Züge entledigt, und anstelle eines realen Kampfes trat ein »Scheinkampf«, ein Wettkampf auf höherem Zivilisationsniveau."11

Durch die Einführung von Regeln, Festlegung von Spielerzahl, Spielzeit und Spiel­feld wurde aus dem derben Volksspiel nun ein auch für Bürger zulässiger Sport. Die vier Jahre später im vornehmeren Eton erlassene Regel, die ein Spielen des Balles mit der Hand absolut verbot, spaltete schließlich football und rugby.

An den deutschen Knabenschulen des Kaiserreichs war man englischen Traditionen durchaus gewogen. Im Jahr 1874 führte der Braunschweiger Turnlehrer Konrad Koch als erster das "englische Spiel" an seiner Schule ein. Der Fußball war in Deutschland angekommen. Im deutschen Kaiserreich wurde Fußball so vor allem ein Sport der Mittelschichten und war somit weder ein Spiel der Herrschenden noch eines der Massen. Im Ersten Weltkrieg wurde der Fußball dann sogar zum Front­sport, zahlreiche Soldaten kamen hier zum ersten Mal mit dem Ball und den Regeln in Berührung. 12 Literarische Belege zum Thema aus der Zeit vor dem Krieg sind nicht bekannt.

2.2. Die Weimarer Republik und der Breitensport

In der Weimarer Republik wurde im Sinne einer sozialen Bewegung eine staatliche Förderung des Breitensports propagiert. Das wirkte sich auch auf den Fußball aus.

Nach dem ersten Weltkrieg erlebte der Fußballsport einen massiven Aufschwung, die Anzahl der Mitglieder im Deutschen Fußball-Bund (DFB) stieg bis 1925 auf über 750.000 Mitglieder an und hatte sich so im Vergleich zu 1913 mehr als ver­fünffacht.13 Einer der Gründe für die Wandlung zum Massensport war sicher die Einführung des 8-Stunden-Arbeitstages in der Weimarer Republik. Angesichts der täglichen Arbeitszeiten von über 10-12 Stunden war Freizeitsport für körperlich schwer Arbeitende, wie zum Beispiel Bergmänner, bis dahin völlig undenkbar ge­wesen. Und gerade in den Regionen des Ruhrgebiets mit einem hohen Anteil an Industriearbeiterschaft begann die Aneignung des bisher bürgerlich dominierten Fußballspiels durch die Arbeiter:

"Genau genommen hat unser heutiger Volkssport [...] seine Seele in den gol­denen Zwanzigern bekommen, denn erst durch die Einbeziehung der Arbeiter wurde er »Sport zum Anfassen« und lockte auch das Massenpublikum ins Stadion"14, schreibt Hardy Grüne in seinem Buch über die Geschichte des Ligafußballs.

In der Weimarer Republik wurde vor allem durch öffentlichen Sportstätten- und Stadionbau eine Infrastruktur geschaffen, die massenhaftes aktives und passives Teilnehmen an Sportveranstaltungen erst möglich machte: So entstanden zum Bei­spiel 1922 das Duisburger Wedaustadion mit 40.000 Plätzen, 1927 das legendäre Stadion-Rote-Erde in Dortmund und 1928 die Glück-Auf-Kampfbahn in Schalke.15 Dadurch konnte der Fußball als Massenphänomen auch zu einem ge­samtgesellschaftlichen Thema werden, das den Alltag der zwanziger Jahre mit­prägte. Auch in Österreich läßt sich diese Entwicklung rekonstruieren. Bei einem Länderspiel in Wien im Jahr 1923 versuchten 85.000 Menschen in das neuerbaute Stadion auf der Hohen Warte zu kommen, wie der Historiker Michael John be­schreibt: "Spätestens seit diesem Spiel war evident, daß Fußball in Wien massen­mobilisierenden Charakter hatte. Eine ähnliche Massenaneignung kann nur für das Kino konstatiert werden."16 Der Einfluß des Fußballs auf die Gesellschaft der zwanziger Jahre läßt sich auch in der Literatur nachweisen.

3. Die zwanziger Jahre - Fußball als Modernisierungsphänomen

3.1. "Der Fußballwahn ist eine Krank-" - Joachim Ringelnatz

Eines der frühesten Werke fußballerischer Lyrik ist das Gedicht "Fußball (nebst Abart und Ausartung)" von Joachim Ringelnatz aus dem Jahr 1919. Er beschreibt die Geschichte eines vom Fußball Besessenen, der "psychopathisch rundum und generell auf alles reagiert, was sich ihm auch nur in fußballähnlicher Form offe­riert"17, so Karl Riha. Der Titel des Gedichts ist Programm: "Fußball (nebst Abart und Ausartung)".

"Der Fußballwahn ist eine Krank- Heit, aber selten, Gott sei Dank. Ich kenne wen, der litt akut An Fußballwahn und Fußballwut. Sowie er einen Gegenstand In Kugelform und ähnlich fand, So trat er zu und stieß mit Kraft Ihn in die bunte Nachbarschaft." Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel Ein Käse, Globus oder Igel, Ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar, Ein Kegelball, ein Kissen war, Und wem der Gegenstand gehörte, Das war etwas, was ihn nicht störte."18

Ringelnatz' Gedicht erinnert den Leser an ähnlich klingende literarische Vorfahren, etwa die Gedichte Wilhelm Buschs19 oder die Reime im "Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann20, und ähnlich altpädagogisch wird im Text auch versucht, den kickenden Helden zu bremsen:

"Kein Abwehrmittel wollte nützen, Nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen, Noch Puffer außen angebracht, Er siegte immer, 0 zu 8. Und übte weiter frisch, fromm, frei Mit Totenkopf und Straußenei."21

"Frisch, fromm, (fröhlich), frei" war der Leitspruch der ursprünglich demokrati­schen Bewegung des "Turnvater Jahn". Dessen Nachfolger, die angesprochenen "Brüder Jahns"22, insbesondere deren Verband, die Deutsche Turnerschaft, hatten diesen von Ringelnatz inszenierten "Fußballwahn" zu Kaiserzeiten stets selbst kriti­siert. Die "Fußlümmelei"23 galt im Gegensatz zum militärischen Turnen als un­deutsch. Ringelnatz' Persiflage steht in der Kontinuität seiner "Turngedichte", in denen er sich über die Deutschtümelei lustig macht:

"Erschreckt durch seine wilden Stöße, Gab man ihm nie Kartoffelklöße. Selbst vor dem Podex und den Brüsten Der Frau ergriff ihn ein Gelüsten, was er jedoch als Mann von Stand Aus Höflichkeit meist überwand."24

Man muß sich als Leser der Gedichte stets Ringelnatz in Aktion vorstellen, denn sie waren für den öffentlichen Vortrag geschrieben: "Ringelnatz brauchte keine Deko­rationen, Requisiten und Kostüme. In seinem Matrosenanzug mit den weiten Hosen und dem offenen Halskragen verwandelte er sich in jede Rolle. Seine Beweglichkeit und ausdrucksvolle Mimik ließen den Zuschauer sehen, was er sprach. Man meinte, die unsichtbaren Requisiten mit Händen zu greifen. Seine Turngedichte exerzierte er wie in der Turnhalle und zugleich verspottete er damit den deutschen Spießer und hirnlosen Vereinsmeier"25, so der Zeitzeuge und Ringelnatz-Biograph Herbert Günther.

Zum Gedicht über den Fußball existiert noch eine weitere Imaginationshilfe, um die Vortragssituation noch plastischer zu machen: "Ringelnatz [...], dieses furiose Ein-Mann-Theater, wurde einmal von seinem Freund Otto Linnemann beim Vortrag dieses Gedichtes gezeichnet: die Hände tief in den Taschen der Matrosenhose, den Ball in Gestalt einer Erdenkugel auf der gereckten rechten Fußspitze balancie­rend..."26 und gleichzeitig deklamierend:

"Was beim Gemüsemarkt geschah, Kommt einer Schlacht bei Leipzig nah. Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen Durchs Publikum wie wilde Bienen. Da sah man Blutorangen, Zwetschen An blassen Wangen sich zerquetschen. Das Eigelb überzog die Leiber, Ein Fischkorb platzte zwischen Weiber. Kartoffel spritzten und Zitronen, Man duckte sich vor den Melonen. Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse. Dann donnerten die Kokosnüsse."27

Und stets die vermeintliche Gefahr, die über dem Publikum schwebte, den imagi­nären Ball (oder was auch immer) an den Kopf zu bekommen.

