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Die Erwartungen angehender selbstständiger Zahnmediziner bei einer Praxisübernahme in Bezug auf die Corporate Identity

Projektarbeit 2017 52 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

2. Methodik
2.1 Entwicklung des Fragenkataloges
2.2 Pretestung des Fragenkataloges mittels Experteninterviews

3. Fragekatalogentwicklung
3.1 Formen der zahnärztlichen Berufsausübung
3.2 Kostenaufwand für eine zahnärztliche Niederlassung
3.3 Die Bedeutung von Marketing für die Zahnarztpraxis
3.4 Studie der Deutschen Apotheker- und Ärztebank
3.5 Frauenquote im Bereich der Existenzgründungen
3.6 Rückgang der Selbstständigkeit in den Heilberufen

4. Fragenkatalog im Ergebnis

5. Experteninterview

6. Diskussion

7. Fazit / Ausblick

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Ein vorhandenes Praxismarketing ist für bestehende Praxen heutzutage unerlässlich um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Auch in Bezug auf eine Praxisübergabe hinsichtlich der Altersvorsorge, ist ein solch vorhandenes Konzept von erheblicher Bedeutung. Um eine bestehende Praxis zielgerichtet auf eine Praxisübergabe ausrichten zu können, ist die Ermittlung der Erwartungshaltung potentieller Nachfolger von großer Bedeutung für die betreffende Praxis. Zur Ermittlung dieser Erwartungen, welche angehende selbstständige Zahnmediziner bei einer Praxisübernahme in Bezug auf solches Konzept haben, wird in dieser theoretisch-konzeptionellen Arbeit anhand recherchierter Literatur, vorwiegend auf empirische Studien gestützt, zielführend ein Fragenkatalog zur Ermittlung dieser Erwartungshaltungen entwickelt. Eine Pretestung des entwickelten Fragenkataloges wird mittels nicht standardisierten Experteninterviews durchgeführt und die Ergebnisse dieser Pretestung in dieser konzeptionellen Arbeit umgesetzt. Abschließend wird die Fragenkatalogentwicklung und die Pretestung in ihrer Vorgehensweise dargestellt und diskutiert.

Schlüsselwörter: Studien Niederlassung; Kostenaufwand einer zahnärztlichen Niederlassung; Praxismarketing, zahnmedizinische Berufsausübungsformen; zahnärztliche Selbstständigkeit; zahnärztliche Praxisübernahme; zahnärztliche Praxisübergabe; Fragenkatalogentwicklung, Fragenkatalogdesign, nicht standardisierte Interviewformen; Pretestung; Experteninterview

Deutsche Apotheker- und Ärztebank Berufsausübungsgemeinschaft Bundeszahnärztekammer Corporate Identity

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1: Allgemeine Checkliste zum Fragebogendesign

Tabellenverzeichnis

Tabelle 5.1: Fragenkatalog

1. Hinführung zum Thema

Die Gründung der eigenen Praxis, die Erschaffung eines eigenen Unternehmens oder die Niederlassung in Form einer Praxisübernahme, dies sind mit Sicherheit grundlegende Gedanken, die sich Absolventen nach Studienabschluss und Erhalt ihrer zahnärztlichen Approbation machen. Oder sie verfolgen genau dieses Ziel bereits seit Studienbeginn. Ebenso ist es für bereits bestehende Praxen und deren Inhaber in Bezug auf ihre Altersvorsorge wichtig, irgendwann einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Die vorliegende, theoretisch-konzeptionelle Arbeit beschäftigt sich mit der Erstellung eines Fragenkataloges zur Untersuchung der Erwartungen angehender selbstständiger Zahnmediziner bei einer Praxisübernahme in Bezug auf die Corporate Identity (CI). Wird die Übernahme einer Praxis bevorzugt, welche bereits ihre CI festgelegt hat und diese nach außen in einem gut aufgestellten Marketingkonzept führt und eine gute Reputation vorweisen kann? Oder werden Praxen bevorzugt, die bisher auf solche Maßnahmen keinen Wert gelegt haben, so dass angehende selbstständige Zahnmediziner die Chance haben, solche Praxisziele individuell neu zu gestalten, ohne die Kosten für eine Neugründung in Kauf nehmen zu müssen?

