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Die Konstruktion des sozialen Geschlechts. Ein Vergleich zwischen Erving Goffman und Judith Butler

Hausarbeit 2017 20 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begrifflichkeiten der Konstruktion des sozialen Geschlechts
2.1 Sex und Sex-Category
2.2 Gender
2.3 Doing Gender

3 Erving Goffman – Das Arrangement der Geschlechter

4 Judith Butler – Das Unbehagen der Geschlechter und die Macht der Geschlechternormen

5 Vergleich der beiden Ansätze
5.1 Gemeinsamkeiten
5.2 Unterschiede

6 Fazit und Ausblick

7 Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

„Gender is not something that one is, it is something one does, an act… a doing rather than a being.“ (Judith Butler)

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich im stetigen Wandel befindet und immer stärker von Pluralisierung und Globalisierung geprägt wird. Im 21. Jahrhundert angekommen, fangen nun auch alteingesessene und konservative Vorstellungen von Liebe, Sex und Geschlecht an, aufzuweichen und sich neue Wege zu bahnen.

Gerade, wenn es um Geschlechterrollen und Zweigeschlechtlichkeit geht, scheint sich in den letzten Jahren einiges in Bewegung gesetzt zu haben und das Thema ist aktueller denn je. Doch die über die Jahrhunderte aufgebauten Rollenerwartungen sind alles andere als leicht zu durchbrechen. Wir wachsen in einer Welt voller Diskriminierung und Unterschiede auf und von klein an lernen wir, was es heißt, eine Frau oder ein Mann zu sein und was dabei von uns erwartet wird. Durch die Sozialisation und Erziehung, die wir erleben, läuft die Einteilung in die Geschlechterrollen nahezu automatisch und fast immer wie selbstverständlich ab. Es wird erst dann über Geschlecht und Sexualität nachgedacht, wenn beispielsweise das eigene Kind seine Homosexualität oder gar seine Transidentität preisgibt. Oft zerbrechen ganze Familien daran. Doch was heißt es überhaupt ein Geschlecht zu haben? Was bestimmt den Faktor Geschlecht? Was bedeutet es, sich mit seinem Geschlecht zu identifizieren?

Welchen Kategorisierungen und Stereotypisierungen wir in unserem alltäglichen Leben ausgesetzt sind, fällt erst auf, wenn man sich einmal genauer mit dem Thema „Gender“ auseinandersetzt. In der folgenden Hausarbeit möchte ich mich deshalb genau mit diesem Thema beschäftigen und hinter die Konstruktion von Geschlecht blicken. Dabei möchte ich die Frage, wie Geschlecht gefasst wird und was es für uns bedeutet, anhand eines Vergleiches von zwei soziologischen/philosophischen Ansätzen erörtern. In der folgenden Arbeit werde ich versuchen, Erving Goffmans „Arrangement der Geschlechter“ mit Judith Butlers „Unbehagen der Geschlechter“ zu vergleichen. Beide Ansätze werden unter anderem darauf untersucht, wie Geschlecht behandelt wird und welche gesellschaftliche Relevanz dies hat. Dabei werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und es wird versucht einen Bezug zu den aktuellen Geschehnissen herzustellen. Im letzten Kapitel dieser Arbeit wird ein Fazit über die beiden Ansätze gezogen und es wird ein Ausblick auf die Zukunft gegeben.

2 Begrifflichkeiten der Konstruktion des sozialen Geschlechts

Bevor im Sinne der Hausarbeit genauer auf die beiden theoretischen Ansätze eingegangen werden kann, ist es wichtig, zunächst die Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit der Diskussion über die Konstruktion des sozialen Geschlechts zu betrachten. Bereits in den 1960ern wurden die Begriffe „Sex“, „Gender“ und „Doing Gender“ eingeführt, um über Geschlecht und Geschlechtszugehörigkeit im soziologischem und politischem Rahmen angemessen sprechen zu können. Hierfür wird im Folgenden versucht eine kurze Übersicht der Begriffe aufzustellen und diese zu erläutern.

2.1 Sex und Sex-Category

Beim Begriff „Sex“ handelt es sich um das biologische Geschlecht beziehungsweise um die „Geburtsklassifikation des körperlichen Geschlechts aufgrund sozial vereinbarter biologischer Kriterien“ (Gildemeister 2010, S. 137). Das biologische Geschlecht kann zum einen an den äußeren primären als auch sekundären Geschlechtsmerkmalen sowie an dem bestimmten jeweiligen Chromosomensatz des biologischen Organismus „Mensch“ (der genetische Unterschied zwischen den Geschlechtern) erkannt werden.

