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Die Haltung der deutschen Bundesregierung zum britischen Beitrittsgesuch zur EWG und seiner Ablehnung durch de Gaulle

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 36 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die EWG und der erste Beitrittsgesuch Großbritanniens
a. Die Europapolitik de Gaulles
b. „Why did de Gaulle do it?” - Großbritannien und der erste Beitrittsversuch

3. Die Haltung der deutschen Bundesregierung
a. Bundeskanzler Konrad Adenauer
b. Außenminister Gerhard Schröder
c. Wirtschaftsminister Ludwig Erhard

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellen

Sekundärliteratur

1. Einleitung

„Der Herr Bundeskanzler bemerkte […], dass […] jemand Botschafter Steel gefragt habe, wann denn die Engländer anfingen, europäisch zu denken. Steel habe darauf geantwortet, er sei Schotte. Auf die Frage, wann denn die Briten anfingen, europäisch zu denken, sei Steel die Antwort schuldig geblieben.“1

Am 23. Juni 2016 stimmte die Mehrheit der britischen Bevölkerung für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU). Der Entscheidung des Königreiches, die Gemeinschaft nach 44 Jahren der Zugehörigkeit wieder zu verlassen, waren in den sechziger und siebziger Jahren zahlreiche Beitrittsgesuche zur Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der Vorgängerorganisation der EU, vorausgegangen. Der Beitritt zum Gemeinsamen Markt war für London jedoch stets nur ein Mittel zum Zweck, um dadurch wirtschaftlich und politisch an seine ehemalige Großmachtstellung anknüpfen zu können. Der ‚Zweckehe‘ zwischen der Insel und dem kontinentalen Europa erteilte Charles de Gaulle daher am 14. Januar 1963 erstmals eine Absage.2 Großbritannien hatte im August 1961 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der EWG gestellt.

In einem Gespräch zehn Tage später versuchte auch der deutsche Bundeskanzler dem amerikanischen Botschafter in Bonn, Walter Dowling, die Beweggründe des französischen Präsidenten näher zu bringen. Mit der Reaktion des britischen Botschafters, Christopher Steel, wollte Konrad Adenauer verdeutlichen, welche Problematik die Verhandlungen von 1961-1963 geprägt und dementsprechend verkompliziert hatten. Dennoch schlug die Absage in vielen europäischen Hauptstädten „wie eine Bombe ein“3 und wurde weithin als „Grabgesang auf die Brüsseler Verhandlungen“4 interpretiert.

Da andere Mitglieder wie Italien oder die Benelux-Länder, einen Beitritt Londons befürworteten,5 wird die Zurückweisung Großbritanniens weitestgehend als eine alleinige Entscheidung Charles de Gaulles angesehen. Die Haltung Deutschlands, Frankreichs Nachbar und wichtigster europäischer Partner, findet daher kaum Erwähnung. Das Vorhaben dieser Arbeit lautet daher, die Haltung der deutschen Bundesregierung während des britischen Beitrittsgesuchs und seiner Ablehnung durch de Gaulle genauer zu konturieren.

In diesem Horizont gilt es zu Beginn, die Ausgangslage zur Zeit der Verhandlungen kurz zu skizzieren (2). Der Akzent des ersten Kapitels liegt daher zunächst auf der gaullistischen Europapolitik (2a). Die Konzeptionen de Gaulles werden dabei aber nur insoweit beschrieben, inwiefern sie Divergenzen zu den britischen Interessen transponieren. Darauffolgend sollen die Beweggründe der britischen Regierung für den Beitrittsantrag eruiert und dadurch dargelegt werden, warum de Gaulle London die Tür zur Gemeinschaft der Sechs zuschlug (2b). Im Anschluss wird die Haltung von Bundeskanzler Adenauer (3a), von Außenminister Schröder (3b) und von Wirtschaftsminister Erhard (3c) extrapoliert. (3) Dabei gilt es auf folgende Fragen einzugehen: Wie war ihre Haltung hinsichtlich des Beitrittsgesuchs? Auf welchen Begründungen fußte ihre Ansichten? Durchliefen diese eine Entwicklung oder stand sie von vorneherein fest? Inwiefern tangierte außenpolitischer Druck den Bundeskanzler und seine Minister? Was für Unterschiede und was für Gemeinsamkeiten lassen sich innerhalb der Bundesregierung konstatieren? Hinsichtlich der deutsch- französischen Aussöhnung im Januar 1963 gilt es zudem zu klären, ob und wenn ja wie der Elysée-Vertrag die Ansichten der entsprechenden Personen beeinflusste.