"Genug! Als alles dies getan, Griff unser Held zum Größenwahn."28

Und endet, wie auch die Hoffmannschen Protagonisten und die Helden Wilhelm Buschs stets enden mußten, tragisch:

"Schon schäkernd mit der U-Bootsmine Besann er sich auf die Lawine. Doch als pompöser Fußballstößer Fand er die Erde noch viel größer. Er rang mit mancherlei Problemen. Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen? Dann schiffte er von dem Balkon Sich ein in einem Luftballon. Und blieb von da an in der Luft, Verschollen. Hat sich selbst verpufft.-"29

Weggeflogen wie der fliegende Robert und "verpufft" bzw. "geschrotet" wie Max und Moritz, so endet's immer mit den bösen Buben, und auch die nun notwendi­gerweise folgende Moral läßt Ringelnatz nicht aus:

"Ich warne euch, ihr Brüder Jahns, vor dem Gebrauch des Fußballwahns!"30

So endet die Geschichte vom Fußballwahnsinnigen und beginnt gleichzeitig ein Stück deutscher Fußballgeschichte und die Geschichte des Fußballs in der deut­schen Literatur.

Die zunehmende Bedeutung des Sports in der Weimarer Republik wirkte sich auch auf andere Bereiche aus. In Rundfunk und Presse, Film und Theater gewinnt das Thema zunehmende Bedeutung. Die Berliner Dadaisten titelten ihre erste Zeitschrift: "Jedermann sein eigener Fußball."31 Der Philosoph Max Scheler bemerkte 1927: "Kaum eine übernationale Gesamterscheinung gegenwärtiger Zeit verdient so sehr eine soziologische und psychologische Durchleuchtung als der an Umfang und Wertschätzung unermeßlich gewachsene Sport."32

In den europäischen Großstädten trifft sich die akademische und künstlerische Elite in den Sportarenen und am Boxring. Kein Berliner Sechstagerennen im Sportpalast findet ohne Prominenz aus Kino-, Theater- und Halbwelt und die "Asphaltliteraten" statt. Der Sport wird ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Der Boxfan Bertolt Brecht fordert "Mehr guten Sport" und dient ihn dem Theater als Vorbild an: "Die Verderbtheit unseres Theaterpublikums rührt daher, daß weder Theater noch Publikum eine Vorstellung davon haben, was hier vor sich gehen soll. In den Sportpalästen wissen die Leute, wenn sie ihre Billette einkaufen, genau, was sich begeben wird; und genau das begibt sich dann, wenn sie auf ihren Plätzen sitzen […]."33

3.2. Der Ball auf der Bühne - Fußballspieler und Indianer

Auch in Prag spielte der Sport in den zwanziger Jahren eine nicht zu unterschät­zende Rolle, tschechische Sportler und Clubs wie der "Intellektuellenclub" Sparta Prag waren in ganz Europa bekannt und gefürchtet. Der Schriftsteller Franz Kafka, selbst Anhänger von Hakoah Prag, machte sich 1923 in einem Brief an seinen Schwager Josef David über die Versuche von konservativer Seite lustig, den Fuß­ball in der Öffentlichkeit zu verdammen: "Schlage übrigens die letzte Selbstwehr auf. Professor Vogel schreibt dort wieder gegen den Fußball, vielleicht hört der Fußball jetzt überhaupt auf."34

Im Stück "Fußballspieler und Indianer" seines Kollegen Melchior Vischer von 1924 erfährt der Fußball eine dramaturgische Würdigung, "justament als der Nürnberger Club mit Stuhlfauth im Tor Meister wurde".35 In diesem expressionistischen Drama geht es um Aufstieg und Fall eines Fußballspielers. Der Held Bill Week ist ein Zuhälter und Mittelstürmer, der zwischen Zivilisation und Urwaldwildnis zer­rieben wird. Der ungestüme und rücksichtslose Bill ist vermutlich Brechts Baal nachempfunden, über den der Journalist Vischer selbst begeistert in der Prager Presse schrieb: "Unter und mit der Hefe des Volkes lebend, gossen- und blaublü­tige Weiber verzehrend, mit Kutschern, Taglöhnern und andern rohen Gesellen hausend, so lebt Baal. Ein Stück Vieh, dessen Fleisch eine Schale Hirn ein­schließt."36 Vischers Geschichte weist einige verblüffende Parallelen zur heutigen Kritik am Fußballgeschäft auf: Die erste Szene spielt auf der "Fußballbörse", bei der Fußballspieler wie Vieh versteigert werden.37 Bill Week wehrt sich anfänglich noch gegen die finanziellen Anfechtungen durch die Fußballfunktionäre:

"Fußball ist mein Blut. Man verkauft sein Blut nicht. Und der Goalschuß ist mein Samen. Den verkauft man schon gar nicht."38

Diese sexuellen Anspielungen sind für die zwanziger Jahre nicht ganz ungewöhn­lich. Doch der Zusammenhang mit dem Fußball verblüfft, denn erst in den siebziger Jahren begann man sich mit den sexuellen Konnotationen des Spiels auseinander­zusetzen. Der Sozialhistoriker Christoph Bausenwein weist auf die Nähe des Fuß­balls zum antiken Kult hin, den man "[…] als eine Art moderne, auf eine Männer­versammlung beschränkte Variante des Dionysos-Kultes interpretieren [könnte, MP], die mit Bier statt Wein und Ball statt Phallus gefeiert wird und in der die Treue zum Verein, die Frau und das Spiel selbst den Geschlechtsakt ersetzt." Durch das ganze Stück ziehen sich sexuelle Anspielungen und Metaphern, vor allem der Ex-Zuhälter Bill spricht eine sehr derbe Sprache.

Nach einer heldenhaften Karriere als Mittelstürmer, die im Stück nur wenig Raum einnimmt, wendet sich Bill von dem immer kommerzieller werdenden Fußball ab. Er zieht sich in den Urwald zurück und verdingt sich beim Eisenbahnbau. Fußball spielt er nur noch zum Spaß. So gelangt ein verschossener Fußball unter die India­ner, die ihn als Gotteszeichen betrachten, eine der fußballerischen Schlüsselszenen:

AZANG (mit der Frechheit des Getretenen, Minderwertigen). Wer sagt, daß es heilig sei - - es kann sehr jung sein und böse wie ein Raubtier. Wo ist der Beweis?

YURUPARI (erklärend, mit leiser Mahnung in der Stimme). Siehst du nicht es ist rund es ist alt und weise denn nur die Jugend ist spitz, eckig und kantig

EPETEMBO. Und böse und gefährlich

AZANG. Wer sagt euch, daß es nicht auch böse und gefährlich sei? Daß es euch vernichten könnte?!

YURUPARI (unbeirrt fortfahrend). Das da aber ist rund ist gut also etwas Heiliges "39

Unter den Indianern entsteht Streit um den Ball, hierbei entspinnt sich folgender Dialog:

EPETEMBO. Du willst die Ewigkeit allein besitzen? (Reißt den Ball weg.)

YURUPARI. Wer sagt dir, daß es die Ewigkeit ist ?

EPETEMBO. Sie ist rund. Wie der rollende Schädel, wie der Mond! Nur das Runde ist ewig "40

Dieser Satz von dem Runden, das ewig ist, könnte nach "Der Ball ist rund" als fünfte Herbergersche Maxime durchgehen. Die Faszination des Runden als Symbol des Schönen, Guten, Wahren zieht sich durch die gesamte Fußball-Literatur.

