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Der Dual im Polnischen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 21 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bisheriger Forschungsstand

3 Definition des Numerus Dual
3.1 Der Dual und andere Numeri in slavischen Sprachen
3.2 Der Dual und andere Numeri in nichtslavischen Sprachen

4 Die morphologische Ebene
4.1 Historische Entwicklung des Duals
4.1.1 Proto-Indoeuropäisch
4.1.2 Urslavisch
4.2 Polnisch
4.2.1 Frühere polnische Sprachgeschichte
4.2.2 Restformen des Duals im heutigen Polnisch
4.2.3 Ursachen für den Schwund des Duals

5 Die syntaktische Ebene
5.1 Betroffene Kasus und Wortarten
5.2 Syntaktik des Duals

6 Der Dual in der polnischen Literatur

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Dual ist ein in den meisten slavischen Sprachen bereits geschwundener Numerus und dürfte auf den ersten Blick somit von vielen als irrelevant für die Auseinandersetzung in Form einer wissenschaftlichen Arbeit angesehen werden. Führt man sich jedoch vor Augen, dass einige Überreste im Polnischen auch heute noch in Gebrauch sind, kommt das Interesse insbesondere seitens der diachronen Sprachwissenschaft doch auf. Dabei lassen sich mehrere zentrale Fragen bezüglich des Duals bilden. Wo hat der Dual aus diachroner Sicht betrachtet seinen Ursprung? Welche Wortarten waren oder sind noch vom Dual betroffen? War sein Schwund eine Parallelentwicklung in allen slavischen Sprachen oder lassen sich Unterschiede bezüglich des Entwicklungsprozesses erkennen? Ab wann verlor der Dual seine Obligatheit und Syntaktik? Warum kam es überhaupt zum Schwund des Duals? In welchen Verhältnis stehen Umgangssprache und Schrift- beziehungsweise Literatursprache diesbezüglich zueinander? Welche Wortarten waren besonders stark vom Schwund der Dualform betroffen und bei welcher Wortgruppe war die Verwendung des Duals besonders häufig? Und warum heißt es im Polnischen eigentlich mal w rękach und mal w ręku ? In der vorliegenden Hausarbeit versuche ich all diesen Fragestellungen nachzugehen und bisherige Thesen und Erkenntnisse diverser Sprachwissenschaftler einander gegenüberzustellen. Zu Beginn binde ich die grammatische Kategorie Numerus in einen gesamtslavischen beziehungsweise weltsprachlichen Kontext ein, indem ich die Situation in anderen slavischen und nichtslavischen Sprachen kurz beleuchte. Es folgt anschließend eine Trennung zwischen der morphologischen und der syntaktischen Ebene. Während im morphologischen Teil der Arbeit sowohl die Formen des Duals als auch ihre diachrone Entwicklung von der proto-indoeuropäischen Phase bis zum Sprachzustand des heutigen Polnisch thematisiert werden, widmet sich der syntaktische Teil tiefgründiger den einzelnen Satzgliedern Pronomen, Verb, Substantiv und Adjektiv beziehungsweise der Frage, inwiefern bezüglich des Duals eine Kongruenz im Satz zu erkennen war. Im letzten Teil wird schließlich die Verwendung des Duals in der Literatursprache unter Berücksichtigung von Werken berühmter polnischer Schriftsteller wie Jan Kochanowski, Mikołaj Rej, Adam Mickiewicz oder Henryk Sienkiewicz betrachtet.

