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Kindeswohlgefährung heute. Die Arten und Folgen von Kindesmisshandlung und Präventionsmöglichkeiten

Wenn Kinder zu Opfern werden

Hausarbeit 2015 17 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Kindeswohl – Kindeswohlgefährung
2.2. Ausprägungsformen von Gewalt
2.2.1. Körperliche Misshandlung
2.2.2. Seelische Misshandlung
2.2.3. Misshandlung durch Vernachlässigung
2.2.4. Sexuelle Misshandlung
2.3. Epidemiologie
2.4. Rechtliche Grundlagen

3. Wenn Kinder zu Opfern werden
3.1. Ursachen und Risikofaktoren
3.2. Folgen: Symptome und Hinweise

4. Interventionsmöglichkeiten
4.1. Präventionsmöglichkeiten
4.2. Verhaltensmöglichkeiten bei Verdachtsfällen
4.3. Die Rolle des Lehrers und der Schulen

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein, wenn’s nicht anders geht, ein abschreckendes“ (aok-bw 2015, 25). Diesen Satz sagte einst der Physiker Albert Einstein. Doch wie sieht es mit der Erziehung unserer Kinder in der Realität aus? In der vorliegenden Arbeit wird der Fragestellung auf den Grund gegangen, inwiefern auch heute noch Kinder misshandelt und gedemütigt werden – von den Menschen, die ihnen eigentlich Schutz bieten sollten: Ihren Eltern. Hierbei wird zunächst beschrieben, was unter Kindeswohl und eben dessen Gefährdung verstanden wird. Welche Misshandlungsformen unterschieden werden und wie diese Art der Erziehung verbreitet ist. Anschließend wird auf die Änderungen im Bürgerlichen Gesetzbuch eingegangen und erörtert, ob sich durch diese Gesetzesänderung auch etwas in den Köpfen der Menschen verändert hat. Es folgt die Fragestellung, was Eltern überhaupt zu Tätern werden lässt. Welche Risikofaktoren sind hier zu beachten Die Folgen von Kindesmisshandlung werden vorgestellt und daran zu erkennende Symptome und Hinweise für Außenstehende aufgezeigt. Zudem werden Präventionsmöglichkeiten präsentiert, sowie Verhaltensempfehlungen im Verdachtsfall vorgestellt. Danach wird besonders die Rolle des Lehrers beleuchtet. Hier werden zudem Tipps gegeben, wie man sich im Ernstfall verhalten sollte. Abschließend wird die Arbeit im Schlussteil resümiert, indem wichtige Fakten nochmals aufgegriffen werden, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

Ich habe mich für das Thema dieser Arbeit entschieden, da ich es sehr wichtig finde, Fakten wahr und, vor allem, ernst zu nehmen und die Augen vor der Realität nicht zu verschließen. Gerade als angehende Lehrerin sehe ich mich dazu verpflichtet, über dieses Thema Kenntnisse zu besitzen, um im Ernstfall angemessen agieren zu können. Jeder von uns kann nicht nur Zeuge sein, sondern auf Helfer. Doch wie helfen, wenn man unsicher ist, was man tun kann? Eben dieser Unsicherheit möchte ich mit dieser Arbeit Abhilfe schaffen und Menschen ermutigen, tätig zu werden. Denn: „Kinderschutz geht uns alle an“ (Polizeiliche Kriminalprävention 2011a, 5).

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Kindeswohl – Kindeswohlgefährung

Um das Thema der vorliegenden Arbeit und deren Inhalt verstehen zu können, bedarf es zunächst einer Definition der Begriffe Kindeswohl und Kindeswohlgefährung. Sucht man im Duden nach einer Definition dieser Begriffe, ist hier nichts zu finden. Eine allgemeingültige Definition liegt schlichtweg nicht vor, da jeder eine eigene Meinung darüber besitzt, was gut für ein Kind ist. Dies ist abhängig von Kultur, Geschichte und Zeit (vgl. Bundesministerium 2009, 20f.). Trotzdem ist es möglich, durch Interpretation der Bedeutungen eine grobe Definition zu erstellen. Zunächst zum Begriff des Kindeswohl. Eltern entscheiden im Allgemeinen selbst, was sie als förderlich für das Wohl ihres Kindes ansehen. Dieses Recht wird ihnen im Grundgesetz[1] zugeschrieben: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“ (Deutscher Bundestag 2015, 16). Eltern sind demnach dazu verpflichtet, die Grundbedürfnisse und Grundrechte ihrer Kinder so zu befriedigen, dass diese sich entsprechend ihres Alters entwickeln können (vgl. Bundesministerium 2009, 21f.). Dies ist, wie bereits angedeutet, von den verschiedenen Bedingungen der Familie abhängig. Festhalten lässt sich an dieser Stelle zunächst, dass jedes Kind gesund aufwachsen können muss, damit seine physische, psychische, seelische und soziale Entwicklung gewährleistet wird. Dazu müssen die Grundbedürfnisse befriedigt werden. Kinder haben zunächst ein Bedürfnis nach Beziehungen, die beständig und warmherzig sind. Die Erwachsenenperson muss lernen, das Kind zu verstehen, ihm liebevoll zu begegnen und damit eine verlässliche und sichere Bezugsperson darzustellen.

