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Untersuchung zum Einfluss des Aussehens des weiblichen Interviewers auf das Antwortverhalten der Befragten

Hausarbeit 2016 21 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung und theoretischer und empirischer Hintergrund

2 Methode
2.1 Stichprobe
2.2 Material
2.3 Versuchsdurchführung
2.4 Versuchsplan

3 Ergebnisse

4 Diskussion

Literaturverzeichnis

Anhang

Zusammenfassung

Die beschriebene Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, ob das Aussehen, speziell die Kleidung, Make-Up und Frisur, des weiblichen Interviewers einen Einfluss auf das Antwortverhalten der Befragten zum Thema „Frauen in Beruf und Gesellschaft“ hat.

Es wurde davon ausgegangen, dass ein „karriere-konformer“ Kleidungsstil der Interviewerin zu einer systematisch positiven Beeinflussung in der Beantwortung der Fragen zu Frauen in Führungspositionen etc. führt. Der gegenteilige Effekt wurde für die Befragung in Alltagskleidung erwartet.

An der experimentellen Befragung nahmen 80 Studierende der Universität Passau teil. Die Befragung führten zwei Interviewerinnen durch wobei die Outfits manipuliert wurden. Am ersten Tag wurde im Business-Outfit befragt, am zweiten Tag in legerer Kleidung. Die Teilnehmer wurden per Zufall ausgewählt und waren in beiden experimentellen Bedingungen unterschiedlich. Die Interviews waren persönlich und mündlich. Es wurden quantitative Daten erhoben.

Die Ergebnisse zeigten, dass beide Outfits deskriptive Effekte bezüglich der Aktivierung von Stereotypen hatten. Der Einfluss des karriere-konformen Kleidungsstils auf das Antwortverhalten war leicht größer als der des Casual-Outfits. Allgemein hatten die Outfits weniger Effekte auf die Beantwortung als gedacht. Gründe für die Unterschiede bei den Einflüssen der Outfits sowie die insgesamt eher geringen Interviewereffekte werden diskutiert.

1 Einleitung und theoretischer und empirischer Hintergrund

Es geschieht ganz unterbewusst und oft auch ungewollt: eine fremde Person betritt den Raum, sie hat noch kein Wort gesagt und doch hat sie bei den Anwesenden schon einen Eindruck hinterlassen. Allein das Aussehen kann die Erwartungen an die Meinungen und Einstellungen eines Menschen beeinflussen. Spätere persönliche Gespräche werden so durch die ersten äußerlichen Reize tangiert. Vorsichtiges Abtasten um herauszufinden ob die bereits gebildete Meinung auch den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht, lautet dann meist die Devise. Allein die Erscheinung des Gesprächspartners scheint schon den Verlauf des Gespräches zu steuern. Es wird das gesagt, was man denkt, dass der Andere von einem erwartet. Nicht nur in alltäglichen Situationen findet diese Beeinflussung durch andere Reize als die bloße Kommunikation statt. Gerade bei wissenschaftlichen Studien und Interviews kommt den Effekten des Interviewers eine große Bedeutung zu. Sie können die Ergebnisse einer Studie durchaus beeinflussen. Deshalb haben sich schon viele Forscher diesem oft als Störfaktor angesehenem Phänomen angenommen. Unter anderem auch Barbara Anderson, Brian Silver und Paul Abramson. Sie untersuchten die Effekte der Rasse des Interviewers auf das Antwortverhalten. Dabei kamen sie unter anderem zu dem Ergebnis, dass Schwarze, die von Weißen interviewt wurden viel eher Wärme und Nähe zu Weißen zum Ausdruck brachten als diejenigen, die von Schwarzen befragt wurden (Anderson, Silver und Abramson, 1988).