Candace West und Don Zimmerman, zwei Soziologen, gingen sogar noch einen Schritt weiter und führten zusätzlich zu „Sex“ die „Sex-Category“ ein. Bei der Sex-Category handelt es sich um die soziale Zuordnung zu einem Geschlecht, das heißt, um die Zugehörigkeit, die man beispielsweise durch das Tragen bestimmter Kleidung beansprucht. Man könnte sagen, es geht um die Darstellung eines Geschlechts im Alltag. Sex und Sex-Category müssen dabei nicht zwingend dasselbe sein (vgl. West/Zimmerman 1987, S. 127).

2.2 Gender

Unter dem Begriff Gender versteht man dementsprechend das soziale Geschlecht. Gender hängt mit der jeweiligen Sex-Category zusammen. Das soziale Geschlecht wird bestimmt durch gesellschaftlich vorgegebene und angemessene Verhaltensweisen des jeweiligen dargestellten Geschlechts in bestimmten Situationen (vgl. ebd. 1987, S. 127). Man verhält sich also der Geschlechtskategorie nach „typisch“ und adäquat und repräsentiert somit das jeweilige soziale Geschlecht. Gender ist also kulturell abhängig und muss somit lokal betrachtet und bewertet werden.

2.3 Doing Gender

Das Konzept „Doing Gender“ versteht Geschlecht nicht als etwas, das man besitzt, sondern als einen formenden Prozess, eine Interaktion. Das heißt, man wird nicht einfach in diese Welt geboren und „hat“ ein Geschlecht, denn das eigentliche Geschlecht wird erst durch die Gesellschaft konstruiert, praktiziert und über Generationen hinweg reproduziert. Gender ist somit etwas, das wir tun. Bereits von Kindesbeinen an lernen wir, was es bedeutet, eine Frau oder ein Mann zu sein und durch geschlechtsspezifische Sozialisation verfestigen sich diese vorgefertigten Bilder. Wird man als Frau geboren, lernt man sich wie eine Frau zu kleiden und zu verhalten und auch im Alltag repräsentiert man stets „Frau-sein“, von der Körperhaltung an bis hin zu der Art und Weise, wie man spricht. Geschlecht ist dementsprechend ein gesellschaftliches und kulturelles Konstrukt, nicht etwas, das man von Natur aus besitzt.

Schon vor der Geburt wollen die meisten Eltern wissen, welches Geschlecht ihr Kind haben wird und so wird beispielsweise schon für ein Mädchen rosa Kleidung gekauft oder das Zimmer mädchenhaft gestaltet. Das Kind wächst auf und lernt, wie sich ein Mädchen zu benehmen hat, dass es zum Beispiel in gewissen Situationen um die Hilfe eines Mannes bitten muss oder in einer bestimmten Gangart zu laufen hat. Kurz gesagt, bedeutet Doing Gender, dass wir lernen mit dem biologisch festgelegtem Geschlecht umzugehen und sich dementsprechend tagtäglich zu verhalten, um das soziale Geschlecht aufrecht zu erhalten. Das alles kommt uns dabei so „normal“ vor, dass wir meistens diese Strukturen gar nicht erkennen und schon gar nicht zu durchbrechen versuchen. Jemand, der sich nicht so verhält, wie es die gesellschaftlich festgelegte Zweigeschlechtlichkeit vorsieht, dazu gehört zum Beispiel auch die Heterosexualität, fällt in der Gesellschaft aus der Reihe und hat mit vielen gesellschaftlichen Hindernissen und Vorurteilen zu kämpfen.

3 Erving Goffman – Das Arrangement der Geschlechter

Erving Goffman, der wohl zu den bekanntesten Soziologen überhaupt zählt, wurde 1922 in Kanada geboren und ist 1983 gestorben. Er verschrieb sich vor allem der Untersuchung von Identität und Interaktion. In diesem Zusammenhang verfasste er 1959 eine seiner meistgelesenen Theorien „Wir alle spielen Theater“, in der es um die Darstellung von Identität und soziales Handeln als Schauspielerei geht (vgl. Abels 2009, S. 348f.). Seine These dabei ist, dass die Individuen so tun müssen „als ob es bei der Darstellung vor anderen um die wirkliche Identität geht“ (ebd. 2009, S. 349).

