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Die Frauen in islamischen Gesellschaften

Seminararbeit 2002 20 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Islam
2.1 Die Frau in der Djahiliyya und die Reform durch den Islam
2.2 Quellen des Islams
2.3 Die koranische Moral

3. Die Rolle der Frau im Islam
3.1 Überlegenheit des Mannes
3.2 Die muslimische Frau in der Familie
3.2.1 Heirat und Ehe
3.2.2 Scheidung
3.2.3 Der Status alleinstehender und älterer Frauen
3.3 Die Frau im Recht
3.3.1 Schari’a
3.3.2 Frauen vor Gericht
3.3.3 Beispiel: Erbrecht
3.4 Erlaubnis zur Gewalt? – Die Koransure 4, 34
3.5 Frau und religiöse Praxis
3.6 Bildung
3.7 Verschleierung
3.8 Absonderung
3.9 Beschneidung von Mädchen

4. Schlusswort

1. Einleitung

Durch die Terroranschläge des 11. September 2001 und den in der Folge geführten Afghanistan-Krieg ist die Beschäftigung mit dem Islam, einer für die westliche Welt immer noch unbekannten Religion, eine Modeerscheinung geworden. Die Medien schüren irrationale Ängste über vermeintliche fundamentalistische Terror-Netzwerke, die sich in Deutschland niedergelassen haben und angeblich eine Bedrohung für die Menschen im Land darstellen.

Ich habe mich dem Thema „Die Frauen in islamischen Gesellschaften“ gewidmet, weil es mir unverständlich erschien, dass Frauen sich in einer religiösen Gemeinschaft, die nach verbreiteter westlicher Auffassung die Frauen benachteiligt und unterdrückt, wohlfühlen können und warum sie sich nicht stärker zur Wehr setzen.

Probleme bereiteten mir die Selektion der vielfältigen Literatur und die Beschränkung des Themas auf einzelne Gesichtspunkte. Aufgrund der umfassenden Behandlung des Themas hatte ich Schwierigkeiten, die Vorgabe der Hausarbeit in quantitativer Hinsicht einzuhalten und dabei die einzelnen Aspekte mit der nötigen Sorgfalt zu bearbeiten. Deshalb sei angemerkt, dass die Hausarbeit nicht den Anspruch hat, alle Ansichten, die die Frauen im Islam betreffen, zu berücksichtigen. Es ist hier nur eine Auswahl getroffen worden, um aufzuzeigen, wie gegensätzlich zum Teil die Thematik diskutiert wird.

Im folgenden beschäftige ich mich vornehmlich um theoretische Aspekte der Frauen im Islam. Zuerst befasse ich mich mit den Grundlagen des Islam und die Reformen, die Mohammed durch die neue Religion einleitete. Anschließend gehe ich auf charakteristische Merkmale der Frauen in islamischen Gesellschaften ein und diskutiere die wichtigen Lebensstationen der Frau.

„Erkläre ihnen (den Frauen) doch erst das Recht, das der Mann – islamisch gesehen – ihnen gegenüber besitzt. Denn wir (Männer) können schon jetzt – d.h. trotz ihrer Unwissenheit, welche Rechte sie (Frauen) uns gegenüber haben – nicht einmal mit ihnen fertig werden. Wie können wir dann überhaupt mit ihnen zurechtkommen, wenn sie einmal erfahren, welche Rechte ihnen der Islam uns (Männern) gegenüber zugesprochen hat?“[1]

Muhyaddin Ibn Abi Asbagh

2. Islam

(wörtl.: „Das Friedenmachen“; Ergebung in Gottes Wille)[2]

