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Fand bei den Ostgoten eine Ethnogenese statt?

Eine Untersuchung anhand bestimmter Kriterien

Hausarbeit 2016 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fragestellung und Forschungsstand

3. Zeitliche und räumliche Einordnung

4. Die Ausbreitung der Ostgoten bis zum Ostgotenzug nach Italien
4.2. Die Ostgoten auf dem Balkan (473 - 488)
4.3. Der Ostgotenzug nach Italien und die Kämpfe in Italien(488 - 493)

5. Herausbildung ziviler und militärischer Verwaltungsstrukturen und die Entstehung eines Rechtssystems
5.1. Die Stellung des Militärs
5.2. Die Aufnahme römischer Strukturen und die Bildung einer „eigenen“ Administration

6. Sprache, Glaube und Doppelkultur
6.1. Die Sprache der Goten und Römer
6.2. Herausbildung eines eigenen Glaubens und die Entstehung einer Doppelkultur

7. Fazit

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als,,Ethnogenese“ bezeichnet die Fachwissenschaft die ,,Volkwerdung“ eines Stammes oder einer einzelnen Gruppe.

Um die Frage zu beantworten, ob bei den Ostgoten eine Ethnogenese stattfand, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein. Diese lassen sich in mehrere Punkte gliedern: Die Entstehung ziviler und militärischer Verwaltungsstrukturen sowie einem daraus folgenden Rechtsystems. Die Inanspruchnahme eines Gebiet durch Stammesgruppen sowie die Entstehung eines Herrschaftsgebildes mit einem König im Zentrum stellen ebenso wichtige Kriterien dar. Abschließend spielt in der Ethnogenese die Entstehung einer eigenen Kultur eine bedeutende Rolle. Die kulturellen Schwerpunkte lassen sich hierbei in Sprache, Religion und Sitten unterteilen. In der vorliegenden Hausarbeit widme ich mich dem Zeitraum bis zur Zeit Theoderichs .

Die genannten Kriterien stellen die Gliederung meiner Hausarbeit dar. Mit jedem Einzelnen der Punkte soll die zentrale Frage nach einer Ethnogenese der Ostgoten näher beleuchtet und schließlich beantwortet werden. Es muss betont werden, dass in dieser Proseminararbeit nicht das ganze Spektrum historischer Problemstellungen in der Gotenforschung dargestellt werden kann. Ich beziehe mich daher ausschließlich auf die Aspekte und Kriterien, auf die sich die von mir gewählte Definition der Ethnogenese bezieht. Daraus folgt, dass nur die dafür vorgesehenen Aspekte der Gotengeschichte in dieser Proseminararbeit behandelt werden.

2. Fragestellung und Forschungsstand

Der Forschungsstand zu diesem Thema ist aktuell, wenn auch teilweise umstritten. Die Autorinnen und Autoren nutzen jeweils andere Kriterien, um den Begriff der Ethnogenese zu definieren. Daher erweist es sich als schwierig, von einer einheitlichen Definition von Ethnogenese zu sprechen. Dementsprechend wurden die von mir gewählten Kriterien herangezogen, da mir diese als am geeignetsten und bedeutendsten erschienen, um ein Ergebnis für oder gegen die Entstehung der Ethnogenese der Ostgoten zu erlangen.

3. Zeitliche und räumliche Einordnung

Zunächst muss geklärt werden, woher die Ansiedler kamen und in welchen Gruppierungen die Ansiedlungen stattgefunden hatten. In der heutigen Forschung wird angenommen, dass die Stämme auf dem Nordweg aus Russland nach Skandinavien wanderten und Teile der Gauter und Goten sich an der deutschen Ostseeküste übersiedleten. Die Masse von Stämmen wurde als „Guttons“ bezeichnet, bei denen es sich zum Teil auch um Ostgoten gehandelt hatte. Nach ihrem Rückgang nach Südosten im zweiten Jahrhundert, und deren Ansiedlung am Schwarzen Meer, wurden die Massen als „Goti“ bezeichnet und von Caracalla im Jahr 215 bekämpft. Wie es zu der Bezeichnung der Greutungen ergo Ostgoten kam, ist nicht ganz gewiss. Als Vermutung lässt sich der Name aufgrund ihres Landes und dessen Zustand und Beschaffenheit erklären. Das bewohnte Land der Ostgoten war sandig und bestand aus Steppe („griut“=Sand).1

