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Umsetzung der UN-Entwicklungsziele in Westafrika. Schwerpunkt: Alphabetisierung und Armutsbekämpfung

Bachelorarbeit 2017 70 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

0. Einleitung

1. Literaturstand

2. Theoretische Herleitung

3. Fallauswahl 1 für Sekundärdatenanalyse

4. Empirische Überprüfung
4.1 Sekundärdatenanalyse Westafrikas
4.2 Paarvergleich
4.2.1 Paarvergleich Burkina Faso/Niger
4.2.2 Paarvergleich Guinea-Bissau/Gambia

5. Fazit und Bewertung der Ergebnisse

6. Abstract und Zusammenfassung

i. Literaturverzeichnis

a) Monographien

b) Aufsatz aus einem Journal

c.) Aufsatz aus einem Sammelband

d.) Internetquellen

ii. Gesondertes Literaturverzeichnis zur Tabelle aus Kapitel 4.1

iii. Abkürzungsverzeichnis

iv. Tabelle zur Sekundärdatenanalyse

Kapitel 0 Einleitung

Die vorliegende qualitative Ausarbeitung geht der Frage nach, unter welchen Bedingungen die UN-Millenniumsentwicklungsziele bis 2015 umgesetzt werden. Hierbei fokussiert sich die Arbeit auf die Ziele der Alphabetisierung und der Armutsbekämpfung. Die UN möchte eine weitgehende Alphabetisierung über die Verwirklichung einer allgemeinen Grundschulbildung erreichen (UN 2015, 4-7). Es wird unter anderem analysiert, wie erfolgreich in den einzelnen Ländern die Ziele durch die zugehörigen UN Programme umgesetzt werden können. Ein besonderer Fokus liegt auf den Bedingungen, die in den jeweiligen Ländern vor und während der Durchführung der Entwicklungsprogramme herrschen. Hierbei wird auch auf die Gründe eingegangen, warum ein Ergebnis vielleicht nicht so ausfällt, wie es die UN in ihren Zielen erreichen möchte.

Aus pragmatischen Gründen wird im Rahmen dieser Arbeit nur auf Westafrika eingegangen. Eine Begründung findet sich in der Fallauswahl wieder (siehe Kapitel 3, S.27). Im Rahmen einer späteren empirischen Analyse wird zunächst eine Sekundärdatenanalyse mit den 16 westafrikanischen Ländern durchgeführt. Es folgen auf Grundlage der Ergebnisse im zweiten Teil zwei Paarvergleiche zur Validierung der Ergebnisse.

Die Paarvergleiche werden zwischen den Ländern Niger und Burkina Faso einerseits und den Ländern Gambia und Guinea-Bissau andererseits durchgeführt. Diese Länder gehen aus der Sekundärdatenanalyse aufgrund von ähnlichen Ausgangsbedingungen im Bereich der Alphabetisierung und der Armutsbekämpfung als besonders geeignet hervor. Beim Länderpaar Guinea-Bissau und Gambia handelt es sich um kleinere Länder mit überschaubaren Einwohnerzahlen und Bruttoninlandsprodukten. Niger und Burkina Faso sind beides Länder, die innerhalb des samples in den letztgenannten zwei Bereichen eher im Mittelfeld vorzufinden sind. Auch bei diesen Ländern können aus der Sekundärdatenanalyse sehr ähnliche Werte gefunden werden. Beide Paarvergleiche beinhalten jeweils eine spezifischere statistische Analyse und zudem einen narrativen Teil. Ziel des narrativen Teils ist es, die statistischen Daten möglichst mit empirischen Begebenheiten vor Ort zu validieren. Wenn bspw. Burkina Faso besonders schlecht im Bereich der Alphabetisierung abschneidet, ist es Ziel des narrativen Teils zu fragen, warum dies so ist. Vielleicht liegt es ja an den Entfernungen zur Schule oder an zu hohen Schulgeldern? Hierüber geben Statistiken meist nur einen sehr statischen Eindruck. Narrative und journalistische Quellen geben hingegen ein dynamischeres Bild aus Sicht der jeweiligen Zielgruppe vor Ort wieder.

Durch dieses qualitativ gemischte Forschungsdesign soll die Arbeit eine möglichst aussagekräftige Darlegung über die vorherrschenden Bedingungen in den jeweiligen Ländern geben.

Ziel dieser Arbeit ist es auch, herauszufinden wie erfolgreich die Ergebnisse nach Durchführung der Entwicklungsziele in den einzelnen Staaten aussehen. Im Laufe der Ausarbeitung wird festgestellt werden, dass leider immer wieder das Problem auftritt, dass nicht genügend vorhandene Daten erhoben worden sind und eine fehlende Transparenz die Analyse zudem erschwert. Zur allgemeinen Entwicklungspolitik und zu den UN-Millenniumszielen allgemein gibt es sehr viel Literatur. Deutlich schlechter erweist sich die Literaturlage für spezifische Länder. Dieses Problem tritt vor allem bei den Paarvergleichen auf, wo kaum wissenschaftliche Literatur für spezifische Phänomene vorfindbar ist. Zudem sind viele Quellen nur auf Französisch verfügbar, die jedoch für den Zweck dieser Arbeit übersetzt werden. Bei dieser Arbeit werden vielfältige Quellen benutzt. Herzstück dieser Arbeit ist neben den Paarvergleichen vor allem eine im Rahmen der Sekundärdatenanalyse eigens erstellte Tabelle mit vielen Variablen. Aufgrund der Tatsache, dass es nicht alle Daten in einer Quelle gibt, werden sehr viele verschiedene Quellen genutzt. Darunter Daten der UN, der Weltbank, sowie des Portals Aidflows und Daten aus dem Freedom-House-Index.

