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Probleme der Literaturverfilmung in John Greenes "Das Schicksal ist ein mieser Verräter"

Facharbeit (Schule) 2017 17 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe

3. Literaturverfilmungen

4. Darstellung der Personen (Buch und Film) im Vergleich
4.1 Hazel Grace Lancaster
4.2 Augustus Waters

5. Differenzen in der Handlung zwischen Roman und Film
5.1 Figuren die nicht in den Film übernommen wurden
5.1.1 Caroline Mathers
5.1.2 Kaitlyn
5.3 Szenen die nicht in den Film übernommen wurden
5.2 Veränderte Szenen

6. Fazit

7. Literatur - und Internetquellenverzeichnis

1. Einleitung

„Wenn es dieses Jahr einen Film gibt, der von einer unüberschaubar großen Masse enthusiastischer Teenager sehnsüchtig erwartet wird, dann ist es wohl ‘Das Schicksal ist ein mieser Verräter‘ “[1]. Dieses Zitat erschien 2014 in einem Artikel auf „Spiegel“-online über die Kinoverfilmung des meistgelesenen Jugendbuchs aus dem Jahr 2013. Der vom Bestsellerautor John Green verfasste Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (Originaltitel: „The Fault In Our Stars“), erlangte nach Erscheinung große Aufmerksamkeit, besonders unter Jugendlichen. Das Buch ist ein typischer Adoleszenzroman und dreht sich um die Liebesbeziehung der sechzehnjährigen Hazel Grace Lancaster und dem siebzehnjährigen Augustus Waters. Beide sind Krebspatienten und lernen sich in einer Selbsthilfegruppe kennen. Im Mittelpunkt des Buchs steht die Entwicklung ihrer Beziehung, sowie ihre tödliche Krankheit. Der Roman wurde bis heute in über 40 Sprachen übersetzt und weltweit millionenfach verkauft.

Ich persönlich habe das Buch aufgrund der vielen positiven Rezensionen selbst bereits früh gelesen, sowie auch die Kinofilmfassung gesehen und war von der Geschichte und den Protagonisten begeistert. Nach diesem extremen Erfolg des Bestsellerromans stellt sich nun aber die Frage, ob dieser anschließend wirklich zur Umsetzung der beliebten Handlung, oder aufgrund seines Status, aus rein kommerziellen Gründen verfilmt wurde. So lautet meine Problemfrage angelehnt an diese Überlegung: „Probleme der Literaturverfilmung in John Greenes „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“.

Im Folgenden werde ich die Handlung im Buch im Vergleich zur Umsetzung der filmischen Version analysieren und vergleichen, um dann herausstellen zu können, ob der Roman wahrheitsgetreu verfilmt wurde. Dabei werde ich mich daran orientieren, ob die Innensicht der Protagonisten wahrheitsgemäß dargestellt wird und ob die Handlung sich inhaltlich aufgrund von fehlenden oder abgeänderten Figuren und Szenen, anhand einiger Beispielszenen, unterscheidet.

2. Inhaltsangabe

Hazel Grace Lancaster ist sechzehn Jahre alt und leidet an einer unheilbaren Form von Schilddrüsenkrebs. Da ihre Eltern davon überzeugt sind, dass sie depressiv ist, wird sie von ihnen zu einer Selbsthilfegruppe geschickt, in welcher sie über den gemeinsamem Freund Isaac, Augustus kennenlernt.

