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Literaturdidaktik am Beispiel von Miguel de Unamunos "Niebla"

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Didaktik - Spanisch

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Das Medium Literatur im Unterricht
2.1. Geschichte der Literaturdidaktik
2.2 Ziele der Literaturdidaktik
2.3. Ein Abriss wichtiger Ansätze im Literaturunterricht

3 Kriterien der Textauswahl und Handlungszusammenfassung

4 Lehrphasen
4.1. Vorbereitungs- und Einführungsphase
4.2. Erarbeitungsphase
4.3. Analyse, Interpretation und Reflexion
4.4. Textüberschreitende Auseinandersetzung

5 Fazit

6 Bibliographie

Literatur

Internet

1 Einführung

Die Literaturdidaktik ist im Rahmen des kompetenzorientierten Unterrichts eine wesentliche Methode um eine Fremdsprache anhand von ausgewählten literarischen Texten angemessen zu vermitteln. Durch das Heranführen an literarisch bedeutsame Werke einer Sprache und Kultur und der kritischen Auseinandersetzung mit komplexen Texten soll den Schüler in seiner Persönlichkeitsentwicklung entscheidet beeinflusst werden.

Das literarische Lesen unterscheidet sich vom Lesen von Sachtexten, wie z.B. Zeitungsartikeln, und stellt gerade in einer Fremdsprache für den Lernenden oft einen erhöhten Schwierigkeitsgrad dar. Im Gegensatz zu Sachtexten, dessen Intention es ist, Informationen zu vermitteln, zeichnen sich literarische Werke durch Merkmale wie Selbstreferenzialität und Fiktionalität aus.[1] Somit muss sich der Unterricht in Bezug auf die Herangehensweise und Erarbeitung von literarischen Texten vom Umgang mit Sachtexten auch methodisch unterscheiden.

Die vorliegende Hausarbeit wird musterartig die Analyse eines literarischen Textes im Rahmen des spanischen Fremdsprachenunterrichts vorschlagen, wobei als konkreter Unterrichtsstoff der Roman Niebla von Miguel de Unamuno aus dem Jahre 1914 ausgewählt wurde.

Eine Übersicht der Geschichte der Literaturdidaktik soll ein Einstieg in die Thematik sein. Im nächsten Schritt sollen die Ziele und Aufgaben der Literaturdidaktik anhand der Kompetenzorientierung sowie eine kurze Übersicht verschiedener Ansätze, die man beim Literaturunterricht benutzen oder auch kombinieren kann, aufgezeigt werden. Danach folgen eine Handlungszusammenfassung der Werkes Niebla von Miguel de Unamuno und Kriterien zur Textauswahl für den Literaturunterricht. Im Hauptteil werden die verschiedenen Lehrphasen der Unterrichtseinheit auf der Basis der klassischen analytischen Methode der Literaturdidaktik erläutert. So wird der Lernende in einer Einführungsphase noch vor dem Lesen mit der Thematik des Buches vertraut gemacht. In der zweiten Phase, der Erarbeitungsphase, sollen Funktion, Inhalt und Form des literarischen Textes durch verschiedene Methoden erarbeitet und gegebenenfalls präsentiert werden. Die dritte Phase sieht die Analyse und Interpretation des literarischen Textes vor. Phase vier ist zur weiteren Reflexion gedacht und soll den Schüler dazu befähigen das Gelernte in anderen Kontexten anwenden zu können.

