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Medienpädagogik und Big Data. Ansprechpartner auf Augenhöhe?

Studienarbeit 2017 15 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Medienpädagogik

2. Big Data
2.1 Inhalte von Big Data
2.1 Big Data und die Auswirkungen

3. Medienpädagogische Aspekte

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wir schreiben das Jahr 2035. Dank meiner Wecker-App wurde ich angepasst an meinen Schlafrhythmus 23 Minuten vor der eigentlichen Uhrzeit geweckt. Noch während ich mich anziehe, schickt mein Handy die empfohlene Menge Espresso an meine Kaffeemaschine, die auch direkt beginnt, die Bohnen zu mahlen. Gerne würde ich heute im Bett bleiben - allerdings hat meine Krankenkasse bereits meinem Arbeitgeber bestätigt, dass ich aufgrund der Berechnung meiner gestrigen Abgaben in der Toilette arbeitsfähig sei. Ich brauche also erst gar nicht über einen Grund nachzudenken - ich habe keinen. Nachdem der Kühlschrank die von der Toilette übermittelten empfohlenen Nahrungsmineralien zusammengestellt hat, werde ich beim Frühstück etwas gehetzt - mein Handy meldet mir ungewöhnlich viel Verkehr auf meiner gewohnten Strecke und bittet mich 5 Minuten früher loszufahren. Parallel benachrichtigt es meinen Arbeitgeber darüber, dass ich über die Verkehrslage rechtzeitig informiert wurde. Ich beeile mich, denn gerade heute steht das Gespräch mit meinem Vorgesetzten bezüglich eines unbefristeten Vertrages an; den ich auch bekomme, allerdings mit der Begründung, dass bei mir genetisch gesehen und aus meinem Alltagsverhalten her berechnet keinerlei Gründe vorliegen, die davon abraten, mich unbefristet einzustellen. Ich hätte eine gesunde Lebensweise, mache ausreichend Sport, bringe eine hohe Lebenserwartung und damit auch eine langfristig und durchhaltende Arbeitskraft mit. Willkommen in meiner Welt. In meiner Welt 2035. In der Welt von Big Data.

Stammen diese obigen Gedanken aus dem Kopf eines Verschwörungstheoretikers? Oder beschreibe ich im obigen Text Tatsachen, die ganz realistisch gesehen eintreffen werden?

Medien haben sich schon immer rasant entwickelt. Und sie standen auch schon immer in der Kritik. Sei es bezüglich der Manipulation, des schädlichen Einflusses auf die kindliche Entwicklung, der Gefahren im world wilde web etc. Dem gegenüber steht seit Mitte der 90ziger Jahre die Medienpädagogik, welche mit dementsprechenden Methoden und Konzepten antwortet. Doch seit Big Data ist dies anders.

Während früher die Algorithmen im Vordergrund standen und man die Macht derjenigen kritisierte, die die Daten analysierten, geht es bei Big Data über die aus den Daten gewonnene Wirklichkeitserkenntnis. Anders ausgedrückt: nicht nur diejenigen können Macht ausüben, welche die Daten analysieren, sondern vor alle jene, welche den Zugang zu den Daten haben (vgl. Mayer-Schönberger 2015).

Zorn (vgl. 2015) sieht die heutige Gesellschaft konfrontiert mit neuer sensorgestützter und softwarebasierter, auf datenverarbeitende ausgerichteter Technologien, die den traditionellen Medien teilweise in Inhaltsaspekten ähneln, jedoch grundsätzlich mit anderen Mechanismen funktionieren. Sie kritisiert, dass die neuen Technologien Daten in einer Form sammeln und verarbeiten, die fragwürdig gegenüber der Privatsphäre, der Menschenwürde und der Freiheit seien bzw. werden könnten. Mit ihren Ausmaßen der Datenverarbeitung könnten die neuen Technologien eine erhebliche Gefahr für die Demokratie und den Rechtsstaat sein. Die derzeitigen Medienangebote ändern sich schneller, als darauf reagiert werden könne, vor allem bedienen sie im Hintergrund ablaufende Prozesse, die nicht durchschaubar seien. Da es sich meist um äußert attraktive Medienangebote handelt, werden die datenschutzbeschneidenden Geschäftsbedingungen laut Zorn akzeptiert bzw. in Kauf genommen. Nicht umsonst stelle sich die Frage, inwiefern Medienpädagogik hinsichtlich dessen überhaupt eingreifen kann. Auch Brüggen (vgl. 2015) fragt sich, inwieweit souveränes und individuelles Handeln bezüglich Medien heutzutage überhaupt noch möglich sei und wo die pädagogischen Ansatzpunkte in diesem Bereich liegen könnten; denn: „Think before you post“ sei nicht mehr.

