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Erziehungs- und Bildungstheorie. Darstellung und Interpretation des Theorieansatzes Werner Lochs

Studienarbeit 2016 22 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Darstellung des Theorieansatzes Werner Lochs
2.1 Enkulturation und Enkulturationshilfe
2.2 Pädagogisches Verstehen
2.3 Der Mensch im Modus des Könnens
2.4 Phänomenologische Pädagogik
2.5 Aufgaben der Erziehung
2.6 Erneuerungsansätze

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Einführung

Werner Loch wurde 1928 als Sohn eines Goldschmieds in Oberstein geboren. Nach seinem Studium in den Fächern Philosophie und Pädagogik konnte er von 1961 bis 1994 dozieren, bis ins Jahr 2008 arbeitete er weiter an seinen Schriften. Werner Loch starb am 2. April 2010 in Berlin. Während seiner Amtszeit in Nürnberg erlebte er die Studentenrevolte mit. Die Auflehnung gegen die Herrschaft von Menschen über andere Menschen beeinflusste Loch und war mitunter Grund für den Ansatz der Erziehungs-wissenschaften aus der Sicht der Erzogenen.[1] Grundsätzlich vertritt Loch in seinen zahlreichen Schriften die Ansicht, dass „der Mensch nur durch Erziehung Mensch werden kann und die Erziehungssituation somit das Menschsein des Menschen (nach Bedürftigkeit, Fähigkeit und Notwendigkeit) im ganzen [!] wesenhaft bestimmt.“[2] Für Ihn ist die Erziehung der zentrale Begriff der Pädagogik und für die Entwicklung eines Individuums unabdingbar durch Erziehungspersonen auf bestimmte Art und Weise zu leisten. Dazu hat Marc Fabian Buck eine passende Definition zitiert:

„Erziehung hat nach Loch die grundlegende Aufgabe, ‚dem Individuum für seine Bildung Lebensbezüge zu vermitteln, die in der Gesellschaft für den Nachwuchs als bedeutsam gelten und einen produktiven und befriedigenden Lebenslauf versprechen‘“[3]

Seiner Auffassung nach liegt das Problem der Pädagogik in der mangelnden Definition des Erziehungsbegriffes, da dazu weder eine allgemeingültige Theorie vorzufinden ist noch eine Anleitung, wie Erziehung praktisch umzusetzen ist. Das Handlungsfeld der Erziehungswissenschaften hat ihren zentralen Gegenstand aus den Augen verloren, somit wird es seinem eigenen Anspruch nicht gerecht. Loch fordert also eine konkrete Gegenstandsbestimmung des Wortes Erziehung - was es bedeutet, was man leisten muss, um erziehen zu können und was eine gute Erziehung ausmacht.[4] Um darzustellen ob Werner Loch seiner Forderung gerecht wird, werde ich seinen Theorieansatz in Grundzügen systematisch darstellen. Dazu werde ich zu Beginn meiner Arbeit den Menschen in Beziehung zur Kultur und zur Erziehung setzten. Daraufhin wird dargestellt, welche Bedingungen im sozialen Interaktionsprozess der Erziehung vorherrschen sollten, um diesen sinnvoll zu gestalten. Im Kapitel der Mensch im Modus des Könnens wird auf die Fähigkeiten, die dem Menschen als Grundvoraussetzung gegeben sind, um lernen zu können, eingegangen. Darauffolgend werden die Probleme der Pädagogik, die bei phänomenologischer Beschreibung auftreten, dargestellt und auf die allgemeine Pädagogik erweitert. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit den Aufgaben der Erziehung und gibt konkrete Forderungen, was ein Erzieher zu leisten hat. Abschließend werden zwei Erneuerungsansätze vorgestellt, die der Pädagogik, vor allem aber den Erziehern helfen soll, ihrem Aufgabenbereich gerecht zu werden. Mit diesem Vorgehen wird versucht, den Theorieansatz Werner Lochs zu verstehen und seine Grundzüge herauszustellen um ihn somit interpretieren zu können.

2 Darstellung des Theorieansatzes Werner Lochs

2.1 Enkulturation und Enkulturationshilfe

Ein zentraler Begriff in den Schriften Werner Lochs ist der der Enkulturation. Dieser wurde durch den US-amerikanischen Anthropologen Melville J. Herskovits definiert und 1968 von Loch in die deutschen Erziehungswissenschaften eingeführt.[5]

