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Gerontologische Anthropologie

Altersbilder in der Gesellschaft

Seminararbeit 2017 26 Seiten

Gesundheit - Gerontologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Gegenstand der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Begriffsbestimmung „Gerontologische Anthropologie“

3 Altersbilder in Deutschland
3.1 Altersbilder in Deutschland - Früher
3.2 Altersbilder in Deutschland - Heute

4 Historischer und kultureller Vergleich von Altersbildern
4.1 Historischer Vergleich von Altersbildern
4.2 Kultureller Vergleich von Altersbildern

5 Exkurs: Altersbilder unter Primaten?

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Das Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es, im Kontext der gerontologischen Anthropologie, die wichtigsten aktuell existierenden Altersbilder in unserer Gesellschaft aufzuführen, sowie ihre Entwicklung zurückzuverfolgen. Um der postierten Fragestellung, ob die soziale Last oder Alterslast ein vorherrschendes Altersbild in Deutschland ist einen umfassenderen Rahmen zu verleihen, werden verschiedene Vergleiche aufgestellt. Zu Beginn der Arbeit werden Altersbilder in Deutschland von der Industrialisierung bis einschließlich zum Nationalsozialismus verglichen. Darauf folgt ein historischer sowie kultureller Vergleich von Altersbildern. Schließlich wird ein Exkurs eingegliedert, welcher Altersbilder bei Primaten thematisiert. Folgende Schlussfolgerung resultiert aus der Analyse der zusammengetragenen Informationen: Das Altersbild der sozialen Last ist kein vorherrschendes Altersbild in Deutschland. Jedoch ist eine umfangreichere soziale und professionelle Integration der älteren Mitbürger besonders im Hinblick auf den demographischen Wandel von substanzieller Bedeutung für unsere Gesellschaft.

Schlüsselwörter: Gerontologie

Anthropologie

Altersbilder

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entwicklung der Lebenserwartung Neugeborener seit 1871/ 1881

Abb. 2: Durchschnittliche weitere Lebenserwartung in Deutschland

Abb. 3: Durchschnittliche Lebenserwartung* in Afrika 2016

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im folgenden Text auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

1 Einleitung

Die konstante Progression der Zahl älterer Menschen in Relation zu anderen Altersgruppen in Deutschland, immer wieder beschrieben durch den demographischen Wandel, verändert und prägt unsere Gesellschaft. Dieser Umstand erfordert bereits im Hinblick auf die nahe Zukunft nicht nur ein Überdenken unserer sozialen Sicherungssysteme, welche die daraus entstehenden zusätzlichen Kosten abfangen müssen, sondern auch das Erkennen und kritische Prüfen der sozialen Stellung älterer Menschen in unserer Gesellschaft. Die Wahrung positiver Altersbilder stellt eine Aufgabe von höchster Priorität dar. Sollte ein stärkerer Fokus auf die Teilhabe und Integration Älterer in der Gesellschaft gelegt werden? Nicht nur im Hinblick auf die soziale Integration, sondern auch in Hinblick auf eine mögliche professionelle Integration nach dem Renteneintrittsalter. Kann es sich eine Industrienation wie Deutschland heutzutage noch leisten die ökonomische und soziale Produktivität dieser Gesellschaftsgruppe ungenutzt zu lassen? Aus diesen Fragestellungen geht das Bedürfnis einer holistischen Betrachtungsweise der Stellung älterer Menschen in unserer Gesellschaft hervor, sowie die damit einhergehende Notwendigkeit des Aufstellens von kulturellen und historischen Vergleichen, um aktuell und zukünftig ein positives Altersbild zu fördern.

1.1 Gegenstand der Arbeit

Gegenstand dieser Arbeit ist die theoretische Untersuchung allgemein vertretener Altersbilder in Deutschland, sowohl aus einer beruflichen als auch privaten Perspektive. Des Weiteren wird ein kultureller und historischer Vergleich aufgestellt. Die zentrale Fragestellung, ob Ältere nur noch Last für die Sozialgesellschaft sind, soll als Leitfaden für diese Arbeit dienen. Die Relevanz dieses Themas ergibt sich aus dem stetig fortschreitenden demographischen Wandel in Deutschland und der daraus resultierenden hohen relativen Anzahl älterer Menschen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Zu Beginn der Arbeit soll der Begriff „Gerontologische Anthropologie“ in seinen einzelnen Bestandteilen erläutert werden. Darauffolgend soll die gesellschaftliche Stellung Älterer in Deutschland fokussiert werden, während im weiterführenden Teil der Arbeit ein kultureller und historischer Vergleich aufgestellt wird. Abschließend wird nach einem kurzen Exkurs, welcher die Stellung älterer Artgenossen unter Primaten thematisiert, ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gegeben und die Bedeutung von Altersbildern bezüglich sozialer Integration älterer Menschen bewertet.

