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Die Frau als Subjekt oder Objekt ihrer Schwangerschaft?

Hausarbeit 2016 16 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Subjektivierung

3. Die innere Seite
3.1. Der Körper – Was ist eine Schwangerschaft?
3.2. Emotionalität – Wie nehme ich mich selbst als Subjekt war?

4. Die äußeren Einflüsse
4.1. Der rechtliche Aspekt – Was darf und was muss die Schwangere?
4.2. Die Gesellschaft – Was soll die Schwangere?

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Inspiriert zur Wahl dieses Themas hat mich meine eigene Schwangerschaft. Am 20. September 2016 soll mein erstes Kind zur Welt kommen.

In dieser Hausarbeit soll es nicht um die Frage gehen, ob und wann sich eine Frau oder eine Familie für Kinder entscheidet und was die Gesellschaft dazu zu sagen hat, wie Frauen ihr Leben und ihre Karriere gestalten, sondern lediglich um die Frage, wie es sich darstellt, wenn man mit einem anderen Lebewesen um seinen Körper konkurriert. 'Wird die Frau zu einem Objekt ihrer Schwangerschaft oder kann sie sich als Subjekt frei entfalten?' ist meine Fragestellung.

Im Laufe des Seminars 'Theorien der Subjektivierung' ging es um verschiedene Lebens-bereiche. Eigene Erfahrungen haben mir gezeigt, dass sich die Problematiken, die wir im Seminar besprochen haben, auch in einer Schwangerschaft beobachten lassen.

Wahrgenommen habe ich körperliche, ethische, rechtliche, emotionale und gesellschaft-liche Aspekte. Diese gliedere ich in zwei Gruppen, die ich die innere Seite und die äußere Seite nenne. Der körperliche und emotionale Aspekt sind Punkte, die die Frau subjektiv wahrnimmt und der rechtliche und gesellschaftliche Aspekt eher äußere Einflüsse auf sie.

Die körperliche Situation ist am klarsten, zu definieren. Frau teilt sich selbst 38 Wochen mit einem anderen Lebewesen. Das Gefühlt bewohnt zu werden, so habe ich es teilweise wahrgenommen, ist dabei nicht immer angenehm. Ich habe die Symptome der Schwangerschaft zu Beginn oft eher ähnlich zu einer Krankheit empfunden als zu dem Wunder des wachsenden Lebens in mir. Im späteren Verlauf der Schwangerschaft erschreckte mich der nun wahrnehmbare Fremdkörper zunehmend, bis ich mich langsam daran gewöhnt hatte. Nahe daran liegt die emotionale Seite, denn ich habe sehr intensiv gemerkt, dass ich bewohnt werde und habe mit meinem ungeborenen Kind auch negative Erfahrungen gemacht. Ein romantisches Bewusstsein dafür, dass frau bald Mutter wird entwickelt sich trotz oder durch den emotionalen Konflikt und meiner Meinung nach auch nicht ohne.

Die innere Wahrnehmung meiner Schwangerschaft stellte mich vor weitere Fragen. Welche Rechte hat das ungeborene Kind und welche Pflichten hat die Schwangere ihm gegenüber. Wem gehört der Körper, in dem, etwas dramatisch ausgedrückt, zwei Seelen wohnen. Die Frage ist nun auch rechtlich interessant. Sie wird hier auch ethisch und theologisch interessant, aber darauf werde ich nicht eingehen. Das würde weitere Fragestellungen eröffnen, die ich an dieser Stelle nicht beantworten kann. Ich möchte in der Hausarbeit eher klären, ob die Schwangere selbstbestimmt ist und nicht, ob sie es überhaupt sein sollte. Aus meiner Perspektive setze ich den Willen und das Recht auf Selbstbestimmtheit einfach voraus.

Der gesellschaftliche Aspekt ist besonders vielseitig und omnipräsent. Allein die Tatsache, dass über ein negatives Empfinden der Schwangerschaft wenig gesprochen wird und dass alle sehr emotional geladene Meinungen dazu haben, wie Schwangere sich zu verhalten haben, zeigt das meiner Meinung nach sehr deutlich. Unter den gesellschaftlichen Aspekt fällt sicherlich auch das Konsumverhalten unserer Gesellschaft, das in der Schwanger-schaft auch sehr wichtig wird. Ich konnte beobachten, dass viele das Einkaufen für das Baby als Ersatz für die emotionale Vorbereitung auf die Elternschaft sehen.

Meine Schilderungen mögen im Laufe dieser Arbeit etwas negativ klingen. Das liegt daran, dass ich die konfliktgeladene Seite der Schwangerschaft beschreiben möchte und nicht die romantische, die es natürlich auch gibt. Ich würde schätzen, dass ich eine sehr normale, weitestgehend schöne Schwangerschaft erlebt habe, auch wenn das an manchen Stellen nicht so klingen mag.

Wie weit die äußeren Einflüsse auf die Schwangere reichen und wer von welcher Seite im Konkurrenzkampf um den Körper der Mutter mehr Bedeutung zugemessen bekommt, möchte ich in dieser Hausarbeit darstellen, um so meine Fragestellung 'Wird die Frau zu einem Objekt ihrer Schwangerschaft oder kann sie sich als Subjekt frei entfalten?' zu beantworten. Dazu beginne ich mit der Definition des Begriffs Subjektivierung und erläutere die innere Seite der Schwangerschaft. Anhand dieser Basis erläutere ich dann die verschiedenen Bereiche, die auf die schwangere Frau Einfluss nehmen. Mein Ziel ist es, zu versuchen, eine strukturelle Darstellung der Gegebenheiten zu schaffen, um abschließend sagen, zu können, in wie weit frau in der Schwangerschaft selbstbestimmt handeln kann.