Um diesen Begriff näher bestimmen zu können, bedarf es der Erklärung einer grundlegenden vorangehenden Annahme Lochs, dass „dem Mensch seine Lebensform im Unterschied zum Tier nicht angeboren ist.“[6]. Daraus ergibt sich die Folge, dass der Mensch seine Anlagen nur im Bezug zur Gesellschaft bzw. zur Kultur, in die er hineingeboren wird, vollständig entwickeln kann. Kultur meint eine Lebensform des Menschen mit einer bestimmten sozialen Organisation. Die unterschiedlichen Kulturen lassen sich oftmals durch Sprache, Verhaltensnormen, Gedanken und Einstellungen voneinander trennen. Der Kulturbegriff beinhaltet alles vom Menschen Veränderte, Erschaffene und Überlieferte. Laut Loch ist Kultur die Entäußerung des menschlichen Geistes, bleibt aber objektiver Geist, da die Entstehung kultureller Gebilde nicht direkt an einen einzelnen Menschen, sondern an die große Mehrheit gebunden ist.[7] Der Begriff der Enkulturation beschreibt den unbewussten Lernprozess, das Hineinwachsen des Einzelnen in die jeweilige Kultur. Gut erkennbar ist dies am Beispiel eines Neugeborenen, das beim Heranwachsen den Umgang mit der Kultur lernt. Dies ist nur durch gesellschaftliche Einbindung und Interaktion möglich, da jeder Mensch von oder mit anderen Menschen lernt und dabei das Erlernte reflektiert. Dadurch ist es dem Menschen nicht nur möglich, sich Wissen anzueignen, sondern dies auch subjektiv zu verarbeiten und somit sein Leben aktiv mitzugestalten. Um das zu ermöglichen, bedarf es der Hilfeleistung anderer Menschen in Form von Erziehung, die von Werner Loch als lebenslange Daueraufgabe angesehen wird. Dabei wird zwischen der funktionalen und der intentionalen Erziehung unterschieden. Letzteres meint die zielgerichtete, beabsichtigte und bewusste Handlung der Erziehung, die die eindeutige Funktion des Erreichens der Mündigkeit hat. Dagegen meint Loch mit der funktionalen Erziehung diejenige unbewusste, beiläufige und immer fortwährende Handlung, die Mitmenschen untereinander jederzeit aneinander richten.[8]

Für den erfolgreichen Enkulturationsvorgang darf der Begriff keineswegs als „bloßer Prozess der Anpassung an vorgegebene Formen verstanden werden; er ist vielmehr zugleich die Aktivierung dieser Formen zu produktiven Lebensleistungen.“[9] Das lässt sich am Beispiel der Demokratie als vorgegebene Form verdeutlichen. Diese wird durch Beteiligung aktiviert, beeinflusst somit die Kultur und wird zur Lebensleistung. Der Mensch muss in dieser Hinsicht als aktiv Handelnder auftreten, um zu gewährleisten, dass jede Aktivierung und somit die Aneignung eines neuen Kulturgebildes eine neue geistige Tätigkeit hervorruft. Somit wird die dauerhafte Entwicklung der Kultur garantiert, da diese einer ständigen Veränderung unterworfen ist. Für Loch erweist sich Enkulturation als „Organisation der Intelligenz“[10], was bedeutet, dass erst das Erlernen der Kultur die geistigen Organe des Menschen ausbildet und ihn somit befähigt, in seiner Welt zu leben, sich zurechtzufinden und diese zu formen. Ein passendes Zitat Werner Lochs hierzu lautet: „Die Kultur lebt so durch die kulturelle Produktivität ihrer Träger, ja, Kultur ist selbst nie bloß Gebilde, sondern zugleich auch dessen Aktualisierung.“[11] Wie aber kann ein Neugeborenes Kulturgebilde neu entwerfen oder verändern, wenn es diese erst erlernen muss? Dazu muss Lochs Annahme, dass „D[!]ie für die Entwicklung des menschlichen Individuums lebensnotwendigen sozial bedingten Lernprozesse […] eo ipso kulturbedingte Lernprozesse [sind]“, genauer betrachtet werden. Da alle zu vermittelnden Werte, Normen und Verhaltensmuster bereits durch vorhergehende Generationen und deren Auffassungen von Kultur geprägt sind, gibt es keine kulturfreien Lernprozesse, ebenso wie es keinen Menschen außerhalb der Kultur geben kann. „Der Mensch ist von Natur aus dazu bestimmt, sein Leben als Kultur zu vollziehen.“[12] Mit dieser Aussage bezieht sich Loch auf Helmut Plessners Gesetz der natürlichen Künstlichkeit, mit dem er deutlich macht, dass der Mensch durch seine mangelnde Anpassung an die Welt dazu gezwungen ist, sich eine sogenannte „zweite Natur“, nämlich die Kultur, selbst zu entwerfen. Dementsprechend ist es den Menschen nicht möglich, Kulturgebilde ohne Einfluss der schon vorhandenen Kultur neu zu bilden oder zu verändern, er ist lediglich in der Lage, sein erweitertes Wissen bestmöglich einzusetzen um diese im Sinne der Menschheit zu formen und zu verbessern.

Aufbauend auf dem Enkulturationsmodell führt Werner Loch den Begriff der Enkulturationshilfe ein. Diese soll einem Menschen dabei helfen, in die jeweilige Kultur hineinzuwachsen und Teil davon zu werden. Es stellt sich nun die Frage, wie die Begriffe Enkulturationshilfe und Erziehung zueinander stehen.

Kultur als Lebensform des Menschen beinhaltet, dass jede soziale Organisation von Gruppen, Schichten, Gesellschaften usw. bereits durch eine bestimmte Kultur geprägt sind. Daraus lässt sich die Annahme schließen, dass auch „die Klasse von Interaktionen, sozialen Verhaltensweisen, die der Erziehungsbegriff zusammenfasst, […] eine Klasse kulturell geprägter Aktivitäten [ist].“[13] Da also die Erziehung selbst kulturell geprägt ist, muss für dessen sinnvolle Verwendung auf den Hintergrund und Einfluss der jeweiligen Kultur eingegangen werden. In verschiedenen Kulturkreisen müssen also unterschiedliche Formen der Erziehung und der jeweiligen Lernaufgaben angewandt werden. Da nun jede Erziehungsform einen kulturbedingten Charakter von Lernen hat, beschreibt Loch dies nicht nur als allgemeine Lernhilfe, sondern genauer als Enkulturationshilfe. Kann also die Enkulturationsaufgabe, die dem Menschen als Mitglied einer bestimmten Gruppe gestellt wird, nicht bewältigt werden, bedarf es der Hilfe durch Andere. „Damit ist die spezifische Lebenshilfe, welche die Erziehung gibt, die Enkulturationshilfe.“[14] Diese wird von Loch als eine „sozial-kulturell bedingte Form des menschlichen Lernens“ beschrieben, da die Erziehung als soziale Handlung gesehen wird und in jeder Kultur eingeprägte Erziehungsmuster und Verhaltensweisen vorherrschen, nach denen sich der Mensch richten soll.[15]

