Lade Inhalt...

Physische und psychische Grenzen im Extremsport. Warum Extremsportler ihre Grenzen immer wieder überschreiten?

Facharbeit (Schule) 2017 31 Seiten

Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Was ist Toleranz? (Vorgeschichte und Definitionen)
1.1 Geschichte des Toleranzbegriffs
1.2 Die Toleranz von heute
1.3 Vier Konzeptionen der Toleranz (nach Forst)
1.4 Toleranz und Intoleranz

2. Grenzen der Toleranz

3. Toleranz und Interkultureller Dialog

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

In der Welt von heute, von Globalisierung und Multikulturalität stark geprägt, wird Toleranz zu einem der Schlüsselbegriffe, wenn die Rede um die internationalen, interkulturellen oder interreligiösen Begegnungen geht. Nicht immer gestalten sich solche Begegnungen harmonisch und reibungslos, wie es gewünscht wird. Das Thema der Toleranz ist heute wie nie zuvor aktuell, da genau Mangel an Toleranz in der religiösen, kulturellen oder politischen Hinsicht, ihre falsche Deutung meist zu den tiefgreifenden Konflikten in unserer Gesellschaft führen.

Die interkulturelle Kompetenz, als eine Fähigkeit und Fertigkeit, stellt eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche interkulturelle Kommunikation, Begegnungen und Kooperationen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Toleranz spielt dabei eine wichtige Rolle, wenn es um so wichtige Qualifikationen zum Erreichen dieser Kompetenz geht, wie Interkulturelles Lernen, interkulturelles Verstehen und interkulturelle Handlungskompetenz.

Der Begriff Toleranz ist ein besonders im interkulturellen Bereich umstrittener Begriff, was seine westlich-europäische Herkunft betrifft und seine in dem Sinne wahrscheinlich fragwürdige Universalität. Anderseits scheint Toleranz in manchen Fällen mehr die bloße Duldung und Ertragen der Andersheit und nicht die positive Anerkennung darzustellen.

Was verstehen wir aber eigentlich unter Toleranz, ist sie begrenzt, wenn ja, wo liegen ihre Grenzen? Wie tolerant sollte eine Gesellschaft sein? Kann man tolerant zu Intoleranz sein? Welche Rolle spielt das Toleranzprinzip im interkulturellen Dialog? Und haben wir vielleicht zu viele Illusionen, was die „Kardinaltugend“ der Toleranz angeht? In der vorliegenden Arbeit wird es versucht, die Problematik des Toleranzbegriffs einzugehen, der von einer vielfältigen Betrachtungsweise geprägt ist und nicht immer eindeutig sein kann.

Im ersten Kapitel werden die Entstehung, Entwicklung und moderne Auffassungen von dem Toleranzbegriff, auch seinem Gegenpol – Intoleranzbegriff, skizzenhaft dargestellt. Zwei Toleranzkonzeptionen von John Locke und Pierre Bayle werden ausführlicher dargestellt, da viel von unserem modernen Toleranzverständnis auf ihre damals revolutionären Ideen zurückgeht. Das Kapitel vermittelt auch einen Überblick über die Vielfalt der modernen Definitionen und Auffassungen, die aus unterschiedlichen Disziplinen wie Theologie, Philosophie, Pädagogik und Psychologie stammen. Vier Toleranzkonzeptionen von Rainer Forst werden daraufhin beispielsweise präsentiert.

Kapitel 2 befasst sich mit dem komplexen Thema der Grenzen von Toleranz. Was ist noch akzeptabel und was ist derartig normabweichend, dass die Toleranz nicht mehr möglich ist? Dabei sind drei unterschiedliche Ebenen der Toleranz zu unterscheiden: Staat, Gesellschaft, Individuum.

Im Kapitel drei wird schließlich versucht, die Toleranzproblematik aus der interkulturellen Sicht zu beleuchten und ihre Relevanz im Dialog der Kulturen zu bestimmen. Die Bedingungen der Interkulturalitätssituation für den interkulturellen Dialog und den Toleranz-Dialog werfen dabei die Frage nach einem interkulturell orientierten und kulturübergreifenden „neutralen“ Toleranzkonzept.