Die vorliegende Studie versucht ebenfalls Interviewereffekte abzubilden. Untersucht wird der Einfluss des Aussehens, genauer des Outfits, der Interviewerinnen auf die Beantwortung der Fragen zum Thema „Frauen in Beruf und Gesellschaft“. Hinsichtlich der gewählten äußeren Erscheinung der weiblichen Testpersonen, die die Befragung durchführten, wurde bewusst mit Stereotypen gearbeitet. Das karriere-konforme Outfit bestand aus einem Hosenanzug beziehungsweise einem Kostüm, hohen Schuhe und einer Brille, währenddessen das Alltagsoutfit eher unscheinbar mit Jeans, Kapuzenjacke und Turnschuhen gewählt war. Die Versuchspersonen sollten verschiedene Fragen zu Geschlechterrollen, Frauenbildern sowie Berufschancen beantworten und Einschätzungen zu weiblichen Kleidungsstilen abgeben. Es gab dabei eine Business-Gruppe, die im karriere-konformen Stil befragt wurde und eine zweite Gruppe, die die Interviewerinnen im legeren Outfit sah. Es wurde angenommen, dass das Outfit der Interviewerinnen das Antwortverhalten der Befragten hinsichtlich Stereotypen beeinflusst. So sollte eine karriere-konform gekleidete Frau (Business) bei der Befragung Antworten erhalten, die dazu tendieren Frauen als erfolgreich, taff, führungsfähig und mit gleichen beruflichen Chancen einzuordnen. Dementsprechend sollten die Teilnehmenden bei einer legere gekleideten Interviewerin (Casual) Frauen eher traditionelle Aufgaben wie Haushalt und Familie zuweisen und ihnen beruflich geringere Chancen einräumen.

2 Methode

2.1 Stichprobe

Nach der Erhebung standen 80 Datensätze zur Verfügung. Ein Fragebogen wies Lücken auf, weil sich die Befragte einer Antwort entzog. Der Datensatz wurde dennoch in die Auswertung mit aufgenommen, da die nicht beantworteten Fragen nicht relevant für die Hypothese waren.

An der Studie nahmen Studierende der Universität Passau im Alter von 19 bis 34 Jahren (MW = 22,05 Jahre) teil. 40 Personen sahen die Interviewerinnen bei der Befragung im Business-Outfit, davon waren 21 Männer. Ebenfalls 40 Teilnehmer wurden befragt, als die Testerinnen legere Kleidung trugen. 19 hiervon waren Männer.

Bei der Gruppe „Befragung im Business-Outfit“ lag das Alter der Versuchspersonen zwischen 19 und 34 Jahren (MW = 22,25 Jahre). Der männliche Anteil davon war 20 bis 29 Jahre alt (MW = 22,52). Die weiblichen Teilnehmenden dieser Gruppe hatten ein Alter von 19 bis 34 Jahre (MW = 21,95). Für die Gruppe, die die Interviewerinnen bei der Befragung im Casual-Outfit sah, lag das Alter bei 19 bis 32 Jahren (MW = 21,85 Jahre). Die Teilnehmer dieser Gruppe, die männlich waren, waren zwischen 19 und 32 Jahren alt (MW = 22,53 Jahre). Die Frauen waren hier 19 bis 25 Jahre alt (MW = 21,24 Jahre).

2.2 Material

Die zentralen Stimuli in dem experimentellen Befragungsprojekt waren die beiden unterschiedlichen Kleidungsstile, in denen die beiden Testerinnen die Teilnehmenden interviewten. Das erste Outfit wurde als der „karriere-konforme“ Stil festgelegt und bestand aus einem schwarzen Hosenanzug beziehungsweise einem schwarzen Kostüm mit weißer Bluse. Es wurde hohe schwarze Schuhe dazu gewählt. Außerdem trugen beide Interviewerinnen eine Brille und hatten Make-Up aufgelegt sowie die Augen geschminkt. Die Haare waren in einem Zopf streng nach hinten gebunden. Das zweite Outfit galt als Alltagsoutfit, das eher legere sein sollte. Hier trugen die Interviewerinnen eine löchrige Jeans, ein einfaches schwarzes Top und darüber eine Kapuzenjacke. Die Schuhe waren einfache Sneakers. Hinsichtlich Frisur und Make-Up trugen die Testerinnen offene Haare und waren ungeschminkt. Wie in Abbildung 1 zu sehen, wurde darauf geachtet die Kleidung sehr ähnlich zu gestalten, sodass zwischen den Interviewerinnen keine Effekte hinsichtlich verschieden gewählter Garderobe entstehen konnten. Zur Vervollständigung hatten die Frauen an beiden Tagen ein Klemmbrett zur Anbringung der Fragebögen und zur Erleichterung des Ausfüllens dabei.