Bevor nun also näher auf seine Untersuchungen zum Thema Geschlecht eingegangen wird, möchte ich zunächst kurz seine These „Wir alle spielen Theater“ betrachten, da sie für das Verständnis von Identität nach Goffman Vorarbeit leistet. Gerade in einer Zeit, in der Facebook und soziale Medien vorherrschen, ist Identität etwas, über das gesprochen werden sollte. Goffman behandelt das Thema „Identität“ unter der Perspektive der Präsentation (vgl. Abels 2009, S. 349). Diese Perspektive wird uns später auch bei Judith Butler begegnen.

Identität hängt in unserer heutigen Gesellschaft vorrangig mit unserem Geschlecht beziehungsweise mit unserem Körper, der das soziale Geschlecht widerspiegelt, zusammen. In unserem Leben müssen wir viele Rollen übernehmen, beispielsweise die der Mutter, der Ehefrau, des Ehemannes, des Lehrers oder des Schülers und allgemein die Rolle der Frau oder des Mannes. Es sind laut Goffman „Masken“, die wir tragen und die wir so tragen, wie wir uns gerne präsentieren wollen, weshalb Goffman von „presentation“ spricht (vgl. ebd. 2009, S. 351). Wir richten unser Leben danach aus, wie wir gerne erscheinen möchten und das soziale Handeln wird somit zu einem Schauspiel, angepasst an die Normen und Regelungen unserer Gesellschaft und die Auswahl an Rollen, die sie uns ermöglicht beziehungsweise anbietet. Zentrale Begriffe Goffmans sind dabei die Interaktion (interaction), die Darstellung (performance) und die Rolle (part) (vgl. ebd. 2009, S. 352). Je nachdem, welche Rolle wir annehmen, gibt es schon bestimmte Handlungsmuster, die vorgegeben sind und an die man sich deshalb halten sollte, Goffman nennt diese ein „standardisiertes Ausdrucksrepertoire“ oder auch „Fassade“ (ebd. 2009, S. 353). Zu unserer persönlichen Fassade gehören dabei Statussymbole, Kleidung, Körperhaltung, die Art und Weise zu sprechen und vor allem das Geschlecht (vgl. Abels 2009, S. 353). Neben der persönlichen Fassade sorgt die soziale Fassade dafür, dass man die sozialen Erwartungsmuster und Verhaltensweisen, die mit einer bestimmten Rolle verbunden sind, versteht und einhält (vgl. ebd. 2009, S. 353).

In seinem 1994 in Deutschland erschienen Werk „Interaktion und Geschlecht“ widmet er sich im Kapitel „Das Arrangement der Geschlechter“ letztendlich näher dem Geschlecht und den sozialen Strukturen, in denen es eingebettet ist. Goffman lehnt die grundsätzliche soziologische Definition des Geschlechts als erlerntes und diffuses Rollenverhalten ab (vgl. Goffman 2001, S. 105). Er selbst geht die Geschlechterkonstruktion von einer anderen Perspektive aus an:

„Das Geschlecht dient in modernen Industriegesellschaften, und offenbar auch in allen anderen, als Grundlage eines zentralen Codes, demgemäß soziale Interaktionen und soziale Strukturen aufgebaut sind; Ein Code der auch die Vorstellungen der Einzelnen von ihrer grundlegenden menschlichen Natur entscheidend prägt“ (ebd. 2001, S. 105).

Goffman betont, dass die biologischen Körper von Frau und Mann von Geburt an unterschiedlich sind. Frauen besitzen eine Gebärmutter, menstruieren und gebären Kinder, sind durchschnittlich kleiner als Männer und besitzen zudem weniger Muskeln. Er bezeichnet dies jedoch als geringe biologische Unterschiede beziehungsweise als körperliche Gegebenheiten, die zu spürbaren sozialen und als selbstverständlich angesehenen Konsequenzen führen (vgl. ebd. 2001, S. 106).