Die Analyse der Projekte findet auf der Makroebene statt. Es wird nur ansatzweise auf bestimmte spezifische Projekte eingegangen, da sich diese Arbeit vor allem mit den Bedingungen bei der Durchführung vor Ort beschäftigen soll und nicht mit den Projekten selbst.

Die UN Entwicklungsprogramme sind in der Regel an spezifische weltweite Probleme geknüpft. Durchgeführt werden die Programme meist von der UNDP (united nations development programme). Die Programme der UN sind weitergehend an die Entwicklungsziele geknüpft (vgl. UNDP 2017). Aus den UN Millenniumszielen wird somit das „UN-Millenniumsentwicklungsprogramm“. Die Ziele zur Reduzierung von Armut oder zur allgemeinen Grundschulbildung werden dann durch dieses Programm zu erreichen versucht. Vor Beginn des Millenniumsprogramms gibt es Einzelprogramme, wie das Unescoprogramm „education for all“ (vgl. UNESCOeh 2012). Wenn in dieser Arbeit ein UN-Entwicklungsziel analysiert wird, steckt dahinter meist ein gleichnamiges Programm, welches an das Oberprogramm „Millenniumsentwicklungsprogramm“ geknüpft ist. Bspw. wird zur Erreichung des Ziels der Armutsbekämpfung das Programm zur Armutsbekämpfung ins Leben gerufen.

Als Bedingungen werden im Rahmen dieser Arbeit diejenigen Faktoren mitberücksichtigt, die einen Einfluss auf die Entwicklungszusammenarbeit in den jeweiligen Bereichen haben. Denn diese Einflussfaktoren können die im jeweiligen Land vorherrschenden Bedingungen teilweise stark beeinflussen. Hierzu zählen auch politische, wirtschaftswissenschaftliche und umwelttechnische Rahmenfaktoren. Nicht unter diese eigens entworfene Definition fallen aus pragmatischen Gründen bürokratische und verwaltungstechnische Angelegenheiten. Durch diese kann zwar Entwicklungszusammenarbeit zusätzlich positiv wie negativ beeinflusst werden, nur kann dies nicht einfach überprüft werden. Stattdessen spielen Ausgangsbedingungen in dieser Ausarbeitung eine große Rolle. Um bestimmte Erfolge messen zu können und diese miteinander vergleichen zu können, müssen in den jeweiligen Ländern ähnliche Bedingungen vorherrschen. In diesem Sinne werden unter Ausgangsbedingungen vor allem statistische Kennzahlen, wie bspw. das BIP oder die Armutsquote verstanden.

Im Folgenden sollen zunächst die gängigsten Begrifflichkeiten der Entwicklungspolitik erläutert werden.

Zunächst gilt es den Begriff der „Entwicklung“ zu definieren. Nach Kevenhörster wird mit „Entwicklung“ aus politikwissenschaftlicher Perspektive die Vorstellung verbunden, einen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Wandel herbeizuführen. Folglich handelt es sich um einen normativen Begriff (vgl. Kevenhörster 2009, 19).

Politisch zu unterscheiden sind grundlegend die Begriffe der Entwicklungshilfe und der Entwicklungszusammenarbeit. Entwicklungshilfe ist ein veralteter Begriff der für die Anfangsphase der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit bis zum Ende des Kalten Krieges geläufig ist. Während bei der Entwicklungshilfe die „Hilfe“ im Vordergrund steht, setzt man bei der seit den 1990er Jahren geläufigen „Entwicklungszusammenarbeit“ auf eine nachhaltige und partnerschaftliche multilaterale Entwicklungspolitik (vgl. Diop 2017, 24). Der Fokus liegt folglich auf einer Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“.

Allgemein hat Entwicklungszusammenarbeit nach Klingebiel zum Ziel, Ländern in ihren Bemühungen um wirtschaftliche und soziale Fortschritte zu unterstützen (Klingebiel 2013, 5). Es gilt jedoch zu beachten, dass Entwicklungszusammenarbeit ein sehr komplexes und vielfältiges Politikfeld darstellt und somit je nach Anliegen sich die Definitionen der jeweiligen Akteure unterscheiden können. Seit 2000 gleichen sich die meisten Konzepte jedoch größtenteils und basieren auf den UN-Millenniumszielen. Im folgenden Kapitel wird exemplarisch kurz in die Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland eingeführt, dann erfolgt ein spezifischer Eingang auf die Millenniumsziele.

Im weiteren Verlauf der Ausarbeitung werden Theorien aus der politikwissenschaftlichen Entwicklungsforschung herangezogen, die vor allem erklären sollen, unter welchen Bedingungen die Entwicklungsprogramme einen Effekt haben können. Auch wird auf die Kontroverse eingegangen werden, ob Entwicklungszusammenarbeit überhaupt zu einem Erfolg führt. Doch zunächst geht der Literaturstand der Frage nach, was Entwicklungszusammenarbeit eigentlich allgemein ist; ferner wird immer spezifischer und fokussierter der Forschungsfrage nachgegangen, unter welchen Bedingungen die UN-Millenniumsentwicklungsziele bis 2015 umgesetzt werden.

Kapitel 1 Literaturstand

Abschnitt 1: Entwicklungszusammenarbeit

Wie bereits die vorherige Argumentation im Rahmen der Einleitung aufzeigt bedeutet für jeden Akteur Entwicklungszusammenarbeit etwas Individuelles. Das deutsche BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) möchte bspw. mit Entwicklungszusammenarbeit Menschen ermöglichen, in Eigenverantwortung, Freiheit und ohne materielle Not zu leben (BMZ 2017).

Auch soll deren Kindern eine gute Zukunft ermöglicht werden. Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit ist es, einen weltweiten Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und politischen Verhältnisse zu leisten. Entwicklungszusammenarbeit liefert im speziellen bspw. einen Beitrag zur Bekämpfung von Armut. Auch sollen Menschenrechte genauso wie Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gefördert und Krisen vorgebeugt werden.