Augustus ‘Gus‘ Waters ist siebzehn, ehemaliger Basketballspieler und hat aufgrund seines Knochenkrebs ein Bein verloren. Die beiden werden sehr schnell gute Freunde und fahren direkt nach ihrem ersten Treffen zusammen zu Gus nach Hause, um einen Film zu schauen. Sie wird gleich seiner Familie vorgestellt und isst mit ihnen zu Abend. Die beiden Jugendlichen fühlen sich durch ihr gemeinsames Schicksal verbunden. Hazel allerdings kann Augustus nicht richtig an sich heranlassen, das sie große Angst hat andere Menschen zu verletzen. Nachdem sie sogar ihre Lieblingsbücher miteinander getauscht haben und auch Augustus nicht mehr von Hazels absolutem Lieblingsroman „Ein herrschaftliches Leiden“ loskommt, nimmt dieser Kontakt zum Autor Peter Van Houten auf und löst seinen Feenwunsch dafür ein, mit Hazel nach Amsterdam zu fliegen um diesen zu Besuchen und endlich das ungeklärte Ende des Buchs zu erfahren.

Der Weg zum Flughafen gestaltet sich als sehr unangenehm, da Hazel und ihre Mutter Gus zuvor mit seiner Mutter haben streiten hören. Der Grund bleibt jedoch zunächst ungeklärt und sie bemitleiden ihn. Auf dem Flug nach Amsterdam lockert sich die Stimmung wieder auf und Augustus gesteht Hazel schließlich seine Liebe. Diese verträumte Atmosphäre bleibt während des romantischen Abendessen im Restaurant „Oranjee“, sowie auch kurz vor dem Besuch bei Peter Van Houten erhalten. Sobald die beiden jedoch im Haus des Autors sitzen und merken, dass sie unerwünscht sind und Van Houten zudem alkoholisiert ist und beginnt sich über sie lächerlich zu machen, bis hin zu Beleidigungen, rastet Hazel aus, brüllt ihn an und will mit Gus zurück zum Hotel verschwinden.

Van Houten, welcher seine neunjährige Tochter durch eine seltene Form von Blutkrebs verlor, hat ihren Tod noch immer nicht verarbeitet und versucht diesen mit Hilfe von Alkohol zu verdrängen. Durch den Besuch der zwei ebenfalls betroffenen Teenager wird er wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert, vor der er so lange weggelaufen ist. Er kann nur sehr schwer akzeptieren, dass seine Tochter so früh sterben musste, während Hazel und Augustus immer noch, mit ihrer Krankheit leben können. Allerdings werden die Zwei von Van Houtens Assistentin Lidewij aufgehalten und erklären sich schließlich nach kurzem Bedenken bereit, sich mit ihr das naheliegende Anne-Frank-Haus anzusehen. Dort küssen sich Hazel und Augustus das erste Mal, nachdem sich Hazel die vielen steilen Treppenstufen hoch gequält hat und fast zusammengebrochen wäre.

Zurück im Hotel eröffnet ihr Augustus dann am Abend vor ihrer Abreise, dass sein Krebs zurückgekommen ist und durch seinen ganzen Körper gestreut hat. Von diesem Punkt an kippt die Stimmung im Buch und Augustus Zustand verschlechtert sich zu Hause, trotz einer neuen Therapie, immer weiter. Als Hazel ihn besucht hat er ins Bett gemacht und mitten in der Nacht wird sie von ihm angerufen und gebeten zu einer Tankstelle zu kommen, wo er im Auto völlig aufgelöst auf sie wartet und sie einen Krankenwagen rufen muss. Seine Krankheit schreitet immer weiter voran.

Eines Nachmittags wird Hazel von ihm zusammen mit Isaac in eine Kapelle zu einer Vor-Beerdigung bestellt, um ihm dort ihre Grabrede für seine Beerdigung zu halten, die sie für den jeweils anderen vor einiger Zeit geschrieben haben. Zu diesem Zeitpunkt kann er sich schon nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Ein paar Tage darauf erliegt Augustus seinem Krebsleiden. Bei seiner Beerdigung hält Hazel allerdings eine andere Rede, da sie erkennt, dass es nun nicht mehr darum geht den Verstorbenen zu ehren, sondern die Hinterbliebenen zu trösten. Negativ überrascht muss Hazel feststellen, dass auch Van Houten aufgetaucht ist, der auf Gus Wunsch zu seiner Beerdigung angereist ist. Dieser überreicht ihr einen Brief den Augustus an ihn geschrieben hat, in welchem er ihn um seine Hilfe für Hazels Grabrede bittet und ihm von seiner Liebe zu Hazel erzählt und wie dankbar er für die Erfahrung der wahren Liebe ist.