2 Begriffsbestimmung „Gerontologische Anthropologie“

Die Anthropologie ist „die Lehre vom Menschen (Anthropologie, aus dem griechischen „ánthropos“ = Mensch und „lógos“ = Lehre).“[1]

Während die Gerontologie jene Wissenschaft ist, welche sich mit dem Alter und dem Altern beschäftigt.[2] Somit beschäftigt sich die „gerontologische Anthropologie“ mit den Umständen des menschlichen Alterns in Form von differenten Kulturbildern des Alters und deren Entwicklung. Um dem Begriff der „gerontologischen Anthropologie“ einen umfassenderen Kontext zu verleihen ist es an dieser Stelle unentbehrlich auch die Termini „Alter“, „Altern“ und „Altersbild“ zu definieren.

Zunächst ist das „Alter“ ein statischer Begriff, welcher stets stark chronologisch geprägt ist. Im Laufe unseres Lebens durchlaufen wir verschiedene Alter und erreichen durch die chronologische Zahl einen damit verknüpften sozialen Status in der Gesellschaft. Auch die Gesetzgebung orientiert sich beim setzen verschiedener Grenzen und Richtlinien stets am chronologischen Alter, wie beispielsweise das Alter „0“ den Beginn der Rechtsfähigkeit eines Menschen kennzeichnet. Weitere Beispiele sind der Eintritt der Volljährigkeit mit 18 Jahren und mit 67 Jahren das Renteneintrittsalter.[3]

Das „Altern“ hingegen hat einen dynamischen Charakter. Es beschreibt den kontinuierlich fortschreitenden Prozess, welchem jeder Mensch vom Tag seiner Geburt an ohnmächtig unterworfen ist.

„Die Hervorhebung des prozesshaften Moments von Altern eröffnet ein weites Feld von Forschungsthemen.“[4]

Hiermit meinen WAHL und HEYL, dass sich der Alternsprozess nahezu auf jeden Aspekt unseres Lebens auswirkt und sich somit eine ganze Bandbreite an möglichen Forschungsfeldern bezüglich des Alterns eröffnet. Man bedenke lediglich die biologischen, psychologischen oder pathologischen Prozesse, welche mit dem Altern einhergehen. Diese Seminararbeit soll sich jedoch vielmehr an den kultur- und sozialwissenschaftlichen Aspekten des Alterns orientieren. An dieser Stelle kommt der Begriff des „Altersbildes“ ins Spiel. Ein „Altersbild“ beschreibt „eine bestimmte, konkrete Vorstellung vom Altern, vom Alter oder von älteren Menschen [.. ,].“[5]

Altersbilder unterscheiden sich in verschiedenen Kulturen und sind ebenfalls zeitbedingt. Meist wird eher selten von einem singulären Altersbild gesprochen, da Altersbilder in einer sozialen Gesellschaft meist nicht allein, sondern zahlreich vorhanden sind, was letztendlich der Individualität des Menschen geschuldet ist.[6]

3 Altersbilder in Deutschland

Um für dieses und die nachfolgenden Kapitel eine gemeinsame Argumentationsgrundlage zu schaffen, ist es im Anschluss an die im vorangegangenen Kapitel erfolgte Definition des Alters essentiell, eine weitere von der chronologischen Zahl losgelöste Einordnung des Alters vorzustellen.

PETER LASLETT, ein Pionier der Sozialforschung, definierte vier verschiedene Altersphasen, unabhängig von einer konkreten chronologischen Zahl. Das Erste Alter ist geprägt von Abhängigkeit und umfasst die kindliche Erziehung und Unreife. Das Zweite Alter zeichnet sich durch Verantwortung und vor allem Unabhängigkeit aus, während das Dritte Alter die persönliche Erfüllung symbolisiert. Das Vierte Alter nach Laslett definiert die Phase der erneuten Abhängigkeit von anderen und der Altersschwäche, sowie den Tod.[7]

Des Weiteren ist es hinsichtlich der folgenden Kapitel unausweichlich, aufgrund der vorhandenen Pluralität von Altersbildern, einen Fokus zu setzen um den Bezug zur leitenden Fragestellung, ob Ältere nur noch Last für die Sozialgesellschaft sind, nicht zu verlieren. Altersbilder entstehen aus einem bunten Kontext verschiedenster Faktoren. Die Rahmenbedingungen, welche ein konkretes Altersbild entstehen lassen sind zahlreich, jedoch wirken manche von ihnen mit einer besonderen Gewichtung. So ist beispielsweise ein Faktor, welcher stark auf die Entwicklung von Altersbildern in einer bestimmten sozialen Gesellschaft wirkt, die Erwerbssituation.

