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Entschulung der Gesellschaft

Seminararbeit 2000 9 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Warum wir die Schule abschaffen müssen
2.2 Fertigkeiten
2.3 Bildung

3. Schluss

Literaturangaben

1. Einleitung

Ivan Illichs Werk „Die Entschulung der Gesellschaft“ wurde erstmals 1970 in Amerika, unter dem Titel „Deschooling Society“, veröffentlicht. In Deutschland erschien es 1972. In seinem Buch stellt Illich, wie der Titel schon sagt, zahlreiche radikale Thesen auf, die man heute im Kontext der Entstehungszeit sehen muss.

Die vorliegende Arbeit hat die Zusammenfassung der zentralen Aussagen zum Inhalt. In einem kurzen Schluss soll gezeigt werden, in wie weit Illichs Werk auch heute noch aktuell ist.

2. Hauptteil

2.1 Warum wir die Schule abschaffen müssen

Ivan Illich übt in „Entschulung der Gesellschaft“ Kritik an der Institutionalisierung von Werten. Diese Kritik kann durchaus auf die heutigen Verhältnisse übertragen werden, da sich bis heute keine „Entinstitutionalisierung“ in den von ihm genannten Bereichen eingestellt hat. Er geht davon aus, dass beispielsweise ärztliche Behandlung irrigerweise mit Gesundheit verwechselt wird, Polizeischutz für Geborgenheit gehalten wird und Sozialarbeit als Verbesserung des Gemeinschaftslebens angesehen wird. Die Institutionalisierung von Werten führt, seiner Meinung nach, zur Verbreitung der falschen Annahme, dass eine Verbesserung dieser nur dann erreicht werden kann, wenn den entsprechenden Institutionen ständig mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Immaterielle Bedürfnisse wie z.B. die Gesundheit werden dadurch in Waren verwandelt, sie werden als das Ergebnis von Dienstleistungen betrachtet.

In seinem Buch will Illich „[...] die allgemeine Frage nach dem gegenseitigen Verhältnis von menschlicher Natur und dem Wesen der modernen Institutionen stellen, das unser Weltbild und unsere Sprache bestimmt.“(18)[1] Um das zu tun, hat er die Schule als Beispiel gewählt.

Anhand seiner Untersuchung des Schulwesens soll verdeutlicht werden, dass das öffentliche Bildungswesen aus der Entschulung der Gesellschaft ebenso Nutzen ziehen würde wie z.B. auch die Politik und das Familienleben. Es bedarf also nicht nur das Bildungswesen, sondern die Gesellschaft insgesamt der „Entschulung“.

Ivan Illich geht davon aus, dass die Armen, die schon immer ohne gesellschaftliche Macht waren, durch die zunehmende Angewiesenheit auf institutionelle Fürsorge, immer hilfloser werden. So sind sie u.a. meist schon durch fehlende Schulbildung benachteiligt. Diese „modernisierte Armut verbindet den Mangel an Macht über die Verhältnisse mit einem Verlust an persönlicher Durchschlagkraft.“ (20) Als Beispiel nennt der Autor die Großstädte der USA, in denen die Armut mit sehr großem finanziellen Aufwand „behandelt“ wird, wodurch ein hohes Maß an Abhängigkeit, Frustration, Zorn und zusätzlicher Nachfrage erzeugt wird. Die alleinige „Behandlung“ mit Dollars ist völlig unzureichend, weshalb Illich die institutionelle Revolution fordert.

Auch Hilfsprogramme für das Schulwesen, die allein auf finanzieller Unterstützung basieren, sind sinnlos. Als Beispiel wird ein Versuch an amerikanischen Schulen in den Jahren 1965 bis 1968 genannt, bei dem die Benachteiligung von ca. sechs Millionen Kindern durch eine Aufwendung von drei Milliarden Dollar ausgeglichen werden sollte. Obwohl es sich zu dieser Zeit um das kostspieligste kompensatorische Programm, das jemals in einem staatlichen Bildungswesen durchgeführt wurde, handelte, konnte man an den Lernergebnissen der „benachteiligten“ Kinder keine nennenswerte Verbesserung entdecken. Illich schließt daraus, dass drei Milliarden Dollar nicht ausreichen, um die Leistung von sechs Millionen Kindern zu verbessern, dass das Geld unverständig ausgegeben wurde, und dass Bildungsnachteile sich niemals abstellen lassen, wenn man sich auf die Erziehung in der Schule verlässt. Selbst wenn reiche und arme Kinder gleiche Schulen besuchen und im gleichen Alter anfangen, fehlen den armen Kindern, seiner Meinung nach, die meisten Bildungsmöglichkeiten, die dem Kind aus besseren Verhältnissen ganz selbstverständlich zur Verfügung stehen. Zu diesen Bildungsmöglichkeiten gehören z.B. Gespräche im Elternhaus, Bücher, aber auch Ferienreisen, durch die das reichere Kind ein ganz anderes Selbstwertgefühl bekommt. Da diese Vorteile sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule gelten, wird der ärmere Schüler immer zurückbleiben, solange er für sein Wissen und sein Weiterkommen auf die Schule angewiesen ist.

