Lade Inhalt...

Der private Gebrauch von digitalen Medien. Auswirkungen und Verwertungsmöglichkeiten der informell erworbenen Medienkompetenz

Die Sicht einer Gymnasial-Lehrerin der Sekundarstufe I

Hausarbeit 2017 30 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil
2.1 Begriffserklärung
2.2 Theorierahmen
2.3 Stand der Forschung und Leitfragenentwicklung

3. Empirische Teil
3.1 Methoden
3.1.1. Vorstellung und Begründung der Erhebungsmethode
3.1.2 Feldzugang
3.1.3. Vorstellung und Begründung der Auswertungsmethode
3.2 Interpretation der Ergebnisse

4. Fazit

5. Ausblick auf die weitere Entwicklung

6. Literaturverzeichnis

7. Tabellenverzeichnis

8. Anhang
8.1 Transkriptionsregeln
8.2 Interviewfragen
8.3 Auswertungstabelle
8.4 Kategorien als Ergebnis der Forschung

1.Einleitung

In nahezu allen privaten Haushalten in Deutschland sind heutzutage digitale Endgeräte wie Computer und Smartphones sowie Internetzugang vorhanden, die von allen Familienmitgliedern genutzt werden. (JIM, 2016, S. 6).

Bei Zwei- bis Fünfjährigen spielen Computer und Internet im Alltag noch eine untergeordnete Rolle. Nur 15 Prozent haben bereits Erfahrung mit dem Computer gesammelt, meist zusammen mit einem Elternteil. (miniKIM, 2014, S 21).

Bei Kindern zwischen sechs und 13 Jahren gehört für 62 Prozent das Spielen am Computer oder online zu den regelmäßigen Freizeitbeschäftigungen. Für die Hälfte dieser Jungen und Mädchen gehört das Smartphone zu den regelmäßigen Alltagsbegleitern. (KIM, 2014, S.10).

Bei den zwölf- bis 19jährigen besitzen 98 Prozent ein eigenes Smartphone. (JIM, 2016, S. 8). 92 Prozent dieser Gruppe Jugendlicher benutzen das Handy täglich und gehen zu 87 Prozent ins Internet. (JIM, 2016, S. 11). 41 Prozent dieser Onlinezeit werden auf kommunikative Medien verwendet, 19 Prozent für Spiele und 10 Prozent für die Informationssuche. Mädchen verwenden mehr Zeit für den Bereich Kommunikation und Jungen mehr Zeit für Spiele. (JIM, 2016, S. 28). 200 Minuten sind die Jugendlichen täglich online, ihr Alltag ist dadurch digital geprägt. (JIM, 2016, S. 46).

Junge Menschen wachsen heute selbstverständlich mit digitalen Medien auf.

Für diese Generation, ab Jahrgang 1970 bis 1980, prägte der Pädagoge und Manager Mark Pensky im Jahr 2001 den Begriff Digital Native. Im Vergleich zu den Digital Immigrants, Jahrgänge vor 1970, die ohne neue Technologien aufwuchsen und den Umgang mit diesen Technologien nachträglich lernen müssen. (THM, 2016).

Wie ist diese intuitive Nutzung der Digital Natives von Smartphone, Tablet und PC in Bezug auf einen verantwortungsbewussten und differenzierten Umgang mit den digitalen Medien und in Bezug auf die formale Bildung bzw. auf den Kompetenzerwerb und auch für die berufliche Laufbahn zu verorten, vor allem vor dem Hintergrund, dass diese Nutzung außerhalb der formalen Bildung stattfindet und selten für diese genutzt wird?

Die Forschungsfrage lautet daher: Welche Auswirkung und Verwertungsmöglichkeit hat die informell erworbene Medienkompetenz - der private Gebrauch von digitalen Medien, der vom Kleinkindalter an praktiziert wird - auf die formale Medienkompetenz in der Sekundarstufe I aus Sicht einer Gymnasial-Lehrerin.

