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Stress und Coping-Strategien in Prüfungssituationen

Studienarbeit 2017 37 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

IV. Abkürzungsverzeichnis

1. Abstrakt
1.1. Abstrakt (deutsch)
1.2. Abstract (english)

2. Theoretischer Teil
2.1. Einleitung
2.2. Stand der aktuellen Forschung
2.2.1. Stressforschung
2.2.2. Bewältigungsstrategien in Prüfungssituationen
2.2.3. Ansätze der empirischen Forschung
2.3. Forschungsanliegen und Hypothesen

3. Empirischer Teil
3.1. Erhebungsmethode und Messinstrumente
3.1.1. Überblick über die gewählte Methode
3.1.2. Messinstrumente
3.2. Stichprobe
3.3. Untersuchungsdesign und -vorgehen

4. Ergebnisse der Forschung
4.1. Datenaufbereitung
4.2. Ergebnisse zur Hypothese 1
4.3. Ergebnisse zur Hypothese 2
4.4. Ergebnisse zur Hypothese 3
4.5. Ergebnisse zur Hypothese 4

5. Diskussion
5.1. Interpretation der Ergebnisse
5.2. Diskursive Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Forschung
5.3. Methodenkritische Betrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhänge
7.1. Onlineumfrage

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Transaktionales Stressmodell nach Lazarus

Abbildung 2 Methoden der empirischen Sozialforschung (eigene Darstellung) nach Atteslander (2008, S. 49)

Abbildung 3 Diagramm Altersverteilung

Abbildung 4 Prüfungsstress Histogramm

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Quantitative und qualitative Methoden (eigene Darstellung) nach Flick (2009) und Minichiello, Aroni, Timewell, & Alexander (1990)

Tabelle 2 Häufigkeitsverteilung Geschlecht Studienteilnehmer

Tabelle 3 Teilabschnitte Fragebogen

Tabelle 4 Projektplan der Studiendurchführung (eigene Darstellung)

Tabelle 5 Ergebnis t-Test

Tabelle 6 Ergebnis Regressionsanalyse

Tabelle 7 Ergebnis Faktorenanalyse

IV. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Abstrakt

1.1. Abstrakt (deutsch)

Ziel der vorliegenden Studie war es, an der erhobenen Stichprobe von Studierenden unterschiedlicher Hochschulen aus dem deutschsprachigen Raum zu prüfen, als wie Stressintensiv diese die Prüfungssituationen empfinden und welche Bewältigungsstrategien sie zum Umgang mit dem entstehenden Stress wählen und welcher wissenschaftlich nachgewiesene Zusammenhang zu demografischen Daten, wie Alter und Geschlecht bestätigt werden kann.

Die Studie ergab, dass es Stress in Prüfungssituationen gibt und vor allem von Frauen stark wahrgenommen wird, aber auch Männer in geringerem Maße darunter leiden, das Geschlecht also eine Rolle spielt. Die Hintergründe hierfür liegen laut Forschung in den unterschiedlichen biochemischen Abläufen im Gehirn (Bangasser, et al., 2010), aber auch darin, dass Frauen über eine ausgeprägte Selbstwahrnehmung verfügen (Schulz, Schlotz, Wolf, & & Wüst, 2002) und bei gleichem Stressniveau dies häufiger zum Ausdruck bringen.

Was anhand der Datensätze mit einer linearen Regressionsanalyse nicht bestätigt werden konnte ist, dass Prüfungsstress mit den steigenden Lebensjahren weniger stark empfunden wird. Hier konnte keine signifikante Abhängigkeit zwischen Alter und Prüfungsstress nachgewiesen werden. Die Vermutung, es läge an der homogenen Altersstruktur der Studienteilnehmer konnte durch die durchgeführte Kontrollprüfung entkräftet werden. Durch diese Kontrollprüfung, wie sich das allgemeine Stressniveau abhängig vom Alter verhält konnte jedoch die wissenschaftliche Theorie (z. B. Aldwin, Sutton, Chiara & Spiro, 1996) bestätigt werden, der Stress nehme mit zunehmendem Alter ab. Es kann also festgehalten werden, dass sich der Prüfungsstress, entgegen der Erwartungen, unabhängig zum Alter verhält, das allgemeine Stressniveau der selben Studierenden jedoch altersbedingt abnimmt.

Von Interesse in dieser Studie waren auch die Bewältigungsstrategien der Studierenden in Hinblick auf Prüfungsstress. Die aufgestellte Hypothese, dass die Befragten nach dem Modell von Lazarus (1981) drei Dimensionen von Coping Strategien haben, wurde mit Hilfe einer explorativen Faktorenanalyse mit Varimax Rotation geprüft. Anhand dieser Faktorenanalyse haben sich vier Dimensionen ergeben, von denen sich jedoch die größten drei nach dem Modell von Lazarus dem emotionalen, kognitiven und behavioristischen Coping zuordnen lassen. Am wichtigsten sind in der Stichprobe die behavioristischen Bewältigungsstrategien.

1.2. Abstract (english)

The aim of the present study was to test the scientifically proven hypotheses about stress in examination situations and the correlation to demographic data such a sage and sex. For this aim, the collected sample of students from different universities in German speaking countries was asked about their stress level and their coping strategies to choose to deal with this emerging stress.

The study found out, that there is in fact, stress in examination situations and it is perceived primarily by women but also, to a lesser degree by men – so gender has some impact on this stress level. According to the science and research, this is happening due to the different biochemical processes and the brain structure (Bangasser, et al., 2010) but also the fact that women have a pronounced self-awareness within the same stress level (Schulz, Schlotz, Wolf, & & Wüst, 2002).