Für die Beschreibung der Europapolitik des französischen Präsidenten wurden einschlägige Werke von Wilfried Loth, Wichad Woyke und Hans-Dieter Lucas herangezogen. Die Verfasser sind dabei der Ansicht, dass de Gaulle seine Europapolitik instrumentalisierte, um dadurch mit einem erstarkten Frankreich in der Welt wieder an Relevanz zu gewinnen.6 Die Beweggründe des Königsreichs wurden den Publikationen von Rolf Steininger, Wolfram Kaiser und Jens Kreutzfeld entnommen.7 Hierbei findet sich auch bei Großbritannien der Versuch, durch einen Beitritt zur EWG weltpolitisch auch weiterhin eine Rolle spielen zu können.

Bislang hat sich die deutschsprachige Forschung weitestgehend auf die Haltung de Gaulles konzentriert, was vielleicht mit der Tatsache zu tun hat, dass es der französische Präsident gewesen war, der Großbritannien zurückgewiesen hatte. Der französische Staatschef habe London den Beitritt verweigert, um eigene nationale Interessen nicht zu gefährden.8 Erst 1994 beschäftigte sich Wolfgang Hölscher mit seinem Aufsatz Krisenmanagement in Sachen EWG näher mit der deutschen Haltung.9 Hölscher konnte für seine Arbeiten jedoch lediglich auf die Reihenpublikation der Akten der Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (AAPD) aus dem Jahr 1963 zurückgreifen. Die Publikationen der AAPD für das Jahr 1962 erschienen erst 2010. Die vorliegende Arbeit versucht daher, durch die zusätzliche Sichtung der AAPD aus dem Jahre 1962, seine Forschungen zu vervollständigen.

Neben den AAPD wurden für die Haltung Konrad Adenauers zudem die Edition seiner Briefe von 1959 bis 1963, die Teegespräche von 1961 bis 1963 sowie seine persönlichen Erinnerungen aus demselben Zeitraum gesichtet.10 Der Standpunkt Schröders wurde durch etliche Reden, Vorträge und Erklärungen des Außenministers vervollständigt.11 Da der damalige Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard in den herangezogenen Bänden der AAPD der Jahre 1962 und 1963 kaum Erwähnung findet,12 wurde für die Ermittlung seiner Positionierung ebenfalls auf veröffentlichte Reden sowie auf von ihm selbst verfasste Zeitungsartikel zurückgegriffen. Die Skizzierung seiner Haltung gegenüber der EWG soll dazu dienen, Schlüsse auf seine Positionierung hinsichtlich des ersten britischen Beitrittsgesuchs ziehen zu können.13

2. Die EWG und der erste Beitrittsgesuch Großbritanniens

a. Die Europapolitik de Gaulles

„Niemand ist mehr von der Notwendigkeit, Europa zu schaffen, überzeugt als ich.“14

Bei dem Versuch, die europapolitische Konzeption Charles de Gaulles zu konturieren, stößt man auf die politischen Sichtweisen zweier Jahrhunderte. De Gaulle tendierte oftmals dazu, seine Politik aus geschichtlichen Prozessen abzuleiten. Seine Überlegungen durchliefen zumeist eine Entwicklung, wobei seine Handlungen seit langem vorgedacht und als Fernziele postuliert waren. Darüber hinaus ähnelten seine Vorstellungen und Visionen eines Nationalstaates zum einen sehr dem 19. Jahrhunderts, wobei die Begriffe „Nation, Unabhängigkeit und Größe“ eine zentrale Rolle einnahmen.15 Zum anderen besaß de Gaulle aber auch ein außerordentliches Gespür für die Entwicklung machtpolitischer Realitäten. Der russisch-amerikanische Antagonismus veranlasste ihn dazu, über den französischen Rahmen hinauszudenken und die Schaffung einer europäischen Gemeinschaft ins Auge zu fassen. Die Größe Frankreichs bildete dabei Ausgangspunkt und Zielvorstellung zugleich.16