Um diese Forschungsfrage zu klären werden Leitfragen anhand der Forschung entwickelt und anschließend ein Experteninterview mit einer Lehrerin am Gymnasium durchgeführt. Das transkribierte Interview (Anhang 8.3, S. 23 – 34) wird mit der Qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Forschungsfrage wird in einen Theorierahmen eingebettet, erläutert und anhand der Forschung interpretiert. Im Fazit wird eine Zusammenfassung erarbeitet und anschließend ein Ausblick auf die weitere Entwicklung gegeben.

2. Theoretischer Teil

2.1 Begriffserklärung

Als Digitale Medien, die auch neue Medien genannt werden, sollen hier nicht nur Programme also Software verstanden werden, sondern alle tools, die mit dem Computer oder Smartphone und Internetzugang genutzt werden können. Inkludiert sind tools, die der Internetnutzer lediglich als Konsument besucht und als Web 1.0 bezeichnet werden, zum Beispiel Informationsseiten, Suchmaschinen. Ebenso tools, in denen die Benutzer als Producer (Konsument und Produzent) mitarbeiten, in denen der Fokus auf Interaktion und Kollaboration der Benutzenden liegt, zum Beispiel Youtube, Weblog, Foren, Wikis. Diese tools sind unter dem Begriff Web 2.0 oder auch social software bekannt. Der Begriff digitale Medien ist verbunden mit dem Begriff Digitale Bildung, der von der Bundesministerin, Frau Dr. Wanka, am 10. November 2016 in einem Interview wie folgt definiert wird: Fähigkeiten vermitteln und Kompetenzen, dass man sich selbstbestimmt und souverän in der digitalen Welt bewegen kann. Das heißt, dass man auch kritisch Informationen reflektiert. Digitale Bildung bedeutet auch mit digitalen Medien im Unterricht zu arbeiten und somit individueller zu unterrichten. Digitale Bildung muss einen Mehrwert haben, Priorität haben pädagogische Konzepte.“ (BMBF, Wanke, 2016, 0:13). Deutlicher sieht die Studie Initiative D21 Digitale Bildung als eine qualitative Veränderung des Lehrens und Lernens durch die gezielte und sinnvolle Einbindung digitaler Medien in den Unterreicht. (Initiative D21, 2016, S. 6).

Unter Medienkompetenz soll Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung und zuletzt Medienkritik, die über den drei Punkten steht, verstanden werden. (Baacke u. a., 1999, S. 31ff).

Informelle Medienkompetenz meint in dieser Hausarbeit das Handeln mit digitalen Medien, das in der Freizeit in der Familie und mit der Peergroup ohne Bezug zur Schule praktiziert wird. Zeitlich ist dieses Medienhandeln vor dem Schuleintritt und während der Schulzeit zu verorten. In Bezug auf das Lernen ist diese Handlung nicht organisiert oder strukturiert und meist konsum- und unterhaltungsorientiert. Im Gegensatz zur informellen Medienkompetenz ist formale Medienkompetenz auf das Handeln mit Digitalen Medien in Bezug zur Schule, also einer institutionellen Organisation, zu sehen und auf Bildung ausgerichtet. In Bezug auf Lernziele, Lernzeit und Lernförderung ist es strukturiert und zielgerichtet. Non-formale Medienkompetenz, auf die in dieser Hausarbeit nicht weiter eingegangen wird, bezieht sich auf strukturiertes Lernen außerhalb der Schule. (BiBB, 2010, S. 10). Digitale Bildung entsteht aus informellem, non-formalem und formalem Lernen mit und durch Digitale Medien.