2 Bisheriger Forschungsstand

Zum Dual im Polnischen beziehungsweise in den slavischen Sprachen gibt es einzelne Forschungen in Form von einschlägiger Literatur, bei der es sich jedoch um recht alte Auflagen handelt, die seit ihrer ersten Erscheinung nicht mehr aktualisiert worden sind. Das älteste in der vorliegenden Hausarbeit verwendete Werk Über den Dualis des deutschen Sprachwissenschaftlers Wilhelm von Humboldt stammt aus dem Jahr 1828 und betrachtet den Dual im indoeuropäischen Gesamtkontext. Der mangelnde Bedarf zur Forschung über den Schwund des Duals in den slavischen Sprachen ist darauf zurückzuführen, dass es sich hierbei um einen bereits abgeschlossenen sprachlichen Entwicklungsprozess handelt, der für die slavische Sprachwissenschaft verhältnismäßig wenig neue Erkenntnisse liefert, wenngleich es durchaus sinnvolle Forschungsfragen gibt, die man untersuchen kann. Etwas anders verhält es sich im Falle des Nieder- und Obersorbischen, das als slavische Kleinsprache den Dual noch im vollen Umfang bewahrt hat. Zum Slovenischen, wo der Dual ebenfalls erhalten geblieben ist, liegt nur in Slovenien Forschungsliteratur vor, wie etwa das Werk Dvojina v slovenskih narječih (2008) von Tjaša Jakop, das die Unterschiede zwischen der slovenischen Schriftsprache und den slovenischen Dialekten zum Thema hat. Im deutsch- und englischsprachigen Raum jedoch wird die morphologische und syntaktische Rolle des Duals in der Regel weniger in Bezug auf eine konkrete slavische Sprache, viel mehr jedoch im gesamtslavischen historischen Sprachkontext beleuchtet und lediglich als Unterkapitel der Flexion in sprachhistorischen Werken thematisiert. Einen sehr präzisen Überblick über den Dual und seine Entwicklung liefert das Handbuch der altbulgarischen (altkirchenslavischen) Sprache (2002) von August Leskien und Otto A. Rottmann. Hierbei ziehen die beiden Autoren allerdings vorwiegend parallele Vergleiche zum heutigen Neurussisch, die an manchen Stellen dennoch wertvolle und bereichernde Rückschlüsse in Bezug auf das Polnische bieten. Das englischsprachige Werk The Dawn of Slavic. An introduction to Slavic philology (1995) von Alexander M. Schenker liefert einen sehr anschaulichen diachronen Überblick über den Dual von der urindogermanischen Phase bishin zu seinem völligen Schwund. Zum Polnischen ist 1954 in tschechischer Sprache das Werk Vývoj duálu v slovanských jazycích, zvláště v polštině von Antonín Dostál erschienen. Speziell in Bezug auf das Polnische wird der Dual in der Historischen Grammatik der polnischen Sprache (1981) von Władysław Kuraszkiewicz sowie in der Geschichte der polnischen Sprache (1993) von Jan Mazur kurz thematisiert. Die Sprachwissenschaftlerin Renata Bizior-Ociepa thematisiert in Formy liczby podwójnej w wierszach polskich Szymona Szymonowica (1558-1629) (1996) die Rolle des Duals in der polnischen Lyrik. Ein weiteres Werk, das insbesondere im Kontext der vergleichenden Sprachwissenschaft eine Bereicherung bietet, ist der Titel La catégorie du duel dans les langues indoeuropéennes et chamito-sémitiques (1930) des französischen Sprachwissenschaftlers Albert Cuny.

3 Definition des Numerus Dual

Die meisten indoeuropäischen und nichtindoeuropäischen Sprachen verfügen über zwei Numeri: den Singular (liczba pojedyńcza) und den Plural (liczba mnoga). Betrachtet man den Numerus jedoch im Kontext der allgemeinen und vergleichenden Sprachwissenschaft, stellt man fest, dass unsere heutigen Sprachen über mehr als nur diese zwei Numeri verfügen können. Der dritthäufigste Numerus ist der Dual (liczba podwójna), der auch Gegenstand der vorliegenden Arbeit in Bezug auf das Polnische ist. Der Terminus Dual leitet sich vom lateinischen dualis ab, was soviel wie „zwei enthaltend“ bedeutet. Während es sich beim Plural um einen „unpräzisen“ Numerus handelt, der jede Zahl und Menge ab zwei aufwärts umfassen kann, gilt der Dual als „präziser“ Numerus, da er ausschließlich Substantive, Adjektive und Pronomina bezeichnet, die doppelt auftreten.[1] Der Trial[2] bezieht sich auf Subjekte und Objekte, die stets dreifach auftreten und zählt somit ebenfalls als „präziser“ Numerus. Der Paukal hingegen übt die Rolle eines „kleinen Plurals“ aus, da er sich lediglich auf kleine Mengen bezieht. Im Gegensatz zum Dual und Trial handelt es sich beim Paukal um einen „unpräzisen“ Numerus, da dieser kein bestimmtes Zahlwort definiert. Einige Angaben mit Paukal-Funktion finden sich auch im Deutschen (z. B. ein paar Bücher) oder im Englischen (z. B. a few books) wieder.[3] In den slavischen Sprachen hat der Paukal eine morphologische Markierung. Während alle Zahlenangaben ab fünf aufwärts den Genitiv Plural (dopełniacz liczby mnogiej) erfordern, tritt nach den Zahlen zwei, drei und vier in der Regel der Nominativ Plural (mianownik liczby mnogiej) auf, z. B.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unklar ist demzufolge die Einordnung des Singulars nach Humboldt. Tatsächlich findet der Singular dann am häufigsten Verwendung, wenn es sich um ein Objekt handelt, das einzeln auftritt. Jedoch gibt es Fälle, in denen die Singularform auftaucht, obwohl aus dem Kontext deutlich wird, dass vom Plural die Rede ist, wie etwa in dem deutschen Beispiel zehn Mann statt zehn Männer. Daneben gibt es Sprachen, die nach sämtlichen Zahlwörtern stets den Singular verwenden, wie beispielsweise das Türkische, das eine agglutinierende Sprache ist:

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Ebenfalls unklar ist die Einordnung von Kollektiva (kolektiwum), bei denen es sich um ein Substantiv handelt, dass die Funktion einer Sammelbezeichnung für gleichartige Dinge oder Lebewesen hat.[4] Im Polnischen werden Kollektiva als Plural behandelt, was an der Kongruenz der anderen mit dem Kollektivum verbundenen Satzglieder erkennbar ist. Der Słownik Języka Polskiego nennt im Polnischen die Beispiele państwo Kowalscy und kilkoro dzieci. Grundsätzlich findet der Dual dann Verwendung, wenn eine konventionelle Zweiheit von Subjekten und Objekten auftritt oder das Substantiv aus zwei gleichartigen beziehungsweise symmetrischen Teilen besteht oder eine Paarigkeit ausgedrückt wird. Hierzu zählen beispielsweise die beiden Ufer eines Flusses (z. B. russ. berega reki) oder Körperteile bei Menschen und Tieren, die in der Regel von Natur aus paarweise auftreten.[5] Der amerikanische Sprachwissenschaftler Joseph Harold Greenberg hat diverse Sprachen aus unterschiedlichen Sprachgruppen und Sprachfamilien untersucht und dabei einige für die Linguistik interessante sprachtypologische Merkmale aufgeführt. So stellt er unter anderem fest, dass es keine Sprache auf der Welt gibt, die etwa über einen Dual oder Trial verfügt, jedoch keinen Plural kennt. Wenn eine Sprache einen Dual besitzt, hat sie auch einen Plural. Ebenso unwahrscheinlich ist es, dass irgendeine Sprache den Plural aufgibt, jedoch den Dual oder Trial behält.[6]

3.1 Der Dual und andere Numeri in slavischen Sprachen

Der Dual hat seine Ursprünge in der proto-indoeuropäischen Phase und wurde von den slavischen Sprachen als Numerus fortgeführt, hat sich heutzutage jedoch nur noch im Slovenischen sowie in den beiden sorbischen Sprachvarianten (Nieder- und Obersorbisch) gehalten. Beide Sprachen verwenden den Dual sowohl bei Substantiven, als auch bei Pronomina und Adjektiven sowie bei der Konjungation des Verbs, was auf eine kontinuierliche Syntagmatik des Duals in den jeweiligen Sprachen schließen lässt. Deutlich wird das an den beiden Beispielen stari klobuk (alter Hut) für die maskuline Deklination sowie lepa hiša (schönes Haus) für die feminine Deklination:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Neutra unterscheiden sich lediglich im Nominativ und Akkusativ von den Maskulina in der Deklination, haben ansonsten in allen übrigen Kasus identische Formen. Die folgende Tabelle zeigt die Pronominaformen des Duals im heutigen Slovenisch:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

