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Chiropterogamie. Fledermausbestäubung

Hausarbeit 2017 12 Seiten

Biologie - Botanik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Botanische Aspekte
2.1. Arten / Gattungen
2.2. Blütenmorphologie

3. Chiroptera
3.1. Arten / Gattungen
3.2. Anatomie
3.3. Verhalten

4. Quellenangabe

1. Einleitung

Chiropterogamie bezeichnet die Bestäubung von Blütenpflanzen durch Fledermäuse und Flughunde, Chiropterophilie wiederum die Spezialisierung bestimmter Pflanzenspezies auf diese Art der Bestäubung. Die Fledertiere (Chiroptera) lecken oder fressen dabei sowohl Nektar als auch Pollen. Nicht selten werden beide Begriffe synonym verwendet, um diese Form der Bestäubung zu bezeichnen. (Dobat, Peikert-Holle 1985)

Chiropterogamie ist ausschließlich in bestimmten Gebieten der Subtropen und Tropen – vorwiegend der tropischen Regenwälder und Wüsten - sowohl Afrikas, Mittel- und Südamerikas als auch Randlagen Nordamerikas verbreitet. Hier findet sie sich in Arizona und Südkalifornien ebenso wie im mexikanischen Bundesstaat Sonora, in Brasilien, Costa Rica, Bolivien und Venezuela. Wie viele Arten insgesamt beteiligt sind, ist nicht abschließend geklärt, in einzelnen Studien wurden jedoch bereits über 90 Spezies identifiziert, sodass von einer noch deutlich höheren Anzahl ausgegangen werden darf. (Aguilar-Rodríguez et al. 2014)

Ihre ökonomische Bedeutung ist noch nicht hinreichend geklärt, lässt sich jedoch anhand der auf Chiropterogamie angewiesenen Wirtschaftspflanzen abschätzen, zu denen die meisten Bananenarten (Musa) gehören. Zu den auf diese Bestäubungsform spezialisierten Pflanzen gehören Arten sehr verschiedener Pflanzenfamilien, die diesbezügliche Anpassungen konvergent entwickelt haben. (Sitte et al. 2002)

Durch ihre große Reichweite bieten Chiroptera für Pflanzen viele Vorteile. Auf diese Art können nicht nur weit entfernte Individuen erreicht, sondern auch genetisches Material ausgetauscht werden - einer Inselbildung kann vorgebeugt werden. Dies ist insbesondere in Anbetracht der teilweise stark fragmentierenden Wirkung der Nutzung und Abholzung der meisten tropischen Regenwälder weltweit von Interesse. (Simon 2011) Zudem weisen Arten in tropischen und subtropischen Wald- und Wüstengebieten generell häufig erheblich größere Abstände zwischen Individuen einer Art auf, als sie das in gemäßigten und kalten Vegetationszonen tun. Der große Aktionsradius von Fledermäusen bevorteilt sie daher gegenüber den meisten Insekten als Bestäuber. (Thiele 2006)

2. Botanische Aspekte

Chiropterophile Pflanzen kommen in verschiedenen Familien vor und weisen eine Reihe spezieller Anpassungen auf, die sie für Fledermäuse auffindbar und attraktiv machen.

2.1. Arten / Gattungen

Chiropterogamie ist unter Arten verschiedener Ordnungen verbreitet, darunter Malvales, Caryophyllales, Ericales, Zingiberales und Asparagales. Eine besondere Stellung nehmen die Bromeliaceen ein, da Chiropterogamie in an diesen Arten reichen Wäldern besonders häufig beobachtet wurde. Insgesamt sind 24 Arten chiropterophil, von mindestens 90 wird es aufgrund ihrer Merkmale vermutet. (Aguilar-Rodríguez et al. 2014) Zu den bekanntesten zählen viele Arten der Bananen (Musa) mit ihren beeindruckenden Blütenständen, die generell durch Tiere, darunter auch Fledermäuse und Flughunde, bestäubt werden. (Sitte et al. 2002)

Aber auch die zur monophyletischen Gattung gehörige Art Carnegiea gigantea, ein außergewöhnlich hohes und langlebiges Kakteengewächs, wird, neben Vögeln und Insekten, auch von Fledermäusen bestäubt. (Fleming 2001) Hinweise auf diese Form der Zoophilie wurden auch bei weiteren Kakteen, beispielsweise Lemaireocereus griseus, vor allem aber auch bei vielen Agavenarten (Agave) beobachtet, wobei letztere in vielen Habitaten eine unverzichtbare Nahrungsgrundlage bieten. (Scott 2004) Für die menschliche Wirtschaft ist dies bei der Blauen Agave (Agave tequilana) bedeutsam, die zur Herstellung der ebenso benannten Spirituose dient. (Valiente-Banuet et al. 1996)

Flughunde tragen maßgeblich zur Bestäubung der Affenbrotbäume, insbesondere Adansonia digitata, bei. Diese für das südliche Afrika kulturell und wirtschaftlich bedeutsamen Bäume sind daher in erheblichem Maße vom Bestand bestimmter Fledertierarten abhängig. (Baum 1995) Weiterhin zählt die mexikanische Glockenrebe (Cobaea scandens) zu den Chiropterophilen. Namensgebend scheint dies für die „Fledermausblume“ oder „Dämonenblume“ genannte Tacca chantrier zu sein, die in den Tropen Südostasiens beheimatet ist – sie wird jedoch von Insekten bestäubt und ähnelt lediglich der Fledermausgestalt. (Sitte et al. 2002)

