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Leasing als Alternative zur klassischen Kreditfinanzierung

Forschungsarbeit 2017 13 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Darstellung des Leasings
2.1 Operate-Leasings
2.2 Finanzierungs-Leasings

3 Formen des Leasings
3.1 Immobilienleasing
3.2 Mobilienleasing
3.3 Sonderform: Full-Service-Leasing
3.4 Sonderform: Sale-and-Lease-Back

4 Vor- und Nachteile des Leasings
4.1 Bilanzielle Aspekte
4.2 Steuerliche Aspekte

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Wenn die geleaste Kaffee-Maschine wirklich kaputt sein sollte, ist das überhaupt nicht schlimm. Wir rufen bei der Servicehotline an und eine Stunde später wird die ausgetauscht.“ Dieser Satz und ähnliche Aussagen fielen während der Praxiseinsätze in verschiedenen Bankfilialen des Öfteren. Zu meiner Verwunderung bezogen sich diese Überlegungen auf verschiedenste technische Geräte, und sogar auf Möbel.

„Immer mehr Investoren nutzen die Finanzierungsalternative Leasing - angefangen von Privathausalten über gewerbliche Unternehmen bis hin zu Investitionen der öffentlichen Hand. Die Leasingquote – der Anteil leasingfinanzierter Investitionen an den gesamtwirtschaftlichen Investitionen – steigt seit über 20 Jahren kontinuierlich an und liegt mittlerweile bei deutlich über 20 Prozent, in manchen Objektbereichen weit darüber.“[1] Michael Kroll zeigt damit deutlich, dass Leasing-Modelle an Bedeutung und Attraktivität gewonnen haben und vermehrt zum Einsatz kommen.

In der Arbeit werden zu Beginn die grundlegenden Gedanken und charakteristischen Merkmale des Leasings erläutert und die entscheidenden Unterschiede zwischen dem Operate-Leasing und Finanzierungs-Leasing aufgedeckt. Im nächsten Schritt wird auf die verschiedenen Formen des Leasings eingegangen. Die Formen des Mobilien- und Immobilienleasings werden erklärt und auch auf die Sonderformen des Leasings, wie zum Beispiel das sogenannte Full-Service-Leasing-Paket und Sale-and-Lease-Back-Leasing, wird eingegangen. Weiter werden allgemein und situationsunabhängig die Vor- und Nachteile zur klassischen Kreditfinanzierung aufgezeigt. Dabei werden die bilanziellen sowie die steuerlichen Aspekte berücksichtigt.

Abschließend wird ein Fazit darüber gezogen, inwieweit eine allgemeine Aussage zur Vorteilhaftigkeit des Leasings getroffen werden kann.

2 Darstellung des Leasings

Leasing (engl. Verpachtung, Vermietung) beruht auf dem Kerngedanken, Wirtschaftsgüter gegen ein vorher festgelegtes Entgelt zur Nutzung zur Verfügung zu stellen.[2] Dabei handelt es sich um neue Güter, nicht um gebrauchte.

Diese Finanzierungsalternative bietet sich an, wenn keine liquiden Mittel verfügbar sind oder wenn Zuführungen eigenen oder fremden Kapitals ausgeschlossen sind.[3] Im Gegensatz zum Kauf eines Wirtschaftsgutes, bei welchem der gesamte Kaufpreis im Voraus beglichen werden muss, bietet das Leasing den Vorteil, dass die Belastung vorhandener Liquidität zeitlich gestreckt ist, wodurch die Leasingraten aus laufenden Einnahmen finanziert werden können, was in der Leasingbranche unter dem Motto „Pay as you earn“ bekannt ist.[4]

Die Basis eines jeden Leasinggeschäfts ist ein dementsprechender Leasingvertrag, auch ‚Leasingerlass‘ genannt, in welchem alle Bedingungen der Nutzungsüberlassung geregelt sind.[5] Im Rahmen dessen kommt es zwischen Leasinggeber, Leasingnehmer und Hersteller oder Lieferant zu einem „typischen Dreiecksverhältnis“[6], dem sogenannten ‚indirekten Leasing‘.