4. Die Ausbreitung der Ostgoten bis zum Ostgotenzug nach Italien

4.2. Die Ostgoten auf dem Balkan (473 - 488)

Um die Zeit der Ostgoten auf dem Balkan einzugrenzen, verwende ich den Zeitraum des Endes des 5. Jahrhunderts und die durch Theoderich Strabos offene Rebellion um 473. Durch diesen Vorgang konnten die Ostgoten ohne nennenswerten Widerstand in Obermösien einmarschieren. Ein Grund für das leichte Vorankommen der Ostgoten war, dass ein kaiserlicher Befehl die sarmatischen Föderaten und römischen Grenztruppen daran hinderte, Widerstand zu leisten.2

Theoderich Strabo, auch „Schieler“ genannt, war Ostgote und Amaler und verwandt mit dem oströmischen Heermeister Flavius Ardabur(ius) Aspar. In Thrakien organisierte er ein ostgotisches Heer und durch die rasche Vergrößerung seines Heeres erannten die Föderatenkrieger ihren Anführer 473 zum König. Er behauptete für sich, der alleinige Gotenkönig zu sein und wollte das Erbe Aspars antreten. Nach mehreren Kämpfen willigte der Kaiser den Forderungen ein. Hierdurch erlangte er das Amt des obersten Heermeisters.3

Der Aufstieg Theoderich Strabos war für Theoderich in dem Punkt gefährlich, als dass Strabos Aufstieg zum Ziel hatte, der alleinige König der Goten zu werden und ihm damit das Monopol des gotischen Königtums ihm. Somit würde Theoderich Strabo das Erbe der Amaler erlangen, und Theoderich sowie sein Vater Thiudimir in das Abseits katapultiert werden und nur noch als verarmte Verwandte gelten. Durch Schlachten zwischen den beiden Parteien gelang es ihnen, Teile von Strabos Gebiet einzunehmen und ganze makedonische Stadtbezirke für sich zu behaupten, obwohl der Vater und der Sohn eine schwächere Streitmacht besaßen. Der Mittelpunkt des Föderatenreichs lag in Kyrrhos. Dort lebte Oberkönig Thiudimir, welcher alsbald eine Versammlung der Goten einberief, um seinen Sohn Theoderich als seinen Nachfolger zu ernennen. Thiudimir verstarb im Jahre 474 in Kyrrhos. Nach dessen Tod erhoben seine Landsleute Theoderich zu ihrem König. Durch den Tod von Kaiser Leo I. am 18. Januar 474 verlosch das Band zwischen Kaiser und Strabo, da ihm der neue Kaiser Zenon nicht wohlgesonnen war und somit seinen Untergang besiegelt hatte. Durch das zerrissene Band zwischen Kaiser Zeno und König Strabo sah Theoderich, Thiudimirs Sohn, seine Chance zur offenen Auseinandersetzung zwischen ihm selbst und seinem Namensvetter. Zwischen den Jahren 474 und 476 zog Theoderich daher vom makedonischen Föderatenreich nach Niedermösien.4

Keiner der beiden Gotenkönige suchte die offene Schlacht, da jeder gefallene Gotenkrieger einen schweren Verlust für die jeweilige Seite darstellte. Die Praxis hierbei lief in eine andere Richtung: anstatt den Krieg zu suchen, um das Königtum der Goten zu monopolisieren, versuchten beide dem jeweils anderen dessen Gefolgschaft zu minimieren, indem sie diese abzuwerben und in ihrem eigenem Volk einzugliedern versuchten.5

Am. 1. Januar 484 reiste Thoeoderich nach Konstantinopel, um dort den Konsulat anzutreten. Damit wurde seine amalische Gefolgschaft zu Flaviern. Als Konsul stand der Gotenkönig im Zentrum der Ehrungen, welche üblicherweise dargebracht wurden.6 Ferner sollte das Gebiet der mösichen Goten südlich über das Balkangebiet ausgebreitet werden. Römischen Reichsbeamten kam dabei die Aufgabe zu, dies durchzuführen und zu überwachen. Hier sind Theoderichs Zeit und Lehrjahre in Konstantinopel erkennbar, da er mit seinem Handeln zeigte, wie sehr ihn die Zeit in Konstantinopel geprägt hatte und welchen Wert die römische Administration für ihn hatte.7