2 Das Medium Literatur im Unterricht

2.1. Geschichte der Literaturdidaktik

Die Einführung des institutionalisierten Literaturunterrichts als solcher wie wir ihn heutzutage kennen geschah erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Doch schon zuvor hatte die Literatur als Medium ihren Einzug im Schulleben gehalten. Das Schulspiel zum Beispiel war eine Methode, die im 17. Jahrhundert bekannt wurde. Hierbei handelte es sich um Dramen, die vereinzelt von Lehrern geschrieben und von deren Schülern aufgeführt wurden. Obwohl die Hauptintention dabei die Vermittlung religiöser Lehren war, so hatte Literatur auch schon damals den grundsätzlichen Nutzen inne, den Schülern auf indirekte Weise Werte und Weltansichten einer Gesellschaft aufzuzeigen. In der Epoche der Aufklärung entstanden moralische Kurzgeschichten, die als beispielhafte Erzählungen im Unterricht benutzt wurden. Das Ziel war dabei die Schüler durch das Darstellen von Tugenden und Lastern zum selbstständigen Nachdenken anzuregen, sodass sie auf die Welt der Erwachsenen vorbereiten wurden und gleichzeitig ihr moralisches Empfinden weiterentwickeln konnten. Auf diese Weise wurde Literatur zum ersten Mal als Gegenstand im Unterricht etabliert. Die Zeit nach Beginn des 19. Jahrhundert wurde von dem neuen Bildungsideal der Preußischen Reformen geprägt. Demzufolge war es der Auftrag der Schule „ihre Schüler zu selbstständigen Menschen mit vielfältigen Interessen [zu] erziehen.“[2] Im Zuge dessen wurde die bildende Kraft von Sprache und Literatur anerkannt und somit zum maßgeblichen Bestandteil des muttersprachlichen Unterrichts. Trotz dieses neuen Bewusstseins für Literatur als Medium für den Unterricht und die Zunahme ihrer Bedeutsamkeit für die persönliche Entwicklung der Schüler, gab es weder während der Zeit des deutschen Kaiserreich (1871-1918) noch in der Weimarer Republik (1918-33) genug Entwicklungsraum dafür. Vor allem während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde der Deutschunterricht, der nun als Propagandainstrument benutzt wurde, vollkommen politisiert. Die wenigen Werke, die gelesen werden konnten, waren ideologisch stark geprägt und wurden zur Verbreitung des nationalsozialistischen Gedankentums benutzt. Die Vermittlung der Fähigkeit sich mit etwas kritisch auseinanderzusetzen und zu hinterfragen wurde dabei möglichst umgangen. Nach 1945 entwickelten sich folgende fünf literaturdidaktischen Strömungen, die bis zum heutigen Tage von Bedeutung sind. Darunter fällt die 'Lebenshilfe-Didaktik', welche basierend auf dem sinnstiftenden Nutzen der Literatur konzipiert wurde. Durch die Vermittlung von humanen Werten soll dem Menschen eine Art Lebenshilfe geboten werden. Im Weiteren gibt es die Sachstruktur-orientierte Didaktik, die vorrangig darauf abzielt den Unterricht durch Klassifizierung von Literatur in Gattungen und Epochen zu strukturieren. Dieses Begriffsinstrumentarium soll es dem Schüler erleichtern literarische Texte gattungs- und epochenorientiert zu erschließen. Die Rufe nach einer Erziehung der Schüler, die zu einer verstärkten Kritikfähigkeit führen soll, wurde im Rahmen der 1968er Bewegung lauter. Hierbei wurden Konzeptionen entwickelt, die einen ideologiekritischen Umgang mit Literatur bedeuteten wodurch wiederum der angenommene ideologische Gehalt von Literatur entlarvt werden sollte. Die Identitätsorientierte Didaktik wurde durch den Literaturdidaktiker Jürgen Kreft in den 1970er Jahren vertreten. Krefts Ansicht nach, sei Literatur „ein für die Gewinnung und Bewahrung von Identität, für Ich-Entwicklung unentbehrliches Medium […], weil in ihr Bedürfnisse entdeckt und im Horizont gesellschaftlicher Normativität interpretiert werden“ können.[3] Zuletzt ist noch die Rezeptionsorientierte Didaktik zu erwähnen. Diese stützt sich vor allem auf die rezeptionsästhetische Theorie von Wolfgang Iser, laut welcher Rezipienten sogenannte 'Leerstellen' in literarischen Werken mit Hilfe ihres persönlichen Weltwissens interpretierend füllen müssen. Dies wird im Unterricht dadurch erreicht, dass Schüler Texte um – oder weiterschreiben sowie etwa durch Inszenierungen und Standbilder handeln mit ihnen umgehen sollen. Außerdem wird bei dieser didaktischen Richtung vermehrt der Blick auf die individuellen Lernwege der Schüler gerichtet und stets versucht jedem Kind die gleichen Chancen zu verschaffen.[4]

