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Ein Gesundheitssystemvergleich von Deutschland und den USA

Wo ist eine kostengünstige medizinische Versorgung auf hohem Qualitätsniveau mit sozialpolitisch erwünschten Resultaten eher verwirklicht?

Seminararbeit 2012 30 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Modelle von Gesundheitssystemen im Vergleich
2.1. Das deutsche Sozialversicherungssystem
2.2. Das amerikanische marktwirtschaftliche Gesundheitssystem

3. Effizienz vs. Gerechtigkeit
3.1. Deutschland – Die soziale Sicherung im Krankheitsfall
3.1.1. Sozialstaatgebot
3.1.2. Solidarprinzip
3.2. USA
3.2.1. Die Situation der Un- und Unterversicherten
3.2.2. Managed Care
3.3. Fazit

4. Versicherte, Versicherungen und Finanzierung
4.1. Deutschland
4.1.1. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
4.1.2. Die private Krankenversicherung (PKV)
4.2. USA
4.2.1. Öffentliche Versicherungen
4.2.2. Private Versicherungen
4.2.3. HMOs, PPOs und POS Organizations
4.3. Fazit

5. Zusammenfassung der Ergebnisse und abschließendes Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

„Gesundheitssystem. Substantiv, neutrum - [öffentliches] System, nach dem die medizinische Versorgung der Bevölkerung politisch, sozial und finanziell geregelt ist.“ (Duden Online).

Gesundheitssysteme spielen in unserem täglichen Leben eine zentrale Rolle, da sie versuchen dem Menschen eine gewisse Absicherung gegen Krankheit und Krankheitsfolgen zu geben. Eine Krankenversicherung soll als Daseinsvorsorge dienen, da durch Erkrankungen immer eventuell zusätzliche Ausgaben für Gesundheitsleistungen erforderlich werden und zudem ein Einkommensausfallrisiko durch die Krankheit entsteht. Daher muss eine Krankenversicherung Vorsorgemaßnahmen treffen, um den nötigsten Bedarf an Versorgung im Krankheitsfall zu decken (vgl. Oberender, 2006, S.33).

Der Mensch soll seinem gesundheitlichen Schicksal nicht mehr vollkommen hilflos ausgeliefert sein, sondern er soll eine gewisse Unterstützung vom jeweiligen Gesundheitssystem erhalten. Nicht jedes System schafft es allerdings, die Bevölkerung effizient und gerecht gegen Krankheiten und deren Folgen abzusichern. Viele Menschen müssen enorme Zuzahlungen zu Medikamenten oder Behandlungsmethoden leisten, die ihre Krankenversicherung nicht übernimmt. Menschen, die bereits schwer erkrankt sind, werden teilweise von den Versicherungen nicht mehr aufgenommen und sind so auf sich allein gestellt.

Im Folgenden, werden zwei äußerst verschiedene Gesundheitssysteme, nämlich das marktwirtschaftlich orientierte Gesundheitssystem der USA und das Sozialversicherungssystem Deutschlands verglichen. Untersucht wird, ob eine kostengünstige medizinische Versorgung auf hohem Qualitätsniveau mit sozialpolitisch erwünschten Resultaten im Hinblick auf soziale Gleichstellung und Gerechtigkeit, eher in Deutschland oder in den USA verwirklicht ist. Diese Komponenten sind die Hauptmerkmale eines jeden Gesundheitssystems, welches immer das Wohl der Bevölkerung im Auge haben sollte und eine optimale medizinische Versorgung aller Bevölkerungsschichten garantieren sollte. Hier steht man allerdings vor der Kostenproblematik, da eine kostenlose medizinische Versorgung für alle Menschen zwar gerecht und sozial wäre, aber wohl kaum erschwinglich. Daher spielt auch der finanzielle Aspekt bei dieser Arbeit eine Rolle.

Letztendlich soll, anhand der Analyse der beiden Gesundheitssysteme im Hinblick auf die Grundprinzipien, die Versicherungen, die Versicherten und die Finanzierung ein Fazit gezogen werden, welches Gesundheitssystem es eher schafft die Bevölkerung sowohl effizient als auch gerecht zu versorgen.

Gegliedert ist diese Arbeit wie folgt:

Kapitel 2 befasst sich mit den grundlegenden Unterschieden in der Grundstruktur des deutschen Sozialversicherungssystems und des amerikanischen marktwirtschaftlichen Gesundheitssystems.