Die Entwicklungspolitik der Bundesrepublik Deutschland handelt laut BMZ aus dem Grundsatz „ethischer Verantwortung und internationaler Solidarität“ heraus. Hierbei ist es dem BMZ von besonderer Wichtigkeit, dass die Entwicklungsländer keine „reine Entwicklungshilfe“ erhalten, sondern vielmehr als gleichberechtigte Partner betrachtet werden. Jegliche Maßnahmen und Ziele der Zusammenarbeit werden gemeinsam mit dem betroffenen Land vereinbart und durchgeführt.

Nach der allgemeinen Einführung in die Begriffe der Entwicklungszusammenarbeit und der Entwicklung im allgemeinen Sinne sollen nachfolgend die Kriterien des OECD-Entwicklungsausschusses für eine entwicklungspolitische Leistung aufgezeigt werden.

Ob eine spezifische Leistung auch gleichzeitig eine internationale Leistung zur Entwicklungszusammenarbeit darstellt, kann klar durch Kriterien des OECD-Entwicklungsausschusses ermittelt werden (Klingebiel 2013, 5-7).

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein:

- Leistungen müssen Entwicklungsländern bereitgestellt werden. Ausschlaggebend hierfür ist, ob ein Land auf der Liste der Entwicklungsländer aufgelistet ist. Diese Liste wird alle drei Jahre aktualisiert. Ob ein Land auf der Liste als Entwicklungsland steht, liegt vor allem am verfügbaren „Pro-Kopf-Einkommen“ vor Ort. Eine Unterentwicklung beschreibt hierbei den Zustand unterhalb einer festgelegten Norm (vgl. Diop 2017, 27).
- Die Leistungen müssen der wirtschaftlichen Entwicklung oder der Verbesserung des Lebensstandards in Entwicklungsländern dienen. Vor allem Militärunterstützungen zählen nicht zu diesen Leistungen (Klingebiel 2013, 3-5).
- Die Leistungen müssen entweder als „Zuschuss“ oder als „vergünstigtes Darlehen“ von den Gebern zur Verfügung gestellt werden. Unter Zuschüssen versteht man reine Schenkungen. Es erfolgt folglich keine Rückzahlung in jedweder Form. Unter vergünstigten Darlehen wird eine monetäre Leistung verstanden, welche mit einem Zuschusselement von mindestens 25% ausgestattet ist.

Um die zukünftige internationale Entwicklungspolitik effizienter und zielgerichteter auszurichten und um den betroffenen Ländern und insbesondere deren Bevölkerung möglichst gut helfen zu können, werden im Jahr 2000 die Millenniumsentwicklungsziele verfasst. Abschnitt 2 definiert zunächst die Ziele des Millenniumentwicklungsprogramms und wertet diese später aus.

Abschnitt 2: Die Milleniumsentwicklungsziele

Die Millenniumsentwicklungsziele sind ein Resultat eines der größten Gipfeltreffen der Vereinten Nationen, die es bisher gegeben hat (BMZ 2017). Im September 2000 treffen sich Staats- und Regierungschefs von 189 Nationen in New York und beraten über die zukünftige weltweite Entwicklungspolitik. In der Millenniumserklärung werden vor allem vier Aufgabenfelder der zukünftigen Entwicklungspolitik im 21. Jhd. festgelegt:

- Frieden, Sicherheit und Abrüstung
- Entwicklung und Armutsbekämpfung
- Schutz der gemeinsamen Umwelt
- Menschenrechte, Demokratie und gute Regierungsführung

Aus diesen Aufgabenfeldern folgen später folgende spezifische Ziele, die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollen (UN 2015,4-7):

- Beseitigung der extremen Armut und des Hungers
- Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung
- Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frauen
- Senkung der Kindersterblichkeit
- Verbesserung der Gesundheit von Müttern
- Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten
- Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit
- Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft

Im Rahmen des ersten Ziels möchte die UN in den 15 Jahren des Programms die „extreme Armut“ reduzieren. Dabei wird angenommen, dass eine Person als arm gilt, wenn diese pro Tag über weniger als 1,25 US-Dollar verfügt. Dies entspricht bei Annahme eines Monats mit durchschnittlich 30 Kalendertagen einem Monatsnettobetrag von insgesamt gerade einmal 37,50 US-Dollar. Während im Jahr 1990 noch fast die Hälfte der in Entwicklungsländern lebenden Bevölkerung über weniger als 37,50 US-Dollar im Monat verfügt, sind es 2015 nur noch 14%. Dies entspricht einer Senkung von über 50%. Damit kann global gesehen das Ziel als erreicht angesehen werden. Auf Länderebene wird jedoch häufig mit 1,90 US-Dollar pro Tag unter Kaufkraftparität gerechnet (Weltbank 2017). Was genau unter Kaufkraftparität verstanden wird, wird in Kapitel 4.1 nochmals spezifisch behandelt werden.

Das zweite UN-Millenniumsziel möchte die „allgemeine Grundschulbildung“ verwirklichen. Ziel ist es folglich, dass jedes Kind eingeschult wird und mindestens einen Grundschulabschluss erreicht. Als Indikatoren dienen zum einen die Nettoeinschulungsrate im Primarschulbereich, der Anteil der 5. Klässler und vor allem die Alphabetisierungsrate bei den 15-24-jährigen (UN Kampagne 2017). Durch die Verwirklichung einer allgemeinen Grundschulbildung möchte die UN vor allem die Alphabetisierungsrate in Entwicklungsländern erhöhen. Man kann folglich das Ziel auf das Hauptziel der „Alphabetisierung“ herunterbrechen.

Das Ziel der „Gleichstellung der Geschlechter“ möchte die UN vor allem durch einen besseren Zugang von Bildung für Mädchen und Frauen und einen dadurch einhergehenden höheren Bildungsstand derer erreichen. Hierbei sei Bildung der Schlüssel zur Überwindung der weiblichen Unmündigkeit (UN Kampagne 2017).

