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In welchem Umfang wurde der deutsche Arbeitsmarkt durch die Zuwanderungsbewegung ab 2014 beeinflusst und wurde ausreichende Integrationsarbeit geleistet?

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung / Vorstellung Forschungsfrage

II. Migrationstheorien

III. Humankapitaltheorie

IV. Erwerbsmigration / Flucht nach Deutschland

V. Integrationsmaßnahmen

VI. Blaue Karte

VII. Fachkräftemangel

VIII. Fazit

IX. Quellenverzeichnis

I. Einleitung / Vorstellung Forschungsfrage

Im Folgenden werde ich mich mit dem Einfluß der Geflüchtetenbewegung ab dem Jahr 2015 auf den deutschen Arbeitsmarkt beschäftigen. Explizit widme ich mich der Fragestellung, ob die Geflüchteten hinreichend für die Erwerbstätigkeit im deutschen Arbeitsmarkt vorbeireitet und integriert werden.

Dabei werde ich mich einiger Migrationstheorien verschiedner Soziologen und Politologen, den Modellen Brain-Gain und Brain-Drain und der Humankapitaltheorie, bedienen.

Anschließend werden Zahlen und Daten aus den Jahren 2014 bis 2016 in den Vergleich gestellt. Dort werden vor allem die Statistiken der insgesamt in Deutschland angekommenen Geflüchteten und die ausgestellten Aufenthaltstitel, zuzüglich Arbeitserlaubnis, untersucht. Außerdem wird untersucht, um welche beruflichen Qualifikationen es sich bei den ankommenden Menschen handelt. Dabei beziehe ich mich hauptsächlich auf Daten, Zahlen und Statistiken des „Forschungszentrums Migration, Integration und Asyl“ aus dem „Bundesamts für Migration und Flüchtlinge“ (BAMF).

Fortführend nenne ich einige Integrationsmaßnahmen, welche vor allem für die Integration und Vorbereitung in den deutschen Arbeitsmarkt wichtig sind. Auch werden die dafür nötigen Voraussetzung und Zulassungen hinzugezogen. Dafür ist vor allem der Aufenthaltsstatus des Geflüchteten entscheidend. Geduldete und Asylbewerber dürfen in diesem Status des Asylverfahrens für insgesamt drei Monate nicht Erwerbstätig sein. Danach ist allerdings nur ein eingeschränkter Zugang gewährt.

Anschließend ist zu klären, wie sich diese Migration und Flucht auf den Status des deutschen Arbeitsmarkts auswirkt und auswirken könnte. Da in der Politik und in den Medien oft über den sogenannten „Fachkräftemangel“ gesprochen wird, ziehe ich diesen ebenso zu. Kann dieser Mangel an Fachkräften in den unterbesetzten Bereichen durch ausreichend qualifiziertes Personal gedeckt werden?

Abschließend halte ich meine Erkenntnisse in einem Fazit fest. Dort wird ebenfalls nochmal geklärt, welche Chancen und Perspektiven für den deutschen Arbeitsmarkt bestehen, ob der Integrations- und Eingliederungsprozess für die Geflüchteten erfolgreich ist und ob dieser für die bevorstehende Zeiten gewappnet ist.

II. Migrationstheorien

Auf Grundlage der verschiedenartigen Lohnniveaus der Länder, kommt es aus makroökonomischer Sicht zu Wanderungsbewegungen. Die Wanderung erfolgt von Gebieten mit niedrigem Lohnniveau in Gebote mit einem höheren Lohnniveau. Da in Deutschland ein verhältnismäßig hohes Lohnniveau vorzufinden ist, findet in diesem Falle die Wanderungsbewegung, beispielsweise aus Eritrea, Polen oder China (sollten es Fluchtgründe zur Erwerbstätigkeit in Deutschland sein), gezielt nach Deutschland ab (vgl bpb 2007).

Nach dem Forscher Michael P. Todaro findet diese Bewegung aufgrund asymmetrischer Verhältnisse der Angebots- und Nachfragelage nach Arbeitskräften statt. Dabei wägt das Individuum ihre jeweilige Chance auf einen Arbeitsplatz sowie auf den bevorstehend Lohn auf ihre Immigration ab (vgl. Todaro 1976).

