Lade Inhalt...

Burnout - Die Seuche des 21. Jahrhunderts

Hausarbeit 2004 19 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Vorwort

Ich habe mich im Zuge meiner Diplomarbeit, die sich mit der Thematik „Work-Life-Balance“ auseinandersetzt, entschlossen, auf die kritischen Folgen der veränderten Arbeitswelt einzugehen. Dabei stellt die Burnout-Symptomatik eine zunehmend verschärfende Problematik dar. Da ich im Rahmen meiner Diplomarbeit nur eingeschränkt auf diese Erscheinung, als Folge von Dauerstress und Überforderung, eingehen konnte, möchte ich dies nun im Rahmen dieser Hausarbeit ausführlich betrachten. Mein Interesse an der Burnout-Problematik begründet sich auf der Tatsache, dass unsere Lebens- und Arbeitswelt immer schnelllebiger, vielfältiger, verdichteter und damit schließlich für jedes Individuum immer riskanter wird. Jeder ist heute im Zuge der Individualisierungstendenzen, die nicht nur die Freizeit, sondern auch zunehmend den Arbeitsalltag bestimmen, für sich selbst verantwortlich, d.h. „jeder ist seines Glückes Schmied“. Versagen wird damit zum individuellen Problem und die Angst vor dem Versagen dreht die Spirale der Leistungsverausgabung immer schneller. Verschärfend wirken zudem die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, steigender Leistungsdruck, Mobbing und unfähige Führungskräfte (vgl. Lifeline o.J., o.S.). Die logische Folge sind psychische Beeinträchtigungen wie Burnout, die schließlich ihre pathologische Wirkung prozesshaft auch auf die physische Ebene ausdehnen. Es gilt also frühzeitig, die individuelle Gefahr von Burnout zu erkennen, die letztendlich auch „zur heimlichen Bedrohung unserer Gesellschaft werden“ kann (Faust 1999, S.117).

1. Einleitung

Burnout ist heute in aller Munde und ist dabei schon lange nicht mehr nur auf Angehörige der helfenden Berufe[1] oder Manager beschränkt. Jüngsten Pressemeldungen zufolge scheinen nun sogar Fußballspieler und Sänger potentiell gefährdet zu sein. Auch muss man, um Burnout zu erleiden, nicht grundsätzlich berufstätig sein. Untersuchungen haben ergeben, dass auch Arbeitslose infolge fehlender sozialer Anerkennung, Verlust der Kontakte und Minderwertigkeitsgefühlen Burnout gefährdet sind (vgl. Lifeline o.J., o.S.).

Der Begriff Burnout ist bisher noch nicht gleichbedeutend mit einer Diagnose, vielmehr ist es ein „beklagenswerter Zustand, der immer häufiger wird und der verhängnisvolle Konsequenzen für den Betroffenen und sein Umfeld hat: für berufliche Aufgaben und Position, für Partnerschaft, Familie und Freundeskreis, nicht zuletzt für die Gesundheit.“ (Faust 1999, S. 117) Das Krankheitsbild ist bisher nicht klar abgegrenzt zu Erscheinungen wie die Depression oder das Chronische Müdigkeitssyndrom (CFS[2]), da die Symptome große Ähnlichkeiten aufweisen. Mehr als 130 verschiedene Symptome können für Burnout charakteristisch sein: von Anspannung, Einschlafstörungen und Gereiztheit über Magenbeschwerden und Schweißausbrüchen bis hin zu manifestem Zynismus reichen die Begleiterscheinungen. (vgl. TROTT-WAR 2003, o.S.) So ist es nicht verwunderlich, dass der Begriff Burnout-Syndrom in den medizinischen Lehrbüchern meist noch keinen Eingang gefunden hat. Hellhörig sollte man allerdings werden, wenn man von den Zahlen der betroffenen Personen hört. Diese bewegen sich zwischen 300.000 bis zu 1,5 Millionen Menschen, wobei die Spanne durch die unterschiedliche Auslegung des Krankheitsbildes bedingt ist. Maslach/Leiter (2001, S.1) sprechen bereits von „seuchenartige[n] Ausmaße“ der Krankheit. Auch die Kosten sind dabei nicht zu vernachlässigen: „ […]Gesundheitliche Probleme von Führungskräften belasten die Wirtschaft im Jahr durchschnittlich mit fünf Milliarden Euro, hat die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände errechnet.“ (Schmitz 2002, S.8)

