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Pioniere des Naturschutzes in Deutschland

Seminararbeit 2017 16 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die ersten Naturschützer

3. Kurzvorstellung wichtiger Pioniere des Naturschutzes in Deutschland
3.1 Hans Carl von Carlowitz (*1645-†1714)
3.2 Johann Matthäus Bechstein (*1757-†1822)
3.3 Philipp Leopold Martin (*1815-†1885)
3.4 Ernst Rudorff (*1840-†1916)
3.5 Emilie Karoline Hähnle (*1851-†1941)
3.6 Hugo Wilhelm Conwentz (*1855-†1922)
3.7 Johannes (Hans) Karl Wilhelm Klose (*1880-†1963)

4. Naturschutz im Nationalsozialismus

5. Die Nachkriegszeit

6. Die „Entdeckung“ des Umweltschutzes um 1970
6.1 Das Bundesnaturschutzgesetz von 1976

7. Naturschutzorganisationen und ihre Pioniere
7.1 Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
7.2 Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
7.3 Deutscher Naturschutzring (DNR)

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Abbildungsverzeichnis:

1. Einleitung

Mit dem Fortschreiten des 21. Jahrhunderts wird dem Naturschutz in Deutschland eine zunehmend hohe Bedeutung als gesellschaftliche Aufgabe beigemessen. Galten Naturschützer bis in die jüngste Vergangenheit oft als Sonderlinge und „Fortschrittsverhinderer“, so ist der Naturschutz spätestens seit der Jahrhundertwende im Zentrum der Gesellschaft angelangt (Piechocki, 2010).

Doch das war nicht immer so! Über einen großen Zeitraum der Menschheitsgeschichte dominierte die Vorstellung von Natur als Bedrohung und Gefahrenquelle. Hätte man versucht dem alten Ötzi[1] zu erklären, dass er die Natur schützen müsse, wäre man wohl auf wenig Verständnis gestoßen. Mit dem fortwährend technischen Fortschritt wandelte sich das Bild. So wurde die Natur zwischen Renaissance und Aufklärung als Objekt uneingeschränkter technischer Nutzung gesehen.

„Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen“ – Albert Schweitzer (Piechocki, 2010)

Viel Pionierarbeit war von Nöten um diesen neuen Stellenwert des Naturschutzes zu erreichen. Zum einen ist dies eine Folge der Sehnsucht vieler Menschen nach Natur, aber auch dem gewachsenen Bewusstsein geschuldet, dass wir dabei sind unsere Lebensgrundlage zu zerstören.

„Während wir Philosophen noch streiten, ob die Welt überhaupt existiert, geht um uns herum die Natur zugrunde.“ – Karl R. Popper (Piechocki, 2010)

Heute wird der Naturschutz als Gesamtheit von Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung des Naturhaushalts mit all seinen Bestandteilen definiert. Boden, Wasser, Klima und Luft, Arten und Biotope sowie Landschaftsbild sind die zu Unterscheidenen Natur- und Schutzgüter. (Jedicke, 2011)

Im Folgenden soll der Weg von der Natur als Bedrohung zum heutigen Naturschutz anhand von Pionieren und ersten Schritten des Naturschutzes dargestellt werden.

2. Die ersten Naturschützer

Der Ursprung des Naturschutzes geht weiter zurück, als man vermuten würde. Zwar gibt es das Gesetzt über Naturschutz und Landschaftspflege, kurz Naturschutzgesetzt (BNatSchG), in der Bundesrepublik Deutschland erst seit 1976. Doch die ersten Überlieferungen von aktivem Naturschutz in Deutschland reichen in das Jahr 1820 zurück. Als der Drachenfels bei Königswinter als Steinbruch genutzt werden sollte, wurde dieser mit Hilfe des preußischen Königshauses erhalten. 1836 kaufte die preußische Regierung einen Teil des Drachenfelsens, sodass dort das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands entstehen konnte (Brasse & Gresch, 2016). Der damalige Naturschutz fand jedoch nur aus rein ästhetischen und romantischen Gesichtspunkten statt und nicht um ihrer selbst willen. Es sollten beeindruckende Landschaften erhalten werden.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde erstmals verzeichnet, dass einzelne Tier- und Pflanzenarten geschützt wurden. Auch hierbei ging es in erster Linie um attraktive oder seltene Pflanzen und Tiere. So wurde durchgesetzt, dass Schwäne, Störche und Nachtigallen nicht mehr gejagt werden durften. Als Pionier des Vogelschutzes gilt die Frau eines einflussreichen Filzfabrikanten. Lina Hähnle (siehe 3.5) gründete 1899 den „Bund für Vogelschutz“, aus dem später der heutige Naturschutzbund (NABU) entstand (siehe 7.1).

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wuchs – parallel zur Nutzbarmachung und Beanspruchung der natürlichen Ressourcen durch technischen Fortschritt, Industrialisierung und Verstädterung – das gesellschaftliche Bewusstsein für die Schutzwürdigkeit der Natur. Außerdem erscheint im Jahr 1922 erstmal die Zeitschrift „Naturschutz“ und ist damit der Vorläufer für die heute noch erhältliche Publikation „Natur und Landschaft“, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) herausgibt. Dadurch ist sie die älteste regelmäßig erscheinende Zeitschrift für Naturschutz und Landschaftspflege im deutschsprachigen Raum. Ihr Ziel war es, Erfordernisse der Naturschutzpraxis mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden. Damit kann die damalige Zeitschrift „Naturschutz“ als eine Art Pionierzeitschrift im Bereich des Naturschutzes angesehen werden.

