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Frühaufklärungssysteme

Hausarbeit (Hauptseminar) 2001 25 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1Einleitung
1.1Ausgangssituation und Problemstellung
1.2Klassifizierung von Frühaufklärungsansätzen

2Operative Frühaufklärung
2.1Kennzahlenorientierte operative Frühaufklärung
2.2Hochrechnungsorientierte operative Frühaufklärung
2.3Indikatororientierte operative Frühaufklärung

3Strategische Frühaufklärung
3.1Das Konzept der schwachen Signale
3.2Delphi-Methode
3.3Unschärfepositionierung in der Portfolioanalyse
3.4Diffusionsfunktionen
3.5Szenario-Technik

4Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb1: Anwendungsbezogene Klassifikationsansätze der Frühaufklärung

Abb2: Basisaktivitäten einer strategischen Frühaufklärung

Abb3: Ablaufschema der Delphi-Methode

Abb4: Beispiel einer Positionierung durch das Management

Abb5: Strukturelle Trendlinie

Abb6: Der Szenario-Trichter

Abb7: Szenario-Erstellung

1. Einleitung

1.1. Ausgangssituation und Problemstellung

Da früher das Umfeld der Unternehmen eher berechenbar war und die Positionierung im Wettbewerb auf Basis eigener Stärken und Schwächen stattfand, ergab sich eine eher innenorientierte Strategieentwicklung der Unternehmen. Mittlerweile zeigen Absatz- und Beschaffungsmärkte, Technik, Gesetzgebung, Wettbewerb, Werte u.a.m. eine Dynamik, die zu vielen relevanten und überraschenden Veränderungen im Umfeld einer Unternehmung führen.[1] Die Steigerung der Sensibilisierungsqualität des Managements auf Umfeldentwicklungen ist durch die zunehmende Koevolution von Umwelt und Unternehmen zu einem ausschlaggebenden Erfolgsfaktor geworden. Mit dem Ziel einer möglichst überraschungsfreien Unternehmensentwicklung wird nach konzeptionellen Möglichkeiten gesucht, die auf künftige Ereignisse oder Entwicklungen hinweisen.[2] Da Überraschungen für ein Unternehmen meist mit Spitzenbelastungen, eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten, vorübergehenden Qualitätsverlusten, hohem Konfliktpotential und negativen Auswirkungen auf die Ertragssituation verbunden sind, erscheint es vollkommen einleuchtend, möglichst früh relevante Zustände und Vorgänge in der Umwelt zu erkennen, um bezüglich der Aktionen/Reaktionen noch über ausreichend Optionen zu verfügen (Manövrierfähigkeit) und diese schrittweise durchführen zu können.[3]

Der Begriff „Frühaufklärung“ wird in der Literatur unterschiedlich verwendet und definiert. Er soll im folgenden eine Zusammenfassung der systematischen und kontinuierlichen Überwachung der relevanten Unternehmensin- und umwelt und aller Bestrebungen, die in der Lage sind, den potentiellen Handlungszeitpunkt des Managements auf einer Zeitachse so weit wie möglich vorzuverlegen, darstellen.

1.2. Klassifizierung von Frühaufklärungsansätzen

Aufgrund der Vielzahl von Erscheinungsformen von Frühaufklärungsansätzen erscheint eine differenzierte Unterscheidung in zielorientierter Ordnung sinnvoll. Die in der Regel abstufbaren und unterschiedlichen Elementartypen treten in der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Anwendungsbezogene Klassifikationsansätze der Frühaufklärung[4]

Praxis in ausgebauten Kombinationen auf, die durch vielfältige und enge Beziehungen zur Unternehmensplanung in operative und strategische Frühaufklärungssysteme unterteilt werden. Abbildung 1 zeigt die vorherrschende anwendungsbezogene Unterscheidung.[5]

Im Hinblick auf deren historischen Entwicklung und Aufklärungsumfang werden betriebliche Frühaufklärungssysteme in drei Kategorien unterteilt. Die besondere Bedeutung von Frühaufklärungsansätzen der ersten Generation liegt in der Entwicklung spezifischer Kennzahlensysteme in Verbindung mit Planungshochrechnungen, deren Wertveränderung bei Überschreiten eines festgelegten Rahmens Meldungen im Sinne von Frühwarnungen auslösen sollen. Die Frühaufklärung der 2. Generation bezieht sich im Sinne einer Früherkennung auf Indikatoren,[6] die nach einer realisierten, systematischen Suche, latente Chancen und Gelegenheiten innerhalb und ausserhalb des Unternehmens anzeigen. Durch die Entwicklung des Konzepts der schwachen Signale nach Igor