Abb. 1 Indirektes Leasing

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Dahmen u.a. (2003).

Vom ‚direkten Leasing‘ spricht man auch, wenn diese zwar rechtlich eigenständige Gesellschaften sind, der Leasinggeber und der Hersteller aber identisch sind, also gemeinsame Interessen besitzen und wirtschaftlich zu dem gleichen Konzern gehören.[7]

Abb. 2 Direktes Leasing

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Dahmen u.a. (2003).

In dem Leasingerlass ist auch festgesetzt, dass die grundsätzliche Mietzeit des Leasingvertrags 40 und 90 Prozent der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes nicht unter- beziehungsweise überschreiten darf. Nur unter dieser Voraussetzung kann das Wirtschaftsgut dem Leasinggeber als Eigentum zugerechnet werden.[8] Ein weiterer Grund dieser Festlegung ist die Verhinderung der Erzielung steuerlicher Vorteile durch eine eventuell gut durchdachte Auswahl eines solchen Leasingmodells anstelle eines Kaufs, verbunden mit einer klassischen Kreditfinanzierung.

Trotz einer fehlenden gesetzlichen Definition des Leasings weist M. Kroll auf zwei wichtige Formen hin: dem ‚Operate-Leasing‘ und dem ‚Finanzierungs-Leasing‘.[9]

2.1 Operate-Leasings

Das sogenannte Operating-Leasing entspricht einem normalen Mietvertrag im Sinne des §§535 ff. BGB.[10] Kennzeichnend hierfür sind vor allem kurzfristige Vertragszeiten, welche wenige Stunden, Tage oder Wochen betragen können.[11] Unter Berücksichtigung eventuell vereinbarter Kündigungsfristen ist der Leasing-Vertrag jederzeit kündbar.[12] In der Regel übernimmt der Leasinggeber Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen, das Investitionsrisiko trägt hierbei immer der Leasinggeber.[13]

2.2 Finanzierungs-Leasings

Finanzierungs-Leasing dagegen ist Leasing mit einer mittel- oder langfristigen Vertragsdauer und einer häufig vereinbarten, unkündbaren Grundmietzeit.[14] Diese macht in der Regel den Großteil der wirtschaftlichen Nutzungsdauer aus, welche in der Regel mehr als die Hälfte umfasst.[15]

Normalerweise ist der Vertrag so gestaltet, dass vom Leasinggeber sämtliche Anschaffungs-, Finanzierungs- und Verwaltungskosten während dieser Grundmietzeit gedeckt werden können.[16] Bei dieser Form des Leasings liegen die Wartungs- und Instandhaltungspflichten jetzt bei dem Leasingnehmer. Durch die langen Grundmietzeiten und aufgrund der Unkündbarkeit beider Parteien wird das Investitionsrisiko dadurch zumindest teilweise auf den Leasingnehmer abgewälzt.[17]

3 Formen des Leasings

Im Leasingbereich wird in erster Linie zwischen dem ‚Immobilienleasing‘ und dem ‚Mobilienleasing‘ unterschieden.[18] Es können jedoch auch Leasingverträge zur Finanzierung von Flugzeugen, Schiffen und weiteren hochpreisigen und großvolumigen Investitionsgütern abgeschlossen werden.[19]

3.1 Immobilienleasing

Beim Immobilienleasing werden überwiegend Immobilien geleast, welche unkompliziert vermietet oder veräußert werden können. Im Gegensatz zum ‚Mobilienleasing‘ wird hier für jedes einzelne Objekt eine eigene Gesellschaft gegründet, die die Investition in das betreffende Objekt durchführt.[20]

Durch diese Separierung jedes einzelnen Objektes in eine eigene Gesellschaft wird eine Risikoübertragung zwischen unterschiedlichen Objekten mit unterschiedlichen Leasingnehmern unterbunden. An einer Objektgesellschaft ist neben der Leasinggesellschaft gewöhnlich auch der Leasingnehmer minderheitlich beteiligt, sodass er auf das Leasingobjekt durch die Ausübung seiner Stimmrechte direkten Einfluss nehmen kann.[21]

Die Laufzeiten im Bereich des Immobilienleasings betragen in der Regel zwischen 20 und 30 Jahren, wobei am Ende der Laufzeit gewöhnlich der Verkauf der Immobilie an den Leasingnehmer erfolgt.[22] Da die Gründung und Verwaltung einer separaten Gesellschaft mit Kosten verbunden ist, lohnt sich die Inanspruchnahme von Immobilienleasing erst ab einer gewissen Objektgröße, deren Untergrenze je nach Leasinggesellschaft zwischen 10 und 20 Mio. Euro liegt.