Die Medienpädagogik, welche die Bearbeitung und Auswirkungen von Medien in den Mittelpunkt ihres pädagogischen Denkens und Handelns stellt und mediale Teilhabe hinsichtlich der Teilhabe junger Menschen an der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken vermag, steht vor einer enormen Herausforderung (vgl. BMFSFJ 2013). Kritische Stimme aus unterschiedlichen Bereichen richten ihre Blicke bezüglich einer Antwort fragend in Richtung der Medienpädagogen. Richten sie ihre Blicke dorthin, weil dort die Adresse der Antwort sitzt oder begründen sich die Blicke eher aufgrund der verzweifelten Suche nach einer Antwort und einer Stelle an der man sie verorten kann? Eine Stelle, der man am Ende die Schuld zuweist, um das eigene Fehlverhalten zu begründen, nicht rechtzeitig in den Widerspruch gegangen zu sein?

In der folgenden Ausarbeitung werde ich einführend auf die Medienpädagogik allgemein eingehen, um anschließend eine kurze Einführung in das Thema Big Data zu skizzieren. Auf eine detaillierte Beschreibung von Definitionen, Methoden und Konzepten verzichte ich bewusst - ich gehe davon aus, dass diese den Leser/innen bekannt sind. Weiterführend werde ich mich mit der Frage beschäftigen ob und wie Medienpädagogik auf Big Data reagieren kann, um im Fazit meine eigene Einschätzung zu begründen.

1. Medienpädagogik

Medienpädagogik kann als die „Gesamtheit aller pädagogisch relevanten handlungsanleitenden Überlegungen mit Medienbezug, einschließlich ihrer empirischen, theoretischen und normativen Grundlagen“ (Tulodziecki 1989:21) bezeichnet werden.

Nach Schiefner-Rohrs (vgl. 2013) besteht die Aufgabe der Medienpädagogik in der Vermittlung und Förderung von Medienkompetenz sowie in der Anregung von Medienbildung. Sie beschreibt Medienpädagogik als ein wissenschaftliches Gebiet, welches von verschiedenen Strömungen durchzogen ist und keine Einheitlichkeit beinhaltet. Historisch gesehen existieren verschiedene Strömungen der Medienpädagogik, die bis heute parallel nebeneinander stehen und sich nicht gegenseitig ablösen. Die Gängigsten beschreibt Schiefner-Rohrs wie folgt:

1. Traditionell bewahrpädagogische Positionen

(Im Vordergrund steht das Beschützen der Kinder und Jugendlichen vor schädlichen Medieneinflüssen)

2. Kritisch-emanzipierte Medienpädagogik

(Betrachtet Medien in ihrer gesellschaftlichen Funktion wie beispielsweise Massenmedien und die darüber geltenden Herrschaftsstrukturen)

3. Bildungstechnologische Medienpädagogik

(Beinhaltet den effizienten Einsatz von Medien in Lern- und Lehrprozessen)

4. Handlungsorientierte Medienpädagogik (vgl. Schiefner-Rohs 2013) (Kompetenz zum Erstellen, Bearbeiten und Beurteilen von Medien)

2. Big Data

Bezüglich Big Data lassen sich einige Definitionen finden. Sie lassen sich alle durch den nachfolgenden Gliederungspunkt „Inhalt von Big Data“ ableiten. Drei von ihnen möchte ich im Folgenden dennoch skizzieren:

1. Excel erlaubt Tabellengrößen von ca. 1 Millionen Zeilen und über 16.000 Spalten. Big Data: Datensätze, die sich nicht mehr in eine Excel-Tabelle pressen lassen (vgl. Heuer 2013).
2. Big Data: ein Bund zwischen Kapitalismus und Diktatur mit profitablen Geschäftsmodellen der totalen Überwachung (vgl. Hofstetter 2014).
3. Datenmengen, die wir Menschen nicht mehr alleine in den Griff bekommen, werden von Algorithmen durchwühlt (vgl. JFC 2015).