Für Vischer ist der Fußball einerseits ein Vehikel, um das menschliche Drama in zeitgemäßes Theater umzusetzen, das sich vom Überkommenen lösen sollte: "»Überall schauen wir nach vorn; nur in der Dramatik sollen wir nach rückwärts sehen?« fragte er. Shimmy und Boxen, Bogenlampen und Maschinen bestimmen unsere Zeit. Benzin und Radio sind »unsere Nährstoffe« geworden, »die eine an­dere Ästhetik verlangen...«."41 Auf der anderen Seite ist immer wieder Vischers Faszination am Fußballspiel herauszulesen:

"Wißt ihr, was das heißt: Fußball spielen? - Die eigene Seele wird zur Fuß­ballseele, das Herz und die Haut zum Leder!"42

schwärmt Bill über seinen Sport. Selten wird so enthusiastisch über das Spiel ge­schrieben:

"Was wißt ihr Fußballzivilisten von unseren Sorgen! Was wißt ihr davon, wenn man mitten im schönsten Stürmen schwankt, soll man in die linke oder rechte Ecke schießen? - Da fühlt man plötzlich da oben was (haut sich mit der Faust auf die Stirn), daß man da was hat!"43

Und letztendlich läßt Vischer seinen Helden auch an dessen naiver Begeisterungs­fähigkeit scheitern und verzweifeln. Bill zieht sich aus der Zivilisation in den Ur­wald zurück, ein früher Aussteiger sozusagen, der dem immer kommerzieller gewordenen Sport entflieht. Er stirbt in der Wildnis, erschlagen von seinem Nachfolger, dem Indianer Opito, der selbst ein Fußballstar geworden ist.

In Vischers Stück sind viele Elemente des expressionistischen Theaters enthalten: derbe Dramatik und Sprache, Naturmythen und Zivilisationsfeindlichkeit, ein radi­kalisiertes Lebensgefühl, für das die überzeichnete Figur des Bill Week steht und untergeht, und das groteske Zusammentreffen von zwei völlig verschiedenen Kultu­ren, von Fußballspielern und Indianern.

3.3. Ein Tag im Stadion - Die Fußballplatzangst des Karl Valentin

Der Münchener Komiker Karl Valentin setzte sich, ähnlich wie Ringelnatz, schon früh mit dem Sport auseinander, so wie er sich ja auch über andere Modernitäts­phänomene seiner Zeit lustig machte. Bereits Anfang der zwanziger Jahre schrieb er das Couplet "Hänschen als Sportsmann":

"Hänschen wollte Sport betreiben, denn er war sehr schwächlich, Und der Sport, der ist gesund, das ist doch tatsächlich. 44 "

Und das Hänschen versucht wirklich jeden erdenklichen Sport, von Fahrradfahren über Jiu Jitsu und natürlich auch Fußball. Das Ergebnis ist, daß es sich nicht nur alles Mögliche bricht und quetscht, sondern auch noch beinahe irrsinnig wird.45

Karl Valentins Geschichte vom "Fußball-Länderkampf" aus dem Jahr 1927, be­ginnt mit einer der für ihn so typischen couplethaften gesungenen Einleitungen, die dann meist in einem langatmigen und völlig abschweifenden Monolog enden:

"Ich bin erst kurz beim Fußballkampf gewesen, Dort war es schön und intressant, Den Platz hab ich schon irgendwo gesehen, Die Fußball-Mannschaft hab ich nicht gekannt. Und als sie Abschied nahmen von den Toren, Das Spiel war aus, sie reichten sich die Hand, Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren, Mein Herz, das wohnt am Isarstrand."46

Er beschreibt aus seiner scheinbar naiven Sicht die Vorgänge im und rund um das Stadion und macht sich dabei lustig über das neue Massenphänomen:

"Ich zählte mindestens 5000 Autos. Wenn man bedenkt, wegen einem Fuß­ball 5000 Autos, das ist kolossal."47

Vom eigentlichen Fußballspiel erfährt man aber nicht viel. Nach Valentins Einlas­sungen über die Würstchen- und Losverkäufer, die Blaskapelle und die fast an die heutige Zeit erinnernden Showeinlagen48 kommt es endlich zum Anpfiff:

"...und das Spiel begann. Enden tat das Spiel mit dem Sieg der einen Partei - die andere Partei hatte den Sieg verloren. Es war vorauszusehen, daß es so kam."49

Und so endet der Monolog. In einer späteren Überarbeitung des Textes von 1938 machte Valentin daraus einen Dialog, den er zusammen mit Liesl Karlstadt unter dem Titel "Am Fußballplatz" herausbrachte. Die Karlstadt erzählt nun ihrerseits Valentin von ihrem Fußballplatzbesuch und erklärt dem wie immer naiv Nachfra­genden das Spiel und die örtlichen Gegebenheiten, und er nutzt die Geschichte zu den gewohnt pfiffigen Wortverdrehereien und ist der Stichwortgeber. Im Vergleich zur ersten Fassung ist der Schallplattentext viel straffer und nimmt deutlicher Bezug auf die Sprache der Sportreportage:

[Karlstadt:] "In den Torwart hab' ich mein ganzes Vertrauen g'setzt g'habt! - Robinsonaden hat er g'macht - die war'n schon fabelhaft - aber leider! - im­mer ins verkehrte Eck."50

Der Volksempfänger hatte als Propagandainstrument im Dritten Reich eine rasante Verbreitung erfahren, deshalb waren Fußballreportagen inzwischen nichts Unge­wöhnliches mehr. So weist Valentins Text von 1938 weniger Sensationelles und mehr Alltäglichkeit auf als die Ursprungsversion von 1927. Die Pointe der Radio­version ist ein gutes Beispiel für "die [...] Meisterschaft Valentins, das »einfache« und mühelos-selbstverständliche Gelingen von Alltagsinteraktionen komisch-pro­blematisch werden zu lassen"51:

"K: Schad', daß Du net draussen warst.

V: Ja, ich wollt' hinaus, aber ich hab g'hört, dass da 35.000 Menschen draußen sind und da hatte ich keine Lust mehr. Sowie's amal mehr als 30.000 Zuschauer sind, fühl' ich mich etwas beengt - dann krieg' ich Platz­angst - also in dem Fall: Fuss - angst - ball - platz, ah - Fuss - platz - angst - ball, nein: Platz - fuss - angst - ball, ah: Fuss - ball - platz - angst!"52

Für Eingeweihte war der zusätzliche Clou, daß sich der bekanntermaßen "leutscheue" Valentin - der sich ja in diesem Sketch selbst spielte und auch als Va­lentin angesprochen wurde - erst ab einer Menge von 30.000 Zuschauern unwohl fühle. Die mutmaßlichen Zuschauerzahlen in Valentins Sketch dürften aber auch der Realität entsprechen, der Fußball in Deutschland befand sich im Aufschwung.

4. "Feldherren der Fußballschlachten" - Fußball im "Dritten Reich"

Der Beeinflussung des gesamten öffentlichen Lebens durch die Nationalsozialisten konnte auch der Sport in Deutschland nicht entgehen. Unter dem Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten wurden 1933 die Sportverbände aufgelöst und im "Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen" (NSRL) zusammen­gefaßt. Die Arbeitersportverbände, die zumeist der SPD und der KPD nahestanden, wurden verboten, ebenso die konfessionellen Gruppen. Jüdische Sportler, die in den Vereinen bisher nur schikaniert worden waren, wurden nach der Olympiade von 1936 massiv aus den Vereinen ausgeschlossen. Vor allem aus außenpolitischen Gründen schien dies vor der Olympiade noch nicht opportun gewesen zu sein.53

Auch der DFB diente sich dem NS-Regime an. Kurz nach der Machtübernahme wurden in vorauseilendem Gehorsam die ersten Maßnahmen zur Neustrukturierung des Verbandes getroffen. Innerhalb der DFB-Führung kam es zu Denunziationen und Machtkämpfen. Der NSRL unterstellte dem DFB-Präsidenten Felix Linnemann "demokratische Gesinnung, was dieser vehement abstritt."54 Die Spielerfotos aus der Zeit ab 1933 sind sichtbares Zeichen der nationalsozialistischen Durchdringung des Fußballs: Der deutsche Gruß wird obligatorisch. Auch der Sportlergruß "Gut Sport!" wird durch das martialische "Sieg Heil!" ersetzt. Der Anpassungsprozeß der deutschen Fußballer an den Nationalsozialismus ging, wie auch bei den meisten anderen gesellschaftliche Institutionen, relativ reibungslos vonstatten.