Obwohl de Gaulle bereits während des Zweiten Weltkriegs die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft anvisierte, standen die einzelnen Völker auch fortan im Mittelpunkt seiner Überlegungen. Die internationale Politik war für ihn auch zukünftig eine Auseinandersetzung zwischen Nationen, weshalb auch die Verfolgung nationaler Interessen weiterhin das Ziel außenpolitischen Handelns darstellten sollte.17 Dennoch verstand der General den Nationalismus nicht als hegemonialherrschaftliches Instrument gegenüber anderen Staaten, sondern vielmehr als „Klammer für die Einigung der Franzosen im Inneren“.18 Rekapituliert man die nationalistisch geprägte Denkschule de Gaulles, so wird deutlich, warum er die Nachkriegsordnung von Jalta und Potsdam nie akzeptierte. Da Frankreich 1940 militärisch besiegt worden war, spielte es in den Plänen der übrigen Siegermächte keine bedeutende Rolle. Das Hauptziel de Gaulles bestand demnach in der Wiederherstellung der französischen Großmachtposition.19 Für ein französisch geführtes Europa, das er neben den zwei führenden Blöcken postieren wollte, erhoffte er sich eine Art Schiedsrichterfunktion oder zumindest die Schlichterrolle. Die Konsequenz wäre ein globales Mitsprache- und Mitentscheidungsrecht gewesen. Es gehörte zu seinen Beweggründen, das bipolare System mit dem angelsächsischen und dem sowjetischen Lager zu überwinden.20 Die gaullistische Außenpolitik konzipierte dafür die Vorstellung eines Europas vom „Atlantik bis zum Ural“.21 Auch de Gaulles Überlegungen von einem „Europa der Vaterländer“ dienten primär dazu, „die Sicherung der Unabhängigkeit und der Handlungsfähigkeit Frankreichs angesichts des drohenden Übergewichts der beiden neuen Weltmächte zu gewährleisten“.22

In dem Wissen, dass Frankreich mittlerweile zu schwach war, um eine unabhängige Rolle in der Weltpolitik spielen zu können, unterstützte de Gaulle die Planungen zu einer politischen und wirtschaftlichen Gemeinschaft auf dem Kontinent. In einer europäischen Union sah de Gaulle daher die beste Möglichkeit, den fortschreitenden Prozess einer supranationalen Integration nach seinen Auffassungen umzuformen und sie in eine politische Konföderation umzuwandeln.23 Trotzdem war sich der General bewusst, dass die Schaffung einer europäischen Gemeinschaft die Implementierung von supranationalen Organen voraussetzte. Jeder Mitgliedsstaat sollte daher durchaus „einen Teil seiner Souveränität delegieren“ und „bestimmte Kompetenzen und Entscheidungsvollmachten abgeben“.24 Welche dies aber sein sollten, wollte de Gaulle selbst bestimmen.