2.2 Ziele der Literaturdidaktik

Der Einsatz von literarischen Texten im Unterricht ist in den Bildungsplänen der einzelnen Länder im Bereich „Kulturelle Kompetenzen“ fest verankert. Neben der Kulturellen Kompetenz stehen bei der didaktischen Begründung des Lesens von literarischen Texten grundsätzlich die Aspekte der Lesemotivation und die Verbesserung der literarischen Kompetenz im Vordergrund. Hierbei soll dem Kulturpessimismus „ Das Lesen stirbt “ entgegengewirkt und das Wissen über die Kunstform „Literatur“ auch in der Fremdsprache erweitert werden. Das Literarische Lesen bietet zudem verschiedene Möglichkeiten an, die Methodenkompetenzen der Schüler in Bezug auf Lern- und Arbeitstechniken zu verbessern, da sie eine Vielzahl von Sprech- und Schreibanlässen in der Fremdsprache anbieten wodurch Kommunikative Fertigkeiten, insbesondere das Leseverstehen, gefördert werden können.

Für den Lernenden stellt sich der Umstieg von Lehrbuchtexten auf literarische Texte oftmals frustrierend dar. Lehrbuchtexte nehmen auf den Wissenstand des Lernenden Rücksicht und vermitteln zugleich den Eindruck, dass jedes einzelne Wort verstanden werden muss. Literarische Texte hingegen sind nicht passgenau auf den Sprachstand der Lernenden zugeschnitten und erfordern somit eine neue Art des Lesens, bei der nicht das Verstehen von Einzelwörtern, sondern das Aufnehmen von Sinneinheiten im Vordergrund stehen soll. Es müssen somit beim Lernenden Erschließungsmechanismen, die beim Lesen in der Muttersprache schon automatisiert sind, auch in der Fremdsprache geübt werden. Hierbei hängt es vom sogenannten „Vorwissen (Weltwissen, Strategiewissen, Wissen über spezifische Textmerkmale etc. )“[5] des Lernenden ab wie schnell und bis zu welchem Grad er literarische Texte verstehen kann. Auch neue, authentische Redeanlässe liefern literarische Texte im Gegensatz zu Sachtexten vermehrt, da Literatur in ihrem Wesen oftmals bedeutungsoffen ist und sich ihr Sinn erst aus dem Dialog zwischen den Lesern ergibt.

Das literarische Lesen fördert ein breites Spektrum an Teilkompetenzen, die sich in spezifische literarische Kompetenzen sowie interkulturelle Kompetenzen einteilen lassen. So werden rezeptive kognitiv-analytische Kompetenzen, wie zum Beispiel das Erkennen von Gattungs- und Genremuster zusammen mit Gestaltungsmittel geschult und zudem eine Fiktionalitätskompetenz beim Lernenden entwickelt. Auch produktive kognitiv-analytische und imaginative Fähigkeiten können durch analysierendes bzw. interpretierendes Schreiben, kreatives Arbeiten und literarischen Rezeptionsgesprächen gefördert werden. Zudem verbessert der Lernende seine affektiven und attitudinalen Kompetenzen, indem er durch das Hineinversetzen in literarischen Figuren eine Empathiefähigkeit entwickelt und lernt, zu moralischen Konflikten Stellung zu nehmen. Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass das übergeordnete Ziel der Literaturdidaktik es ist, das Zusammenspiel von Kognition und Emotion im Rezeptionsprozess zu schulen.

2.3. Ein Abriss wichtiger Ansätze im Literaturunterricht

Neben der klassische Methode der analytischen Literaturbehandlung, der in dieser Arbeit unter Punkt 4 ausführlicher zur Sprache kommt, haben sich über die Zeit weitere beachtenswerte Ansätze in der Literaturdidaktik etabliert. An dieser Stelle werden in Kürze die Wichtigsten unter ihnen vorgestellt und erklärt.