The hypotheses that with increasing age the stress level is lower could not be confirmed. With a linear regression analysis, there was no significant relation between age and stress in examination situations. The assumption that the homogeneous structure of age of the participants was weakened by the control test carried out. Because of this check about the general stress level was dependent of the age, the scientific theory (eg Aldwin, Sutton, Chiara & Spiro, 1996) was confirmed. The result is therefore, that contrary to the expectations, the general stress level of the same students is significantly dependent of the age but so is not the stress level during examination period which is independent of the age of the sample.

Also of interest in this study were the coping of students regarding to examination stress. The hypothesis that the interviewees have three dimensions of coping strategies according to the model of Lazarus (1981) was tested. Therefore, the data was examined with an exploratory factor analysis with Varimax rotation. Based on this factor analysis, four dimensions have emerged, of which, however, the largest three can be assigned to the emotional, cognitive and behavioural coping according to the model of Lazarus. The most important are the behaviourist coping strategies in the sample.

2. Theoretischer Teil

2.1. Einleitung

Das Interesse der Öffentlichkeit am Thema Stress in Verbindung mit Studierenden wurde durch die Bologna-Reform geweckt und seitdem immer wieder medial aufgegriffen. Studierende stehen laut dem Bericht TK-CampusKompakt der Techniker Krankenkasse (Holm, 2015) generell unter einem hohen Stresslevel. Berichte in den Medien weisen immer wieder darauf hin, dass der Stress für Studierende in der letzten Zeit stark zugenommen hat, ob dies nun an der besagten Hochschulreform mit Bachelor- und Masterstudiengängen und dem damit verbundenen Leistungsdruck liegt oder am Druck der Wirtschaft nach immer besseren Absolventen in immer kürzerer Zeit wird kontrovers diskutiert. Die Belastung durch das Studium zeigt dabei kontinuierlich an, was auch die Zahlen des Deutschen Studentenwerks belegen, laut deren Statistiken haben 2015 fast 32.000 Studierende eine psychologische Einzelberatung in Anspruch genommen, das sind fast 40% mehr im Vergleich zum Jahr 2009 (Deutsches Studentenwerk, 2016).

Die Ursachen für ein erhöhtes Belastungspotenzial bei Studierenden sind freilich vielschichtig, gerade in der Prüfungszeit leiden die Studierenden jedoch besonders unter Stress – mehr als die Hälfte aller Studierenden gab demnach an, dass die Prüfungssituationen der Hauptstressfaktor während des Studiums darstellen (Holm, 2015). Dies, und die Tatsache, dass durchschnittliche Studierende im deutschsprachigen Raum in der Altersgruppe liegen, die unter dem höchsten Stresslevel steht (OneVoice Measurement, 2010), war der Anlass für die Verfassung der vorliegenden Arbeit.

Es gibt bereits zahlreiche Studien und Reports zum Thema Stress im Studium. Befragt nach den Hauptstressfaktoren, gab jedoch mehr als die Hälfte aller Studierenden an, vor allem von den Hochschulprüfungen gestresst zu sein (Holm, 2015). Vor diesem Hintergrund war es das Ziel der vorliegenden Studie, das Thema „Stress und Coping Strategien in Prüfungssituationen“ zu untersuchen. Darüber hinaus wird diskutiert, dass viele Studierende nicht die richtigen Strategien zur Bewältigung von Prüfungsstress anwenden und daher einer noch extremeren Stressbelastung ausgesetzt sind. Beeinflussen spezielle Merkmale von Studierenden das Stresserleben und die Stressbewältigung in Prüfungssituationen, wie beispielsweise das Geschlecht oder das Alter? Diese Fragen sollen mit der vorliegenden Studie empirisch untersucht werden.

Wie gehen Studierende mit Stress im Prüfungssituationen um und wie versuchen sie den Stress zu bewältigen?

2.2. Stand der aktuellen Forschung

2.2.1. Stressforschung

Der Begriff „Stress“ hat seinen Wortursprung im lateinischen Ausdruck „stringere“, was so viel wie „drücken“ „anspannen“ bedeutet. Die beiden Forscher Walter Cannon (US-Amerikanischer Physiologe 1871-1945) und Hans Seyle (ungarisch-kanadische Biochemiker und Arzt 1907-1982) gelten als Pioniere auf dem Gebiet der biologischen Stressforschung, erst später wurde Stress unter dem Aspekt der Soziologie und der Psychologie betrachtet und erforscht. Cannon beschreibt bereits Ende der 1920er Jahre im „New England Journal of Medicine“ (1928) die adaptive Reaktion des Körpers auf ein akutes, durch Stressoren ausgelöstes emotionales Ereignis. Als eine Art der Reaktion prägte der Mediziner Hans Seyle die Begriffe Eustress und Distress (Mitterauer & Harrer, 1983):

- Als Eustress wird der gute Stress bezeichnet. Er wird positiv erlebt, trägt zur Motivation bei und kann die Leistungsfähigkeit steigern. Er führt zu erhöhter Wachsamkeit, erhöhtem Reaktions- und Denkvermögen, was vor allem in echten Gefahrensituationen, wie beispielsweise der Flucht aus einem brennenden Haus sinnvoll ist.
- Distress ist der negative Stress, der blockierend und energieraubend auf das menschliche Gehirn wirkt und somit zu Überforderung, Verzweiflung und Unlustgefühl führen kann. In Prüfungssituationen tritt häufig Distress auf, also negativer Stress.