2.2 Pädagogisches Verstehen

Laut Werner Loch ist ein wichtiger Aspekt für eine gute Erziehung der des pädagogischen Verstehens. Dabei herrscht die Grundannahme, dass es dabei um mindestens zwei Individuen geht, die in Wechselwirkung zueinander stehen und somit interagieren. Da sich der Begriff auf den Vorgang der Erziehung bezieht, handelt es sich bei den Interaktionspartnern meist um einen erziehungsbedürftigen und einen erziehungsfähigen Menschen. Pädagogisches Verstehen soll eine Verstehens-Leistung im praktischen Sinne darstellen, also während der Tätigkeit des Lernens oder des Erziehens vonstattengehen. Dabei ist wichtig, dass zwischen Erzogen-Werdenden und Erziehenden ein Verständnis über die Bedürfnisse und Ziele des jeweils anderen herrscht. Die Voraussetzung hierfür ist, dass einerseits grundlegende soziale Normen und Regeln herrschen und anderseits, dass die Interaktionspartner Wünsche, Anregungen und Kritik jederzeit aneinander richten dürfen. Die aufgestellten Regeln dienen nicht dazu, die Differenzen, die zwangsläufig zwischen den Personen herrschen, aufzuheben, wohl aber dazu, eine produktive Lernatmosphäre zu schaffen. Das Austauschen der Erwartungen, die man aneinander richtet, dient der sinnvollen Arbeitsteilung, einem Spiel mit verteilten Rollen. Loch nennt dieses Phänomen die „‘Beteiligung‘ im pädagogischen Bezug“[16], da beide Partner gleichermaßen am Gelingen dieser Aufgabe interessiert sind. Nun stellt sich die Frage, was Erzieher oder Personen in ähnlichen Funktionen zu leisten haben. Es ist nicht ausreichend, den zu vermittelnden Sachverhalt zu verstehen und ihn ordentlich darzustellen, vielmehr wird das ‚Besserverstehen’ gefordert. Damit meint Loch die Fähigkeit, individuelle Lernhemmungen, die sich bei Erziehungsbedürftigen einstellen, besser verstehen zu können als das Umfeld und in den meisten Fällen auch besser als der davon Betroffene selbst. Dies beinhaltet auch, dass Erzieher rückbetrachtend auf die Vergangenheit und vorausschauend zu den künftigen Möglichkeiten, zusammen mit dem Zu-Erziehenden dessen Zukunft immer wieder neu formen und neu verstehen müssen.[17] Eine weitere Leistung, die der Erzieher zu erbringen hat, ist die der sinnvollen Vergabe von Lernaufgaben. Dabei können Lernschwierigkeiten in Form von Lernhemmungen auftreten. Aufgabe der Erziehung ist es, daraufhin oder vorgreifend Lernhilfen zu geben. Hier ist es wichtig, auf die Entwicklungsstufe des Edukanden zu achten, um ihn weder zu unterfordern, noch zu überfordern. Unter dem Einfluss der voranschreitenden Institutionalisierung bedeutet eine bildungsfördernde Lernhilfe in öffentlichen Einrichtungen, allen Menschen die gleichen Lernchancen zu bieten, gleichzeitig aber zu gewährleisten, dass individuelle Bedürfnisse nicht unterschlagen werden.[18]