Grundlegendes Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Fragenkatalog anhand gewonnener Erkenntnisse und eigenen betrieblichen Erfahrungen zu entwickeln. Ihre Beweggründe findet diese Arbeit aus dem eigenen Betrieb, hier einer niedergelassenen Zahnarztpraxis in Form einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG), deren Leitung aus zwei Zahnärzten besteht. Diese BAG befindet sich zum aktuellen Zeitpunkt in einer Umstrukturierungsphase hinsichtlich ihrer Corporate Identity mit dem langfristigen Ziel, die BAG zum passenden Zeitpunkt an geeignete Nachfolger übergeben zu können. Um dies so zielgerichtet wie möglich tun zu können, soll der entwickelte Fragenkatalog dazu dienen, in einem weiteren Forschungsprojekt die Erwartungshaltungen von Zahnmedizinern als angehende Selbstständige bei einer Praxisübernahme in Bezug auf die CI anhand von Interviews empirisch zu untersuchen. Ebenfalls wird die Pretestung des Fragenkataloges Bestandteil dieser Arbeit sein. Dazu werden zwei Experteninterviews mit den beiden Inhabern der betreffenden BAG durchgeführt. Gemeinsam soll der Fragenkatalog aus Sicht der Praxisinhaber inhaltlich analysiert und die Fragen auf Verständlichkeit und Chronologie überprüft werden. Die Interviewfragen werden inhaltlich so konzipiert, dass diese exakt auf die offenen Fragen, sowohl der beiden Praxisbetreiber als auch des Forschenden in Bezug auf eine Praxisübernahme ausgerichtet sind. Basis werden dafür zum einen die in dieser Arbeit dargestellte Literatur und zum anderen zwei geplante Experteninterviews zur Pretestung sein. Das Ergebnis soll der zukunftsorientierten Ausrichtung der Praxis dienen, um so zielgerichtet, hinsichtlich einer forcierten Praxisabgabe, agieren zu können.

2. Methodik

Orientiert an dem methodischen Vorgehen einer theoretischen, hermeneutischen Literaturstudie wird in der aktuellen deutschen Literatur vorwiegend nach vergleichbaren empirischen Datenerhebungen innerhalb der letzten zehn Jahre zu diesem Thema recherchiert. Die Recherche konzentriert sich dabei unter Verwendung der nachfolgenden Schlüsselwörter auf Datenbanken und dentale Fachzeitschriften sowie allgemeine dentale Fachliteratur. Diese sind Erwartungshaltung, Erwartungen Praxisübernahme, Zahnmediziner, Studien, Niederlassung, Selbstständigkeit, junge Zahnmediziner, Corporate Identitiy und Praxisübergabe.

Die Fragestellung nach der Erwartungshaltung angehender selbstständiger Zahnmediziner bei einer Praxisübernahme in Bezug auf die CI, kann anhand der recherchierten Literatur nicht beantwortet werden. Auch weist die deutsche Literatur zum aktuellen Zeitpunkt keine Studien oder Untersuchungen auf, in denen die Erwartungshaltungen angehender selbstständiger Zahnmediziner bei einer Praxisübernahme in Bezug auf die vorhandene Corporate Identity analysiert wurden. Um diese Erwartungen untersuchen und die bestehende Forschungslücke schließen zu können, wird wie eingangs beschrieben, basierend auf bereits gewonnenen Erkenntnissen und eigenen innerbetrieblichen Erfahrungen, in dieser Arbeit ein Fragenkatalog entwickelt. Anhand dieses Fragenkataloges sollen in einem weiteren Forschungsprojekt qualitativ, explorativ und an der Methode der Interpretativen phänomenologischen Analyse (IPA) orientiert, Interviews zur Untersuchung der Erwartungshaltungen angehender selbstständiger Zahnmediziner mit vorausgewählten Probanden durchführt werden können.

2.1 Entwicklung des Fragenkataloges

Die zuvor beschriebene theoretisch-hermeneutische Methodik wurde ausgewählt, um den Fragenkatalog innerhalb dieser Arbeit zu entwickeln. Demnach erfolgt der Aufbau dieses Fragenkatalogs anhand einer Checkliste von Ritschl, Weigl und Stamm (2016), im nicht standardisierten Verfahren orientiert an IPA-Methode.