Um das Ziel der „Senkung der Kindersterblichkeit“ erreichen zu können, bedarf es vor allem der Ursachenbekämpfung. Statistisch gesehen stirbt alle 3 Sekunden ein Kind. Die meisten Todesursachen sind vermeidbare Krankheiten, die durch verschmutztes Trinkwasser, unhygienische Lebensbedingungen und fehlenden Impfschutz entstehen. Ziel ist es, die Kindersterblichkeit bei den unter 5-jährigen im Zeitraum 1990-2015 um zwei Drittel auf 3,5% zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen muss die UN bspw. mehr saubere Trinkwasserquellen schaffen (vgl. UN Kampagne 2017).

Viele Kinder in Entwicklungsländern müssen zudem ohne ihre Mütter aufwachsen, da diese bspw. bei der Entbindung sterben. Gründe hierfür sieht die UN vor allem in einer unzureichenden Gesundheitsversorgung und Schwangerschaften im Alter von 12-14 Jahren. Folglich hat es sich die UN zum Ziel gesetzt, die Gesundheitsversorgung für Mütter zu verbessern (vgl. UN-Kampagne 2017).

Viele Kinder in Subsahara-Afrika sterben auch durch Malaria. Statistisch gesehen stirbt alle 30 Sekunden ein Kind an den Folgen dieser Krankheit. Andere Krankheiten erhöhen diese Quote zudem. Auch an HIV sterben viele Menschen in Entwicklungsländern. Die UN möchte, als ein weiteres Ziel, diese Krankheiten bekämpfen und aufhalten. (vgl. UN-Kampagne 2017).

Auch der Umweltschutz findet in den Millenniumszielen Berücksichtigung, denn mittelfristig bis langfristig sei ohne eine „ökologisch nachhaltigen“ Umweltschutz kein menschenwürdiges Leben mehr möglich und der Kampf gegen die Armut würde dadurch nur kurzzeitig gelingen, so die deutsche UN Millenniumskampagne (UN-Kampagne 2017).

Zuletzt möchte die UN als 8.Ziel eine globale Partnerschaft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern aufbauen (UN-Kampagne 2017).

Alle Millenniumsziele hängen miteinander zusammen und bedingen sich gegenseitig. Wer einen höheren Bildungsstand besitzt hat bspw. bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und folglich eine geringere Wahrscheinlichkeit zu verarmen. Höher gebildete Arbeitskräfte arbeiten wiederum in der Regel produktiver, nutzen technische Möglichkeiten effizienter und sind innovativer (UN Kampagne 2017).

Bildung und Armutsbekämpfung stellen folglich zwei wichtige und weitreichende Ziele dar, auf die sich diese Ausarbeitung nachfolgend fokussiert.

Die Millenniumsziele laufen im Jahr 2015 offiziell aus. Am 25.September 2015 beschließen 193 Mitgliedsstaaten siebzehn neue weltweite Ziele, die bis zum Jahre 2030 verwirklicht werden sollen. Hierbei handelt es sich um die „17 global goals“. Einige der 17 Ziele basieren jedoch auf den Millenniumszielen oder sind logische Folgeziele (vgl. Globalgoals 2017). Das es weitere neue Ziele in der weltweiten Entwicklungszusammenarbeit gibt zeigt bereits, dass nicht alle Ziele bis 2015 perfekt und endgültig erreicht werden können.

2015 wertet die UN in einem umseitigen Bericht die Millenniumsziele aus (UN 2015). Einerseits kann die UN auf globaler Ebene viele Ziele erreichen, anderseits existieren große regionale Unterschiede und nicht jedes Ziel kann wie geplant erreicht werden.

Das Ziel, die extreme Armut zu reduzieren, kann erreicht werden, denn während 1990 fast die Hälfte der Bevölkerung in Entwicklungsländern unter Armut leidet, so sind es 2015 nur noch 14%. Hierdurch geht zusätzlich zwischen 1990 und 2016 die Zahl der unterernährten Menschen in Entwicklungsländern um fast 50% auf 12,9% zurück. Das Ziel der Verwirklichung einer allgemeinen Grundschulbildung wird verfehlt. Zwar sinkt die weltweite Quote an Kindern, die keine Schule besuchen um mehr als 40%, dennoch gehen immer noch 57Mio. Kinder nicht zur Schule. Vor allem in Afrika südlich der Sahara können zwar erhebliche Fortschritte erzielt werden, jedoch liegen die Ergebnisse noch weit unter dem Ziel einer 100%igen, weltweiten Grundschulbildung. Während 1990 nur 52% der Kinder zur Grundschule gehen, sind es 2015 immerhin 80%. Die weltweite Alphabetisierungsquote kann bei den 15-24-jährigen von 83% auf 91% erhöht werden.

Auch die anderen Ziele können zwar nicht hundertprozentig erreicht werden, es sind aber klare Fortschritte erkennbar.

Anschlussziele für die Erreichung der Armutsbekämpfung und der allgemeinen Grundschulbildung sind im Rahmen der Global Goals die extreme Armut weltweit vollständig zu verhindern (0%) und ein hochwertiges weltweites Bildungssystem zu schaffen. Dieses Bildungssystem soll integrierend ausgestaltet werden und ein gleichberechtigtes und hochwertiges, lebenslanges Lernen ermöglichen (Global Goals 2017).

Nach der Auswertung des UN Berichtes werden nun zur Validierung unabhängigere Quellen konsultiert.