Oft werden nach Arbeitserwerb im Zielland sogenannte „Remmitances“, auch Rücküberweisung oder Remissen genannt, in die jeweiligen Ursprungs- und Herkunftsländer überwiesen. In erster Linie geht die an die Familie oder Verwandte und tragen zur dortigen Stärkung der gesamtwirtschaftlichen Leistung des Herkunftslandes. Je höher die Anzahl der Migranten in einem Gebiet, desto höher die Summe der Rücküberweisungen (vgl Özden, Schiff 2006) . Die Thematik der Remissen klingt im Grunde erstmal sehr positiv behaftet. Allerdings kommt es durch die Abwanderung von Menschen auch zu dem sogenannten „Brain-Drain“-Effekt. Dabei geht es darum, dass durch eine Abwanderung auch Wissen, Qualifikation und Fertigkeiten von Hochqualifizierten in dem jeweiligen Herkunftsland meist dauerhaft verloren gehen (vgl. Hamiltion, Yau 2004). Das Gegenteil vom Brain-Drain Modell ist das sogenannte „Brain-Gain“-Modell. Diese Theorie besagt, dass das Zukommen von Erwerbsmigranten in das jeweilige Ankuftsland durch eben diese im Heimatland verloren gegangen Faktoren, insofern auf dem Arbeitsmarkt auch diese Nachfrage gestellt wird, ergänzt wird (vgl. Wagner 2016).

Der Theoretiker Michael J. Piore geht davon aus, das insgesamt zwei verschiedene Arbeitsmärkte existent sind, der sogenannte „Duale Arbeitsmarkt“. Die „einheimischen“ Menschen arbeiten hauptsächlich im primären Arbeitsmarkt. Dort befinden sich die besser entlohnten Tätigkeiten. Im sekundären Arbeitsmarkt allerdings sind oftmals Migranten anzutreffen, welche die dementsprechend schlechter bezahlten und körperlich anstrengenden ausüben müssen. Dies ist laut Prior ein typisches Phänomen in den Industrienationen. Durch den beschränkten Zugang des primären Markts für Migranten herrscht ein gewisser Zustand der Diskriminierung vor (vgl. Piero 1979).

Nach dem Politologen Oded Stark ist nicht nur die Präferenz des jeweiligen Migranten für seine Fluchtentscheidung entscheidend, sondern auch die seines sozialen Beziehungsnetzwerks. Dabei gilt die Familie als kollektiver Akteur. Durch diese Zustände kann es zu einer Migrationskette kommen. In einem bestimmten Gebiet kommt es zu einer gehäuften Ansiedlung von Menschen der gleichen Nationalität. Auch durch die Mundpropaganda wird diese Phänomen häufig beschworen (vgl Stark 1991).

III. Humankapitaltheorie

Um die besagte Humankapital versteht zu können, muss zuallererst die Begrifflichkeit des Humankapitals geklärt werden. Dieser Begriff stammt aus den Kreisen der Wirtschaftswissenschaften und beschreibt bestimmte Wissensanteile, welchen in jedem einzelnen Individuum gebunden sind (vgl bpb 2007). Jeder einzelne Mensch besitzt in gewisser Hinsicht eine jeweils eigene Faktorausstattung. Es zielt auf die jeweiligen Fähigkeiten und Qualifikation ab.

Das Humankapital ist in zwei verschieden Arten zu trennen. Zum eine wäre dies das schulische Humankapital und zum Anderen das betriebliche Humankapital. Das schulische Humankapital ist oft sehr ähnlich wohingegen das betriebliche Humankapital Das Humankapital ist gleichzusetzen mit dem sogenannten „Inkorporierten kulturellen Kapital“, welche durch Bordieus Definition der Kapitalsorten definiert ist. Dabei handelt es sich ebenfalls um personenbezogenes Wissen, welches einen längeren Lernprozess bedarf. Zwischen den Kapitalsorten Bordieus gibt es eine jeweilige Wechselbeziehung (vgl Bourdieu 1983). Durch „ökönomisches Kapital“ lässt sich „objektiviertes Kapital“ erwerben. Diese können beispielsweise bestimmte Bücher sein, welche sich wiederrum durch einen längeren Lern- und Aneignungsprozess, in das schon genannte „inkorporierte kulturelle Kapital“ umgewandelt werden können (vgl Bourdieu 1983).

Ähnlich ist es bei der bereits angesprochenen Humankapitaltheorie. In dieser Theorie gibt es die vier Maßeinheiten Produktivität, Lohn, Bildung und Rendite/Einkommen. Es wird davon ausgegangen, dass eine höhere Bildung eine höhere Produktivität gewährleistet. Je höher die Bildung, desto höher die Produktivität. Durch bestimmte Investitionen in die Bildung, sogenannte Humankapitalinvestitionen, wird der Grad der Bildung pro Zeiteinheit erhöht. Diese Investition wäre zum Beispiel die schulische Bezahlung und Finanzierung der schulischen Ausbildung oder auch der betrieblichen Ausbildung. Dies spiegelt sich wiederum in der nachfolgenden Arbeitsleistung- und qualität wider (vgl Clar, Doré, Mohr 1997).

