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Problematik der Leistungsbeurteilung im Fach Englisch

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 23 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1.0 Einleitung

2.0 Hauptteil
2.1 Was versteht man unter Leistung? Versuch einer Begriffsdefinition
2.2 Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung in der schulischen Praxis
2.2.1Begriffsabgrenzung:Leistungsmessung- Leistungsbeurteilung
2.2.2 Güte- bzw. Qualitätskriterien bei der Messung und Beurteilung von Leistungen
2.2.2.1Objektivität
2.2.2.2 Reliabilität
2.2.2.3 Validität
2.2.2.4 Weitere Gütekriterien in der Diskussion
2.2.3 Ziele der Leistungsmessung bzw. –beurteilung
2.2.4 Organisationsformen der Leistungsmessung und -beurteilung
2.3 Leistungsmessung und -beurteilung im Englischunterricht
2.3.1 Mündliche Leistungen im Englischunterricht
2.3.2 Schriftliche Leistungen im Englischunterricht
2.3.2.1 Pädagogisch-didaktische Überlegungen
2.3.2.2 Methodische Möglichkeiten zur Überprüfung schriftlicher Leistungen
2.4 Alternativen und Aussichten
2.4.1 Self-assessment oder Selbstbeurteilung
2.4.2 Das Portfolio

3.0 Schluss
Anhang

4 Anlagen

Aus ökonomischen Gründen beschränke ich mich in dieser Arbeit auf die Bezeichnungen Lehrer und Schüler, natürlich sind damit aber auch Lehrerinnen und Schülerinnen gemeint.

1.0 Einleitung

Aus den „Didaktischen Hinweisen zur Vorbereitung und Durchführung der neu gestalteten mündlichen Abiturprüfung in Baden-Württemberg“: „Der Schüler, der vom Fach nichts versteht, aber eine raffinierte Präsentation gestaltet, muss ins Reich der Legenden verbannt werden.“[1]

Was hat dieses Zitat nun mit dem Thema dieser Arbeit, der Leistungsbeurteilung, zu tun?

Sehr viel, denn es zeigt die Problematik auf, die in dieser Arbeit behandelt werden soll: Wird in der Leistungsbeurteilung wirklich das bewertet, was eigentlich bewertet werden soll? Spielen nicht oftmals ganz andere Faktoren eine Rolle als die wirklich vom Schüler erbrachte Leistung?

Es werden Tests geschrieben, die vorgeben, das Hörverstehen abzuprüfen. In Wirklichkeit testen sie aber eher die Fähigkeit des Schülers, Aufgabenstellungen zu interpretieren. Sogenannte „mündliche“ Noten für Mitarbeit hängen oft mehr von Sym- bzw. Antipathie des Lehrers gegenüber einem Schüler ab, als von der tatsächlichen Quantität und Qualität von dessen Wortmeldungen.

Dies ist nur ein kleines Abbild der Probleme, die sich in der Schule auf dem Gebiet der Leistungsmessung und –beurteilung auftun. Zunächst wird in dieser Arbeit ein Versuch zur Definition des Begriffs Leistung vorgenommen, dann werden die Gütekriterien, die bei der Messung und Beurteilung einer Leistung wichtig sind, vorgestellt und erläutert. Anschließend werden Ziele, Methoden und Organisationsformen der Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung vorgestellt und am Beispiel des Englischunterrichts konkretisiert. Am Ende steht dann noch der Blick auf mögliche Alternativen zur gängigen Leistungsbeurteilung, die den Gütekriterien eher zu entsprechen versuchen.

Die Notengebung und die Kritik daran soll in dieser Arbeit (soweit möglich) ausgespart werden, da sonst der Rahmen der Arbeit gesprengt würde.

2.0 Hauptteil

2.1 Was versteht man unter Leistung? Versuch einer Begriffsdefinition

Zunächst soll geklärt werden, was sich hinter dem Begriff Leistung überhaupt verbirgt.

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Leist oder Leisten kann wohl am Besten mit Spur oder Form angegeben werden. Das davon abgeleitete Verb bedeutete dann so etwas wie der Spur folgen. Mattl beschreibt die semantische Gewichtung des ursprünglichen Begriffs Leistung wie folgt: „nicht auf dem Erfolg, sondern auf dem Vermögen, zu folgen, den geschilderten Weg zu gehen, die Spur zu halten- also nicht auf der Leistung als Ergebnis, sondern auf dem verbal verstandenen Leisten“[2] lag die Betonung.