Über die Rolle des DFB im "Dritten Reich" ist relativ wenig bekannt, da sich die heutigen offiziellen Vertreter in Frankfurt wenig oder gar nicht dazu geäußert ha­ben. Der Zugang zu den Archiven wird den Historikern erschwert, wenn nicht gar verweigert, mit der Begründung, alle Akten aus der Zeit vor 1945 seien im Krieg vernichtet worden oder verschwunden. Erst jetzt ist mit "Stürmer für Hitler" von Gerhard Fischer und Ulrich Lindner ein umfangreicheres Werk erschienen, das sich dem Phänomen Fußball im Nationalsozialismus widmet. Von Seiten des DFB hält man sich immer noch bedeckt.

4.1. Sport als Propagandainstrument

Adolf Hitler hatte in "Mein Kampf" propagiert: "Es darf kein Tag vergehen, an dem der junge Mensch nicht mindestens vormittags und abends je eine Stunde lang kör­perlich geschult wird, und zwar in jeder Art von Sport und Turnen."55 Als "Mittel nationaler Selbstdarstellung und Überhöhung sowie zur totalen Durchmilitarisie­rung der Gesellschaft"56 war der Sport bestens geeignet, die nationalsozialistische Idee einer breiten Bevölkerungsschicht nahezubringen. Die Olympischen Spiele von 1936 wurden propagandistisch auch zu einer positiven Darstellung des NS-Re­gimes im Ausland benutzt. Sichtbarer Höhepunkt dieser Propaganda sind Leni Rie­fenstahls Olympiadefilme "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit". Hier wird die Idee einer ästhetischen und völkischen Körperlichkeit ins Absolute gehoben. Doch diese Filmen befassen sich nur mit Leichtathletik, eine dem Wehrsportge­danken der Nationalsozialisten eher entsprechende Sportart als der Fußball. Propa­gandaminister Joseph Goebbels hatte hingegen die ungeheure Kraft der Massen­suggestion, die das Fußballspiel erzeugt, begriffen. Nur erwies es sich als zu wenig vorhersehbar. Sepp Herbergers spätere These: "Warum gehen die Leute ins Sta­dion? Weil sie nicht wissen, wie's ausgeht"57 hatte sich im "Dritten Reich" immer wieder bewahrheitet, einige wichtige Länderspiele gingen verloren. Hitler selbst war kein Fußballfreund. Sein angeblich einziges Fußballspiel hatte er bei der Olym­piade gesehen, als Deutschland gegen Norwegen mit 0:2 unterlag. Wütend habe er das Stadion verlassen, es soll auch das letzte Fußballspiel gewesen sein, das er sich ansah.

Ein weiterer Versuch Goebbels, den Fußball noch propagandistisch zu nutzen war der UFA-Film "Das große Spiel" von 194258, bei dem auch einige Nationalspieler mitwirken durften. Im großen und ganzen war der internationale Fußball aufgrund seiner Unberechenbarkeit aber nicht propagandafähig. Der Beginn des zweiten Weltkriegs schränkte die Zahl der möglichen Länderspielgegner zuerst einmal ein. Auch auf sportlicher Ebene gab es einen Boykott gegen das Deutsche Reich. Aus­gerechnet am 20. April 1940, dem Geburtstag des Führers, verlor man mit 1:2 gegen die Schweiz, die den sportlichen Kontakt mit dem nationalsozialistischen Deutschland nach einer kurzen Schamfrist wieder aufgenommen hatte. Goebbels teilte dem Reichssportführer mit, "in Zukunft dürfe »vor allem kein Sportaustausch gemacht werden, wenn das Ergebnis im Geringsten zweifelhaft sei.«"59 Nach einer Niederlage gegen Schweden im September 1942, ließ Goebbels, weil er um die Kampfmoral der Bevölkerung fürchtete, weitere Länderspiele verbieten.60

4.2. Mitläufer und Täter - Fußballspieler im "Dritten Reich"

Der Liga-Fußball im "Dritten Reich" wurde vor allem von Schalke 04 dominiert, sechsmal wurden die Gelsenkirchener zwischen 1933 und 1944 deutscher Meister, alle elf Mal gewannen sie die Gaumeisterschaften. Im Jahr 1936 erschien "Das Buch vom deutschen Fußballmeister. Die Geschichte zweier Mannen und einer Mannschaft"61, darin hieß es:

"Man möchte überhaupt feststellen, daß der Vollendung des Schalker Sieges­zug im Dritten Reich geradezu symbolische Bedeutung zukommt. ...Gerade die Mannen um Kuzzorra und Szepan haben gefühlt und erkannt, welche Kräfte in der Begeisterung einer ganzen Gemeinschaft stecken."62

Der Ruf eines "Arbeitervereins" war Schalke immer vorausgegangen, auch wenn das zu Beginn der dreißiger Jahre nicht mehr stimmte, denn die meisten der Schal­ker Spieler lebten inzwischen vom Fußball. Zumeist waren sie als Handwerker und Kaufleute pro forma bei den Zechen angestellt und genossen mit Billigung der Fir­menleitung viele Vergünstigungen wie verkürzte Arbeitszeiten und zusätzlichen Urlaub.63 Für die Nationalsozialisten gab aber der Ruf der Schalker durchaus An­laß zu propagandistischen Parolen über den "Sieg der Arbeiterklasse". Spieler wie Ernst Kuzzorra und Fritz Szepan schienen bestens geeignet zu sein, die deutschen Tugenden zu repräsentieren:

"[…] körperliche Leistungsfähigkeit (Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit), Gewandtheit, Härte gegen den inneren Schweinehund, Willensstärke, Mut und Entschlußkraft, Zucht, Ordnungsliebe, Kameradschaft, Wehr- und Opferbereitschaft für seinen Nächsten, für seine Heimat, für Volk und Land"64.

Die meisten Fußballspieler im "Dritten Reich" waren eher unpolitisch, wie Ernst Kuzzorra oder auch Fritz Walter, der bei der Wehrmacht im Jagdgeschwader des fußballverrückten Majors Hermann Graf unterkam, um in der Soldatenmannschaft "11 rote Jäger" weiterhin Fußball zu spielen. 1959 resümiert Walter in seinen Kriegserinnerungen65:

"Gab es in dieser Zeit nichts wichtigeres als Fußball? Wir dachten nicht dar­über nach. Wir hätten und wir haben uns später jedem Befehl gebeugt."66

Im nachhinein gestand er, er habe einfach immer nur Fußball spielen wollen. An­dere verhielten sich so opportunistisch wie Fritz Szepan, der immerhin durch den Kauf eines Geschäftes von den "Arisierungen" profitierte und sich auch in den "Führerrat des Reichsfachamtes Fußball" berufen ließ.67

Manche Spieler waren seit Anfang der dreißiger Jahre überzeugte Nationalsoziali­sten wie der HSV-Spieler Otto Harder, genannt Tull. Seine Biographie von 1942 "Tull Harder stürmt für Deutschlands Fußballruhm"68 war damals eines der be­liebtesten Jugendbücher. Er war einer der besten Mittelstürmer, respektive "Sturmführer", den die deutsche Nationalmannschaft in den zwanziger Jahren hatte, so das Fußballfachblatt Kicker 1941:

"Harder war ein großartiger Kämpfer, auch auf dem Schlachtfeld. Seine Ei­sernen Kreuze I. und II. Klasse und die vielen Auszeichnungen anderer Art zeugen von seinen Ruhmestaten fürs deutsche Vaterland."69

Von 1914 bis 1926 war Harder ein erfolgreicher Nationalspieler. Durch seine kon­sequente Art, Fußball zu erkämpfen, wurde er nicht nur in Hamburg zum Volks­liebling: "Wenn spielt der Harder Tull, dann steht es drei zu null", sang man im Stadion. Es gab sogar eine "Tull Harder Cigarette", deren Packung Sammelbilder des Spielers beigelegt waren.

