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Der Kindergarten als Förderwelt für begabte und hochbegabte Kinder

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 24 Seiten

Pädagogik - Begabtenpädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

1. Hochbegabte, Genies, Experten
1.1. Definition Hochbegabung
1.3. Definition Intelligenz
1.4. Der Intelligenztest

2. Die Schlüsselrolle des Kindergartens

2.1. Hochbegabte Kinder im Elementarbereich
2.2. Merkmale für Hochbegabung
2.3. Fördermöglichkeiten im Elementarbereich
2.4. Enrichment/ Grouping
2.5. Akzeleration
2.6. Anforderungen an das pädagogische Personal
2.7. Beobachtung und Dokumentation
2.8. Räumliche und materielle Ausstattung

3. Zusammenarbeit mit Eltern und externen Partnern
3.1. Kooperation mit Eltern
3.2. Kooperation Kindergarten und Grundschule
3.3. Externe Kooperationspartner

4. Ausblick

Literaturverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

VORWORT

Drei Mädchen und zwei Jungen sitzen still in einem weißgestrichenen Raum und werfen sich gegenseitig schüchterne Blicke zu. Sie treffen sich heute zum ersten Mal, und dennoch teilen sie ein Geheimnis. Nur wenigen Menschen verraten sie es. „Meinen Freunden David und Lenny, denen kann ich so was erzählen“, sagt Max, „die erzählen das bestimmt nicht weiter.“ Auch Annika hütet ihr Geheimnis: „Ich würde es auch nicht rumerzählen. Die sagen dann bestimmt ,Angeberin‘.“ Max, Annika und die anderen sind hochbegabt. Und sie wissen genau, warum sie das vor vielen Kindern geheim halten- weil viele so darauf reagieren wie die Freunde von Felix „Die ärgern mich dann. Sie sagen dann ,Klugscheißer‘ und ,Du weißt ja eh alles!’“ Hier, in der Hector- Kinderakademie Obersulm, sind die Kinder unter sich und müssen keine Hemmungen haben, von ihrer Hochbegabung zu erzählen. Felix und die anderen nehmen heute am Kurs „Entdeckungen im Zahlenland- für Vorschulkinder“ teil. Die Idee der Hector- Kinderakademien wurde im Jahr 2010 ins Leben gerufen, um begabte und hochbegabte Kinder bereits im Grundschul- und Kindergartenalter zu fördern. Seit dieser Zeit begleite ich, an verschiedenen Schulen, begabte und hochbegabte Kindergartenkinder und Grundschüler. Unter der Trägerschaft des Kultusministeriums in Baden- Württemberg werden heute in circa 63 Kinderakademien in Baden-Württemberg Kinder über ein freiwilliges, zusätzliches Angebot gefördert. Dies geschieht durch einen Einstieg in neue und die Vertiefung bereits vorhandener Wissensgebiete sowie durch die Entdeckung und den Ausbau persönlicher Begabungsschwerpunkte. Ziel ist es, die Schüler zu selbstständigem und entdeckendem Arbeiten anzuregen und ihre Sozialkompetenz zu fördern. Darüber hinaus wollen die Hector- Kinderakademien soziale und intellektuelle Herausforderungen schaffen, begabte Kinder und Jugendliche miteinander in Kontakt bringen und deren Interessen und Kenntnisse erweitern. Doch ein Blick in den Alltag von Max, Annika und Felix zeigt: Die Hürden sind hoch.

In jedem Jahrgang gibt es ein paar Prozent hochbegabte Kinder, und zwar auch dann, wenn sie noch niemand erkannt hat.

Brauchen hochbegabte Kindergartenkinder eine spezielle Förderung? Meine vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema: „Der Kindergarten als Förderwelt für begabte und hochbegabte Kinder“. Sie beinhaltet theoretische Hintergründe, persönliche Erfahrungen, die Bedeutung des Kindergartens, Fördermöglichkeiten im Elementarbereich und die Kooperation mit Eltern und externen Partnern. Ein abschließendes Fazit fasst die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen.

