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Unterrichtsentwurf zur Methode des Fünf-Sätze-Märchens

Unterrichtsentwurf 2017 32 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Thematische Einordnung

2. Fachdidaktische Verortung

3. Sachanalyse

4. Bedingungsanalyse

5. Didaktische Analyse
5.1 Gegenwartsbedeutung
5.2 Zukunftsbedeutung
5.3 Zugänglichkeit und exemplarische Bedeutung

6. Formulierung von Lernzielen

7. Methodische Begründung

8. Kritische Reflexion der Stunde

9. Kommentiertes Schülermaterial

10. Diskussion der Methode „Fünf-Sätze-Märchen“

Literaturverzeichnis

ANHANG

1. Thematische Einordnung

Bei der zu planenden Unterrichtsstunde handelt es sich um eine Stunde zum Thema „Märchen“. Explizit sollen die Schüler[1] mit der Methode des Fünf-Sätze-Märchens selber ein Märchen schreiben und dieses am Ende der Unterrichtseinheit auch ihren Mitschülern vorlesen. Durch die Kombination aus Schreiben, Lesen und Zuhören kann die Unterrichtsstunde vielen Lernbereichen zugeordnet werden. Dabei liegt der Fokus selbstverständlich auf dem Bereich des Schreibens sowie in der allgemeinen Auseinandersetzung mit Märchen. Nachfolgend sind die bedeutsamen Lernbereiche nach ihrer Relevanz in der Unterrichtsstunde aufgeführt:

I. Wahlpflichtbereich 2 „Aus der Märchenwelt“

- Gestalten von Märchen
- Schreiben, Vortragen

II. Lernbereich „Für sich und andere Schreiben“

- Kennen von Möglichkeiten, Texte zu schreiben
- Sich in freien und gebundenen Schreibsituationen äußern
- Erlebtes, Erdachtes, Gehörtes, Beobachtetes nachvollziehbar aufschreiben

III. Lernbereich „Sprechen und Zuhören“

- Kennen von Aspekten aktiven Zuhörens
- Motive, Bedingungen, Verstehen

IV. Lernbereich „Lesen/ Mit Medien umgehen“

- Kennen von Texten unterschiedlicher Art
- Literarische Texte

Folgende Lernbereiche werden quasi nebenbei angesprochen, dürfen jedoch auch nicht vergessen werden:

V. Lernbereich „Richtig schreiben“

- Anwenden des Wissens aus dem Schriftspracherwerb

VI. Lernbereich „Sprache untersuchen“

- Kennen einer Form der Wortbildung: zusammengesetzte Substantive
- Kennen rechtschriftlicher Regelmäßigkeiten (Sächsisches Staatsministerium für Kultus 2004, S. 8 – 17)

Hinsichtlich der Kompetenzbereiche verhält es sich analog, und es werden folgende Kompetenzen angesprochen:

I. Schreiben

- Texte verfassen
- Texte planen (sprachliche und gestalterische Mittel und Ideen sammeln)
- Texte schreiben (verständlich, strukturiert, adressaten- und funktionsgerecht schreiben: Erlebtes und Erfundenes)
- Texte überarbeiten (Texte auf Verständlichkeit und Wirkung überprüfen, Texte in Bezug auf die äußere und sprachliche Gestaltung und auf die sprachliche Richtigkeit hin optimieren)

II. Lesen

- Über Lesefähigkeiten verfügen (lebendige Vorstellungen beim Lesen und Hören literarischer Texte entwickeln)
- Texte präsentieren (selbstgewählte Texte zum Vorlesen vorbereiten und sinngestaltend vorlesen)

III. Sprechen und Zuhören

- Verstehend zuhören (Inhalte zuhörend verstehen) (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2005, S. 10 – 13)

Die Unterrichtsstunde wird im Rahmen einer Projektwoche zum Thema „Märchen“ durchgeführt. In dieser Woche werden sämtliche Kompetenz- und Lernbereiche im Fach Deutsch behandelt. Dabei steht die Unterrichtsstunde am Ende der Projektwoche, sodass die Schüler im Vorfeld bereits noch einmal viele Informationen über die Besonderheiten und den Aufbau eines Märchens erhalten (z.B. Märchenfiguren). Die Schüler haben auch bereits Erfahrungen im Verfassen von Texten, so haben sie bspw. zwei Wochen vor dieser Stunde das Thema Fantasiegeschichten behandelt und dort auch eine eigene Geschichte geschrieben. Es handelt sich somit um eine Wiederholungsstunde zum Thema „Märchen“ sowie zum Verfassen eines Textes.