Die Finanzierung der Objektgesellschaft erfolgt wie bei einem traditionellen Immobilienkauf durch die Aufnahme eines Hypothekenkredits gegen Eintragung einer dinglichen Besicherung auf das Grundstück.[23]

3.2 Mobilienleasing

Beim Mobilienleasing werden in der Regel nur Standardgüter finanziert, die mühelos am Markt verwertet werden können.[24] Hier sind insbesondere nahezu alle Kraftfahrzeugarten, Baumaschinen, andere gängige Maschinen sowie EDV-Ausrüstungen zu nennen. Anbieter für derartige Leasingverträge sind neben Tochtergesellschaften fast aller Kreditinstitute beziehungsweise Institutsgruppen (überwiegend indirektes Leasing) auch die Hersteller dieser Güter (überwiegend direktes Leasing). Sie haben erkannt, dass Leasing nicht nur eine Möglichkeit ist, den Absatz der Produkte zu steigern, sondern auch eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit darstellt.[25]

Beim Mobilienleasing werden Vollamortisationsverträge und Teilamortisationsverträge angeboten. Sämtliche Kosten des investierten Gutes und auch der Gewinn der Leasinggesellschaft sind im Vollamortisationsvertrag während der Grundmietzeit gedeckt.[26]

Beim Teilamortisationsvertrag dagegen werden nicht alle Kosten gedeckt, sodass am Ende der Laufzeit ein Restwert verbleibt, der durch die Verwertung des Leasinggutes abzudecken ist.[27] Dabei bestehen die Möglichkeiten, dass der Leasingnehmer den Gegenstand entweder erwirbt oder eine Verlängerung des Leasingvertrags abschließt, oder dass der Leasinggegenstand auf dem freien Markt zu Marktpreisen verkauft wird.[28] Die Refinanzierung der Leasinggesellschaften erfolgt entweder durch die Aufnahme von Bankkrediten oder in Form eines Forderungsverkaufes.

Seit 2008 werden 25 Prozent des Leasingaufwandes oder auch eines Mietaufwandes zur Ermittlung der Gewerbesteuerzahllast eines Unternehmens mitberücksichtigt, was einer Verteuerung einer Leasingfinanzierung gleicht kommt.[29] Der Gesetzgeber will damit eine gewerbesteuerliche Gleichstellung aller Finanzierungsmöglichkeiten (Finanzierung über Kauf, Leasing oder Miete) erreichen. Daher gelten auch hier die Erleichterungen für kleinere und mittlere Unternehmen mit einem Zins-, Leasing- und Mietaufwand von unter 1 Mio. Euro

3.3 Sonderform: Full-Service-Leasing

Einige Leasinganbieter – vorwiegend im Bereich des KFZ- und EDV-Leasing – bieten sogenannte Full-Service-Leasing-Pakete an, die neben der Finanzierung der Investitionsgüter auch deren Wartung sowie die Abwicklung sämtlicher mit dem Gut verbundener Aufgaben (Versicherung, Steuern, Reparaturen, Unfallabwicklungen, Tanken, Updates etc.) beinhalten.[30] Durch diese Verbindung von Finanzierung mit Dienstleistungen ist hier ein interessantes Outsourcing-Produkt entwickelt worden.