Er bestreitet die biologischen Unterschiede nicht, sondern empfindet sie in der modernen Zeit eher als unbedeutend und erklärt sie zur Ursache des sozialen Arrangements der Geschlechter, sprich zu den sozial unterschiedlich behandelten Geschlechtern. Bereits bei der Geburt werden die Kinder in die jeweilige Geschlechtsklasse zugeordnet und diese Zuordnung „erlaubt die Verleihung einer an das Geschlecht gebundenen Identifikationsetikette (Mann-Frau, männlich-weiblich, Junge-Mädchen, er-sie)“ (Goffman 2001, S. 107). Den Geschlechtsklassen zugeordneten Kindern steht dementsprechend eine unterschiedliche Sozialisation bevor. Mädchen und Jungen werden völlig anders behandelt und durchleben somit divergente Erfahrungen, „dürfen andere Erwartungen stellen und müssen andere erfüllen“ (Goffman 2001, S. 109). Dies nennt man ein soziales Geschlecht (gender) haben. Die Geschlechtsklasse hat nichts mehr mit Biologie zu tun, sie ist eine soziologische Kategorie und ein Instrument der Öffentlichkeit. Dabei entwickelt jede Gesellschaft eigene Sichtweisen dazu, was das Typische an den beiden Geschlechtsklassen ist. Passt sich das Individuum den Idealvorstellungen und den Normen von Männlichkeit oder Weiblichkeit an, kann man von Geschlechtsidentität sprechen. Sie stellt die Quelle der Selbstidentifikation innerhalb unserer Gesellschaft dar (vgl. ebd. 2001, S. 109f.).

Hinter dieser Zuordnung stehen zudem auch bestimmte Merkmale, die den Geschlechtern zugeschrieben werden und welche beispielsweise auch zu Vorurteilen und normativen Vorstellungen führen. Dabei gibt es in jeder Gesellschaft gewisse Mechanismen, die diese Vorstellungen und Erwartungen aufrechterhalten.

Goffman spricht in diesem Zusammenhang auch vom „Genderismus“, „einer geschlechtsklassengebundenen individuellen Verhaltensweise“ (ebd. 2001, S. 113). Dies wäre zum Beispiel unter anderem das Vorurteil, dass Jungs sich gerne prügeln. Der „institutionalisierte Genderismus“ hingegen bezieht sich auf die Organisation der Geschlechter. Diese parallele Einteilung führt dabei zu „einer unterschiedlichen Behandlung der Geschlechter, wobei die angedeuteten Entwicklungen mit den behaupteten Charakterunterschieden zwischen den beiden Klassen vereinbar und stimmig zu sein scheinen“ (ebd. 2001, S. 114). Als Folge der ungleichen Behandlung und der normativen Vorstellungen sehen wir beispielsweise die Benachteiligung der Frauen innerhalb der Gesellschaft und auch dies ist ein Arrangement unserer Gesellschaft. Unsere Sozialstruktur beeinflusst die Entstehung und die Aufrechterhaltung solcher Diskrepanzen (vgl. ebd. 2001, S. 117). Goffman behauptet, dass gerade in den modernen Zeiten der Glaube an das Arrangement der Geschlechter schwindet. Die traditionelle Stellung der Frau wird schon länger nicht mehr als „natürlich gegeben“ betrachtet. Laut Goffman benötigt es aber zur Durchbrechung mehr als nur den Zweifel daran. (vgl. ebd. 2001, S. 119).

Nach der Ansicht von Goffman gibt es, wie bereits erwähnt, diese angeborenen biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau, denen erst durch die Umwelt und durch das, was wir in sie hineinprojizieren, eine Bedeutung verliehen wird. Er nennt dabei fünf Merkmale sozialer Organisation, die zu einer Verfestigung der Geschlechtsrollenstereotypen und des Arrangements der Geschlechter führen: die geschlechtsklassenspezifische Arbeitsteilung, Geschwister als Sozialisationsagenten (unterschiedliche Erziehung), den Umgang mit der Toilette, Aussehen und Arbeitsplatzvergabe und unser Identifikationssystem (vgl. Goffman 2001, S. 139). Das Identifikationssystem übt gemäß Goffman den stärksten Einfluss auf die Differenzierung entlang der Geschlechtsklassengrenzen aus. Zu ihm können beispielsweise die Handschrift, die visuelle Erscheinung und Stimmlage gezählt werden (vgl. ebd. 2001, S. 138f.). Goffman sucht nicht nur nach geschlechtsspezifischen Unterschieden, sondern er fragt auch, wie es in unserer modernen Gesellschaft dazu kommen konnte, dass „derartig irrelevante biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern eine anscheinend ganz enorme soziale Bedeutung gewinnen“ (ebd. 2001, S. 139) konnten. Er analysiert dementsprechend die Mechanismen und Strukturen unserer Gesellschaft, welche die Geschlechterdifferenz nicht nur entstehen lassen, sondern auch aufrechterhalten. Für Goffman ist Geschlecht ein Interaktionsprozess und eine „Angelegenheit institutioneller Reflexivität“ (ebd. 2001, S. 162), denn erst durch soziale Interaktion wurden Geschlechterrollen naturalisiert und fortgeführt. Er untersucht dabei Umgangsformen, die Erziehung und zwischenmenschliche Begegnungen. Der von ihm angesprochene „Code des Geschlechts prägt die Vorstellungen der Menschen von ihrer Natur“ (ebd. 2001, S. 163) und nicht andersherum. Kurz gesagt, Menschen konstruieren sich ihre Natur selbst. Die natürlichen und biologischen Aspekte unserer Körper gehen dabei laut Goffman jedoch mit in die Konstruktion ein (vgl. ebd. 2001, S. 163).