3. Literaturverfilmungen

Um die inhaltliche Umsetzung des Buchs in das visuelle Medium des Films beurteilen zu können, ist es unter anderem wichtig, sich erst einmal mit den verschiedenen Arten der Literaturverfilmung vertraut zu machen. So kann anhand von kategoriespezifischen Kriterien noch besser eine kritisch Betrachtung stattfinden. Bei einer Literaturverfilmung wird ein literarisches Werk als Vorlage genommen und in das visuelle Medium Film umgesetzt[2]. Als Basis können jegliche Formen von Romanen, Dramen, Erzählungen oder auch Kurzgeschichten dienen.

Nach Helmut Kreuzer, einem deutschen Literaturwissenschaftler, gibt es vier Arten der Literaturadaption. Die am häufigsten verbreitete Adaption ist die Aneignung von literarischem Stoff. Hierbei werden einzelne Handlungselemente oder Figuren übernommen und in den Filmkontext eingebaut.

Die zweite, ebenfalls recht verbreitete Adaptionsart, ist die sogenannte Illustration, bei welcher sich so weit wie möglich an den Handlungsvorgang und die Figurenkonstellation der Vorlage gehalten wird. Teilweise werden sogar ganze Dialoge wortwörtlich übernommen.

Die dritte Art der Adaption stellt die Transformation dar. Es wir nicht nur die Inhaltsebene übertragen, sonder vielmehr die Form-Inhaltsbeziehung der dramatischen Vorlage.

Als letzte Adaptionsart nennt Kreuzer die Dokumentation, die Reproduktion eines Theaterwerkes in ein anderes Medium[3]. Die tatsächliche visuelle Umsetzung von Literatur beinhaltet viele Problematiken. So müssen die Beschreibungen des Autors visuell dargestellt werden. Es müssen also passende Schauspieler gefunden werden. Die herrschende Atmosphäre, die im Buch nur durch Sprache kreiert wird, kann im Film nur durch passende Verwendung von Musik, Ton und der Umgebung erzielt werden.

Eine besondere Problematik stellt die Innensicht der Figuren dar. Diese kann in der Literaturvorlage durch erzählerische Elemente wie die Ich-Perspektive ausgedrückt werden. Im Film hingegen besitzt der Zuschauer eine objektive Außensicht. Auch wenn es einen narrativen Erzähler gibt, müssen trotzdem durch Handlungen und Körpersprache die entsprechenden Gefühle porträtiert werden. Hinzukommend, kann der Autor Nebenhandlung ohne Probleme während der Haupthandlung ablaufen lassen, während die im Medium Film nicht möglich ist. Den Protagonisten der Geschichte muss so viel Raum wie möglich geschaffen werden, sodass die Umsetzung von Nebenhandlungsstränge zu einer großen Problematik wird[4].

4. Darstellung der Personen (Buch und Film) im Vergleich

4.1 Hazel Grace Lancaster

Außer die Art, wie eine Buchvorlage verfilmt wird, müssen natürlich noch weitere Faktoren mit in die Bewertung einbezogen werden. Da der Film „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ sich der Kategorie der Illustration zuordnen lässt, sich die Handlung und Figuren also so nah wie möglich an das ursprünglichen Buch halten, ist nun die genaue Umsetzung der Protagonisten, sowie Nebenfiguren und Schlüsselszenen zu betrachten. Angefangen bei der Protagonistin des Romans „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und des gleichnamigen Films, Hazel Grace Lancaster, welche die, in der Vergangenheitsform sprechende Ich-Erzählerin im Buch darstellt. Die Leser werden durch diese Erzählperspektive in ihre Gedanken und Gefühle eingeweiht, allerdings auch durch ihre Sicht beschränkt.