2. Begriffsklärung und Forschungsstand

Unter Burnout, aus dem Englischen: to burn out = ausbrennen, verstand man ursprünglich die „negativen Folgen der beruflichen (Über-) Beanspruchung mit gemütsmäßiger Erschöpfung, innerer Distanzierung und schließlich Leistungsabfall.“ (Faust 1999, S.117). Erstmals wurde die Erscheinung des vollständigen Motivationsverlustes bei Angehörigen der helfenden bzw. Sozialberufe beschrieben. „Tatsache ist, daß HerlferInnen ihre Arbeit zunehmend als problematisch empfinden, d.h. es häufen sich die Berichte von negativ empfundenen Gefühlen und Verhaltensweisen in Zusammenhang mit psychosozialer Arbeit: Dies sind u.a. Distanzierungswünsche gegenüber dem KlientInnen, Hilflosigkeitsgefühle, Kompetenzprobleme, schwindenden Engagement, Zynismus den KlientInnen gegenüber, Depressivität sowie Erschöpfung und Arbeitsunlust.“ (Wagner 1993, S.1, Herv.i.O.)

Dieser Zustand wurde 1974 vom amerikanischen Psychoanalytiker Freudenberger und gleichzeitig von Ginsberg als Burnout (engl.: to burn out = ausbrennen) bezeichnet (vgl. Burisch 1994, S.4). Freudenberger bezog sich bei seinen Beobachtungen auf ehrenamtliche Mitarbeiter alternativer Selbsthilfe- und Kriseninterventionseinrichtungen. Der Verlauf stellte sich im Wandel „von anfänglich aufopferungsvollen, engagierten und pflichtbewußten, zu schnell erschöpften, leicht reizbaren, mißtrauischen, den KlientInnen gegenüber zu zynischen bis negativen Einstellungen und rigiden Verhalten neigenden MitarbeiterInnen“ dar (Wagner 1993, S.5).

Doch das Phänomen Burnout, welches er noch auf Angehörige in helfenden Berufe bezog, war keineswegs neu, nur das wissenschaftliche sowie das öffentliche Interesse wurde nun durch seine Arbeit geweckt (vgl. Wagner 1993, S.5). „[D]as Phänomen des "Ausgebranntseins" [ist] letztlich uralt“, so Faust (1999, S.117; Einfügung: M.B.). Faust (ebd.) verweist diesbezüglich auf Belegstellen im Alten Testament, „das als Beispiel den Propheten Elias anführt, dessen Burnout unter Fachleuten als "Elias-Müdigkeit" bekannt geworden ist“ und weiterhin auf Goethe, „der sein Burnout-Syndrom durch die Italienreise behoben haben soll“ sowie schließlich auf den „Senator Thomas Buddenbrock in Thomas Manns Roman "Buddenbrocks".“

Besondere wissenschaftliche Beachtung erfuhr der Begriff des Burnouts allerdings in den späten Siebziegern und frühen Achtzigern des 20.Jahrhunderts durch die Arbeiten von Maslach und Pines. Seit dem hat der Begriff einen ungeahnten Aufschwung gefunden und ist zu einem Begriff der Alltagssprache geworden. Seit Mitte der 1980er Jahre wurden auch in Deutschland theoretische und empirische Arbeiten zur Thematik erstellt. Kleiber, Duhr, Burisch und Schmidbauer seien hier stellvertretend genannt.

Aber trotz einer 30-jährigen Forschungsgeschichte liegt bisher noch keine geschlossene, umfassende Theorie vor. „Viele Definitionen bestehen aus einer Zusammenstellung der beobachteten Symptome (deskriptiver Charakter der Definitionen). Die Definitionen sind somit von der unmittelbaren Symptomatik wenig abstrahiert.“ (Wagner 1993, S.11) Sie beziehen sich meist auf Supervisions- und Selbsterfahrungsgruppen und den dort behandelten konkreten Fällen.