Den Begriff Leistung findet man heute in vielerlei Lebensbereichen: in der physikalisch- technischen Welt spricht man von Leistung im Sinne der Formel Arbeit /Zeit; das arbeitswissenschaftliche Verständnis von Leistung ist: „Eine Leistung ist das Ergebnis einer Arbeit, wenn es in Beziehung zum Arbeitsaufwand gesetzt wird, oder anders ausgedrückt: Leistung ist Arbeitsertrag in Beziehung zum Arbeitsaufwand.“[3]

Das pädagogische Verständnis von Leistung lässt sich in vier Aspekten zusammenfassen:

1. „Leistung als schulische Forderung an den Schüler“
2. „Leistung als Tätigkeit des Schülers“
3. „Leistung als Ergebnis der Tätigkeit des einzelnen innerhalb der verschiedenen Leistungsbereiche“
4. „Leistung als besonderer Beitrag der Schule für Gesellschaft, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft“[4]

Unter schulischer Leistung versteht man gemeinhin „die von Lehrkräften beurteilten Leistungsnachweise, die ein Schüler schwarz (häufiger: rot) auf weiß “nach Hause bringt“.“[5] Auf Seiten der Schüler werden diese in die Teilleistungen Aufmerksamkeits- und Verarbeitungsleistung, Übungs- und Gedächtnisleistung, Wiedergabe- und Produktionsleistung und Problemlöse- und Transferleistung aufgeteilt. Es wird allerdings oft vergessen, dass auch das pädagogische und didaktische Geschick des Lehrers und das Umfeld, in dem das Lernen stattfindet, in die Leistung des Schülers einfließt.

Bei der Schulleistung sollte auch bedacht werden, dass es sich hierbei nicht nur um eine einzige abprüfbare Leistung handelt, sondern um einen Prozess, um eine Entwicklung, die sich nach und nach vollzieht. Somit kann man wieder einen Bogen schlagen zur ursprünglichen Bedeutung des Wortes Leisten, nämlich dem Vermögen zu folgen, den geschilderten Weg zu gehen, die Spur zu halten entspricht.

2.2 Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung in der schulischen Praxis

2.2.1Begriffsabgrenzung:Leistungsmessung- Leistungsbeurteilung

Unter Leistungmessung versteht man die reine Erhebung von Daten, z.B. die Anzahl der Fehler in einem Test. Die Beurteilung findet dann durch die Zuweisung einer Note oder einer anderen Bewertungsform statt. In einigen Fächern, wie z.B. Sport oder Mathematik lässt sich die Messung gut von der Beurteilung unterscheiden, z.B. wenn einer bestimmten Weite im Weitsprung (Messung 234 cm) die Note 3,5 oder in einer Mathearbeit einer Fehleranzahl von 10 die entsprechende Note zugewiesen wird.

Bei eher subjektiven Fächern wie Deutsch und Kunst müssen klare Kriterien zur Leistungsmessung entwickelt werden und selbst dann gibt es nicht nur eine Möglichkeit, diese Kriterien zu erfüllen. Die Frage besteht in diesen Fächern dann darin, inwiefern ein Schüler mit einer bestimmten Lösungsmöglichkeit das Kriterium erfüllt oder nicht und wie diese Leistung dann bewertet werden kann.

Die Kriterien Messung und Beurteilung können aber nicht klar getrennt werden und werden auch in der Fachliteratur sehr oft vermischt oder im selben Sinn gebraucht. Dies entspricht allerdings der schulischen Realität, da in der Schulpraxis mit einer Leistungsmessung in den meisten Fällen auch eine Leistungsbeurteilung einher geht.

„Aber gerade in der Pädagogischen Diagnostik müssen wir lernen, dass Feststellung und Wertung oder Messung und Interpretation möglichst getrennt werden sollten, damit nicht zugleich jede Feststellung von subjektiven Wertungen gefärbt wird.“[6]

2.2.2 Güte- bzw. Qualitätskriterien bei der Messung und Beurteilung von Leistungen

Wenn Schulleistungen gemessen und beurteilt werden, sollten die Verfahren dafür den folgenden Kriterien möglichst optimal entsprechen:

2.2.2.1 Objektivität

Objektivität ist die Voraussetzung für alle anderen Gütekriterien. Wer eine Messung von Anfang an als nicht objektiv betrachtet, kann auch niemals eine reliable oder valide Messung durchführen.

