Lade Inhalt...

Wie kann ein Unternehmen sich besser an der Work-Life-Balance orientieren?

Handlungsmöglichkeiten

Hausarbeit 2017 18 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Praktische Relevanz
Definition ÄWork-Life-Balance³

Handlungsmöglichkeiten von Unternehmen
Flexibilisierung von Arbeitszeiten
Arbeitsortflexibilisierung
Unterstützende Serviceleistungen
Gesundheitsförderung
Personalentwicklung
Führungs- und Unternehmenskultur

Kosten-Nutzen-Kalkulation

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Praktische Relevanz

Der Erfolgsdruck am Arbeitsplatz steigt. Durch den sozioökonomischen Wandel entstehen neue Anforderungen und Arbeitsformen, mit denen Beschäftige rechnen müssen (iga,2014). Laut Bertelsmann Stiftung (2017) ist die Arbeitsbelastung der Führungskräfte seit den 90er Jahren um die Hälfte gestiegen. Dieses Phänomen betraf einst die Führungsebene, doch mittlerweile sind Beschäftigte fast aller Arbeitsbereiche mit einer hohen Arbeitsbelastung konfrontiert.

Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer sind gezwungen, neue Technologien, die Globalisierung oder den wirtschaftlichen Strukturwandel mit in ihren Arbeitsalltag einzuplanen, um konkurrenzfähig zu bleiben. So müssen die Arbeitnehmer nun beispielsweise ein Leben lang lernfähig für neue Fortschritte sein oder sich mit Nacht- oder Schichtarbeit anfreunden. Diese Faktoren können die Qualität der Freizeit belasten. Beide Lebensbereiche drohen sich zu vermischen. Für den Unternehmenserfolg ist es allerdings von größter Bedeutung, dass die Mitarbeiter ihre volle Leistung zeigen. Dafür müssen die Unternehmen jedoch die Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigen. Durch die Work-Life-Balance kann eine Zufriedenheit auf beiden Seiten entstehen (iga, 2014; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2005; Hauser, Schubert & Aicher, 2008).

Laut Greenblatt (2002) haben sich nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Werte der Gesellschaft verändert. Individualität und Emanzipation haben zu strukturellen Veränderungen in Unternehmen geführt. Es entstanden neue Familienstrukturen. So hat beispielsweise die Erwerbstätigkeit der Frauen zugenommen. Dadurch entsteht ebenfalls ein zunehmendes Bedürfnis, die Lebensbereiche besser zu vereinbaren. Besonders bei jungen Arbeitnehmern habe die Individualität in der Lebensplanung zugenommen.

Dass die Work-Life-Balance immer nötiger wird, zeigt auch der Arbeitszeitreport aus dem Jahr 2016. Über die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten arbeitet demnach pro Woche zwei

Stunden länger als vertraglich vereinbart. Durchschnittlich sind es sogar fünf Überstunden. Laut ÄArbeitszeitreport 2016³ führen längere Arbeitszeiten zu Termin- und Leistungsdruck sowie zu gesundheitlichen Beschwerden, die sich in Form von Schlafstörungen oder Erschöpfung äußern können. Durch Belastungen dieser Art kann es unter Umständen zu einer geringeren Leistungsfähigkeit, erhöhter Fluktuation, Unzufriedenheit und Kündigungen kommen. Um dieser Richtung entgegenzuwirken, kann man Work-Life-Balance-Maßnahmen einsetzen (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2016).

Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Privat- und Erwerbsleben haben einen hohen Stellenwert erreicht. Laut ÄUnternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2016³ sehen auch Personalverantwortliche und Geschäftsführer diese Maßnahmen als wichtig an. Laut Umfrage innerhalb des Unternehmensmonitors geben 42 Prozent der Arbeitnehmer und 52 Prozent der Personalverantwortlichen an, dass die Führungskräfte ihres Unternehmens an Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit aktiv beteiligt sind (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2016). Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann als Teil der Work-Life- Balance gesehen werden.

Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Handlungsmöglichkeiten Unternehmen haben, eine bessere Work-Life-Balance zu garantieren. Außerdem wird diskutiert, ob sich diese Maßnahmen für die Unternehmen lohnen.