2.2 Theorierahmen

Dieser Hausarbeit liegt die Theorie des Humankapitals zugrunde. Begründet wurde die Humankapitaltheorie in der Mitte der 1960er Jahre vom Ökonom Gary S. Becker. Er ging davon aus, dass durch die Ausweitung des Bildungssektors das gesamtwirtschaftliche Humankapital akkumuliert wird. (BdWi, 2005). Die DIW Berlin definiert Humankapital als die Annahme, dass sich höhere Bildung in eine erhöhte Produktivität im Arbeitsmarkt übersetzt und dies mit einem höheren Entgelt einhergeht. Es besteht demzufolge ein kausaler Zusammenhang zwischen der Bildung und dem Lebenseinkommen. (DIW Berlin, 2017). Die genannte höhere Bildung kann aber nur auf dem Arbeitsmarkt eingebracht werden, wenn sie dort benötigt wird. Sprich, die heute in der Schule verinnerlichte Bildung, besser Kompetenzen, müssen die Qualifikationen beinhalten, die die Schüler später für den Arbeitsmarkt benötigen.

Für den Produktionsstandort Deutschland als auch für den Einzelnen ist das Humankapital eine der zentralen strategischen Größen. Nur durch qualifizierte Bildung, Aus- und Weiterbildung, die künftig im Berufsleben eingesetzt werden kann, kann Humankapital gebildet und erhalten werden und somit der Einzelne vor Arbeitslosigkeit und unzureichender Beschäftigungsmöglichkeit geschützt werden. ( MittAB, 1993, S. 467). Mit den rasanten technologischen Entwicklungen und der fortgeschrittenen Technisierung aller Lebens- und Arbeitsbereiche nimmt die Bedeutung der Fähigkeiten, medial vermittelte Informationen auszuwählen, zu verstehen, zu nutzen und zu kommunizieren, kontinuierlich zu. (ICILS, 2013, S. 7).

Medienkompetenz beinhaltet technische, kognitive, emotionale und soziale Kompetenzen. Sie ist wie Bildung sozial kontextualisiert und häufig mit normativen Idealvorstellungen verknüpft. Bei beiden geht es um die ökonomische Verwertbarkeit. (Schäfer & Lojewski, 2007, S. 74).

Die Humankapitaltheorie soll in dieser Hausarbeit so verstanden werden, dass die Schule heute neben der Selektionsfunktion, der Integrationsfunktion, der Enkulturationsfunktion eben auch die Qualifikationsfunktion zu erfüllen hat. (Fend, 2006, S. 50). Also Qualifikation in den deutschen Schulen für die berufliche Zukunft der Schüler, die global und auch unter dem heutigen Aspekt von Web 4.0 gedacht werden muss. Hierzu gehört die digitale Bildung, die von meiner Interviewperson als Schlüsselqualifikation ab Zeile 120 (Anhang 8.3, S. 25) in der Transkription bezeichnet wird. Die Bundesministerin Frau Dr. Johanna Wanka fördert aktuell die digitale Bildung mit einem Milliardenprojekt (BMBF, Wanke, 2016). Bereits im Jahr 1997 hat Kurt Apflauer die „digitale Kompetenz“ und die „Medienkompetenz“ zu eminent wichtigen Schlüsselqualifikationen für junge Menschen erklärt. (Austrian School Network, 1997, S. 71).

In der Studie ICILS 2013 werden die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen als individuelle Fähigkeiten einer Person definiert, die es ihr erlauben, Computer und neue Technologien zum Recherchieren, Gestalten und Kommunizieren von Informationen zu nutzen und diese zu bewerten, um am Leben im häuslichen Umfeld, in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft erfolgreich teilzuhaben. Computer- und informationsbezogene Kompetenzen sind damit als fächerübergreifende Schlüsselkompetenzen im 21. Jahrhundert einzuordnen. (ICILS, 2013, S. 45).

2.3 Stand der Forschung und Leitfragenentwicklung

Die Leitfragen werden aufgrund der Forschungsfrage mit Blick auf das Untersuchungsfeld entwickelt. Sie bilden die Grundlage des Forschens, da sie die Forschungsfrage in Fragen an die Empirie übersetzen, die im Interviewleitfaden umgesetzt werden. (Gläser & Laudel, 2010, S. 90 – 91).

