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Globales Dorf oder Digital Divide

Hausarbeit 2004 32 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Herbert Marshall McLuhan
2.1 Das Medium ist die Botschaft
2.2 Heiße und kalte Medien
2.3 Das Kino
2.4 Das Fernsehen
2.5 Der Computer
2.6 Das globale Dorf
2.7 Resümee

3 Digital Divide
3.1 Abgrenzung des Begriffs Digital Divide
3.2 Die Wissenskluft-Hypothese
3.3 Digital Divide regional und global
3.4 Zugangsbarrieren zum globalen Dorf
3.5 Initiativen gegen den Digital Divide

4 McLuhans’ globales Dorf und der Digital Divide

5 Fazit

6 Literaturquellen

1 Einleitung

The global village ist ein zentrales Werk des kanadischen Medienwissen-schaftlers Herbert Marshall McLuhan. McLuhan beschreibt, wie Medien in unserer Kultur einen Einfluss ausüben. The global village stellt sich den heute aktuellen Fragen wie: Wie beeinflussen die technologischen Entwicklungen die kulturelle und politisch-ökonomische Entwicklung der Gesellschaften, und nach welchen Regeln setzen sich technologische Innovationen in der Gesellschaft und bei den Nutzern durch?

McLuhan sagte 1976 bereits voraus, dass an die Stelle der bürgerlichen Öffentlichkeit eine neue Form von Geborgenheit treten wird, der elektro-nische Mythos: Geborgenheit durch Teilnahme am digitalen Schein. Doch ist die Realität anders. Nicht jeder kann an dieser Geborgenheit teilhaben, nicht jeder kann diese elektronischen Medien nutzen, aus unter-schiedlichen Gründen. Dieses Problem wird als Digital Divide bezeichnet.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich zum einen mit den Werken von Herbert Marshall McLuhan und seinen zentralen Thesen zu Medien und Gesell-schaft. Dazu wird im folgenden Kapitel zunächst seine Biographie dargestellt. Anschließend werden seine zentralen Thesen angeführt und kurz diskutiert. Zum anderen stellt diese Hausarbeit einen Bezug zum Phänomen des Digital Divide her. Im dritten Kapitel wird dazu der Begriff zunächst genauer definiert und ein Bezug zur Wissensklufthypothese hergestellt. Das Digital Divide nicht nur ein regionales, sondern ein globales Phänomen ist, welche Zugangsbarrieren zum Internet bestehen und welche Initiativen gegen den Digital Divide existieren ist Thema der folgenden Gliederungsunterpunkte. In Kapitel vier wird zusammenfassend McLuhans Metapher des globalen Dorfes dem Digital Divide gegenüber-gestellt. Abschließend wird in Kapitel fünf ein Fazit gezogen.

Im Rahmen einer Hausarbeit können nicht alle Aspekte in einem, dem Thema Marshall McLuhan und Digital Divide, angemessenen Umfang dargestellt werden. Die Hausarbeit soll für den Leser eine kurze Einführung in das Thema darstellen.

2 Herbert Marshall McLuhan

Herbert Marshall McLuhan wurde 1911 in Edmonton (Kanada) geboren. Er studierte Literaturwissenschaften an den Universitäten von Manitoba und Cambridge, an der er bis 1944 auch dozierte. Nach einer zweijährigen Dozentur am Asssumption College in Windsor, Ontario, begann er 1946 die Lehrtätigkeit am St. Michaels College der University of Toronto, die bis 1979 andauerte. 1952 wurde er hier zum Professor ernannt.

1953 -55 war er Chairman des Ford Foundation Seminar on Culture and Communication, 1953-59 Associate Editor der von Edmund S. Carpenter herausgegebenen Zeitschrift "Explo-rations". 1959-60 war er Leiter des "Project of Understanding New Media for National Association of Educational

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Broadcasters in den USA", und 1963-79 leitete er an der Universität von Toronto ein neues "Centre for Culture and Technology". Er gab Gastvorlesungen an einer Reihe nordamerikanischer und kanadischer Universitäten. Ehrengraduierungen verliehen ihm die Universitäten in Windsor und Manitoba, die Simon Frazer University und die University of Grinell, Iowa, die Niagara University und die Fordham University in New York, das St. John Fisher College, die University of Alberta, die University of Western Ontario und die University of Detroit. 1964 wurde er Mitglied der Royal Society of Canada. 1970 erhielt er in England den Institute of Public Relations Presidents Award, 1971 die Goldmedaille des Präsidenten der Italienischen Republik. 1973 wurde er Ratgeber für soziale Kommunikation beim Vatikan. Marshall McLuhan starb 1980 im Schlaf.[1] ;[2]