Bereits im September 1932 wurde Harder Mitglied der NSDAP, im Mai 1933 trat er der SS bei. Seit 1939 arbeitete er als Wachmann in den Konzentrationslagern Sach­senhausen und Neuengamme, er stieg bis zum SS-Hauptscharführer auf und brachte es 1944 sogar zum Kommandanten des KZ Ahlem. Nach dem Krieg ver­suchte sich Otto Harder vor dem englischen Militärgericht mit "zum Teil hane­büchenen Aussagen"70 herauszureden. Unter anderem hätten die verstorbenen Häftlinge, die zum großen Teil aus dem jüdischen Ghetto kamen, "die gute und reichliche Nahrung im KZ"71 nicht mehr vertragen, weil ihre inneren Organe so geschwächt gewesen seien. Er habe die Gefangenen immer anständig behandelt, seiner Meinung nach seien auch nur Leute im KZ gewesen, die "etwas ausge­fressen"72 hätten.

Zu Harders Entlastung wurde auch kolportiert, daß Harder die Gefangenen Fußball spielen ließ und ihnen sogar einen Fußballplatz eingerichtet habe. In Wirklichkeit hatte er das Fußballspielen zwar geduldet, bei der Materialbeschaffung für die Bälle aber sogar noch nebenbei ein Geschäft mit den Gefangenen gemacht und sich be­stechen lassen.73

Tull Harder wurde wegen Mißhandlung von Gefangenen zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Bereits nach vier Jahren kam er nach Fürsprache von "Sportfreunden" frei: "Als Harder sich beim HSV, der ihn zeitweilig aus seiner Mitgliedsliste gestri­chen hatte, nach seiner Entlassung blicken ließ, wurde er begeistert begrüßt. Harder sei sogar auf den Schultern von HSV-Anhängern vom Platz getragen worden, heißt es."74

4.3. Kaffeehauskultur und Fußball - Literatur in den dreißiger Jahren

Das Thema Fußball kam in der Literatur des "Dritten Reiches", abgesehen von pro­pagandageschwängerten Sportlerbiographien und tendenziösen Jugendbüchern, kaum vor. Die Sportzeitschriften wie der Kicker brachten Sonderausgaben mit mar­tialischen Titeln wie "Feldherrn der Fußballschlachten"75 heraus, deren völlig un­kommentierte Reprints zum Teil wieder erhältlich sind und deren militärische Spra­che und Aufmachung eine eigene Untersuchung wert wären.

Nur im Ausland konnte eine eigenständige Literatur überleben. Im französischen Exil schreibt Joseph Roth im Jahr 1939 seine letzte Erzählung: "Die Legende vom Heiligen Trinker". Der älteste Freund des Trinkers Andreas ist der "berühmte Fuß­ballspieler Kanjak"76, der ihm zeitweise aus seiner Not hilft. Roth zeigt den Sport als Modernisierungsphänomen, denn im Paris der dreißiger Jahre sind bereits "Fußballspieler und Boxer, die Elite unserer Zeit."77

4.3.1. Die Wiener Schule - Jüdische Literatur und Sport

Im Gegensatz zum Deutschen Reich war der Fußball im literarischen Österreich ständig ein Thema gewesen, speziell die Wiener "Kaffeehausliteraten" wie Alfred Polgar, Anton Kuh und Friedrich Torberg beschäftigten sich mit dem Sport. Der gehörte, so Torberg, zu seiner Zeit, zu "ihrer von Kaffeehaus und Theater, von Zeitungswelt und bürgerlichem Familienleben bestimmten Atmosphäre."78 Und im Wiener Kaffeehaus wurde nicht nur Kultur und Politik gemacht, sondern auch Fußball debattiert und organisiert. Die wichtigsten Vereine hatten ihre Zentralen in den einzelnen Cafés, dort trafen sich Spieler, Funktionäre und Sportjournalisten.79 Zudem war das Kaffehaus auch Treff der jüdischen Intelligenz und jüdischer Sportler.

"Das jüdische Bürgertum der Zwischenkriegszeit - und erst recht das in Wien massenhaft vorhandene jüdische Proletariat - haben am Sport begeistert Anteil genommen, und keinen bloß passiven im Zuschauerraum oder in Funktio­närsstellungen […], sondern aktiven und höchst erfolgreichen Anteil"80, berichtet Friedrich Torberg in seinem Essay "Lieben Sie Sport?". Der Wiener Sportklub SK Hakoah war einer der größten jüdischen Vereine in Europa, und hatte in allen Sparten auch erfolgreiche Sportler aufzuweisen. 1925 stellte man sogar den österreichischen Fußballmeister.

Entstanden waren die jüdischen Sportvereine alle aus einem Grund: "Die Gründung der Hakoah war eine Reaktion auf den massiven Antisemitismus, der Juden auch im Sport diskriminierte"81, schreibt der Historiker Michael John. Trotz aller Schi­kanen von Ämtern und Behörden gelang 1909 die offizielle Vereinsgründung. Nicht nur mit Sportfunktionären anderer Vereine gab es immer wieder Ärger, auch bei den Veranstaltungen kam es immer wieder zu antisemitischen Beschimpfungen durch die gegnerischen Zuschauer. Der latente Antisemitismus in Österreich gehörte zum sportlichen Alltag, wie auch Friedrich Torberg in vielen seiner Anekdoten im Buch "Die Erben der Tante Jolesch" erzählt. Die Wiener Morgenzeitung berichtete 1923: "Menschen, die im gewöhnlichen Leben die Regeln des Anstandes und der guten Sitten befolgen, werden bei den Spielen der Hakoah brutale Terroristen. ... Was sich zum Beispiel beim letzten Spiel Sportklub gegen Hakoah zugetragen hat, übertrifft alle noch so phantastischen Vorstellungen. Schimpforgien, in denen das Wort »Saujud« immer wiederkehrte, und wilde Drohungen konnte man von allen Seiten vernehmen."82 Auch in Prag und Budapest existierten große erfolgreiche jüdische Clubs, eine Tradition, die nach dem Holocaust nicht mehr wiederbelebt werden konnte. Der Versuch einer Neugründung der Hakoah in Österreich schei­terte am Geld- und Nachwuchsmangel bereits 1950. Anfang der sechziger Jahre wurde von Israel aus ein internationaler Hakoah-Bund gegründet, der das Anden­ken des Vereins wahren will und die ehemaligen Mitglieder in Kontakt hält.83

Friedrich Torberg, ursprünglich Friedrich Ephraim Kantor, hatte selbst lange Zeit Fußball gespielt und sich damit gegen den Widerstand der bürgerlichen Eltern durchgesetzt. Die Faszination des Fußballspielens, die er schon in seinem auto­biographischen Jugendroman "Die Mannschaft" von 1934 beschreibt, verließ ihn auch später nie:

"Es war das, wovon man sich einfach nicht vorstellen konnte, wie man etwa leben sollte, ohne es zu haben. Und man versuchte auch gar nicht, sich der­gleichen vorzustellen. Überhaupt dachte man nicht darüber nach. Sondern man spielte Fußball."84

Der Sport war einer der Bereiche, in denen sich die Wiener Juden am stärksten as­similiert hatten. Für den jungen Torberg, der bereits mit zehn Jahren Hakoah-Mit­glied und -Anhänger war, war dies auch die Ursache seines jüdischen Selbstbe­wußtseins:

"Ich hatte das unschätzbare Glück, mich niemals - keine einzige Sekunde lang - meines Judentums »schämen« zu müssen. Wofür hätte ich mich denn schä­men sollen? Dafür, daß die Juden mehr Goals schossen und schneller schwammen und besser boxten als die anderen? Ich war ein Kind, als ich das alles zu merken begann. Und ich war von Kindesbeinen an stolz darauf, Jude zu sein."85

Später wurde Torberg sogar Leistungssportler. Mit Hagibor Prag wurde er Tsche­chischer Wasserballmeister, er erzielte beide Tore zum 2:0 im Finale gegen Preß­burg. Der Fußball ließ ihn jedoch nie los. Seinem zweiten österreichischen Klub, der Wiener Austria, blieb er auch nach dem Krieg treu, auch wenn sie nicht mehr an den Ruhm der alten Zeiten anknöpfen konnte. In einer Festschrift "60 Jahre Wiener Austria" bekannte Torberg seine Zuneigung, in guten wie in schlechten Tagen:

"Am Talent fehlt's gewiß nicht. Nur am Einsatz. Es ist zum Verzweifeln! Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Ein Austria-Anhänger ist, wer es trotz­dem bleibt. Mir scheint, ich bin doch ein echter Austria-Anhänger!"86

4.3.2. "Er spielte stets, er kämpfte nie" - Mathias Sindelar und der österreichische Fußball der dreißiger Jahre

Nach der Annexion Österreichs 1938 versuchten die Nationalsozialisten auch den österreichischen Fußball unter die Kontrolle des inzwischen völlig indoktrinierten DFB zu bringen. Die österreichische Nationalmannschaft sollte in den Kader des "Altreiches" integriert werden. Am 3. April 1938, drei Wochen nach der Beset­zung, fand ein Fußballspiel statt, das den Österreichern letzte Gelegenheit gab, sich als eigenes Team zu profilieren. Bei dem sogenannten "Versöhnungsspiel Deutschösterreich gegen Altreich" wollten die nationalsozialistischen Besatzer spie­lerische Überlegenheit demonstrieren.