Gleistein sieht zwar Erfolge in der Entwicklungszusammenarbeit, aber auch noch deutlichen Ausbaubedarf. Sie bezieht sich vor allem auf das UNESCO-Programm „Education for all“ (EFA), welches zu einer weltweiten Alphabetisierung beitragen soll und bis 2015 durchgeführt wird (UNESCOeh 2012). Anders wie andere UN Programme wird dieses Programm jedoch bereits vor 2000 etabliert und startet zunächst unabhängig von den Millenniumsprogrammen, wird später jedoch in diese integriert. Ziel des Programms ist es, die Alphabetisierungsrate vor allem bei Frauen um 50% zu steigern, eine Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern zu erreichen, sowie die Qualität der Bildung generell zu verbessern. Besonders wichtig ist auch das Ziel einer qualitativ hochwertigen Grundschulausbildung für alle Kinder.

Ein weiteres Ziel des Programms ist der Ausbau von frühkindlicher Bildung. Anna Gleistein analysiert dieses Teilziel anhand des westafrikanischen Staates Senegal (Gleistein 2011, 15-19). Ob ein Land die Ziele des EFA erreicht wird nach dem sogenannten EFA Development Index (EDI) gemessen. Hierbei sollte das Ergebnis nicht unter 0,8 liegen, denn dies bedeutet, wie im Falle des Senegals, dass ein Land noch sehr weit von der Erreichung des Ziels entfernt ist. 2011 erreicht der Senegal einen Wert von 0,65 und wird bei der UNESCO im selben Jahr auf dem zehntletzten Platz im Ländervergleich geführt. In die Vorschule gehen im Senegal 1990 nur 2,4% der Kinder, 2007 sind es immerhin schon 9%. Auch im direkten Vergleich mit anderen Ländern aus der Region „Subsahara-Afrika“ ist dies zwar ein Fortschritt, aber noch weit entfernt vom regionalem Durchschnitt. Dieser liegt bei etwa 41%. Grund dafür sei, so Gleistein, vor allem, dass viele Vorschulen privat betrieben werden. Das Schulgeld können nur wenige Eltern bezahlen. Auch die Alphabetisierungsrate unter den Jugendlichen ist im Senegal sehr niedrig.

Wie die Vorschule im speziellen kann formelle Bildung im Allgemeinen die Qualität des Faktors Arbeit verbessern und sorgt, nach Denisons, bereits zwischen 1929 und 1957 für ein Wachstum des Volkseinkommens von 23% (vgl. Bodenhöfer, 1998). Auch die Einkommensunterschiede sind enorm. Auch Tariq Saiful belegt in seiner Studie eindeutig, dass Bildung einen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hat (Saiful Islam 2007). Laut aktuellen Zahlen sind 35,7% der Afrikana (inkl. Sub-Sahara) mit einem Alter über 15 Jahren Analphabeten. Im Vergleich sind es in Europa und Zentralasien gerade einmal 1,9% (Statista 2017). Noch 2013 waren jedoch 41,6% der Afrikana Analphabeten (Statista 2016). Ob dies mit dem im Literaturstand aufgezeigten UNESCO Programm EFA zusammenhängt, lässt sich aus dieser Statistik nicht entnehmen.

Die Studien von Bodenhöfer und Saiful Islam zeigen, dass formelle Bildung mit einem höheren Volkseinkommen einhergehen, und das somit Alphabetisierung auch zu einem höheren individuellen Einkommen führen kann. Angenommen werden darf also auch, dass ein höheres Einkommen der nun neu alphabetisierten Schichten letztlich auch zu einer Reduzierung von Armut führen kann.

Doch Armut hängt von sehr vielen Faktoren ab (Armut.de 2017). Kurz aufgelistet sind dies im Wesentlichen nach der Informationsplattform Armut.de die folgenden:

- Geldmangel und Verschuldung
- Mangel an Bildung und Ausbildung
- Hunger und Unterernährung
- Krankheiten, darunter auch HIV und AIDS
- Kindersterblichkeit und geringe Lebenserwartung
- Starkes Bevölkerungswachstum
- Bewaffnete Konflikte, Flucht und Vertreibung
- Terrorismus
- Klimawandel
- Globalisierung
- Regierungsführung
- Kulturelle Ursachen

Beim Faktor Armut handelt es somit um ein multidimensionales und vielschichtiges Problem. Alphabetisierung stellt nur ein Instrument zur Armutsbekämpfung dar, welches jedoch, wie die Literatur zeigt, nicht unerhebliche Fortschritte mit sich bringen kann. Bei den nachfolgenden Argumentationen sollte die Multidimensionalität des Phänomens Armut immer mitberücksichtigt werden.

Auch Holtz zieht eine gemischte Bilanz (Holtz 2010, 3-8). Er beschäftigt sich vor allem mit dem Ziel der Armutsbekämpfung. Zwar kann die UN den prozentualen Anteil der Armut deutlich senken, jedoch läge dies auch an der allgemein gestiegenen Weltbevölkerungszahl. In absoluten Zahlen kann die Zahl der von extremer Armut betroffener Menschen zwischen 1990 und 2005 lediglich von 1,8 Mrd. auf 1,4 Mrd. gesenkt werden, so Holtz. Er sieht vor allem in Subsahara-Afrika, wozu auch Westafrika gehört, nur geringe Erfolge. Zwischen 1990 und 2005 sei der Anteil der extrem armen Bevölkerung gerade einmal um 6% Punkte gesunken (von 57% auf 51%). Auch die Erfolge des zweiten Entwicklungsziels (Verwirklichung einer allgemeinen Grundschulbildung) seien noch nicht hoch genug. So kämen Entwicklungsländer zwar gesamt gesehen dem Ziel näher, jedoch gehen im Jahr 2007 noch 72 Mio. Kinder weltweit nicht zur Schule, von denen etwa die Hälfte in Subsahara-Afrika leben. Auch das dritte Ziel einer Gleichberechtigung der Geschlechter sieht Holtz in Bezug auf die Schulbildung verfehlt. Man habe das Ziel nicht wie geplant bis 2005 erreichen können. Bis 2005 hat sich die UN zum Ziel gesetzt, das Geschlechtergefälle in Grund- und Sekundarschulen aufzuheben.