1. Was ist Toleranz? (Vorgeschichte und Definitionen)

1.1 Geschichte des Toleranzbegriffs

Die Toleranzidee hat eine lange Geschichte, und um einen tieferen Einblick in das Konzept der Toleranz zu erlangen, ist es notwendig, sich erstmals mit der Entwicklung des Toleranzgedankens auseinanderzusetzen.

Der Begriff hat seinen Ursprung im Lateinischen (tolerare: ertragen, aushalten). Er bezog sich in der ersten Linie auf das Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen und bedeutete zunächst Duldsamkeit der fremden Glaubensrichtungen. Bereits in der Antike wurde „tolerantia“ als eine christliche Tugend angesehen.

Der deutsche Begriff „Toleranz“, gebildet vom Lateinischen, geht auf Martin Luther zurück und wurde von ihm im Zusammenhang mit der staatlichen Gewalt gegen Einzelnen in den Glaubensangelegenheiten verwendet (vgl. Klueting, 2004, S. 58 – 59).

Im 16. Jahrhundert taucht der Begriff Toleranz in ganzem Europa auf und wird im Zusammenhang mit den religiösen Angelegenheiten und Konflikten benutzt (vgl. Forst, 2000a, S. 10). Die Forderung nach Religionsfreiheit und Wachstum des Protestantismus führen zu der Anerkennung der Konfessionsspaltung in Westeuropa, wofür z. B. der Augsburger Religionsfrieden von 1555 und Edikt von Nantes 1598 den Beweis liefern können. Das waren die wichtigen Ereignisse, die die faktische Existenz zweier christlicher Konfessionen in einer politischen Formation erst ermöglicht haben. Es kam aber trotzdem zu den zahlreichen Religionskonflikten und die Grenzen der christlichen Toleranz im Umgang mit den Andersgläubigen und Häretikern wurden immer noch nicht klar definiert.

Die Aufklärungszeit brachte mit sich die neuen Toleranzforderungen. Bayle, Spinoza, Voltaire, Lessing, Locke sind einige, die zu der Ausdehnung des neuzeitlichen Toleranzbegriffs viel beitrugen. Es wird im Folgenden versucht, den Ideen von John Locke und Pierre Bayle als Vordenkern des modernen Toleranzbegriffs auf den Grund zu gehen.

Die Schriften des englischen Philosophen John Locke prägten die Meinungen vieler Toleranztheoretiker der Aufklärungszeit und verlieren ihre Aktualität bis heute noch nicht. In seinem vielgerühmten Werk „Ein Brief über die Toleranz“ wird das Verhältnis des Staates gegenüber den religiösen Weltanschauungen der Bürger thematisiert, indem sich der Staat sich aus den Glaubensangelegenheiten seiner Bürger heraushalten muss und die Kirche andere Religionen und Glaubensrichtungen tolerieren muss:

Weder das Recht noch die Kunst des Regierens zieht notwendig die gewisse Kenntnis anderer Dinge nach sich und am wenigsten der wahren Religion. Denn wenn es so wäre, wie konnte es dazu kommen, dass die Herren der Erde in Religionssachen so weit voneinander abweichen (Locke, 1957, S. 47)?

Die Trennung von Staat und Kirche war nach Locke eine notwendige Aktion. Während es die Aufgabe des Staates ist, sich um die bürgerlichen Interessen und um das öffentliche Wohl zu kümmern, behält die Kirche als eine freiwillige Gesellschaft das Vorrecht, Gott öffentlich zu verehren.

Nach dem Toleranzverständnis von Locke hat jeder ein Recht auf Toleranz unabhängig von seiner Religion:

Zweitens hat keine Privatperson in irgendeiner Weise ein Recht, eine andere Person im Genuß ihrer bürgerlichen Rechte zu benachteiligen, weil diese zu einer anderen Kirche oder Religion gehört. Alle Rechte und Freiheiten, die ihm als Menschen oder Bürger zustehen, müssen ihm unverletzlich erhalten bleiben. Diese gehören nicht zu den Angelegenheiten der Religion. Keine Gewalt, kein Unrecht darf ihm angetan werden, er sei Christ oder Heide. (Locke,1957, 29).