Aus meiner Sicht dieser Arbeit interessiert vor allem Burnout im Beruf, was auch ein durchaus viel untersuchtes Forschungsgebiet darstellt. Ich bevorzuge daher folgende Definition:

Burnout ist ein Zustand emotionaler Erschöpfung im Beruf. Er geht einher mit negativen Einstellungen zum Beruf, zu den Inhalten oder den Mitteln des Berufs (Zynismus) oder zu den Partnern oder Klienten im Beruf (Depersonalisation). Hinzu kommt ein erheblich reduziertes Selbstwertgefühl in bezug[!] auf die eigene berufsbezogene Leistungsfähigkeit. Burnout ist ein sich langsam entwickelndes Belastungssyndrom, das nicht selten wegen der kreisförmigen, gegenseitigen Verstärkung der einzelnen Komponenten (emotionale Erschöpfung führt zu geringem Selbstwertgefühl, welches nur zu mehr emotionaler Erschöpfung führt usw.) zur Chronifizierung neigt. (Rösing 2003, S.20)

Rösing (2003, S.68, Einfügung: M.B.) weist in ihren Ausführungen schließlich auf den gemeinsamen Fokus aller Definitionsversuche hin: die „innere Erschöpfung, die Desillussionierung, die negative Arbeitseinstellung und der Verlust an Selbstvertrauen, an Mut, an Hoffnung [stehen] im Mittelpunkt.“ Auch Wagner (1993, S.12) stellt als Minimalkonsens vieler Definitionsversuche folgende drei Punkte heraus: „1. Burnout erscheint auf der individuellen Ebene und ist folglich empirisch messenbar[!]. 2. Burnout ist eine interne psychologische Erfahrung, die Gefühle, Einstellungen und Erwartungen einschließt. 3. Burnout ist eine negative Erfahrung für die Betroffenen, weil mit ihr Disstress, Unannehmlichkeiten und negative Konsequenzen für Helfer und Klient verbunden sind.“ Er lehnt sich dabei an Maslachs Burnout Inventory (MBI) – dem derzeitig wissenschaftlichen Begriff von Burnout – an, dessen drei Komponenten die emotionale Erschöpfung, die entfremdete Beziehung zu Klienten und negativen Einstellungen zum Beruf sowie die negative Bewertung der eigenen beruflichen Leistungsfähigkeit sind (vgl. dazu Rösing 2003, S.78).

3. Risikogruppe

In Anlehnung an Freudenberger spricht sich Cassens (2003, S.54) dafür aus, „dass nur jemand "ausbrennen" kann, der schon einmal "entflammt" war.“ Mit anderen Worten: besonders hochengagierte, aufopferungsvolle, erfolgs- bzw. karrierestrebende Menschen sind langfristig Burnout gefährdet (vgl. dazu auch Rösing 2003, S.34f). Somit versteht er unter Burnout einen „Zustand emotionaler Erschöpfung, reduzierter Leistungsfähigkeit und eventueller Depersonalisierung infolge von Diskrepanzen zwischen Erwartungen und Realität, vornehmlich bei Personen, die mit Menschen arbeiten; häufig wird das Burnout-Syndrom auch als Endzustand eines Prozesses von idealistischer Begeisterung über Desillusionierung, Frustration und Apathie gesehen.“ (Cassens 2003, S.55; vgl. zur Darstellung des Prozesses auch Wagner 1993, S.24ff) Auch Maslach/Leiter (2001, S.21) sprechen von besonderer Burnout-Gefährdung für Personen, die in sogenannten „Hightouch-Berufen“ tätig sind. Charakteristisch dafür sind der direkte Kontakt zu anderen Menschen und die Kundennähe bzw. –orientierung. Aber auch andere Personengruppen, die nicht in direkten Kontakt zu Klienten o.ä. stehen, können betroffen sein (vgl. Faust 1999, S.119). So zeigt sich Burnout bei Büroangestellten, Fabrikarbeitern, Studenten und auch bei Arbeitslosen. Jüngsten Medienberichten zufolge scheinen nicht einmal Fußballspieler und Musiker davor gefeit zu sein.