Mittelstürmer der österreichischen Mannschaft war noch einmal Mathias Sindelar, im Volksmund aufgrund seines schmalen Körperbaus und seines körperlosen Spiels zärtlich "der Papierene" genannt. Sindelar war Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft, des "Wunderteams", gewesen, das 1931 und 1932 den euro­päischen Fußball durcheinanderwirbelte. Nach einer nie dagewesenen Siegesserie hatte sie nach 9 Spielen mit einem Torverhältnis von 39:7 alle anderen Mannschaf­ten deklassiert, darunter auch Deutschland mit einem 6:0 in Berlin und einem 5:0 in Wien. Torberg schreibt über Sindelar: " […] er verfügte über einen so unglaub­lichen Variations- und Einfallsreichtum, daß man tatsächlich niemals wissen konnte, welche Spielanlage zu erwarten war. Er hatte kein System, geschweige denn eine Schablone. Er hatte - man wird diesen Ausdruck gestatten müssen - Genie."87

Um die völkische Inszenierung des "Versöhnungsspiels" nicht zu gefährden, wurde versucht, das Ergebnis zu beeinflussen. Der Sozialhistoriker Wolfgang Madert­haner schildert das Spiel: "Es habe angeblich eine Weisung gegeben, die den Öster­reichern verbot, ein Tor zu schießen. Sindelar jedenfalls vergab, wie Zeitzeugen einhellig berichten, eine Unzahl von herausgespielten, hundertprozentigen Tor­chancen so elegant und geschickt, daß die Demütigung der Reichsdeutschen gar nicht deutlicher hätte ausfallen können […] Bis es ihn in der zweiten Hälfte nicht mehr hält und er einen Abpraller mit Gefühl und Effét unhaltbar zum 1:0 ab­lenkt."88 Nach dem 2:0 schließlich: "[…] zieht Sindelar vor die mit Nazibonzen vollbesetzte Ehrentribühne und führt wahre Freudentänze auf."89

Der neue Reichstrainer Sepp Herberger, der 1938 von Otto Nerz das Amt über­nommen hatte, versuchte nach dem Spiel, Sindelar für die Nationalmannschaft zu gewinnen, doch der verweigerte sich. Diverse Einladungen zu Reichslehrgängen hat Sindelar "nicht einmal ignoriert"90, Fragen dazu wiegelte er mit Hinweis auf sein hohes Alter, er war 35, ab. Herberger, der nach Auflösung des Österreichi­schen Fußball-Bundes die undankbare Aufgabe hatte, aus den zwei Nationalmann­schaften eine paritätisch besetzte großdeutsche Truppe zu formen, scheiterte letzt­endlich. Der Plan der Nationalsozialisten, durch den Fußball eine stärkere Identifi­kation der Österreicher mit dem Deutschen Reich zu schaffen, ging nicht auf. Zu verschieden waren die Spielweisen, und die Spielauffassungen. Vorurteile prägten den Umgang miteinander: "Die deutschen Kicker waren aus österreichischer Sicht mehr Leichtathleten als Fußballer, zwar konditions- und laufstark, aber am Ball eher unbeholfen. Die sogenannte Wiener Schule hingegen galt als schlampig, aber genial, dribbelstark und ballverliebt."91 Zudem konnten sich "Reichsdeutsche" und "Ostmärker" gegenseitig nicht ausstehen, sogar Herberger soll sich abfällig ge­äußert haben: "Die mit ihrem Scheiberl-Fußball, die können doch nicht kämp­fen."92 Der erwartete propagandistische Erfolg durch die Zusammenlegung zweier Spitzen­mannschaften blieb aus: Bei der WM 1938 scheiterte das zusammengewürfelte Team Herbergers bereits in der ersten Runde gegen die Schweiz.

4.3.3. Der Tod eines Fußballspielers - Friedrich Torberg

Sindelars Verweigerung wurde ihm in der österreichischen Bevölkerung hoch ange­rechnet. Er war wohl nicht nur ein phantastischer Fußballer, sondern auch das, was man heutzutage "politisch korrekt" nennt. Seine sprichwörtliche Be­scheidenheit und seine Herkunft aus armen Verhältnissen machten Sindelar zu einem Helden des Wiener Proletariats.

Vor allem aus den ärmeren Schichten drängten begabte junge Männer in den Sport, denn oft war dies die einzige soziale Aufstiegsmöglichkeit. Der Straßen­fußball war im Österreich des frühen zwanzigsten Jahrhunderts immer noch ver­boten. Auf­grund der beengten räumlichen Verhältnisse, der ständigen Verfolgung durch Poli­zei, Hausmeister und Parkwächter entwickelte sich bei den "Gassen­buam" ein spe­zieller Fußballstil, das sogenannte "Scheiberlspiel", das relativ kör­perlos und tech­nisch anspruchsvoll war.93 Auch Sindelar war über das Straßen­spiel für seinen ersten Verein, den Favoritener Oberligaklub Hertha, entdeckt worden. Mit seinem raffinierten Spiel und seinen berühmten "Kabinettstückchen" wurde er danach der absolute Publikumsliebling bei Austria Wien, die auch einen hohen Anteil an jüdi­schen Sportlern und Funktionären hatte. Als einer der ersten Fußballstars überhaupt verstand es Sindelar aber auch, diese Beliebtheit zu nutzen. Er machte Werbung für Molkereiprodukte und Herrenbekleidung, sogar in einem Fußball-Spielfilm, Titel: "Roscy und ihr Wunderteam", spielte er mit.

Sindelars plötzlicher Tod im Januar 1939, nicht einmal ein Jahr nach dem "Versöhnungsspiel", wurde ein weiterer Quell zur Mystifizierung des Mittel­stürmers. In seinem Gedicht "Auf den Tod eines Fußballspielers" setzte Friedrich Torberg dem Mythos Sindelar noch einmal ein literarisches Denkmal:

"Er war ein Kind aus Favoriten und hieß Mathias Sindelar. Er stand auf grünem Plan inmitten, weil er ein Mittelstürmer war. Er spielte Fußball, und er wußte vom Leben außerdem nicht viel. Er lebte, weil er leben mußte, vom Fußballspiel fürs Fußballspiel. Er spielte Fußball wie kein zweiter, er stak voll Witz und Phantasie. Er spielte lässig, leicht und heiter. Er spielte stets, er kämpfte nie."94

In diesem Gedicht beschreibt Torberg nicht nur Sindelars eigene Geschichte, son­dern auch die Geschichte des österreichischen Fußballs der zwanziger und dreißiger Jahre. Den Erfolgen des österreichischen "Wunderteams" folgte die Zerschlagung des österreichischen Fußballs durch die Nationalsozialisten:

"Es jubelte die Hohe Warte; der Prater und das Stadion, wenn er den Gegner lächelnd narrte, - und zog ihm flinken Laufs davon. Bis eines Tags ein andrer Gegner ihm jählings in die Quere trat, ein fremd und furchtbar überlegner, vor dem's nicht Regel gab noch Rat. Von einem einzigen, harten Tritte fand sich der Spieler Sindelar verstoßen aus des Planes Mitte, weil das die neue Ordnung war. Ein Weilchen stand er noch daneben, bevor er abging, und nachhaus. Im Fußballspiel, ganz wie im Leben, war's mit der Wiener Schule aus."95

