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Bedeutung des Propheten für den Islamischen Religionsunterricht

Aufgaben und Ziele des Islamischen Religionsunterrichts

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Theologie - Islamische Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aufgaben und Ziele des Islamischen
Religionsunterrichts in Hessen

3. Die Erziehungs- und Lehrmethoden des
Propheten Muhammed
3.1 Die lehrenden Charaktereigenschaften Muhammeds
3.2 Die pädagogischen Anwendungen des
Propheten Muhammed

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

In der Geschichte sandte Gott den Menschen immer wieder Propheten, damit sie die Menschen an ihren Ursprung und ihre Verantwortung gegenüber Gott erinnern. Laut einer Überlieferung habe Gott ca. 124.000 Propheten beauftragt, um den Menschen seine Botschaft zu verkünden. Von Prophet Adam bis Muhammed haben alle dieselbe Nachricht übermittelt: Nur einzig und allein Gott anzubeten und ihm keine andere Gottheiten hinzuzugesellen (vgl. Gül, S. 8; ebd. S. 176). Jedoch hatten Propheten nicht nur die Funktion eines Boten inne, sondern waren auch beauftragt, selbst die religiösen Gebote zu praktizieren und ihr Volk zu erziehen und auszubilden. In ihrer Erziehungs- und Bildungsarbeit wandten sie verschiedene Methoden an, „die ihnen zu dieser Zeit geeignet schienen“ (Aygün 2014, S. 89). In diesem Sinne heißt es im Koran: „Gott hat den Gläubigen eine Wohltat erwiesen, als Er unter ihnen einen Gesandten aus ihrer Mitte hat erstehen lassen, der ihnen seine Zeichen verliest, sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt. Sie befanden sich ja vorher in einem offenkundigen Irrtum“ (Khoury 2007, 3:164).

In diesem Zusammenhang wird dem Propheten Muhammed eine besondere Bedeutung zugesprochen. Er gilt für Muslime als das „schönste Vorbild“ in allen Lebensbereichen (vgl. Khoury 2007, 33:21), auch im Bereich der Bildung und Erziehung. Denn ihm gelang es, eine Gesellschaft, „in der in vielerlei Hinsicht Chaos herrschte, wie z.B. in Fragen der Moral und Tugend“, zu einer zivilisierten und humanitären Gemeinschaft umzuerziehen (Aygün 2014, S. 90). Er vermittelte seinem Volk die göttliche Botschaft, lebte ihnen diese vor und bemühte sich, die alten Vorstellungen seiner Mitmenschen, die geprägt von Ungerechtigkeit sowie Unmoral waren und den islamischen Werten widersprachen, zu beseitigen. Sein Ziel sei es gewesen, die Menschen zu moralischer Tugend zu erziehen. In diesem Sinne soll er gesagt haben, dass er als Lehrer gesandt worden sei (vgl. Saglam 2002, S. 168).

Auf Grundlage der Erziehungs- und Lehrtätigkeit des Propheten Muhammed soll in dieser Arbeit die Bedeutung Muhammeds für den Islamischen Religionsunterricht thematisiert werden. In diesem Zusammenhang wird im ersten Teil der Arbeit der Frage nachgegangen, was die Aufgaben und Ziele des Islamischen Religionsunterrichts sind. Darauffolgend soll im zweiten Teil die Frage erarbeitet werden, inwiefern die Erziehungs-und Lehrmethoden des Propheten Muhammed dazu beitragen können, die Ziele des Islamischen Religionsunterrichts zu verwirklichen. Bei dieser Frage werde ich nicht nur auf die expliziten Erziehungs-und Lehrmethoden, sondern auch auf die impliziten Methoden (lehrende Charaktereigenschaften - siehe unten) zurückgreifen.

Schließlich sollen im Schlussteil die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst dargestellt werden.

2. Aufgaben und Ziele des Islamischen Religionsunterrichts in Hessen

Um zu erfahren, was die Aufgaben und Ziele des Islamischen Religionsunterrichts sind, ist es hilfreich, sich die Kerncurricula heranzuziehen. In diesen werden dargelegt, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt (z.B. am Ende der vierten Klasse) in einem bestimmten Unterrichtsfach erwerben sollen, sowie in welchem inhaltlichen Zusammenhang (Inhaltsfelder) diese Kompetenzen geschult werden sollen.

Für meine Ausarbeitung werde ich mich lediglich auf das Kerncurriculum Hessen für das Unterrichtsfach Islamische Religion (DITIB Hessen „Sunnitisch“) beziehen, da der Vergleich und die Synthese mehrerer Kerncurricula den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden.