2. Fachdidaktische Verortung

Da es das zentrale Anliegen der Unterrichtsstunde ist, dass die Schüler selber einen Text verfassen, wird nachfolgend ausschließlich auf die Konzeptionen des Kompetenzbereichs „Schreiben“, welcher sowohl in den Bildungsstandards als auch dem sächsischen Lehrplan zu finden ist, eingegangen. Das Schreiben wird wiederum in die Bereiche „Rechtschreiben“ und „Texte verfassen“ unterteilt. Laut Hochstadt et al liegt das darin begründet, „dass das Schreiben eigener Texte der ‚Ernstfall‘ ist, in dem sich Rechtschreibfähigkeiten immer bewähren müssen.“ (Hochstadt et al 2013, S. 43) Diese zwei Bereiche haben unterschiedliche Ziele, Anforderungen und Konzeptionen. Da der Fokus der Stunde vor allem darin liegt, dass die Schüler eine eigene Geschichte schreiben und ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, ist der zentrale Bereich das „Texte verfassen“. Selbstverständlich ist auch die Rechtschreibung wichtig, spätestens als Voraussetzung für das spätere Vorlesen. Generell gibt es beim Verfassen von Texten vier verschiedene Konzeptionen, den produktorientierten, den leserorientierten, den prozessorientierten und den schreiberorientierten Schreibunterricht. (vgl. Hochstadt et al 2013, S. 82 – 105) Auch wenn diese Konzeptionen einzeln aufgeführt werden, stehen sie nicht separat voneinander und sind auch nicht klar abgrenzbar. Vielmehr haben diese Konzeptionen eine enge Verbindung und überschneiden sich häufig.

Das Schreiben oder Verfassen von Texten hat in den letzten Jahrzehnten eine sukzessive Entwicklung genommen. Lange beschränkte sich die schulische Schreibdidaktik lediglich auf Diktate und Aufsätze (sog. Aufsatzunterricht), die das Produkt in den Vordergrund stellten. Mittlerweile steht das tatsächliche Schreiben im Fokus, es erfolgte also ein Wechsel von der alleinigen Produkt- zu einer Prozessorientierung. Das Ziel des Aufsatzunterrichts war es, einen idealen Text für den Lehrer als primären Adressaten anzufertigen. Heute sind die Ziele des Schreibens, dass die Schüler individuelle Produkte anfertigen, welche in der Klasse gelesen und besprochen werden. (vgl. Köhnen 2011, S. 74) Somit sollen die Schüler dauerhaft zum Schreiben motiviert, die Schreibfreude geweckt und die Entwicklung von Schreibgewohnheiten unterstützt werden. (vgl. Geist 2016, S. 6) Methoden des prozessorientieren Schreibunterrichts sind bspw. die Schreibkonferenz oder die Wegbeschreibung. (vgl. Hochstadt et al 2013, S. 96f) Im Zuge dieses Perspektivenwechsels hin zu einem prozessorientierten Schreibunterricht, der alle Bereich des Schreibens berücksichtigt, werden viele verschiedene Termini verwendet. Sehr eindeutig ist der Begriff der „Textproduktion“, (vgl. Wildemann 2007, S. 34) welcher sehr deutlich aufzeigt, wie sich die Didaktik geändert hat.