Auch die ab 1957 ins Leben gerufene Europäische Wirtschaftsgemeinschaft kann als Werkzeug verstanden werden, die für Frankreich erforderlichen wirtschaftlichen Leistungen für die geplante Großmachtstellung zu gewährleisten. Gerade für die in Überproduktion befindliche französische Landwirtschaft sollten zollfreie Absatzmärkte geschaffen werden.25 Der langjährige Außenminister Couve de Murville sah in einem Gemeinsamen Markt sogar die „Schaffung eines Instruments, das das Potential, die Produktionskraft und den Wohlstand der Sechs fördern könnte“. Insbesondere für Frankreich erhoffte er sich „eine einmalige Gelegenheit zum Ausbruch aus einem ererbten Protektionismus und [der] Teilnahme am internationalen Leben und Wettbewerb“.26 In der Sicherung traditioneller Absatzmärkte, in der Modernisierung der Industrie und in der Sanierung der französischen Landwirtschaft werden de Gaulles europapolitische Absichten deutlich. Die EWG, zur Zeit der Vierten Republik von de Gaulle noch scharf kritisiert, war nunmehr Hilfsmittel für die Umsetzung seiner europäischen sowie weltpolitischen Ziele. Durch die Durchsetzung französischer Interessen und die entsprechende Eingliederung in den Gemeinsamen Markt sollte die marode französische Ökonomie reformiert werden. Die Expansions- und Konkurrenzmöglichkeiten innerhalb der Wirtschaftsgemeinschaft sollten die verkrusteten Strukturen aufbrechen.27

Die gaullistische Europakonzeption lässt sich hinsichtlich des britischen Beitrittsgesuchs 1961 also wie folgt zusammenfassen: Erstens sollte ein Europa unter französischer Führung entstehen, das sich anschließend neben den beiden etablierten Machtblöcken positionieren und somit die enge Beziehung Londons zu Washington egalisieren sollte. Die gleichzeitige Distanzierung von Amerika implizierte demnach auch die Möglichkeit einer unabhängigen nuklearen Verteidigung fernab der NATO. Zweitens wollte de Gaulle die europäische Integration dazu nutzen, die Wirtschaftsgemeinschaft in eine politische Union mit konföderalem Charakter umzuwandeln. Der Führungsanspruch Frankreichs innerhalb Europas sollte durch die Verringerung supranationaler Elemente in der EWG gewahrt werden. Und drittens sollte die Bundesrepublik als französischer Juniorpartner aufgebaut werden. Nur so erhoffte sich de Gaulle ein starkes Europa, das als 28 dritte Weltmacht Anerkennung finden sollte.

b. „Why did de Gaulle do it?”- Großbritannien und der erste Beitrittsversuch

Bei der conf é rence de choc vom 14. Januar 1963 sagte Charles de Gaulle gleich dreimal ‚Nein‘. Neben der Absage an das britische Beitrittsgesuch zur EWG, wies der General auch das britisch-amerikanische Vorhaben einer multilateralen NATO-Atomstreitmacht sowie das amerikanische Angebot der Lieferung von Polaris-Raketen an Frankreich zurück.29 Obwohl seine Absagen im ersten Fall in einem wirtschaftlichen und im zweiten und dritten dagegen in einem militärisch- politischen Kontext zu sehen sind, teilen sie jedoch dieselben Beweggründe.

Bereits am Ende des Zweiten Weltkriegs war de Gaulle mit dem Vorschlag für eine britisch-französische Führung Europas an London herangetreten. Die Reaktion des damaligen Premierministers Winston Churchill hatte ihm jedoch gezeigt, dass die Interessen der Insel stark von den seinigen divergierten, sich in Teilen sogar widersprachen.30 Das Desinteresse der britischen Regierung - von der Zurückweisung eines britisch-französisch geführten Europas in den 1940er Jahren, zur Absage an die Montanunion 1951 bis hin zur Nichtteilnahme an der Gründung der EWG 1958 - sollte de Gaulle nicht vergessen.31 Dass London nicht Mitglied in einem „Club der besiegten Nationen“ werden wollte, prägte sich der General ein.32 Höchstwahrscheinlich beeinflussten diese Negativerfahrungen seine Entscheidung, Großbritannien in Europa außen vor zu lassen.