Es existieren verschiedene Konzepte für die Reduzierung von Armut. Ein Ansatz neben einer Erhöhung des Bildungsstandes ist die Nutzung des Tourismus als Wirtschaftsmotor. Matthias Beyer sieht in der „touristischen Wertschöpfungskette langfristige Beschäftigungseffekte in Entwicklungsländern (Beyer 2014, 25-26). In den vergangenen 60 Jahren habe sich der Tourismus so rasant wie kein anderer Wirtschaftszweig entwickelt, so Beyer. In Entwicklungsländern sei der Tourismus durchschnittlich für 7% des Gesamtexportes verantwortlich. Im Dienstleistungsbereich sogar für etwa 45%. Vor allem in peripheren Regionen könne der Tourismus und die damit einhergehende Verbesserung der allgemeinen Infrastruktur beitragen oder diese erschaffen, so Beyer. Eine periphere Region liegt dann vor, wenn die wirtschaftliche Entwicklung hinter den Standards des Zentrums zurückbleibt (Gabler Wirtschaftslexikon 2017).

Die nachfolgenden eigens angebrachten fiktiven Beispiele stellen mögliche durch den Tourismus beeinflusste Verbesserungen dar. Handelt es sich bspw. um ein Land, in welches Touristen vor allem mit dem PKW reisen, so könnte dies einen Ausbau von Autobahnen notwendig machen. Handelt es sich um eine Insel, so wäre eine mögliche Maßnahme für eine verbesserte Infrastruktur bspw. ein Flughafenausbau oder eine Schaffung eines Überseehafens mit Kreuzfahrtterminal. Ohne den Tourismus wären diese Projekte vielleicht nicht notwendig. Folglich könnten auch Einheimischen nicht davon profitieren. Geschaffen werden kann neben Hotels und Campingplätzen so bspw. eine neue Verkehrsanbindung, wie eine Autobahn, von der dann die Gesamtbevölkerung mit profitiert (nach Beyer 2014, 25-26). Zudem bedarf es Arbeitskräften die die entsprechende Infrastruktur durch ihre Arbeitskraft erschaffen können. Folglich wird bereits mit dem Aufbau einer solchen Infrastruktur Armut bekämpft, denn Arbeitsplätze sichern den Menschen ein Einkommen. Ein vorhandenes Einkommen schützt in den meisten Fällen vor Armut. Inwieweit ein Einkommen vor Armut schützt liegt jedoch an der Höhe des Einkommens. Auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sieht im Tourismus eine Chance für die Armutsbekämpfung, wobei diese eher von der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) gesehen wird, als vom BMZ (vgl. GTZ/GIZ 2007, 24). In ihrer Ausarbeitung zeigt die GIZ vor- und nachteilige Effekte des Tourismus auf. Die wichtigsten positiven Effekte laut GIZ sind (GTZ/GIZ 2007, 21-23)

- Der Tourismus sei nur bedingt in seinen Dienstleistungsbereichen „automatisierbar“, dadurch handele es sich um einen der arbeitsplatzintensivsten Wirtschaftszweige.
- Im Tourismus werden Arbeitsplätze mit den unterschiedlichsten Anforderungsprofilen geschaffen, sodass auch Einheimische mit einem geringen Ausbildungsstand eine Chance auf einen guten Arbeitsplatz hätten.
- Auch der Multiplikatoreffekt sei nicht zu unterschätzen, denn auch mit anderen Wirtschaftszweigen ist der Tourismus verbunden

Folgende negative Effekte werden durch die GIZ hauptsächlich aufgezeigt:

- Arbeitsmöglichkeiten im Tourismus seien häufig saisonabhängig
- Tourismus biete keine beruflichen Qualifizierungs- und Aufstiegschancen
- Tourismus vor allem mit weiten Anreisewegen verschärfe den Treibhauseffekt und schädige das Weltklima

Die Literatur zeigt, dass der Tourismus durchaus eine Rolle in der Entwicklungszusammenarbeit spielt und im speziellen zur Armutsbekämpfung eingesetzt werden kann. Entscheidend dafür inwieweit der Tourismus und die dadurch entstehenden Arbeitsplätze zur Armutsbekämpfung beitragen können hängt nicht zuletzt davon ab, wie hoch der Anteil des Tourismus an der gesamten Wirtschaftsleistung eines Landes ist. Daher wird der Anteil des Tourismus in einer späteren Sekundärdatenanalyse mit einbezogen werden.

Wie die bisherige Literatur bereits zeigt, werden die Ergebnisse der Millenniumsziele sehr unterschiedlich bewertet. Einige Autoren stellen unabhängig von den UN-Millenniumszielen den Nutzen der Entwicklungszusammenarbeit im Allgemeinen in Frage.

Preuß sieht vor allem Probleme bei einer Entwicklungszusammenarbeit mit fragilen Staaten in Afrika (Preuß 2013, 310-318). Etwa 50% der Entwicklungsgelder für Afrika fließt in fragile Staaten (Nuscheler 2008, 29-30). Den Bürgern in diesen Ländern wird zum einen wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Fortschritt verwehrt (Preuß 2013, 310-318). Zum anderen würden fragile Staaten auch die Entwicklung ihrer Nachbarländer einschränken, vor allem wenn das jeweilige Regime auch Kriminalität und Terrorismus und religiösem Extremismus durch die Fragilität nicht verhindern kann oder gar unterstützt. Die Folge seien meist sehr kostspielige Militäroperationen.

