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Relevanz von ehrenamtlicher Arbeit bei der Finanzierung von Rock/Pop Musikfestivals in der heutigen Erlebnisgesellschaft (in Deutschland)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 29 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Erlebnisgesellschaft
2.1. Erlebe Dein Leben!
2.2. Freizeit ist gleich freie Zeit
2.3. Lebensstiltypen und Milieus

3. MusikFestivals
3.1. Entwicklung der Branche
3.2. Arten / Angebote
3.3. Bedeutung für Gesellschaft und Wirtschaft
3.4. Bedeutung für den Staat

4. Finanzierung von MusikFestivals
4.1. Begriffsabgrenzung: Finanzierung - Kulturfinanzierung
4.2. Arten der Kulturfinanzierung
4.2.1. Umsatzerlöse des Veranstalters
4.2.2. Mitgliedsbeiträge von Fördervereinen und Vereinen
4.2.3. Fundraising und Einzelspenden
4.2.4. Kultursponsoring
4.2.5. Mäzene, Stiftungen
4.2.6. Öffentliche Mittel
4.3. Ehrenamt und Freiwilligenarbeit
4.4. Finanzierung von einem Festival

5. Empirische Studie: Motivation und Anerkennung von Freiwilligen und Ehrenämtern. Studiensubjekte: Helfer des „Beispiel Festivals“
5.1. Ziele und Methodische Vorgehensweise
5.2. Ergebnisse
5.3. Diskussion

6. Ausblick

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Wir leben in einer Spaß- und Erlebnisgesellschaft in der sich die Subjekte selbst verwirklichen wollen. Der Kulturmarkt und die Unterhaltungsindustrie, also ein großer Teil des Dienstleistungssektors bieten diese Möglichkeiten etwas zu erleben. Sei es in Form von Veranstaltungen, Ausstellungen, Fun-, Tier- oder Erholungsparks, die man besucht. Oder aber in denen man beruflich oder ehrenamtlich mitwirkt, als Organisator oder als Freiwilligenhelfer.

Untersucht wird hier am Beispiel von MusikFestivals die Wichtigkeit von ehrenamtlichen Helfern bei der Finanzierung von kulturellen Einrichtungen. Gerade heutzutage, wo die öffentlichen Kassen immer leerer werden, steht das Überleben vieler Veranstaltungen auf dem Spiel. Andere Finanzierungsmöglichkeiten müssen gefunden und genutzt und die Kosten müssen klein gehalten werden. Dabei spielen die Personen, die ohne Vergütung arbeiten, eine sehr große Rolle. Die Frage ist, warum sich diese Menschen unter diesen Bedingungen engagieren. Die Behauptung des Verfassers lautet, dass sie es aus Spaß an der Sache selbst machen. Sie tun es nicht nur, um der Gesellschaft etwas Gutes zu tun, sondern weil sie sich mit dem Projekt identifizieren. Aber wie lange werden sie das tun? So lange sie zufrieden sind!

Die Frage stellt sich, braucht ein Mensch Anerkennung um zufrieden zu sein?

Um diese Behauptung zu untersuchen, wird im ersten Teil die Erlebnisgesellschaft genauer betrachtet. Dann werden Festivals allgemein beleuchtet um danach auf die Bedeutung für Staat, Gesellschaft und Wirtschaft einzugehen. Oder gibt es überhaupt einen Zusammenhang?

Die Betrachtung von Finanzierungsmöglichkeiten soll die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit bei der Finanzierung von Musikfestivals herausstellen. Zum Schluss der Arbeit werden Freiwillige Helfer zum Thema Motivation und Zufriedenheit der Anerkennung in ihrem Verein befragt, am Beispiel eines Indrock-Pop Festivals[1].

2. Die Erlebnisgesellschaft

2.1. Erlebe Dein Leben!

„Erlebnisse sind selbstwertsteigernd. Wer (viele) Erlebnisse hat, lebt kein banales und triviales Leben.“[2]

Ein großer Teil der Gesellschaft möchten interessante, witzige, spannende und neue Dinge erleben und erzählen können. Musik- und Sportveranstaltungen, Extremsportarten, Urlaubs- und Abenteuerreisen, aber auch Erholungs- und Wellnessangebote sind heute unter anderem begehrt. Aktivitäten, die sich nach der Arbeit und auch im Urlaub durchführen lassen. Das Ziel ist, jede Minute auszunutzen und zu genießen, den Sinn des Lebens zu suchen und zu finden und das nicht nur in der Freizeit. Auch bei der Auswahl des Berufes und des Arbeitsplatzes ist für viele Menschen eine abwechslungsreiche und interessante Arbeit äußerst wichtig. Benannt wird diese Form der Gesellschaft unter anderem als Erlebnisgesellschaft. Aber was genau zeichnet diese aus, was versteht man unter diesem Begriff?

