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Die historische Diskursanalyse Michel Foucaults

Hausarbeit 2008 9 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Michel Foucault – Kurzbiografie

3. Die Ordnung des Diskurses

4. Die Historische Diskursanalyse
4.1. Die Renaissance
4.2. Die Klassik
4.3. Die Epoche des Menschen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit gilt als Versuch, wichtige Ansätze der Historischen Diskursanalyse von Michel Foucault darzustellen. Foucaults Diskursanalyse stellt keinesfalls eine geschlossene Theorie dar, sondern setzt sich stattdessen aus vielen Einzelteilen zusammen. In einem seiner grundlegenden Werke, Archäologie des Wissens, äußert sich Foucault wie folgt dazu: „Was ich geschrieben habe, sind keine Rezepte, weder für mich, noch für sonst jemanden. Es sind bestenfalls Werkzeuge – und Träume“ (Foucault 1996, 25). Im Folgenden werde ich kurz auf wichtige Stationen in Foucaults Leben eingehen, mich mit dem Begriff des Diskurses, sowie mit seinen Beschränkungen auseinandersetzen und anschließend die wesentlichen Epochen der Geschichte, wie Foucault sie beschrieb, veranschaulichen. Dabei beziehe ich mich besonders auf Foucaults Die Ordnung des Diskurses und Die Ordnung der Dinge.

2. Michel Foucault – Kurzbiografie

Michel Foucault, geboren 1926 in Poitiers, war studierter Philosoph und Psychologe. Nach seinem Studium lehrte er zunächst an der École Normale, wo sich unter seinen Schülern auch Jacques Derrida befand. Nebenbei arbeitete er in einer psychiatrischen Klinik, nahm an einem Seminar von Jaques Lacan teil und beschäftigte sich besonders mit den Werken Nietzsches, Heideggers, Blanchots und Batailles. Einige seiner späteren Schriften wurden durch diese Erfahrungen maßgeblich beeinflusst. Des Weiteren war Foucault als Lektor, später auch Direktor, an verschiedenen Kulturinstituten beschäftigt. Ab 1962 nahm er seine Arbeit als Professor für Psychologie an der Universität Clermont-Ferrand auf. Zu dieser Zeit veröffentlichte Foucault bereits einige Bücher. Doch erst 1966, als Die Ordnung der Dinge erschien, avancierte er zu einem der bedeutendsten Vertreter des Strukturalismus. Bis 1968 war er dann als Professor für Philosophie in Tunis tätig. Während dessen entstand Die Archäologie des Wissens. In den folgenden Jahren leitete er das Institut für Philosophie an der Reformuniversität Vincennes und 1970 wurde er auf den Lehrstuhl für die „Geschichte der Denksysteme“ am Collège de France berufen. Seine Antrittsvorlesung Die Ordnung des Diskurses erhielt weltweit Anerkennung. Sie zeigt zusammen mit Die Ordnung der Dinge und Die Archäologie des Wissens die wesentlichen Thesen seiner Diskurstheorie auf. Später entstanden weitere Werke Foucaults, unter anderen seine Abhandlungen zur Geschichte der Sexualität, die er jedoch nicht vollenden konnte. Am 25. Juni 1984 starb Michel Foucault in Paris an den Folgen einer Infektion mit dem HI-Virus (Mazumdar 1998, 79-82).

3. Die Ordnung des Diskurses

Ein Diskurs stellt zunächst eine historisch bestimmbare Serie von Aussagen zu einem bestimmten Thema dar. Foucault setzt dabei voraus, „daß in jeder Gesellschaft die Produktion des Diskurses zugleich kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert wird“ (Foucault 2001, 10-11). Dies geschieht durch bestimmte Ausschließungs-mechanismen, diese sind das Verbot, die Verwerfung oder auch Grenzziehung und der Wille zur Wahrheit. Das Verbot kann, laut Foucault, weiter unterteilt werden. Er unterscheidet zwischen drei Arten: dem „Tabu des Gegenstandes, Ritual der Umstände, [...] Recht des sprechenden Subjekts“ (Engelmann 1999, 54). Diese drei Typen bilden ein komplexes Gebilde, das ständigen Veränderungen ausgesetzt ist aufgrund von Überschneidungen, Verstärkungen und Ausgleichen. Durch das Verbot ist der Diskurs auch mit dem Begehren und der Macht verbunden (Ebd.). Bei der Grenzziehung und Verwerfung verweist Foucault auf den Gegensatz zwischen Vernunft und Wahnsinn. Der Diskurs des Wahnsinnigen war im Mittelalter nichtig. Er entsprach nicht den damaligen Regeln, nach denen ein Diskurs konstituiert wurde und somit fand er kein Gehör. Es war, als würde das Wort des Wahnsinnigen nicht existieren (Ebd., 55). Der Wille zur Wahrheit funktioniert nach ähnlichen Prinzipien. Er stellt das Wahre und das Falsche einander gegenüber. Diese Grenze ist ebenfalls beliebig gezogen und somit variabel. Des Weiteren beruht der Wille zur Wahrheit in den meisten Fällen auf Institutionen. Neuerdings wird dieser Ausschließungsmechanismus immer bedeutender, denn die anderen beiden bewegen sich gewissermaßen auf ihn zu.