Folglich wird in den nachfolgenden Kapiteln ein besonderer Fokus auf die sogenannten „organisationalen Altersbilder“[8] und im Allgemeinen die Verknüpfung zwischen Altersbild und Erwerbssituation gesetzt.

3.1 Altersbilder in Deutschland - Früher

Denkt man heute an die Älteren von früher fallen schnell Begriffe wie Familienoberhaupt, Respekt und Ehrfurcht ein. Dieses Altersbild existiert auch heute noch, j edoch nicht mehr mit der damals üblichen Vorherrschaft. Doch wann hat sich dieses Bild der Alten in der Gesellschaft grundsätzlich geändert und was war Auslöser hierfür? Antwort auf diese Frage bietet BURGESS:

„In allen historischen Gesellschaften vor der Industriellen Revolution, fast ohne Ausnahme, erfreuten sich die alternden Menschen einer vorteilhaften Position. Ihre ökonomische Sicherheit und ihr sozialer Status wurden durch ihre Rolle und durch ihren Platz in der Großfamilie garantiert. [...] das Vorrecht über Eigentum, Macht und Entscheidungen stand den Älteren zu. Dieses Goldene Zeitalter des Lebens der älteren Personen wurde gestört und untergraben durch die Industrielle Revolution. In allen Ländern der westlichen Kultur wurde dieser ältere patriarchalische Typus von Familienstrukturen und Verwandtschaftsbeziehungen durch Industrialisierung und Urbanisierung grundlegend verändert.“[9]

Mitte des 19. Jahrhunderts revolutionierte die Industrialisierung in Deutschland folglich nicht nur die wirtschaftliche, sondern ebenso die gesellschaftliche Ordnung. Technologische Entwicklungen wie die Dampfmaschine ermöglichten den Jüngeren Anstellungsverhältnisse in der Industrie und somit beispielsweise die Loslösung vom landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern. Der Grundstein für den Wandel des Altersbildes war mit der Industrialisierung gelegt worden. Als Multiplikator dieser Transformation wirkte die Einführung des Ruhestands im späten 19. Jahrhundert, der eindeutigen Trennung von Erwerbstätigkeit und Alter.

„Damit setzte jene Entwicklung ein, die vom späten 19. Jahrhundert an das Regelpensionsalter zur eigentlichen Alterszäsur und den Ruhestand zum wichtigsten sozialen Merkmal des Alters machte.“[10]

Bis heute ist der Ruhestand das charakteristischste soziale Merkmal des Alters. Grund für diese Entwicklung ist bereits damals die sich immer weiter entwickelnde Lebenserwartung gewesen. Früher arbeitete der Mensch bis an sein Lebensende, welches um 1900, zu keinem Zeitpunkt des damaligen Lebens allzu weit entfernt war, bedenkt man die durchschnittliche Lebenserwartung von 40 bis 48 Jahren (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entwicklung der Lebenserwartung Neugeborener seit 1871/ 1881

Quelle: Statistisches Bundesamt (2006)

Mit der Einführung des Ruhestands wurde nun endgültig ein Altersbild geschaffen, welches auch heute noch vertreten ist. Das Altersbild, welches den Alten die Rolle der sozialen Last auferlegt, denn dem bisherigen Arbeiten bis zum Lebensende ist mit der Einführung des Ruhestands ein Ende gesetzt.

Zu Zeiten der Weimarer Republik, erlangte der Taylorismus, welcher die Steigerung der Produktivität der menschlichen Arbeit zum Ziel hatte, in Deutschland seinen Höhepunkt und trübte damit maßgeblich das organisationale Altersbild der noch erwerbstätigen Alten.[11]

„Dabei setzten die Arbeitswissenschaftler - analog zu den medizinischen Theorien - Alter mit abnehmender Effizienz, rückläufiger Produktivität und fehlender Flexibilität gleich. [...] Als wenig später [...] die wirtschaftliche Globalsteuerung einsetzte, fiel der Zwangspensionierung bei der Bewältigung der Massenarbeitslosigkeit eine wichtige Rolle zu. Sie sollte helfen, die weniger leistungsfähigen Gruppen vom Arbeitsmarkt fernzuhalten. Obwohl die Zwangspensionierung in Deutschland keine Anwendung fand, führte die gesamte Debatte dazu, daß ältere Arbeitnehmer immer seltener eingestellt wurden [..,].“[12]

Infolgedessen hatte sich das organisationale Altersbild nicht nur eklatant verschlechtert, es handelte sich sogar um eine Verdrängung der Alten und damit einhergehend um ein Aufleben der Rolle der Jugend in der Gesellschaft. Der Altersbegriff wurde somit dem Begriff der Jugend als direkter Konkurrent gegenübergestellt, welcher für Tatkraft, Moderne und Stärke stand.