Des Weiteren haben Kinder das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit. Es ist die Versorgung des Kindes mit Nahrung, Schlaf, Bewegung und Gesundheitsfürsorge gemeint. Zudem eine gewaltfreie Erziehung. Ebenso hat jedes Kind das Bedürfnis nach Erfahrungen, die es individuell erleben und erfahren kann. Darum sollte jedes Kind so angenommen werden. Außerdem hat jedes Kind das Bedürfnis entwicklungsgerechte Erfahrungen zu erleben. Hiermit ist gemeint, dass man ein Kind nicht über- oder unterfordern sollte, sondern es entsprechend seiner Entwicklung bei der Bewältigung von Aufgaben zu unterstützen. Weiterhin ist es wichtig, jedem Kind Grenzen und Strukturen zu geben. So kann jedes Kind selbstständig seine Umwelt kennenlernen ohne dabei in Gefahrensituationen zu geraten. Grenzsetzungen sollten dabei weder strafend, noch gewaltsam sein. Stattdessen sollten sie eher als Entwicklungsmöglichkeit wahrgenommen werden, die Anlass für Gespräche und Aushandlungsprozesse bieten. Ferner benötigt jedes Kind stabile Gemeinschaften, die Unterstützung bieten.

Hiermit sind vor allem Kindergärten, Nachbarschaften und Schulen gemeint, die den Kindern eine Gemeinschaft mit Gleichaltrigen ermöglichen. Durch die Unterstützung von Freunden, können die Kinder zu selbstsicheren und eigenständigen Individuen heranwachsen. Das letzte Bedürfnis bezieht sich auf eine sichere Zukunft, die auch von Politik und Gesellschaft beeinflusst wird. Jedes Kind sollte eine Chance auf Zukunft und Perspektive haben. Eltern müssen sich also je nach Alter und Entwicklungsstand ihres Kindes immer wieder neu auf die jeweiligen Bedürfnisse einstellen. Für den Begriff des Kindeswohls sind damit die kindlichen Entwicklungsbedürfnisse, die Fähigkeiten und Kompetenzen der Eltern, sowie die Faktoren in Familie und Umwelt ausschlaggebende Merkmale, die das Kindeswohl gewährleisten (vgl. ebd., 22ff.). Nun wird der Gegenspieler hierzu genauer betrachtet: Kindeswohlgefährung. Mit diesem Begriff ist gemeint, dass das Wohl und die Rechte des Kindes nicht beachtet werden. Damit kann Kindesmisshandlung, also ein Verhalten oder Handeln, dass das Recht und Wohl des Kindes verletzt, gemeint sein, oder aber Kindesvernachlässigung, bei welcher die Pflege des Kindes unterlassen wird. Folgen können mutwillig erzeugte Verletzungen, psychische und physische Schädigungen, sowie Entwicklungsbeeinträchtigungen sein. Daraufhin kann es notwendig werden, dass Jugendhilfeeinrichtungen und Familiengerichte eingreifen und Hilfe anbieten, um in das Recht der Eltern als Erziehungsberechtigte einzuschreiten. Dies ist zur Sicherstellung des Kindeswohls unerlässlich (vgl. ebd., 32).

Deutlich geworden ist nun, dass der Begriff Kindeswohl individuell auslegbar ist, der Begriff der Kindeswohlgefährdung hingegen ziemlich genau sagt, was unter ihm zu verstehen ist und was in diesem Falle die Folgen sind. Um diesem Begriff noch näher auf den Grund zu gehen, werden im Folgenden die Ausprägungsformen der Gewalt näher beschrieben, die das Kindeswohl gefährden.

2.2. Ausprägungsformen von Gewalt

2.2.1. Körperliche Misshandlung

Unter dem Begriff körperliche Misshandlung sind alle Handlungen zu verstehen, die körperliche Verletzungen, oder sogar den Tod hervorrufen. Beispiele hierzu sind Faustschläge, Misshandlungen mit Gegenständen, Würgen, Fesseln oder Ohrfeigen (vgl. Polizeiliche Kriminalprävention 2011a, 9). Gerade die Ohrfeige scheint eine recht harmlose Form der körperlichen Misshandlung darzustellen. Die Ohrfeige ist ein Schlag mit der flachen Hand auf die Wange, ohne dabei zusätzliche Hilfsmittel zu verwenden. Durch sie wird das Opfer herabgesetzt und der Täter zeigt seine Überlegenheit. Aus diesem Grund ist auch diese Form von körperlicher Gewalt ebenso verwerflich wie alle anderen physischen Misshandlungsformen (vgl. Gudehus 2013, 147).