3.4 Sonderform: Sale-and-Lease-Back

Bei dieser Form des Leasings werden von der Leasinggesellschaft bereits im Eigentum des potenziellen Leasingnehmers stehende Wirtschaftsgüter angekauft und im Rahmen eines Leasingvertrags zurückgeleast.[31] Durch dieses Verfahren erhält der Leasingnehmer zunächst einen Liquiditätszugang aus dem Verkaufserlös, der im Laufe des Leasingvertrags jedoch durch die zu zahlenden Leasingraten nach und nach wieder verbraucht wird.[32] Da in der Regel auch Wertdifferenzen zwischen dem bilanziellen Buchwert der in Rede stehenden Güter zum Zeitwert bestehen, wird bei einem Verkauf an eine Leasinggesellschaft üblicherweise ein Gewinn realisiert.[33]

4 Vor- und Nachteile des Leasings

Das Leasing-System bietet im Vergleich zum Kauf oder einer reinen Miete insgesamt mehr Vorteile als Nachteile für den Leasingnehmer. Ein großer Vorteil ist, dass durch eine Leasinglösung kein eigenes Kapital notwendig und das Konzept dazu „bilanzneutral“ ist, das heißt, „die Kennzahlen werden nicht belastet“[34]. Des Weiteren fällt keine Gewerbesteuer an und die Liquidität wird gleichmäßiger in Anspruch genommen als bei einer klassischen Kreditfinanzierung.[35] Außerdem bilden die Leasing-Raten „eine klare Kalkulationsgrundlage“[36].

Auch ausschlaggebend kann eine eventuelle Verpflichtung des Herstellers / Leasinggebers sein, nach welcher er nicht nur die Bereitstellung, sondern auch Wartungs- und Reparaturleistungen übernimmt.[37]

[...]


[1] Kroll, Michael (2004), Seite 11.

[2] Vgl. Peters, Bernd u.a. (2011), Seite 11 f.

[3] Vgl. Wöhe, Günter u.a. (2013), Seite 567.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. Peters, Bernd u.a. (2011), Seite 12.

[6] Vgl. Kroll, Michael (2004), Seite 15.

[7] Vgl. Kroll, Michael (2004), Seite 15.

[8] Vgl. Peters, Bernd u.a. (2011), Seite 13.

[9] Vgl. Kroll, Michael (2004), Seite 19.

[10] Vgl. Wöhe, Günter u.a. (2013), Seite 568.

[11] Vgl. Grill, Wolfgang u.a. (2016), Seite 480.

[12] Vgl. Kroll, Michael (2004), Seite 19.

[13] Vgl. Wöhe, Günter u.a. (2013), Seite 569.

[14] Vgl. Grill, Wolfgang u.a. (2016), Seite 481.

[15] Vgl. Wöhe, Günter u.a. (2013), Seite 569.

[16] Vgl. ebd.

[17] Vgl. Kroll, Michael (2004), Seite 20.

[18] Vgl. Eckstein, Wolf u.a. (2000), Seite 14.

[19] Vgl. Peters, Bernd u.a. (2011), Seite 14.

[20] Vgl. Eckstein, Wolf u.a. (2000), Seite 288.

[21] Vgl. Eckstein, Wolf u.a. (2000), Seite 296 f.

[22] Vgl. Gabele u.a. (2001), Seite 7.

[23] Vgl. Peters, Bernd u.a. (2011), Seite 108.

[24] Vgl. Gabele u.a. (2001), Seite 9.

[25] Vgl. Wöhe, Günter u.a. (2013), Seite 568.

[26] Vgl. Peters, Bernd u.a. (2011), Seite 12.

[27] Vgl. Kroll, Michael (2004), Seite 40.

[28] Vgl. Peters, Bernd u.a. (2011), Seite 13.

[29] Vgl. ebenda, Seite 80.

[30] Vgl. Kroll, Michael (2004), Seite 60 f.

[31] Vgl. Wöhe, Günter u.a. (2013), Seite 568.

[32] Vgl. Gabele u.a. (2001), Seite 78.

[33] Vgl. ebd.

[34] Eberhardt, Manfred u.a. (2009), Seite 268.

[35] Ebd.

[36] Grill, Wolfgang u.a. (2016), Seite 482.

[37] Vgl. Baumgarte, Christian (1980, Seite 4.

Details

Seiten
13
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668564312
ISBN (Buch)
9783668564329
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v377791
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Leasing Kreditfinanzierung Finanzierung Kredit Immobilien Alternative BWL Bank Vergleich

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