Diese negative Auffassung des Altersbegriffs war bereits vor der Zeit des NS-Regimes verbreitet, jedoch spielte der Fokus auf die Jugend besonders in der Selbstdarstellung des NS-Regimes eine wesentliche Rolle.[13] Um die Krux der sozialen Stellung Älterer im Kontext des Nationalsozialismus zu verstehen ist es essentiell die Zeit vor 1933 und danach separat zu betrachten. Rückblickend ist festzustellen, dass besonders die junge Studierendenschaft in Deutschland anfangs zu Wahlerfolgen der NSDAP massiv beigetragen hat.[14] Zwar verstand sich die NSDAP als jugendliche Bewegung, die frischen Wind in die gescheiterten Konstrukte der Weimarer Republik bringen sollte, andererseits war den Nationalsozialisten bewusst, dass allein mit der studentischen Wählerschaft eine Mehrheit nicht zu erreichen war. Demzufolge adressierten die Nazis in ihrer Propaganda verstärkt auch die Rentner, bei welchen Unzufriedenheit mit ihrer sozialen Situation in der Weimarer Republik weit verbreitet war. Das Anklagen und Verurteilen des Weimarer Systems traf bei den unzufriedenen Älteren auf Zustimmung.[15]

Nach 1933 jedoch wendete sich das Blatt und die Nationalsozialisten propagierten ihr eigentliches Ziel: „eine „Volksgemeinschaft“, die einen betont leistungsorientierten Charakter besaß. In ihr sollte - so die Selbstsicht - ein neues soziales Gefüge geschaffen werden, in dem allein die Leistungsfähigkeit des einzelnen Menschen über dessen soziale Stellung innerhalb der Gemeinschaft entschied.“[16]

In einer solchen sozialen Gemeinschaft wurden die Älteren als weniger, bis nicht mehr leistungsfähige Gruppe, klar an den Rand der Gesellschaft verbannt. Demzufolge behält das Altersbild auch zu Zeiten des Nationalsozialismus seinen negativen Charakter bei. Die Älteren wurden lediglich instrumentalisiert um die NSDAP durch weitere Wählerstimmen zu stärken.

3.2 Altersbilder in Deutschland - Heute

Erinnert man sich zurück an die verschiedenen Altersphasen nach LAS LETT und überträgt diese auf unsere Gesellschaft heute genügen diese vier Altersphasen nur noch unzureichend um den Lebenslauf eines Individuums annäherungsweise zu umschreiben. Durch die weiterhin steigende Lebenserwartung, welche nicht nur die Lebenserwartung der heutzutage Neugeborenen meint, sondern auch die steigende Lebenserwartung der bereits Älteren, begründet durch medizinischen und technologischen Fortschritt, dehnt sich die Zeit nach dem Renteneintritt bis zum Tod erheblich aus. Um diese Lebensphase zu beschreiben reicht das vierte Alter nach LASLETT schlicht nicht mehr aus. Geht man von einem Renteneintrittsalter von 67 Jahren aus und einer Lebenserwartung von weiteren 23 Jahren bei einem Sechzigjährigen, bezieht der Deutsche heutzutage im Durchschnitt weiterhin über 16 Jahre Rente (siehe Abb. 2). Die Phase der erneuten Abhängigkeit welche LASLETT als vierte Altersphase beschreibt, gliedert sich meist erst an die wirklich finalen Jahre des menschlichen Lebens. Somit bleibt den Älteren von heute viel Zeit um ein, fünftes Alter zu etablieren. Folglich gehen aus dieser Überlegung zwei neue Altersbilder hervor, die „jungen Alten“ und die „alten Alten“.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Durchschnittliche weitere Lebenserwartung in Deutschland

Quelle: Statistisches Bundesamt (2017)

„Die frühe Ausgliederung aus dem Berufsleben ist historisch neu, was zur Folge hat, dass ein großer Teil, der sich in Ruhestand Befindenden zwar als zu alt für die Erwerbsarbeit gilt, sich gleichzeitig aber nach wie vor guter Gesundheit erfreut“[18]