3. Kurzvorstellung wichtiger Pioniere des Naturschutzes in Deutschland

3.1 Hans Carl von Carlowitz (*1645-†1714)

Als einer der wichtigsten und ersten Pioniere des Naturschutzes in Deutschland ist Hans Carl von Carlowitz (Abb. 1) zu nennen. Bereits im Jahr 1713 prägte er als erster den Begriff „nachhaltige Forstwirtschaft“. Heute gilt er als der Erfinder der Nachhaltigkeit. Vor allem durch sein Lehrbuch „Sylvicultura oeconomica“, welches auf den zu erwartenden Holzmangel aufmerksam machen sollte und den Gedanken der nachhaltigen Wirtschaftsweise in die Köpfe der Menschen brachte. Wobei er den Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht nur für eine nachhaltige Forstwirtschaft hinterließ, sondern auch in vielen anderen Bereichen halt fand. Heute gibt es kaum ein Unternehmen, das auf Nachhaltigkeitsberichte verzichtet und selbst Staatsanleihen werden auf den nachhaltigen Umgang mit Steuereinnahmen analysiert.

Hans Carl von Carlowitz wurde als zweites von 17 Kindern am 12. Dezember 1645 auf Burg Rabenstein geboren. Er studierte an der Universität in Jena die Naturwissenschaften, Juri und Sprachen. Anschließend begab er sich zur Weiterbildung auf eine damals übliche „Grand Tour“ durch Europa. Dabei beeindruckte ihn besonders die französische Waldgesetzgebung des Wirtschaftsministers Jean Colbert, wonach der Holzeinschlag in Frankreich stark reduziert werden sollte. 1709 wurde von Carlowitz Kammer- und Bergrat und zwei Jahre später Oberberghauptmann. Erst nach seinem Tod 1714, im Alter von 68 Jahre, verzeichnete sein Buch einen großen Einfluss auf die Forstwirtschaft.

3.2 Johann Matthäus Bechstein (*1757-†1822)

Der am 11. Juli 1757 in Waltershausen nahe Gotha geborene Johann Matthäus Bechstein (Abb. 2) gilt als Pionier des Naturschutzes und der wissenschaftlichen Ornithologie. Von 1778 bis 1780 studierte er in Jena Theologie, Naturwissenschaften sowie Forst- und Kameralwissenschaften. Dadurch dass er unter anderem als Erster mehrere Vogelarten beschrieb hatte er schon zu Lebzeiten den Ruf als „Vater der deutschen Vogelkunde“. Bei seinem Einsatz für den Naturschutz forderte er den Erhalt von Tieren, die man zu seiner Zeit nicht als Schützenswert erachtete, wie z.B. die Fledermäuse. Damit hob er sich von anderen Naturschützer ab, da es zur damaligen Zeit üblich war, nur Tiere die einen Nutzen oder ästhetisch ansprechend waren zu schützen.

Parallel zur Nutzbarmachung und Beanspruchung natürlicher Ressourcen durch technischen Fortschritt, Industrialisierung und Verstädterung wuchs im Verlauf des 19.Jahrhunderts das gesellschaftliche Bewusstsein für die Schutzwürdigkeit der Natur.

3.3 Philipp Leopold Martin (*1815-†1885)

So verwendete der Naturforscher Philipp Leopold Martin (Abb. 3) in seiner Aufsatzreihe „Das Deutsche Reich und der internationale Thierschutz“ von 1971 als Erster den Begriff „Naturschutz“ in seiner heutigen Bedeutung. Außerdem kann diese Publikation als erste deutschsprachige programmatische Naturschutzschrift angesehen werden. Der am 5. November 1815 in Gnadenberg bei Bunslau, Schlesien geborene Ornithologe, Tierpräparator und Naturforscher war damit seiner Zeit voraus. Vielleicht gerieten deswegen seine Leistungen als Vordenker des deutschen Naturschutzes schon kurz nach seinem Tod (1885) vollkommen in Vergessenheit und wurde erst im Jahr 2011 wiederentdeckt. (Koch & Hachmann, 2011)

3.4 Ernst Rudorff (*1840-†1916)

Das Wort „Naturschutz“ wurde 1888 von Ernst Rudorff (Abb. 4) geprägt. Er wurde am 18. Januar 1840 in Berlin geboren. Neben der Rettung von alten Eichen in Lauenstein an einem Fußweg verhinderte er, dass in einem Wiesental Koppeln eingerichtet wurden und schuf dort Waldränder, Hecken und Galierwälder entlang des Baches. In seinen Tagebüchern wurden Gedanken über die Gründung eines „Vereins zum Schutze der Natur“ gefunden. 1904 entsteht auf sein Betreiben der „Bund Heimatschutz“. Ein Verein der nicht nur althergebrachten Sitten und Gebräuche bewahren wollte, sondern auch die Landschaft. Auch wenn die Heimatschützer ein anderes Umweltverständnis hatten als heute. Der erste Vorsitzende des „Bundes Heimatschutz“, Paul Schultze-Naumburg sah zum Beispiel kein Problem in der Ausrottung des Fischotters, weil das Tier so verborgen lebe, dass es für das Landschaftsbild keine Rolle spiele. Nach dem heutigen Verständnis von Ökologie keine sinnhafte Aussage.

[...]


[1] Gletschermumie aus der späten Jungsteinzeit bzw. Kupfersteinzeit, die 1991 in den Ötztaler Alpen (Südtirol) gefunden wurde.

Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668594609
ISBN (Buch)
9783668594616
Dateigröße
690 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v384276
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Schlagworte
pioniere naturschutzes deutschland

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Titel: Pioniere des Naturschutzes in Deutschland