In Kapitel 3 wird auf die Effizienz und die Gerechtigkeit der beiden zu vergleichenden Gesundheitssysteme eingegangen. Hier werden die Grundprinzipien erläutert und es wird ein kritischer Blick auf die Vor- und Nachteile von Managed Care geworfen. Außerdem wird in Punkt 3.2.1. kurz auf die Situation der Un- und Unterversicherten in den USA eingegangen, was die Gerechtigkeit dieses Gesundheitssystems in Frage stellen soll.

In Kapitel 4 werden nun die Versicherungsstrukturen, die Versicherten und die Finanzierungen der beiden Gesundheitssysteme erläutert und im Fazit Punkt 4.3. miteinander verglichen und bewertet.

Das abschließende Fazit Punkt 5. fasst nun noch einmal die Untersuchungsergebnisse zusammen und legt einen abschließenden Vergleich und eine Beantwortung der zentralen Fragestellung der Arbeit dar.

2. Modelle von Gesundheitssystemen im Vergleich

2.1. Das deutsche Sozialversicherungssystem

„Sozialversicherung. Substantiv, feminin. Versicherung des Arbeitnehmers und seiner Angehörigen, die seine wirtschaftliche Sicherheit während einer Arbeitslosigkeit und im Alter sowie die Versorgung im Falle einer Krankheit, einer Invalidität o. Ä. gewährleistet;“ (Duden Online)

Das Sozialstaatprinzip Deutschlands ist im Grundgesetz verankert: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“ (GG. Art. 20 Abs. 1). Und „Die verfassungsmäßige Ordnung in den Ländern muß den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne des Grundgesetzes entsprechen“ (GG Art. 28 Abs. 1).

Im Hinblick auf das Thema der Arbeit, steht hier die Krankenversicherung im Mittelpunkt der Untersuchung. Der Staat nimmt hier eine sehr starke Regulierungsfunktion ein. Es werden sowohl die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung, als auch die wichtigsten Vergütungssysteme gesetzlich geregelt. Das steht eng mit dem Sozialstaatsgebot in Verbindung, da die Pflicht des Staates ist, gute Bedingungen für eine ausreichende medizinische Versorgung der Bürger zu schaffen. Die Aufgaben der Regulierung werden von verschiedenen staatlichen Institutionen wahrgenommen, die sich gegenseitig kontrollieren. So ist sichergestellt, dass kein Machtmissbrauch verübt werden kann. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die gemeinsame Selbstverwaltung. Hier werden Fragen, bezüglich Leistungserbringung und Vergütung von Vertretern der Leistungserbringer und Krankenkassen entschieden (vgl. Simon, 2011, S.97 ff).

Die Akteure im deutschen Gesundheitswesen sind also der Staat, die Leistungserbringer, die Kostenträger und die Versicherten.

Die sich im Anhang befindliche Abbildung 1, soll die Grundstruktur des deutschen Gesundheitssystems verdeutlichen und zeigen, wie alle Akteure miteinander vernetzt und verbunden sind (Abb. Simon, 2011, S.109).

Wie man auf der Abbildung erkennen kann, steht über dem gesamten Gesundheitssystem der Staat als höchste Instanz. Er ist verantwortlich, für die Rechtssetzung und die Rechtsaufsicht sowohl im Hinblick auf die Kostenträger, als auch im Hinblick auf die Leistungserbringer. Die Kostenträger sind hier in Deutschland mit knapp 68% hauptsächlich die gesetzlichen Sozialversicherungen, wobei einen kleineren Anteil der Kosten auch die private Kranken- und Pflegeversicherung, die öffentlichen und die privaten Haushalte und die Arbeitgeber tragen (vgl. Simon, 2011, S.104).

Die Leistungserbringer sind öffentliche, freigemeinnützige und private Einrichtungen. Zu den öffentlichen Einrichtungen zählen Bund, Länder und Gemeinden, die beispielsweise Universitätskliniken und Bundeswehrkrankenhäuser betreiben. Der größte Teil der öffentlichen Krankenhäuser und auch der ambulanten und stationären Pflege, wird von Gemeinden oder Städten betrieben.

Unter den freigemeinnützigen Trägern versteht man kirchliche Einrichtungen, gemeinnützige Stiftungen und Wohlfahrtsverbände.