2.1 Inhalte von Big Data

Nach Gapski (vgl. 2015) wird Big Data über die folgenden V-Begriffe charakterisiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gapski verweist insbesondere auf sein letztes genanntes Merkmal (Veracity), dass seiner Meinung nach die Sinnhaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit von Big Data in Frage stellt.

Gefahren bezüglich Big Data sieht er nicht nur in der enorm großen Datenmenge, sondern vor allem in der Art und Weise der Auswertung dieser Daten. Statt einer spezifischen Forschungsfrage und den daraus sorgfältig gezogenen Stichproben, tritt die Verfügbarkeit aller Daten ein, ohne das das Auswertungsziel bei der Datenerhebung bereits bekannt ist. Zu gegebener Zeit erfolge dann die Suche nach Mustern aus den zusammengeführten Datenbeständen. Kritisch sieht Gapski dies vor allem aus der Sicht des Persönlichkeitsschutzrechtes. Die Bandbreite der Bereiche, in denen Big Dat eingesetzt wird, zeige die enormen Einsatzmöglichkeiten auf:

- Digitalisierung und Vernetzung

Alles, was sich digitalisieren lässt, wird von Computern verarbeitet, in Beziehung zueinander gesetzt, versendet und analysiert.

- Sensoren

Unabhängig von Computern kommunizieren immer mehr Geräte via Internet. Damit werden immer mehr Daten über unsere Welt abrufbar, die miteinander kombiniert werden, um Gesamtbilder zu erhalten. Sei es über Haushaltsgeräte, Verkehrsinfrastruktur oder Industrieanlagen. Dies wird als „Multi-Sensor-Datenfunktion“ bezeichnet und stellt laut Hofstetter (vgl. 2014) ein Kernelement von Big Data dar.

- Smartphones

Laut einer Pressemitteilung von 2015 (vgl. Bitkom) besaß die Hälfte aller Deutschen zu diesem Zeitpunkt ein Smartphone, ebenso wie ca. ein Viertel der Weltbevölkerung. Über 70% der weltweit genutzten Smartphones laufen mit dem Android-Betriebssystem, der von Google mitgegründeten Open Handset Alliance. Das damit weltgrößte Sensorennetzwerk kann bereits normale Mobiltelefone sehr präzise orten und sendet zahlreiche Daten an Google.

- Social Media

Laut einer Facebook Statistik waren 2014 im Durchschnitt ca. 890 Millionen Menschen täglich online. Der größte Teil der Daten war sichtbar, der restliche Teil nur für ausgewählte Freunde, Facebook und die NSA (vgl. Allfacebook.de. 2015).

- „Intelligente“ Algorithmen

Ein „Datenhaufen“ von Informationen im Internet. Big Data löst das Problem - durch intelligente Algorithmen, welche die Exformation für uns übernehmen (vgl. JFC 2015).

2.2 Big Data und die Auswirkungen

Big Data und damit die einhergehende Datenspeicherung, -überwachung und -analyse werden für unterschiedliche Lebensbereiche angewendet. Neben den Bereichen des Verteidigungs- und Finanzsektors, des Versicherungswesens, der Wissenschaft und der Strafverfolgung gibt es noch einige anderen Bereiche, auf die Big Data eine große Auswirkung hat (vgl. Gapski 2015). Im Folgenden werde ich auf einige stichwortartig eingehen:

- Gesundheit

Per App lassen Menschen ihre Gesundheit überwachen und erhalten dafür vergünstigte Krankenkassentarife - 2015 sorgten die Medien mit diesen Schlagzeilen für Aufmerksamkeit.

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668519244
ISBN (Buch)
9783668519251
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374618
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain – Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
BigData Medienpädagogik Freiheit

Autor

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Titel: Medienpädagogik und Big Data. Ansprechpartner auf Augenhöhe?