Mohammeds Verkündung des Korans ist nach islamischer Auffassung in der religiösen Geschichte die letzte Offenbarung des Wort Gottes. Daraus lässt sich der Absolutheitsanspruch des Islam vor dem Judentum und Christentum erklären, da die beiden Religionen ihren universellen Anspruch verloren haben.[3] Es wird auf den Koran verwiesen in Sure 3, Vers 85 (im folg. werde ich nur die Zahlen angeben): „Wenn sich aber einer eine andere Religion als den Islam wünscht, wird es nicht (als Ersatz für den wahren Glauben) von ihm angenommen werden. Und im Jenseits gehört er zu denen, die (letzten Endes) den Schaden haben.“[4]

Ein wesentlicher Unterschied der christlichen Welt zur islamischen Welt drückt sich in dem Totalitätsanspruch aus, der besagt, dass der Islam den gesetzlichen Rahmen festsetzt; damit lässt sich die Bezeichnung des Islams als „Religion und Staat“ erklären. Also wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keine Trennung von Religion, Gesellschaftsordnung und Staat erfolgen soll.[5] Der Islam wird von den Muslimen nicht als Religion sondern als Lebensweise angesehen.

Die Aufgaben des Muslims unterscheiden sich von denen der muslimischen Frau. Der Mann hat einen größeren Einfluss im gesellschaftlichen Leben, da er in der Öffentlichkeit seine Aufgaben wahrnehmen soll, während die Frau die inneren Familienangelegenheiten regelt.

2.1 Die Frau in der Djahiliyya und die Reform durch den Islam

Die vorislamische Zeit, „die Zeit der Unwissenheit“[6][7] oder Djahiliyya, wurde geprägt durch ein ausgesprochen negatives Frauenbild. Die Tötung von neugeborenen Mädchen, der Filiazid, war eine gängige Praxis, die hauptsächlich aus wirtschaftlichen Überlegungen zu erklären ist. Aufgrund dessen war der Anteil der Frauen in der Bevölkerung gering. Die Reform durch Mohammed verurteilte den Filiazid. Im Koran heißt es: „Und tötet nicht eure Kinder aus Furcht vor Verarmung! Wir bescheren ihnen und euch (den Lebensunterhalt). Sie zu töten ist eine schwere Verfehlung.“ (17, 31)[8]

Der Koran begrenzte auch die Polygamie auf vier Ehefrauen für einen Mann, wohingegen in der vorislamischen Zeit keine Begrenzung vorgesehen war. Das Scheidungsrecht änderte sich ebenso zugunsten der Frau, die vorher keine Möglichkeit hatte, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen. Aber es ist hier auch heute noch keine Gleichstellung zwischen Mann und Frau erfolgt (s.u.)

Die Ehre der Frau erhielt angesichts der Frauenknappheit, die im Filiazid und der unbegrenzten Polygamie ihre Ursachen hat, besonderes Gewicht in der Beurteilung über die Wertigkeit der Frau. Verbreitet war die Vorstellung, dass diese Ehre am ehesten durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit gewahrt wird. Ob diese Ansicht vom Islam gestützt wird, ist heute Anlass zahlreicher Diskussionen der Theologen.

Die Auffassung, dass neugeborene Mädchen eine Belastung für die Familie darstellen, aber später als kostbaren Besitz gehandelt werden, ist ein widersprüchlicher Vorgang.

Die Muslime stehen der vorislamischen Zeit skeptisch gegenüber, da die Zeit als sexuell freizügig und unmoralisch angesehen wird. Sie sind der Meinung, dass erst durch die Verkündung des Korans Zivilisation entstehen konnte.

2.2 Quellen des Islams

Hauptquellen des Islams sind der Koran (Qu’ran, von qa’ra: lesen, vortragen) und die Sunna, der Weg Mohammeds. Der Koran besteht aus 114 Kapiteln, den Suren. Für die Muslime ist der Koran die absolute Autorität, er ist unfehlbar, da es das Wort Allahs ist. Er bestimmt das Leben der Muslime in allen Lebensbereichen und setzt die Normen der Moral und das Familienrecht. Er bildet das Fundament der sozialen und politischen Ordnung.[9]

Die Sunna wird als Weg des Propheten Mohammeds bezeichnet, der laut Koran als Vorbild und Beispiel für die Gläubigen angesehen werden soll: „Im Gesandten Gottes habt ihr doch ein schönes Beispiel“ (33, 21)[10].