Hazel erzählt ihre Geschichte in einer jugendlichen Umgangssprache, bewahrt jedoch immer ihre teils sehr philosophischen inneren Monologe und ihren ironisch-realistischen Grundton. Sie beschäftigt sich mit vielen existenziellen Fragen zum Leben und Tod und hat teilweise sehr tiefgründige Gedanken: „Krebskinder sind die Nebenwirkung der unermüdlichen Mutation, die die Vielfalt des Lebens auf der Erde ermöglicht[5].“ Oft wirkt sie durch ihre sehr direkte Sprache offen und schonungslos, besonders im Kontext ihrer unheilbaren Krebserkrankung (vgl. Green S.111).

In der filmischen Version stellt sie ebenfalls die Ich-Erzählerin dar und kommentiert die zu sehende Handlung in einem Voice Over. Besonders in den ersten drei Minuten, vermittelt sie ein ganz klares pessimistisches Bild und stellt klar, dass sie ihr Leben „ätzend“ findet. Hazel spricht in einem sehr sarkastischen Ton und ziemlich umgangssprachlich von ihrer Situation und bemitleidet sich teilweise selber dabei etwas (vgl. 00:00:00-00:03:00). Sie besitzt absolut keine Lebenslust mehr und beschreibt ihren Alltag als sehr eintönig (vgl. 00:05:00-00:05:20).

Auch ihr Aussehen beschreibt die Ich-Erzählerin Hazel zu Beginn des Romans sehr stumpf und abfällig. Sie trägt alte flatternde Jeans, hat einen ungebürsteten Bubikopf, den man nach einer Glatze trägt, grotesk aufgeblasene Hamsterbacken, geschwollene Fesseln und sieht aus wie ein normal gebauter Mensch mit einem Luftballonkopf (vgl. Green S.15). Dies wird im Film durch die Auswahl der Schauspielerin relativ passend umgesetzt. Sie hat wie beschrieben kurze braune Haare, trägt zum Ausdruck der Vernachlässigung ihres Aussehens eine weite, dunkel blaue Jogginghose. Zudem ist sie bis auf ein weißes Shirt nur in dunklen Farben gekleidet (vgl. 00:04:35). Sie besitzt kein Selbstwertgefühl, hat große Selbstzweifel, verachtet sich und ihr Aussehen und spricht sehr geringschätzig von sich.

Für Hazel ist das Schlimmste am Krebs die Sichtbarkeit für die Öffentlichkeit. Das ihr Aussehen und ihre Lebensgeschichte sie so offensichtlich von andern Menschen unterscheidet, vermittelt ihr das Gefühl des Andersseins und sie fühlt sich als Außenseiterin ausgeschlossen und ungewollt von der restlichen Welt ist (vgl. Green S.155). Als sie und Augustus sich im Film das erste Mal unterhalten, sagt dieser ihr sehr direkt, dass er sie schön findet, woraufhin sie überfordert und überrascht wirkt, da sie gar nicht verstehen kann, dass jemand sie attraktiv finden könnte. Hazel findet sich selbst abstoßend und kann sein Kompliment nicht ernst nehmen (vgl. 00:10:47-00:11:05).