An der Tabelle wird zudem ersichtlich, dass einige Formen, wie beispielsweise die des Genitivs, des Akkusativs und des Lokativs zusammengefallen sind. Gleiches gilt für den Dativ und den Instrumental.[7] In den beiden sorbischen Sprachen ist zu beobachten, dass es zu einem stärkeren Zusammenfall von Kasus und Genera kam, als im Slovenischen. So sind sowohl bei Substantiven als auch bei Adjektiven die Dualendungen des Dativs, des Lokativs und des Instrumentals in allen drei Genera identisch.[8] Die Dualendung im Obersorbischen lautet in der Regel -omaj bei Substantiven beziehungsweise -ymaj bei Adjektiven und jeweils -oma und -yma im Niedersorbischen, z. B. rjanej/rědnej domajrjanymaj/rědnyma domomaj, wobei im Niedersorbischen ein zunehmender Rückgang des Duals zu beobachten ist.[9] Wenngleich der Dual in den meisten slavischen Standardsprachen geschwunden ist, hat er dennoch einige Spuren hinterlassen und findet in einigen Dialekten weiterhin Verwendung, z. B. in den westlichen Dialekten des Weißrussischen[10] oder in den čakavischen Dialekten (čakavsko narječje) des Kroatischen, die an der adriatischen Westküste von Istrien im Norden bis nach Dalmatien im Süden sowie auf den Inseln vor der Küste beheimatet sind. Selbst in einigen slavischen Standardsprachen, die aussschließlich den Singular und Plural verwenden, haben sich Reste des Duals gehalten beziehungsweise auf den Plural ausgebreitet, was beispielsweise an der Endung -ama im Plural des Instrumentals bei allen drei Genera im Kroatischen und im Serbischen zu beobachten ist. Zudem haben sich im Kroatischen die Dualformen auf die Paukalzahlen dva/dvije, tri und četiri ausgebreitet, z. B. tri muškarca/stola/žene/noći/sela usw. Dass es sich hierbei nicht um Formen des Genitiv Singular handelt, der identische Endungen hat, wird erst an der Kongruenz sichtbar, z. B.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [11]

Die spätgemeinslavischen Dualformen dъva* und dъvě* üben in den meisten slavischen Sprachen weiterhin großen Einfluss aus, was sich am stärksten im Russischen, Kroatischen und Serbischen äußert. Die russische Form dva stola drückt zwar den Plural aus, geht jedoch ursprünglich auf den Dual zurück. Bemerkenswert ist, dass das Suffix -a hierbei heutzutage irrtümlicherweise häufig als Genitiv Singular aufgefasst wird.[12] Spuren des Duals in Pluralformen finden sich außerdem im Kroatischen und Serbischen bei den Formen dva nova grada, dva nova mjesta und dve nove kuće, während die Pluralform von grad bei allen anderen Numeralia gradovi lautet. Im Bulgarischen hat sich die Form grada auf alle Numeralia ausgebreitet, während der Plural ohne Numeralia gradove heißt. Außerdem existieren bei vielen bulgarischen Neutra im Plural Parallelformen, deren ursprüngliche Dualform an der Endung -e zu erkennen ist, z. B. krilo – krile/krila, koljani – kolene/kolena, ramo – ramene/ramena.[13] Die aus der spätgemeinslavischen Phase entlehnte feminine Form dъvě* hat sich im Tschechischen und im Bulgarischen auch auf Neutra ausgebreitet, während alle anderen slavischen Sprachen bei Neutra die maskuline Form dъva* verwenden.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darüber hinaus bestehen in vielen slavischen Sprachen einige sogenannte „virile“ Numeralia für männliche Lebewesen oder gemischte Gruppen mit sichtbarem Dualeinfluss, wie etwa die Personalformen dwaj Polacy oder dwóch Polaków im Polnischen. In den südslavischen Sprachen hingegen hat sich eher die Tendenz zur Verwendung von speziellen Substantivformen durchgesetzt, nach denen das jeweilige männliche Personen und gemischte Gruppen bezeichnende Substantiv im Genitiv Plural steht, wie etwa die kroatischen und serbischen Formen dvojica, trojica, četvorica usw. Das Tschechische weist einige Eigenschaften auf, die sich auch im Polnischen wiederfinden, was offenbar eine Eigenheit der westslavischen Sprachen ist. Im Tschechischen finden sich Restformen des Duals (tsch. dvojné číslo) in erster Linie bei der Bezeichnung für Körperteile, die paarweise auftreten, z. B. ruce, nohy, prsa, kolena, ramena, oči, uši usw. Anders als im Polnischen, existieren im Tschechischen hingegen bei einigen Kasusfällen Parallelformen im Plural, z. B.: Gen. Pl. noh/nohou oder Lok. Pl. nohách/nohou.[15] Bei den beiden Formen rodiče im Tschechischen und rodičia im Slovakischen handelt es sich ebenfalls um eine Restform des Duals, was an der Palatalisierung zu erkennen ist. Ein weiterer Unterschied zum Polnischen sind im Tschechischen die Zahlwörter dva/dvě, tři und čtyři im Instrumental Plural. Während sich die Dualform dvěma im Tschechischen ausschließlich auf das Zahlwort dva/dvě beschränkt und die anderen Zahlwörter die Pluralendung angenommen haben (třemi, čtyřmi usw.), hat sich die Dualendung im Polnischen auf den Instrumental Plural aller weiteren Zahlwörter ausgebreitet (trzema, czteroma, pięcioma usw.).[16]