Diese drei Ausschließungssysteme wirken von außen auf den Diskurs (Ebd., 56-59), es gibt jedoch auch noch diejenigen, in denen die Diskurse sich von innen selbst kontrollieren. Dabei handelt es sich um die Dimensionen des Ereignisses und des Zufalls. Ein erster Kontrollmechanismus ist der Kommentar. Er konstruiert im Sekundärtext neue Diskurse, dabei nimmt er bereits Gesagtes wieder auf und präsentiert es auf eine neue Art und Weise. Hierbei wirkt das Prinzip der Abstufung von Diskursen. Es herrscht also ein Gefälle zwischen schnell vergänglichen Diskursen und solchen, die in anderen Sprechakten wiedererscheinen. Außerdem gilt der Autor als Prinzip der Gruppierung. Er hält die Texte gewissermaßen zusammen, indem er als real existierendes Wesen eine Verbindung zur Wirklichkeit herstellt (Ebd., 61-65). Den zweiten internen Ausschließungsmechanismus bezeichnet die Organisation in Disziplinen. Durch bestimmte Regeln und Definitionen entsteht ein System, wobei jede dieser Disziplinen sowohl aus Wahrheiten als auch aus Irrtümern besteht. Als Beispiel führt Foucault die Vererbungslehre Mendels an (Ebd., 65-67). „Mendel sagte die Wahrheit, aber er war nicht im ‛Wahren’ des biologischen Diskurses seiner Epoche“ (Ebd., 67-68), deshalb wurde seine Lehre von der Vererbung der Merkmale zur damaligen Zeit als falsch angesehen. Die dritte Kontrollprozedur befasst sich mit den sprechenden Subjekten. Nicht jeder Diskurs ist für jeden offen. Um an einigen Diskursen teilzunehmen, bedarf es einer gewissen Qualifikation (Ebd., 68-69). Beispielsweise dürfen unter 18-jährige in Deutschland nicht wählen. Dieser politische Diskurs ist Minderjährigen also vorenthalten, da sie nicht die entsprechenden Qualifikationen mitbringen.

Es lässt sich folglich feststellen, dass der Diskurs sowohl durch externe als auch durch interne Faktoren kontrolliert wird.

4. Die Historische Diskursanalyse

Die Historische Diskursanalyse Michel Foucaults ist wohl die bekannteste und zugleich bedeutendste, aller bestehenden Diskursanalysen. Foucault geht dabei der Frage nach, was Geschichte ist und nach welchen Regeln sie sich konstituiert. Er stellte fest, dass es in der Geschichte „außerhalb ihrer gewohnten Grenzen Systeme von Regelmäßigkeiten gibt“ (Foucault 1991, 14-15). Das heißt, dass die Geschichte keine lineare Folge von Ereignissen darstellt, sondern ihr eine Struktur zugrunde liegt und Wissen in den jeweiligen Epochen nach gleichen Regeln gewonnen wurde. Er differenziert dabei zwischen der Epoche der Renaissance, der Klassik und der Epoche des Menschen.

4.1. Die Renaissance

Foucault ging davon aus, dass das Denken der Menschen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts durch Ähnlichkeitsbeziehungen bestimmt war (Foucault 1991, 46).

Die Welt drehte sich in sich selbst: die Erde war die Wiederholung des Himmels, die Gesichter spiegelten sich in den Sternen, und das Gras hüllte in seinen Halmen die Geheimnisse ein, die dem Menschen dienten (Ebd.).