Sindelars Tod gab zu vielerlei Mutmaßungen Anlaß. Zusammen mit seiner jüdi­schen Lebensgefährtin wurde er tot in seiner Wohnung gefunden, der Polizeibericht gab "Tod durch Kohlenoxyd" als Todesursache an.96 Die genauen Umstände wur­den nie geklärt, doch die vielfältigen Gerüchte gingen von Unfall über Mord bis zum Selbstmord aus Verzweiflung:

"Er war gewohnt zu kombinieren, und kombinierte manchen Tag. Sein Überblick ließ ihn erspüren, daß seine Chance im Gashahn lag. Das Tor, durch das er dann geschritten, lag stumm und dunkel ganz und gar. Er war ein Kind aus Favoriten und hieß Mathias Sindelar."97

Der tragische Tod des "Papierenen" verlief zeitgleich mit dem Ende der berühmten Austria Wien. Die wichtigsten Spieler wie Walter Nausch und Camillo Jerusalem emigrierten, Sindelar war tot. Als Torberg Sindelars lyrischen Nekrolog schrieb, verabschiedete er sich auch von seinem Lieblingsverein und dem intelligenten Fuß­ball der Wiener Schule. Nicht nur hier weisen Fußball und Literatur Gemeinsam­keiten auf. Der österreichische Fußball hat sich, ebenso wie die Literatur, nie ganz von der Zerschlagung durch die Nationalsozialisten und der Vertreibung und Er­mordung seiner jüdischen Mitglieder erholt.

Aus dem Exil schrieb Alfred Polgar in der Pariser Tageszeitung im Nachruf über Sindelar: "Er hatte sozusagen Geist in den Beinen, es fiel ihnen, im Laufen, eine Menge Überraschendes, Plötzliches ein und Sindelars Schuß ins Tor traf wie eine glänzende Pointe, von der aus erst der meisterliche Aufbau der Geschichte, deren Krönung sie bildete, recht zu verstehen und zu würdigen war."98

5. "Das Wunder von Bern" 1954 - Fußball, Mythen und Politik

5.1. Der deutsche Fußball nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Mai 1945 lag zwar ganz Deutschland in Trümmern, mit dem Fußball ging es aber dennoch sehr bald weiter. In Berlin fand bereits am 20. Mai 1945, also knapp zwei Wochen nach der Kapitulation, das erste Fußballspiel im Lichtenberger Sta­dion statt. Viele Spieler kehrten verwundet aus dem Krieg zurück, viele waren ge­fallen: "Jene, die heimkehrten nach dem Zweiten Weltkrieg und noch beschwerde­frei laufen konnten, traten rasch wieder nach dem Ball. Die Passion lebte fort und erfüllte ihren Zweck ähnlich wie in den Kriegsjahren: Ablenkung vom tristen All­tag."99

Die Organisation der Spiele wurde von viele Schwierigkeiten begleitet. Die vorhan­denen Strukturen waren verschwunden. Sämtliche nationalsozialistischen Organi­sationen wurden aufgelöst, somit auch der NSRL und der DFB. Die Sportvereine waren zuerst einmal verboten, die Stadien und die Vermögen beschlagnahmt. Die Zulassung von Neu- und Wiedergründungen wurde von den alliierten Besatzern bestimmt, und wie alle kulturellen Veranstaltungen waren auch Fußballspiele ge­nehmigungspflichtig.

Die Oberliga im süddeutschen Raum begann schon Ende 1945 wieder zu spielen, in den anderen Teilen der Westzonen zog man erst im September 1947 mit der Auf­nahme des Ligabetriebes nach. Vor allem die Organisation der Spiele war schwieri­ger geworden: "Zerstörte Bahnnetze, Benzinknappheit, streng rationierte Lebens­mittelzuteilungen, teilzerstörte Hotels und Gasthöfe, Mangel an Sportkleidung und Sportmaterial, Wiederaufbau bedürftiger Stadien und Sportplätze waren die Merk­male beim Beginn der ersten süddeutschen Meisterschaftsrunde 1945/46"100, be­richtet der Funktionär Paul Flier, der bereits unter den Nationalsozialisten Gausportführer für Bayern war. Auch die Personalpolitik im Fußballverband schloß sich in den Westzonen übergangslos an das "Dritte Reich" an.

In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde der Sport schon von Beginn an als Mittel zur politischen und gesellschaftlichen Neuordnung begriffen. Die Um­strukturierung der Sportverbände unter der Obhut der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) sollte die demo­kratische Erneuerung vorantreiben. Gleichzeitig wurde die Organisation in Be­triebssportgruppen festgelegt: "Sämtliche Sportler wurden fortan den Großbetrieben oder Landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften untergeordnet"101, ganz egal ob sie das wollten oder nicht. Einzige Möglichkeit der staatlichen Gängelung zu entgehen, war der Verzicht auf die Ausübung des Sports. Erster Fußballmeister der SBZ wurde 1948 die SG Planitz, die dann in einem interzonalen Vergleich bei der deutschen Meisterschaft mitspielen sollte. Die Anreise zum Qualifikationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg wurde jedoch von den sowjetischen Besatzern ver­boten. Der zweite Teilnehmer, der FC Union Oberschöneweide aus Berlin, konnte zwar im dortigen Olympiastadion antreten, verlor aber gegen den FC St. Pauli deutlich mit 0:7. Dies blieb lange der einzige sportliche Vergleich zwischen Ost und West.

Nach der Gründung der Bundesrepublik wurde der DFB am 21. Januar 1950 offi­ziell wieder zugelassen. Das erste Länderspiel einer deutschen Nationalmannschaft nach dem Krieg fand am 22. November 1950 in Stuttgart statt, gegen die Schweiz siegte man mit 1:0. Der Schütze war natürlich ein Schalker: Herbert Burdenski.

[...]


1 Nick Hornby: Ballfieber – Die Geschichte eines Fans, Hamburg 1996

2 René Martens: Ich träume von George - und Charlie N., in: die tageszeitung (taz) vom 20.4.96, S.24

3 ebd.

4 William Shakespeare: Komödie der Irrungen (2. Aufzug, 2. Szene), in: W. S.: Sämtliche Dramen, Band I, Darmstadt 1967, S.332

5 William Shakespeare: Comedies ed. by Peter Alexander, London and Glasgow 1963, S.238

6 William Shakespeare: Die Irrungen oder die doppelten Zwillinge, ein Lustspiel. Hrg. von Hans und Johanna Radspieler, Zürich 1993, S.24

7 Vgl. hierzu Christoph Bausenwein: Geheimnis Fußball - Auf den Spuren eines Phänomens, Göttingen 1995, S.87-96

8 Vgl. hierzu Tony Masons Beitrag zu Großbritannien, in: Christiane Eisenberg (Hrg.): Fußball, soccer, calcio - Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt, München 1997, S. 22-24

9 Dietrich Schulze-Marmeling: Der gezähmte Fußball. Zur Geschichte eines subversiven Sports. Göttingen 1992, S.15

10 Vgl. auch Bausenwein, S.278-280

11 Schulze-Marmeling: Der gezähmte..., S.19

12 Vgl. hierzu Christiane Eisenbergs Beitrag zu Deutschland, in: Eisenberg, S.103 f.

13 Vgl. hierzu Schulze-Marmeling: Der gezähmte..., S.77 f.

14 Hardy Grüne: 90 Jahre deutscher Ligafußball, Kassel 1995, S.54

15 Vgl. ebd., S.58

16 Michael John im Beitrag über Österreich, in: Eisenberg, S.67

17 Karl Riha: Fünf Mal Fußball - Im Gedicht, Siegen 1982, S.5

18 Joachim Ringelnatz: und auf einmal steht es neben dir - Gesammelte Gedichte, Berlin 1959, S.48 f.

19 Riha: Fünf Mal..., S.7, Karl Riha verweist hier auch auf den Gedichtanfang mit der Worttrennung Krank-Heit. Bei Wilhelm Busch lautet ein ähnlicher Reim bei "Max und Moritz":

"Jeder weiß, was so ein Mai-

Käfer für ein Vogel sei".