Wie in der Einleitung anhand der JIM-Studie 2016 ausgeführt, stellt die Beschäftigung mit dem Computer eine beliebte Freizeitbeschäftigung nahezu aller Jugendlichen dar. Es stellt sich die Frage nach dem Zusammenhang von Computernutzung vor dem Schuleintritt und während der Schulzeit und Schulerfolg beziehungsweise Qualifizierung für das Arbeitsleben unter Berücksichtigung des sozioökonomischen Status der Familie und sozialer Ungleichheit. Dies vor allem vor dem Hintergrund der Humankapitaltheorie, dass Menschen in einer Gesellschaft unterschiedliche soziale Positionen einnehmen und somit soziale Ungleichheit entsteht. Bildung stellt in modernen Gesellschaften eine wichtige Facette dar. (Hauenschild & Schwedler, 2014, S. 8 – 9). Die erste Leitfrage lautet daher: Es wird angenommen, dass der Sozialstatus und die Bedienkompetenz der Eltern Auswirkung auf die Medienkompetenz der Kinder hat und es somit keine Chancengleichheit gibt.

In den letzten 15 Jahren hat die Ausstattung mit digitalen Medien beständig zugenommen und folglich auch die Nutzung der Online-Angebote. Wobei zu beachten ist, dass der Computer- und Laptopbesitz rückläufig ist und die Smartphone-Besitzrate konstant ansteigt (ICILS, 2016, S. 22). Das liegt vor allem darin begründet, dass das Smartphone als kleines Gerät immer dabei sein kann und viele Funktionen beinhaltet, wie Telefon, Kurznachrichten, Foto, Videokamera und vor allem den Internetzugang überall ermöglicht. 94 Prozent der zwölf- bis 19-jährigen benutzen mehrmals pro Woche das Internet. (Bertelsmann Stiftung, 2015, S. 7). Wobei mit 64 Prozent die Videoplattform YouTube genannt wird und mit 41 Prozent der Kommunikationsdienstleister WhatsApp. Die Nutzung der Suchmaschine google wird mit 12,5 Prozent angegeben und Wikipedia 4,5 Prozent. Nicht genannt in dieser Liste der Liebsten Internetanagebote 2016 sind Online-Dienste wie Weblog, Foren, Wikis, RSSFeeds (JIM, 2016, S. 29). Daher stellt sich folgende Vermutung als zweite Leitfrage: Es wird vermutet, dass die Kinder die Möglichkeiten der Medien nicht nutzen, da sie sie nicht kennen.

Heute aufwachsende Kinder sind von digitalen Geräten umgeben und werden diese früher oder später auch selbst nutzen. Die Einstellung gegenüber digitalen Themen und Neuerungen ist eine andere als die der Eltern. (Bertelsmann Stiftung, 2015, S. 14). Der Umgang mit digitalen Medien ist den Kindern selbstverständlich, da sie jederzeit verfügbar sind. Hier ist vor allem das Smartphone zu nennen, wie oben ausgeführt. Die Folge ist, dass die Kinder mit einer gewissen Medienkompetenz eingeschult werden und diese informelle Medienkompetenz mit zunehmendem Alter, je nach sozialem Familienstand und Peergroup, erweitern. Hier stellt sich die dritte Leitfrage: Es wird vermutet, dass sich bei der außerschulisch erworbenen Medienkompetenz zeigt, dass der Begriff Digital Natives lediglich konsumorientiert ist (Mädchen chatten, Jungen spielen) und die so angeeignete Medienpraxis nicht auf Medienkompetenz (Medienhandeln) für die formale Bildung ausgerichtet ist.