Werner Loch gibt in seinen Texten eine kritische Betrachtung dessen ab, wie in der heutigen Zeit der Erziehungsbegriff definiert wird. Dabei herrscht eine „ideologische Verleugnung der Edukanden“[19], was bedeutet, dass sie deswegen in vorgegebene altersspezifische Rollen gesteckt werden. Durch diese verallgemeinernde Rollenverteilung werden die unterschiedlichen Individualitäten und Lerngeschwindigkeiten der Kinder vereinheitlicht und somit verleugnet. Das zeigt sich daran, dass schon in der Vorschulerziehung Inhalte und Themen auf die darauffolgende Schule ausgerichtet sind, sich somit die Lernzeit zwar verlängert, aber nur, um sie noch früher beginnen lassen zu können. Laut Loch führt dies zu einer „szenische[n] Verkürzung der Erziehung“[20], was heißt, dass für ihn die Erziehungsdauer zu einer Abfolge isolierter Szenen reduziert wird und somit keine vollständige, aufbauende Persönlichkeitsentwicklung zulässt. Grund hierfür sind die Rollen, die den Schülern aufgezwungen werden, sei es in öffentlichen Einrichtungen oder Zuhause. Die Erwartungen, die von der Gesellschaft an Kinder gerichtet werden, entsprechen eher einem Anpassungsprozess an die zugeteilte Rolle, um diese anschaulich darstellen zu können, als einer freien Entfaltung der Persönlichkeit. Dabei wird auch das System vieler Erziehungsfelder, in denen nur gelehrt wird, erforderliche Verhaltensweisen nachzuahmen, sie einzuüben und wiederzugeben, von Loch stark kritisiert. Demonstrative, also darstellende Methoden führen dazu, dass individuelle Verhaltensweisen nicht berücksichtigt werden können, da Kinder, die in vorgefertigte Rollen schlüpfen müssen, keine Chance haben, sich expressiv oder narrativ auszudrücken[21]. Durch das Hinwegfallen der narrativen Erzählung kann auch ein wichtiges Mittel der Bildung, nämlich das eigene narrative Verstehen, nicht erlernt werden. Damit ist gemeint, seine teilweise widersprüchlichen Erfahrungen zu verstehen, ihnen einen Sinn geben zu können und seinen zukünftigen Lebenslauf durch Träume, Hoffnungen und Vorhaben zu entwerfen. Demonstrative Verhaltensweisen sollen mit dieser Aussage nicht als nutzlos bezeichnet, sondern relativiert werden, da sie für den Bildungsprozess eine wichtige Rolle spielen. Zielführend wäre eine Erziehungsform also dann, wenn „die Beteiligten ihr Rollenspiel immer dann unterbrechen, wenn sein Sinn fragwürdig wird“[22], um in Situationen zu wechseln, in denen explikative Ausdrucksformen erwünscht sind. Eine Möglichkeit, die überwiegend vorkommende demonstrative Handlungsweise zu unterbrechen, ist die des Gesprächs. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, im Gespräch zwischen allen vier Arten des Ausdrucks - dem narrativen, dem projektiven, dem demonstrativen und dem expressiven Verhalten - wechseln zu können und so alle Bereiche sinnvoll zu vereinen.[23].Außerdem ermöglicht es das Gespräch, neue Spielregeln oder eine neue Rollenverteilung festzulegen, genauso wie es Raum für Geschichten und Erzählungen schafft. Dadurch können auch Unverstandene und „aus-der-Rolle-Fallende“ wieder Mut, Motivation und Hoffnung finden. Kann dies aber wegen institutionellen Zwängen nicht stattfinden, treten für die betroffenen Individuen bedeutende Verhaltensstörungen und Leistungsversagen auf. Ist der Einzelne nicht fähig, seine Rolle richtig darzustellen, kann es an der subjektiven Überforderung oder an den von außen vorgegebenen Regeln liegen. Um Erziehung sinnvoll zu gestalten, muss nicht nur auf das Lebensalter und die Entwicklungsstufe des Kindes, sondern auch auf die individuelle Verarbeitung von Erlerntem eingegangen werden. Erziehungspraxis und Erziehungstheorie leisten diesen Rahmen nicht. Dabei kritisiert Loch aber vor allem die Erziehungswissenschaft als Fach, da diese weder eine ausreichende Theorie, noch eine gültige Praxisanleitung zum Begriff der Erziehung vorzuschlagen hat. Dadurch, dass der Begriff nicht klar definiert ist, wird er überflüssig und erhält gleichzeitig einen diskriminierenden Beiklang. Für Loch löst sich die Pädagogik systematisch auf, die Erziehungswissenschaft zerfällt, indem sie nach innen immer spezieller wird, sich nach außen aber in angrenzende Humanwissenschaften aufteilt. Dabei verliert das eigenständige Fach der Erziehungswissenschaften an Bedeutung und wird nur noch als Teildisziplin der Sozialisation angesehen.

2.3 Der Mensch im Modus des Könnens

Wie bereits im ersten Kapitel erläutert, stützt sich Loch in seiner Argumentation auf Helmut Plessners Aussage, dass der Mensch sich seine „zweite Natur“, also die Kultur, selbst erschaffen muss. Mit der Aussage, „daß[!] der menschliche Organismus zum Überleben, zur Verbesserung seiner Lebensbedingungen und damit zur Steigerung seiner Lebensmöglichkeiten auf die Werkzeuge und Künste, die sozialen Organisationen und symbolische Medien angewiesen ist[…]“[24], verdeutlicht er die Unverzichtbarkeit der Kultur für den Menschen. Dieser lebt „im Modus des Könnens und Immer-besser-können-Wollens“, ist also motiviert, Kulturleistungen zu erbringen, aus ihnen zu lernen, sein Wissen zu erweitern und somit neue Leistungssteigerungen zu erreichen.[25] Durch die Eigenschaft, dass der Mensch „als Schöpfer der Kultur zugleich Geschöpf der Kultur [ist]“[26], kann er zwar sein eigenes Wesen mitgestalten, gleichzeitig ist er aber auch fähig, durch sein Können sein Lebensraum und somit die eigene Existenz zu zerstören.[27]