Oft sind hohe Belastungen und Anforderungen Auslöser für diese Art von Stress, die das Kohärenzgefühl beeinträchtigen. Die ausgelösten biologischen Reaktionen, wie die Hormonüberproduktion führen zu Denkblockaden und dadurch Beeinträchtigung der Vigilanz. Die Prüfungssituation stellt demnach eine Belastung, einen sogenannten Stressor dar auf den der Organismus in Konsequenz mit physiologischen Maßnahmen reagiert, um die schädliche Einwirkung abzuwehren (Seyle, 1956). Stress entsteht also durch eine Beanspruchung des Organismus durch Stressoren, die aus medizinischer Sicht „als Reize, über die Sinnesorgane zum Gehirn gelangen und dort primär in der Großhirnrinde und sekundär im limbischen System Reaktionen auslösen“ (Tolksdorf, 185, S. 1).

Die Stressforschung bedient sich nicht nur biologischen Erklärungen, sondern bezieht auch die Soziologie und die Psychologie mit ein, sodass im Laufe der Zeit unterschiedliche Modelle entstanden sind:

- biologische, reaktionsorientierte Ansätze,
- reizorientierte, soziologische Modelle,
- psychologische Modelle und
- ressourcenorientierte Stressmodelle

In dieser Studienarbeit soll vorwiegend auf die psychologischen Modelle eingegangen werden. Auf der psychologischen Ebene werden die „emotionalen, kognitiven und das Verhalten betreffende Reaktionen beschrieben“ (Dietz, 2006, S. 26). Neuere Forschungsansätze der psychologischen Stressmodelle unterscheiden die auslösenden Faktoren, also die Belastungssituation und die tatsächliche Beanspruchung des Menschen durch diese Stressoren.

Einer der bekanntesten Forscher zu Stress und Bewältigungsstrategien stellt Richard Lazarus (US-amerikanischer Psychologe 1922-2002) dar, von dem das transaktionale Stressmodell (Abb.1) stammt, das beschreibt, wie sich die Belastungssituation (Umwelt), je nach Wahrnehmung und Vorerfahrung auf das subjektive Stressempfinden auswirkt. Nach seiner Definition ist sowohl die Wahrnehmung und Bewertung eines Stressors, als auch die Diskrepanz zwischen den gestellten Anforderungen und den zu Verfügung stehenden Ressourcen und der damit verbundenen fehlenden psychischen und physischen Anpassungsfähigkeit, für Stress verantwortlich. Besteht also die Möglichkeit nicht, eine Anforderung durch eigenes Handeln zu kontrollieren, nimmt das subjektive Wohlbefinden ab. Der dadurch ausgelöste Stress führt zur Wahl einer Bewältigungsstrategie und hilft damit dem Menschen, sich an die bestehende Gefahrensituation anzupassen und somit der möglichen Bedrohung zu entgehen oder diese anzugreifen. Stress ist damit ein hilfreicher Faktor zu Bewältigung von schwierigen Situationen, wie Prüfungssituationen diese darstellen.

Prüfungen sind allgemeine akademische Anforderungen (Schwarzer & Jerusalem, 1989) und somit Stressoren, denen fast alle Menschen mehrmals im Leben ausgesetzt sind. Eine Prüfung abzulegen, bedeutet, dass man innerhalb kürzester Zeit Wissen gezielt abrufen muss und sich damit einer öffentlichen Beurteilung aussetzt. Auch wenn man gut vorbereitet ist, suggeriert das Gehirn dem Körper möglicherweise also eine Gefahrensituation. Das verursacht bei vielen Menschen Stress, jedoch nicht bei allen und nicht im selben Ausmaß. Ob und in welchem Maße also Stress empfunden wird, liegt an persönlichen subjektiven Erfahrungen und deren Bewertung, die herangezogen werden, um zukünftige Prüfungssituationen zu beurteilen. Es kommt daher in Prüfungen die nicht richtig einzuschätzen sind eher zu Stressreaktionen, als in solchen, denen man sich gewachsen fühlt, die kontrollierbar sind. Es ist davon auszugehen, dass der subjektiv erlebte Stress vor dem Eintritt des Stressors und zu Beginn des Stressereignisses auftritt (Röhrle, Linkenheil & Graf, 1990).

Über die Stressbewältigung, die im Stressmodell von Lazarus den nächsten Schritt darstellt, geht es in Abschnitt 2.2.2.

Anhand der Definitionen lässt sich also zusammenfassen, dass Stress sich sowohl psychisch als auch physisch unterschiedlich auf den Menschen auswirkt und die jeweilige Situation, in diesem Fall die Prüfungssituation, je nach Erfahrung und Wahrnehmung, bestimmte Reaktionen hervorruft. Wie diese Reaktionen sich ausgestalten, ist unter anderem Gegenstand dieser Studie. Dass Frauen und Männer unterschiedlich reagieren ist derzeit ein aktuelles Thema in der Forschung.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Die Wissenschaft ist immer mehr daran interessiert, die unterschiedliche Wahrnehmung von Stressoren zwischen Männer und Frauen zu erforschen. Diese Richtung der Genderforschung gibt es noch nicht sehr lange und die wissenschaftlichen Erkenntnisse basieren hauptsächlich auf Ergebnissen aus der Feldforschung und dem Ansatz der neurologischen Forschung, die Unterschiede in männlichen und weiblichen Gehirnaktivitäten in Stresssituation feststellen konnte.