3. Empirische Teil

3.1 Methoden

3.1.1. Vorstellung und Begründung der Erhebungsmethode

Dieser Hausarbeit liegt ein Experteninterview zugrunde. Das Experteninterview ist Teil der qualitativen Forschungsmethode, diese ist wiederum Teil der empirischen Sozialforschung. (Gläser & Laudel, 2010, S. 24 – 25). Es werden Studien der quantitativen Forschungsmethoden zur Beantwortung der Forschungsfrage herangezogen. Ein Experteninterview wird durchgeführt, wenn ein Sozialwissenschaftler das Spezialwissen einer Person über einen ihn interessierenden Sachverhalt erlangen will. (Gläser & Laudel, 2010, S. 12). Leitfragen und ein Leitfragenkatalog werden erarbeitet. Es wurde das Experteninterview gewählt, weil durch die Lehrerin an einem Gymnasium als Expertin festgestellt werden soll, wie die informelle und formale Medienkompetenz der Schüler beurteilt wird. Die interviewte Lehrerin ist Spezialistin in Bezug auf den Untersuchungsgegenstand, da sie das Bindeglied zwischen Familie und Schule ist.

3.1.2 Feldzugang

Als Interviewpartnerin wird eine langjährige Lehrerin (16 Jahre) eines allgemein bildenden Gymnasiums in Baden-Württemberg ausgewählt. Die Lehrerin hat Spezialwissen, da sie die zu untersuchende Gruppe täglich als Untersuchungsgegenstand vor Augen hat. Es ist bekannt, dass die ausgewählte Lehrerin gerne mit Whiteboard im Unterricht arbeitet. So wurde angenommen, dass sie sich im Allgemeinen für die neuen digitalen Medien interessiert und sie die Auswirkungen der informellen und formalen Medienkompetenz der Schüler beurteilen kann. (Gläser & Laudel, 2010, S. 12). Das Interview wurde per E-Mail angefragt und durch Anruf der Lehrerin vereinbart. Das Experteninterview wurde am 10. November 2016 von 9:00 bis 10:30 Uhr durchgeführt. Die Datenschutzerklärung wurde der Lehrerin zu Beginn des Gesprächs ausgehändigt. Nach Zustimmung durch die Interviewperson wurde das Gespräch mit einem Aufnahmegerät aufgezeichnet. Am Ende des Interviews wurden die Leitfragen auf Wunsch der Expertin nochmals durchgegangen. Das so entstandene Experteninterview wurde später unter Berücksichtigung der Transkriptionsregeln (Anhang 8.1, S. 20) transkribiert und befindet sich im Anhang 8.3 ab Seite 23.

3.1.3. Vorstellung und Begründung der Auswertungsmethode

Zur Auswertung des Experteninterviews wurde die Qualitative Inhaltsanalyse gewählt. Mit diesem Verfahren ist sichergestellt, dass aus den auszuwertenden Rohdaten des Interviewprotokolls die relevanten Informationen zur Klärung der Forschungsfrage herausgezogen werden können. (Gläser & Laudel, 2010, S. 43). Die Qualitative Inhaltsanalyse bietet ein systematisches Vorgehen mit festgelegten Regeln und konkreten Ablaufmodellen (Mayring, 2015, S. 50). Anhand der sieben Schritte des Ablaufmodells der zusammenfassenden Inhaltsanalyse wird die Auswertung des zugrundeliegenden Experteninterviews durchgeführt (Mayring, 2015, S. 70 - 72). Durch diese zerlegten Interpretationsschritte wird die Qualitative Inhaltsanalyse für andere nachvollziehbar und intersubjektiv überprüfbar. (Mayring, 2015, S. 60).

Im ersten Schritt wird als Analyseeinheit das vollständige Experteninterview als Kontexteinheit bestimmt. Die Kodiereinheiten und Auswertungseinheiten bleiben unberücksichtigt. Ein weiterer wichtiger Punkt im ersten Schritt ist die Entwicklung des Kategoriensystems (Mayring, 2015, S. 61). Anhand der Forschungsfrage und den entwickelten Leitfragen wurden folgende Kategorien vor dem Interview festgelegt: Medienumgang der Schule (aktuell und in Zukunft), Hausaufgaben, Eltern, Schüler, Digitale Möglichkeiten.