1. HOCHBEGABTE, GENIES, EXPERTEN

„Göttliche Kinder- so nannte der chinesische Philosoph Konfuzius Kinder mit besondern Fähigkeiten. Er war nach heutiger Kenntnis der Erste, der sich für die Förderung hochbegabter Kinder einsetzte. Diese Kinder sollten den Fortbestand von Chinas Reichtum garantieren. Auch der griechische Philosoph Dato setzte sich dafür ein, die besten Naturen dazu zu zwingen, Takes zu lernen, was dem Wohle der Gemeinschaft nutzen würde.“ (Niemann 2011, Seite 3) Denn das Überleben der Demokratie hinge seiner Meinung nach von dieser Erziehung ab: Die Hochbegabten würden ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten zum Wohle des Staates einsetzten und ihn führen. (Vgl. Niemann 2011, Seite 3) „Die Förderung im Interesse der Persönlichkeitsentwicklung trat mit der Zeit allerdings in den Hintergrund. In Deutschland hatte ab 1890 die Reformpädagogik bedeuteten Einfluss auf die gezielte Förderung der verschiedenen Begabungs- und Fähigkeitsniveaus, da sie als alternative Schul- und Unterrichtsformen zur staatlichen „Pauk- und Buchschule“ entstanden. Sie sprach sich für die Auflösung des Uniformismus des traditionellen Schulsystems aus, indem der Lernstoff individualisiert und in die Erfahrungswelt der Kinder eingebettet werden sollte. Der Nationalsozialismus bedeutete das vorläufige Ende der Hochbegabtenförderung, da alternative Schul- und Unterrichtsformen ebenso angelegt wurden wie die ersten objektiven Intelligenz- und Leistungsmessungsverfahren. Stattdessen wurden Schüler aus völkischem Interesse für Eliteschulen ausgelesen. Nach dem Krieg war die Hochbegabtenförderung viele Jahre lang ein stark vernachlässigtes Thema, das man auch zu Unrecht mit den nationalsozialistischen Eliteschulen in Verbindung brachte. In den Sechzigerjahren trat die Forderung nach Chancengleichheit in den Vordergrund, und die Förderung Benachteiligter wurde bei gleichzeitigem Vernachlässigen der Hochbegabten betont. Während die Hochbegabungsforschung in den USA in den Sechzigerjahren bereits weit fortgeschritten war, u.a. stimuliert durch den „Sputnikschock“ im Jahre 1957, erlebte die Hochbegabtenförderung in Deutschland erst zu Beginn der Achtzigerjahre einen bedeutenden Aufschwung.“ (Niemann 2011, Seite 3) Im Jahre 1978 wurde die „Deutsche Gesellschaft zur Förderung hochbegabter Kinder e.V.“ (heute „Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V.“) gegründet. Dies trug dazu bei, dass auch in Deutschland die Interessen hochbegabter Kinder wieder mehr Beachtung fand. In den Achtzigerjahren wurden zahlreiche Forschungsprojekte initiiert und wissenschaftliche Arbeiten und Bücher verfasst, die zu einem verbesserten Informationsstand führten. (Vgl. Niemann 2011, Seite 4)

1.1. DEFINITION HOCHBEGABUNG

Das grundlegende Problem bei der Auseinandersetzung mit Hochbegabung besteht darin, dass sich keine feste und damit verbindliche Definition dieses Phänomens findet. (Vgl. Niemann 2011, Seite 4). „In der wissenschaftlichen Literatur werden die Begriffe „Talent“, „Begabung“, „besondere Begabung“ und „Hochbegabung“ am häufigsten verwendet. Talent und Begabung werden in der deutschen Literatur häufig synonym gebraucht.“ (Niemann 2011, Seite 4) Im englischsprachigen Raum kann unterschieden werden: Talent (talent) wird bereichsspezifisch und leistungsthematisch verstanden (sportlich, künstlerisch), Begabung (giftness) steht für bestimmte Fähigkeitsdimensionenen, beispielsweise Intellekt, Kreativität, Emotionalität und Sensomotorik. (Vgl. Niemann 2011, Seite 4) Als Begabung wird allgemein das leistungsbezogene Potenzial eines Menschen bezeichnet. Dabei bezieht sich dieser Begriff auf Potentiale oder Entwicklungsmöglichkeiten und ist nicht mit Leistung gleichzusetzen. Unter günstigen Umweltbedingungen, kann sich das leistungsbezogene Potenzial eines Menschen, zu außergewöhnlicher Leistung entwicklen. (vgl. Arnold 2016, Seite 28) Am häufigsten wird für die Definition intellektueller Hochbegabung das sogenannte IQ- Grenzwert- Kriterium verwendet. Als hochbegabt (oder synonym als „weit überdurchschnittlich intelligent“) wird jemand bezeichnet, wenn in einem standardisierten Intelligenztest einen weit überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten (einen IQ von 130 oder mehr) erzielt wurde. Diese Definition ist prägnant und weit verbreitet. Allerdings sagt ein erzielter IQ- Wert kaum etwas darüber aus, ob und inwiefern dieses intellektuelle Potential auch in Leistungen umgesetzt wird. Hierfür sind weitere Faktoren wie beispielsweise Motivation, Kreativität und günstige Umweltbedingungen entscheidend, wie das nachfolgende Modell von Mönks zeigt. (Vgl. Arnold 2016, Seite 29)

(Das Triadische Interdependenzmodell der Hochbegabung, vgl. Arnold 2016, Seite 29)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mönks griff in seinem Modell auf das bekannte Drei- Ringe- Modell von Renzulli zurück und erweiterte dies um die drei Umweltvariolen Familie, Schule und Freunde.

