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Beisetzung der Herzogin Anna Maria von Liegnitz in Weiden

Forschungsarbeit 2016 13 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Das Treffen des Oberpfälzer Adels bei der Beisetzung der Herzogin Anna Maria von Liegnitz

©Gerhard Reiß, Lessingstraße 14c, 92637 Weiden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fürstl: Lignitzer Leich Process

Die Fürstinnen von Liegnitz[1], Schwägerinnen des Pfalzgrafen Friedrich von Parkstein, sind in Weiden in der evang.-luth. Stadtpfarrkirche St. Michael begraben. Die Gruft befindet sich vor dem Hochaltar; sie haben dort ihre letzte Ruhestätte. Vom zerstörten Hochgrab sind Teile erhalten und in St. Michael eingemauert. Die anlässlich der Beisetzung in St. Michael festgelegte ausführliche Prozessions-ordnung ist im Stadtarchiv Weiden erhalten. Die Urkunde ist teilweise fleckig – aber zu lesen.

Johann Baptist Fröhlich (†) hat im Jahre 1969 in der Heimatkundlichen Beilage der Oberpfälzer Nachrichten, Ausgabe März, diese Archivalie unter damaligen Erkenntnissen und Gesichtspunkten veröffentlicht. Wir haben die Urkunden neu transkribiert und den heutigen Gegebenheiten angepasst. Herrn Fröhlich gebührt Dank.

In unserer Arbeit wird die erste Seite des Originals[2] reproduziert; es folgt dann das Transkript. Die erste Seite wird im Originaltext transkribiert, danach folgt die Übertragung in heutiger Sprache. Eine weitere Reproduktion von Originalseiten unterbleibt wegen des Volumens des Aufsatzes. Außerhalb der Arbeit von Herrn Fröhlich werden heute die Kosten der Beerdigung beleuchtet, sowie nach Durchsicht der Akten „Fürstentum Pfalz Sulzbach, Geheime Registratur 75“[3] eine abschließende Meinung zu der Vernichtung des Hochgrabes veröffentlicht.

Gerhard Reiß, 2016

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto: Gerhard Reiß, Weiden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[Die Urkunde beginnt von anderer Schrift]:

Proceßionsordnung bei dem fürstl. Liegnitzschen Leichen= [Original] Proceß =begängnis Bey der fürstlichen Lignizischen Be= grebenus zur Weiden uf den 2. April Aŏ 1620 angestelt,

1. Sollen Bürgermeister und Rath zur Weiden zeitlich ersucht werden, das sie und ihre Bürgerschafft mit der Proceßion biß zu endt der Steg herauß bei der Ziegelhütten gehen, daselbsten wartten, und die Leich biß in das Kellnerische Hauß, darinnen der Stattrichter wohnt, beglaitten wollen,

2. So baldt die Fürstliche Leich den Freschenberg[4] herab kombt, mit allen Glockhen zusammen schlagen zulaßen, biß die Leich in ersten bemelte Hauß gebracht ist,

3. Die nach der Weiden beschribene vom Adl sollen mit ihren Dienern biß uf den Freschenberg herauß reitten, und die Leich hinein begleitten helffen,

4. So baldt dddarauf die Wappen, bedeckhen, und also[5] baldt das erste Zeichen mit allen Glockhen leitten lassen,[6] überein viertl Stundt, die ander[7], und über ein halbe Stund das dritte, alsdann sollen die Pfarrer, Schuldiener und Schüler auf Erforderung[8] vor dem Haus erscheinen und was den Schülern zu geben verordnet, nach verrichteten actu in der Schul, esgleichen den Armen in der Kirchen gegeben werden.

5. Es sollen auch Bürgermeister und Rat zur Weiden ersucht werden, dass Bürger mit langen Spießen, schwarz bekleidet, bestellt werden, so zu beiden Seiten vom Kellerischen Haus bis zur Kirche eine offene Gasse halten, damit man mit der Prozession ungehindert fortkommen könne. Ingleich soll unter der Kirchentür Wacht gehalten werden, dass niemand vor der Leich hinein könne. Wenn die Fürstliche Leich und Prozession in der Kirche, alsdann mag man alle Tore öffnen, damit jedermann hinein könne.

6. In der Kirchen soll der Predigtstuhl[9], Altar und Parkirchen[10] für die churfürstlichen Personen, Gesandten und Frauenzimmer mit schwarzem Tuch beschlagen werden.

Prozession

7. Vor den Schülern soll hergehen drei vom

Adel:

1 Hans Thomas von Pertoltshofen[11],

2 Hans Assmus von Preising[12],

3 Hans Christoph Raiser[13],

8. denen folgen die Schüler, Schul- und

Kirchendiener

9. nach solchen:

1 der Marschalk Wolf Philipp von Brandt[14]

2 Hans Jakob Hundt[15]

3 Georg Wilhelm von Schlammersdorf[16]

9 ½)

1 Albrecht Doss[17],

2 Ludwig von Freudenberg[18],

3 Georg Wilhelm von Brandt[19]

10)

1 Christoph Peter von Brandt[20]

2 Hans von der Grün[21]

3 Hans Fabian von Schirnding[22]

11)