Da die Anzahl der ankommende Geflüchteten sowohl aus verschieden Gesellschaftsschichten stammten und die verschiedenen Altersgruppe (daher auch die Nennung des schulischen und betrieblichen Humankapitals). Daher ist der Begriff des Humankapitals gut anwendbar, da er auf die individuellen Qualitäten und Fertigkeiten abzielt.

IV. Erwerbsmigration / Flucht nach Deutschland

Für die Erhebung der Daten zur Erwerbsmigration nach Deutschland in den Jahren 2014-2016 bediene ich mich an den Statistiken des Jährlich erscheinenden „Wanderungsmonitoring: Erwerbsmigration nach Deutschland“, welches durch das Bundesamt für Migration und Flucht herausgegeben wird (bamf 2017).

Im Jahr 2014 gab es insgesamte Zuzüge von 1.149.045 Menschen nach Deutschland (518.802 Staatsangehörige aus Nicht-EU-Staaten; 630.243 Unionsbürger). In 2015 stieg die Anzahl der ankommenden Geflüchteten aus Nicht-EU-Staaten enorm an. Insgesamt wurden in 2015 1.810.904 angekommene Geflüchtete in Deutschland erfasst und registriert. Die Zuzüge von Personen aus Nicht-EU-Staaten ist dabei um mehr als das doppelte angestiegen. 1.125.419 nicht EU-Bürger sind 2015 nach Deutschland geflohen oder migriert. Dabei stammt der Großteil der Menschen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Serbien oder auch Eritrea. Im Jahr 2016 stieg die Zahl wieder ab und nahm ähnliche Werte wie im Jahr 2014 an. Insgesamt gab es einen Zuzug von 1.307.253 Migrierenden nach Deutschland. Davon hatten 673.217 eine nicht-EU-Staatsbürgerschaft. Die Fluchtbewegung im Jahr 2015 hatte in den Betrachtenden Zeitraum einen Höhepunkt erreicht. In dem Zeitraum nach der Zusammenführung Deutschlands, dem Ende der Sowjetunion waren die Zahlen der emigrierenden Personen relativ stabil und ohne große Ein- oder Ausbrüche. Ab dem Jahr 2014 allerdings gab es einen massiven Anstieg der Angekommenenzahlen. Vor allem der Bürgerkrieg in Syrien, die teilwiese Instabilen Staaten in Afrika oder Nahost, Hungersnöte, Naturkatastrophen oder Kriege zwingen die Leute zur Flucht. Aber auch schlechte Bedingungen auf dem heimischen Arbeitsmarkt, die Übersättigung eines beruflichen Bereichs, niedrige Löhne oder auch die fehlende Qualifikation drängen die Menschen aus anderen Ländern zur Erwerbsmigration nach Deutschland.

Es lässt sich festhalten, dass im Jahr 2014 insgesamt 598.487 Aufenthaltstitel (178.364 in 2014 eingereist) mit teilweiser Arbeitserlaubnis an Nicht-Unionsbürger ausgestellt wurde. Im darauffolgenden Jahr 2015 hingegen, wurden insgesamt 683.789 Aufenthaltstitel ( oder Blaue Karten, welche begrenzte Aufenthaltstitel sind und den Aufenthalt sowie den Arbeitserwerb erlauben, an Drittstaatenangehörige verteilt. Davon sind 226.099 (26,4%) erst in 2015 nach Deutschland eigereist. In 2016 stieg die Zahl der ausgestellten Erlaubnis wieder rapide an. Insgesamt waren es in 2016 mehr als 40,6% im Vergleich zum Vorjahr 2015. 963.345 Aufenthaltstitel wurde vergeben. Davon sind 241.450 Menschen erst im selben Jahr 2016 eingereist.

Davon wurden im Jahr 2014 insgesamt 75.805 Aufenthaltstitel des primären Arbeitszwecks an Personen, die auf der Suche nach Erwerbstätigkeit oder einem Arbeitsplatz, verteilt. Im Jahr 2015 waren es schon 82.219 ausgestellte Aufenthaltstitel. Im darauflegenden Jahr 2016 waren es sogar 99.123 ausgestellte Titel. Im letzten Jahr ist zu beachten, dass dies der mit Abstand höchste Wert an ausgestellten Aufenthaltstiteln ist. Dabei ist die Zahl der Angekommen Geflüchteten aus dem Jahre 2015 am höchsten. Grund dafür könnte der längere Zeitraum sein, dem es Bedarf die Asylanträge zu bearbeiten und die Ausstellung der Aufenthaltstitel (bürokratische Hürden).