Es wird aufbauend auf diese Checkliste, welche am Ende dieses Unterkapitels abgebildet ist, eine entsprechende Einführung mit Kontaktmöglichkeit zum Forschenden, sowohl für die Experteninterviews als auch für die Probanden zu Beginn des Fragenkataloges entworfen. Die Fragen werden orientiert am Konstrukt der Forschungsfrage und der dazu recherchierten Literatur erstellt. Inhaltliche Wiederholungen innerhalb der Fragen werden vermieden und die Inhalte der Fragen zielgruppengerichtet, präzise und verständlich formuliert. Eine suggestive Fragenformulierung wird grundsätzlich vermieden, um eine Beeinflussung der Antworten zu vermeiden. Auch wird darauf geachtet, dass die Gesamtlänge des Fragenkataloges für den Einsatz zweckmäßig ist. Der Aufbau des Fragenkataloges wird chronologisch erfolgen. So sollen allgemeine, einführende Fragen zu Beginn in der ersten Hälfte und schwierige, persönliche Fragen in der zweiten Hälfte enthalten sein. Dies soll gewährleisten, dass die Interviewmotivation erhalten bleibt (Ritschl, et al., 2016).

Die Fragen werden aus der nachfolgend aufgeführten, recherchierten und interpretierten Literatur, welche in Kapitel drei aufgeführt wird, abgeleitet. Eine Pretestung des Fragenkataloges wird durch qualitative, nicht standardisierte Experteninterviews vorgenommen.

Abbildung 2.1: Allgemeine Checkliste zum Fragebogendesign (Ritschl, et al., 2016)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Pretestung des Fragenkataloges mittels Experteninterviews

Nach Entwicklung des Fragenkataloges wird nach schriftlicher Anfrage und Einverständniserklärung ein qualitatives, nicht standardisiertes Experteninterview gemeinsam mit zwei Spezialisten durchgeführt. Als Spezialisten werden zwei niedergelassene Zahnärzte als Inhaber aus der zu Beginn beschriebenen BAG ausgewählt. Die Experten erhalten den Fragenkatalog zur Einsicht. Den Zahnärzten werden keine Vorgaben zum Vorgehen der Analyse gemacht. Mittels Lesen soll anhand reiner Erfahrungswerte der Experten die Überprüfung durchgeführt werden. Die im vorherigen Kapitel aufgeführte Checkliste erhalten die Experten nicht. Die Zahnärzte werden gebeten, den Fragenkatalog auf Chronologie, logischen Aufbau und inhaltlich sinnvolle Fragestellung hinsichtlich der Forschungsfrage zu überprüfen. Anschließend wird die Analyse der Experten mündlich mit dem Forschenden besprochen. Diese Analyse der erfahrenen Zahnärzte dient zur Ermittlung des inhaltlich verständlichen Kontextes der Fragen und zur Überprüfung der zielgerichteten Ausrichtung im Hinblick auf die zugrundeliegende Fragestellung dieser Arbeit.

3. Fragekatalogentwicklung

Anhand des nachfolgenden Kapitels und der darin aufgeführten recherchierten und interpretierten Literatur, werden die Fragen für den Fragenkatalog abgeleitet und in Bezug auf die Forschungsfrage entwickelt.

3.1 Formen der zahnärztlichen Berufsausübung

Im Jahr 2015 betrug das Durchschnittsalter der Existenzgründer im Dentalwesen 35,7 Jahre (apoBank, 2016). Der doch recht späte Einstieg in das eigentliche Berufsleben ist zum einen dem langen Ausbildungsweg zum Zahnmediziner, zum anderen aber auch weiteren möglichen Fachzahnarztweiterbildungen geschuldet. Ebenso erfordert der Beruf des Zahnarztes intensive Fortbildung zur Kompetenzerhaltung. Ein Beruf der sozusagen ein lebenslanges Lernen erfordert (zm-online, 2007).

Am Scheideweg für die weitere berufliche Zukunft, gibt es für Berufseinsteiger mehrere Varianten die zur Auswahl stehen. Die eventuell erlangte Spezialisierung spielt bei der Entscheidung der Art der Berufsausübung sicherlich eine nicht allzu geringe Rolle. So schlagen Zahnmediziner der allgemeinen Zahnheilkunde beispielsweise den Weg in die Selbstständigkeit häufig in Form einer niedergelassenen Einzelpraxis oder in einer niedergelassenen BAG ein, während hingegen Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen überwiegend als Angestellte Ärzte in Kliniken beschäftigt sind (Kuntz, ο. E.).