In solchen Staaten ist es demnach sehr schwer, erfolgreich Entwicklungsziele zu erreichen. Preuß kritisiert wie Harrtgen und Klasen weitergehend, dass bis zu 40% der internationalen öffentlichen Entwicklungsgelder in fragile Staaten fließen, obwohl der Erfolg bis zu 60% schlechter ausfällt, als bei stabilen Ländern (Preuß 2013, 310-318/Harrtgen und Klasen 2013, 134-159). Hierbei beziehen sich Preuß, Harttgen und Klasen in ihren Studien auf die UN-Millenniumsziele im Bereich der Armut, der Einschulungsquote, der Kindersterblichkeit und Unterernährung. Preuß schlägt unter anderem eine bessere Krisenfrüherkennung durch kontinuierliche Risikoanalyse und eine länderspezifische Ressourcenallokation für präventive Maßnahmen zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit vor. So könnten wesentlichen Herausforderungen bei der Entwicklungszusammenarbeit mit fragilen Staaten besser begegnet werden (Preuß 2013, 317). In fragilen Staaten herrschen folglich andere Bedingungen bei der Umsetzung der Entwicklungsprogramme als in stabilen Staaten.

Die UN setzt nach Nuscheler insgesamt jährlich rund 100 Milliarden US-Dollar für die sogenannte „official development Assistance“ (kurz ODA) ein (Nuscheler 2008, 5), um mithilfe eines Zielekatalogs positive Wirkungen zu erreichen. Nuscheler kritisiert, dass bereits der häufig bei entwicklungspolitischen Debatten genutzte Begriff der „Afrika-Hilfe“ suggeriere, dass die Gelder auf ganz Afrika verteilt würden und auch in Afrika ankämen (Nuscheler 2008, 7-9). Erhebliche Teile der Gelder fließen, so Nuscheler, aber in die Finanzierung von Entwicklungsverwaltungen oder durchlaufen langwierige Entscheidungsprozesse, bis die übrig gebliebenen Gelder endlich in Projekte vor Ort investiert würden.

Einen Grund hierfür sieht Nuscheler vor allem im „Problem der großen Zahl“ (Nuscheler 2008, 13-15). Zu viele Menschen würden an der Umsetzung der Entwicklungsprojekte mitwirken. Langwierige Entscheidungsprozesse (vor allem durch zu viel Bürokratie), unkoordinierte Planungs- und Vergabeverfahren und eine Vielzahl von Institutionen und Akteuren seien Grund für eine teils negative Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit. Nach Angaben der UN, so Nuscheler, entstehen jährlich allein 7 Milliarden US-Dollar schätzungsweise an Kosten durch unzureichende Koordination der Akteure. Wie viel Geld tatsächlich für Verwaltungen aufgebracht wird, wird im Rahmen des Paarvergleiches ab Kapitel 4.2.1 (s. unten, S.39ff.) näher beleuchtet, denn auch dadurch ändern sich die Bedingungen. Geld, welches für die Verwaltung ausgegeben wird, kommt in den meisten Fällen nicht den Menschen und Projekten vor Ort zu gute.

Nuscheler kritisiert zudem, dass hohe Entwicklungszusammenarbeitszuflüsse zum einen die Eigenverantwortung der Staaten schwächten und zum anderen auch die Verantwortung der Regierungen gegenüber der eigenen Bevölkerung und den gewählten nationalen Parlamenten schwächten (Nuscheler 2008, 10-11). Auch würden korrupte Praktiken durch Entwicklungsgelder, so Nuscheler, unterstützt. Auch Kurer kritisiert die vorhandene Korruption in Entwicklungsländern, die je nach Land sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sei und die Effektivität von Entwicklungshilfe stark hemmen kann (Kurer 2017, 140-146).

Diese Argumentationen zeigen, dass Entwicklungszusammenarbeit nicht immer erfolgreich durchgeführt werden kann und folglich auch nicht immer zum gewünschten Ergebnis führt. Es kommt vor allem auf die Bedingungen an, die in einem Staat vorliegen.

Die Literatur zeigt weitgehend, dass die Ziele der UN und anderer Beteiligter internationalen Organisationen hoch sind, jedoch nur teilweise erreicht werden können. Es liegt also nahe, mittels konkreter Fallbeispiele der Frage nachzugehen, unter welchen Bedingungen die Umsetzung der UN Millenniumsziele bis zu deren Ablösung im Jahre 2015 stattgefunden hat. Wie die Literatur zeigt, hängt der Erfolg von Entwicklungszusammenarbeit von vielen Faktoren ab, die im Rahmen des kommenden Kapitels weiter vertieft werden sollen. Auch erscheint es wichtig zu schauen, warum bestimmte Ziele nicht erreicht werden können. Vor allem entwicklungspolitisch engagierte und in diesem Bereich arbeitende Menschen sind daran interessiert, die Programme zu reflektieren und auszuwerten. Auch Regierungen, OECD und Weltbank sind daran interessiert, dass die eingesetzten Gelder effektiv eingesetzt werden. Es besteht folglich ein politikwissenschaftliches und politisches Interesse, solchen Fragen nachzugehen.

Abschließend ergibt sich aus dem Literaturstand die folgende Forschungsfrage:

Unter welchen Bedingungen werden die UN Millenniumsziele „Alphabetisierung“ und „Armutsbekämpfung“ bis 2015 umgesetzt?

Es kann nach der Literatursichtung angenommen werden, dass die Ausgangsbedingungen in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich sind und somit auch die Erfolge in den einzelnen Staaten unterschiedlich beeinflussen könnten. Die nachfolgende theoretische Herleitung geht anhand von ideellen Konzepten der Frage nach, wie Entwicklungszusammenarbeit erfolgreich funktionieren kann und welche Bedingungen dafür gegeben sein müssen.

Kapitel 2: Theoretische Herleitung

Im Rahmen des Literaturstandes werden bereits einige Eckpunkte über den Begriff der Entwicklung und über Leistungen der Entwicklungszusammenarbeit dargelegt (Siehe Kapitel 1 Abschnitt 1). Um später auf spezifische Aspekte wie Entwicklungshemmnisse eingehen zu können, soll zunächst ein Einblick in die allgemeinen beeinflussenden Faktoren von Entwicklungspolitik gegeben werden. Hierzu wird zunächst in das „Hexagon“ von Ulrich Menzel eingeführt (Menzel 2010, 7-13).