2. Subjektivierung

Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Herangehensweisen an das Verständnis des Subjekts oder Individuums. Die poststrukturalistische Denkweise geht davon aus, dass wir keine souveränen Wesen sind, sondern von außen unbemerkt beeinflusst und gesteuert werden, beispielsweise durch ökonomische, gesellschaftliche, geistige, politische oder triebhafte Mächte. Heutzutage versucht man das Verständnis des sich-selbstbestimmende Individuums wiederzubeleben und dabei Historizität und Gesellschaftsgebundenheit miteinzubeziehen. (Alkmeyer 2013: 9)

Althusser sieht das Subjekt als gemacht und unterworfen und baut damit auf Foucault auf. Wenn man nach dem Subjekt fragt, so geht es also nicht nur um Bewusstseinsstrukturen und Selbstverständnis, sondern immer auch um Macht. Dabei konstituiert die Ideologie scheinbar freie Subjekte. Die Frage nach dem Subjekt spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab und ist ein mehrdimensionaler Prozess. Foucault und auch Butler erkennen hier äußere wie auch innere Faktoren. (Saar 2013: 19- 22, 24)

Diese Konstellation finde ich auch in der Schwangerschaft wieder. Es besteht ein großer Einfluss von außen, der allerdings in einer wechselseitigen Beziehung zu meiner Selbstwahrnehmung steht. Die Dimensionen sind sehr vielseitig. Allerdings unterscheidet sich die Schwangerschaft zusätzlich durch ihren temporären Aspekt.

Butler betont auch die Bedeutung des Körpers für die Frage nach dem Subjekt. Das Subjekt erscheint immer verkörperlicht, also sichtbar. (Saar 2013: 24) Für das Thema der Schwangerschaft ist die Bedeutung des Körpers auch in sehr konkreter Hinsicht nicht wegzudenken.

Im Textauszug von Alkmeyer geht man noch etwas weiter und beschreibt sehr aktuelle Phänomene der Frage nach der Subjektivierung.

„Mit der teils praktisch vollzogenen, teils aber auch nur proklamierten Gestaltveränderung des (ver-)sorgenden zu einem aktivierenden Sozialstaat sind Forderungen nach Mobilität und Flexibilität, nach Eigentätigkeit, Selbststeuerung und Selbstjustierung zu politischen Steuerungsformeln individueller Selbst- normalisierung geworden.“ (Alkmeyer 2013: 11)

In diesem Zitat erkenne ich, dass die sich in vielen Bereichen vollzogene Entwicklung zum gezwungen selbstständigen Individuum in der Schwangerschaft noch nicht recht angekommen ist. Hier liegt uns mehr eine Ambivalenz aus Bevormundung und Selbstbestimmtheit vor, anstatt einer paradoxen Bevormundung zur Selbstbestimmtheit. Diese Entwicklung erkenne ich eher in der Familienplanung generell und leicht in dem Versuch die Schwangerschaft selbst, einigen Plänen zu unterwerfen. (Siehe Punkt 4.2.)

Inzwischen hat sich ein Markt mit Angeboten entwickelt, dem Selbstbild des sich ständig optimierenden Menschen zu genügen. Es gibt vermehrt Angebote zur Selbstgestaltung und Selbstverbesserung. Zentrum davon ist der Körper. (Alkmeyer 2013: 13)

Auch hier wird wieder die Bedeutung des Körpers betont, was es auch für die Schwangerschaft relevant macht. Wobei eine Schwangerschaft kein Alltag ist und der Zwang zur Selbstoptimierung in der Schwangerschaft zwar existiert, aber absolut kein Konsens über das Ziel und die Methode herrscht. So hat zwar jeder Außenstehende eine Meinung dazu, ob die Schwangere den Aufzug oder die Treppen nehmen sollte, aber diese ist immer anders. Ernährung und Sport sind kontroverse Themen.

Alkmeyer stellt fest, dass Menschen in ihrem Alltag inzwischen mit der Herausforderung konfrontiert sind, innerhalb dieser Bedingungen handlungsfähig zu bleiben. (Alkmeyer 2013: 13) Genau diese Herausforderung sehe ich in der Schwangerschaft.

3. Die innere Seite

Zu Beginn möchte ich mich der Selbstwahrnehmung in der Schwangerschaft widmen, bevor ich auf äußere Einflüsse eingehe.

3.1. Der Körper – Was ist eine Schwangerschaft?

Eine Schwangerschaft dauert von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 38 Wochen und wird in Trimester unterteilt. Sie stellt einen körperlichen Ausnahmezustand dar, in dem das Baby in der Gebärmutter der Mutter heranwächst. Um die Gegebenheiten dafür zu schaffen, sind starke körperliche Veränderungen nötig.

Ab der 5. SSW, also 2 Wochen nach der Befruchtung, beginnt das Herz des Babys zu schlagen. Im ersten Trimester verändert sich der Körper der Schwangeren enorm. Infolgedessen können Übelkeit und Müdigkeit auftreten.

Zu Beginn des zweiten Trimester sind alle Organe des Babys ausgebildet und Beschwerden lassen in der Regel nach. Zwischen der 16. und 22. SSW kann die Schwangere das Baby zum ersten Mal spüren. Ich habe das am Anfang nur ganz leicht wahrgenommen. So als hätte ich einen lebendigen kleinen Fisch verschluckt.

Im dritten Trimester füllt das Baby die Gebärmutter voll aus und Kindsbewegungen sind stark spürbar. Manche Schwangeren können nicht mehr gut schlafen. (Höfer 2013: 8-9)

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Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668581494
ISBN (Buch)
9783668581500
Dateigröße
660 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v382669
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0

Autor

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