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"Das verteufelte Geschlecht" von Christoph Kucklick. Welche Rolle nimmt die Wahrnehmung des Geschlechts in unserem modernen Zeitalter ein?

Anerkennung und Subversion. Ambivalenzen der Gender und Queer Studies

Essay 2014 7 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Der Kampf um das Geschlecht – Ein Essay

Vor meiner Teilnahme an dem Seminar „Anerkennung und Subversion. Ambivalenzen der Gender und Queer Studies“ an der Universität zu Köln war ich neugierig zu erfahren, was man sich unter dem Titel des Kurses vorstellen kann. Geschlechterverhältnisse – um die Problematik waghalsig erst einmal nur mit diesem einen Wort zu umschlagen – waren für mich vermeintlich klar. Und doch standen für mich seit längerem subtil Fragen bezüglich gesellschaftlicher Phänomene im Raum, die mich dazu bewegt haben diesen Kurs zu belegen und die zum Teil auch durch die Diskussionen in jenem beantwortet werden konnten.

Im Verlauf des Seminars, stellte ich mir wiederholt die Frage, mit welchem Anspruch die jeweiligen Themen überhaupt diskutiert werden, im Kurs selbst, wie auch in den Texten oder gar im Alltag. Wie kommen solch breitgefächerte Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Geschlechts zu Stande und mit welchem Hintergrund äußern sich Menschen zu den Themen, die mit Gender und Queer Studies einhergehen? Gibt es überhaupt eine schlussfolgernde Lehre oder eine Lösung bezüglich einer Genderproblematik, die man aus den Diskussionen ziehen kann? Es scheint manchmal ein Dilemma zu sein.

Im Folgenden möchte ich mich auf den Text „Das verteufelte Geschlecht“ von Christoph Kucklick beziehen, da er sich am radikalsten auf konkrete politische und wirtschaftliche Probleme der heutigen Gesellschaft bezieht, die er mit dem Topos des Geschlechts in Verbindung bringt. Humorvoll und doch provokativ schildert er seine Beobachtungen, wobei er sich nicht scheut seine Subjektivität ganz klar mit gewissen Formulierungen zu betonen. Dies macht seinen Text für mich sympathisch und bringt mich zudem zum Schmunzeln, da er mit seiner beabsichtigt „nicht-objektiven“ Ausdrucksweise an manchen Stellen meiner Auffassung nach stärkt, dass wir alle nur Menschen sind, denen eine Weltformel, die das Geschehen in seiner Gesamtheit erklären würde, noch fehlt.

Meine Frage, warum solche Diskurse bezüglich der Geschlechterverhältnisse überhaupt in der Welt zu Stande kommen, illustriert dieser Text meiner Ansicht nach ganz gut. Um auf den Punkt zu kommen: Was ist überhaupt das Problem? Die Antwort auf diese Frage scheint hier zu sein, dass die Geschlechter – wenn wir überhaupt davon ausgehen, dass das Geschlecht existiert – sich in ihren Verhaltensweisen immer wieder bezüglich ihres Geschlechts wahrnehmen und interpretieren, und zwar in einer Art und Weise, dass es zu massiven Meinungsverschiedenheiten kommt, die geäußert werden, um mehr „Licht“ in das Ganze zu bringen. Aber mal eben dazwischengefragt: Macht ein Mensch dies und jenes, weil er diesem und jenem Geschlecht zugehört? Oder um sich außerhalb des Texts von Kucklick zu bewegen, weil er beispielsweise hetero-, homo-, bi- oder transsexuell ist?

Mir persönlich ist aufgefallen, dass Menschen generell dazu neigen andere Menschen in Kategorien zu betrachten bzw. ihrem Handeln kategoriale Merkmale überzuordnen, um somit einen Sachverhalt leichter zu verstehen oder auch um beispielsweise eine neue Bekanntschaft besser einschätzen zu können. Dies ist von größter Bedeutung, um zu verstehen, warum Kucklick viele Stereotype zitiert und kritisiert. So bringt er abermals Textstellen von führenden oder auch intellektuellen Persönlichkeiten, die beinhalten, dass Frauen oder auch Männer aufgrund ihres Geschlechts etwas Besseres oder Schlechteres darstellen sollen: „Wir Frauen sind einfach pragmatischer. Männer fürchten eher, in Konflikten ihr Gesicht zu verlieren. Das ist weniger ein Frauenthema. Wir nehmen uns selbst nicht so wichtig“ (nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft)[1]. Oder „Das männliche Gehirn ist so >verdrahtet<, dass es überwiegend auf das Begreifen und den Aufbau von Systemen ausgerichtet ist“ (Oxforder Psychiater Simon Baron-Cohen)[2]. Ich persönlich genieße diese Art von Zitate mit Vorsicht, da eventuell doch die eine oder andere Verhaltensweise geschlechtsspezifisch sein könnte. Interessant ist jedoch, und da stimme ich Kucklick zu, dass das Geschlecht hauptsächlich sozialisiert wird. Also durch das jeweilige Umfeld eines Individuums sei das Bewusstsein von einer Geschlechtszugehörigkeit immer anerzogen und geschärft worden.

[...]


[1] zit. nach Kucklick, Christoph; Zeit Online: Das verteufelte Geschlecht; http://www.zeit.de/2012/16/DOS- Maenner/seite-7 (22.03.2014)

[2] Ebd.

Details

Seiten
7
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668607804
Dateigröße
790 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v382999
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2
Schlagworte
Gender Queer Essay Homo Soziologie Anerkennung Ambivalenzen Subversion Geschlecht Gerechtigkeit Politik Wirtschaft Kamp Stereotype Vorurteile Sexualität Fazit Kucklick Resüme Zusammenfassung Mann Frau Krieg Liebe Frieden Fortpflanzung Erziehung Aneignung

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Titel: "Das verteufelte Geschlecht" von Christoph Kucklick. Welche Rolle nimmt die Wahrnehmung des Geschlechts in unserem modernen Zeitalter ein?