Geprägt wurde der Begriff „Erlebnisgesellschaft“ in den 80er Jahren von dem Kultursoziologen Gerhard Schulze. Er erklärt, dass sich bei dieser Gesellschaftsform, die man heute in Deutschland erkennen kann, eine innenorientierte Lebensauffassung der Menschen durchsetzt. Wichtig dabei zu erwähnen ist, dass die jetzige Bundesrepublik Deutschland nicht die erste und einzige Erlebnisgesellschaft ist, sondern dass sich diese nur mehr als in anderen Epochen rausgebildet hat.[3] Zur Erklärung: Der Mensch hat bei der außenorientierten Lebensauffassung z. B. das Ziel, Kinder zu bekommen. Existieren die Kinder, gilt das Ziel als erreicht. Im Gegensatz dazu ist das Ziel der innenorientierten Lebensauffassung erst dann erreicht, wenn der Nachwuchs die Eltern auch glücklich macht.[4]

Das positive Innere Erleben spielt für den Einzelnen eine größere Rolle, als in anderen Gesellschaftsformen. War es in der „Knappheitsgesellschaft“ vor 1945 das Wichtigste, sich und seine Familie zu ernähren, so kann man seit den 80er Jahren von einer „Überfluss- bzw. Wohlstandsgesellschaft“ sprechen. Eine Überfülle von Angeboten findet man nicht nur im Konsumgüter- und Dienstleistungsbereich, sondern auch in der zunehmenden Freizeit jedes Einzelnen.

2.2. Freizeit ist gleich freie Zeit

Unter freier Zeit versteht man die Zeitspanne, die dem Menschen nach der beruflichen, schulischen Pflichterfüllung noch übrig bleibt. Wobei auch andere Gründe für das Vorhandensein von Freizeit stehen können: Die unfreiwillige Freizeit von Arbeitslosen, vorübergehende Arbeitsunfähigkeit von Berufstätigen, die permanente Arbeitsunfähigkeit von zum Beispiel Behinderten oder die Freizeit von Pensionisten,[5] welche keine unbedeutende Rolle in der heutigen Gesellschaft spielen. Auch darf man nicht die freie Zeit der „Schönen und Reichen“, die ihr Leben ohne berufliche Pflichten genießen können und die der Jugendlichen, die noch viel Freizeit haben, außer Acht lassen.

Eine Studie von 2001/02 des Statistischen Bundesamtes ergab, dass Männer und Frauen[6] in Deutschland jetzt mehr freie Zeit als Anfang der 90er Jahre haben. Waren es vorher bei den Frauen 5,25 Stunden (h) und bei den Männern 5,44 h, so sind es jetzt 5,43 h und bei den Männern 6,11 h, die täglich für Freizeitaktivitäten und genutzt werden können.[7]

Nicht nur die zeitlichen Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung sind ein wichtiges Kennzeichen der Freizeit, auch ist diese mit einer gewissen Wahlfreiheit des Verhaltens verbunden.[8] Jeder entscheidet für sich selbst, wie er seine freie Zeit nutzt und wie er diese erleben möchte. Im Gegensatz zur Arbeitszeit, bei der man meist Vorgaben erfüllt.

2.3. Lebensstiltypen und Milieus

Nachdem die veränderten Bedürfnisse des Menschen erkannt wurden, nämlich etwas zu erleben, stellt sich die Frage, ob die diese die gleichen Aktivitäten, wie z. B. einen Festivalbesuch, gleich erleben. Oder aber, ob ein Jeder diesen Besuch anders empfindet; positiv oder auch negativ, begeistert oder teilnahmslos, stimulierend oder belastend.

Nach Schulze werden von dem Menschen alle verfügbaren Ressourcen mobilisiert, um erlebnisintensiver zu leben. Die erlebnisorientierte Person schließt sich bevorzugt Personengruppen an, die das gleiche Erlebensinteresse haben.[9]

Er unterscheidet insgesamt fünf Lebensstilgruppen:

Die ersten drei Milieus betreffen Personen, die über 40 Jahre alt sind.

- Das Niveaumilieu steht für Menschengruppen im gehobenen und gebildeten Status. Ihre Freizeit verbringen sie vorwiegend mit Konzerten der klassischen oder der Jazzmusik und mit Lesen von Büchern. Sie streben beruflich und auch privat nach dem höchsten Rang und sind politisch konservativ.
- Das Harmoniemilieu beschreibt Personen mit geringer Bildung und niedrigem beruflichen Status. In der Freizeit beschäftigen sie sich mit Fernsehen, ihrem Auto oder mit kochen. Sie streben nach Geborgenheit.
- Das Integrationsmilieu beschreibt Gruppen, die eine mittlere Bildung und einen mittleren Status haben. Vorwiegend nutzen sie ihre Freizeit für ihre Wohnung, Lesen, Fernsehen und Jazz- und Klassikkonzerte. Sie streben nach Konformität (Eingebundensein).

Die beiden letzten Milieus beschreiben Gruppen von Menschen, die unter 40 Jahre alt sind.