Das Kerncurriculum Hessen für das Unterrichtsfach Islamische Religion ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil ist von „überfachlichen Kompetenzen“ die Rede, die in allen Unterrichtsfächern berücksichtigt und vermittelt werden sollen. Im zweiten Teil werden die dem Unterrichtsfach Islamische Religion spezifische Kompetenzen geschildert.

Zum Bereich der „überfachlichen Kompetenzen“ gehören: Personale Kompetenz, Sozialkompetenz, Lernkompetenz sowie Sprachkompetenz (vgl. Kerncurriculum Hessen für die Primarstufe, Islamische Religion DITIB Hessen (Sunnitisch), S. 8f).

Die Förderung der überfachlichen Kompetenzen könne nur durch die Zusammenarbeit aller Fächer gelingen. Deshalb sei es wichtig, „Fächergrenzen zu überwinden und unter Schwerpunktsetzungen die Kompetenzbereiche des Faches mit denen anderer Fächer zu vernetzen“ (ebd. S.16). Auf nähere Erläuterungen der überfachlichen Kompetenzen soll nicht eingegangen werden, da in dieser Arbeit die fachspezifischen Aufgaben im Vordergrund stehen sollen.

Zu den fachspezifischen Aufgaben des Islamischen Religionsunterrichts gehören die Kompetenzen „Wahrnehmen und Beschreiben“, „Verstehen und Deuten“, „Kommunizieren und Teilhaben“ und „Gestalten und Handeln“, die geschult werden sollen:

„Wahrnehmen und Beschreiben“ ist die Fähigkeit, religiöse Erscheinungen im Alltag wahrzunehmen und die Erfahrungen bzw. Emotionen, die in diesem Zusammenhang gemacht werden, beschreiben zu können.

Unter „Verstehen und Deuten“ sei die Fähigkeit verstanden, sich mit koranischen oder anderen religiösen Texten auseinanderzusetzen, sie zu verstehen und dazu Stellung nehmen zu können. Das erlernte religiöse Wissen kann auf die eigene Lebenswelt übertragen werden.

Die Kompetenz „Kommunizieren und Teilhaben“ bedeutet, mit anderen Schülerinnen und Schülern über religiöse Themen oder aber auch über Vorstellungen und Erwartungen sprechen zu können. Dabei zeigen sie Respekt und Verständnis für andere Mitschüler und ihren Überzeugungen. Zudem sind sie in der Lage, ihre Gefühle und Wünsche auf unterschiedliche religiöse Ausdrucksweisen (z.B. Gebet, Beten) zum Ausdruck zu bringen.

Der letzte Kompetenzbereich für den Islamischen Religionsbereich ist das „Gestalten und Handeln“. Sie beschreibt die Fähigkeit, die Glaubensinhalte in die Praxis umsetzen zu können und basierend auf das religiöse Verständnis, Verantwortung für das eigene Lebensumfeld und für die Mitmenschen bzw. -geschöpfen zu übernehmen. Die Lernenden unterstützen ein menschenfreundliches Miteinander und handeln solidarisch (vgl. ebd. S.15f).

Die oben beschriebenen Kompetenzen sollen im Zusammenhang folgender Inhalte erlernt werden: Mensch und Identität, Gott, Glaube und Inhalte, Koran und Sunna, Muhammed und andere Propheten, Religionen und interreligiöse Befähigung, Verantwortung des Menschen in der Welt. „Sie fokussieren die wesentlichen inhaltlichen Aspekte des Faches Islamische Religion“ (ebd. S.17).