Im Hexagon von Menzel existieren drei Ebenen, die aufeinander einwirken und in einem Spannungsverhältnis zueinanderstehen. Es existieren zum einen die Ebenen des Individuums, die des gesellschaftlichen Kontextes und die des Individuums, und zum anderen die Ebene des globalen Rahmens. Im Mittelpunkt seiner Betrachtung stellt Menzel die „Befriedigung menschlicher Bedürfnisse“ auf der Ebene des Individuums. Diese Bedürfnisse versucht der gesellschaftliche Kontext zu befriedigen. Diese Ebene stellt das eigentliche Hexagon dar (vor allem mathematisch betrachtet). Die sechs Eckpunkte lauten politische Stabilität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, kulturelle Identität und gesellschaftliche Partizipation. Diese Eckpunkte werden wiederum beeinflusst durch die dritte Ebene des globalen Rahmens. Den globalen Rahmen bilden die Weltgesellschaft, Weltpolitik, Weltmarkt, Weltverteilungsgerechtigkeit, Weltumwelt und Weltkultur. Durch das bereits angesprochene Spannungsverhältnis zwischen den Ebenen kann dieses im positiven und negativem Sinne genutzt werden. So kann Entwicklungszusammenarbeit einen sehr positiven Effekt haben, im Falle eines Fehlschlages jedoch sich auch negativ auswirken. Negative Auswirkungen sind bspw. Entwicklungsblockaden und Fehlentwicklungen. Damit Entwicklungspolitik und deren Programme folglich erfolgreich sein können, müssen diese alle drei Ebenen abdecken und an jedes Land spezifisch angepasst werden.

Eine klassische alles klärende Entwicklungstheorie existiert nicht (Menzel 2010, 9). Es existieren jedoch konkurrierende Theorien und Theoreme, die sich mit der Entwicklungspolitik theoretisch befassen. Einige sind empirisch entstanden, andere nur axiomatisch hergeleitet.

In der klassischen Entwicklungsforschung, die bis weit in die 1960er Jahre dominiert, argumentieren Autoren meist auf Grundlage der klassischen Nationalökonomie aus dem 19.Jhd.(Menzel 1992, 16-18). Aus dieser klassischen Sichtweise heraus wird vor allem damit argumentiert, dass anders als in Industriegesellschaften in Entwicklungsländern viel stärker auf Traditionen basierend gehandelt wird. Die Gesellschaft in Entwicklungsländern hält an Traditionen fest, die nach Auffassung der Klassiker einer wirtschaftlichen, sozialen und mentalen Modernisierung im Weg stehen können. Die Lösung sieht man in einem von außen zugeführten institutionellen Wandel im Rahmen einer Demokratisierung nach westlichem Vorbild. Denn nur dann könnten einschlägige Reformen zur Modernisierung führen. Entwicklung wird außerhalb der letztgenannten Faktoren fast ausschließlich wirtschaftlich gesehen. Eine Entwicklungspolitik ist nach den klassischen Autoren (bis 1960er) dann erfolgreich, wenn die Produktivität gesteigert werden kann, im Idealfall ein Industrialisierungsprozess nach westlichem Vorbild durchlaufen wird und damit unter anderem automatisch eine Urbanisierung und eine Alphabetisierung einhergeht.

In den 1960er Jahren entstehen zwei weitere Großtheorien. Auf der einen Seite die „Dependenztheorie“ auf die aus didaktischen Gründen später im Verlauf dieses Kapitels genauer eingegangen werden wird und auf der anderen Seite die Modernisierungstheorie. Die Modernisierungstheorie sieht die Hauptursachen für eine Unterentwicklung im inneren (endogen) des Staates (Spektrum Lexikon der Geographie 2017). Die Entwicklungspolitik versucht aus Sicht der Modernisierungstheoretiker von außen einen Wandel herbeizuführen der letztlich zu einer Modernisierung und einer Überwindung der Rückständigkeit führt. Ein Wandel kann bspw. wirtschaftlich oder kulturell geprägt sein und hängt ganz von den Zielsetzungen der Akteure ab. Ziel ist in jedem Fall einen Nachholprozess in Gang zu setzen.

Auch in der heutigen Zeit ist die wirtschaftliche Entwicklung nicht von geringfügiger Bedeutung in der Entwicklungspolitik. Theoretisch betrachtet existiert bspw. eine Universalismustheorie, die heftig diskutiert wird (Menzel 2010, 175-177). Dabei geht es vor allem um die Frage, inwieweit der universalistische Anspruch nicht ein Ausdruck des Eurozentrismus ist oder ein Produkt westlichen Denkens darstellt. Denn auch die universalistische Modernisierungstheorie geht davon aus, dass durch einen gleichgerichteten Industrialisierungsprozess Entwicklungsprobleme gelöst werden können. Hierbei werden jedoch zusätzlich der soziale Wandel, die Demokratisierung und die Sozialstaatsbildung in die Betrachtung mit einbezogen. Neben den universalistischen Argumenten existieren auch Argumente, die besagen, dass auch autoritäre Regime, wie das Beispiel China zeige, ohne den westlichen Weg zu gehen, wirtschaftliche Erfolge erzielen könne.

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Details

Seiten
70
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668588004
ISBN (Buch)
9783668588011
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383500
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Politik und Kommunikationswissenschaften
Note
2,8
Schlagworte
Entwicklungsziele Millenium Alphabetisierung Armutsbekämpfung Westafrika Umsetzung Entwicklungszusammenarbeit Entwicklungspolitik

Autor

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Titel: Umsetzung der UN-Entwicklungsziele in Westafrika. Schwerpunkt: Alphabetisierung und Armutsbekämpfung