Der verwendete Fragebogen gliederte sich in verschiedene Teile auf, die alle Varianten von geschlossenen Fragen mit vorgegebenen Antwortalternativen enthielten. Vorgelagert wurden einige offene Fragen zu den Personenangaben, wie dem Geschlecht, Alter und dem Studiengang der teilnehmenden Probanden.

Abbildung 1:

Die zwei Interviewerinnen in den zwei verschiedenen Auspr ä gungen der Outfits:

Oben „ Business “ mit schwarzem Hosenanzug/Kost ü m, strengem Zopf, Make-Up und Brille.

Unten „ Casual “ mit l ö chriger Jeans, Kapuzenjacke, offenen Haaren und ohne Make-Up.

Der sich daran anschließende erste Teil bestand aus sechs Aussagen („Frauen haben weniger Chancen als Männer in Führungspositionen zu gelangen.“, „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird gesetzlich noch zu wenig unterstützt.“, „Heutzutage ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Deutschland nahezu erreicht.“, „Frauen haben nach wie vor hauptsächlich die Rolle von Mutter und Hausfrau zu erfüllen.“, „Angela Merkel ist der Beweis, dass es Frauen in Machtpositionen schwerer haben als Männer.“, „Frauen bestehen und beweisen sich immer öfter auch in typisch männlichen Berufssparten.“). Die Befragten sollten nach jeder Aussage angeben, ob sie dieser zustimmen oder nicht. Im zweiten Teil des Fragebogens wurden den Teilnehmenden vier Multiple Choice Aufgaben gestellt. Bei jeder der Aussagen gab es vier Antwortmöglichkeiten, aus denen die Teilnehmenden die ihrer Meinung nach passenden auswählen sollten. Es konnten eine, mehrere oder alle Möglichkeiten gewählt werden. Die erste Aussage, die es zu vervollständigen galt, lautete „Eine Berufssparte, in der Frauen bevorzugt arbeiten, ist…“ und die Antwortmöglichkeiten waren „Grafikdesign“, „Pflegeberufe“, „Marketing“ und „Finanzwesen“. Bei der zweiten Aufgabe dieses Teiles ging darum wie Frauen im Vergleich zu Männern in Alltag und Beruf sind. Vervollständigt werden konnte mit den Begriffen „besser organisiert“, „verantwortungsbewusster“, „weniger stressresistent“ und „übermotiviert“. Im Anschluss daran folgte die Frage nach dem Frauenbild in unserer Gesellschaft. Die Befragten konnten wählen, ob sie denken dieses sei geprägt von „Sexismus“, „Intelligenz“, „Erotik“ und/oder „häuslichen Werten wie Familie und Kochen“. Als letzte Multiple-Choice Aufgabe kam die Aussage „Männer sehen Frauen meiner Meinung nach als…“. Hier waren die Möglichkeiten „geringe Konkurrenz im Berufsleben“, „erotische Musen“, „Lebensstütze in alltäglichen Bereichen“ und „Mütter und Hausfrauen“. Der abschließende Teil des Fragebogens bestand aus drei Skalenfragen mit einer vierfachen Abstufung zur Bewertung der Aussage („voll und ganz zutreffend“, „eher zutreffend“, „eher nicht zutreffend“, „überhaupt nicht zutreffend“). In der ersten wurde die Einstellung zu legere gekleideten Frauen abgefragt. Die Befragten sollten angeben in welchem Maße sie finden, dass solche Frauen „erotisch“, „kumpelhaft“ und „unkompliziert“ sind. Die nächste Frage lautete „Frauen, die extrem auf ihr Äußeres achten, sind…“. Auch hier sollte wieder die Zustimmung oder Ablehnung der vervollständigenden Adjektive „arrogant“, „unsicher“ und „attraktiv“ gegeben werden. Die letzte Skalenfrage bezog sich auf im Beruf erfolgreiche Frauen. Hier sollten die Befragten wie schon bei den Fragen zuvor angeben, inwieweit sie zustimmen, dass diese „gut gekleidet“, „zielstrebig“ und „eigensinnig“ sind. Der gesamte Fragebogen enthielt Anweisungen für die Interviewerinnen. Fette Textpassagen mit Formulierungen zur Einführung und zur Verabschiedung des Teilnehmenden sowie zur Erklärung der einzelnen Fragetypen wurden vorgelesen. Kursive Texte enthielten Anweisungen an die beiden Testerinnen zur korrekten Codierung der gegebenen Antworten (Beispiel: Angabe „stimme zu“ mit einem „+“ vor der Aussage eintragen, Angabe „stimme nicht zu“ mit einem „-“ eintragen.).