Der Idealfall bei der Beurteilung einer Leistung wäre gegeben, wenn die Leistung völlig unabhängig von der messenden bzw. bewertenden Instanz wäre. Da diese Instanz jedoch in dem meisten Fällen ein Mensch, d.h. eine Person mit Urteilsfähigkeit und einer gewissen subjektiven Grundhaltung ist, ist dieser Idealfall nahezu unerreichbar. Für die Durchführung von Tests bzw. für die Auswertung und Interpretation ihrer Ergebnisse sollte jedoch immer die höchstmögliche Objektivität verlangt werden, d.h. auch, dass alle messenden oder bewertenden Personen bei der Bewertung derselben Leistung zu demselben Ergebnis kommen sollten. Diese Bedingung impliziert, dass es auf jede Frage nur eine Antwort und für jede Aufgabe nur eine Lösung geben kann, was in der schulischen Realität eher selten der Fall ist.

Karlheinz Ingenkamp erklärt dieses Kriterium so: „Wenn wir bei einem Messergebnis nicht mehr unterscheiden können, wie weit es Merkmale des Gemessenen oder des Messenden kennzeichnet, wenn wir annehmen müssen, dass ein anderer Beobachter zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen wäre, dann können wir aus diesem Messergebnis keine Aussagen oder Folgerungen ableiten, die von über den Zufall hinausgehender Bedeutung sind.“[7]

Das Kriterium Objektivität kann aufgeteilt werden in die Bereiche Durchführungsobjektivität, Auswertungsobjektivität und Interpretationsobjektivität.[8]

2.2.2.2 Reliabilität

Unter Reliabilität oder Zuverlässigkeit versteht man den Grad der Genauigkeit eines Messvorgangs. Eine Messung sollte so präzise und fehlerfrei wie nur möglich sein. Ebenso sollte sie weder vom Ort, noch von der Zeit oder von dem verwendeten Messinstrument sein.

„Die Überprüfung der Zuverlässigkeit einer Messung betrifft vor allem die Frage, wie sehr wir einem einmaligen Messergebnis vertrauen können. In der Schulpraxis wäre das Lehrerurteil z.B. zuverlässig, wenn der Lehrer dieselbe Klassenarbeit nach einiger Zeit genauso beurteilen würde wie beim ersten Mal."[9] so Ingenkamp.

Wenn ein Test dem Gütekriterium Reliabilität entspricht, dann bleibt auch die Rangfolge, die durch eine Leistungsbeurteilung z.B. in einer Schulklasse entsteht, stabil und ändert sich nicht ständig.

2.2.2.3 Validität

Die Validität oder Gültigkeit bezeichnet den Grad der Sicherheit, mit dem ein Test genau das misst, was gemessen werden soll und nicht irgend etwas anderes. „Wenn ein Leistungstest so gestaltet ist, dass bei vielen Schülern Testangst ausgelöst wird, so misst der Test viel stärker die individuelle Stressbewältigungskompetenz als die eigentlich angezielte schulische Leistung. Die Messungen sind dann ungültig (invalide).“[10]

Unter dieses Kriterium fällt auch die Frage, inwieweit die in einem Test gemessenen Fertigkeiten in Einklang mit den angestrebten Zielen bzw. mit den vom Bildungsplan vorgegebenen Zielen stehen.

Man unterscheidet verschiedene Arten der Validität:

Die Inhaltsvalidität, kriteriumsbezogene Validität, Konstruktvalidität, Augenscheinvalidität u.a.

[...]


[1] Der Spiegel, 1/2004, S.146

[2] Mattl, 1978, S.17

[3] Ziegenspeck, 1973, S.15

[4] Mattl, 1978, S.13

[5] Heller, 2002, S.88

[6] Ingenkamp, 1985, S.37

[7] Ingenkamp, 1985, S.34

[8] Ingenkamp, 1985, S.35/36

[9] Ingenkamp, 1985, S.38

[10] Heller, 2002, S.91

Details

Seiten
23
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638368223
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37499
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Schlagworte
Problematik Leistungsbeurteilung Fach Englisch

Autor

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