Bereits sein erstes Buch von 1951, "Die mechanische Braut", setzte sich nicht mit klassischer Literatur auseinander, sondern mit Zeitschriften und Printmedien, und 1953 war er Mitbegründer der Zeitschrift "Explorations" zum Thema Kommunikation und Neue Medien. Seine Kollegen reagierten zunächst mit Befremdung und nannten ihn einen "Pop-Soziologen". Die Hauptwerke seiner Auseinandersetzung mit der Welt der Medien sind die "Gutenberg-Galaxy" von 1962, "Understanding Media" und "War and Peace in the Global Village", das 1967 erschien.

Sein letztes Werk verfasste er gemeinsam mit Bruce R. Powers, der dieses Werk vollendete: "The Global Village". Auf Englisch erschien es 1989, auf Deutsch sogar erst 1995. Hier spielen schließlich die Neuen Medien im heutigen Sinne, die in den vorangegangenen Werken noch nicht konkret beschrieben werden konnten, eine zentrale Rolle. McLuhans bekannteste Schrift ist „Understanding Media“[3], 1964 in Toronto veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung heißt „Die Magischen Kanäle“. McLuhans bekanntesten Thesen/Untersuchungen lauten:

- Das Medium ist die Botschaft
- heiße und kalte Medien
- Das Kino
- Das Fernsehen
- Der Computer
- Das globale Dorf

2.1 Das Medium ist die Botschaft

Unter dem Begriff Medium versteht McLuhan jede Art von Artefakten, wie z.B. Schrift, Geld, Kleidung oder elektrisches Licht. Für ihn sind diese Artefakte als Ausweitung unserer eigenen Person, unseres menschlichen Körpers und Sinne im Raum, zu verstehen, durch die uns neue Dimensionen von Zeit und Raum zugänglich werden. Die Botschaft hingegen ist die Summe aller Auswirkungen, mit denen ein Medium die Situation der Menschen von der Sinneswahrnehmung über die Psyche bis hin zum sozialen Zusammenleben verändert.

Es geht hierbei nicht um den Inhalt, den ein Medium transportiert, sondern um die Form und Beschaffenheit, auf welche Art und Weise ein Medium Wirkung und Veränderungen erzielt.[4] Der Inhalt eines Mediums ist dabei wiederum ein weiteres Medium. Zum Beispiel der Inhalt der Sprache ist der Denkvorgang, der Inhalt der Schrift die Sprache, und die Schrift ist wiederum Inhalt des Buches, oder auch der Roman ist der Inhalt des Films.[5]

Hierbei bringt McLuhan das Beispiel der Eisenbahn, die das Leben der Menschen veränderte, indem sie Distanzen verkleinerte und den Trans-port beschleunigte. Dabei geht es nicht darum, was die Eisenbahn trans-portierte, sondern um die Tatsache, dass sie überhaupt das Ausmaß früherer Funktionen vergrößerte.[6] Das heisst, die gestaltende Kraft der Medien sind die Medien selber, die zudem Einfluss auf die Verfassung unserer Sinne ausüben, da wir sie als Ausweitung unseres eigenen Körpers benutzen. Jede neue Technik ruft ein neues Verhaltensmuster im Wechselspiel der Sinne hervor, wodurch die Art und Weise der Wahr-nehmung bestimmt wird und dadurch die Medien festlegen können, wie gesehen, gehört und gefühlt wird.[7]

2.2 Heiße und kalte Medien

McLuhan unterscheidet zwischen zwei Arten von Medien:

Heiße Medien bieten dem Betrachter viele Daten und Einzelheiten an, wodurch sie eine große detailreiche Informationsmenge darstellen. Sie fokussieren die Sinnlichkeit auf einen Sinn und fordern wenig Beteiligung des Rezipienten. Wie zum Beispiel die Schrift, das phonetische Alphabet, das Buch, die Fotografie oder auch das Radio. Heiße Medien haben für McLuhan einen großen Einfluss auf den Menschen und dessen sinnliche Wahrnehmung.