2.2. Blütenmorphologie und Eigenschaften

Die Blüten chiropterophiler Pflanzen sind häufig deutlich exponiert, sodass sie leicht anfliegbar sind. Sowohl der Stiel als auch die gesamte Blüte und deren Blütenhüllblätter sind relativ robust, fleischig, im Falle letzterer zudem massiv gebaut. Dies bietet den im Vergleich zu Insekten relativ großen und schweren Tieren bei der Bestäubung Halt, ohne dass die Blüte abbricht oder verletzt wird. Dies ist notwendig, weil nur wenige Fledertiere - im Gegensatz zu Kolibris - zu einem echten Schwirrflug imstande sind und sich daher beim Bestäubungsvorgang mit den Daumenkrallen am Blütenstand festhalten. (Dobat, Peikert-Holle 1985)

Die Blütenstände selbst sind zumeist rachen-, bürsten-, röhren- oder becherförmig, gelegentlich breit und normalerweise radialsymmetrisch. Farblich weisen sie verschiedene unauffällig weiße, hellgelbe, dunkelrote und violette bis beinahe schwarze Töne auf. Die Ausbildung eines pendelförmigen Stiels und damit einer für fliegende Tiere leicht erreichbaren Blüte wird auch Penduliflorie genannt. Generell sind die Blütenstände so angelegt, dass sie für eine leichte Erreichbarkeit sorgen, wenn nicht durch den pendelartigen Stängel, dann durch Herausragen an abstehenden Ästen aus dem Blätterstand (Flagelliflorie) oder direkten Ansatz am Stamm eines Baumes (Cauliflorie). (Engler, Melchior 1964)

Auffällig ist auch der intensive Geruch vieler chiropterophiler Pflanzen, er erinnert an reife Früchte, Kohl, Zwiebel, Schweiß oder Gärung. Der Nektar ist reich an Hexosen. (Aguilar-Rodríguez et al. 2014) Ursächlich ist die stärkere Orientierung von Fledermäusen an Geruchsstoffen als an der Farbgebung. (Dobat, Peikert-Holle 1985) Um die Blüten zu einem lohnenswerten Ziel für Fledermäuse zu machen, verfügen sie über große Nektar- und Pollenmengen, oft ragen Stempel und Pollenblätter heraus. Der Nektar hat eine schleimig-dickflüssige Konsistenz, die das Verkleben von Nektar und Pollen an der Schnauze des bestäubenden Individuums ermöglicht. (Sitte et al. 2002) Weiterhin werden im Bauchfell und an anderen behaarten Stellen anhaftende Pollen beobachtet. Die Anthese findet primär in den Nachtstunden oder rund um die Uhr statt, abhängig davon, ob ausschließlich Fledertiere oder zusätzlich Vögel als Bestäuber in Anspruch genommen werden. In letzterem Falle zeigen die Blüten ein Zusammenspiel von Merkmalen, die die Attraktivität jeweils entweder für die eine oder andere Gruppe erhöht. (Buzato et al. 1994)

Einige der bei chiropterophilen Blüten aufgefundenen Blütenstrukturen scheinen nicht nur der besseren Stabilität zu dienen, sondern haben auch einen Effekt auf die Echoortung der Fledertiere. Diese Elemente reflektieren den Schall, sodass die Tiere imstande sind, nicht nur den Standort der Blüte, sondern auch die Qualität der angebotenen Nahrung zu erfassen (siehe auch Absatz 3.3.). Konkret wurde diese Besonderheit von einem Team Wissenschaftler unter Leitung der Universität von Ulm am Beispiel der Liane Marcgravia evenia in Kuba nachgewiesen. Verantwortlich sind große, an Hohlspiegel erinnernde Blütenblätter, die außerordentlich effektiv Ultraschall zu reflektieren vermögen. Zudem ist ihr Echo einzigartig, sodass die bestäubenden Blütenfledermäuse sie leicht von der Vegetation der Umgebung abgrenzen können. (Simon 2011)

Ein weiteres Beispiel dafür stellt Mucuna holtonii dar, die über ein fahnenförmiges Blatt von etwa 2cm Größe verfügt, das bei Blüten aufgestellt wird, die über Nektar verfügen und bestäubungsreif sind (siehe Abb. 5). In weiteren Versuchen wurde mittels trainierter Fledermäuse ermittelt, dass sie die speziell geformten Blätter nahezu doppelt so schnell orten konnten wie andere Pflanzenteile. (Simon 2011) Abbildungen 1 bis 4 zeigen typische Beispiele für die Morphologie verschiedener auf Chiropterogamie spezialisierter Blütenpflanzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Blütenstand von Ensete superbum (Wikipedia Commons, CC BY-SA 2.0, Dinesh Valke, 2017)

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Details

Seiten
12
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668561533
ISBN (Buch)
9783668561540
Dateigröße
1007 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v377986
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Landwirtschaftliche Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Fledermäuse Bestäubung Chiropterogamie Chiropterophilie Flughunde Neotropis

Autor

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Titel: Chiropterogamie. Fledermausbestäubung