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Holzburgen des Mittelalters. Archäologische Befunde zu Baugestalt und Bautechnik

Seminararbeit 2017 16 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsstand
2.1 Bedeutende Forscher
2.2 Geographische und historische Einordnung
2.3 Zeitgenössische Darstellungen

3 Hölzerne Burgtypen im Vergleich
3.1 Turmhügelburg Elmendorf
3.2 Motte Husterknupp
3.3 Motte Hoverberg
3.4 Wasserburg Haus Horst
3.5 Wohnturm Eschelbronn

4 Conclusio

5 Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Abbildungen

Abbildungen

Abbildung 1: Szene einer belagerten Motte auf dem Teppich von Bayeux

Abbildung 2: Rekonstruktion der Elmendorfer Hauptburg mit Fachwerkhäusern und Umwehrung

Abbildung 3: Motte Husterknupp errichtet in Stabbauweise

Abbildung 4: Rekonstruktion Haus Horst mehrheitlich in Stabbautechnik errichtet

Abbildung 5: Grundriss des Wohnturms; die äußeren Eichenschwellen sowie den Turm teilenden Schwellbalken

1 Einleitung

Das heutige Bild von Burgen prägen mächtige steinerne Festungen, die Tatsache das in mittelalterlichen Burgen allerdings auch der Baustoff Holz als Hauptkonstruktionsmaterial zur Anwendung kam ist nicht sonderlich weit verbreitet. In dieser Arbeit wird anhand archäologischen Befunden die Baustruktur und den dazu nötigen Bautechniken der mittelalterlichen Holzburgen nachgegangen. Je nach Burgtyp wurden individuelle Fundorte herausgesucht, um damit einen möglichst breiten Überblick über die verschiedenen Typen veranschaulichen zu können. Um einen möglichst konkreten Überblick zu ermöglichen, wurde die Untersuchung regional auf die heutige Bundesrepublik Deutschland eingegrenzt.

Holzburgen waren ein fortifikatorisches Phänomen, welche laut neuesten Erkenntnissen ab dem 11. Jahrhundert erbaut und genutzt wurden. Im Laufe des Mittelalters entwickelten sich dabei verschiedene Formen der Baugestaltung, die den lokalen geologischen Gegebenheiten angepasst waren. Diese reichen von den typischen Motte- und Turmburgkonstruktionen im flachen oder leicht hügeligen Gelände bis hin zur Wasserburg in seichten Gegenden.

Mit der unterschiedlichen Baugestalt einher ging die ebenso verschiedenartige Nutzung im weiteren Kontext von Holzburgen. Einerseits dienten sie als Wohnstätte des Adels, sprich als Herrenhof samt wehrhaften Turm, wie im Fall der im folgenden besprochenen Burg Husterknupp sehr gut belegt wurde. So ist mittlerweile bekannt, dass das erwähnten Anwesen der mittelalterliche Stammsitz eines Grafengeschlechts von Hochstaden war.

Andererseits können Holzburgen auch zum Schutz eines rein auf Produktion ausgerichteten Wirtschaftskomplexes gedient haben, wie Archäologen im französischen Colleti ѐre an den Ufern des Lac de Paladru feststellen konnten. Colleti ѐre ist damit ein gutes aber in dieser Arbeit nicht näher besprochenes Beispiel für den hauptsächlich wirtschaftlichen Nutzen einer Siedlung in Verbindung mit einer hölzernen Wehrburg . [1]

Um das eingangs skizzierte Forschungsziel eines Kurzüberblicks zu den vorhandenen Holzburgentypen zu erreichen, werden zuerst im Rahmen eines forschungsgeschichtlichen Überblicks die diesbezüglichen Entwicklungen aufgearbeitet. Darauf folgt ein Vergleich der unterschiedlichen Burgtypen einerseits sowie der wechselhaften baulichen Ausformung dieser Typen anhand mehrerer Fundbeispiele andererseits.