Kalte Medien sind dagegen detailarm, bieten wenig optisches Informationsmaterial und fordern dadurch eine hohe persönliche Beteiligung durch den Betrachter, um die Medien zu nutzen und zu begreifen. Das heißt, das Publikum sieht sich ständig der Situation ausgesetzt das Bild zu vervollständigen. Als Beispiel nennt McLuhan das Telefon, die Karikatur, das Fernsehen, hieroglyphische Schriftzeichen.[8]

Ein Medium ist jedoch nicht einfach nur kalt oder heiß, sondern steht immer wieder im Verhältnis zu einem anderen Medium.[9]

2.3 Das Kino

McLuhan sieht das Kino sowohl als Erweiterung des Buchdrucks als auch der Fotografie, die beide als kühle Medien definiert sind.[10] Durch die Aneinanderreihung von einzelnen detaillierten Bildern findet eine Abbildung von Bewegung des wirklichen Lebens statt. Durch die Gewohnheit der linearen Folgen (Vorbildung Buch) und der daraus entstehenden Fantasieerlebnisse, besteht eine enge Beziehung zwischen der Meterware Film und dem Buch. Dem Betrachter fällt es leicht sich der Illusion und der Traumwelt des Filmes hinzugeben. Der Zuschauer sitzt genauso psychologisch gesehen isoliert vor der Leinwand, wie der Leser vor seinem Buch.

Als Speichermedium hat der Film die Möglichkeit im Gegensatz zum Buch eine große Menge an Informationen zu speichern, die leicht zugänglich sind. McLuhans Meinung nach wird der Film vom Fernsehen amputiert.[11]

2.4 Das Fernsehen

Im Gegensatz zum Film ist das Fernsehbild datenarm. McLuhan erklärt die Wirkung des Fernsehens anhand der Oberflächenbeschaffenheit des Bildschirms. Durch Durchlicht (im Kino ist es die Aufsicht) wird das Bild dem Zuschauer direkt auf die Netzhaut projiziert, so dass sich dadurch eher ein plastisches Profil des Bildsymbols entwickelt als bei der einfachen Abbildung. McLuhan erklärt, dass den Betrachter des Fernsehens pro Sekunde 3 Millionen Punkte gleichzeitig antreffen, und dieser nur ein Dutzend aufnehmen kann, um sich ein Bild zu machen. Dieses Machennetz, auch Fernsehmosaik genannt, regt sämtliche Multisensoren, also ein Wechselspiel der Sinne an, was auch als Taktilität bezeichnet wird. Nicht nur die Augen werden angesprochen, sondern gleich der ganze Körper, eine persönliche Beteiligung wird gefordert.

Das Radio ist eine Erweiterung des Ohres, das Fernsehen eine Erweiterung des gesamten Tastsinns, da durch die Mosaikform die ganze Tiefenperson angesprochen wird. Dadurch kommt das persönliche Erfasstsein zu stande und es entsteht eine Art Bildfenstermethode, die das Außen als Innen zeigt. Nach McLuhans Meinung ist durch das Fernsehen eine Vorliebe entstanden, in denen sich der Betrachter nach Erfahrungen sehnt, die seine gesamte Person ansprechen und die von ihm eine Rolle oder auch Engagement fordern in der neuen Form der Gemeinschaft. Das Fernsehen bedarf einer aktiven Teilnahme des Betrachters und gehört zu den kalten Medien.[12]

[...]


[1] Vgl. http://www.mcluhan.utoronto.ca/mcluhanprojekt/biographieindex.htm

[2] Vgl. http://www.mcluhan.utoronto.ca/mcluhanprojekt/lebenslaufindex.htm

[3] Vgl.: McLuhan (1964): Understanding media.

[4] Vgl. dazu jenes Beispiel der Axt als Machtsymbol der australischen Eingeborenen

[5] Vgl. McLuhan (1995): Understanding media. Die magischen Kanäle. S.22

[6] Vgl. McLuhan (1995): Understanding media. Die magischen Kanäle. S.23

[7] Vgl. http://www.mcluhan.utoronto.ca/mcluhanprojekt/message.htm

[8] Vgl. McLuhan: (1995). Understanding media. Die magischen Kanäle. S.44-61

[9] Vgl. McLuhan: (1995). Understanding media. Die magischen Kanäle. S.50

[10] Vgl. McLuhan: (1995). Understanding media. Die magischen Kanäle. S. 432

[11] Vgl. McLuhan: (1995). Understanding media. Die magischen Kanäle. S.431-449

[12] Vgl. McLuhan: (1995). Understanding media. Die magischen Kanäle. S.446-508

Details

Seiten
32
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638373876
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38271
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Globales Dorf Digital Divide Mediensoziologie

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