- Das Selbstverwirklichungsmilieu steht für Menschen mit mittlerer und hoher Bildung und mittlerem beruflichem Status. Die Freizeit wird sportlich und in Cafés, sowie auf Rock/Pop Festivals verbracht. Großes Interesse für Kultur in Form von Konzerten und Aufführungen ist ein wichtiges Merkmal. Das Ziel ist die Selbstverwirklichung.
- Das Unterhaltungsmilieu soll für Personengruppen mit geringer Bildung und geringem beruflichem Status stehen. Die Freizeit wird mit Party, Kino, Sport und Veranstaltungen im Rock/Pop-Bereich ausgefüllt. Das Ziel ist die Stimulation.[10]

Schulze geht demnach davon aus, dass sich die Gesellschaft trotz der starken Individualisierung der Subjekte in große Gruppen einordnen lässt. Genau, wie es auch die Marktforschung für die effektivere Marktbearbeitung macht.

In dieser Arbeit spielen die beiden letztgenannten Milieutypen eine entscheidende Rolle. Festivalveranstaltungen egal ob als Besucher oder eventuell auch als ehrenamtlicher Helfer oder Organisator haben einen hohen Stellenwert für das Unterhaltungs- und Selbstverwirklichungsmilieu. Ohne diese Lebensstiltypen würde es keine Konsumenten und Musiker für das große Angebot von Rock/Pop-Festivals geben.

3. MusikFestivals

3.1. Entwicklung der Branche

Auf der Suche nach Literatur für die Entwicklung von Musikfestivals ist auffallend, dass sich nur wenige Autoren mit dem Festival der Popularmusik (auch Unterhaltungs- oder Popmusik genannt) beschäftigen. Das meiste Schrifttum handelt von der klassischen Musik, wie Beethoven und Mozart. Aber was bedeutet klassische Musik? Sind nicht die Beatles längst Klassik und handelt es sich beim Pop nicht eher um zeitgenössische Musik?[11] Hier soll keine Ab- oder Aufwertung stattfinden, sondern erkannt werden, dass die Zeit weiter läuft und nicht stehen bleibt.

Erst in jüngerer Zeit ist es gelungen das Image von Pop- und Rockmusik positiv zu verändern. Ziel ist es, einen Umdenkungsprozess der Gesellschaft zu erreichen, bei dem man die Populärmusik nicht nur in die Jugendarbeit, sondern auch in die „Erwachsenen“ Kulturarbeit einordnen wird.[12] Bei dem man nicht mehr die Unterhaltungsmusik als minderwertig und die Ernste Musik (Klassik) als wertvollere unterscheidet. Wenn dieses Ziel erreicht ist, findet man auch die nötige Anerkennung in der Gesellschaft und beim Staat.

3.2. Arten / Angebote

Festivals gibt es für fast jede Musikrichtung und Stil. Um nur einige zu nennen:

- Reaggae, gibt es beim „Summerjam Festival“ in Köln (Nordrhein-
Westfalen)
- Pop, Rock, Hip-Hop, gibt es beim “Sonnenrot Festival” bei München
(Bayern)
- Heavy-Metal, Rock, Rap, Dance, gibt es beim “Rock im Park” in Nürn
berg (Bayern)
- Klassisk, wie das „Bonner Beethovenfest“ in Bonn (Nordrhein-
Westfalen)

Eine andere Unterscheidung kann sein, ob es sich um großangelegte Festivals, wie das „Hurrican“, handelt oder aber um kleinere Nischenanbieter, wie das „Ebo“ (Inzell).

Zuletzt kann man Festivals noch nach rechtlichen Aspekten unterscheiden. Zum einen gibt es die privatrechtlich-gemeinnützigen Kulturbetriebe, die auch Nonprofit – Organisationen genannt werden. Dazu gehören die eingetragenen Vereine.

Zum anderen die privatrechtlich-kommerziellen oder privatwirtschaftlichen Kulturbetriebe, die auf Gewinn ausgerichtet sind und sich darüber auch finanzieren.

[...]


[1] Im weiteren Text wird das Festival auch „Beispiel-Festival“ genannt.

[2] Hartmann/Haubl, 1996, S. 12

[3] Vgl. Schulze, 2000, S. 15

[4] Vgl. ebd., S. 37

[5] Vgl. Stengel, 1996, S. 26/27

[6] Anmerkung (Anm.): Bevölkerung ab 12 Jahre

[7] Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2004/zdw9.htm, [27.07.2004]

[8] Vgl. Strzelewicz, 1965, S. 12

[9] Vgl. Haubl, 1996, S. 211

[10] Vgl. Schulze, 2000, S. 283ff.

[11] Vgl. Hay/Stark, 1991, S. 107

[12] Vgl. Gorny, 1991, S. 83

Details

Seiten
29
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638374040
ISBN (Buch)
9783640827305
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38304
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin – Fachhochschule
Note
1,7
Schlagworte
Relevanz Arbeit Finanzierung Rock/Pop Musikfestivals Erlebnisgesellschaft Rahmengebiet Management Dienstleisungen

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