Bei dem Prinzip der Ähnlichkeit, stellte Foucault vier essentielle Figuren heraus. Zunächst benennt er die convenientia, welche die Ähnlichkeit über Nachbarschaft oder Verwandtschaft bezeichnet. Als Beispiel führt Foucault unter anderen die Nachbarschaft von Seele und Körper an. Die Seele verleiht dem Körper seine Bewegung und der Körper wird durch seelische Probleme in Mitleidenschaft gezogen. So ist die ganze Welt über Nachbarschafts- und Verwandtschaftsbeziehungen miteinander verkettet (Ebd., 46-47). Als eine zweite Ähnlichkeitsform erwähnt Foucault die aemulatio, ein Begriff, der frei von seinem Ort ist und durch die Entfernung gekennzeichnet ist. Die aemulatio wirkt ähnlich wie ein Spiegel (Ebd., 49); „in ihr antworten die in der Welt verstreuten Dinge aufeinander“ (Ebd.) und können sich auch durch weite Entfernungen nachahmen. So imitiert unser Gesicht den Himmel, indem unsere Augen als ihre hellsten Punkte Sonne und Mond wiederspiegeln. Durch diese Reflexion können sich die Dinge auch über große Strecken nachahmen (Ebd.). Die Analogie ist die dritte Form der Ähnlichkeit, in der conveniencia und aemulatio gleichzeitig wirken. Sie ist wie die aemulatio eine Gegenüberstellung durch den Raum. Gleichzeitig zeugt sie, wie die conveniencia, von Verwandschafts- und Nachbarschaftsbeziehungen. Ihre Ähnlichkeit beruht jedoch nicht nur auf äußerlich sichtbaren Merkmalen, sondern ist zurückzuführen auf Ähnlichkeiten der Verhältnisse. Der Körper des Menschen kann beispielsweise mit dem eines Vogels verglichen werden, indem unter anderem die Arme den Flügeln ähneln. Die vierte Form der Ähnlichkeit tritt durch Sympathie in Erscheinung. Die Sympathie ist durch keine Vorschriften von Entfernung oder Verkettung festgelegt. Sie ist frei und kann aus allerlei Gründen entstehen. Sympathie begründet sich auf Gleichartigkeit. Eine Person im Zustand der Trauer ist in ihrem Verhalten einer Sterbenden gleich. Sympathie vermischt die Dinge miteinander und lässt ihre Individualität verloren gehen. Deshalb ist ihr Gegenstück, die Antipathie, essentiell. Sie hilft die Dinge voneinander zu entfernen und somit ihre Einzigartigkeit zu bewahren (Ebd., 51-54).

Das Prinzip der Ähnlichkeit leitet also die Wahrnehmung zur Zeit der Renaissance, demzufolge sind alle Dinge miteinander verbunden oder verweisen aufeinander. Wissen wurde also hervorgebracht, indem Ähnlichkeitsbeziehungen hergestellt wurden.

4.2. Die Klassik

Im Zeitalter der Klassik ändert sich das Denken der Menschen. Das Zeichen ist nicht mehr Bestandteil der Dinge, sondern ihr Stellvertreter. Es repräsentiert die Dinge. Das Zeichen wird nun über die folgenden drei Größen definiert. Der Ursprung der Verbindung zeigt an, ob ein Zeichen natürlich ist oder auf Konventionen beruht. Der Typ der Verbindung erklärt wiederum, ob das Zeichen einer Gesamtheit zugehörig ist oder gesondert existiert. Die Gewissheit der Verbindung gibt an, ob ein Zeichen zuverlässig oder nur wahrscheinlich ist. Die Repräsentation löst in der Klassik also das Prinzip der Ähnlichkeit ab (Ebd., 92). Diese Repräsentationsfunktion demonstriert Foucault in Die Ordnung der Dinge anhand von Die Hoffräulein von Diego Rodriguez de Silva y Velázquez (Abb. 1). Wichtig für den Zusammenhang ist, dass das Gemälde ursprünglich Das Königspaar hieß. Darauf hat sich der Maler selbst dargestellt, wobei das eigentliche Motiv, das Königspaar, dem Anschein nach fehlt. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man es jedoch in einem Spiegel, der sich im Hintergrund des Bildes befindet. Auffällig ist, dass alle Figuren ihren Blick auf die Stelle richten, an der man, neben dem Königspaar, auch den Betrachter erahnen kann. Dieses Bild veranschaulicht die Theorie der Repräsentation von Foucault besonders treffend, da in ihm das Repräsentierte fehlt (Foucault 1991, 31-32).

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Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668563452
ISBN (Buch)
9783668563469
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v376294
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Künste und Medien
Note
1,3
Schlagworte
Michel Foucault Diskursanalyse historische Diskursanalyse
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Titel: Die historische Diskursanalyse Michel Foucaults