Nach der Interviewtranskription wurde der Punkt Medienumgang der Schule differenziert auf Lehrer und Schüler. Zusätzlich wurden drei neue Kategorien eingefügt, da im Interviewtext Informationen auftauchten, die relevant sind, aber nicht in das Kategoriensystem passten. (Gläser & Laudel, 2010, S. 205).

Somit ergibt sich folgendes Kategorienschema, das Grundlage für die anzulegende Auswertungstabelle ist:

K1 Medienumgang der Lehrer in der Schule
K2 Medienumgang der Schüler in der Schule
K3 Hausaufgaben
K4 Eltern
K5 Schüler
K6 Digitale Möglichkeiten
K7 Medienumgang der Lehrer außerhalb der Schule
K8 Medienumgang der Schüler außerhalb der Schule
K9 Unterstützung beim Einsatz digitaler Medien

Im zweiten Schritt werden die inhaltstragenden Textstellen des Transkripts in die Auswertungstabelle unter Angabe der Zeilennummern übertragen und dabei auf einer einheitlichen Sprachebene formuliert (Mayring, 2015, S. 71 - 72). Berücksichtigt werden die Regeln Z1 – Paraphrasierung.

Aus der Frage „Inwiefern beeinflusst die Medienkompetenz der Eltern die digitalen Hausaufgaben der Kinder?“ und Antwort „Ich denke schon. Wenn die Eltern fitter sind, können die natürlich auch dem Kind mehr vermitteln.“

(Anhang 8.3, S. 29, Zeile 286 – 287) wird die Paraphrase: „Medienkompetenz der Eltern spiegelt sich im Kind wider“. (Anhang 8.4, S. 38).

Im dritten Schritt werden die Paraphrasen mit Hilfe der Regeln Z2 generalisiert. Die Paraphrasen, die unter dem Niveau liegen, werden verallgemeinert. In Zweifelsfällen werden theoretische Vorannahmen zu Hilfe genommen. Paraphrasen, die über dem Abstraktionsniveau liegen, werden belassen (Mayring, 2015, S. 71 - 72).

Im vierten Schritt erfolgt eine erste Reduktion durch Streichung bedeutungsgleicher Paraphrasen mit Hilfe der Z3-Regel. Unwichtige und nichtssagende Paraphrasen können weggelassen werden (Mayring, 2015, S. 71 - 72).

Im fünften Schritt wird mit Hilfe der Z4-Regeln durch Bündelung eine zweite Reduktion durchgeführt. Es werden ähnliche, sich aufeinander beziehende Paraphrasen zusammengefasst (Mayring, 2015, S. 71 - 72). Aus dem im Schritt zwei genannten Beispiel der Transkription wird: „Soziale Vererbung der Medienkompetenz der Eltern“. (Anhang 8.4, S. 38).

Im sechsten Schritt werden die neuen Aussagen als Kategoriensystem zusammengestellt. (Anhang 8.5, S. 44 – 45). Diese neu formulierten Aussagen sind das Ergebnis der Forschung. Im siebten Schritt müssen nun die neu formulierten Aussagen am Ausgangsmaterial rücküberprüft werden, um sicherzustellen, dass diese neuen Aussagen noch das Ausgangsmaterial repräsentieren (Mayring, 2015, S. 71).

[...]

Details

Seiten
30
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668587984
ISBN (Buch)
9783668587991
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383166
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Schlagworte
gebrauch medien auswirkungen verwertungsmöglichkeiten medienkompetenz sicht gymnasial-lehrerin sekundarstufe

Autor

Zurück

Titel: Der private Gebrauch von digitalen Medien. Auswirkungen und Verwertungsmöglichkeiten der informell erworbenen Medienkompetenz