Diese Bedingungen gelten, laut Illich, in reichen ebenso wie auch in armen Nationen, doch treten sie anders in Erscheinung. Er stellt fest, dass an die unbedingte Notwendigkeit der allgemeinen Schulbildung vor allem in den Ländern fest geglaubt wird, in denen die wenigsten Menschen bisher in den Genuss der Schule gekommen sind und kommen werden, so wie es beispielsweise in Lateinamerika der Fall ist. Die Gleichheit, die durch den pflichtmäßigen Schulbesuch für die Armen erreicht werden soll, wird jedoch weder in Nord- noch in Lateinamerika erlangt. Überall führt das Vorhandensein von Schulen dazu, dass die Menschen sich nicht mehr zutrauen, ihr Lernen selbst in die Hand zu nehmen. „Überall auf der Welt hat die Schule auf die Gesellschaft eine bildungsfeindliche Wirkung: Die Schule gilt als die auf Bildung spezialisierte Institution. Das Versagen der Schule wird von den meisten Leuten als Beweis dafür angesehen, dass Bildung eine sehr kostspielige, sehr schwierige, immer geheimnisvolle und nahezu unlösbare Aufgabe sei.

Das Geld, die Menschen und die Bereitschaft, die für Bildungszwecke verfügbar sind, eignet sich die Schule an und hindert zudem noch andere Institutionen daran, pädagogische Aufgaben zu übernehmen. Weil Schulbildung als Voraussetzung für Lebensgewohnheiten und Wissen gilt, hängen Arbeit, Freizeit, Politik, städtisches Leben und sogar Familienleben von den Schulen ab, anstatt selber zu Mitteln der Erziehung zu werden.“ (26)

Ivan Illich vergleicht das Bildungssystem mit dem Kastensystem, da die Länder, seiner Meinung nach, wie Kasten nach ihrem Bildungsrang eingeteilt werden, der davon abhängt, wie viele Jahre ihre Bürger durchschnittlicht auf der Schule verbracht haben.

Er gibt an, dass die Kosten der Schulen auf der ganzen Welt schneller gestiegen sind als die Schülerzahlen und auch als das Bruttosozialprodukt. Die Tatsache, dass die finanziellen Aufwendungen trotzdem überall hinter den Erwartungen der Lehrer, Eltern und Schüler zurückbleiben, führt zu einer großen Behinderung der Lernmotivation. In den Vereinigten Staaten sieht Illich ein Beispiel dafür, „dass kein Land reich genug sein kann, um sich ein Schulsystem zu leisten, das den Anforderungen genügt die eben dieses Schulsystem durch sein bloßes Vorhandensein hervorruft.“ (28) Der Versuch gleiche Schulbildung für alle zu erreichen ist, laut Illich, wirtschaftlich absurd. Er führt zur gesellschaftlichen Polarisierung und zerstört die Glaubwürdigkeit des politischen Systems. Aus diesen Gründen plädiert er für eine verfassungsmäßige Aufhebung des Schulmonopols. Der Staat soll keine Gesetze über die Errichtung eines Bildungssystems mehr erlassen. Damit müsste gleichzeitig auch abgeschafft werden, dass z.B. für die Zulassung von Bildungseinrichtungen Nachweise über den Besuch von lehrplanmäßigem Unterricht erbracht werden müssen. Fragen nach dem lernmäßigen Werdegang eines Menschen sollen genauso unzulässig werden, wie Fragen nach seiner politischen oder religiösen Einstellung. Illich fordert Gesetze, die die Diskriminierung aufgrund früheren Schulbesuches verbieten.

[...]


[1] Seitenangaben in Klammern zitiert nach: Ivan Illich: Entschulung der Gesellschaft. München, 1972.

Details

Seiten
9
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638123662
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3828
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Schule und Gesellschaft

Autor

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Titel: Entschulung der Gesellschaft