Kammerjunker

1 Hans Georg von Mussloe[23]

2 Wolf Wilhelm von Kreut[24]

3 Christoph Philipp von Satzenhofen[25]

Darauf folgt die Churfürstliche Leich,

dieselben tragen,

1 Caspar Friedrich Pellkofer[26],

2 Carl Sigmund Pellkofer,

3 Hans Jakob von Brandt,

4 Hans Jakob von Preising[27],

5 Hans Christoph[28],

6 Christoph Adam

7 Erdtmann von Warnstett[29],

8 Wolf Christoph Raiser,

9 Veit Hans Sauerzapf[30],

10 Hans Albert Zollner von Brandt,

11 Wolf Heinrich von Trautenberg[31],

12 Hans Paulus Schlaher zu Röthenbach[32],

13 Schlaher zu Steinfels[33],

14 Hans Friedrich von Brandt;

15 Hans Adam von Sparneck[34],

16 Thomas Philipp von Brandt.

Auf beiden Seiten neben denen vom Adel die 6 Trabanten,

zwischen dem Sarg und Trabanten die Stützenträger:

1 Hofbarbier zu Sulzbach;

2 Sattelknecht,

3 Reitschmied,

4 Kanzlers Schreiber,

5 Furiere zu Hiltpoltstein,

6 Michl Lakai,

7 Christoff Leutenrott,

8 Hofmeisters Schneider,

[...]


[1] Fürstin Anna Maria, *03.01.1563, +28.02.1620, bestattet in St. Michael, Weiden i. d. OPf. am 02.04.1620 Fürstin Emilia, *26.12.1653, +09.11.1618, bestattet in St. Michael Weiden, i. d. OPf. am 11.11.1618

[2] Stadtarchiv Weiden A-IA Nr. 117

[3] StaAAm

[4] Frühneuzeitliche Bezeichnung für den Fischerberg,

[5] Frl. ist die Abkürzung für fürstlich

[6] in verschiedener Funktion (z. B. als Bett, [Toten]bahre, Sägebock) verwendetes, auf kreuzweise verschränkten [hölzernen] Füßen ruhendes Gestell; hier m.E. der untere Teil der Totenbahre. Umgangssprache auch für Beine.

[7] die zweite

[8] Anforderung

[9] Kanzel

[10] vermutlich ist Pfarrkirche gemeint

[11] Hofjunker zu Neuburg a.d.Donau, Pertolzhofen, Gde. Niedermurach, Lkr. Schwandorf

[12] Verschiedene Schreibweisen, von Preysing zu Döllnitz [heutiges Industriegebiet in Pressath]

[13] Landrichter in Parkstein

[14] Landrichter in Sulzbach

[15] Rittmeister in Püchersreuth, Lkr. Neustadt a. d. Waldnaab

[16] Hofmeister in Neuburg an der Donau, aus Schlammersdorf bei Eschenbach, Lkr. Neustadt a. d. Waldnaab

[17] Albrecht Thoß (Doss) von Ehrbach, Thannhausen ist ein Ortsteil der Stadt Bärnau, Lkr. Tirschenreuth

[18] Zu Rupprechtstein, Freudenberg , Lkr. Amberg-Sulzbach

[19] Hofjunker zu Neuburg an der Donau, das Geschlecht von Brandt blüht immer noch

[20] Auf Kürmreuth, Gd. Königstein, Lkr. Amberg-Sulzbach. Das Geschlecht von Brandt ist nachgewiesen seit 1221 in Brandt bei Marktredwitz.

[21] zu Amberg

[22] seit 1452 zu Kalmreuth bei Floß, Lkr. Neustadt a. d. Waldnaab

[23] zu Burgthann, Lkr. Nürnberg

[24] zu Wilhof, Gd. Nabburg

[25] auf Püchersreuth, Lkr. Neustadt a. d. Waldnaab

[26] zu Weng, Gd. Bad Griesbach im Rottal

[27] Döllnitz, Gd. Leuchtenberg, Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab

[28] zu Rothenstadt, Gd. Weiden

[29] Rupprechtstein, Gd. Etzelwang, Lkr. Amberg-Sulzbach

[30] zu Burggrub, Gd. Kirchenthumbach, Lkrs. Neustadt a.d. Waldnaab

[31] Die ehemalige Burg Lehen bzw. der heutige Burgstall Lehen befindet sich in dem gleichnamigen Ortsteil der oberpfälzer Gemeinde Krummennaab im Landkreis Tirschenreuth. Der Burgstall liegt am nordwestlichen Rand von Lehen auf dem Gelände des ehemaligen Meierhofes der Burg.

[32] Das Hammerschloss Röthenbach ist ein Schloss in Röthenbach im Markt Kohlberg , Lkr. Neustadt a.d. Walddnaab, das Hammerschloss wurde allerdings erst 1678 errichtet.

[33] Schloss Steinfels, Gd. Mantel, Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab

[34] zu Püchersreuth, Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab. Die Ritter von Sparneck sind nachgewiesen in der Zeit von 1223 bis 1744 mit Besitzungen im heutigen Oberfranken, in der Oberpfalz und in Böhmen.

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668605510
ISBN (Buch)
9783668605527
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385754
Note
Schlagworte
Oberpfalz

Autor

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