Der von Loch beschriebene Kompetenzbegriff beschreibt die Fähigkeit und Fertigkeit sowie die Motivation dazu, in einem bestimmten Gebiet Probleme zu lösen. Die Kompetenzbildung meint also den Übergang vom Zustand des Nicht-Könnens zum Zustand des Könnens mithilfe des Lernens. Da sich der Mensch seiner eigenen Unwissenheit bewusst ist, strebt er danach, sich Wissen anzueignen. Das Nicht-Können ist aber nur solange motivierend, solange der Glaube, sich das Wissen oder die Fertigkeit aneignen zu können, aufrechterhalten wird. Jedem Können geht ein Nicht-Können bzw. das Bewusstsein dessen voraus.[28] Dies kann bei richtiger Erziehung als motivierende Erkenntnis dienen, anstatt zur Resignation zu führen. Jede Lernfähigkeit setzt aber eine elementare Fertigkeit voraus, sozusagen ein anfängliches Können, das dem Menschen von Geburt an gegeben ist. Beispielsweise hat ein Säugling die motorische Fertigkeit zum Greifen von Gegenständen. Diese Fertigkeit ist wiederum eine grundlegende Fähigkeit um weiter Lernaufgaben, wie zum Beispiel das Nutzen von Werkzeugen, bewältigen zu können. Die durch den Lernprozess erreichte Leistung wirkt als Motivation zu weiteren Leistungssteigerungen, jede erworbene Kompetenz ist „effectance motivation“, ein Antrieb zum Austesten seiner Möglichkeiten, um damit seine eigenen Grenzen zu überschreiten.[29] Der Mensch gilt als ein vernunftbegabtes Wesen, was ihm ermöglicht, frei zu handeln. Daraus ergibt sich seine Lebensaufgabe, die Welt mitzugestalten und im positiven Sinn zu verändern. Um diese zu bewältigen, besitzt er drei fundamentale Anlagen. Um Werkzeuge zu erfinden, diese herzustellen und zu nutzen, ist der Mensch mit der technischen Anlage, also der Handhabung einer Sache ausgestattet. Die pragmatische Anlage befähigt den Menschen, mit der Gesellschaft und seinem Umfeld zu interagieren und auf diese Weise das zivilisierte Zusammenleben zu sichern. Die dritte Eigenschaft lautet moralische Anlage und ist die Fähigkeit, das für die Gesellschaft Richtige zu erkennen und seine Handlungen und Taten danach zu richten.[30] Durch das Zusammenspiel dieser drei Eigenschaften wird die „Perfektionierung des Menschen durch fortschreitende Kultur möglich, aber nicht zwangsläufig“[31].

Der Mensch wird von der modernen Gesellschaft gefordert, im Laufe seines Lebens eine Anzahl an verschiedenen Rollen zu übernehmen, diese können entweder temporärer Art, wie zum Beispiel die des Zöglings, oder dauerhafter Art, wie die der Mutter sein. Diese verschiedenen Stationen und Rollenübergänge bilden den individuellen Lebenslauf eines jeden Menschen, den curriculum vitae.[32]

Laut Werner Loch durchläuft jeder Mensch während seiner Entwicklung zum mündigen Erwachsenen eine Reihe von zu erlernenden Fähigkeiten, die von Geburt an veranlagt sind. Die Abfolge der zu erlernenden Fähigkeiten ist aufeinander aufbauend und beginnt mit der Einverleibungsfähigkeit, was erste Kontakte mit Gegenständen oder Menschen bezeichnet und somit zur „Erweckung und Stabilisierung grundlegender Stimmungen und Lebensgefühle [führt]“[33]. Die weiterführende Fähigkeit ist die sensomotorische Kompetenz, also die Wahrnehmung betreffend. Diese ermöglicht dem Kind, die Reaktionen der Mitmenschen auf seine Bewegungen und Laute zu erkennen. Da ein grundlegendes Bedürfnis herrscht, die sensomotorische Kompetenz weiterzuentwickeln, schließt sich die lokomotorische Kompetenz, also die Körperbeherrschung, an. Diese befähigt zur näheren Erkundung der Umwelt und der Mitmenschen, führt aber auch dazu, die Grenzen seines Könnens und Dürfens erfahren zu müssen. Anschließend an diese Kompetenz folgt die der Nachahmungsfähigkeit, die das Lernen von Mitmenschen ermöglicht und eine große Bedeutung in der Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Individuums darstellt. Die darauf folgende Stufe, die der ludischen Kompetenz, beschreibt die Einbildungskraft, welche sich primär als Spielen-Können zum Ausdruck bringt. Laut Loch ist diese Stufe „[…]eine erste Form kreativen Lernens, weil sie das Kind instand setzt, die durch Nachahmung übernommene Verhaltensmodelle mit subjektivem Sinn zu erfüllen und damit zu verinnerlichen […]“[34].Als siebte Stufe beschreibt Loch die der Sprachfähigkeit, also sowohl die Anlage zum Sprechen als auch den Gebrauch der Sprache. Mit dem Zusammenspiel der sechsten und siebten Stufe lässt sich die regulative Kompetenz beschreiben. Damit ist gemeint, Regeln nicht nur zu befolgen, sondern sich auch eine konstruktive Meinung darüber zu bilden und diese begründen zu können. Daraus geht die Leistungsfähigkeit hervor, welche aussagt, dass das Individuum nun in der Lage ist, an sich selbst Ansprüche zu stellen, sein Können mit anderen zu vergleichen und somit steigern zu wollen. Neben der Leistungsfähigkeit entwickelt sich aus der regulativen Kompetenz auch die Denkfähigkeit, also die Eigenschaft, sowohl problemlösend und abstrakt denken zu können, als auch seine Ergebnisse logisch beweisen zu können. Die letzte Stufe in Lochs Modell nennt sich technische Kompetenz und entsteht aus der Verbindung der Denk- und Leistungsfähigkeit. Damit ist die Aneignung und Ausübung von Techniken, Handwerk, Kompetenzen, Fertigkeiten usw. gemeint, die Loch als ‚Künste‘ zusammenfasst.[35] Loch bezeichnet die Reihe curricularer Kompetenzen als „Stufen der Selbstverwirklichung und Ich-Entwicklung […].Sie sind die Stufen der Enkulturation, Sozialisation, Personalisation und Organisation des Subjekts als Träger des Lebenslaufs.“[36] Er zeigt damit, dass sie für jedes Individuum unabdingbar zu durchlaufen sind. Was aber passiert, wenn eine Stufe nicht erreicht, ausgelassen oder verändert wird, darauf geht Loch in diesem Text nicht ein.