Wissenschaftler am psychologischen Institut der Temple Universität Philadelphia haben beispielsweise erforscht, dass das weibliche Gehirn anders auf Stressoren reagiert als das männliche. Die biochemischen Abläufe unterscheiden sich demnach stark voneinander (Bangasser, et al., 2010). Das weibliche Gehirn reagiert sensibler auf die ausgeschütteten Stresshormone und gewöhnt sich auch nach langen Episoden von Stress nicht an diese. Bei den Probanden der Studie handelte es sich jedoch um Ratten, sodass zu untersuchen bleibt, ob dies auch auf Männer und Frauen zutrifft. Andere Studien, wie z.B. an der Universität Trier (Schulz, Schlotz, Wolf, & & Wüst, 2002) belegen, dass Frauen öfter als Männer zugeben unter Stress zu leiden und eine sensiblere Selbstwahrnehmung besitzen. Die Forscher haben herausgefunden, dass Frauen tendenziell früher als Männer die Sorge haben, einem äußeren Druck, wie Beispielweise durch Prüfungssituationen hervorgerufen, nicht gewachsen zu sein und empfinden daher unter denselben Voraussetzungen eher Stress als Männer in der gleichen Lage.

Generell geht die aktuelle Forschung anhand von Feldforschungen, Studien und Untersuchungen der genderspezifischen neurologischen Unterschiede also davon aus, dass Frauen in schwierigen Situationen, darunter auch Prüfungssituationen, mehr Stress empfinden als Männer und dies auch eher zum Ausdruck bringen. Auch die Studie TK-CampusKompass der Techniker Krankenkasse (Holm, 2015) hat ergeben, dass von den männlichen Studenten nur ca. 30% angeben unter Stress zu stehen, während die weiblichen Studierenden mit ca. 54% deutlich höher liegen.

Auswirkungen des Lebensalters

Je älter ein Mensch ist, umso stressresistenter ist er und damit umso weniger gestresst, so die Ergebnisse der Universitäten Heidelberg und Colorado bei einem Test mit ca. 300 Teilnehmern zwischen 18 und 90 Jahren. Auch in der Literatur finden sich einige Hinweise darauf, dass es Unterschiede gibt, bezüglich dem Stressempfinden je nach Lebensalter (z. B. Aldwin, Sutton, Chiara & Spiro, 1996). Zwar ist das Lebensalter in dieser Studie, an der nur Studierende teilgenommen haben relativ homogen im Vergleich zur Gesamtgesellschaft, jedoch soll dies dennoch nicht außer Acht gelassen werden.

Stressforschung geht meist einher mit der Forschung nach Strategien, um mit dem Stress umzugehen und damit zurecht zu kommen, wie schon das Modell von Lazarus impliziert. Diese Strategien werden im nächsten Abschnitt thematisiert und sind auch Teil der empirischen Forschung dieser Studienarbeit. Denn ob Stress belastet oder nicht, hängt stark davon ab, wie die Studierenden die Prüfungssituation bewerten.

2.2.2. Bewältigungsstrategien in Prüfungssituationen

Coping (engl.: to cope with = bewältigen, überwinden, zurechtkommen mit) stellt den Umgang mit, als schwierig empfundenen Ereignissen, wie etwa das Ablegen einer Prüfung dar. Abhängig von den persönlichen Erfahrungen und Möglichkeiten, sowie der Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) einer Person, gibt es unterschiedliche Coping-Strategien, um dem Stress entgegenzuwirken und mit der schwierigen Situation besser umzugehen. Diese Reaktionsmechanismen, die sogenannte Bewältigungsstrategien werden in der psychologischen Forschung differenziert behandelt und können unterschiedlich klassifiziert werden. Die Kategorisierung erfolgt übergeordnet nach ihrem Zweck, ihrer Bedeutung oder ihrer Funktionalität (Schwarzer & Schwarzer, 1996). Ein, in der Wissenschaft häufig verwendetes Modell ist die Klassifizierung nach Lazarus und Launier (1981). Nach deren Theorie gibt es drei Arten, wie ein Mensch auf einen Stressor, in vorliegender Arbeit also die Prüfungssituation, reagieren kann:

- Behavioristisches Coping – Bewältigung durch Handeln: Die aktive Auseinandersetzung mit dem Stressor, wie beispielsweise dem Erstellen eines Lernplans oder der Verschiebung der Prüfung und somit die Bewältigung der Stresssituation
- Kognitives Coping – Bewältigung durch Gedanken: Die Situation wird gedanklich betrachtet und anders interpretiert und bewertet. So kann beispielsweise die Wichtigkeit der bevorstehenden Prüfung überdacht werden und ihre Relevanz dadurch gedanklich reduziert werden. Der Stressor ist nach wie vor vorhanden, aber die Reaktion darauf hat sich verändert.
- Emotionales Coping – Bewältigung durch Gefühle: Der Stress der bevorstehenden Prüfung wird emotional abgebaut, beispielweise durch Weinen oder durch eine innere Resignation, aber auch durch auftretende Aggressionen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Besonders auffällig sind die Unterschiede in der Wahl der Bewältigungsstrategien zwischen Männern und Frauen, was in der vorliegenden Arbeit ebenfalls Untersuchungsgegenstand ist.

Frauen entscheiden sich oft für die emotionalen Bewältigungsstrategien und sehen sich nach sozialer Unterstützung und Mitgefühl um, während Männer eher auf Vermeidungsstrategien setzen und die Prüfungssituation kognitiv als weniger gefährlich einschätzen. Diese Erkenntnisse folgt aus Untersuchungen mit Studierenden an der University of California, durchgeführt u.a. von Linda Sax, Professorin an der UCLA (Sax, Astin, & Astin, 2015). Laut der Studie sind es überwiegend Frauen, die sich aufgrund des Stresses im Studium professionelle Hilfe suchen, während Männer versuchen, den Stress in der Freizeit und beim Sport abzubauen. Dass das Geschlecht einen Einfluss auf die Wahl der Coping Strategie hat, wird ebenfalls in der Studie „Sex Differences in Coping Styles and Implications for Depressed Mood“ (Howerton & Van Gundy, 2009) ausführlich dargestellt.