Der Weg zu einer eigenen Praxis kann per Übernahme einer bestehenden Praxis oder einer Praxisneugründung erfolgen. Die Tätigkeit in einer niedergelassenen Praxis gilt als die klassischste Form der Berufsausübung. Gegenüber der Einzelpraxis in der der Zahnmediziner alleinverantwortlich handelt, entscheidet und Risiken, wie beispielsweise finanzielle Risiken allein trägt, werden diese Aspekte in einer BAG zu gleichen Teilen auf alle Inhaber umgelegt, sofern die BAG in Form einer Gemeinschaftspraxis zusammenarbeitet. Ist die Grundlage der BAG eine Praxisgemeinschaft werden lediglich Räumlichkeiten, medizinische Geräte und das Personal gemeinsam genutzt, jedoch erfolgen die Abrechnungen getrennt. Demnach trägt in einer Praxisgemeinschaft jeder teilhabende Zahnarzt sein finanzielles Risiko selbst. Weiter kann eine BAG auch als Überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft (ÜBAG) geführt werden. Das bedeutet, dass sich die gemeinsame Niederlassung über mehr als ein Gebiet der zuständigen Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) hinaus erstreckt und eine weitere überregionale Praxis von der gleichen BAG geführt wird (Kuntz, ο. E.). Daraus leiten sich folgende Fragen ab:

- Welche Form der Berufsausübung wäre für Sie interessant, die Selbstständigkeit oder das Angestelltenverhältnis?
- Welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei beiden Formen der Berufsausübung?

Eine weitere Kooperationsform ist die gemeinsame Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Auch hier schließen sich mehrere Teilhaber zu einer Gesellschaftsform, beispielsweise einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) zur Ausübung ihrer Profession, fachspezifisch oder fachgleich, zusammen. Für Zahnmediziner, die eine Selbstständigkeit ausschließen, besteht die Möglichkeit als sozialversicherungspflichtiger angestellter Zahnarzt in einem solchen MVZ zu arbeiten.

3.2 Kostenaufwand für eine zahnärztliche Niederlassung

Gemäß einer Pressemitteilung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) als Trägerschaft des Institutes der Deutschen Zahnärzte (IDZ), vom 09. November 2016 beläuft sich das Investitionsvolumen für eine bestehende Praxis auf durchschnittlich 273.000 Euro gegenüber dem Investitionsvolumen einer Praxisneugründung mit 484.000 Euro (KZBV, 2016).

So liegen die Investitionskosten für eine Praxisübernahme rund 211.000 Euro unter dem Finanzierungsvolumen für eine Praxisneugründung. Das entspricht rund 44 % (ebd.).

Auch wenn dieser Weg der Praxisneugründung oder -Übernahme anfangs mit einem hohen Investitionsvolumen verbunden ist, zeigt Schläwe (ο. E.) bezugnehmend auf die Einnahmen- und Kostenstrukturanalyse für Zahnärzte aus dem Jahr 2013 und die Studie „Chance Niederlassung" der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) aus dem Jahr 2014, dass sich der Weg in die Selbstständigkeit nach wie vor lohnt und die Rahmenbedingungen sowie Verdienstmöglichkeiten und Arbeitszeitgestaltung wirtschaftlich attraktiv sind. Aus dieser Analyse geht hervor, dass die Einnahmen der Zahnärzte durch Selbstzahlerleistungen im westlichen Deutschland bereits die der Gesetzlichen Krankenkassen übersteigen. In Bezug auf den Gesundheitsmarkt als Wachstumsmarkt ist hier eine tendenzielle Zunahme der Inanspruchnahme von Selbstzahlerleistungen zu erwarten. Vorausgesetzt die Planung einer Niederlassung wird optimal und mit Konzept durchgeführt, die Investirons- und fortlaufenden Kosten analysiert und die Praxisstruktur festgelegt, ist die wirtschaftliche Situation und die Prognose einer Niederlassung attraktiver und wirtschaftlicher als für Zahnärzte im Angestelltenverhältnis (ebd.). Daraus erschließt sich die nachfolgende Frage:

- Kommt für Sie ein zeitnaher Einstieg in die Selbstständigkeit in Frage?

3.3 Die Bedeutung von Marketing für die Zahnarztpraxis

Sowohl für eine Niederlassung als auch für die spätere Praxisführung benötigt man wie zuvor beschrieben, ein Konzept. Der Wandel auf dem Gesundheitsmarkt, die steigenden Anforderungen durch gut informierte Patienten und der steigende Wettbewerbsdruck, sind wichtige Gründe, sich als Praxis auf dem Markt gut zu positionieren. Das Erkennen und Hervorheben der eigenen Stärken sichert so dauerhaft den wirtschaftlichen Erfolg einer Zahnarztpraxis (Jung, 2013).