Es wäre auch wichtig zu erwähnen, dass die Forderung der Toleranz nach Locke stets „ dem staatspolitischen Zweck öffentlicher Ordnung und zeitlichen Glücks subordiniert ist“, und ein Teil seiner Staatsidee darstellt, der Idee „eines souveränen, auf einem ursprünglichen Vertrag Gleicher beruhenden Staates, dessen oberste Werte und Ziele innerer Frieden und Wohlstand in Freiheit sind“ (Schneider, 1998, S. 266).

Mit anderen Worten bedeutet dies, dass die Kräfte oder Gruppen, die durch ihre fanatischen, terroristischen oder antidemokratischen Aktivitäten die staatliche Ordnung und Frieden zu gefährden versuchen, werden nicht toleriert (vgl. Schultze, 1987, S. 124).

Und so bestimmt John Locke die Grenzen der Toleranz, indem die Atheisten und Katholiken nicht toleriert werden können. Die Katholiken sind in dem Falle die Staatsbürger, die „einer extraterritorialen geistlichen Oberhoheit“ unterstehen und „Untertanen einer fremden politischen Macht“ (Schneider, 1998, S. 262 – 263) sind, und somit eine mögliche Gefahr darstellen. Die Atheisten sind nicht zu tolerieren, weil sie „sich nicht auf eine Religion berufen, auf die hin sie das Vorrecht der Toleranz fordern könnten“ (Locke, 1957,S. 95). Daraus folgt, dass die Toleranzidee von J. Locke nicht die Gewissensfreiheit, sondern Religionsfreiheit darstellt, da seine Toleranz einig auf den Glauben aufbaut.

Und wenn auch Lockes Toleranzkonzept viele kritische Stelle aufweist, kann „Ein Brief über die Toleranz“ „als der wichtigste neuzeitliche Toleranztext, der die bisherigen Toleranzargumentationen auf ein neues philosophisches Niveau hebt“ (Forst, 2003, S. 286) gesehen werden.

Der französische Philosoph und Schriftsteller Pierre Bayle, einer der größten Vordenker des modernen positiven Toleranzbegriffs plädiert auch wie J. Locke in seinem Werk „Philosophischer Kommentar über die Worte Jesu Christi: Nötige sie, hereinzukommen“ für die Trennung von Staat und Kirche, wechselseitige Duldung der Gläubigen verschiedener Glaubensrichtungen und auch für die Aufhebung des Glaubenszwangs.

Im Gegensatz zu Locke spricht Pierre Bayle über die Gewissensfreiheit und sieht das Gewissen als eine Entscheidungsinstanz in Fragen der religiösen Wahrheit:

Grundsätzlich jedoch müsse der Staat die Religionsfreiheit achten. Er sei keinesfalls befugt, jemanden zu zwingen, sein Gewissen zu verraten. Da auch die Katholiken und die Atheisten ihrem Gewissen folgten, dürfe nach Bayle niemand versuchen, sie mit Zwang zu bekehren (Bizeul, 2000, S. 83).

Er hält also auch für möglich, die Atheisten „in die Toleranzgewährung einzubeziehen“ (Schultze, 1987, S. 125), was für die damalige Zeit eher unvorstellbar war. Bayle zufolge stellt die Toleranz eine aktive und positive Haltung zum Anderen und keine passive notwendige Duldsamkeit im Dienste des sozialen Friedens dar. Seine Vorstellung von Toleranz schließt außerdem die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, die Fähigkeit, sich in die Lage des Anderen zu versetzen (vgl. Bizeul, 2000, S. 100).

Bis in das 18. Jahrhundert behält der Begriff Toleranz seinen glaubens- und kirchenpolitischen Bezug. Im Laufe der Jahre wird der Begriff erweitert als das Dulden und Respektieren von unterschiedlichen politischen und kulturellen Auffassungen. Im 18. und 19. Jahrhundert liegt die Toleranzidee der Verfassungen von USA und vieler europäischen Staaten als das Recht auf die Religions-, Glaubens- und Kultfreiheit und als Basis allgemeiner Menschenrechte zu Grunde (Schlette, 1962, S. 162). Seit dieser Zeit bis in die unsere Gegenwart entwickelt sich die Idee der umfassenden Toleranz in politischer, sozialer und auch privater Hinsicht.