Die Aufteilung der Aufenthaltstitel (im Aufenthaltsgesetz geregelt) lässt sich in vier verschiedenen Unterkategorien trennen, die im Folgenden näher betrachtet und gegenübergestellt werden: 1. Niederlassungserlaubnis zum Zweck der Erwerbstätigkeit, 2.Blaue Karte für Hochqualifizierte, 3.zeitlich befristete Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung von qualifizierten oder selbstständigen Berufstätigkeiten für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit und 4. Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche für gut qualifizierte Fachkräfte. Die Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche wird jeweils nochmal in vier verschiedene Klassifikationen getrennt. Sie lauten wie folgt: Arbeitsplatzsuche nach Studium (gem. § 16 Abs. 4 AufenthG), Arbeitsplatzsuche nach Berufsausbildung (gem. §§ 16 Abs. 5b und 17 Abs. 3 AufenthG), Arbeitsplatzsuche nach Anerkennung ausländischer Berufsqualifikation (gem. § 16 Abs. 4 AufenthG) und die generelle Arbeitsplatzsuche (gem. § 16 Abs. 4 AufenthG). Die Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung von qualifizierten oder selbstständigen Berufstätigkeiten wird ebenfalls in vier Untergruppen kategorisiert: qualifizierte Beschäftigung (gem. §18 Abs. 4 AufenthG), qualifizierte Geduldete (gem. §18a AufenthG), Forscher (gem. §20 AufenthG) und selbständige oder freiberufliche Tätigkeiten (gem. §21 AufenthG).

Insgesamt wurden im Jahr 2014 6.233 Erlaubnisse zur Niederlassung ausgestellt. Im Jahr 2015 steig die Anzahl auf 7.517 an. Einen erneuten Anstieg gab es in 206 ebenfalls. Ingesamt 9.229 Menschen wird einen Niederlassungserlaubnis ausgestellt.

Im Jahr 2014 erhielten 54.798 Menschen eine Aufenthaltserlaubnis für die Ausübung einer Erwerbstätig; davon 41.313 für qualifizierte oder selbstständige Berufstätigkeiten und 13.481 für Tätigkeiten ohne qualifizierende Berufsausbildung.

66.520 Migrierende bekamen im Jahr 2015 eine zeitlich befristete Aufenthaltserlaubnis für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit. Davon erhielten 46.635 eine Aufenthaltserlaubnis für qualifizierte oder Selbstständige; die restlichen 19.894 erhielten eine Aufenthaltserlaubnis zur Beschäftigung ohne eine qualifizierte Berufsausbildung. Im darauffolgenden Jahr 2017 stieg die Anzahl erneut an. 66.529 Personen erhielten eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Davon waren 66.529 für eine qualifizierte Aufenthaltserlaubnis bestimmt und die restlichen 19.894 erhielten eine Aufenthaltserlaubnis ohne eine qualifizierte Berufstätigkeit.

Im Jahr 2014 erhielten insgesamt 11.848 Menschen mit Hochschulabschluss eine Blaue Karte; davon sind 4.673 Absolventen in 2014 eingereist. In 2015 stieg die Ausstellung der Blauen Karte auf insgesamt 14.468. 5.876 Menschen reisten in 2015 ein. Im Jahr 2016 stieg die Vergabe der Blauen Karte an Hochschulabsolventen auf 17.362. Davon sind 6.643 Menschen in 2016 eingereist. Insgesamt lässt sich bei der Vergabe der Blauen Karte eine steigende Tendenz erkennen, welches für Deutschland und anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ein gutes Signal ist. Durch die hohe Bildung und die einhergehende Qualifikation wurden durch die bereits genannten Humankapitalinvestitionen ein höheres Humankapital generiert. Dies spiegelt sich dann in der Arbeitsproduktivität- und leistung der jeweiligen Arbeitnehmer wieder und stärkt dadurch die Wirtschaftlichkeit der Unternemen und Gesamtwirtschaftsleistung des Landes.

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Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668599703
ISBN (Buch)
9783668599710
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385130
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
2,0
Schlagworte
Migration flucht hausarbeit arbeitsmarkt flüchtlinge geflüchetet arbeitsamt arbeitsmarktsoziologie politik soziologie

Autor

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