Definition ÄWork-Life-Balance³

Für den Begriff ÄWork-Life-Balance³ besteht keine einheitliche Definition. Man spricht von diesem Phänomen erst seit den 1990er Jahren in Wissenschaft und Wirtschaft (iga, 2014). Um ÄWork-Life-Balance³ oder auch das Verhältnis von Privat- und Erwerbsleben möglichst präzise zu beschreiben, werden mehrere Definitionen herangeführt.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2005) spricht außerdem nicht von einer ÄWork-Life-Balance³, sondern von einer ÄLife-Balance³. Denn die Unterscheidung von ÄWork³ und ÄLife³ würde implizieren, dass das Leben außerhalb der Arbeitszeit stattfinde. Schließlich finde Leben auch im Arbeitsgeschehen statt. Life-Balance sei die Äneue intelligente Verzahnung verschiedener Lebensbereiche vor dem Hintergrund einer veränderten und sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt³ (BMFSFJ, 2005). Diese Verzahnung wird durch die Einbeziehung von privaten, sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Aspekten erreicht (BMFSFJ, 2005).

Cassens (2006) definiert die Work-Life-Balance mit Hilfe eines Pentagramms. Dieses Pentagramm enthält fünf Bedürfnisse, die jeder Mensch hat. Diese sind: Beruf, Familie/Freunde/soziale Beziehungen, Gesundheit, Streben nach Anerkennung, Religion/Philosophie/Ideologie. Um eine Work-Life-Balance anzustreben, müssen alle Lebensbereiche im Einklang zueinanderstehen. Bei Vernachlässigung einer Komponente komme es zur Dysbalance im gesamten Netz. Dies würde eine geringere Leistungsfähigkeit nach sich ziehen.

Stock-Homburg und Bauer (2008) beschreiben die Work-Life-Balance ebenfalls als Maßnahme zur Ausgewogenheit zwischen Privat- und Erwerbsleben. Weiterhin sei eine Zufriedenheit mit der Erfüllung der einzelnen Lebensbereiche notwendig. Die Work-Life- Balance soll es ebenfalls möglich machen, Überlastungen zu vermeiden.

Handlungsmöglichkeiten von Unternehmen

Flexibilisierung von Arbeitszeiten

Flexible Arbeitszeiten können ein gutes Hilfsmittel sein, um Verpflichtungen im Privatleben nachkommen zu können und somit die Balance zu erhalten. Sie werden von den Arbeitnehmern wertgeschätzt (Ulich & Wiese, 2011). Flexible Arbeitszeiten sind so gestaltet, dass sie Ähinsichtlich Lage und Dauer der Arbeitszeit täglich, wöchentlich, monatlich oder anders von der sogenannten Normalarbeitszeit abweichen³ (Schneider, 2013). Es bestehen verschiedene Möglichkeiten der Flexibilisierung. Zum einen gibt es dynamische

Arbeitszeiten, die unter Jobsharing oder Teilzeitarbeit fallen. Zum anderen gibt es variable Arbeitszeiten, die Vertrauensarbeitszeiten sowie gleitende Arbeitszeiten vorsehen. Eine dritte Form der Flexibilisierung ist die verschobene Arbeitszeit. Hierzu zählen beispielsweise Arbeitszeitkonten oder Schichtarbeit (Schneider, 2013).

Bei der dynamischen Arbeitszeit kommt es zu einer Reduzierung der Arbeitsstunden. Im Rahmen von Teilzeitarbeit ist die Wochenarbeitszeit kürzer als bei Vollzeitbeschäftigten. Häufig spricht man auch von einer Halbtagsbeschäftigung. Ob die verkürzte Arbeitszeit auf alle Werktage gleichmäßig verteilt wird oder der Arbeitnehmer an wenigen Tagen Vollzeit arbeitet, kann individuell entschieden werden (Thiele, 2009). Besonders aus familiären Gründen hat diese Arbeitsform an Bedeutung gewonnen. So haben die Mitarbeiter Freiraum, sich um Kinder oder pflegedürftige Eltern zu sorgen.

Eine weitere Möglichkeit zur Erweiterung der Work-Life-Balance sind die variablen Arbeitszeiten. Hierzu gehört unter anderem das Gleitzeitmodell. Bei dieser Form kann der Arbeitnehmer selbst entscheiden, wann er seine Stunden ableisten möchte. Diese müssen jedoch teilweise in einem vorgegebenen Zeitblock liegen. Diese Zeit kann auch Kernarbeitszeit genannt werden (Blahopoulou, 2012). Private Belange können also berücksichtigt werden, ohne dass es zu Fehlzeiten kommt (Schneider, 2013).

Die verschobenen Arbeitszeiten beinhalten unter anderem Arbeitszeitkonten. Diese Konten halten die Differenz von vereinbarten Arbeitsstunden zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber und die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden fest. Ein Arbeitszeitkonto ist ein Hilfsmittel, um die Belastung der Arbeitnehmer zu erfassen. Es sorgt ebenfalls für eine gerechte Entlohnung. Es gibt Kurz- sowie Langzeitkonten. Kurzzeitkonten erfassen die jeweiligen Stunden innerhalb von einem Jahr. Alles darüber zählt zu Langzeitkonten. Diese können beispielsweise für einen früheren Eintritt in die Rente genutzt werden (Thiele, 2009; Schneider, 2013).