Hochbegabung wird als Schnittmenge der drei Bereiche Motivation, Kreativität und Intelligenz beschrieben. (Vgl. Arnold 2016, Seite 30) „Unter günstigen Umweltbedingungen […] entstehen besondere Leistungen aus der Interaktion zwischen überdurchschnittlichen Denkfähigkeiten, Kreativität und einer besonderen Motivation […] einer Person. Mönks´ Modell beschreibt also Faktoren, die das Zustandekommen hoher Leistungen beeinflussen, und definiert Hochbegabung als günstige Kombination aus diesen. Damit ist das Modell eher ein Hochleistungsmodell als ein Hochbegabungsmodell.“ (Arnold 2016, Seite 30) Im Münchener Hochbegabungsmodell von Heller, Perl eth und Hany wird ausdrücklich zwischen Begabung und Leistung unterschieden. (Vgl. Arnold 2016, Seite 30) Hier werden (angeborene) Begabungsfaktoren in unterschiedlichen Bereichen aufgeführt, die beim Vorliegen günstiger Umweltmerkmale (beispielsweise soziale Unterstützung, schulische Förderung und gutes Familienklima) und günstiger Persönlichkeitsmerkmale (sogenannte nicht- kognitive Faktoren wie zum Beispiel Leistungsmotivation, Stressresistenz und günstige Arbeitsstrategien) zu hohen Leistungen in verschieden Bereichen führen können. „Auch das Münchner Modell bleibt eher beschreibend, wenn es darum geht, wie die Umsetzung von Begabung in Leistung von bestimmten Faktoren beeinflusst wird, die im Kind selber oder in seiner Umgebung liegen können. Durch die Benennung möglicher Einflussfaktoren stellt das Modell jedoch Anhaltspunkte für pädagogisches Arbeiten bereit.“ (Arnold 2016, Seite 31)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kritisch zu beiden Modellen ist Folgendes anzumerken: Die aufgeführten Faktoren sind wichtig für die Entwicklung von Kindern. Es bleibt jedoch offen, inwiefern ihre Auswahl hochbegabungsspezifisch ist. Hinzu kommt, dass nicht erläutert wird, welcher Faktor wie wirkt (beispielsweise, ob nicht- kognitive Persönlichkeits- und Umweltmerkmale in gleicher Weise wirksam werden, und wenn ja, ob dafür mehrere aktiv sein müssen). Dennoch zeigen beide Modelle auf, dass eine hohe Begabung, beziehungsweise hohe Intelligenz nicht ausreicht, um hohe Leistung zu erbringen. (Vgl. Arnold 2016, Seite 31) In der psychologischen Forschungslan dschaft wurde lange darüber debattiert, ob Hochbegabung primär vererbt wird oder vor allem das Ergebnis einer förderlichen Umwelt sei. Mittlerweile ist diese Diskussion in den Hintergrund getreten. Expertinnen und Experten möchten nun herausfinden, wie Anlage und Umwelt bei der Entstehung von Intelligenz zusammenwirken. Der aktuelle Forschungsstand in Bezug auf diese Thematik lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Zum Teil sind Intelligenzunterschiede auf vererbte Anlagen zurückzuführen und zum anderen Teil auf die Förderung, die der jeweilige Mensch erhält (prozentuales Verhältnis 50/50). (Vgl. Arnold 2016, Seite 39)

1.2. DEFINITION INTELLIGENZ

„Der Begriff „Intelligenz“ (engl. intelligence, vom lateinischen intellegentia, intellectus, intellegere = Einsicht, Verstand, einsehen bzw. verstehen), manchmal „geistige Fähigkeit“, „mentale Fähigkeit“ (engl. mental ability) oder (intellektuelle) „Begabung“ genannt, kennzeichnet, die durch die Faktoren „Anlage“ und „Umwelt“ sowie durch deren gegenseitige Beeinflussung (Wechselwirkung „Gene × Umwelt“) bedingte kognitive Leistungsfähigkeit und kognitive Ausdifferenzierung von Lebewesen.“ (Rost 2013, Seite 11)

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Details

Seiten
24
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668512580
ISBN (Buch)
9783668512597
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373820
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,3
Schlagworte
Hochbegabung Elementarpädagogik

Autor

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