4 Judith Butler – Das Unbehagen der Geschlechter und die Macht der Geschlechternormen

„We act as if that being of a man or that being of a women is actually an internal reality or something that is simply true about us, a fact about us, but actually it's a phenomenon that is being produced all the time and reproduced all the time, so to say gender is performative is to say that nobody really is a gender from the start. I know it's controversial, but that's my claim.” (Judith Butler 2011).

Judith Butler gilt wohl als eine der bekanntesten, aber auch umstrittensten Philosophinnen des 20. und 21. Jahrhunderts, wenn es um das Thema Sex, Gender und Geschlechtsidentität geht. Sie wurde 1956 in Amerika in Cleveland geboren und hat in den letzten Jahrzehnten einige nennenswerte Werke über die Konstruktion von Gender und ihre Gender-Studies herausgebracht (vgl. Ullrich 2005, S. 1). Dazu zählen unter anderem ihre Bücher „Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen“, sowie „Das Unbehagen der Geschlechter“, welche im amerikanischen unter „Undoing Gender“ und „Gender Trouble“ veröffentlicht wurden.

In den 1960er Jahren entstand neben der Studentenbewegung auch die Frauenbewegung, zu der Judith Butler gehörte, und ein Kampf des Feminismus entbrannte. Es war der Anfang der feministischen Theorie und Kritik und Judith Butler entwickelte sich zu einer politischen Philosophin der Frauen- und Geschlechterforschung. Durch die genannte Frauenbewegung und durch Feministinnen wie Judith Butler konnte man allmählich Veränderungen in den Lebensformen, sexuellen Orientierungen und Perspektiven der Frauen wahrnehmen (vgl. Landweer/Rumpf 1993).

In ihrem 1991 erstmals erschienen Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“ beschäftigt sich Butler ausgiebig mit dem Geschlechter-Diskurs, der Sex-Gender-Unterscheidung und unter anderem mit der Frage, wie die Kategorien des Geschlechts durch Sprache konstruiert werden. Das 2004 erschienene Werk „Undoing Gender“ vertieft Butlers Thesen weiter und hinterfragt zudem die Pathologisierung von Intersexualität und Transsexualität.

Judith Butler erörtert die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit, eine Konstruktion, die von Männern dominiert wird, und macht auf die damit verbundene Aufrechterhaltung der Machtverhältnisse aufmerksam. Im Gegensatz zu vielen anderen Verfechterinnen des Feminismus greift Butler jedoch die Unterscheidung zwischen Sex als biologisches Geschlecht und Gender als soziale Geschlechtsidentität an. Sie selbst stellt auch die als natürlich dargestellte biologische Binarität des menschlichen Körpers und die unweigerlich daraus resultierende Binarität des sozialen Geschlechts in Frage:

„Wenn man den unveränderlichen Charakter des Geschlechts bestreitet, erweist sich dieses Konstrukt namens „Geschlecht“ vielleicht als ebenso kulturell hervorgebracht wie die Geschlechtsidentität. Ja, möglicherweise ist das Geschlecht (sex) immer schon Geschlechtsidentität (gender) gewesen, so daß sich herausstellt, daß die Unterscheidung zwischen Geschlecht und Geschlechtsidentität letztlich gar keine Unterscheidung ist.“ (Butler 2016, S. 24)

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Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668516243
ISBN (Buch)
9783668516250
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374327
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Gender Soziologie Judith Butler Erving Goffman Butler Goffman Transgender Geschlecht soziales Geschlecht Konstruktion des sozialen Geschlechts soziologische Theorie Geschlechterrollen Sozialisation Gendertheorien Sexualität Geschlechter

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