Die britische Außenpolitik verfolgte hinsichtlich der Positionierung als Großmacht zusammengefasst drei Interessen: Die Erhaltung des Commonwealth, die Pflege der besonderen Beziehung zu den USA und Westeuropa - wobei Westeuropa am Schluss der Kette stand.33 Aufgrund der Befürchtung eines negativen Einflusses auf die ersteren beiden stand die britische Politik einer supranationalen Integration Europas daher weitestgehend ablehnend gegenüber. Genauso wie Frankreich musste London dennoch erkennen, dass die Grundpfeiler ihrer Außenpolitik zusehends instabil geworden waren. Auch die Beweggründe Londons, im August 1961 folglich den Schritt nach Europa zu wagen, lassen sich in politische und wirtschaftliche Ziele unterteilen.34

Politisch hatte Großbritannien, wie Frankreich ein Jahrzehnt zuvor, mit einem fortschreitenden Entkolonialisierungsprozess zu kämpfen. Länder wie Australien oder Kanada näherten sich zunehmend den USA an, während Indien oder Pakistan versuchten, sich in der Mitte der blockfreien Staaten zu postieren.

Sie wollten ihre eigene wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben und ihren Außenhandel auf andere Staaten ausdehnen. Die unabhängig gewordenen Nationen erkannten daher den uneingeschränkten Führungsanspruch Londons immer weniger an.35

Zu Beginn der Verhandlungen zur EWG 1961 zeigte sich daher, wie schwierig es für die britische Regierung werden sollte ihre eigenen Interessen durchzusetzen: Wollten sie - erstens - ihren Führungsanspruch innerhalb des Commonwealth aufrechterhalten, musste sie dessen Interessen besonders in der Agrarpolitik durchsetzen; es sollte als Anreiz dienen, Teil des Commonwealth zu bleiben. Demnach pochte London darauf, den EWG-Markt für Commonwealth- Güter zu öffnen. In puncto Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) war die Gemeinschaft der Sechs jedoch kaum zu weitreichenden Konzessionen bereit. Vor allem Frankreich befürchtete durch die ‚Überschwemmung‘ des Marktes durch britische Fertigprodukte negative Auswirkungen auf die eigene Landwirtschaft. Vielmehr wurde London dazu gedrängt, dass sich die Commonwealth-Länder stattdessen neue Märkte für ihre Agrarprodukte suchen sollten. Dies hätte aber womöglich das Ende der Führungsrolle Großbritanniens innerhalb des ehemaligen Empires bedeutet.36 Wollte das Königreich - zweitens - seine enge Bindung an die USA aufrechterhalten, musste London notgedrungen den Weg nach Europa finden. Washington hatte im Rahmen des Grand Design damit begonnen, seine politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen zum kontinentalen Europa zu intensivieren. Großbritannien musste daher befürchten, die special relationship zu den USA zu verlieren. Von der Gewinnung der Position eines führenden Mitgliedes innerhalb der Wirtschaftsgemeinschaft versprach sich London deshalb, seine privilegierte Stellung bei den USA aufrechtzuerhalten.37 Bei den Verhandlungen versuchte London beide Ziele gleichzeitig umzusetzen.

[...]


1 Gespräch des Bundeskanzlers Adenauer mit dem amerikanischen Botschafter Dowling am 24. Januar 1963. AAPD 1963, Dok. 52, S. 177.

2 Der genaue Wortlaut der Pressekonferenz vom 14. Januar 1963 findet sich bei BRUNN, Die Europäische Einigung, S. 152f.; sowie im ARCHIV DER GEGENWART 33, 14. Januar 1963, S. 10357, als auch bei KAPFERER, Charles de Gaulle, S. 289.

3 Vgl. MAILLARD, De Gaulle und Deutschland S. 271.

4 Gesandter Knoke aus Paris an das Auswärtige Amt. AAPD 1963, Dok. 21, S. 67.

5 BRUNN, Die europäische Einigung, S. 134. Italien sowie die Benelux-Länder befürchteten, durch die deutsch-französische Aussöhnung innerhalb der EWG an Einflussnahme zu verlieren.