Ein Praxismarketing baut zu Beginn auf der Unternehmensphilosophie auf. Viele niedergelassene Praxen haben bereits eine solche Philosophie, nur sind sich nicht unbedingt alle im Bewusstsein darüber (Tafuro, 2014).

Um eine künftige Praxis erfolgreich zu führen, sollten sich angehende selbstständige Zahnmediziner mit dem Thema Praxismarketing eingehend beschäftigen. Bei Praxisneugründungen muss ein solches Konzept neu entwickelt werden. Ist eine Praxisübernahme geplant, hat der neue Praxisinhaber die Möglichkeit, ein bestehendes Marketing-Konzept zu übernehmen, sofern dies vorhanden ist. Andernfalls kann er auf die vorhandene, bewusste oder unbewusste, Praxisphilosophie aufbauen. Als Grundlage für den Aufbau eines Marketing-Konzeptes eignet sich das strategische Managementmodell der Corporate Identity. Dieses spiegelt die Unternehmensidentität sowohl nach innen als auch nach außen wieder. Sie dient dem gesamten Praxisteam als Richtlinie und vertritt die Unternehmensidentität in einem einheitlichen Erscheinungsbild mit Wiedererkennungswert gegenüber der Öffentlichkeit, speziell den Patienten als eigentliche Zielgruppe (Wulfes, 2015).

Eigene Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Zahnarztpraxis gerade die Kommunikationspolitik als wirkungsvolles Instrument einsetzen kann, um die Praxis nach außen positiv darzustellen. Gelingt es einer Praxis, sich mit ihrem Praxiskonzept- und der Unternehmensphilosophie nach außen positiv wirksam und nachhaltig darzustellen, sollte dadurch eine Neugenerierung und langfristige Bindung von Patienten und Mitarbeitern erfolgreich gelingen. Wichtig ist nur, dass Patienten ein geschlossenes System vorfinden, wenn die Praxis zur Behandlung aufgesucht wird. Nicht nur die Kommunikation nach außen ist allein maßgeblich. Es muss für Patienten erkennbar sein, dass das kommunizierte Praxiskonzept auch innerbetrieblich klar erkennbar ist. Anhand dieser Ausführungen ergeben sich daraus nachfolgende Fragestellung:

- Würden Sie sich aus Kostengründen für eine Praxis entscheiden, welche über kein modernes Praxiskonzept nach der CI verfügt und eine eigenes, individuelles Praxiskonzept entwickeln?
- Wäre ein solch vorhandenes Praxiskonzept, auch unter Berücksichtigung eines höheren Kaufpreises, für Sie Voraussetzung für eine Praxisübernahme?
- Würden Sie ein vorhandenes CI-Konzept, welches nachweislich gute Erfolge bringt, nach einer Praxisübernahme weiterführen?

Neben der Kompetenz des Zahnmediziners, auf dessen Grundlage der Erfolg der Praxis aufbaut, sind auch die Mitarbeiter als Teil der CI ein weiterer, sehr wichtiger Gesichtspunkt in Bezug auf das Praxismarketing. Folgt man den Ausführungen Tafuros, (2014), so geht aus dessen literarisch beschriebenen Analysen hervor, dass die Mitarbeiter einer Praxis rund 80 % ihrer Arbeitszeit in direktem Kontakt mit den Patienten stehen. Das erfordert entsprechend qualifiziertes Personal. Denn auch die Art und Weise des Teams trägt neben der zahnärztlichen Kompetenz maßgeblich zum Erfolg einer Praxis bei (ebd.).

Demnach ist bei einer möglichen Praxisübernahme auch der Bereich der Mitarbeiter sehr genau zu prüfen. Der Ausbildungsgrad der Mitarbeiterinnen, die künftige Personalentwicklung, die Dauer der Betriebszugehörigkeit und die Fluktuationsrate der Praxis sind wichtige Gesichtspunkte, die zu erfassen sind (Wulfes, 2015).

Daraus erschließt sich folgende Frage:

- Bei einer Praxisübernahme ist in der Regel bereits eingearbeitetes, meist hochqualifiziertes Personal als wichtiger Bestandteil der CI vorhanden. Welche Erwartungen haben Sie an die künftigen Mitarbeiter?