Beim Strategiebetonte Ansatz liegt der Schwerpunkt auf dem Lesen als Grundvoraussetzung für das Arbeiten mit literarischen Texten. Das Aneignen von verschiedene Lesestrategien soll dem Schüler den Zugang zum Text erleichtern und seine Lesemotivation steigern. Dem Lernenden muss bewusst gemacht werden, dass es vielmehr darum geht, den Sinn eines Textes zu verstehen anstatt an der Übersetzung eben jener zu verzweifeln. Auf Augenhöhe mit dem Analytischen Ansatz steht mittlerweile der Kreative Ansatz. Dieser ist in den Rahmenrichtlinien des Literaturunterrichts sowie in den Abiturvorschriften mittlerweile fest verankert ist. Hierbei geht es um eine vorrangig schülerorientierte – und aktivierende Unterrichtsgestaltung, was heißen soll, dass der Text dem Lernenden auf einer konkreteren Ebene anstatt der komplexen Metaebene (das Sprechen „über“ den Text“) nahegebracht wird. Der Schüler kann sich beim kreativen Arbeiten mehr mit der Gefühlswelt einzelner Charaktere auseinandersetzen und entwickelt dadurch ein besseres Verständnis für das Handlungsgeschehen. Der Unterrichtsoffene Ansatz zielt hauptsächlich auf das selbstständige Lesen und Arbeiten der Schüler ab. Die Unterrichtsaktivität wird dabei nicht mehr nur von der Lehrperson gesteuert, sondern wird individuell von jedem Schüler geplant. Es gibt hierbei verschiedenen Ideen zur Realisierung dieses Ansatzes, zum Beispiel in Form einer „Lektürewerkstatt“ bei der der Schüler sich für eine Lektüre entscheidet, diese anhand verschiedener Aufgaben selbstständig bearbeitet und sie zum Schluss im Plenum vorstellt. Unter dem Interkulturellen Ansatz versteht man die Förderung der interkulturellen Kompetenz durch die Bewusstmachung von Unterschiede und Gemeinsamkeiten anderer Kulturen. Dies ist durch die Lektüre fremdsprachlicher Texte in einem interessanten Rahmen durchzuführen und ein absolutes Muss für den fremdsprachlichen Unterricht. Der Perspektivenwechsel ermöglicht dem Schüler eine neue Sichtweise auf seine eigene sowie auch auf die Kultur der Zielsprache und ist in einer Welt wie der unseren, die von Globalisierung geprägt ist, eine Kompetenz, die den Schüler in zukünftigen Lebenssituationen hilfreich sein wird. Der Projektorientierte Ansatz ist eine „Art von Unterricht, die sich am wirklichen Leben orientiert“[6] und ist geprägt von der freien Entscheidungsgewalt der Schüler, d.h. die Schüler können sich für ein Thema entscheiden, dass sie interessiert und dieses dann aus eigener Motivation heraus bearbeiten. Dadurch soll die Fähigkeit des selbständigen und kooperativen Arbeitens gefördert werden. Zuletzt gibt es noch den Interpretatorischen Ansatz der auf szenischer Interpretation basiert. Durch das Nachempfinden der Emotionen einzelner Charaktere sowie das Nachspielen der Situationen im Text soll die Annäherung an den literarischen Text vereinfacht werden.

[...]


[1] Grünewald, Andreas/ Küster, Lutz (Hrsg.): Fachdidaktik Spanisch, Stuttgart: Klett (2009), S. 151.

[2] Leubner, Martin / Saupe,Anja/ Richter,Matthias: Literaturdidaktik, 2., aktualisierte Aufl., Berlin: Akademie Verlag (2002), S. 17.

[3] Laubner/Saupe/Richter: Literaturdidaktik, S. 21.

[4] Ebd. S. 15 – 21.

[5] Grünewald/ Küster: Fachdidaktik Spanisch, S. 151.

[6] Sommerfeldt, Kathrin: Spanisch Methodik. Handbuch für die Sekundarstufe 1 und 2, Berlin: Cornelsen (2011), S. 167.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668564633
ISBN (Buch)
9783668564640
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v379607
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Romanisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Miguel Unamuno Niebla Spanisch Fachdidaktik Literaturdidaktik

Autor

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