- Mensch und Identität: Der Islamunterricht soll die Lernenden dabei unterstützen, ihre Fragen über den Sinn des Lebens, über das Universum und den Menschen zu klären. Bei der Sinn- und Identitätssuche werden der Koran und die Sunna (Gewohnheiten) des Propheten als Medium genutzt, die bei Suche nach Lösungen helfen sollen.
- Gott, Glaube und Handeln: Wer ist Gott? Wie kann er erfasst werden? Was sind die wesentlichen Glaubensinhalte des Islam und welche Pflichten werden den Muslimen auferlegt? Diese und weitere Fragen, die einen Gläubigen beschäftigen, sollen im Islamischen Religionsunterricht unter der Verwendung der Hauptquellen des Islam nachgegangen werden.
- Koran und Sunna: Die Schülerinnen und Schüler sollen im Unterricht erfahren, welche Bedeutung und Funktion der Koran und die Sunna im Leben der Muslime hat und wo diese sakralen Medien im Alltag der Muslime zur Geltung kommen. Dabei soll auf das Vorwissen der Kinder angeknüpft werden, die Erfahrungen mit diesen Medien gemacht haben. Darüber hinaus sollen die Kinder lernen, dass sie durch die Auseinandersetzung mit dem Koran sich Gott nähern können. Da der Prophet Muhammed den Koran vorgelebt hat und den Muslimen als ein nachzuahmendes schönes Vorbild gilt, wird im Islamunterricht der Sunna eine wesentliche Rolle beigemessen.
- Muhammed und andere Propheten: Im Unterricht sollen die Kinder erfahren, dass der Prophet Muhammed und alle anderen Propheten dieselbe Mission hatten, nämlich die Einheit Gottes zu verkünden und sich für das Gute einzusetzen und das Schlechte zu bekämpfen. Der Prophet Muhammed ist der letzte bzw. das Siegel der Propheten. Durch die Befassung mit Muhammed und den anderen Propheten soll den Lernenden bewusst werden, dass Propheten als Rechtleitung für das Leben dienen. Außerdem sollen die Kinder angeregt werden, darüber nachzudenken, welche Bedeutung die Propheten für das eigene Leben einnehmen.
- Religionen und interreligiöse Befähigung: Neben ihrer eigenen Religion sollen muslimische Kinder im Unterricht auch andere Religionen erkunden können - wie das Juden- und Christentum - um sie auf die Begegnung mit Andersgläubigen dialogfähig zu machen und sie auf ein friedvolles Miteinander vorzubereiten. Die Kinder sollen lernen, andere Kulturen, Lebensweisen und Religionen zu tolerieren und zu akzeptieren.
- Verantwortung des Menschen in der Welt: Im Unterricht sollen Schülerinnen und Schüler sich mit den Zeichen Gottes (ayat) – in der Natur sowie im Koran - befassen, damit sie die gesonderte Rolle des Menschen auf der Welt nachvollziehen: Er (Mensch) ist Stellvertreter Gottes auf Erden. Ihm wurde die Aufgabe auferlegt, Verantwortung für seine Umwelt und seine Mitmenschen zu übernehmen. Durch die Auseinandersetzung mit den Zeichen Gottes sollen die Kinder „die Bereitschaft entwickeln, sich für ein friedliches Miteinander einzusetzen“ und einen sensiblen Umgang mit ihrer Umwelt zu pflegen.

Neben der Wissens- und Kompetenzvermittlung (ta´lim) hat der Islamische Religionsunterricht die Aufgabe, die Kinder durch „tarbiya“ (Erziehung) und tad´dib (Wertebildung) „zu eigenverantwortlichem Umgang mit dem Glauben zu befähigen“ (ebd. S. 13). Sie sollen zu religionsmündigen Individuen erzogen werden.

Die didaktische Konzeption des Unterrichts erfolgt nach zweierlei Kriterien, das der Elementarisierung, welche sich auf theologisch wesentliche und für die Lebenswelt der Kinder bedeutsame Inhalte fokussiert, und das der Korrelation, die einen Zusammenhang zwischen Glaubensinhalten und eigenen Erfahrungen herzustellen versucht (vgl. ebd.).

Auf Grundlage dieser Leitideen und Ziele soll im Folgenden die Frage diskutiert werden, inwiefern die prophetischen Erziehungs- und Lehrmethoden dazu beitragen können, die Ziele des Islamischen Religionsunterrichts zu verwirklichen.

3. Die Erziehungs- und Lehrmethoden des Propheten Muhammed

Nach Aygün würden die Charaktereigenschaften des Propheten in seiner Erziehungs- und Bildungsarbeit eine entscheidende Rolle spielen (vgl. Aygün 2014, S. 93). Aus diesem Grund soll zunächst auf die lehrenden Charaktereigenschaften des Propheten eingegangen werden, bevor die expliziten Erziehungs- und Lehrmethoden dargestellt werden.