Diese kurze Übersicht zu den wichtigsten Entwicklungsetappen des Toleranzgedankens hat deutlich werden lassen, dass die moderne Vorstellung von der Toleranz unmittelbar mit der Geschichte der christlichen Kirche, Forderung nach der religiösen Freiheit und Formierung der modernen demokratischen Staaten verbunden ist.

1.2 Die Toleranz von heute

Was verstehen wir heute unter dem Begriff „Toleranz“ und „tolerant zu sein“? „Offenbar recht Unterschiedliches“( Fritzsche, 1996, S. 32). Als Domäne zahlreicher Disziplinen, wie etwa Geschichtswissenschaft, verfassungstheoretischer Rechtsforschung, Sozialpsychologie oder Theologie wird die Toleranz als Kardinaltugend, als ein Prinzip des modernen Verfassungsstaates, Orientierungswert oder als Verhaltensspielraum bezeichnet (vgl. Wierlacher, 1996, S. 64). Zahlreiche Definitionen und Deutungen des Begriffs stehen uns zur Verfügung. Deutlich wird die Interpretationenvielfalt an der Reihe der unterschiedlichen Auffassungen von Toleranz, zusammengestellt von Rainer Forst (Professor für Politische Theorie und Philosophie). So sei die Toleranz (vgl. Forst, 2000a, S. 8):

- Eine herablassende Duldung der anderen von Individuen, Gruppen oder Autoritäten;
- Eine repressive soziale Praxis, die zur Neutralisierung von Differenzen und der Beherrschung der Minderheiten dient;
- Eine minimale und schwache Form der Anerkennung;
- Ein Ausdruck wechselseitigen Respekt unter Menschen, die sich als Gleiche achten ;
- Ein Zeichen von Solidarität für den Fremden und der Wertschätzung einer Pluralität von Lebensformen und Werten;
- Eine Haltung der Indifferenz, des Skeptizismus oder Relativismus;
- Ein Gebot der Nächstenliebe;

Die ursprüngliche Bedeutung „dulden, ertragen“ gehört immer noch zu der verbreiteten Interpretation von Toleranz und wird in manchen Wörterbüchern und Lexiken benutzt, weist aber eher auf die passive Haltung hin:

[Toleranz ist] die Duldung von Personen, Handlungen oder Meinungen, die aus moralischen oder anderen Gründen abgelehnt werden; sie wird meist öffentlich von Individuen oder Gruppen entweder praktiziert oder gefordert und argumentativ begründet (Schlüter, Grötker, 1989, S. 1251).

Toleranz als bloße Duldsamkeit wurde noch von Goethe kritisiert und abgelehnt. In seinen „Maximen und Reflexionen“ bringt er es wie folgt zum Ausdruck: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein, sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen“(Goethe, in: Trunz, 1958, S. 385).

Der moderne Begriff ist aber längst über den Rahmen der „duldend-hinnehmenden Gesinnung“ hinausgetreten und stellt „eine aktive, schöpferisch-produktive, praxisorientierte und humane Kategorie der Konstruktion mitmenschlicher Wirklichkeit“ (Wierlacher, 1994, S. 122). Oder anders gesagt, bedeutet Toleranz nicht die Gleichgültigkeit oder passives Duldungsverhalten, sondern Anerkennung des Anderen in seiner Andersartigkeit und aktives Eintreten gegen die Intoleranz und Diskriminierung.

[...]

Details

Seiten
31
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668558090
ISBN (Buch)
9783668558106
Dateigröße
705 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v377880
Note
1,0
Schlagworte
physische grenzen extremsport warum extremsportler marketing sport red bull

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Physische und psychische Grenzen im Extremsport. Warum Extremsportler ihre Grenzen immer wieder überschreiten?