Hinsichtlich der Burnout-Betroffenen unterscheidet Faust (1999, S.118, Herv.i.O.) verschiedene Typen. Da sind die „echten Ausbrenner“ oder auch „Selbstverbrenner“: ursprünglich hochmotiviert, engagiert und zielstrebig gehen diese Typen an den Arbeitsbedingungen, am selbstverschafften Stress und schließlich an der Unfähigkeit, Nein sagen zu können, zu Grunde. Weiterhin existieren die „Verschlissenen“, die „wenig durchsetzungsfähig und passiv sind, nicht Nein zu anderen sagen können und dann tatsächlich die Opfer äußerer Umstände werden.“ (ebd.) Und schließlich die „Eingerosteten“ oder auch „Durchgerosteten“, die nie wirklich gebrannt haben und sich ihr eigenes „edles Selbstbild“ auf Kosten anderer gezimmert haben (ebd.).

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass schon alleine aufgrund des schillernden Krankheitsbildes heute jeder Burnout gefährdet ist. Welche Ursachen Burnout hat, werde ich nachfolgend betrachten.

4. Ursachen und Rahmenbedingungen für die Entstehung von Burnout

Das Burnout sich epidemisch in der westlichen Welt ausbreitet, hat natürlich bestimmte Ursachen. Die Wurzeln der modernen Burnout-Problematik liegen in dem wirtschaftlichen Trend der letzten Dekaden. Globalisierungsdynamiken mit entsprechender Verflechtung der Märkte und die rasante Entwicklung der Technologie sind maßgebliche Einflussfaktoren dieser Entwicklung. Durch neue Organisationskonzepte und eine neue Managementphilosophie versuchten die Unternehmen, ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Markt zu sichern. Der einzelne Arbeitnehmer hat dies in der Abkehr vom tayloristisch-fordistischen Produktionsmodell hin zu einer ganzheitlichen Verwertung seiner Arbeitskraft zu spüren bekommen. Das Kommandosystem wurde verschlankt (Lean Management) und die Entscheidungs- und Handlungsspielräume der Beschäftigten wurden im Gegenzug ausgeweitet. Moldaschl (2003) sprach von der „Subjektivierung der Arbeit“, die mit dem Wechsel von der direkten Kontrolle durch Vorgesetzte zur indirekten Kontrolle durch betriebswirtschaftliche Kennzahlen und betriebsinternes Benchmarking einhergeht. Die Folgen für den einzelnen Arbeitnehmer waren und sind recht ambivalent. Zwar erfährt das Arbeitssubjekt eine Befreiung von dem Regime der Lohnarbeit, aber ergeben sich doch im Zuge der Reorganisation der Wertschöpfungskette gänzlich neue Anforderungen für den Arbeitnehmer. Die Arbeitsbedingungen werden nicht etwa besser, sondern die neuen Belastungen in Form von Leistungsverdichtung, Vergleichzeitigung, erhöhte Anforderungen und Beschleunigung der Arbeitsprozesse zeigen sich recht deutlich in der Arbeitsüberlastung, dem hohen permanenten Zeitdruck, dem Rollenstress und schließlich in der physischen und psychischen Beeinträchtigung, wie sie beispielsweise Burnout darstellt. Vergessen sollte man auch nicht die zeitlichen Belastungen, die sich aus der neuen Anforderung der eigenverantwortlichen Gestaltung der täglichen Arbeit und der privaten Lebensführung ergeben.