Zu der privaten Trägerschaft zählen die selbstständig niedergelassenen Arztpraxen, Apotheken, und auch privaten Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen. Wie man in der Abbildung 1 nun sehr gut erkennen kann, agieren die eben genannten Instanzen miteinander.

Dieses Zusammenspiel gibt dem deutschen Versicherungssystem seine spezifische Grundstruktur. Das deutsche Versicherungssystem, kann als Sozialversicherungssystem bezeichnet werden, da die Leistungen überwiegend durch Sozialversicherungsbeiträge finanziert werden und die Leistungserbringung meist von privaten und karitativ-gemeinnützigen Einrichtungen erbracht wird (vgl. Simon, 2011, S.93 ff.).

2.2. Das amerikanische marktwirtschaftliche Gesundheitssystem

„Marktwirtschaft. Substantiv, feminin. Auf dem Mechanismus von Angebot und Nachfrage und der Grundlage privatwirtschaftlicher Produktion beruhendes Wirtschaftssystem.“ (Duden Online)

Im Gegensatz zum sozial orientierten System Deutschlands, steht nun das marktwirtschaftliche Gesundheitssystem der USA. Hier findet sich kaum staatliche Regulierung. Man geht davon aus, dass sich der Markt hier selbst anhand von Angebot und Nachfrage einpendelt. Wie man auf Abbildung 2 im Anhang sehen kann, ist hier der Staat nicht einmal aufgeführt.

Man kann das Zusammenspiel zwischen Nutzern eines Gesundheitssystems, Leistungserbringern und Finanzierungsträgern als Haus darstellen. Die Regulierung bildet das Dach und wird von staatlichen und privaten Akteuren durchgeführt. Das Fundament des Hauses, Werte/Ideen/Ziele, bezeichnet ethische und kulturelle Wertvorstellungen. Allerdings keine, die so wie in Deutschland im Grundgesetz verankert sind. Es gibt lediglich ein paar sehr allgemeine Rahmenbedingungen, ansonsten ist der Einzelne in seiner Absicherung gegen Krankheit auf sich allein gestellt.

Die Finanzierung der Leistungserbringer überfolgt überwiegend durch allgemeine Steuermittel. Außerdem besteht die Leistungserbringung zu einem sehr hohen Anteil an öffentlichen Einrichtungen. Die Leistungserbringung wird sowohl von privaten For-Profit-Organisationen, als auch von Not-For-Profit-Organisationen getragen. Auf Seiten der Leistungserbringer unterscheidet man zwischen ambulanten und stationären Anbietern. Die Finanzierungsträger im amerikanischen Gesundheitssystem sind zum Großteil die privaten Krankenversicherungen (Arbeitgeber, Individualversicherung). Es gibt aber auch den Staat, der durch Medicare und Medicaid einen Teil der Finanzierung übernimmt und die Individuen durch Zuzahlungen und Selbstbehalte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das US-amerikanische Gesundheitssystem als marktwirtschaftliches Gesundheitssystem gilt, da es einen hohen Anteil an privater Finanzierung und ein geringes Maß an staatlicher Regulierung aufweist (vgl. Simon, 2011, S.94 ff).

3. Effizienz vs. Gerechtigkeit

3.1. Deutschland – Die soziale Sicherung im Krankheitsfall

3.1.1. Sozialstaatgebot

Die im Folgenden dargestellten Grundprinzipien für die soziale Sicherung im Krankheitsfall sind, abgesehen vom Sozialstaatgebot, lediglich für die gesetzliche Krankenversicherung bindend. Die private Krankenversicherung ist eher wie die privaten Krankenversicherungen der USA marktwirtschaftlich orientiert. Auch für die Leistungserbringer gilt, bei der Behandlung von GKV-Versicherten das Sozialrecht. Bei dieser Untersuchung wird der Fokus auf die gesetzlichen Krankenversicherungen gelegt, da der Großteil der deutschen Bevölkerung unter dem Schutz der Prinzipien versichert ist, die nun näher erläutert werden (Simon, 2011, S.73/74).

Wie bereits in Punkt 2.1. erwähnt, ist das Sozialstaatgebot im deutschen Grundgesetz verankert. Das Sozialstaatsgebot ist unveränderlich in der Verfassung, wohingegen die übrigen Prinzipien mit einer entsprechenden Parlamentsmehrheit verändert oder abgeschafft werden könnten (vgl. Simon, 2011, S.74).

