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Chancengleichheit in der Bildungspolitik bei Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf in der Jenaplan-Schule

Hausarbeit 2017 10 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der Bildungspolitik bis heute

3. Was bedeutet AD(H)S im Unterricht?
3. 1. Hilfe durch sonderpädagogischen Förderbedarf

4. Bildungspolitik– zwischen Anspruch und Wirklichkeit

5. Jenaplan- Schule

6. Fazit

7. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

„Doch der Philipp hörte nicht, was zu ihm der Vater spricht. Er gaukelt und schaukelt, er rappelt und zappelt […].“ (Hoffmann, 1844: 18).

Der Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann gilt heute als Synonym dafür, dass es AD(H) S- Aufmerksamkeitsdefizit- (Hyperaktivitäts)- Syndrom schon im 19. Jhd. Bekannt war. (Vogel, 2013: 4). Kinder mit erhöhtem Förderbedarf, bspw. im Fall von AD(H)S haben, trotz mehrheitlich hoher Intelligenz, nur geringe Chancen bis zum Abitur mithalten zu können. Hier fehlt es oft an gesonderten Förderprogrammen und Unterstützungsmaßnahmen, die den Kindern, vor allem in der Konzentration und Motivation gerecht werden.

Im zeitlichen Wandel unserer Gesellschaft erfährt Bildung einen immer höheren Stellenwert. Während die Entwicklung weg von der Industrialisierung und von der verarbeitenden Industrie (sekundärer Sektor) hin zu Dienstleistungen, Infrastruktur, Verkehr, etc. (tertiärer Sektor) und dem Forschungs- und Bankenwesen (quartärer Sektor) voran geht, ist ein guter Bildungsabschluss Grundvoraussetzung für die berufliche Laufbahn. In Zeiten der Globalisierung gilt das Motto: ‚höher, schneller, weiter‘, wer da nicht mithalten kann, endet schnell am Rande der Gesellschaft. Schon die Kleinsten spüren den Leistungsdruck, spätestens in der Phase der ‚Übertrittempfehlung‘ von der Grundschule zum Gymnasium oder dem Wechsel zur Regelschule. Der Eintritt in ein Gymnasium ist ein einschneidender Teilabschnitt für die 10 bis 11 Jjährigen und suggeriert den ‚besseren‘ Bildungsweg, den Weg zum Studium und der Karriere. Derzeit arbeite ich ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe der AGETHUR (Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie), der Landesgesundheitskonferenz und weiß um die Schwierigkeiten, die Politik zeitweise zur Umsetzung von Gesetzentwürfen hat. In der Gruppe sind Leistungserbringer, Sozialversicherungsträger, Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, Institutionen der Wirtschaft und der Arbeitnehmer, die Selbsthilfe, Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge und des Patientenschutzes, Institutionen der Wissenschaft sowie Mitglieder der Landesregierung vertreten. Momentan formulieren wir Wirkungsziele für Thüringen für den Bereich ‚gesund aufwachsen‘, indem die Unterstützung in Diagnostik und Gesundheitsförderung für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf einen großen Schwerpunkt beinhaltet. Was kann Politik hier leisten, um die Chancengleichheit zu gewährleisten?

Im Kapitel 3 und 3.1. ist eine allgemeine Einführung zu dem Begriff AD(H)S und erhöhter Förderbedarf zu finden und welche besondere Herausforderung es für Kinder mit dieser Diagnose im Schulalltag bedeutet. Wie es dennoch funktionieren kann, werde ich am Beispiel der Jenaplan -Schule zeigen. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung von männlicher und weiblicher Schreibweise verzichtet.

2. Die Entwicklung der Bildungspolitik bis heute

Im Laufe der Jahrhunderte übernahm Bildungspolitik stets die Funktion, durch Erziehung bzw. Bildung die jeweilige Herrschaftsordnung zu stabilisieren. Während die Monarchie die Ordnung als von ,Gott gegeben‘ ansah, konzentrierte sich die Bildung des 17. Jahrhunderts, die Epoche der Aufklärung, bereits auf die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten, doch bildete sich dieser Verlauf bis zur Zeit Kaiser Wilhelms II. (1888- 1918) zu einer preußischen ,Zucht und Gehorsams- Erziehung‘ zurück. Der Versuch einer grundlegenden Reformpädagogik, zum Ende des 19. Jhd., wurde durch den einsetzenden Nationalsozialismus ab 1933 verdrängt, der Schule und Erziehung als Propagandamaschine für die Diktatur Hitlers nutzte. (vgl. Detjen, 2013: 4f.). Nach dem II. Weltkrieg (1945) teilte sich die Bildungspolitik in die ,marxistisch- leninistische‘ Weltanschauung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und in die demokratische- politische Bildung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) (vgl. ebd.). Seit 1990, nach erfolgreicher Wiedervereinigung Deutschlands, übernahm die ehemalige DDR das Berufsbildungsrecht der BRD im vollen Umfang. In diesem gibt es kein einheitliches Bildungssystem auf Bundesebene, die Kernkompetenz ist Ländersache, wobei die Regionalparteien sich auf ihre Eigenständigkeit berufen und sich in folgende Unterpunkte gliedern:

- die Dauer der Schulpflicht
- die Dauer der Grundschule
- andere Schulformen
- die Struktur und Funktion der Orientierungs- oder Förderstufe
- die untere Sekundarstufe
- die Organisation der oberen Sekundarschule oder in Bildungseinrichtungen, die es nur in einigen Bundesländern gibt (vgl. Fuchs & Reuter, 2000: 36).

Bund und Länder sowie die Länder untereinander verständigen sich dabei in der sogenannten Konferenz der Kultusminister (KMK) und legen Unterrichtsinhalte und Ziele für die drei Hauptstufen des heutigen Bildungssystems fest.

1. Primarbereich (Grundschule, Sonderschule)
2. Sekundarbereich (Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium)
3. Tertiärbereich (Fachschule, Fachhochschule, Universität)

Mit einem durchschnittlichen Schuleintrittsalter von 6 Jahren beginnen die Kinder in Deutschland den Primarbereich, sofern die Schuluntersuchung sie für schulreif erklärt. (Ausnahmen bilden hier die Bundesländer Berlin und Brandenburg, in denen die Kinder bereits mit einem Alter von 5 Jahren für schulreif erklärt werden). Dabei ist der absolute Entwicklungsstand einiger Kinder, nicht immer mit dem vorliegenden Alter gleich zu setzen. Für die Grundschule besteht dabei die Schwierigkeit, in der knapp bemessenen Schulzeit von vier Jahren, alle Kinder auf ein gleiches Ausgangsniveau zu führen. Kinder, deren Entwicklung sich verzögert und bestenfalls denen 4- Jähriger entspricht, haben hier das Nachsehen (vgl. Plötzgen, 2003: 149).

3. Was bedeutet AD(H)S im Unterricht?

Aufmerksamkeitsdefizit- (Hyperaktivität)- Störung bezeichnet ein auffälliges Verhalten hinsichtlich der Konzentration, Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbstregulation. Nach der internationalen Klassifikation von Krankheiten I nternational Classification of Diseases (ICD-10), der WHO (Weltgesundheitsorganisation) gehört AD(H)S zur Gruppe der Verhaltens- und emotionalen Störungen im Kindes- und Jugendalter. (Versorgungsatlas, 2015). Pro Jahr werden in Deutschland ca. 250.000 Kinder mit dieser Diagnose gezählt und gehört somit zu der am häufigsten diagnostizierten psychischen Störung im Kindes- und Jugendalter. (ebd.). 85 % der Betroffenen zeigen weitere Symptome, die als Komorbidität bezeichnet werden und sich in Teilleistungsstörungen, wie bspw. Lese-, Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche oder im Sozialverhalten äußert, wobei Jungen 3- 6 mal häufiger betroffen sind, als Mädchen (Saldern, 2013: 48f.). Die Auffälligkeiten können je nach Schweregrad variieren und reichen von hoch aktiven, lauten Kindern, denen das still sitzen schwer fällt, bis zu besonders ruhigen Kindern, die meist nur durch schlechte Noten auffallen. Im Unterricht werden die Kinder als störend empfunden, da sie die anderen Schüler vom lernen ablenken. Durch die geringe Konzentrationsfähigkeit sind diese teilweise langsamer, desinteressierter oder aber gelangweilter, als ,normale‘ Kinder, wodurch Lehrer und Erzieher an die Grenze der Belastbarkeit im Schulalltag gelangen (vgl. ebd.).

3. 1. Hilfe durch sonderpädagogischen Förderbedarf

Sind Kinder von schwerwiegenden, langanhaltenden Beeinträchtigungen im Lern- und Entwicklungsprozess betroffen, bspw. von seelischer Behinderung bedroht, oder betroffen, ist sonderpädagogischer Förderbedarf notwendig. Dieser umfasst die pädagogische Unterstützung, ohne die diese Schüler nicht ausreichend am Unterrichtsgeschehen teilnehmen können. Am 20. Oktober 2011 schuf die Kultusministerkonferenz mit der Empfehlung ,Inklusive Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Schulen’ die Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.

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Details

Seiten
10
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668568341
ISBN (Buch)
9783668568358
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v379300
Institution / Hochschule
CVJM-Kolleg Kassel
Note
2,3
Schlagworte
chancengleichheit bildungspolitik kindern jugendlichen förderbedarf jenaplan-schule

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Titel: Chancengleichheit in der Bildungspolitik bei Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf in der Jenaplan-Schule