Im Gegensatz zu Maslach/Leiter (2001, S.12), die davon ausgehen, dass ein Mangel an Kontrolle über die eigene Arbeit ein Auslöser für Burnout sein kann, möchte ich die Behauptung aufstellen, dass neben dem Mangel an Kontrolle auch die völlige Entscheidungsfreiheit am Arbeitsplatz – sofern in einem Lohnarbeitsverhältnis von Freiheit sprechen kann – wie sie sich in den neuen Managementkonzepten zeigen, ein Auslöser für Burnout sein kann. Neue Freiheiten wie Vertrauensarbeitszeit oder Telearbeit werden häufig als derart privilegiert angesehen, dass Arbeitnehmer sich regelmäßig deutlich mehr verausgaben, als sie es in einem Normalarbeitsverhältnis getan hätten. Dieser Umstand liegt darin begründet, dass sie durch den Wegfall von direkter Kontrolle mit vielmehr Unsicherheit und Orientierungslosigkeit im Arbeitsalltag konfrontiert sind. Verschärft wird dieser Umstand durch die Verlagerung der Marktdynamiken von der Unternehmensebene auf die Ebene der Abteilung bzw. teilweise bis hinunter auf individuelle Ebene. Angesichts der brisanten Situation auf dem Arbeitslosenmarkt fühlen die Beschäftigten sich zu Höchstleistungen verpflichtet. Besonders deutlich zeigt sich dies auch in Start-up-Unternehmen. Junge engagierte Mitarbeiter vermischen oft berufliches und privates Engagement und begeben sich damit in eine Stresssituation. Die Start-up-Mitarbeiter werden meist über attraktive Aktienoptionen zu Mitunternehmern gemacht und sehen sich dann gezwungen, immer mehr für die „eigene“ Firma zu arbeiten, um deren Erfolg und damit auch den eigenen zu sichern. Der anfängliche hohe Enthusiasmus in Verbindung mit unrealistischen persönlichen, aber auch fremden Erwartungen, soziale Konflikte im Arbeits- aber auch im Privatleben sowie Rollenkonflikte aufgrund verschiedener Lebenswelten (Arbeit vs. Familienleben) führen vor dem Hintergrund neuer Managementphilosophien zu Dauerstress und Überforderung. Langfristig bedingt die neue Form der Selbstausbeutung einen ruinösen Verschleiß der Arbeitskraft, wie sich an der Burnout-Symptomatik deutlich zeigt.

Resümierend möchte ich in Anlehnung an Faust (1999) folgende Ursachensammlung verschiedener Autoren darstellen:

Hohe Arbeitsbelastung; schlechte Arbeitsbedingungen; Zeitdruck oder zu großes Pensum in einem zu eng gesteckten Zeitrahmen, vor allem stoßweise; schlechtes Betriebsklima; wenig tragfähige Beziehungen zu den Mitarbeitern; wachsende Verantwortung; Nacht- und Schichtarbeit, vor allem dort, wo man sich nicht arbeitsphysiologischen Erkenntnissen anpassen will oder kann; unzulängliche materielle Ausstattung des Arbeitsplatzes; schlechte Kommunikation unter allen Beteiligten (Arbeitgeber, aber auch Mitarbeiter untereinander); zu geringe Unterstützung durch den Vorgesetzten; wachsende Komplexität und Unüberschaubarkeit der Arbeitsabläufe und –zusammenhänge; unzureichender Einfluß auf die Arbeitsorganisation; Hierarchieprobleme; Verwaltungszwänge; Verordnungsflut (gestern neu, heute zurückgenommen, morgen modifiziert usw.); Termin- und Zeitnot; unpersönliches, bedrückendes oder intrigenbelastetes Arbeitsklima, von Mobbing […] ganz zu schweigen; ferner ständige organisatorische Umstellungen, ohne die Betroffenen in Planung und Entscheidung einzubeziehen, bei Mißerfolgen aber verantwortlich zu machen; zunehmende, immer neue und vor allem rasch wechselnde Anforderungen; zuletzt die wachsende Angst vor Arbeitsplatzverlust u.a.m. (Faust 1999, S.120f)