Ein Ziel der vorliegenden Studie ist es daher zu prüfen, ob die Nutzung bestimmter Bewältigungsstrategien systematisch mit der Geschlechterzugehörigkeit einhergeht. Erfasst werden sollen die Bewältigungsstrategien der Studienteilnehmer mit Messinstrument „Brief COPE“, das 1997 von Carver entwickelt wurde. Es fragt vierzehn 14 Dimensionen von Bewältigungsverhalten ab: Ablenkung, Alkohol und Drogen, aktive Bewältigung, Ausleben von Emotionen, emotionale Unterstützung, Verleugnung, Verhaltensrückzug, instrumentelle Unterstützung, positive Umdeutung, Selbstbeschuldigung, Planung, Humor, Akzeptanz und Religion.

2.2.3. Ansätze der empirischen Forschung

Die Befragung ist nur eines von vielen Instrumenten der Empirie, der sogenannten Erfahrungswissenschaften, die auf der Abbildung der sozialen Wirklichkeit basieren. Die Methoden lassen sich klassifizieren in Beobachtungen, Befragungen und Experimente. Die Beobachtung findet in einer aktuell stattfindenden Situation statt, das Experiment in einer gestellten Situation, die durch den Forschenden herbeigeführt wurde.

In der vorliegenden Studienarbeit steht das Instrument der Befragung im Mittelpunkt, Folgende Grafik veranschaulicht die getätigten Ausführungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Methoden der empirischen Sozialforschung (eigene Darstellung) nach Atteslander (2008, S. 49)

Es wird bei der Befragung zwischen quantitativen und qualitativen Ansätzen unterschieden, die in folgender Tabelle mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen dargestellt sind. Die quantitative Forschung ist deduktiv, das heißt sie prüft die aufgestellten Hypothesen über soziale Phänomene und Verhaltensweisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Quantitative und qualitative Methoden (eigene Darstellung) nach Flick (2009) und Minichiello, Aroni, Timewell, & Alexander (1990)

Aufgrund der in der Tabelle 1 dargelegten Vorteile der quantitativen Forschungsmethoden wurde hier die Befragung in Form einer Online-Umfrage als Instrument gewählt. Vor allem der Vorteil, des hohen Grades der Verallgemeinerung der Ergebnisse und damit eine relativ sichere Möglichkeit der Hypothesenüberprüfung ist hierbei ausschlaggebend. Auch die relativ große Masse an Rückmeldungen in kürzester Zeit und ohne großen finanziellen Aufwand ist im Rahmen der Studienarbeit aus forschungsökonomischer Sicht vorteilhaft und bekräftigt die Wahl der quantitativen Methode.

2.3. Forschungsanliegen und Hypothesen

Auslöser des Forschungsinteresses ist das wissenschaftliche Interesse an der Thematik zum Thema Stress in Prüfungssituationen, sowie die Wahrnehmung eines gesteigerten Stressempfindens im Allgemeinen und die diversen Bewältigungsstrategien als Reaktion darauf.

Die Forschungsfrage lautet daher:

Gibt es eine gesteigerte Stresswahrnehmung in Prüfungssituationen und welche Bewältigungsstrategien haben Studierende dagegen?

Folgende Hypothesen zur Forschungsfrage, ob es Stress in Prüfungssituationen gibt und ob Verhaltensmuster bezüglich diesem festzuhalten sind, werden in dieser Arbeit aufgestellt:

1. Hypothese:

Als Existenzhypothese gilt es festzuhalten, dass Menschen mit Stress auf Prüfungssituationen reagieren. Laut aktuellem Stand der Wissenschaft, wie in Kapitel 2.2.1. beschrieben, ist dies der Fall. Dies soll anhand der durchgeführten Studie bestätigt werden.

2. Hypothese

Frauen haben in Prüfungssituationen mehr Stress als Männer – dies ist bereits durch andere Studien erforscht worden (Schulz, Schlotz, Wolf, & & Wüst, 2002), jedoch noch nicht hinreichend wissenschaftlich begründet und daher eine interessante Hypothese, die sich in der Neurowissenschaft bereits durch die Forschung an Ratten bestätigen ließ, wie ebenfalls in Abschnitt 2.2.1. dargestellt (Bangasser, et al., 2010).

3. Hypothese

Die in der Literatur aufgeführten Unterschiede von Stresserleben in unterschiedlichen Lebensjahren und von der Universität Heidelberg und Colorado durchgeführten Studien diesbezüglich, werfen die Frage auf, ob auch ältere Studierende weniger Stress empfinden als jüngere. Die Hypothese lautet hier, dass der Stress in Prüfungssituationen mit dem steigenden Lebensalter abnimmt.

Die Forschungsfrage enthält jedoch noch einen anderen Aspekt der im Rahmen dieser Studienarbeit von wissenschaftlichem Interesse ist. So enthält der zweite Teil der Fragestellung die Erforschung der unterschiedliche Coping-Strategien, um mit Stress in Prüfungssituationen umzugehen. Auch zu dieser Teilfrage wurde eine Hypothese aufgestellt, die wissenschaftlich bestätigt ist und nun geprüft werden soll.

4. Hypothese

Abgeleitet aus dem Modell von Lazarus ergeben sich drei Dimensionen von Bewältigungsstrategien, das emotionale, kognitive und problemorientierte Coping. Es wird die Hypothese aufgestellt, dass diese drei Dimensionen von Coping der transaktionalen Perspektive sich auch in Prüfungssituationen wiederfinden.