Die Berichte und Erzählungen über den Weg Mohammeds findet der Muslim im Hadith wieder. Inhalt des Hadith sind Aussprüche, Verhalten und Haltung Mohammeds. Sich aber auf den Hadith zu beziehen birgt Probleme, da häufiger Erzählungen in Umlauf gebracht wurden, um Beachtung bei den Muslimen zu finden. Deshalb wird der Hadith auf seine Glaubwürdigkeit geprüft. Zudem ist der Hadith nur dann verbindlich, wenn er sich auf die Führung der Gemeinde bezieht und zur Feststellung von Rechtsnormen dient. Der persönliche Lebensstil Mohammeds wird nicht als verbindlich angesehen.

2.3 Die koranische Moral

„Lob sei Gott, der uns hierher rechtgeleitet hat! Wir hätten unmöglich die Rechtleitung gefunden, wenn nicht Gott uns rechtgeleitet hätte. Die Gesandten unseres Herrn haben wirklich die Wahrheit gebracht“(7, 43)[11]

Dieser Vers lässt erkennen, dass der Mensch nach islamischer Auffassung nicht dazu imstande ist, die Wahrheit zu finden und seinen Charakter zu formen.

Die Moral soll daher dem Menschen eine Grundlage geben, nach der er sich richten kann, um den rechten Weg zu finden. Sie gründet auf sittliche Werte und enthält Gebote und Verbote, die den zehn Geboten der Bibel ähnlich sind. Sünden können vergeben werden, nicht jedoch die Sünden gegen Gott und den Glauben. Als Sünde gilt u. a. Mord, Totschlag, Verletzung, Gewaltanwendung.[12]

Liebe und Sexualität befürwortet der Koran und hält das Zölibat der Mönche für unnatürlich. Jedoch ist Unzucht, Prostitution, Homosexualität und Ehebruch verboten. Hier wird interessanterweise der Ehebruch als besonders schweres Vergehen geahndet, da er die Ehre der Familie verletzt und die Legitimität der Kinder in Frage stellt.[13]

[...]


[1] http://www.islamische-akademie.de/falaturi/stellungderfrau.htm, abgefragt am 11.03.02

[2] http://www.muslima-aktiv.de/25frauu.htm, abgefragt am 11.03.02

[3] Khoury, Adel Theodor: Der Islam. Sein Glaube, seine Lebensordnung, sein Anspruch. Freiburg (u.a.): Herder 1988, 3. Aufl., S. 29

[4] Paret, Rudi (Übers.): Der Koran. Bd. 1. Stuttgart (u.a.): Kohlhammer 1962, S. 51

[5] Khoury, Der Islam, a.a.O., S. 30

[6] Heine, Ina; Heine, Peter: O ihr Musliminnen... Frauen in islamischen Gesellschaften. Freiburg i. Brsg. (u.a.): Herder, 1993, Orig.-Ausg., S. 14 ff.

[7] ebd., S. 25

[8] Paret, Der Koran, a.a.O., S. 230

[9] Khoury, Der Islam, a.a.O., S. 35 ff.

[10] Paret, Der Koran, a.a.O., S. 346

[11] ebd., S. 126

[12] Khoury, Der Islam, a.a.O., S. 151

[13] Khoury, Adel Theodor; Hagemann, Ludwig; Heine, Peter: Islam-Lexikon. Geschichte – Ideen – Gestalten, Freiburg i. Brsg (u.a.): Herder, 1991, Orig.-Ausg., S. 672 f.

Details

Seiten
20
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638123754
ISBN (Buch)
9783638745956
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3844
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Soziologie
Note
2
Schlagworte
Islam Frau

Autor

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