Ansoff, gekoppelt mit Ansätzen aus der Diffusionstheorie orientiert sich die Frühaufklärung der 3. Generation auf die Sensibilisierung des Managements auf schwache Signale, die Umsetzung von Früherkennungsinformationen und die

Initiierung von Strategien und Handlungsprogrammen.[7]

Es wurde eine Vielzahl von Analyse- und Prognosemethoden zur Frühaufklärung entwickelt. In den folgenden Abschnitten werden anerkannte, in der Praxis häufig verwendete Instrumente kurz vorgestellt und bezüglich ihrer Frühaufklärungseigenschaft und -qualität kritisch eingeschätzt. Die strategische Frühaufklärung steht dabei im Mittelpunkt, da erst Informationssysteme in diesem Bereich, neben der Erkennung von Chancen und Risiken, eine Entwicklung von Handlungsalternativen ermöglichen (Frühaufklärungssysteme). Operative Frühaufklärungsansätze sind Teil bzw. Basis der meisten strategischen Frühaufklärungssysteme und sollen deshalb mit skizziert werden.

2. Operative Frühaufklärung

2.1. Kennzahlenorientierte operative Frühaufklärung

Kennzahlen sind in der Betriebswirtschaft seit langer Zeit bewährte, quantitative Instrumente. Sie dienen als Basis für Analysen, Prognosen, Planungen, Steuerungen und Kontrollen. Als Verhältnis- oder Absolutzahlen liegt ihr Vorteil in der Möglichkeit der direkten Erfassung, Quantifizierung und ihrem Informationsgehalt. Auf diese Art und Weise können wichtige Sachverhalte und Zusammenhänge gemessen und exakt dargestellt werden. Die geordnete Gesamtheit von Einzelkennzahlen bilden Kennzahlensysteme, mit dem Ziel, möglichst vollständige, direkte und komprimierte Informationen über gesamtunternehmensbezogene Sachverhalte zu liefern.[8]

Zur Erstellung solcher Systeme werden zuerst die Beobachtungsbereiche des Unternehmensin- und umfeldes, in denen Chancen und/oder Bedrohungen vermutet werden, festgelegt. Danach erfolgt eine gerichtete Suche und die Aggregation der relevanten Daten mittels statistischer Verfahren, wobei das Aggregationsniveau und dessen Zeitspanne eine wichtige Rolle spielen. Normwerte und Toleranzbereiche sollten so ausgewählt werden, dass es erst bei statistisch signifikanten Abweichungen zur Auslösung von „Warnsignalen“ führt. Die Meldungen müssen hinsichtlich ihrer Bedeutung und Ursachen einheitlich

und formal ausgestaltet und von den vorher festgelegten Stellen weitergeleitet und

verarbeitet werden.[9]

Reine Kennzahlensysteme basieren meist auf quantitativen Prognosen und besitzen dadurch nur begrenzte Frühaufklärungsqualität. Ihre Anwendung ist in der Praxis weit verbreitet, jedoch seltener als Frühaufklärungsinstrument, da neuartige Chancen/Bedrohungen nicht oder zu spät aufgespürt und bei der Aggregation Zusammenhänge fehlinterpretiert oder übersehen werden können. Allerdings haben Kennzahlen eine große Bedeutung für die indikatororientierte und strategische Frühaufklärung.[10]

2.2. Hochrechnungsorientierte operative Frühaufklärung

Der Vergleich von Hochrechnungen zwischenperiodisch realisierter Ist-Werte mit Plankennzahlen ermöglicht frühzeitig ein präventives Einschreiten, bevor das klare Ereignis als ungenutzte Chance verstreicht oder sich zur akuten Bedrohung entwickelt.[11] Abweichungsanalysen Vorschau- und Erwartungsrechnungen sind zukunftsorientierte Hochrechnungen auf Basis quantitativer Prognosen. Derartige Soll/Wird -Analysen finden in der Praxis in verschiedenen Formen Anwendung wie zum Beispiel der vorschauorientierten Budgetkontrolle, die auf kumulierten Abweichungen basiert. Besonders bei zeitlich begrenzten Projekten dient die Hochrechnungsanalyse zur Frühaufklärung, wobei Termine und Kosten von Beginn an als latente Chancen und Bedrohungen eingestuft werden.[12]