Körperliche Misshandlung geht immer einher mit psychischer Gewalt. Das Gegenüber wird gedemütigt, erniedrigt, es empfindet Scham und Angst. Sie ist häufig die Folge von Überforderung und Stress. Der Täter verliert dabei die Kontrolle und versucht diese, mit Hilfe von Gewalt, wieder zu bekommen (vgl. Bundesministerium 2009, 38).

2.2.2. Seelische Misshandlung

Die seelische Misshandlung ist die wohl häufigste Gewaltausprägung gegen Kinder, da sie immer mit körperlicher Gewalt und Vernachlässigung einhergeht. Hiermit sind beispielsweise Drohungen, Beleidigungen, Demütigungen, Essensentzug, Liebesentzug oder Einschüchterungen gemeint. Dem Kind wird dadurch vermittelt, dass es wertlos ist, woraufhin häufig Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität, Ängstlichkeit und mangelndes Selbstwertgefühl auftreten. Das Problem an seelischer Misshandlung ist, dass sie von außen kaum zu erkennen ist, da keine körperlichen Beeinträchtigungen zu erkennen sind (vgl. Polizeiliche Kriminalprävention 2011a, 10). Es ist auch möglich, dass seelische Misshandlungen jahrelang verdrängt werden. Dann besteht die Gefahr, dass erst durch Krisen im Erwachsenenalter psychische Beeinträchtigungen auftreten, die Folge einer seelischen Misshandlung in der Kindheit sein können (vgl. Rauchfleisch 1992, 67f.). Wichtig ist es zu erwähnen, dass die Auswirkungen dieser Gewaltform desto schlimmer sind, je jünger das Kind ist und je häufiger es diesen Umgang ertragen muss (vgl. Bundesministerium 2009, 46).

2.2.3. Misshandlung durch Vernachlässigung

Unter dieser Form der Gewalt ist zu verstehen, dass das Kind Schutz, Zuwendung und Fürsorge nicht in dem Maß erhält, wie es für seine Entwicklung notwendig wäre. Vernachlässigung im Bereich der Versorgung mit Flüssigkeit und Nahrung kann tödlich sein. Im Gegensatz zur seelischen Misshandlung ist diese Form jedoch zu erkennen. Anzeichen für eine Misshandlung durch Vernachlässigung können ein ungepflegtes Äußeres, unpassende Kleidung und/oder unregelmäßige Anwesenheit in der Schule sein (vgl. Polizeiliche Kriminalprävention 2011a, 11). Häufig sind Familien, die ihre Kinder vernachlässigen sozial schwache Familien, in denen die Eltern arbeitslos sind, keinen Schulabschluss oder keine Ausbildung haben. Vermögende Familien hingegen vernachlässigen ihre Kinder eher emotional. Auslöser können Krisen sein, durch welche die Familie aufgibt und sich so auch der Kontakt zu den Kindern verringert. Auch hier sind die Folgen desto schlimmer, je jünger die Kinder zu Beginn der Vernachlässigung sind. Auf Grund dessen, dass diese Kinder immer auf der Suche nach Liebe und Zuwendung sind, sind sie anfällig, Opfer missbräuchlicher Beziehungen zu werden (vgl. Bundesministerium 2009, 43f.).

2.2.4. Sexuelle Misshandlung

Die vierte Form der Misshandlung ist die sexuelle Misshandlung. Hier nutzt ein Erwachsener seine Macht dem Kind gegenüber, um es sexuell auszubeuten. Damit ist Belästigung, Masturbation, oraler, analer oder genitaler Verkehr, Vergewaltigung, Zwang zur Prostitution oder Pornographie gemeint. Gerade vernachlässigte Kinder haben ein erhöhtes Risiko Opfer sexueller Misshandlungen zu werden (vgl. ebd., 40f.). Kinder äußern sich selten zu diesen Taten, auf Grund von Schuldgefühlen und der Angst den Täter, welcher aus ihrem sozialen Nahraum stammt, zu belasten. Außerdem belastet sie die Angst, dass durch sie die Familie auseinander brechen könnte. Weiterhin fürchten sie sich, ihren eigenen Gefühlen, im Falle eines Gesprächs, nicht standhalten zu können (vgl. Rauchfleisch 1992, 81).

[...]


[1] Grundgesetz Artikel 6 Absatz 2

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668520127
ISBN (Buch)
9783668520134
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374864
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
1,5
Schlagworte
Kindeswohlgefährung

Autor

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Titel: Kindeswohlgefährung heute. Die Arten und Folgen von Kindesmisshandlung und Präventionsmöglichkeiten