Beim traditionellen Aufsatzunterricht, welcher in öffentlichen Schulen nach wie vor sehr aktuell ist, (vgl. Schäfer 2010, S. 324) geht es vornehmlich darum, Texte nach bestimmten Normen und objektiven Kriterien zu verfassen. So hat jede Textsorte bspw. hinsichtlich Sprachstil, Zeitform oder Aufbau seine Besonderheiten, die beim Schreien beachtet werden müssen. Marthaler unterscheidet dabei sechs Aufsatzarten (siehe Anlage 1), welche in der Praxis auch heute noch meist deduktiv vermittelt werden. (vgl. Hochstadt et al 2013, S. 82f) Das Problem ist, dass diese Aufsatzarten wie bspw. die Schilderung meist nur ein künstliches Konstrukt und nicht alltagsnah sind. Hier empfiehlt es sich in Anlehnung an Böttcher und Becker-Mrotzek nicht an Textsorten, sondern an Textarten zu arbeiten, die im Alltag der Schüler vorkommen und somit eine bestimmte Aufgabe erfüllen. (vgl. Böttcher/ Becker-Mrotzek 2003, S. 23) Dies hat einen engen Bezug zur leserorientierten Schreibdidaktik, bei welchem die schulische Schreibaufgabe in alltägliche und realitätsnahe Situationen eingebettet werden soll. Solche leser- oder adressatenorientierte Anlässe können bspw. die Erstellung einer Schülerzeitung, Schriftverkehr mit Autoren von Kinder-und Jugendliteratur, Einladungen für Schul- oder Klassenfeiern oder Schriftverkehr zur Planung oder Bewertung von Klassenfahrten sein. Das Problem dieses leserorientierten Schreibunterrichts ist, dass es zum einen schwer sein kann, geeignete Schreibanlässe zu finden und auch, dass es zu keiner ästhetischen und persönlichen Bildung kommt, da das Schreiben nicht als Möglichkeit der Erkenntnisbildung und Welterschließung stattfindet. (vgl. Hochstadt et al 2013, S. 88 - 91) Die letzte grundlegende Konzeption ist das schreiber- bzw. schülerorientierte Schreiben. Bei dieser Konzeption soll das Schreiben durch die Fokussierung auf persönliche Schreibbedürfnisse und Schreibabsichten überwiegend vom Schüler ausgehen. (vgl. Merz-Grötsch 2010, S. 61) Hierunter zählen unter anderem das freie und das kreative Schreiben. Der große Unterschied zwischen diesen Konzeptionen ist, dass beim freien Schreiben möglichst keine Vorgaben gemacht werden, während beim kreativen Schreiben Impulse durch bspw. Bildvorlagen gegeben werden. Zur Themenfindung werden hierbei Methoden zur Ideenfindung wie die Mindmap bzw. der Gedankenschwarm oder das Clustering verwendet. (vgl. Neuland/ Peschel 2013, S. 101). Bei der Unterrichtsstunde handelt es sich um eine Methode des kreativen Schreibens, da hier im Gegensatz zum freien Schreiben das Thema und die Textform vorgegeben werden. Durch die emotional anregenden und möglicherweise irritierenden Impulse soll die Schreibmotivation der Schüler gestärkt werden.

Auch der sächsische Lehrplan ist zumindest in den ersten beiden Klassenstufen stark abgekehrt von dem produktorientiertem Schreibunterricht. Im Lernbereich „Für sich und andere Schreiben“ findet sich lediglich der Aspekt, dass Erlebtes, Erdachtes, Gehörtes, Beobachtetes nachvollziehbar aufgeschrieben werden soll. Dies kann durch freies Schreiben oder durch Schreiben nach Vorgaben erfolgen. In Klassenstufe drei wiederum werden Berichte und andere Textsorten verstärkt behandelt. Generell wird in den ersten beiden Klassenstufen sehr viel Wert auf den Schreibprozess gelegt. So sind die Teilbereiche des Planens, des Schreibens und des Überarbeitens von Texten als Lernziele aufgeführt. Sogar die formale Gestaltung des eigenen Textes findet Beachtung. Das schreiber- und leserorientierte Schreiben kommt sehr kurz. Das leserorientierte Schreiben wird maximal durch das Kennen von Gebrauchsformen bei Einladungen, Glückwünschen und Briefen thematisiert. Wirklich spannende und leserorientierte Textarten werden nicht behandelt. Auch der Aspekt des kreativen Schreibens wird mit keinem Wort erwähnt. Es wird zwar geschrieben, dass Schreibfreude und –motivation aufgebaut werden soll. Dies ist aber ein selbstverständliches Ziel und passt nicht unbedingt mit dem Bereich „sich in freien und gebundenen Schreibsituationen äußern“ zusammen, da die Motivation in gebundenen Situationen doch stark zweifelhaft ist. Möglicherweise erfolgt die Nichtbeachtung des kreativen Schreibens auch dadurch, dass der Begriff nicht ganz klar ist und mit dem freien Schreiben gleichgesetzt wird. (vgl. Sächsisches Staatsministerium für Kultus 2004, S. 10f)