Grundsätzlich vergrößern Hochrechnungen den Aktionszeitraum für Gegenmaßnahmen, allerdings liegt der Schwerpunkt mehr in der Kontrolle, als in der Prognose. Bei der Anwendung kommt es durch die Annahme konstanter Trends zwangsweise zu Fehlinformationen und analog zur Kennzahlenanalyse existiert eine Extrapolationsfalle, d. h. die frühzeitige Anzeige latenter, unerwarteter oder in der Vergangenheit für irrelevant eingestufte Entwicklungen ist nicht möglich.[13]

2.3. Indikatororientierte operative Frühaufklärung

Auf Indikatoren basierende Frühaufklärungssysteme der 2. Generation stehen im Zentrum der operativen Frühaufklärung. Im Vordergrund steht eine permanente, gerichtete Umwelt- bzw. Unternehmensüberwachung, die oft als Grundlage für strategisch relevante Informationen genutzt wird. Durch eine Stärken-/Schwächen-Analyse werden die Beobachtungsbereiche festgelegt, wobei die Minimalziele, dass heisst die Sicherung der Überlebensfähigkeit des Unternehmens, besondere Bedeutung haben. Strategische Planungsbereiche bieten ebenfalls Ansatzpunkte für eine Abgrenzung der Untersuchungsfelder, die besonders bei der Bestimmung von Indikatoren eine große Rolle spielen. Durch Kreativitätstechniken und anschließenden Relevanzprüfungen können weitere Kennzahlen ermittelt werden, die durch Verknüpfungsnetze meist Indikatorenbündel bilden. Der erfolgreiche Einsatz von Frühaufklärungsindikatoren hängt von wichtigen Anforderungen wie z. B. Eindeutigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Erklärbarkeit, Vorlaufkonstanz, Robustheit ab.[14]

Gegenüber reinen quantitativen Prognosen liegt Vorteil von Indikatoren in der Einbeziehung qualitativer Daten, wodurch allerdings die Vorgabe von Soll- und Toleranzgrenzen erschwert wird. Verwirrungen, Überreaktionen oder Interessenlosigkeit können Folgen der Erklärungsproblematik der „Normalsituation“ oder der Skalenwahl sein.[15] Durch die Aufnahme und Aufbereitung frühaufklärender Informationen erhält eine zentrale Stelle einen Überblick über die signalisierte Gesamtlage und kann gegebenenfalls Gegenmaßnahmen einleiten.[16] „Auftragseingänge“, „F.A.Z.- Konjunkturindikator“ oder „Ifo-Geschäftsklimaindikator“, als wichtige gesamtunternehmensbezogene Indikatoren, unterscheiden sich von bereichsbezogenen Frühaufklärungsindikatoren wie z.B. Fluktuationsraten im Personalbereich oder Verbraucherstimmungsindikatoren im Absatzbereich.[17]

[...]


[1] Vgl. Hammer, R. : (Planung), S. 1 ff.

[2]Vgl. Dolata, B.: (Früherkennungssysteme), S. 1 ff.

[3] Vgl. Krystek, U.; Müller-Stewens, G.: (Frühaufklärung), S. 2-9

[4] Quelle: Modifiziert nach Koslowski, F.: (Frühaufklärung) S.51, anderer Ansicht ist Hammer, R.: (Planung), S. 180

[5] Vgl. Krystek, U.; Müller-Stewens, G.: (Frühaufklärung), S. 23

[6] Vgl. Dolata, B.: (Früherkennungssysteme), S. 31-33

[7] Vg. Koslowski, F.: (Frühaufklärung) S.66 ff.

[8] Vgl. Krystek, U.; Müller-Stewens, G.: (Frühaufklärung), S. 45 ff.

[9] Vgl. Krystek, U.; Müller-Stewens, G.: (Frühaufklärung), S. 61-63

[10] Vgl. Koslowski, F.: (Frühaufklärung), S. 45 ff.

[11] Vgl. Klausmann, W.: (Frühwarnsysteme), S. 41 ff.

[12] Vgl. Dolata, B.: (Früherkennungssysteme), S. 29-30

[13] Vgl. Krystek, U.; Müller-Stewens, G.: (Frühaufklärung), S. 73-76

Details

Seiten
25
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638123136
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3733
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Lehrstuhl für BWL, insbes. Marktorientierte Unternehmensführung
Note
2,3
Schlagworte
Frühaufklärung strategische Unternehmensplanung Unternehmenskrisen Szenario-Technik Portfolio-Analyse Schwache Signale Delhi-Methode

Autor

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Titel: Frühaufklärungssysteme