Die Liste dieser Aufzählung ließe sich noch beliebig fortsetzen. Deutlich wird aber, dass es sich hierbei immer um äußere Belastungen handelt. Dass jedoch diese Belastungen nicht auf jedes Individuum die gleiche Wirkung haben, dürfte aus der Stressforschung bekannt sein. Vielmehr muss hier auch die Betrachtung auf die individuellen Ressourcen, die sich in seinen körperlichen, geistigen, seelischen und psychosozialen Fähigkeiten zeigen, gelegt werden. Entscheidend sind die subjektive Beurteilung der Stressquelle und die Bewertung der eigenen Bewältigungsoptionen, wobei man dabei seine „persönliche Belastungssituationen“ einschätzen können sollte (vgl. Litzcke/Schuh 1999, S.10). Das Stresserleben hängt dabei von den Faktoren Häufigkeit, Vielfalt, Dauer, Intensität der Stressoren und der individuellen Bewertung der Situation ab (vgl. Litzcke/Schuh 1999, S.10). Wird nun eine Situation permanent als stressig erlebt, spricht man von Dauerstress. Dieser weist in unserer Gesellschaft schon Normalitätscharakter auf und ist zur allseits akzeptierten Entschuldigungsfloskel geworden. „Dauerstreß beeinträchtigt das Wohlbefinden, schränkt unsere geistige Leistungsfähigkeit ein und gefährdet unsere Gesundheit.“ (Litzcke/Schuh 1999, S.5) Je nach „Stressdosis und wahrgenommenen Bewältigungschancen“ kann Stress auch positiv, als sogenannter Eu-Stress, erlebt werden (vgl. Litzcke/Schuh 1999, S.10). Diese Art des Stresses kann uns zu Höchstleistungen motivieren, wohingegen ein Übermaß an Stress (Dis-Stress) einen Leistungsabfall bis hin zu Ermüdung, Erkrankung und schließlich zum Zusammenbruch führen kann. Problematisch ist heute im Gegensatz zum Steinzeitmenschen (Kampf- oder Fluchtverhalten), dass wir die bei Stress bereitgestellten Energien, aufgrund fehlender Entspannungsphasen nach der Stressreaktion, nicht mehr abbauen und folglich Dauerstress zu einer Überforderung des Körpers hinreichen kann. Entspannung ist dabei das Gegenstück zur Stressreaktion. Fehlt nun diese Entspannungsphase, ist mit einer Schädigung des vegetativen Gleichgewichts zu rechnen. Die Anspannung der Muskulatur, der Anstieg des Blutdrucks und die Beschleunigung des Pulses, die eigentlich eine Gefahr von Organismus abwenden sollen, werden auf lange Sicht gesehen selbst zur Gefahr für den Organismus. „Bei Dauerstreß wird man nervös, spürt eine innere Unruhe, kann nicht mehr richtig entspannen. Abends ist man müde, erschöpft und abgespannt.“ (Litzcke/Schuh 1999, S.23). Dabei führt dieser Dis-Stress neben der Abnahme der Leistungsfähigkeit auch zur Verschlechterung des psychischen und physischen Gesamtzustandes. Die Gesundheit wird geschädigt und ein Überlastungs-Syndrom bzw. Burnout zeichnet sich ab. Krankheiten wie Bluthochdruck, Koronarerkrankungen und Herzinfarkte, Asthma bronchiale, Störungen des Immunsystems, Allergien, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus, Erkrankungen des Skeletts und der Gelenke und Kopfschmerzen sind die Folge von Dauerstress. Auch stressbedingte Verhaltensweisen wie Fast-Food-Mahlzeiten, Alkohol und Nikotin zum Entspannen und Abbau von Stress sowie Tablettensucht, um beispielsweise den natürlichen Schlafrhythmus zu umgehen, wirken wiederum verstärkend auf die eben genannten Krankheitsbilder.

[...]


[1] Zu den Angehörigen der helfenden Berufe werden u.a. Krankenhauspersonal, Lehrer, Rechtsanwälte gezählt. Entscheidend ist dabei die Klientenbeziehung, die den Helfer auf der psychischen Ebene zu besonderen Anstrengungen und damit schließlich zur übermäßigen Verausgabung veranlasst.

[2] Chronic Fatigue Syndrom

Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638369145
ISBN (Buch)
9783640126729
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37628
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,0
Schlagworte
Burnout Seuche Jahrhunderts Psychologie Thema Burnout

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Burnout - Die Seuche des 21. Jahrhunderts