Anhand der Fragestellung zu Stress und Coping Strategien in Prüfungssituationen und den vier, daraus abgeleiteten Hypothesen, wurde eine empirische Untersuchung angestellt, die im folgenden Kapitel beschrieben ist.

3. Empirischer Teil

Zu Beginn erfolgt die Einordnung des gewählten Erhebungsinstruments und eine Auseinandersetzung mit dem, für die Studie erstellten Fragebogen, anhand bekannter Messinstrumente. Dieses Teilkapitel umfasst die Beschreibung des Instruments, sowie eine begründete Auseinandersetzung mit den gewählten Items. Im Anschluss erfolgt die Beschreibung der Durchführung, der Projektplan sowie die Definition der Stichprobe und deren Repräsentativität.

3.1. Erhebungsmethode und Messinstrumente

3.1.1. Überblick über die gewählte Methode

Im Rahmen der Studienarbeit wird eine hypothesenprüfende Untersuchung durchgeführt. Da sich aufgrund der aktuellen Forschung die zur gewählten Thematik bereits betrieben wurde, begründete Hypothesen formulieren ließen, ist die Studie nach den Kriterien einer explanativen (=erklärenden) Untersuchung angelegt worden. Das Ziel einer explanativen Studie ist es, eine Hypothesen zu überprüfen, wobei von einer Stichprobe auf eine Grundgesamtheit zurückgeschlossen wird (Raithel, 2008). Die Befragung ist dafür ein geeignetes Mittel.

Zur Befragungsmethode gibt es mehrere Ansätze, wie die telefonische, die postalische, die persönliche und die computergestützte Befragung (Kopp & Steinbach, 2015, S. 231). Hierzu gehört auch die internetbasierte Erhebungsmethode, die hier Anwendung findet.

Sie lässt sich in die Primärforschung eingliedern, bei der neue, noch nicht erfasste Daten erhoben werden. Diese steht im Gegensatz zur Sekundärforschung, die sich mit bereits vorhandene Datensätzen aus vorangegangenen Studien befasst. Die Primärforschung bietet den Vorteil der Aktualität der erhobenen Datensätze und wird häufig ebenfalls zur Überprüfung bereits getätigter Studien und Hypothesen verwendet. Zudem ist eine, auf die aufgestellten Hypothesen zugeschnittene Befragung möglich, Sekundärdaten bieten häufig mehr Informationen als im Rahmen einer Studienarbeit analysiert werden können.

3.1.2. Messinstrumente

Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden von den Studienteilnehmern Fragen zum Themengebiet Stress in Prüfungssituationen als auch zu deren Bewältigungsstrategien in diesen Situationen beantwortet. Um diese beiden Schwerpunkte abzufragen, wurden zwei etablierte Testverfahren herangezogen und im Fragebogen verarbeitet.

Identifikationsitems

Zu Beginn der Studie wurden Geschlecht, Alter, Semester, Hochschulzugehörigkeit (Fachhochschule/Universität) und angestrebter Abschluss in Grund- oder Aufbaustudiengang (Bachelor/Master) erfragt. Als Filterkriterium wurde die Frage nach einem aktuellen oder maximal ein Jahr zurückliegenden Studium gestellt. Die Verneinung dieser Frage führte zum Ende der Erhebung für den jeweiligen Studienteilnehmer. Hintergrund ist, dass je nach Stärke der Erfahrungen und der individuellen Stresstraumata und Verdrängungsstrategien, die Erinnerungen an Emotionen und Stress mit der Zeit verblassen oder noch mehr an Gewicht erhalten (Welzer, 2008), was bei einem länger zurückliegenden Studium zu einem verzerrten Antwortverhalten der Studienteilnehmer führen kann. Diese wurden daher von der Umfrage ausgeschlossen.

QUEST

Um das Belastungserleben der Prüfungssituation und den damit verbundenen Stress zu bestimmen (Frage 9-11 des Fragebogens) wurden Teile des QUEST-Test herangezogen, der auf studentische Fragestellungen spezialisiert ist und damit inhaltlich nicht angepasst werden musste. QUEST basiert auf einem von der Bertelsmann Stiftung unterstützten dreijährigen Forschungsprojekt bei dem ca. 25.000 Studierende befragt wurden (CHE Consult, 2011). Unter anderem geht es im QUEST thematisch um die Heterogenität der Studierenden. Im Rahmen der aktuellen Studie wurden nur die Fragestellungen übernommen, die sich auf Stress im Studium beziehen, welche sich hauptsächlich in der emotionalen Skala des QUEST-Fragebogens befinden. Diese Fragen aus dem QUEST-Fragebogen wurden mit dem Fragebogen zur Stressdiagnostik von Dr. med. R. Gruber verglichen (Gruber, 2017), um sicherzustellen, dass nur die stressrelevanten Fragestellungen übernehmen werden. Einzelne Elemente wurden sprachlich angepasst, diese Anpassungen bestehen im Wesentlichen aus Ersetzungen des Begriffs Studium durch die der prüfungssituationsrelevanten Terminologie, wie „Prüfungssituation“ oder „Prüfungsstress“, was im vorliegenden Fall auf die spezifische Fragestellung zurückzuführen ist. Dies wurde jedoch unter Beibehaltung des restlichen Item Wortlauts vorgenommen. Alle weiteren Fragen des QUEST wurden nicht übernommen, da dieser Test umfassendere Ergebnisse zu Studium, Studienwahl und anderen studentischen Aktivitäten liefern. Das Cronbach’s alpha ist mit α = .80 hoch, sodass von einer internen Konsistenz ausgegangen werden kann. Die einzelnen Werte der Fragen bewegen sich alle im selben Bereich, sodass hier keine Frage ausgeschlossen werden muss.