6 LOTH, de Gaulle und Europa; LOTH, De Gaulle; WOYKE, Außenpolitik, Lucas, Europa.

7 Um nur einige zu nennen: STEININGER, Großbritannien und de Gaulle; STEININGER, 1961: „Europe at Sixes and Sevens“; MERGEL, Großbritannien seit 1945; KREUTZFELD, Point of return; KAISER, Großbritannien; KAISER, To Join, or not to join. Zur einführenden Lektüre: BRUNN, Die Europäische Einigung, S. 149-157; sowie ELVERT, Die europäische Integration, S. 75-82.

8 Um nur einige zu nennen: KAPFERER, De Gaulle; Hentschel, Charles de Gaulle.

9 HÖLSCHER, Krisenmanagement, S. 9-44.

10 ADENAUER, Teegespräche; sowie ADENAUER, Erinnerungen; ADENAUER, Briefe.

11 Zusammengefasst finden sich diese bei: SCHRÖDER, Wir brauchen eine heile Welt.

12 Bei den AAPD handelt es sich ausschließlich um Aufzeichnungen und Korrespondenzen zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik.

13 Zusammengefasst finden diese sich bei: ERHARD, Deutsche Wirtschaftspolitik.

14 Zitiert in: LOTH, De Gaulle und Europa, S. 637. De Gaulle Ende 1948 gegenüber Richard Graf Coudenhove-Kalergi. Zu diesem Zeitpunkt sah er die Gestaltung einer Europäischen Gemeinschaft zur Eindämmung der Sowjetunion für zwingend erforderlich.

15 KAISER, EWG und Freihandelszone, S. 203; WOYKE, Frankreichs Außenpolitik, S. 27.

16 LOTH, De Gaulle und Europa, S. 630; Vgl. dazu SCHWARZ „Frankreich führt oder geht allein“ in: Anti-Europäer oder Realist?, S. 163; Zur Präsidentschaft de Gaulles siehe auch HENTSCHEL, Charles de Gaulle, S.229-241; sowie LOTH, Charles de Gaulle, S. 223-248.

17 WOYKE, Frankreichs Außenpolitik, S. 27.

18 Ebd., S. 28; sowie LOTH, de Gaulle und Europa, S. 646f. Aufgrund der Krise, die Frankreich mit dem Algerienkrieg durchlebte, war es de Gaulle wichtig, seinen Landsleuten wieder das notwendige Selbstvertrauen zu vermitteln. Weiterführende Literatur zu de Gaulles Innenpolitik siehe SCHUBERT, Zwischen politischen Visionen und Realpolitik, S. 56-70. Zur Entwicklung der politischen Denkweise de Gaulles siehe: WAECHTER, Der Mythos; sowie MORAVCSIK, De Gaulle and Europe.

19 Das durch Stalin, Roosevelt und Churchill geschaffene System von Jalta und Potsdam nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Frankreich außen vorgelassen, was in den nächsten Jahrzehnten zu Streitpunkten zwischen Paris und den anderen Siegermächten führte. Siehe dazu WOYKE, Frankreichs Außenpolitik, S. 29. Zur Konferenz von Jalta empfiehlt sich: DÜLFFER, Jalta; sowie zur Konferenz von Potsdam: MEE, Die Teilung der Beute.

20 LOTH, De Gaulle und Europa, S. 653.

21 WOYKE, Frankreichs Außenpolitik, S. 29; Zur Konzeption vom „Atlantik bis zum Ural“ siehe LUCAS, Europa, S. 81-169.

22 LOTH, De Gaulle und Europa, S. 632; auch hier wird ersichtlich, dass de Gaulles europapolitisches Handeln stark von der jeweiligen Zeit und den jeweiligen Ereignissen beeinflusst wurde.