Vor dieser endgültigen Form des Fragebogens, der anschließend auch für die eigentliche Erhebung verwendet wurde, wurde der erste Entwurf zwei verschiedenen Pretests unterzogen um mögliche Probleme schon im Voraus zu identifizieren. Der nominal skalierte Fragetypus in ersten Teil des Bogens verlangte von den Befragten eine Entscheidung zwischen richtig und falsch. Deshalb galt es hier herauszufinden, ob die Teilnehmenden die Thematik auch genügend verstehen um korrekt antworten zu können. In vier kognitiven Interviews wurde durch Nachfragen der Besitz relevanter Informationen abgefragt. Die jeweilige Testperson sollte dabei angeben, wie sie bei der Beantwortung der Frage vorgegangen ist (P. Prüfer, 2005). Als Ergebnis konnte festgestellt werden, dass es den Probanden schwer fiel sich für „richtig“ oder „falsch“ zu entscheiden, da es sich hierbei um eine Wissensabfrage handelte. Fußend auf dieser Beobachtung sollten im finalen Fragebogen die Befragten nicht mehr angeben ob sie die Aussagen für richtig oder falsch halten, sondern ob sie diesen zustimmen oder nicht, was eher einer Meinungsabfrage glich. Die zweite angewendete Pretest-Technik war das Unspezifische Nachfragen (P. Prüfer, 2005). Wiederrum vier Personen sollten hier nach jeder Frage angeben ob sie Probleme bei der Beantwortung hatten. Beim zweiten Teil war zunächst eine Single-Choice Aufgabe vorgesehen, bei der nur eine Antwort aus dem vorgegebenen Fundus gewählt werden sollte. Es zeigte sich, dass die Probanden aber Schwierigkeiten hatten sich auf eine der vier angegebenen Möglichkeiten festzulegen. Aufgrund dessen wurde bei diesem Teil in der eigentlichen Erhebung eine Mehrfachauswahl möglich gemacht. Zwei letzte Änderungen wurden anschließend noch im dritten Teil vorgenommen: die zuerst sechsstufige Ordinal-Skala bei den Rating-Fragen wurde zwecks einfacherer Handhabung im persönlich-mündlichen Interview auf vier Stufen verkleinert. Letztere war auch bei Nachfragen leichter vorzutragen, außerdem mussten vom Befragten nicht zu viele gleich klingende Alternativen behalten und richtig ausgewählt werden. Nach Rücksprache mit Prof. Dr. Susanne Mayr wurde abschließend die eigentlich vorgesehene erste Aussage des dritten Teils „Frauen, die ein Tattoo haben, sind… aggressiv - cool - alternativ eingestellt“ durch die Aussage „Frauen, die legere gekleidet sind, sind… erotisch - kumpelhaft - unkompliziert“ ersetzt. Mit ersterem Item wäre noch eine andere Thematik mitaufgenommen worden. Dies schien allerdings unpassend, da sich die Untersuchung vor allem auf den Kleidungsstil der Interviewerinnen stützte und diese im Mittelpunkt der Studie standen.

2.3 Versuchsdurchführung

Die Datenerhebung wurde in 80 persönlichen und mündlich geführten Interviews vollzogen. Dabei befragte jede der beiden eingesetzten Interviewerinnen 40 Probanden. Die Erhebung erfolgte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Am ersten Tag, Montag den 11.

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Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668565999
ISBN (Buch)
9783668566002
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v378441
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Schlagworte
kleidung make-up erfolg aussehen

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Titel: Untersuchung zum Einfluss des Aussehens des weiblichen Interviewers auf das Antwortverhalten der Befragten