Hiermit meint PICHLER die „jungen Alten“, die ihren Lebensabend nicht damit verbringen möchten sich in der Monotonie des Alltags zu verlieren, sondern aktiv an der Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens teilhaben möchten. Sie besuchen beispielsweise Yoga Kurse, fahren Fahrrad, surfen im Internet und sind meist durch Familie oder Freunde eng an die jüngeren Generationen gebunden. Viele engagieren sich ehrenamtlich inner- oder außerhalb der Familie und manch andere nehmen sich sogar noch einmal der persönlichen Weiterbildung an und besuchen Sprachkurse oder sogar Universitätsvorlesungen. LANGWIESER und KIRIG verdeutlichen das aus gesellschaftlicher Sicht positive Verständnis dieser sozialen Gruppe noch einmal mehr durch Begriffe wie „Super-Grannys“, „Greyhopper“ oder „Silverpreneure“.[19] Allein diese Terminologie, welche im Kontext der „jungen Alten“ Verwendung findet zeigt, dass sich hier ein positives Altersbild entwickelt hat. Ebenfalls zu dieser Gruppe gehören, wie eben aufgeführt die „Silverpreneure“, allerdings differenzieren diese sich dahingehend, dass sie noch immer aktiv in ihrem Beruf tätig sind. Die Liebe zu ihrem Beruf und der positive Gesundheitszustand geben ihnen keinen Grund den Schritt in die Rente zu gehen. Bei dieser Gruppe tritt wiederum das bereits zuvor erwähnte organisationale Altersbild in den Vordergrund. Wichtig ist hier eine aktive Unterstützung durch das Unternehmen um das Potenzial dieser Gruppe auch wirklich effizient zu nutzen. Begriffe wie „Aging- Workforce-Management“[20] beschreiben diese Maßnahmen zur produktiven Integration der „Silverpreneure“ in das Unternehmen.

Demgegenüber stehen die „alten“. Diese Begrifflichkeit bietet bereits Raum für die Interpretation eines tendenziell negativen Altersbilds aus gesellschaftlicher Sicht auf die „alten“ der Bevölkerung. Sie sind diejenigen, welche der erneuten Abhängigkeit wahllos ausgeliefert sind. Eine Teilhabe am aktiven gesellschaftlichen Leben ist ihnen nicht mehr möglich. Selbst ihre eigene Versorgung ist oft seit langem Aufgabe anderer. 2013 betrug die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland 2,6 Millionen. 83 Prozent davon waren 65 oder älter.[21] 2017: Die geburtenstarken Jahrgänge der Fünfziger und Sechziger Jahre erreichen zeitnah das Renteneintrittsalter. Die Kosten dafür: Horrend. Die Belastung für die schrumpfende junge Generation: Verheerend. Trotz politischer Bemühungen die Rahmenbedingungen sanft anzupassen, um den Generationenvertrag nicht allzu sehr zu belasten, ist klar beim Lesen dieser Zahlen kreist in vielen jungen Köpfen das Altersbild der sozialen Last.

[...]


[1] Grupe (2012), S. 1.

[2] Wahl/ Heyl (2015), S. 11.

[3] Vgl. Wahl/ Heyl (2015), S. 14.

[4] Wahl/ Heyl (2015), S. 15.

[5] Berner/ Rossow/ Schwitzer (2012), S. 11.

[6] Vgl. Berner/ Rossow/ Schwitzer (2012), S. 11.

[7] Amrhein (2011), S. 5.

[8] Berner/ Rossow/ Schwitzer (2012), S. 43.

[9] Burgess (1962), S. 350.

[10] Ehmer (2008), S. 166.

[11] Vgl. Borscheid (1994), S. 58.

[12] Borscheid (1994), S. 58f.

[13] Vgl. Möckel (2010), S. 13.

[14] Vgl. Grüttner (2002), S. 340f.

[15] Vgl. Möckel (2010), S. 14f.

[16] Möckel (2010), S. 17.

[17] Vgl. Pichler (2010), S. 415.

[18] Pichler (2010), S. 416.

[19] Vgl. Langwieser/ Kirig (2010), S.116f.

[20] Staudinger/ Noack (2009), S. 197ff.

[21] Vgl. Statistisches Bundesamt (2015), S. 7.

Details

Seiten
26
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668506954
ISBN (Buch)
9783668506961
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373362
Institution / Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Neu-Ulm; früher Fachhochschule Neu-Ulm – Fakultät Gesundheitsmanagement
Note
2,0
Schlagworte
Gerontologie Anthropologie Altersbilder

Autor

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Titel: Gerontologische Anthropologie