23 WOYKE, Frankreichs Außenpolitik, S. 40; sowie Loth, De Gaulle und Europa, S. 657. Zu den Fouchetplänen siehe Brunn, Die Europäische Einigung, S. 138-144; zur EWG siehe SCHMIDT und SCHÜNEMANN, Europäische Union, S. 332-336

24 LOTH, De Gaulle und Europa, S. 640ff.

25 Ebd., S. 630; sowie WOYKE, Frankreichs Außenpolitik, S. 40.

26 Zitiert in: WOYKE, Frankreichs Außenpolitik, S. 40. Maurice Couve de Murville war von 1958 bis 1968 französischer Außenminister unter de Gaulle. Siehe dazu ELVERT, Die europäische Integration, S. 80f. Auch Loth zitiert hier Jean Monnet, der die Schaffung eines europäischen Großmarktes als Voraussetzung für eine wirtschaftliche Gesundung Frankreichs bezeichnete, in: LOTH, De Gaulle und Europa, S. 630. Jean Monnet war Wegbereiter der europäischen Einigungsbestrebungen und entwickelte die Idee zur EKGS. Siehe dazu: SCHWABE, Jean Monnet.

27 KAISER, EWG und Freihandelszone, S. 206.

28 STEININGER, Großbritannien und de Gaulle, S. 117.

29 Hierbei sollte erwähnt werden, dass de Gaulle den britischen Plänen einer europäischen Freihandelszone bereits 1958 eine erste Absage erteilt hatte. Bei seinem Nein aus dem Jahr 1963 handelt es sich demnach um die zweite Absage hinsichtlich der Partizipation Großbritanniens an einer europäischen Integration. Siehe dazu: KAISER, Großbritannien, S. 104. Die Lieferung amerikanischer Atomraketen hätte wie bei Großbritannien die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten bedeutet, weshalb sich de Gaulle entschieden dagegen aussprach; siehe dazu: STEININGER, Großbritannien und de Gaulle, S. 87.

30 KAISER, EWG und Freihandelszone, S. 208. Bereits Churchill argumentierte, dass sich die französischen und britischen Interessen nicht überschnitten.

31 KAISER, Großbritannien, S. 104. Vielmehr verwies London auf den Souveränitätsverlust in einer Organisation, die sich langfristig zu einem supranationalen europäischen Bundesstaat entwickeln könnte. Siehe hierzu.

32 BALL, The Past Has Another Pattern, S. 209f; sowie SCHMIDT, Großbritannien, S. 169-231.

33 KAISER, Großbritannien, S. 121. Die Sonderbeziehung zu Washington wurde in London als Fortsetzung der Allianz im Zweiten Weltkrieg interpretiert. Bereits 1946 bei der Aufkündigung der nuklearen Zusammenarbeit (Manhattan-Projekt) war deutlich geworden, dass die USA andere Interessen verfolgten.

34 WOYKE, Frankreichs Außenpolitik, S. 45; sowie BRUNN, Die Europäische Einigung, S. 149f. Auch hier lassen sich wieder etliche Gemeinsamkeiten zwischen den britischen und den französischen Interessen erkennen. Bereits im Vorfeld zum offiziellen Beitrittsgesuch Londons durch Macmillan 1961 hatten schwierige Vorgespräche mit den Ländern des Commonwealth, der EFTA sowie der USA gezeigt, wie schwierig die Verhandlungen mit der EWG werden würden. Dazu STEININGER, 1961: „Europe at Sixes and Sevens, S. 4-29.

35 KAISER, Großbritannien, S. 119.

36 STEININGER, Großbritannien und de Gaulle, S. 90; Das britische Konzept entsprach einer möglichst wenig institutionalisierten und zwischenstaatlich organisierten Freihandelszone. In diesem Aspekt widersprach sie entschieden dem Vorhaben einer europäischen Integration durch die EWG. Siehe dazu: KAISER, Großbritannien, S. 104f.

37 BRUNN, Die Europäische Einigung, S. 149ff; WOYKE, Frankreichs Außenpolitik, S. 45; STEININGER, Großbritannien und de Gaulle, S. 90. Zum Grand Design siehe: MAJOR, President Kennedy`s ‚Grand Design‘.

Details

Seiten
36
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668612327
ISBN (Buch)
9783668612334
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385763
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
De Gaulle EWG Beitrittsgesuch Adenauer Schröder Erhardt Brexit

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Titel: Die Haltung der deutschen Bundesregierung zum britischen Beitrittsgesuch zur EWG und seiner Ablehnung durch de Gaulle