2 Forschungsstand

Der Forschungsstand war, die Holzburgen betreffend, lange Zeit sehr bescheiden. Das liegt einerseits daran, dass Holz im Vergleich zu Stein eine vergänglichere Ressource darstellt, welche selbst bei guten Voraussetzungen oft wenig archäologisch Verwertbares hinterlässt.[2]

Andererseits dürfte dieser Umstand auch daran gelegen haben, dass manche Rohstoffe wie Bauholz und Steine, wenn der eigentliche Verwendungszweck nicht mehr gegeben war, weiterverwendet und einem neuem "Projekt" zugeführt wurden. Solche Vorgehensweisen war speziell in Regionen mit einem Mangel an diesen Materialien weit verbreitet und kann als ein wichtiges Indiz für die eher geringe Zahl an Fundorte von Holzburgen herangezogen werden.

Für die Archäologie sollte sich die Erfindung der dendrochronlogischen Datierungsmethode als besonders wertvoll erweisen, da durch besagte Hilfswissenschaft viele frühere Datierungen und mögliche Theorien revidiert und umfassend erneuert werden konnten.[3]

Den Forschungsstand der 1950er Jahre sollte die Ausgrabung der Motte Husterknupp beträchtlich erweitern. Bis zu diesem Zeitpunkt war keine direkte Entwicklungslinie von einer Flachsiedlung bis zu einer wehrhaften Motte bekannt. Die Entdeckung sollte auch erstmals zeigen, dass diese Wehrgebäude nicht immer aus einem Guss gefertigt wurden. (Im Falle Hoverbergs sind keinerlei frühere Besiedelungsspuren gefunden worden) Die Hochmotte von Husterknupp stellte damit unwiderlegbar dar, dass die Baugeschichte der hölzernen Burgen durchaus auf eine weitrechende Entwicklungsgeschichte zurückblicken kann.[4]

Erst in den abschließenden Jahrzehnten des letzten Jahrtausends wurde durch weitere archäologische Grabungen die große Verbreitung von Holzburgen, insbesondere des Burgtypus der Motte sowie der Turmburg, in beinahe ganz Europa ersichtlich.[5]

2.1 Bedeutende Forscher

Die in Folge genannten Forscher waren führend an den archäologischen Ausgrabungen der in dieser Arbeit erläuterten Beispielburgen beteiligt und werden daher kurz näher beschrieben.

Der deutsche Archäologe Adolf Herrnbrodt ist bekannt geworden durch seine in den 1950er Jahren im Rheinland geleiteten Ausgrabungen an den Niederungsburgen „Alt-Hochstaden“[6] alias „ Husterknupp “ bei Frimmersdorf[7] und der Motte Hoverberg.[8] Beide Fundorte dienen in dieser Arbeit als Beispiele der Mottenarchitektur, da sie sehr gut erforscht und dokumentiert wurden. Interessant für die Archäologie war der Stammsitz des einstigen Grafengeschlechts von Hochstaden, da sich die hölzernen Hinterlassenschaften in gutem Zustand befanden und so viele Erkenntnisse hinsichtlich des Umfanges der Bautätigkeiten gewonnen werden konnten.[9]

Karl Dieter Zoller war als Archäologe und Denkmalpfleger tätig und führte die Ausgrabungen an der angegangenen Turmhügelburg Elmendorf in Niedersachsen, welche in dieser Arbeit ebenfalls näher beleuchtet wird und aufgrund der zu Tage geführten Drei-Hügel Motte besondere selten im Vergleich zu den häufiger anzutreffenden Zwei-Hügeln Motten erscheint.[10]

2.2 Geographische und historische Einordnung

Die Antworten auf die Frage nach der Entstehung und Verbreitung von Holzburgen musste die Geschichtswissenschaft bereits mehrfach revidieren. Diese Thematik sollte mehrere Generationen von Forschern beschäftigen. Erst die moderne Mittelalter-Archäologie sollte hier Licht ins Dunkel bringen.[11]