2.4 Phänomenologische Pädagogik

Um den Theorieansatz Werner Lochs über phänomenologische Pädagogik darzustellen, möchte ich gerne drei Textausschnitte, die sich zeitlich über 16 Jahre ziehen, vergleichen. In seinem ersten Text von 1983 gibt Loch eine Beschreibung dessen, was er mit einem phänomenologischen Ansatz in der Pädagogik meint. Dazu bedarf es der Begriffsbestimmung des Wortes „Phänomen“. Es handelt sich dabei um ein mit den Sinnen wahrgenommenes einzelnes Ereignis, die Erscheinung. Im pädagogischen Sinn sind damit Wahrnehmungen, Gefühle und innere Vorgänge, die jeder Mensch bei Handlungen und Tätigkeiten empfindet, gemeint. So behandelt die Phänomenologie Bewusstseinsvorgänge, die aber nur durch subjektive sprachliche Beschreibungen greifbar und anschaulich gemacht werden können. Dabei muss die phänomenologische Betrachtung von der empirischen, hermeneutischen und vor allem von der psychoanalytischen unterschieden werden. Grundlage der phänomenologischen Pädagogik ist die Ansicht, dass der Mensch ein Wesen des Denkens ist. Husserl nennt es das „grundlegende ‚Vermögen‘ des Ichs“ und beschreibt, dass der Mensch in der Lage ist, „Bewusstsein in der Zeit und Zeit im Bewusstsein zu haben“, um so das „Zeitbewusstsein nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu gliedern“[37].Damit ist es möglich, durch Beschreibungen, die sowohl die Vergangenheit, die Gegenwart als auch die Zukunft betreffen, die Grundlage der phänomenologischen Pädagogik zu schaffen. Welche Bedeutung hat aber diese Art der Betrachtung für die Pädagogik? Die Philosophen und Pädagogen Ebeling, Husserl, Rombach, Schmitz, Schulz und Waldenfels vertreten die Ansicht, dass „die Zukunft der philosophischen Disziplinen in der Erforschung der subjektiven Bedingungen liegt, die die Erhaltung der Spielräume einer humanen Lebenswelt als sinngebenden Horizont jeglicher Praxis gewährleisten“.[38] Gemeint ist, sich damit zu beschäftigen, welche Bedingungen nötig sind, damit jedes Individuum bestmöglich dazu beitragen kann, die Welt zu einer menschenwürdigen, ethisch hochwertigen zu machen. Jede Erscheinung, die wir als Phänomen beschreiben, wird durch seine immer wiederkehrende gleichbleibende Form zum System und bei sinnvollem Inhalt auch zur Regel, der man zukünftig folgen kann. Durch diese unmittelbare Wirksamkeit der Phänomenologie wird deren Unabdingbarkeit, gerade für erzieherische Maßnahmen, deutlich. In seinem zweiten Text zum Thema phänomenologische Grundprobleme, aus dem Jahre 1998, beschäftigt sich Werner Loch erstmals mit der Frage, welche Kriterien zur Bestimmung eines Erziehers angelegt werden und wie man Erzieher von Nicht-Erziehern unterscheiden kann, dies nennt Loch das epistemologische Problem der Pädagogik. In diesem Abschnitt wird es um die intentionale Erziehungsform gehen, welche im Kapitel 2.1 bereits definiert wird. Um einen Edukator als solchen bestimmbar zu machen, stellt Loch dazu fünf Kriterien auf. Das erste Kriterium handelt von der Grundannahme, dass die Person den Zu-Erziehenden als lernfähig annimmt. In der Praxis bedeutet das, ihm genug Zeit für den Lernprozess einzuräumen und ihn zu neuem Lernen zu motivieren.[39] Damit schließt sich das zweite Kriterium an, in dem durch den Erzieher sinnvolle Lernaufgaben gestellt werden müssen. Sinnvoll meint, dass diese dem Alter, dem Umfeld und der Entwicklungsstufe des Kindes gerecht werden und gleichzeitig gut strukturiert sowie anhaltend stattfinden. Dabei sollte das Grundrecht eines Kindes auf „Noch-nicht-Können und Erst-lernen-Dürfen“ in jeder Form des Vermittelns und des Lernens beachtet werden.[40] Beim Stellen von Lernaufgaben treten fast immer Lernhemmungen auf. Aufgabe der Erzieher ist es, diese zu erkennen, zu beachten und erklären zu können. Damit ist auch gemeint, dass diese bei auftretenden Schwierigkeiten den Fehler zuerst bei sich selbst suchen, indem sie die Angemessenheit der gestellten Lernaufgabe hinterfragen. Lernhemmungen können aber nicht nur negative, sondern auch positive Auswirkungen auf den Lernprozess haben. Damit schließt sich das vierte Kriterium an, in dem es erstens darum geht, negative Lernhemmungen, die etwa bei Überforderung oder inhaltlichen Schwierigkeiten zustande kommen, durch geeignete Lernhilfen zu beheben. Zweitens müssen positive Lernhemmungen unterstützt und motivierend verstärkt werden. Unter positiven Lernhemmungen versteht man Hemmungen, die den Zögling davon abhalten, etwas Schlechtes zu tun. Auch die Weigerung, bestimmte Inhalte oder Dinge zu lernen, sollte unter Beachtung des Hintergrundes unterstützt und akzeptiert werden.