Das Sozialstaatgebot verpflichtet den Staat, als oberste Instanz, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen und die Krankenversorgung nicht der freien Marktwirtschaft zu überlassen. Der Staat muss dafür sorgen, dass eine ungleiche Behandlung aufgrund der finanziellen Leistungsfähigkeit der Patienten ausbleibt (Simon, 2011, S.74/75).

Es ist die Aufgabe des Sozialrechts „ein menschenwürdiges Dasein zu sichern, gleiche Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Persönlichkeit zu schaffen, die Familie zu schützen und zu fördern und besondere Belastungen des Lebens abzuwenden oder auszugleichen“ (Simon, 2011, S.75).

Das Sozialstaatgebot ist ein zentraler Punkt bei dem Gesundheitssystemvergleich von Deutschland/USA, da es sehr stark untermauert, wie sich Deutschland darauf konzentriert eine gerechte Krankenversorgung für alle Bevölkerungsschichten zu gewährleisten. In den USA ist dieses Prinzip nicht vorhanden und das wird auch deutlich, wenn man sich die Zahl der Un- und Unterversicherten ansieht, worauf im Folgenden noch näher eingegangen wird.

3.1.2. Solidarprinzip

Das Solidarprinzip ist das wichtigste Prinzip der GKV bei der sozialen Sicherung im Krankheitsfall. Man versteht unter dem Solidarprinzip eine gegenseitige Unterstützung der Mitglieder einer Solidargemeinschaft. Das bedeutet, dass die Ausgaben für die Krankenversorgung zwischen gesund und krank und zwischen reich und arm umverteilt werden (vgl. Simon, 2011, S.76).

Anders als bei der privaten Krankenversicherung, sowohl in Deutschland als auch in den USA, ist die Beitragshöhe unabhängig vom Gesundheitszustand. Das ermöglicht auch bereits kranken Personen eine, für sie erschwingliche medizinische Grundversorgung. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung sind einkommensabhängig. So ist sichergestellt, dass auch Menschen mit niedrigem Einkommen eine Krankenversorgung erhalten und eine Erkrankung nicht ihre wirtschaftliche Existenz bedroht. Dazu sollen, beispielweise auch Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall oder Krankengeld beitragen. Durch private Zuzahlungen zu Arzneimitteln oder Zahnbehandlungen etc., soll die Solidargemeinschaft geschont werden. Allerdings muss man sagen, dass die Zuzahlungen in Deutschland nicht so derartig ins Immense gehen wie in den USA.

Ein weiterer Solidarausgleich geschieht zwischen Beitrag zahlenden Mitgliedern und beitragsfrei mitversicherten Familienangehörigen. Kinder oder andere Familienangehörige, die kein ausreichendes Einkommen haben, genießen so ebenfalls Versicherungsschutz. Zur Finanzierung dessen, wurde der Bundeszuschuss zusätzlich zu den Beiträgen eingeführt. Dies aus der Überzeugung heraus, dass es sich bei der Versorgung von Kindern um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt. Das Solidarprinzip trägt maßgeblich dazu bei, dass die Finanzierung der GKV funktioniert und wird in der Bevölkerung hoch geschätzt (vgl. Simon, 2011, S.75 ff.).

Ergänzend zum Solidarprinzip steht das Subsidiaritätsprinzip, welches annimmt, dass soziale Unterstützung keine Eigenverantwortung ersetzen kann.

Man soll also, im Falle einer Belastung nicht sofort die Hilfe der Gemeinschaft in Anspruch nehmen, sondern zunächst im näheren Umfeld (Ehepartner, Familie) nach Unterstützung suchen, um die Solidargemeinschaft der Steuerzahler oder der Versicherungsmitglieder zu entlasten. Im Falle der gesetzlichen Krankenversicherung spielt das Subsidiaritätsprinzip eher eine untergeordnete Rolle und tritt selten in Erscheinung (z.B. bei Zuzahlungen zu Arzneimitteln), daher wurde es hier nur der Vollständigkeit wegen erwähnt und nicht als extra Punkt in die Gliederung mitaufgenommen (vgl. Simon, 2011, S. 82).