Aus der Sicht des deutschen Archäologen Horst Wolfgang Böhme waren Holzburgen als mittelalterliche Wohnburgen der Adeligen in Mittel- und Westeuropa weit verbreitet. In seinem Artikel über die Burgen der Salierzeit beschreibt dieser auch die zeitliche Einordnung als sehr breit gefächert. So meint er, dass die Holzburgen bereits im 9.-11. Jahrhundert erbaut wurden und auch noch weit bis ins 13. und 14. Jahrhundert neben ihren Pendants aus Stein existiert hatten.[12] Der Entstehungszeitraum wurde von Böhme somit über mehrere Jahrhunderte gespannt, allerdings dürfte laut neueren Forschungsergebnissen das erstmalige Auftreten der Holzburgen wohl erst im 11. Jahrhundert stattgefunden haben. Im Laufe dieses Jahrhunderts setzte scheinbar ein wahrer Burgen Bauboom ein.[13]

Anders als ihre Vorgänger (Motte- und Turmburg) dürften hölzerne Wasserburgen mehrheitlich erst im Spätmittelalter (13./14. Jahrhundert) erbaut worden sein.[14] Archäologische Befunde bei den Wasserburgen Gretesch bei Osnabrück, Borgholt bei Ardorf und Haus Horst bei Gelsenkirchen bestätigen diese Datierung.

2.3 Zeitgenössische Darstellungen

Eines der wohl wichtigsten zeitgenössischen Überlieferungen betreffend die Baugestalt einer mittelalterlichen Motte bzw. Turmburg stellt der Teppich von Bayeux dar. Auf diesem Teppich wird unter anderem die Belagerung einer Motte dargestellt. Der Teppich von Bayeux wurde daher oftmals als Vorlage für die Rekonstruktion von Motten verwendet. Er selbst dürfte um das Jahr 1070 gestickt worden sein.[15] Eine weitere überlieferte Motte bzw. Turmburgen Konstruktion findet sich im sogenannten Wolfenbütteler Sachsenspiegel (datiert vor 1365).[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Szene einer belagerten Motte auf dem Teppich von Bayeux

3 Hölzerne Burgtypen im Vergleich

Um einen Vergleich hölzernen Burgtypen darzulegen, wurde in diesem Kapitel verschiedene Fundorte mit unterschiedlichen Typus ausgewählt. Zur Darstellung des Motte- bzw. Turmburgtypus dienen drei verschiedene Fundorte, welche jeder für sich auch wieder die Vielseitigkeit der Burgenkonstruktionen verdeutlicht. Beginnend mit der Turmhügelburg Elmendorf in Niedersachsen, einer Burg welche nicht aus dem gängigen Haupt- und Vorburgen Komplex besteht, sondern als eine Drei-Hügel-Motte erbaut wurde. [17] Die anderen beiden Motten Beispiele könnten hinsichtlich ihrer Nutzungsdauer unterschiedlicher wohl kaum sein. Während die Motte Husterknupp mehrere Jahrhunderte bewohnt und sukzessive von einer Siedlung mit einer einfachen Umwehrung mit Palisade, Graben und Brücke zu einer Hochmotte ausgebaut wurde, konnte solch eine dauerhafte Besiedelung bei der Motte Hoverberg nicht festgestellt werden. Ferner wurde letztere wohl aus einem „Guss“ gefertigt, da keine frühe Besiedlung feststellbar war.[18] Die weiteren Holzburgentypen werden anhand der in Stabbauweise [19] errichteten Beispiele der Wasserburg von Haus Horst und des Wohnturmes von Eschelbronn in jeweils einem ausführlicheren Beispiel erläutert.