3. Sachanalyse

Das Wort „Märchen“ stammt ursprünglich von dem alten deutschen Wort „Märlein“ ab, was so viel wie eine kleine Erzählung bedeutet. Als Verkleinerungsform des Wortes „Mär“ sind Märchen also eine kurze bzw. kleine Erzählung. Jedoch verlor der Begriff schon sehr früh diese Bedeutung und wurde negativ konnotiert und mit unwahren oder erfundenen Geschichten gleichgesetzt. Märchen gehören zum Gebiet der Epik, also zur erzählenden Literatur. Durch die Sammlung der Kinder und Hausmärchen (KHM) der Gebrüder Grimm von 1812 sowie von weiteren deutschen Romantikern und Hans-Christian Andersen erlangte das Märchen im 19. Jahrhundert große Bedeutung. (vgl. Lüthi 2004, S. 1-5) Besonders die KHM prägten den Märchenbegriff, welchen Doderer wie folgt definiert: „Unter Märchen wird im Allgemeinen eine Gattung phantastisch-wunderbarer Erzählungen ... verstanden, bei der Naturgesetze wie historisch-soziale Determinanten weitgehend aufgehoben sind und irreale Gestalten und Wunder bestimmende Elemente der Handlung werden können.“ (Doderer 1977, S. 422) Generell wird zwischen den Volks- und den Kunstmärchen unterschieden. Das Volksmärchen hat seinen Ursprung in der mündlichen Überlieferung von Geschichten. Durch diese mündliche Weitergabe wurde das Volksmärchen immer weiter geformt. Der Autor sowie die Entstehungszeit sind meistens nicht bekannt. Das Kunstmärchen hingegen wurde von einem einzelnen Autor geschaffen und festgehalten, sodass es der Individualliteratur zugerechnet wird. Kunstmärchen orientieren sich jedoch stark am Schema und der Sprachgestaltung des Volksmärchens. (vgl. Lüthi 2004, S. 5) Als Hauptkategorien werden im bekanntesten Typenverzeichnis nach Aarne und Thomson folgende aufgeführt: Tiermärchen (Akteure sind Tiere), eigentliche Märchen (vor allem Zauber- und Wundermärchen in denen die Figuren Zauberkräfte besitzen) und Schwankmärchen (z.B. Schildbürger-Schwänke). (vgl. Lüthi 2004, S. 16f)

Wichtige Merkmale von Märchen sind u.a. folgende:

- Keine Trennung zwischen Realität und Wirklichkeit
- Tiere und Gegenstände können Sprechen bzw. sind belebt
- Polarisierung der Figuren in Gut und Böse, keine komplexen Charaktere, Gedanken der Figuren werden nicht betrachtet
- Sparsame Schilderung von Situationen, spielen meist an unbestimmten Orten vor langer Zeit (z.B. im Zauberwald oder in einer Burg)
- Betonung des Wunderbaren (z.B. Erfüllung von Wünschen oder Träumen)
- Verwendung von Formeln (z.B. „Es war einmal“, „Und wenn sie nicht gestorben sind“) und Wiederholungen (z.B. das dreimalige Lösen einer Aufgabe)
- Es gibt ein glückliches Ende (vgl. Geister 2011, S. 33; Spinner 2003, S. 41f)

Alle diese Merkmale zielen darauf ab, die Komplexität zu reduzieren und dem kindlichen Denken gerecht zu werden. So erfolgt bspw. die Konzentration auf eine Handlung, Gedanken oder die Gefühlswelt der Figuren werden nicht betrachtet. Dies ist dem Grund geschuldet, da der Grundschüler noch keine reflektierende Selbstschau kennt. (vgl. Spinner 2003, S. 42)

4. Bedingungsanalyse

Die Unterrichtsstunde wird in einer zweiten Klasse abgehalten. Die Schule liegt in der Stadt Leipzig, in einem Stadtteil, welcher als gutbürgerlicher und familienfreundlicher Stadtteil mit vielen Spiel- und Freizeitangeboten gilt. Bei dem Klassenzimmer handelt es sich um einen sehr kleinen und engen Raum. Besonders eng ist es, wenn die Studierenden zur Hospitation anwesend sind. Aus diesem Grund sind kaum Flächen zur Freiarbeit oder für Leseecken vorhanden. Die technische Ausstattung des Klassenraums ist zweckmäßig. Als Tafel fungiert ein sog. Smart-Board, eine Kreidetafel existiert nicht. Mithilfe dieses Smart-Boards können Bilder, Musik oder Videos schnell und einfach visualisiert werden. Im Umgang mit dem Smart-Board sind die Schüler vertraut.