4.3. Der Ostgotenzug nach Italien und die Kämpfe in Italien(488 - 493)

Das ostgotische Reich in Italien lässt sich aufgrund mangelnder und unkorrekter Quellen nur sehr schwer eingrenzen. Die politische Lage ist ebenfalls nicht ganz klar. Auf der einen Seite stand die Bezeichnung des Barbarenvolkes mit einem an erster Stelle stehenden Barbarenkönig, der durch Eroberung das eingenommene Italien sowie die angrenzenden Länder für sich behauptet hatte. Durch die Unabhängigkeit zum Oströmischen Reich konnte es jeder Zeit zum Krieg kommen. Auf der anderen Seite kann die Eingliederung und Anerkennung Italiens als Teil des Reiches und das Gotenvolk somit als Teil des Imperiums gesehen werden. Erwähnt werden muss, dass der König und die Ostgoten im Gegensatz zu den anderen „Barbari“ anerkannt waren. Theoderich wurde vom Kaiser nach Italien gesandt, um Odovakar zu besiegen und das Territorium für den Kaiser zurück zu erobern, was allerdings von seiner Gefolgschaft anders gesehen wurde. Sie riefen Theoderich zum „König“ der Italier aus. Das Abkommen zwischen Zenon und Theoderich sah dies aber nicht vor, wodurch ihm die Römer seine Rechte am Land streitig machten und ihn nicht anerkannten, da er sich nicht an die Abmachung gehalten hatte. Nach der Schlacht gegen Odovakar sandte Theoderich die Obersten des Senats nach Byzanz, um die „vestis regia“,8 das königliche Gewand, zu verlangen. Es handelte sich dabei um das Purpur aus Byzanz, womit Theoderich seine Macht und seine Autorität in Italien demonstrieren wollte. Die Goten erhoben ihn zum König über Italien,9 ohne die Bestätigung aus Byzanz erhalten zu haben. Dies schadete dem Verhältnis zwischen Kaiser und Theoderich, welches sich erst 498 entspannte und schließlich in der Anerkennung durch den Kaiser mündete.10

Die Stellung Theoderichs unterschied sich von den in der Vergangenheit einmarschierten Germanen für die Römer insofern, als dass die jetzigen aus freien Sippen bestanden und nicht aus Söldner oder dergleichen. Durch die gewonnenen Schlachten gegen die Anhänger Odovakars bekamen die Anhänger Theoderichs die „ Sortes Herulorum“. Das bedeutete, sie nahmen einen Teil des italienischen Bodens und beanspruchten diesen für sich.

[...]


1 vgl.: Dahn, Ostgermanen, 229 und Wessén, Sprache, 123f.

2 vgl.:Herwig, Goten, 335.

3 vgl.: Herwig, Goten, 336.

4 vgl.: Herwig, Goten, 337 und Heather, Gens, 86f.

5 vgl.: Herwig, Goten, 339 und Heather, Gens, 86f.

6 vgl.: Herwig, Goten, 339.

7 vgl.: Herwig, Goten, 340.

8 vgl.: RGA, 461.

9 Goldmünze Theoderichs des Großen.Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Bd. 50, 1935, S. 341, Abb. 2. Verlag F. Bruckmann, München.

Seine Macht und seinen Einfluss ließ Theoderich auf Münzen prägen. Avers und Revers zeigen jeweils ein Abbild seiner selbst. Auf dem Avers ist Theoderich in seiner Position als König zu sehen. Indem er den Segensgestus vollzieht, verdeutlicht er seine Verbundenheit zum christlichen Glauben. Auf dem Revers wird Theoderichs Macht und sein Erfolg durch den Schriftzug Theodericus Victor sichtbar.

10 vgl.: Dahn, Ostgermanen, 230.

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668589810
ISBN (Buch)
9783668589827
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383262
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Geschichte und Kulturwissenschaften
Note
8,00
Schlagworte
fand ostgoten ethnogenese eine untersuchung kriterien

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Titel: Fand bei den Ostgoten eine Ethnogenese statt?