3.1 Turmhügelburg Elmendorf

Als Beispiel für einen Fundort des Typs Turmburg wurde die Burg Elmendorf in Niedersachsen ausgewählt. Anders als bei Motten üblich, bestand diese Turmhügelburg nicht aus einer zweier Kombination aus Haupt- und Vorburg sondern in diesem Fall aus einer eher seltenen Drei-Hügel-Motten Konfiguration.[20]

Erste Bautätigkeiten geschahen gegen Ende des 9. Jahrhunderts, als eine Flachsiedlung mit einem Palisadenwall im Bereich der spätmittelalterlichen Vorburg errichtet wurde. In der Nähe der beiden später erbauten Turmhügel dürfte im 11. Jahrhundert ein weiterer Zubau mit einer Grabenumwehrung stattgefunden haben.[21]

Beim Bau der Hochmotte wurde der Hügel stufenmäßig aufgeschüttet und mit Eichenbalken als Stützgerüst versehen. Die Stufenwände selbst wurden mit Holzpfählen abgestützt und mit Erde überdeckt.[22]

[...]


[1] Michel Colardelle / Eric Verdel / Charavines: Die befestigte Siedlung Colletière, in: Dorothee Rippmann / Brigitta Neumeister-Taroni, Hg., Gesellschaft und Ernährung um 1000. Eine Archäologie des Essens, Vevey 2000, 48–75.

[2] Vgl. Günther Stanzl, „Verborgenes Holz“ – Befunde aus der denkmalpflegerischen Arbeit an Wehrbauten in Rheinland-Pfalz, in: Barbara Schock-Werner, Hg., Holz in der Burgenarchitektur. Veröffentlichung der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Braubach 2004, 97.

[3] Vgl. ebd., 97.

[4] Vgl. Walter Janssen, Niederungsburgen im Rheinland. Vom Holzbau zur Steinburg, in Walter Janssen u. a., Burgen aus Holz und Stein. Burgenkundliches Kolloquium in Basel 1977, 1979 Olten, 25-26.

[5] Vgl. Thomas Biller, Die Adelsburg in Deutschland. Entstehung, Form und Bedeutung, München 1998, 114.

[6] Vgl. Biller, Adelsburg, 114.

[7] Vgl. Janssen, Niederungsburgen, 25.

[8] Vgl. ebd., 28.

[9] Vgl. ebd., 28; Horst Wolfgang Böhme, Burgen der Salierzeit. Von den Anfängen adligen Burgenbaus bis ins 11. 12. Jahrhundert, in: Jörg Jarnut / Matthias Wemhoff, Hg., Vom Umbruch zur Erneuerung. Das 11. und beginnende 12. Jahrhundert – Positionen der Forschung, München 2006, 397.

[10] Vgl. Heine, Burgen, 89-90.

[11] Vgl. Böhme, Burgen, 379-380.

[12] Vgl. Böhme, Burgen, 380-381.

[13] Vgl. ebd., 398-401.

[14] Vgl. Heine, Burgen, 92-94.

[15] Vgl. Böhme, Burgen, 397.

[16] Vgl. Heine, Burgen, 90.

[17] Vgl. Heine, Burgen, 89.

[18] Vgl. Janssen, Niederungsburgen, 24-25.

[19] Die Stabbauweise war eine Form der Holzbautechnik bei der die einzelnen Bohlen senkrecht in den Boden oder in einen Schwellbalken eingelassen wurden. Die senkrechten Balken konnten entweder in einen mit Nut und Feder versehenen waagrechten Balken verzahnt oder im Boden verankert werden. Diese Konstruktion bot eine sehr gute Aussteifung, wodurch weder Bänder noch Streben notwendig waren.

[20] Vgl. Heine, Burgen, 89.

[21] Vgl. ebd., 89.

[22] Vgl. Heine, Burgen, 89-90.

Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668547384
ISBN (Buch)
9783668547391
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375502
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – FB Altertumswissenschaften
Note
1
Schlagworte
Holzburgen Turmhügelburg Motte Mittelalter Adelsburgen

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Titel: Holzburgen des Mittelalters. Archäologische Befunde zu Baugestalt und Bautechnik