Loch versteht unter einer geeigneten Lernhilfe die Verbindung einer integrativen mit einer differenzierten Absicht. Damit meint er, in einer Gruppe von Lernenden allen die gleichen Chancen zu ermöglichen als auch gleichzeitig auf die individuellen Bedürfnisse eines einzelnen Lernenden einzugehen.[41] Das fünfte Kriterium zur Bestimmung eines Erziehers ist essenziell, da es die Stufe des Mündig-Werdens beschreibt. Der Erzieher sollte in der Lage sein, dem Zögling Lernerfolge möglich zu machen, die zu seiner Reife und seiner Verselbständigung beitragen. Dabei wird seine steigende Zurückhaltung im Laufe des Erziehungsprozesses, also mit zunehmendem Alter des Edukanden, gefordert. Loch fasst die fünf Kriterien konkret zusammen: „Lernaufgaben stellen und Lernfähigkeiten durch Lernhilfen entwickeln, die negative Lernhemmung beheben und positive bestärken, sind die vier Enden des ‚Kreuzes‘, das die ErzieherInnen in jeglicher Rolle […]auf sich geladen haben, um Lernerfolge zu erzielen […] und die unvermeidlichen Lernmißerfolge zu ertragen.“[42] Fraglich bleibt hier, ob ein Mensch laut Loch nur zum Erzieher wird, wenn alle fünf Kriterien erfüllt sind, oder auch, wenn zum Beispiel nur vier davon zutreffen. Kritisch ist hierbei auch die Betrachtung der Eltern in erzieherischen Rollen. Hier bedarf es keiner Ausbildung oder zu erfüllende Kriterien, um ihr eigenes Kind erziehen zu dürfen. Ist es also die Aufgabe professioneller Erzieher die Mängel des Elternhauses auszugleichen?

Ein Jahr später, im Jahre 1999, überarbeitet Loch seinen Ansatz bezüglich der Problematik in phänomenologischer Hinsicht und stellt dazu fünf Schwerpunkte vor. Das epistemologische Problem handelt von der bereits angesprochenen Tatsache, dass die Tätigkeit der Erziehung nicht klar von andern Handlungen abzugrenzen ist. Es lässt sich also schwer festmachen, wann genau Verhaltensweisen wie loben, tadeln, bestrafen etc. als erzieherische Maßnahme gesehen werden können, da sie in anderen sozialen Situationen ebenso vorkommen.[43] Welche Kriterien unterscheiden also Erzieher von Nicht-Erziehern? Entscheidendes Unterscheidungsmerkmal ist für Loch die Absicht, den „Lernenden zur Selbständigkeit zu verhelfen. Darunter begreif[t] […] [er] die Fähigkeit zur Selbstbestimmung.“[44] Es soll also nicht nur darum gehen, dem Kind möglichst viel Wissen zu vermitteln, es gehorsam und sittsam zu machen, sondern Ziel eines guten Erziehers sollte es sein, das Kind bei der Erarbeitung einer sicheren Identität zu unterstützen und das erzieherische Eingreifen nach und nach zu reduzieren um es zu einem mündigen, eigenständigen Erwachsenen zu machen. Bei diesem Prozess ist auch der von Loch beschriebene Kompetenzbegriff ausschlaggebend. Ein guter Erzieher ist in dem Sinne kompetent, als das er den Zu-Erziehenden gut genug kennt um einschätzen zu können, ob Lernhilfen wirklich nötig sind. Ist nämlich die bereits erworbene Kompetenz des Kindes ausreichend, um die gestellte Lernaufgabe lösen zu können, kann es auch hemmend sein, vorschnell Lernhilfen zu geben.[45] Damit das epistemologische Problem gelöst werden kann, bedarf es der Definition eindeutiger Kriterien um Erzieher von Nicht-Erziehern unterscheiden zu können. Dies nennt Loch hier das ethische Problem der Pädagogik. Diese fünf zentralen Kriterien wurden schon im Text von 1998 ausführlich dargestellt und unterscheiden sich in ihrem Kerninhalt nicht. Im ontologischen Problem stellt sich die Frage, aus welchem Grund Erziehung benötigt wird, wie sein genaues Charakteristikum ist und durch welche Voraussetzungen sie durchführbar ist. Daran schließt sich das ontogenetische Problem an, in dem es um die Betrachtung dessen geht, welche menschlichen Bedingungen nötig sind, um erzogen werden zu können. Gemeint ist zum Beispiel, wie Anlage und Umwelt im Verhältnis zueinander stehen und somit den Lernprozess ermöglichen.[46] Da Erziehung auf einer Wechselwirkung von Personen beruht, somit von beiden Interaktionspartnern abhängig ist und damit ungewisse Lernerfolgschancen aufweist, stellt sich Loch die Frage, was ein Erzieher können und lernen muss, um trotz dieser Ungewissheit einen Lernerfolg herbeizuführen.[47] Dies beschreibt er als technologisches Problem der Pädagogik.[48] Erziehung ist also immer auch das, was der Zögling aus der Vermittlung macht, wie er sie versteht und umzusetzen vermag. Somit sollte Erziehung nicht als Wundermittel, sondern lediglich als Hilfestellung beim Prozess des Mündig-Werdens angesehen werden. Beim Vergleich der Texte über phänomenologische Probleme in der Pädagogik, die nur ein Jahr auseinander liegen, fällt auf, dass sich inhaltlich kaum Veränderungen ergeben haben. Loch definiert lediglich die einzelnen Probleme genauer und begründet in seinem ‚Kreuz der Erziehung’ eine positive Veränderung, indem bei guter Erziehung automatisch die ‚Verselbständigung durch Lernerfolge‘ stattfindet. Schafft es der Erzieher, auf die Würde des Zu-Erziehenden stets zu achten, wird „dessen Selbstachtung als basales Motiv seiner Selbsterhaltung bestärkt“[49] und ein Lernmisserfolg für ihn somit erträglich.[50] Aus diesem Grund wird nicht mehr das Wechselspiel zwischen Lernerfolg und Lernmisserfolg als Ziel definiert, sondern die Verselbstständigung des Individuums.