3.4 Studie der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank beauftragte im Jahr 2014 das Marktforschungsinstitut DocCheck-Research mit einer Onlinestudie, in der über 400 angestellte und selbstständige Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Tierärzte mittels randomisierter Stichprobenziehung ausgewählt und zum Thema Selbstständigkeit oder Angestelltenverhältnis befragt wurden. Diese Studie „Chance Niederlassung" zeigt auf, wie Absolventen der oben angegebenen Berufsgruppen zur Thematik Selbstständigkeit unter Beachtung verschiedener Kriterien wie z. B. Arbeitszeitgestaltung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Selbstverwirklichung, Einkommenssituation, Kollegialer Austausch, Patienten-Arzt-Verhältnis und Nutzung moderner Medizintechnik entschieden haben. Auf die Frage, wie sich die Teilnehmer, welche sich bereits im Angestelltenverhältnis oder in der Selbstständigkeit befinden, heute entscheiden würden, gaben 87 % der Angestellten an, diese Entscheidung erneut so zu treffen. 13 % der Angestellten hingegen würden heute anders entscheiden. 90 % der bereits Selbstständigen befürworten ihre Entscheidung für die Selbstständigkeit und 10 % der Selbstständigen würden heute anders entscheiden (apoBank, 2014). Obwohl die Angestellten mit 87 % ihre getroffene Entscheidung nochmals so treffen würden, sehen acht von zehn Angestellten trotzdem mehr Gestaltungsmöglichkeiten in der Selbstständigkeit als in einem Angestelltenverhältnis. Ebenfalls bewerten diese die Einkommenssituation und die Gestaltung der Arbeitszeiten innerhalb einer Niederlassung besser (ebd.).

Ebenfalls führte die apoBank gemeinsam mit dem IDZ 1984 erstmals und seitdem jährlich, eine Analyse des Investitionsverhaltens bei Niederlassungen durch. Aus dieser Analyse geht hervor, dass die Übernahme einer bestehenden Einzelpraxis im Jahr 2015 die häufigste Form des Weges in die Selbstständigkeit war (IDZ, 2016). Jedoch ist ein Wandel dieser Form der Berufsausübung zu beobachten. Die Studie untersuchte viele weitere Bereiche und führte weiter Befragungen sowohl von Selbstständigen, als auch von Angestellten in den oben aufgeführten Gesundheitsberufen zu Themen wie die immer größer werdenden Strukturen der Niederlassungen, den erhöhten Anteil der Frauenquote, Chancen und Risiken einer

Niederlassung durch. Auch die Existenzgründung, Unternehmensführung und den Kostenfaktor beleuchtet diese Studie im Rahmen von Expertenmeinungen (apoBank, 2014).

Folgende Fragestellung erschließt sich daraus:

- Die Übernahme einer Praxis ist neben der Neugründung die häufigste Form der Existenzgründung! Welche Form ist für Sie interessant?

3.5 Frauenquote im Bereich der Existenzgründungen

Eine interessante Beobachtung im Bereich der Human- und Zahnmedizin ist der Trend des steigenden Frauenanteils in diesen beiden Heilberufen. Zum aktuellen Zeitpunkt liegt der Frauenanteil der Studienanfänger für Human- und Zahnmedizin bei ca. 60 % (apoBank, 2014). So ist davon auszugehen, dass zukünftig ein größerer Anteil Frauen statt Männer diese Heilberufe ausüben werden. Folglich wird das Änderungen auf dem Gesundheitsmarkt mit sich bringen. Frauen nutzen intensiver die Form der Teilzeitbeschäftigung als ihre männlichen Kollegen. Die apoBank-Studie (2014) macht sichtbar, dass die Frauenquote im Jahr 2012 bereits bei 49 % der Zahnärztinnen und 50 % Ärztinnen in Bezug auf Existenzgründungen lag (ebd.).