In der Praktikumsklasse werden insgesamt 22 Schüler gemeinsam unterrichtet. Die Klasse setzt sich aus 9 Mädchen und 13 Jungen zusammen. Bei einem Jungen wurde ADS diagnostiziert, dies wirkt sich jedoch nicht auf seine Leistungen und Mitarbeit sondern lediglich auf seine Konzentrationsfähigkeit aus. Zur Unterstützung dieses Schülers ist eine Schulbegleiterin ständig anwesend. Möglicherweise haben je eine Schülerin und ein Schüler einen Migrationshintergrund. Alle Schüler sind jedoch in Deutschland geboren und ihre Muttersprache ist dementsprechend Deutsch. Kein Kind zeigt sprachliche Auffälligkeiten. Generell kann gesagt werden, dass die meisten Schüler als sehr aufgeschlossen und zugänglich zu beschreiben sind. Das Leistungsniveau entspricht der normalen Verteilung einer Schulklasse, obwohl das generelle Niveau als überdurchschnittlich einzuschätzen ist. Ein Schüler ist in sämtlichen Fächern der Leistungsstärkste, daneben gibt es noch ca. drei weitere leistungsstarke Schüler. Beim Großteil der Klasse weisen die individuellen Lernvoraussetzungen und die Leistungen keine erheblichen Unterschiede auf, jedoch sind diese in ihrer Leistungsbereitschaft und ihrem Arbeitstempo doch recht unterschiedlich. Drei Schüler befinden sich eher am unteren Ende des Leistungsniveaus. Das Fach Deutsch macht den wenigsten Schülern größere Probleme. Einige Schüler, besonders einige Jungen, haben jedoch noch Probleme, sowohl ordentlich als auch fehlerfrei zu schreiben Generell herrscht in der Klasse eine gute Arbeitsatmosphäre und ist durch einen respektvollen und gemeinschaftlichen Umgang geprägt. Die Schüler helfen sich gerne und arbeiten selbständig, auch die Klassendienste werden von ihnen bereitwillig übernommen. Die meisten Kinder beteiligen sich aktiv an Unterrichtsgesprächen und haben keine Probleme, sich vor ihren Mit-schülern zu äußern. Die Klasse ist im Allgemeinen als recht ruhig zu beschreiben, lediglich einige Jungen müssen im Unterricht häufiger ermahnt werden. Die Schüler werden größtenteils in der Sozialform der Einzelarbeit frontal unterrichtet. Partner- und Gruppenarbeiten werden hingegen nur selten angewendet. Dementsprechend haben die Schüler bei Gruppenarbeiten teilweise noch erhebliche Probleme, Aufgaben gemeinsam zu bearbeiten. Mit der Sozialform des Gesprächskreises sowie den Gesprächsregeln sind sie vertraut. Den Schülern sind Märchen ebenso wie das Schreiben von Texten bekannt. In den Wochen vor der zu planenden Unterrichtsstunde haben die Schüler u.a. Geschichten zu Bildern und eine kurze Fantasiegeschichte geschrieben. Hierbei war zu sehen, dass die Schüler im Allgemeinen ein großes Interesse am Schreiben haben und auch gerne ihre Ideen verschriftlichen. Einigen Schülern fällt es jedoch schwer eigene Ideen zu entwickeln und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Bei diesen Schülern empfiehlt es sich, ihnen Hilfestellungen mit an die Hand zu geben.

5. Didaktische Analyse

5.1 Gegenwartsbedeutung

Die Gegenwartsbedeutung beruht vor allem auf der Allgegenwärtigkeit der Märchen. Da Märchen als Kulturgut angesehen werden, besitzen sie auch in unserer heutigen Zeit noch einen erheblichen Stellenwert und Bedeutung für die Kinder. Selbstverständlich hat sich seit der Veröffentlichung der KHM durch die Gebrüder Grimm einiges geändert. Während es früher verstärkt so war, dass im familiären Umfeld Märchen vorgelesen wurden, so sind den meisten Kindern Märchen mittlerweile wohl aus dem Fernsehen bekannt, sei es durch Filme von Walt Disney oder andere Produktionen. Doch auch spielerische Darstellungsformen wie Puppentheater oder Musicals thematisieren Märchen und sind bei Kindern sehr beliebt. Das Problem hierbei ist, dass die ursprünglichen Märchen hierbei je nach Produktion stark verändert werden. Um den Schülern den literarischen Wert der Märchen näher zu bringen, müssen diese im Deutschunterricht behandelt werden. Auch entwicklungspsychologisch sind Märchen von großer Bedeutung für die Kinder, da Grundmotive des Märchens mit den inneren Prozessen des Heranwachsens in Verbindung gesetzt werden. So können sich die Schüler durch Märchen bspw. mit folgenden Themen auseinandersetzen:

- Loslösung von den Eltern
- Begegnung mit dem Bösen und der Gefahr
- Auseinandersetzung und Überwindung von Ängsten
- Identitätsgewinnung
- Beziehungen zum anderen Geschlecht (vgl. Spinner 2003, S. 48)

5.2 Zukunftsbedeutung

Auch wenn die klassischen Märchen in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren haben, so werden sie auch in Zukunft nicht wegzudenken sein. Besonders in unserer immer stärker vernetzten und globalen Welt sind Märchen etwas, an denen sich die Menschen orientieren und auch ihre Tradition bewahren können. Da es Märchen in allen Kulturen gibt und weltweit ihren Platz in der Literatur haben, ist es darüber hinaus eine Möglichkeit, anderen Kulturen zu begegnen und interkulturelles Lernen anzubahnen. Auch kann durch die Thematisierung von Märchen aus anderen Sprachen die Vielfalt und Verschiedenartigkeit der Sprache betont werden. (vgl. Peer 2011, S. 25) Dies sind Erfahrung und Kompetenzen, die den Schülern später von enormer Hilfe sein können. Auch die Kreativität des Schreibprozesses wird den Kindern später immer wieder begegnen, sei es in den weiterführenden Schulen, in denen die Schüler Texte oder Hausarbeiten schreiben müssen oder im Alltag. Schreiben ist eine Grundkompetenz, die die Schüler erlernen müssen und dafür bieten sich solche Schreibanlässe wunderbar an.

5.3 Zugänglichkeit und exemplarische Bedeutung

Exemplarisch steht das Thema dafür, dass die Schüler sich mit einem Thema kreativ auseinandersetzen und lernen ihre Gedanken zu strukturieren und niederzuschreiben. Die Schüler sollen auch erkennen, dass es viele Möglichkeiten gibt, einen Text zu schreiben und dass Literatur auch immer etwas mit eigenen Gedanken und der eigenen Vorstellungskraft zu tun hat. Sie sollen Literatur als etwas erleben und wahrnehmen, was individuell und auch von ihnen produzierbar ist. Literatur soll für sie nicht nur Bücher sein, die sie in einer Bibliothek oder in Buchläden sehen.

Das Thema wird den Schülern in der Form zugänglich gemacht, dass sie eben nicht den produktorientierten Ansatz verfolgen müssen sondern selber Autoren sein können, die mit lediglich fünf Sätzen ein eigenes Märchen schreiben, was im Unterricht auch besonders betont wird. Der Prozess des Schreibens steht im Vordergrund und die Kinder sollen selber kreativ sein. Selbstverständlich steht am Ende der Unterrichtsstunde ein Produkt, jedoch geht es nicht darum, dass die Schüler wissen, wie ein Märchen im Einzelnen aufgebaut ist und welche sprachlichen und grammatikalischen Besonderheiten wichtig sind. Durch die Reduktion des Märchens auf fünf Sätze werden die Schüler auch nicht überfordert oder von der Aufgabe „Wir schreiben heute ein Märchen“ erschlagen. Da die Schüler wissen, dass Märchen auch sehr lang sein können, würde wahrscheinlich die Motivation leiden, wenn sie ein ganzes Märchen schreiben müssten. Auch sind die Schüler frei in dem was sie schreiben, es existieren lediglich Hilfestellungen, was die Kinder schlussendlich formulieren, ist jedoch ihnen überlassen. Auch gibt es kein richtig oder falsch, es geht ausschließlich darum die Kinder zum Schreiben zu animieren und ihre Kreativität zu fördern. Durch das Vorlesen der Märchen zum Abschluss wird den Schülern auch noch einmal verdeutlicht, was es für verschiedene und interessante Varianten gibt. Durch die Präsentation durch Mitschüler erlangt das ganze Thema eine höhere Akzeptanz als bei der Präsentation durch den Lehrer.

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

Details

Seiten
32
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668594753
ISBN (Buch)
9783668594760
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383674
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Grundschuldidaktik Deutsch
Note
1,3
Schlagworte
Märchen 5-Sätze-Märchen Stundenplanung Bedingungsanalyse Sachanalyse Methodendiskussion Didaktische Analyse

Autor

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Titel: Unterrichtsentwurf zur Methode des Fünf-Sätze-Märchens