3.2 Der Dual und andere Numeri in nichtslavischen Sprachen

Unter den nichtslavischen Sprachen verfügt das Arabische als semitische Sprache heutzutage weiterhin über einen Dual, der insbesondere im Hocharabischen noch vollwertig gebraucht wird. Dennoch ist dieser weniger komplex ausgebaut als in den slavischen Sprachen, was in erster Linie auch auf ein wesentlich weniger ausgeprägtes Deklinationssystem der Substantive, Adjektive und Pronomina zurückzuführen ist. In allen arabischen Dialekten - mit Ausnahme des Marokkanischen - wird der Dual nur noch am Substantiv markiert, was für einen Rückgang des Duals in der arabischen Umgangssprache spricht. Im Hocharabischen, das beispielsweise im Koran oder in den Medien verwendet wird, umfasst der Dual sowohl Substantive als auch Personalpronomina, wie an der folgenden Tabelle zu sehen ist.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Hebräische, das, ähnlich wie das Arabische, ebenfalls zur semitischen Sprachfamilie gehört, verwendet für den Plural die Endung -ayim und drückt in erster Linie Paarigkeit aus. Darunter fallen Körperteile oder Gegenstände, die stets paarweise auftreten, z. B.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[18]

Im heutigen Neuhebräisch (Ivrit), das von der jüdischen Bevölkerung in Israel gesprochen wird, hat sich die Endung -ayim auf den Plural der meisten maskulinen Substantive und Adjektive ausgebreitet.[19] Die meisten asiatischen Sprachen[20] benutzen sogenannte Zähleinheitswörter, wie das untere Beispiel aus dem Hochchinesischen (Mandarin) zeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Zähleinheitswörter sind ein Äquivalent des slavischen Duals, beschränken sich jedoch ausschließlich auf paarweise auftretende Substantive.

[...]


[1] Vgl. Humboldt, 1828, S. 1ff.

[2] Der Trial ist den heutigen indoeuropäischen Sprachen weitgehend unbekannt, da er fast ausschließlich in einigen austronesischen Sprachen auftritt.

[3] Vgl. Humboldt, 1828, S. 1ff.

[4] Vgl. König, 1994, S. 11

[5] Vgl. Leskien & Rottmann, 2002, S. 53f.

[6] Vgl. Greenberg, 1966, S. 110ff.

[7] Vgl. Jakop, 2008, S. 58

[8] Vgl. Schuster-Šewc, 1976, S. 30

[9] Vgl. Schuster-Šewc, 1996, S. 64

[10] Die weißrussische Bezeichnung für den Dual heißt parny lik, was explizit auf die bereits erwähnte Paarigkeit hindeutet.

[11] Vgl. Kordić, 1997, S. 156

[12] Vgl. Townsend & Janda, 2002, S. 150

[13] Vgl. Radeva, 2003, S. 229

[14] Soweit nicht anders vermerkt, beziehen sich die nachfolgenden Thesen in diesem Kapitel alle auf Townsend & Janda (2002).

[15] Vgl. Čechová, 1995, S. 139

[16] Vgl. Petr, 1986, S. 51

[17] Vgl. Cuny, 1930, S. 108ff.

[18] Viele dieser genannten Substantive sind feminin, was deutlich wird, wenn diese in Verbindung mit einem Adjektiv stehen, das in der Regel die Pluralendung der Feminina erhält, z. B. na’alayim yafot – die schönen Schuhe.

[19] Vgl. Cuny, 1930, S. 108ff.

[20] Darunter fallen einige sino-tibetische und austronesische Sprachen im asiatischen Raum sowie das Japanische und das Koreanische.

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668544673
ISBN (Buch)
9783668544680
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375232
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Lotman-Institut
Note
1,0
Schlagworte
Dual polnische Sprachgeschichte Numerus

Autor

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