Besonders zu Beginn des Romans befindet sie sich in einer sehr schwierigen psychischen Lage. Sie verlässt kaum das Haus, verbringt sehr viel Zeit im Bett, liest immer wieder das selbe Buch, isst wenig und verbringt einen Großteil ihrer restlichen Zeit damit, über den Tod nachzudenken (vgl. Green S.9). Hazel hat außer ihren Eltern, welche sie als ihre besten Freunde bezeichnet, keine richtigen Freunde in ihrem Alter, da sie seit drei Jahren nicht mehr zur Schule geht, und sich auch sonst eher höflich im Hintergrund hält (Green S.19). Sie will so wenig Kontakt zu andern Menschen wie möglich, da sie große Angst hat noch mehr Menschen als nötig durch ihren Tod verletzen. Hazel glaubt, dass sie nicht das Recht dazu hat. Sie ist zum Beispiel ebenfalls Vegetarierin um auch die Zahl der Tode, für die sie verantwortlich ist möglichst klein zu halten (vgl. Green S.35/111). „Ich bin eine Bombe.[…] Und deshalb halte ich mich lieber fern von allen, lese Bücher, denke nach und hänge mit euch rum, weil ich nichts dagegen machen kann, dass ich euch mit ins Unglück reiße (vgl. Green S.111)“. Dieses sagt Hazel beim Abendessen zu ihren Eltern, nachdem sie sich stundenlang vorher mit Augustus Ex-Freundin Caroline beschäftigt hat, die an einem Hirntumor ein Jahr zuvor starb. Sie bezieht sich dabei auch den Tod des Mädchens, den sie auf sich und ihre Krankheit überträgt, wohingegen sie diesen Satz im Film eines Abends zu Augustus sagt. Zu diesem Zeitpunkt ist sie gerade nach einem Krankenhausaufenthalt, aufgrund von einer schlimmen Wassereinlagerung in der Lunge, wieder zu Hause. Hazel lässt ihn die ersten Tage nicht mehr an sich heran, und als sie ihn dann doch schließlich anruft und die beiden sich in ihrem Garten auf der Schaukel unterhalten, geht diese Zitat von ihr aus und von ihrem gesundheitlichen Zustand, nicht von jemand fremden. Insgesamt ist sie in sozialen Interaktionen eher ungeübt und sehr selbstkritisch, da sie sich mit anderen Mitmenschen vergleicht (vgl. Green S.44). So ist die auch während ihrer ersten Unterhaltung mit Gus extrem angespannt und nervös und sie weiß nicht s recht wie sie sich ihm gegenüber verhalten soll. Vor allem kann sie sein Verhalten und seine Reaktionen nicht deuten und vermittelt deswegen einen sehr ungeübten Eindruck.

Obwohl sie immer noch Kontakt zu ihrer besten Freundin Kaitlyn aus Schulzeiten hat, ist auch der Umgang mit ihr nicht weniger distanziert als mit anderen, da Kaitlyn ihr gegenüber sehr verunsichert ist und Hazel sich aufgrund ihrer Krankheit anders und nicht dazugehörig fühlt (vgl. Green). S.52/53). Im Film existiert diese jedoch nicht, und Hazel wirkt so noch einsamer und ausgeschlossener, ohne Verbindung zur Außenwelt.

Eine bedeutende Rolle in John Greenes Roman spielt vor allem Hazels Lieblingsbuch „Ein herrschaftliches Leiden“, von ihrem Lieblingsautor Peter Van Houten, welches ebenfalls von einem krebskranken Mädchen und ihrem Leben handelt. Es ist für sie besonders persönlich und kostbar, da sie sich durch das Buch verstanden und nicht noch ausgeschlossener fühlt und sich mit der Geschichte identifizieren kann; Hazel betitelt es sehr ausdrucksstark als „ mein Buch“ (vgl. Green S.41). Ihre Fixiertheit auf diesen spezifischen Roman wird im Film besonders dadurch hervorgehoben, dass sie das Buch überall mit hinnimmt, zum Beispiel in ein Café (vgl. 00:01:48-00:02:04) und, dass die Seiten bereits beschrieben sind (vgl. 00:02:03). Dies zeigt dem Zuschauer die Häufigkeit und Intensität mit der sie sich mit diesem Buch beschäftigt. Zudem wird sie beim Besuch des Autoren in Amsterdam, im Buch, sowie auch im Film sehr sauer und wütend, als dieser sich als Alkoholiker entpuppt und sich weigert, ihr und Gus die Antworten zu dem Buch zu geben, die sie haben wollen. Ihr ist dies so unglaublich wichtig, dass sie in anbrüllt und beleidigt (vgl. Green S.204-207) (vgl. 01:12:07-01:15:53). Nach diesem Besuch allerdings spielt der eigentliche Intention der Reise plötzlich keine Rolle mehr, da sie nach der Auseinandersetzung, mit ihrem Lieblingsroman, auf der vorher ein wichtiger Teil ihrer Lebens war ablöst und und sich auf die Realität konzentrieren kann, anstelle der fiktiven Welt, in die sie sich sonst entfliehen konnte. Jetzt hat sie Augustus an ihrer Seite, der für sie die gleiche unterstützende und Kraft und Verständnis spende Funktion hat.

