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Sozialwissenschaftliche Handlungstheorien und normabweichendes Verhalten

Seminararbeit 2004 21 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1 Norm
2.1.1 Definition
2.1.2 Zwei Arten von Normen
2.1.3 Charakteristika
2.2 Verhalten
2.2.1 Verhalten und Handeln
2.2.2 Determinationen des Verhaltens
2.3 Abweichung und Konformität

3. Versuche, normabweichendes Verhalten zu erklären 11
3.1 Zum Begriff abweichenden Verhaltens
3.2 Klassifizierung abweichenden Verhaltens
3.3 Ursachen abweichenden Verhaltens: Eine Handlungstheoretische Grundüberlegung
3.4 Auswirkungen abweichenden Verhaltens auf die Gesellschaft

4. Soziale Kontrolle, um abweichendes Verhalten zu vermeiden
4.1 Definition sozialer Kontrolle
4.2 Klassifikation sozialer Kontrolle
4.3 Problematik sozialer Kontrolle: soziale Kontrolle hat wenig Erfolg

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

‚Gesellschaft’ ist ein sehr wichtiger Begriff, der oft in der Soziologie verwendet wird. Im allgemeinen wird sie als ein Verband von Menschen oder auch von Tieren angesprochen. Aber wir sprechen häufig von ‚menschlicher Gesellschaft’ statt Gesellschaft, weil eine Betrachtung der Gesellschaft auf der Analyse menschlichen Verhaltens basieren muss. In Wirklichkeit ist unsere Gesellschaft so kompliziert wie „Netzwerke von Personen, die in ihrem Verhalten vielfältig miteinander verflochten sind und aufeinander einwirken.“ (Vanberg 1975, 42) Aber unsere Gesellschaft hat ihre Regeln. Dies sind die sog. Normen, an die sich alltägliches Verhalten von den Gesellschaftsmitgliedern orientieren. In Kapitel 2 werden einige wichtige Begriffe behandelt, bevor wir das zentrale Problem über normabweichendes Verhalten berühren.

In den USA gibt es einen weit verbreiteten Spruch „ Going through the red light is undoubtedly equal to trusting to chance.“ Wenn du rote Ampeln auf der Straße überfahren würdest, könntest du natürlich nicht dein Glück probieren, sondern ‚glücklich’ dich in Lebensgefahr begeben. Eben dies ist ein sog. normabweichendes Verhalten. Was ist Verhalten bzw. menschliches Verhalten eigentlich in der Soziologie? Wieso wird ein Verhalten als abweichend angesehen? In Kapitel 3 wird näher auf das normabweichende Verhalten eingegangen und die obengestellten Fragen beantwortet.

Meistens wird das abweichende Verhalten als negativ bezeichnet. Es könnten die Interessen von Gesellschaftsmitgliedern geschädigt werden, der sozialen Ordnungen in unserem Alltagsleben widersprechen und negative Wirkungen auf die Gesellschaft auslösen. Wir haben vielfältige Normen, formelle oder informelle, rechtliche oder nicht-rechtliche usw. Aber wie können diese Normen wirklich von allen Mitgliedern befolgt werden und so weit wie möglich funktionieren? Dies ist genau das Ziel von sozialen Kontrollen. In Kapitel 4 kommt es zur Erklärung der Grundlage sozialer Kontrolle und zur Diskussion über ihre Hauptprobleme. Schließlich wird eine Fazit als die Zusammenfassung angegeben.

2. Begriffsbestimmung

2.1 Norm

‚Norm’ ist ein häufig verwendeter Begriff in der Soziologie. Im Alltagsleben regeln die Normen, was man machen soll und was man nicht machen soll. Zum Beispiel haben die Fahrer die Verkehrsordnung, die die Regelungen erfasst, wie man sein Auto auf der Straße fahren muss. Und wir als Studenten in der Wirtschaftwissenschaftsfakultät an der Uni-Göttingen, haben ebenfalls die Prüfungsordnung, die unser Prüfungs- und Leistungssystem aufrechterhalten. Die Normen werden in unserer Gesellschaft als wichtig angesehen, da sie gewährleisten, dass der Mechanismus unserer Gesellschaft reibungslos verlaufen kann. „Without norms, it is hard to imagine how interaction and exchange between strangers could take place at all.” (Hechter/Opp 2001, Introduction xi) Haben wir keine Normen in einer komplexen Gesellschaft, ist es so wie ein Boot auf hoher See das führungslos segelt.

2.1.1 Definition

Bisher wird der Begriff der Norm nicht einheitlich erklärt und das wird auch weiterhin so sein. Das Problem liegt darin, dass die Soziologen bestimmte Vorstellungsinhalte mit dem Begriff der Norm verknüpfen. Nach Popitz und Gerger sind Normen als gesollte Verhaltensgleichförmigkeiten anzusehen, nach Parsons als Orientierung, nach Luhmann als kognitive und normative Verhaltenserwartungen, nach Interaktionstheoretiker als interpretierend, nach Gehlen und Claessens als feststellende lebenssichernde Handlungsanleitungen, usw.. (Haferkamp 1980, 22ff)

Durch die weitergehende Entwicklung kommt es zu einer im allgemeinen recht konsistent gebrauchten Erklärung zur Definition der Norm: „Normen werden vorläufig als Verhaltensforderungen für wiederkehrende Situationen definiert. Damit wird der Aspekt der Regelmäßigkeit mit in die Definition genommen, allerdings nur insofern, als ein bestimmtes Verhalten in wiederkehrenden Situationen regelmäßig gefordert wird. Ob das tatsächliche Verhalten die gleichen Regelmäßigkeiten aufweist, ist eine andere Frage.“ (Spittler 1967, 14)