Arbeitsortflexibilisierung

Nicht nur die Zeit, sondern auch der Ort können während des Arbeitens flexibilisiert werden. Dies ermöglicht den Arbeitnehmern zum Beispiel auch, von zuhause zu arbeiten. Durch moderne Kommunikationsmittel wie das Internet oder Smartphones kann die Arbeit vom Büro losgelöst werden. Dies ist besonders für Arbeitnehmer mit familiären Verpflichtungen von Vorteil. Die Arbeit wird allerdings gemessen durch Ergebnisse. Die Arbeitszeit oder Anwesenheit sind somit für den Arbeitgeber nicht so relevant wie die Leistungen. Telearbeit verlangt von den Arbeitnehmern eine hohe Selbstorganisation (Schneider, 2013; Jung, 2008; Kruse, 2009).

Es gibt drei Formen der Telearbeit. Bei der heimbasierten Telearbeit nutzt der Arbeitnehmer alle technischen Hilfsmittel, die ihm zur Verfügung stehen, und ist gleichzeitig mit einem Telefonanschluss des jeweiligen Unternehmens ausgestattet. Die Arbeit findet zuhause statt. In der Regel wird diese Arbeitsform an nicht mehr als drei Tagen genutzt. An den anderen Werktagen ist der Arbeitnehmer vor Ort (Thiele, 2009).

Bei der mobilen Telearbeit kann der Arbeitnehmer auch unterwegs effizient arbeiten. Zum Beispiel kann die Arbeit vom Zug, aus dem Auto oder im Hotel erledigt werden (Thiele, 2009).

Es gibt außerdem centerbasierte Telearbeit. Diese Telecenter sind Betriebsaußenstellen ähnlich. Hier kann ebenfalls durch technische Mittel außerhalb der Unternehmenszentrale gearbeitet werden (Thiele, 2009).

Durch alle Formen der Telearbeit kommt es zu mehr Flexibilität und Freiraum in der Gestaltung des Alltags.

Unterstützende Serviceleistungen

Als unterstützende Serviceleistungen gelten Work-Life-Balance-Maßnahmen, die zum Beispiel Betreuungsangebote für Kinder vorsehen, Familienservices oder betriebseigene Altenpflege anbieten. Diese Leistungen sind gesetzlich nicht vorgeschrieben und können meist nur von Großbetrieben realisiert werden, da die Kosten für diese Serviceleistungen sehr hoch sind. Der Arbeitgeber zielt auf eine Entlastung im privaten Bereich ab, um das betriebliche Engagement zu steigern (iga, 2014).

Betrieblich organisierte Betreuungsangebote für Kinder der Mitarbeiter können nicht nur durch eigene Kindergärten realisiert werden. Die Unternehmen haben beispielsweise die Möglichkeit, mit verschiedenen Betreuungsdiensten oder Kindergärten zu kooperieren, um Belegplätze zu reservieren. Diese sind dann zwar nicht unbedingt in der Nähe des Arbeitsplatzes, aber ersparen den Unternehmen erhöhte Kosten für eine eigene Einrichtung. Durch die Unterstützung des Arbeitgebers können die Betreuungseinrichtungen den Kindern beispielsweise eine Ganztagsbetreuung mit Mittagessen bieten (Thiele, 2009).

Auch Familienservices wie Reinigungs- oder Bügelservices sowie Einkaufsservices sollen die Mitarbeiter entlasten, um sich vollkommen auf die Arbeit zu konzentrieren und das Commitment der Mitarbeiter zu steigern (Thiele, 2009).

Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung ist laut Höldke und Szych (2006) eine Maßnahme zur Stärkung der Gesundheitsressourcen und-potentiale. Die Erhaltung der Gesundheit am Arbeitsplatz kann sich positiv auf die Arbeitsmotivation und Effektivität der Mitarbeiter auswirken. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Unternehmen, Gesundheitsmanagement zu betreiben. Bevor sich Arbeitnehmer jedoch für eine Maßnahme entscheiden, ist es essentiell, die Arbeitsbedingungen genau zu analysieren, um an den richtigen Punkten anzusetzen. Bei einer solchen Analyse können zum Beispiel Mitarbeiter befragt werden.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668627376
ISBN (Buch)
9783668627383
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v379524
Note
Schlagworte
unternehmen work-life-balance handlungsmöglichkeiten

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Wie kann ein Unternehmen sich besser an der Work-Life-Balance orientieren?