COPE

Um die Bewältigungsstrategien der Studierenden zu erfassen und den Coping Strategie Schemata zuzuordnen, wurde die deutsche Kurzversion des COPE-Tests in der, am Psychiatrischen Universitätsklinikum Zürich/ Schweiz verfügbaren Fassung (Knoll, Schwarzer, & Carver, Übersetzung 2002) verwendet. Hier wurden in der betrachteten Studie keinerlei Veränderung vorgenommen, der Bezug der Fragestellung in Hinblick von Bewältigungsstrategien in Prüfungssituation ergab sich aus dem Gesamtaufbau des Fragebogens, sodass die einzelnen Items keine Anpassung erfahren haben.

Eine Vorabprüfung auf Reliabilität und Validität der Skala ergab einen Cronbach‘s alpha Wert mit α = .74 was eine hohe interne Konsistenz der Skala bedeutet.

Die Analyse ergab, dass alle vierzehn Variablen einen ähnlichen Cronbach’s alpha nachweisen, sodass eine Konsistenz durchgehend gegeben ist.

Dem Fragebogen wurde aufgrund der Ergebnisse des Pre-Tests und der Befragung der Pre-Test Teilnehmer, das Skalenkriterium „weder noch“ bzw. „weiß nicht“ hinzugefügt, um nicht durch willkürliche Antworten das Ergebnis negativ zu beeinflussen. In diesem Falle ergibt sich aus der gestellten Frage bei Beantwortung mit diesem Kriterium keine Antwort. N kann daher je nach Antwortverhalten < 112 sein.

3.2. Stichprobe

Anhand der Online-Umfrage wurden 126 Personen erreicht, die den Fragebogen sowohl geöffnet haben, als auch die ersten beiden Fragen nach Alter und Geschlecht beantworteten. 14 Teilnehmer sind durch die Verneinung der dritten Frage, der Filterfrage, ob sie aktuell Studierende sind oder im letzten Jahr waren zum Ende der Umfrage gelangt und sind somit nicht Teil der Stichprobe. Die Studie zu Prüfungsstress und dessen Bewältigung basiert somit auf einer Stichprobengröße von n = 112 Teilnehmern.

Im Wintersemester 2016/2017 waren nach vorläufigen Ergebnissen 2,86 Millionen Studierende an deutschen Hochschulen immatrikuliert (Statista GmbH, 2017), dies stellt den Stichprobenrahmen dar. Somit beträgt der maximale Stichprobenfehler, also die Abweichung vom wahren Wert der Gesamtpopulation 7,77% bei einem Vertrauensintervall von 90%.

Die Studierendenstichprobe der vorliegenden Studie lässt sich anhand folgender abgefragter soziodemografischen Merkmalen beschreiben. Es werden nur die für die Hypothesen relevanten Informationen aufgezeigt, das sind Geschlecht, Alter und die Anzahl der abgelegten Prüfungen im letzten Jahr.

Geschlecht

Die Häufigkeitsverteilung für das nominale Merkmal „Geschlecht“ ergab eine ausgewogene Verteilung der Grundgesamtheit. Die Befragungsteilnehmer waren leicht überwiegend weiblich (55,36%), im Bundesdurchschnitt liegt die Verteilung derzeit bei 47,8% im Vergleich zu den männlichen Studenten bei 52,2% (Statistisches Bundesamt, 2014). Zwei Teilnehmer haben sich der Frage durch die Antwort „keine Angabe“ entzogen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 Häufigkeitsverteilung Geschlecht Studienteilnehmer

Alter

Im Befragungszeitraum lag das Durchschnittsalter der Befragten im arithmetischen Mittel bei 25,82 Jahren, im Bundesdurchschnitt sind die Studierenden lt. dem Statistischen Bundesamt durchschnittlich 24,63 Jahre alt. Die Merkmalsausprägungen gingen in der vorliegenden Studie von 17 bis 48 Jahre, am häufigsten wurde angegeben, dass die Studierenden zwischen 25 und 28 Jahre alt waren, mit insgesamt 50 Antworten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Diagramm Altersverteilung

3.3. Untersuchungsdesign und -vorgehen

Um eine möglichst große Stichprobe der Studierenden im gegebenen zeitlichen Rahmen zu erhalten, wurde die Befragung in Form einer Online-Befragung durchgeführt. Die Befragung der Studierenden erfolgte über die Internet-Plattform onlineumfragen.com (onlineumfragen.com GmbH, 2017). Die Akquise der Studienteilnehmer fand zunächst im sozialen Netzwerk Facebook (facebook, 2017) in verschiedenen Gruppen mit Bezug zum Studium statt, in denen um eine Teilnahme an der Befragung gebeten wurde. Die kontaktierten 5 Gruppen enthalten Mitglieder aus unterschiedlichen Hochschulen und Universitäten aus dem deutschsprachigen Raum. Des Weiteren wurde über die kostenlose Plattform surveycircle (SurveyCircle, 2017) für die Umfrage geworben, wo Online-Forscher kostenlos interessierte Studienteilnehmer finden. Insgesamt konnten so im Zeitraum vom 10.12.2016 bis 10.02.2017 n = 112 verwendbare Datensätze gewonnen werden.