Aus den angeführten Gründen, wird im Fragenkatalog die Angabe des Geschlechtes ergänzt:

- Weiblich
- Männlich

3.6 Rückgang der Selbstständigkeit in den Heilberufen

Trotz der Untersuchungsergebnisse der apoBank-Studie (2014), welche sich im positiven Sinne für die Selbstständigkeit aussprechen, ist ein Rückgang der selbstständigen Heilberufler zu verzeichnen (ebd.). Auch diesen Wandel analysierte die Studie. Grundsätzlich sahen Nicht-Selbstständige zum Zeitpunkt der Entscheidung das finanzielle Risiko, die Arbeitsbelastung, die Bürokratie und die unternehmerischen Aspekte als wesentliche Merkmale an, sich gegen eine Selbstständigkeit zu entscheiden. Die Nicht-Selbstständigen gaben auch an, dass sie sich bei einer Reduzierung oder einer Minimierung dieser Merkmale zum Entscheidungszeitpunkt anders entschieden hätten. Die Sichtweisen der selbstständigen Studienteilnehmer beschwichtigen die ablehnenden Merkmale und stellen klar, dass diese zwar anfangs den gleichen Merkmalen und Bedenken gegenüberstanden, diese sich aber im Nachhinein innerhalb der Selbstständigkeit, als weniger umfangreich und belastend herausgestellt hatten. Konsens bestand bei beiden Gruppen der Studienteilnehmer, sowohl bei den Angestellten als auch bei den Selbstständigen darüber, dass man Unterstützung auf dem Weg in die Selbstständigkeit benötigt (ebd.).

Am Rande sei bezugnehmend darauf zu erwähnen, dass dieser soeben beschriebene rückläufige Wandel von Selbstständigkeit in Gesundheitsberufen nicht nur das Gesundheitswesen betrifft. Eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) (2015), durchgeführt von Karl Brenke, konnte in einer Auswertung von Daten des Mikrozensus, Daten aus der multidisziplinären Sozio- oekonomischen Panel-Langzeitstudie (SOEP), welche in Zusammenarbeit des DIW mit der TNS Infratest Sozialforschung durchgeführt wurde, belegen, dass der Trend zur Selbstständigkeit branchenübergreifend und in fast allen Wirtschaftszweigen in Deutschland seit 2007 zum Stillstand gekommen und seit 2012 sogar rückläufig ist. Hauptsächlich ist diese Situation auf den Rückgang von Selbstständigen ohne Beschäftige zurückzuführen. Selbstständige die seiner Zeit in den neunziger Jahren genau zum Anstieg dieses Trends maßgeblich beitrugen. Im Umkehrschluss ist ein kräftiger Anstieg von abhängig Beschäftigten zu verzeichnen. Diese Umkehr der Arbeitsmarktsituation führt zu einem Wandel der Arbeitsmarktstruktur (DIW, 2015).

Wie die Interpretationen der Studie zeigen, ist ein allgemeiner Rückgang der Selbstständigkeit und im Umkehrschluss ein Anstieg der Angestelltenverhältnisse in den Heilberufen zu verzeichnen. Die Studie zeigt deutlich, mit welchen Vorbehalten sich die Heilberufler gegen eine Niederlassung aussprechen. Dennoch würden 90 % der bereits Selbstständigen sich erneut für den gleichen Weg entscheiden. Daraus schließt Ulrich Sommer, Mitglied des Vorstandes der apoBank, dass die Selbstständigkeit nach wie vor besser ist als ihr Ruf und dass die Vorbehalte und Hürden mit der richtigen Unterstützung durch Experten zu bewältigen sind. Auch zeigt die Studie durch gezielte Befragung der Heilberufler auf, welche persönlichen Gründe für oder gegen eine Selbstständigkeit sprechen. Weiter zeigt die Studie durch die Untersuchung der Altersstruktur der niedergelassenen Heilberufler, dass bereits zum jetzigen Zeitpunkt eine Vielzahl von potentiellen Übernahmepraxen zu Verfügung stehen (ebd.). Aus dieser Interpretation ergibt sich folgende Fragestellung:

- Würden Sie Expertenhilfe zur Auswahl einer möglichen Übernahmepraxis in Anspruch nehmen?

Die jetzigen Inhaber dieser vorhandenen Praxen sind in im Hinblick auf ihre Altersvorsorge auf den Erlös durch den späteren Praxisverkauf angewiesen, so Wulfes, (2015). Im Umkehrschluss stehen für den möglichen Praxiserwerber aber viele Dinge in Bezug auf die Praxis selbst auf dem Prüfstand, bevor so ein Kauf abgewickelt werden kann. Neben den zu klärenden finanziellen und vertraglichen Aspekten, sind ferner auch allgemeine, grundlegende Punkte wie beispielsweise der Patientenstamm und das Patientenvolumen, Standort und Größe der Praxis, das Praxisimage, das Praxiskonzept sowie die Reputation der potentiellen Übernahmepraxis sehr wichtige Überlegungen, die zu einer Praxisübernahme gehören. Weiter sollte im Rahmen des Kaufpreises eruiert werden, ob bauliche Maßnahmen erforderlich sind oder ob die Praxis sich zuvor entsprechend ihrem Konzept modernisiert hat. Um einen passenden Nachfolger oder eine passende Übernahmepraxis zu finden, kann der Rat von Experten zur Existenzgründung oder zur Käuferprofilsuche unterstützend sein (Wulfes, 2015).