3.1 Die lehrenden Charaktereigenschaften Muhammeds

Die wesentlichen Charaktereigenschaften Muhammeds können unter fünf Überschriften zusammengefasst dargestellt werden (vgl. ebd. S.94-98f):

1. Barmherzigkeit, Nachsichtigkeit und Güte
2. Toleranz und Respekt gegenüber ahlu’l-kitab
3. Geduld
4. Bescheidenheit
5. Hoffnungsvolles Verhalten und Standhaftigkeit

Barmherzigkeit, Nachsichtigkeit und Güte

Bei der Erziehung und Bildung von Individuen ist es von großer Wichtigkeit, sich gegenüber ihnen warm bzw. gutherzig zu verhalten und sich ihnen mit Liebe anzunähern (vgl. Bayrakli 2008, S.156; Aygün, S.94). Wie einst der berühmte deutsche Schriftsteller Goethe sagte: „Man lernt nur von dem, den man liebt.“ (Isik 2015). Hartherzigkeit und Grobheit hingegen hindern den Erfolg in der Bildung. Deshalb heißt es auch im Koran in Bezug auf den Propheten: „Es ist um der Barmherzigkeit Gottes Willen, dass du ihnen gegenüber umgänglich warst. Wärst du grob und hartherzig gewesen, wären sie rings um dich fortgelaufen. So verzeihe ihnen und bitte für sie um Vergebung [...]“ (Khoury 2007, 3:159). Dieser Vers und zahlreiche andere Koranverse (z.B. ebd. 9:128; 16:125) berichten, dass Muhammed liebevoll und gütig mit seinen Mitmenschen umging. Es gibt Überlieferungen, in denen es heißt, dass der Prophet gar gegenüber seinen Feinden barmherzig war. Beispielsweise wird überliefert, dass Muhammed dem Auftragsmörder seines Onkels und der Frau, die dem Mörder den Auftrag gab, verzieh (vgl. Aygün 2014, S. 95).

Auf Grundlage des Korans empfahl der Prophet den Muslimen, ebenfalls anderen Menschen mit Liebe und Mitgefühl zu begegnen.

Toleranz und Respekt gegenüber ahlu’l-kitab

Im Koran gibt es zahlreiche Verse, in denen Juden und Christen als ahlu’l-kitab, also als Schriftbesitzer, bezeichnet werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Gott im Koran sagt, dass die Thora und das Evangelium wie der Koran göttlichen Ursprungs sind (vgl. Takim 2014, S.182). Laut Aygün könne diese Bezeichnung für Juden und Christen darauf zielen, „ein Gefühl der Wertschätzung bei ihnen zu wecken und zu entwickeln“ (vgl. Aygün 2014, S.96). Wie auch der Koran ging der Prophet mit den Schriftbesitzern wertschätzend und respektvoll um. Überlieferungen, in denen die Interaktionen des Propheten mit Juden und Christen beschrieben werden, bestätigen dies (vgl. ebd.).

Geduld

Nach Bayrakli sei die Geduld der Kern der prophetischen Moral und eine der bedeutsamsten Tugenden (vgl. Bayrakli 2008, S.196). Der Koran empfiehlt dem Propheten, in seiner Mission standhaft zu sein, trotz der großen Strapazen, die er während der Verkündigung der Botschaft Gottes erlebte. Insbesondere bei der Umerziehung der schlechten Gewohnheiten der Muslime war Geduld nötig. „Denn es ist keine leichte Aufgabe, die Leute von einigen für den Islam falschen Bräuchen, Überzeugungen, Werten und Lebensstilen abzubringen, die sie von Geburt an geprägt hatten und ihnen eine Identität gaben“ (Aygün 2014, S. 97). Trotzdem beteuert der Koran vielfach, geduldig zu sein, weil Ungeduld und Voreiligkeit zu Misserfolg und Schaden führen würden (vgl. Khoury 2007, 70:19). In diesem Sinne war die Geduld und die Standhaftigkeit des Propheten eine seiner wesentlichen Charaktereigenschaften.

Bescheidenheit

Der Koran lehrt den Propheten und die Muslime, dass die Bescheidenheit eine von Gott gewünschte Tugend sei, wohingegen Arroganz eine Eigenschaft des Teufels sei (vgl. Bayrakli 2008, S.191f). Deshalb warnt er die Gläubigen vor Hochmut und Arroganz, und empfiehlt ihnen bescheiden zu sein (vgl. Khoury 2007, 15:88; 17:37). Der Prophet, dessen Moral der Koran konstruierte, soll in Bezug auf Bescheidenheit gesagt haben: „Das Reichsein versteht sich nicht als der Besitz von vielen Gütern, vielmehr besteht das Reichsein aus der Tugend der Genügsamkeit, die sich der Mensch zu eigen macht“ (vgl. Aygün 2014, S. 98).

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Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668567184
ISBN (Buch)
9783668567191
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v379347
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
13,0
Schlagworte
Bedeutung Prophet Islam Religion Unterricht Schule Mohammed Gott Allah Muhammed Theologie

Autor

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