Der entwickelte Fragebogen wurde in drei Teilabschnitte gegliedert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3 Teilabschnitte Fragebogen

Nach den Items zur Person und dem aktuellen Studium, sowie der Abfrage der Aktualität der zuletzt abgelegten Prüfung in 1. Abschnitt geht es im 2. Abschnitt um die Stresswahrnehmung des Teilnehmers. Hierbei wurde das allgemeine Stresslevel, das Stresslevel in Prüfungssituationen, sowie das emotionale und durch Druck entstehende Stressniveau untersucht, das in Prüfungssituationen während des Studiums wahrgenommen wurde. Im letzten Abschnitt wurden die Studierenden zu ihren jeweiligen Coping-Strategien befragt diese sind nach Brief COPE in 14 Kategorien geclustert, zu denen jeweils 2 Fragen formuliert wurden.

Der Ablauf der Studie erfolgte anhand eines vordefinierten Projektplans:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4 Projektplan der Studiendurchführung (eigene Darstellung)

4. Ergebnisse der Forschung

4.1. Datenaufbereitung

Die Daten, die mithilfe des Portals onlineumfragen.com (2017) erhoben wurden, wurden anhand eines „.sav“ Exports (Datenmatrix) in SPSS 24 geladen, das in dieser Studienarbeit Anwendung fand. Vor der Datenanalyse wurden die Datensätze darauf geprüft, ob die Erhebung technisch korrekt verlaufen ist, außerdem wurden diese anhand der Häufigkeitstabellen auf deren Plausibilität geprüft. Die Überprüfung ergab, dass die Daten keine fehlerhaften Werte enthalten.

Neben der Überprüfung der Daten wurden diese für die Weiterverarbeitung vorbereitet. Es wurden die Fälle ausgefiltert und gelöscht, bei denen die Teilnehmer angaben, aktuell oder innerhalb des letzten Jahres nicht studiert zu haben.

Die nun vorhandenen Datensätze wurden so zusammengestellt, dass sie für die Datenanalyse verwendet werden konnten. Die Items wurden daher so umbenannt, dass die Variablennamen eine sinnvolle Struktur ergaben. Die Variablen mit den Identifikationsitems wurden mit „A_“ gekennzeichnet, diejenigen mit dem direkten Bezug auf das Thema Stress erhielten ein „S_“ als Kennung, die Variablen mit Bezug zu Coping ein „C_“.

Da die Erhebung bereits gut vorbereitet wurde, war die Neuklassierung der Daten nicht notwendig. Eine Umcodierung, also Umpolung von zwei Variablen wurde ebenfalls unternommen, um die Berechnung von neuen Variablen zu ermöglichen. Anschließend wurden bestimmte Variablen sinnvoll zu übergeordneten Variablen transformiert. Diese erhielten je nach Zugehörigkeit zum Thema Stress oder Coping die Kennung „SO_“ und „CO_“.

Die Ergebnisse der univariaten Analyse der Identifikationsitems sind im Abschnitt 3.2. zur Stichprobe ihm Rahmen ihrer Relevanz für die Studienarbeit, ausführlich beschrieben, die ausführliche Tabelle zur deskriptiven Statistik findet sich im Anhang.

4.2. Ergebnisse zur Hypothese 1

Es war zu prüfen, inwieweit die Existenzhypothese gilt, dass Menschen mit Stress auf Prüfungssituationen reagieren. Anhand der Fragen konnte ermittelt werden, dass eine Belastung vorliegt, bei den Antwortmöglichkeiten von 1 = überhaupt nicht 2 = ein bisschen 3 = ziemlich 4 = sehr haben über 75% angegeben zumindest ziemlich gestresst zu sein, wie in der Abbildung deutlich wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Prüfungsstress Histogramm

Anhand des Histogramms sieht man, dass Stress in Prüfungssituationen in der Stichprobe vorhanden ist und die wissenschaftlich aufgestellte Hypothese damit Großteils bestätigt ist. Die Kurve ist linksschief, bzw. rechtssteil, was bedeutet, dass das Antwortverhalten eher in Richtung ziemlich viel Stress geht, was anhand des Mittelwerts von 3.09 ebenfalls deutlich wird.

4.3. Ergebnisse zur Hypothese 2

Mit dem t-Test soll geprüft werden, ob die beiden Gruppen weiblicher und männlicher Teilnehmer tatsächlich mit einem unterschiedlichen Stressniveau auf Prüfungssituationen reagieren und inwieweit dieser wissenschaftlich erforschte Unterschied der beiden unabhängigen Variablen, anhand der vorliegenden Daten bestätigt werden kann. Da in beiden Gruppen n > 30 ist, wird die Voraussetzung für den t-Test erfüllt und die Normalverteilung muss aufgrund dessen nicht geprüft werden (Field, 2013).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5 Ergebnis t-Test

Der Test auf Varianzgleichheit der beiden unabhängigen Variablen 1 = weiblich und 2 = männlich ergab eine Varianz von > .05 bei F = 5.00 daher wurde die Varianzungleichheit mit t (83.88) vorausgesetzt.

Die weiblichen Teilnehmer haben ein höheres Stressniveau (M = 3.31, SD = .87) als die männlichen Teilnehmer (M = 3.31, SD = .65). Dieser Unterschied konnte als hochsignifikant nachgewiesen werden (t (83.88) = –3.42, p = .001) und bestätigen die aufgestellte Hypothese in vollem Umfang.

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Details

Seiten
37
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668522282
ISBN (Buch)
9783668522299
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374911
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,3
Schlagworte
Statisitk SPSS Stressforschung Studium Coping Prüfungssituationen Faktorenanalyse t-Test lineare Regressiosnanalyse Varimax Rotation

Autor

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Titel: Stress und Coping-Strategien in Prüfungssituationen