[...]


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Loch, letzter Aufruf am 22.08.2016.

[2] Buck, Marc Fabian (2012), Einführung in die biographische Erziehungstheorie Werner Lochs, S.17.

[3] Ebd., S.22.

[4] Loch, Werner (1977), Enkulturation als anthropologischer Grundbegriff der Pädagogik, vgl. S. 382.

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Loch, letzter Aufruf am 12.08.2016.

[6] Loch, Werner (1977), Enkulturation als anthropologischer Grundbegriff der Pädagogik, S.385f.

[7] Vgl. ebd., S. 391.

[8] Vgl. ebd., S. 387.

[9] Loch, Werner (1977), Enkulturation als anthropologischer Grundbegriff der Pädagogik, S.394.

[10] Ebd., S.396.

[11] Ebd., S.398.

[12] Ebd., S.390.

[13] Loch, Werner (1977), Enkulturation als anthropologischer Grundbegriff der Pädagogik, S.404

[14] Ebd., S.408.

[15] Vgl. ebd., S. 405.

[16] Loch, Werner (1978), Individuelles Verhalten und pädagogisches Verstehen, S.10.

[17] Vgl. ebd., S.12.

[18] Buck, Marc Fabian (2012), Einführung in die biographischen Erziehungstheorien Werner Lochs, vgl. S. 52f.

[19] Loch, Werner (1978), Individuelles Verhalten und pädagogisches Verstehen, S.13.

[20] Loch, Werner (1978), Individuelles Verhalten und pädagogisches Verstehen, S.19

[21] Vgl. ebd., S.19.

[22] Ebd., S 23.

[23] Vgl. ebd.

[24] Loch, Werner (1980), Der Mensch im Modus des Könnens, S.195.

[25] Vgl. ebd.

[26] Ebd.

[27] Vgl. ebd.

[28] Loch, Werner (1980), Der Mensch im Modus des Könnens, vgl.S.213.

[29] Vgl. ebd., S.212.

[30] Vgl. ebd., S.208 f.

[31] Ebd., S.209.

[32] Buck, Marc Fabian(2012), Einführung in die biographischen Erziehungstheorien Werner Lochs, S. 24.

[33] Loch, Werner (1980), Der Mensch im Modus des Könnens, S.219, aus: Erikson 1961, S.57 ff., Gewirtz 1972.

[34] Loch, Werner (1980), Der Mensch im Modus des Könnens, S.220.

[35] Vgl. ebd., S.219-221.

[36] Loch, Werner(1980), Der Mensch im Modus des Könnens, S.219.

[37] Loch, Werner (1983), Phänomenologische Pädagogik, S.159.

[38] Ebd. S.162.

[39] Loch, Werner (1998), Phänomenologische Grundprobleme der Allgemeinen Pädagogik, vgl. S.319.

[40] Vgl. ebd., S.320.

[41] Loch, Werner (1998), Phänomenologische Grundprobleme der Allgemeinen Pädagogik, vgl. S.322.

[42] Ebd., S.322 f.

[43] Vgl. ebd., S.295.

[44] Ebd., S.297.

[45] Buck, Marc Fabian (2012), Einführung in die biographischen Erziehungstheorien Werner Lochs, vgl. S. 30

[46] Loch, Werner (1999), Phänomenologische Grundprobleme einer allgemeinen Pädagogik, vgl. S.293f.

[47] Vgl. ebd., S.290.

[48] Vgl. ebd., S.293f.

[49] Ebd., S.299.

[50] Vgl. ebd., S.299f.

Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668508385
ISBN (Buch)
9783668508392
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373328
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
erziehungs- bildungstheorie darstellung interpretation theorieansatzes werner lochs

Autor

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Titel: Erziehungs- und Bildungstheorie. Darstellung und Interpretation des Theorieansatzes Werner Lochs