3.2. USA

3.2.1. Die Situation der Un- und Unterversicherten

In Deutschland wurde die Versicherungspflicht 2007 eingeführt, in den USA herrscht hingegen keine Versicherungspflicht in dem Ausmaß. Mit der Reform von 2010 wurde in den USA eingeführt, dass Arbeitgeber ab 50 Beschäftigten eine Krankenversicherung anbieten müssen. Ab 2014 müssen sich auch Einzelpersonen versichern. Wenn die Kosten für die Versicherung allerdings 8% des Einkommens überschreiten, kann man von der Versicherungspflicht befreit werden. Der Staat greift hier nicht, wie in Deutschland bei besonderen Härtefällen ein und bezahlt in Form von Sozialleistungen die Beiträge zur Krankenversicherung (vgl. Cacace, 2010, S. 65 ff.).

Trotz der Reform sind die Vereinigten Staaten allerdings noch weit von einer Vollversicherung entfernt. Derzeit sind etwa 15,4% der US-Bevölkerung ohne jeglichen Versicherungsschutz. Neben den ethischen Problemen und der hohen Ungerechtigkeit, da eigentlich jeder Bürger das Recht auf eine ausreichende medizinische Versorgung haben sollte, stellt sich durch die hohe Anzahl der Unversicherten auch ein Effizienzproblem ein. Nichtversicherte erhalten ihre Leistungen entweder zu spät oder an falschen Stellen, wie beispielsweise in Notfallambulanzen. Dadurch kommt es zu sehr hohen gesamtgesellschaftlichen Kosten. Außerdem kommt es zu gesamtgesellschaftlichen Produktivitätsverlusten, da die Unversicherten zwangsläufig eine kürzere Lebensdauer und einen schlechteren Gesundheitszustand aufweisen (vgl. Cacace, 2010, S. 65 ff.).

Wie in Punkt 4.2. noch näher erläutert wird, weisen die zahlreichen Versicherungsprogramme Deckungslücken auf, sodass es eine ebenfalls hohe Anzahl Unterversicherte im amerikanischen Gesundheitswesen gibt. 2007 lag der Anteil der Un-oder Unterversicherten bereits bei 42%. Prognosen zufolge wird 2019, trotz der Reform 2010, die Anzahl der Unversicherten immer noch 6% betragen (vgl. Cacace, 2010, S.65 ff.).

3.2.2. Managed Care

Managed Care bezeichnet eine Organisationsform, die die Beziehung zwischen Finanzierern und Leistungserbringer und zwischen Finanzierern und Nutzern des Gesundheitssystems definiert (vgl. Cacace, 2010, S.27). Wörtlich übersetzt bedeutet es so viel wie „gesteuerte“ oder „gelenkte“ Gesundheitsversorgung (vgl. Mühlenkamp, 2000, S.29).

Es gibt nicht nur Managed Care als Organisationsform im amerikanischen Gesundheitssystem, sondern auch konventionelle Krankenversicherungen. Bei dieser Arbeit steht jedoch Managed Care im Vordergrund der Betrachtung, da die USA zum einen das Ursprungsland von Managed Care ist und zum anderen 70% der Versicherten in einer Versicherungsform mit Managed Care Elementen sind (vgl. Mühlenkamp, 2000, S.59).

Die Finanzierer einer Krankenversicherung haben grundsätzlich ein Interesse an einer kostengünstigen medizinischen Versorgung. Diese wird eher von einer Managed Care Versorgung, als von einer konventionellen Krankenversicherung erreicht (vgl. Mühlenkamp, 2000, S.59). Die Finanzierer schließen Verträge mit den Leistungserbringern ab, damit diese sich zu Managed Care und zur Presertification verpflichten. Presertification bedeutet, dass bestimmte Leistungen erst dann erfolgen dürfen, wenn diese von der Krankenkasse erlaubt werden (vgl. Mühlenkamp, 2000, S.16). Managed Care verspricht eine Kostensenkung bei gleichbleibender Qualität der medizinischen Versorgung.

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Details

Seiten
30
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668551480
ISBN (Buch)
9783668551497
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v377824
Institution / Hochschule
Hochschule Aalen
Note
1,3
Schlagworte
Gesundheitssystemvergleich Deutschland USA Gesundheitssysteme Gesundheitsökonomie

Autor

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Titel: Ein Gesundheitssystemvergleich von Deutschland und den USA