20 Heinrich Hoffmann: Der Struwwelpeter, Frankfurt a. M. 1847

21 Ringelnatz, S.49

22 ebd., S.50

23 Vgl. hierzu Schulze-Marmeling: Der gezähmte..., S.64-75

24 Ringelnatz, S.49

25 Herbert Günther: Joachim Ringelnatz, Reinbek bei Hamburg 1964, S.117

26 Wolfgang Buhl: Thalia am Ball, in: Dieter Kühn, Ludwig Harig: Netzer kam aus der Tiefe des Raums - Notwendige Beiträge zur Fußballweltmeisterschaft, München 1974, S.119

27 Ringelnatz, S.49 f.

28 ebd., S.50

29 ebd.

30 ebd.

31 Vgl. hierzu: Karl Riha: Nachwort, in: Karl Riha (Hrg.): fußball literarisch oder Der Ball spielt mit den Menschen, Frankfurt a. M. 1982, S.240

32 Max Scheler: Resublimierung und Sport, in: Volker Caysa: Sportphilosophie, Leipzig 1997, S.29

33 Bertolt Brecht: Mehr guten Sport, in: Volker Caysa: Sport ist Mord - Texte zur Abwehr körperlicher Betätigung, Leipzig 1996, S.134

34 Franz Kafka: Brief an Josef David vom 3.10.1923, in: Briefe an Otla und die Familie, Frankfurt a. M. 1974, S.136 f.

35 Rainer Moritz: Immer auf Ballhöhe - Ein ABC der Befreiungsschläge, München 1997, S.82

36 Prager Presse vom 20.12.1922, S.4., zit. nach: Melchior Vischer: Fußballspieler und Indianer. Chaplin - Zwei Schauspiele, herausgegeben von Sigrid Hauff.- München 1984, S.283

37 Wie Hauff erklärt, fand 1924 in der Prager Presse gerade eine heftige Diskussion über die Professionalisierung des Fußballs statt. Vgl. hierzu: Vischer, S.283

38 Vischer, S.43

39 ebd., S.97

40 ebd., S.98

41 Hauff, S.278

42 Vischer: Fußballspieler..., S.23

43 ebd., S.22

44 Karl Valentin: Hänschen als Sportsmann, in: K.V. Sämtliche Werke in acht Bänden, München 1996, Band 2, S.137

45 Valentins Kritik am Sport ähnelt heutigen Persiflagen wie den Lieder von Georg Kreisler: "Sport ist gesund" und Reinhard Fendrich: "Es lebe der Sport".

46 Karl Valentin: Klagelied einer Wirtshaussemmel, Szenen und Dialoge, München 1978, S.13

47 Valentin: Klagelied..., S.14

48 Der Ball wird zum Beispiel von einem Flugzeug aus abgeworfen. Man fühlt sich an den Ex-Minister Jürgen W. Möllemann erinnert, der es liebt, den Ball bei besonderen Schalker Heimspielen höchstpersönlich per Fallschirm ins Stadion zu befördern.

49 Valentin: Klagelied..., S.19

50 Valentin: Sämtliche Werke ..., Band 4, S.52

51 Frank Ernst Müller: Die gebrochene Selbstverständlichkeit - Karl Valentin als Ethnomethodiker, in: Helmut Bachmaier (Hrg.): Kurzer Rede langer Sinn. Texte von und über Karl Valentin: München 1990, S.51

52 Valentin: Sämtliche Werke..., Bd. 4, S.52. In der Aufnahme von 1973/74 der VEB Deutsche Schallplatten gibt es hier leichte Textabweichungen, vor allem bedingt durch das valentin-karlstadtsche Dazwischenreden, das die beiden hier zur Perfektion gebracht haben. Die Sprachfüllsel wie: "Ja, was is dös?" und "Aha!", "ja!", sowie das häufige Wiederholen des letzten Wortes im Text des Partners vermitteln eine viel lebendigere Gesprächsatmosphäre, als sich das aus dem reinen Schrifttext ergibt.

53 Vgl. hierzu Hardy Grüne, S.91 f.

54 Gerhard Fischer, Ulrich Lindner: Stürmer für Hitler - Vom Zusammenhang zwischen Fußball und Nationalsozialismus, Göttingen 1999, S.50

55 Zit. nach Grüne, S.93

56 Schulze-Marmeling: Der gezähmte..., S.108

57 Zit. nach Schümer, S.60

58 Laut Lexikon des internationalen Films ein: "Harmloser, nicht sehr realistischer Sportfilm" unter der Regie von Robert A. Stemmle. Schauspieler waren unter anderem auch René Deltgen, Gustav Knuth und Wolfgang Staudte. Welche Fußballer mitspielten, ist dem Eintrag nicht zu entnehmen. Lexikon des internationalen Films auf CD-ROM, Sythema Verlag, München 1996

59 Fischer/Lindner, S.119

60 Vgl. hierzu: ebd., S.13-41

61 Heinz Berns, Hermann Wiersch: "Das Buch vom deutschen Fußballmeister. Die Geschichte zweier Mannen und einer Mannschaft, Wattenscheid 1936

62 Zit. nach Fischer/Lindner, S.152

63 ebd., Interview mit Herbert Burdenksi, S.164-166

64 ebd., S.159

65 Fritz Walter: 11 rote Jäger - Nationalspieler im Kriege, München 1959

66 zit. nach Fischer/Lindner, S.279

67 Vgl. ebd., S.156-160

68 F. Peters: Tull Harder stürmt für Deutschlands Fußballruhm, o. Ort, 1942

69 H. J. Müllenbach, Dr. Friedeberg Becker (Hrg.): "Feldherrn der Fußballschlachten" - Die packende Lebensgeschichte berühmter deutscher Mittelstürmer, Berlin 1941, S.13 (Reprint Kassel 1990)

70 Fischer/Lindner, S.236

71 ebd.

72 ebd.

73 Vgl. ebd., S.233-239

74 ebd., S.238

75 Müllenbach/Becker; a.a.O.

76 Joseph Roth: Die Legende vom heiligen Trinker, 14. Auflage, Köln 1998, S.37

77 ebd., S.36

78 Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch, München 1981, S.124 f.

79 Vgl. hierzu: Lutz Maurer: Der beste Schriftsteller unter den zeitgenössischen Wasserballern - Friedrich Torberg und der Sport, in: David Axmann (Hrg.): Und lächeln ist das Erbteil meines Stammes - Erinnerungen an Friedrich Torberg, Wien 1988, S.61-63

80 Torberg: Die Erben..., S.125

81 John, S.73

82 Zit. nach: Fischer/Lindner,, S.129

83 Vgl. hierzu: Fischer/Lindner, S.147-149

84 Friedrich Torberg: Die Mannschaft - Roman eines Sportlebens, Wien 1968, S.88

85 Zit. nach Maurer, S.53

86 ebd., S. 66

87 ebd., S.126

88 Wolfgang Maderthaner: Der »papierene« Tänzer - Mathias Sindelar, ein Wiener Fußballmythos, in: Roman Horak, Wolfgang Reiter: Die Kanten des runden Leders - Beiträge zur europäischen Fußballkultur, Wien 1991, S.213

89 ebd.

90 ebd.

91 Schulze-Marmeling: Der gezähmte..., S.126

92 Fischer/Lindner, S.142

93 Vgl. hierzu Maderthaner, S.205 f.

94 Friedrich Torberg: Auf den Tod eines Fußballspielers, in: Lebenslied - Gedichte aus 25 Jahren, Wien/Berlin 1983, S.47

95 ebd., S.47 f.

96 Vgl. hierzu Maderthaner, S.214

97 Torberg: Lebenslied, S.48

98 Pariser Tageszeitung vom 25.1.1939, S.3, zit. nach : Maderthaner, S.207

99 Fischer/Lindner, S.253

100 Zit. nach ebd., S.259

101 ebd., S.257

Details

Seiten
154
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638366878
ISBN (Buch)
9783656209331
Dateigröße
1019 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37304
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Fachbereich Germanistik
Note
sehr gut
Schlagworte
Runde Eckigen Fußball Literatur

Autor

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Titel: Das Runde im Eckigen. Fußball in der deutschsprachigen Literatur