Hazel Grace lässt in der ersten Hälfte des Romans ihre Krankheit die Oberhand gewinnen, da sie sich schon aufgegeben hat und keinen Sinn mehr darin sieht, etwas aus ihren Leben zu machen, welches wieder auf ihre täglichen gedanklichen Auseinandersetzungen auf den Tod hinweist (vgl. Green S.9). Sie tut alles nur für ihre geliebten Eltern. Sie spielt ihnen vor, dass es ihr gut geht und besucht die Selbsthilfegruppe in die ihre Mutter sie schickt, nur um ihre Eltern so wenig wie möglich zu verletzen (vgl. Green S.293). Die Selbsthilfegruppe, eine Idee ihrer Ärztin, besucht sie im Film nur auf den ausdrücklichen Wunsch ihrer Eltern, da sie der Meinung ist, dass das einzige was noch schlimmer ist, als an Krebs zu sterben, ein Kind zu haben ist, welches an Krebs stirbt. Hazel bemitleidet ihre Eltern und fühlt sich schuldig dafür, dass sie kein gesundes Kind und ein normales Leben führen können. Sie stellt ihre Eltern über sich und alles andere (vgl. 00:05:48-00:06:19).

Die neue Freundschaft zu Augustus Waters gibt ihr wieder einen Grund weiterzumachen und sich noch nicht aufzugeben, da er ihr zeigt, dass das Leben trotz Krebs lebenswert sein kann. Allein, dass er sich ganz explizit für sie interessiert, mit ihr Zeit verbringen und mehr über sie wissen möchte, zeigt ihr das sie als Mensch wertvoll ist und das ihr Leben von Wert ist und sehr wohl Bedeutung hat, wenn man andere Menschen daran teilhaben lässt. Zudem ist er Hazels einzige stabile Verbindung zur Außenwelt und zur Gesellschaft der gleichaltrigen, trotz ihrer Freundschaft mit Kaitlyn und den sporadischen Treffen. Die Beziehung der beiden jungen Mädchen wird eher immer distanzierter und gibt Hazel schon länger keinen Halt mehr.

[...]


[1] Benjamin Moldenhauer, „ Das Schicksal ist ein mieser Verräter - Tränentreibende Glücksmomente “, veröffentlicht im Internet unter www.spiegel.de. Download am 14.03.2017

[2] Wolfgang Gast/Knut Hickethier, Burkard Vollmers, „ Gegenwartsliteratur und Fernsehen“, in Hans Gerd Rötzer (Hrsg.), „literatur verfilmung“. Bamberg: c.c. buchners Verlag, 1999. S.14

[3] Helmut Kreuzer, „Arten der Literaturadaption“, in Hans Gerd Rötzer (Hrsg.), „literatur verfilmung“. Bamberg: c.c. buchners Verlag, 1999. S.27-31

[4] Frank Hellberg, Wolf Liebelt, „ Literaturverfilmungen im Unterricht “, veröffentlicht im Internet unter www.fachdidaktik-einecke.de. Download am 26.03.2017

[5] John Green, Das Schicksal ist ein mieser Verräter. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2012. S.58 : künftig zitiert als “ ‘Green‘ “

Details

Seiten
17
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668587113
ISBN (Buch)
9783668587120
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383142
Note
2,0
Schlagworte
probleme literaturverfilmung john greenes schicksal verräter

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