4. Fragenkatalog im Ergebnis

In der nachfolgenden, eigens erstellten Tabelle wird der anhand der Literatur entwickelte Fragenkatalog in der Übersicht dargestellt. Die abgeleiteten Fragen wurden, anhand der in der Methodik beschriebenen Checkliste, chronologisch sinnvoll geordnet. Daraus ergibt sich folgendes Ergebnis:

1. Welche Form der Berufsausübung wäre für Sie interessant, die Selbstständigkeit oder das Angestelltenverhältnis?
2. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei beiden Formen der Berufsausübung?
3. Kommt für Sie ein zeitnaher Einstieg in die Selbstständigkeit in Frage?
4. Laut Studien ist die Übernahme einer Einzelpraxis anstelle einer Neugründung die häufigste Form der zahnärztlichen Existenzgründung! Welche Form ist für Sie interessant?
5. Würden Sie Expertenhilfe zur Auswahl einer möglichen Übernahmepraxis in Anspruch nehmen?
6. Würden Sie sich aus Kostengründen für eine Praxis entscheiden, welche über kein modernes Praxiskonzept nach der CI verfügt und ein eigenes, individuelles Praxiskonzept entwickeln?
7. Wäre im Gegensatz ein solches, vorhandenes Praxiskonzept nach der CI, auch unter Berücksichtigung eines höheren Kaufpreises für Sie Voraussetzung für eine Praxisübernahme?
8. Würden Sie das vorhandenes CI-Konzept, welches nachweislich gute Erfolge bringt, nach einer Praxisübernahme weiterführen?
9. Bei einer Praxisübernahme ist i.d.R. bereits eingearbeitetes, meist hochqualifiziertes Personal als wichtiger Bestandteil der CI vorhanden. Welche Erwartungen haben Sie an die künftigen Mitarbeiter?

5. Experteninterview

Diesen Fragenkatalog erhielten die Experten zur Einsicht und Pretestung. Im ersten von zwei Interviews, welches gemeinsam mit beiden Experten in einem Zeitrahmen von ungefähr 20 Minuten durchgeführt wurde, stellten diese im Ergebnis fest, dass es zur genauen Ermittlung im Bereich der Erwartungen der angehenden selbstständigen Zahnmediziner, im Fragenkatalog eingangs mehr Fragen angesichts des persönlichen Ausbildungswerdegangs, Studienwahl, Assistenzzeit und der familiären Hintergründe bedarf. Die ersten, anhand der beschriebenen Literatur verwendeten neun Fragen, sind aus Sicht beider Experten in der Anzahl zu gering. Dies begründet sich unter anderem daraus, dass ein approbierter Zahnmediziner, dessen Eltern beispielsweise eine bestehende Praxis führen, erfahrungsgemäß eher den Weg in die Selbstständigkeit einschlägt, als ein Zahnmediziner der auf keinerlei Erfahrungswerte aus näherem Umfeld zurückgreifen kann. Mögliche Erfahrungswerte erleichtern aus Sicht der Experten den Einstieg in eine Niederlassung per Übernahme oder generell in die Selbstständigkeit. Ebenfalls wurde in der ersten Analyse die Fragensukzession hinsichtlich des sich fehlenden, steigernden Aufbaus und der Chronologie bemängelt. Aus diesem Gründen wurde der Fragenkatalog um weitere einleitende Fragen ergänzt.

Um die persönlichen Hintergründe für die Wahl des Studienganges zu erfahren und ob diese durch spezielle Ereignisse beeinflusst wurde, ergab sich folgende Fragenergänzung:

- Sie haben das Studium der Zahnmedizin oder bereits die Assistenzzeit absolviert! Was waren Ihre Gründe für die Wahl dieses Studienganges?

[...]

Details

Seiten
52
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668594661
ISBN (Buch)
9783668594678
Dateigröße
781 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383570
Note
1,7
Schlagworte
erwartungen zahnmediziner praxisübernahme bezug corporate identity

Autor

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