2.1.2 Zwei Arten von Normen

Norm hat unterschiedliche Bedeutungen für verschiedene Wissenschaftler. Hier werden nur diese zweien Arten betrachtet, die aus einem relativ einfachen und deutlichen Aspekt hervorgehen. Zum einen ist es die sog. ‚Legal norm’. Diese Art der Normen treten normalerweise in Form von Gesetzen auf, die von bestimmten Personengruppen (auch Institutionen) durch einen speziellen Prozess mit einer präzisen Beschreibung formell präsentiert wird. Legal norm hat normalerweise eine sehr enge Verbindung mit einer institutionellen Sanktion und zwar ein wichtiges Merkmal ‚Gesetz’. Zum anderen wird die sog. ‚Social norm’ neben der Legal norm genannt. Im Gegensatz zu Legal norm ist die Abweichung der Social norm meistens nicht zwingend mit institutionellen Sanktionen, sondern mit internen Sanktionen (z.B. die Wahrnehmungen von Schuld oder Schamhaftigkeit usw.) oder mit anderen nicht institutionellen Sanktionen (z.B. Sie haben jemanden geschlagen und bei der sich daraus ergebenden Auseinandersetzung könnten sie sogar zu Tode kommen.) verbunden. Sie wird in den meisten Fällen informell und undeutlich ausgedrückt und an die soziale Erwartung der Mehrheit von den Gesellschaftsmitgliedern und an das Moralgesetz angepasst. (Hechter/Opp 2001, Introduction xi)

Die beiden Arten der Normen stehen nicht gegenüber sondern miteinander komplementär in einer Gesellschaft. Sie sollen es ermöglichen, dass sich alle menschliche Verhalten in einer Gesellschaft daran orientieren können. Sie sollen es ermöglichen, dass sich fast alle menschliche Verhalten in einer Gesellschaft daran orientieren können.

2.1.3 Charakteristika

a) Geltungsgrad, Wirkungsgrad und Sanktionsbereitschaft

Diese drei oben vorgestellten Elemente sind sehr nützlich für die Bewertung einer Norm. „Betrachten wir den Grad der Akzeptierung einer Norm von Normsetzer her, so sprechen wir vom Geltungsgrad“. (Lamnek 1999, 19) Wenn einen viel höheren (idealerweise 100%igen) Geltungsgrad eine Sozialnorm besitzt, dann ist es sinnvoll, diese Sozialnorm gesetzlich festzustellen. „Das Befolgen bzw. Nichtbefolgen der Verhaltensforderungen in Normen, kann durch den Begriff des Wirkungsgrades evtl. sogar quantitativ gefasst werden.“ (Lamnek 1999, 19) Ein 100%iger Wirkungsgrad von Normen, d.h. eine vollständige Befolgung der Norm durch die Normadressaten bedeutet eine perfekte Normkonstituierung unter einer Idealvorstellung, die nicht realisiert werden kann. Unter der Sanktionsbereitschaft verstehen wir die Wahrscheinlichkeit, ein normabweichendes Verhalten zu bestrafen.

Zwischen Geltungs- und Wirkungsgrad einer Norm sowie der Sanktionswahrscheinlichkeit für normabweichendes Verhalten besteht eine wechselseitige, jedoch nicht vollständige Abhängigkeit. Wenn z. B. die Sanktionsbereitschaft abnimmt, so werden schließlich in der Regel auch Geltungs- und Wirkungsgrad abnehmen, ein abnehmender Geltungsgrad wird Folgen für Wirkungsgrad und Sanktionsbereitschaft haben und die Sanktionsbereitschaft wird sich dem Wirkungsgrad anpassen, will der Normsender Unglaubwürdigkeit vermeiden. (Lamnek 1999, 22) Mit Hilfe der Normmatrix (Siehe Abb. 1) kann das wechselseitige Verhältnis zwischen Geltungsgrad und Wirkungsgrad einer Norm sowie der Sanktionswahrscheinlichkeit für normabweichendes Verhalten deutlicher werden.

Abbildung 1: Normmatrix

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

+ = hoher Grad - = geringer Grad

Quell: Siegfried Lamnek, 1999, Theorien abweichenden Verhaltens, S. 22, Wilhelm Fink Verlag München

b) Die interkulturelle Variabilität

Jedes Land hat eigene Sitten, die die Identität eines Landes kennzeichnet. Das Verbot des Schweinefleischessen von Muslims (in den arabischen Ländern) kann von jemand aus anderen Ländern nicht ganz verstanden werden. Eben aufgrund der Existenz verschiedener Kultur (inkl. Geschichte, Religion, Essen, usw.) bilden sich die jeweiligen kulturabhängige Normen und werden von der Mehrheit der Bezugspersonengruppe durchgesetzt. „Die kulturspezifische Möglichkeit der Normgestaltung lässt auch erkennen, dass es offensichtlich möglich ist, unterschiedliche Normen zu gleichen Sachverhalten befolgt, ohne dass dabei das soziale System, in dem die Normen gelten sollen, Schaden nimmt.“ (Lamnek 1999, 33) Mit Hilfe einer Tabelle (Siehe Tab.1) über die Bestrafung der bestimmten Arten sexuellen Verhaltens in verschiedenen Gesellschaften kann diese Aussage von Lamnek durch statistische Daten bestätigt werden.

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Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638371575
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37952
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,3
Schlagworte
Sozialwissenschaftliche Handlungstheorien Verhalten

Autor

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Titel: Sozialwissenschaftliche Handlungstheorien und normabweichendes Verhalten